Nr. 1 13 Zweites Blatt.
154. Jahrgang
Erscheint täglich mU Ausnahme des CormtagS.
Die „Siebener LamilienblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der „yeffische Landwirt' erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Montag 16. Mai 1904
Rotationsdruck und Verlag der BrÜhlfich« UniversttLtSdruckerei. SL Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.^ Del. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
s ' .............. 1 ■■■ ■ ■■ -......... ■■■■■■-■ '."U.. ....... Will । ■■ ■■■■■■.....
Die heutige Yurnmer umfaßt 12 Seiten.
Politische Wochenschau.
G i e ß e n, 16. Mai 1904.
Der Warnungsruf des Hess. Landtagsabgeordneten und Bürgermeisters unseres Nachbarortes Großenlinden, Herrn Leun, daß die Vermehrung der Zahl der Abgeordneten der zweiten Hess Kammer ihre recht bedenkliche Seite habe, verdient wahrlich Beachtung. Wenden wir unsere Blicke -um Exempel nach der Reichs- bauptstadt. Was gab es doch dort in der vergangenen Woche für ein unaufhörliches Redeaeplätscher! Berge teilen sich und e* tritt hervor ein lächerliches Mäuschen, so mochte man ntü Ovid ausrufen. Im Reichstage kamen in lieblichem Durcheinander die Entlastung des Reichsgerichts, die dritte Lesung der R ei ch s fin an zre f orm , die übrigens endgiltig angenommen wurde, die Etats des Innern, sowie die des Heeres und der M a r i n e zur Verhandlung. Bei der Beratung des Etats des Innern kam es zu einer lebhaften Kontroverse zwischen dem Aüg. Bebel und dem Reichskanzler Grafen Bülow über die deutsche auswärtige Politik und den Hcrero- aufstand. Der Führer der sozialdemokratischen Partei geißelte in besonders scharfen Worten die angebliche Begünstigung Rußlands durch unsere leitenden amtlichen Stellen, wobei er das Telegramm des Kaisers an Nikolaus IL erwähnte, in dem der erstere dem Zaren seine Sympathien gelegentlich des Unterganges des „Petropawlowsk" ausgedrückt hatte. Eine solche Bevorzugung Rußlands verstoße gegen die Neutralitätserklärung Deutschlands. Die ganze Schale seines Zorns goß er dann aber über unser gegenwärtiges Schmerzenskind, die südwestafrikanische Kolonie, aus, indem er zu beweisen versuchte, daß nicht etwa die armen mißhandelten Hereros, sondern die bösen, besitzlüsternen Deutschen die Hauptschuld an dem Zustandekommen des Aufstandes gehabt hätten. Graf Bülow und der Kolonialdirektor S t ü b e l antworteten nacheinander auf diese Vorwürfe. Vornehmlich an dem ersteren fiel es auf, daß er nicht so frisch gegen seinen alten Widersacher zu Felde zog wie sonst. Pessimisten wollten denn auch gleich wissen, daß Verstimmungen zwischen Kaiser und Kanzler eingetreteu seien und daß ein Wechsel in der Person des obersten Reichsbeamten nicht ausgeschlossen sei. Der Chef der kolonialen Angelegenheiten, Stübel, dessen Stellung erschüttert sein soll, suchte üenfalls nach Möglichkeit die Beschuldigungen Bebels zu entkräften, mit nicht viel besserem Erfolg als der Kanzler.
Im preuß. Abgeordnetenhaus wurde die Vorlage über 6\t Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen an eine Kommission verwiesen. Diese hat am 13. d. M. einstimmig das ganze Gesetz in erster Lesung gegen eine Stimme angenommen. Sie beschloß, die drei Hochwasservorlagen zunächst in erster und zweiter Lesung durchzuberaten, dann das erweiterte Detchgesetz und erst dann die Kanalvorlage. — Was im preuß. Parlament über das Spielen in auswärtigen Lotterien gesprochen wurde, war für uns in Hessen wenig erfreulich. Man ist doch in Preußen noch gar sehr partikula- ristisch und auf den eigenen Vorteil in kleinlicher Weise bedacht. Der Reichsgedanke tritt namentlich in finanziellen Fragen in Preußen stets in dm Hintergrund.
Alle diese Debatten standen an Bedeutung sehr vor derjmigm zurück, die am letzten Mittwoch im preußischm Herreuhause stattfand. Es ist sehr feiten, daß die Redeturniere in den elften Kammern eines Bundesstaates, zumal eines anderen, irgendwie die Aufmerksamkeit bm politischen Kreise, vom großen Publikum gan- zu schweigen, zu erregm vermögen. Umsomehr verdient das so selten eintrcktende Gegenteil Hervorhebung. Es handelte sich also zunächst um eine Jesuitendebatte, die im wesentlichen durch die Auseinandersetzungen des Hallischen Professors Loening und deS Fürstbischofs Kardinals Kopp auSgefüllt wurde. Die in vornehmem und sachlichem Tone gehaltenen Reden atmeten Versöhnlichkeit, wenn auch niemand erwarten wird, daß durch dergleichen verbindliche Gedankenaustausche irgendwelche praktischen Ziele weder jetzt noch in Zukunft erreicht werden. Zwei Redner der Rechten, v. Manteuffel und Graf Mirbach gabm ihre Ansichten über die innerpolitische Lage zum Besten. Ihre Ausführungen gipfelten in der Behauptung, daß an allen Uebeln, an denen wir gekrankt hätten und noch krankten, nur die Sozialdemokratie schuld sei. Ministerpräsidmt Graf Bülow, der seine Elastizität wieder gefunden hatte, antwortete., auf die Ausstellungen mit seiner bekannten Bonhomie, daß er eine energische Sozialreform für seine erste Pflicht halte, und forderte schließlich das Haus auf, sich in den jetzigen ernsten Zeiten um die gemeinsame Fahne der angestammten Monarchentreue zu sammeln, als des einzigen ruhenden Pols in der heutigen Erscheinungen Flucht. Jetzt kommt die lustige Nachricht aus Berlin, daß die Sozialdemokratie beabsichtigt, die HerrenhauSreden gegen die Sozialdemokratie vom 1. und 13. Mai nach Ev- scheinen des amtlichen Stenogramms als Agitations- b r o s ch ü r e herauszugeben. Daß die Herren es wie sonst verstehen werden, Tatsachen auf den Kopf zu stellen und alle kleinen Ungeschicklichkeiten, Uebertreibungen und Ungenauigkeiten nach Kräften auszubeuten, läßt sich denken.
Durch die Ernennung des Generalleutnants v. Trotha zum Oberstkommandierenden der zur Bewältigung des südwest- afrika Nischen Aufstandes ausgesandten Truppen ist eine neue Komplikation in den dortigen verfahrenen Verhältnissen eingetreten. Es steht, nach einer von unS wiedergegebenen etwas beruhigenden, aber recht unbestimmten offiziösen Erklärung, zu befürchten, daß der bisherige Gouverneur Leutwein durch diese über seinen Kopf weg verfügte Designation Trotbas verletzt, seinen Abschied fordern könne, nm den unwirtlichen Gegenden unserer ersten unb ältesten Kolonie auf immer den Rücken zu kehren. Da er aber anerkanntermaßen durch seinen dortigen laugen Aufenthalt der beste Kenner des Landes und der Eingeborenen ist, so wäre dies wieder ein neuer Schlag für uns, der um so schweren ins Gewicht fiele, da General Trotha noch niemals in SüdwOafrika gewesen und demgemäß ganz auf unverantwortliche Rcttgcbcr angewiesen ist,, was schon daraus hervorgeht, daß ihm zur Unterstützung em nnverhältnismäßlg großer Stab von Offizieren und höheren Beamten mitgeaeben werden soll. Der nächste Transport für Deutsch-Südwest-Äfrika verläßt am 19. Mai Berlin und tritt am 20. von Hamburg aus die Ausreise an. Gr besteht aus 25 Offizieren, 40 Unteroffi- zieren und 500 Mann. Mit diesem Transport zugleich wird auch Generalleutnant v. Trotha die Reise antreten.
Im Auslande hat der Fall des früheren italienischen Ministers Nasi großes und berechtigtes Aufsehen gemacht. Dieser brave ehemalige Träger der höchsten Beamtenwürde auf der appeninischen Halbinsel hatte die Stellung deS Unterrichtsministers dadurch besonders gewinnbringend zu gestalten gewußt, daß er sich bestrebte, durch eine wohlorganisierte, mit beispielloser Frechheit durchgeführte Hinterziehung und Vergeudung von ötaatsgeldern, seine Privatschatulle rrach Kräften zu bereichern. Dieses lange Zrtt hindurch betriebene, empörende Äusbeutungs- system mußte endlich in die Brüche gehen. Gegen den mit so hervorragenden Diebestalenten begabten hochgestellten Herrn wurde »endlich ein Hastbefc/hl erlassen, da er inzwilchen vorgezogen hatte
das Weite zu suchen. Gegenwärtig reist er unter falschem Namen in der WeÜ umher, seine baldige Festnahme dürste aber jedenfalls nur eine Frage der Zeit sein.
Auf dem Kriegsschaupltza in der Mandschurei baldigen die Russen immer noch dem Prinzip des Rückwärts- konzentrierens. Weit entfernt, sich von der deprimierenden Niederlage am Jalu erholt zu haben, scheint die russische Standhastigkeit dort einer schlaffen Energielosigkeit gewichen zu sein, wenigstens sollen übereinstimmende Berichte Alexejews und Kuro- patkins vorliegen, nach denen die ihnen unterstellten Truppen bedenkliche Zeichen von Demoralisation zu erkennen gegeben hätten. Immer von neuem bedrängen die aggressiven beweglichen Japaner ihre Gegner. In drei Kolonnen rücken sie jetzt von Föng- wangtschöng gegen die Russen in Liaojang beziehungsweise Mulden vor; die erste südlich nach Hailscheng, die mittlere über den Motien-Paß nach Liaoiang und die nördliche über Saimatsii, etwa 70 Kilometer noroöstlich von Föngwangtschöng, mit Umgehung des Motienpasses ebenfalls nach lüiaojang. Die mittlere Kolonne soll 45 000 Mann stark sein, der rechte Flügel 15 000 und der linke 30 000 Mann. In welcher Weise die Russen diesen getrennt marschierenden japanischen Truppen entgegentreten wollen oder können, weiß man nicht, da von japanischer Seite keine Berichte vorliegen, doch heißt es, daß General Kuropatkin sich neuerdings entschlossen habe, die Defilüs nicht, wie er anfänglich beabsichtigt haben soll, preiszugeben, sondern vielmehr energisch zu verteidigen. Kuropatkin,. an dessen Sendung sich seinerzeit so große Erwartungen knüpften, hat diesen bis jetzt in keiner Weise entsprochen. Wie es scheint, befindet sich der General in einer höchst ungemütlichen Lage. Die ihm unterstellte Truppenzahl ist nicht ausreichend, um einen kräftigen Gegenstoß gegen den siegestrunkenen Feind zu unternehmen, dazu kommt, daß die Nachschübe nur ganz allmählich eintreffen. Vor Mitte Juni dürfe er, wie ihm aus Petersburg bedeutet wurde, auf keine weiteren Verstärkungen hoffen.
Das wichtigste Ereignis aber, das sich in der letzten Woche im fernen Osten zugetragen hat, ist bte jetzt endgiltig erfolgte völlige Abschließung des Hafens von Port Arthur und die Abschließung der Festung auch von der Landseite. Damit ist der Fall dieses wichtigen Platzes nur noch eine Frage der Zeit. Wurde doch schon berichtet, daß die Lage in Port Arthur so verzweifelt sei, daß die Russen dort ihre Kriegsschiffe in die Luft gesprengt hüllen, damll sie nicht bei einer etwaigen lieber» gäbe in die Hände des Feindes fielen. Doch hat sich dieses Gerücht nicht betätigt Durch die Landung bei Pitzewo und durch die Besetzung Föngwangtschöngs sind die Japaner tatsächlich Herren derLiautunghalbinsel geworden. Als nächstes Eroberungsobjekt haben sie sich jetzt die am Liautunggolf belegene, zurzeit von plündernden Räuberbanden umschwärmte Hafenstadt Niutschwana auserseben, die auch kurz Über lang in ihre Hände fallen wird. Sind sie damit dann im Besitz der südlichen Mandschurei, so werden sie sicher sofort daran gehen, einen kräftigen Vorstoß nach Norden, zunächst auf Mukden, zu machen, um das Zentrum der russischen Aufstellung zu erschüttern. Das wird ihnen auch ohne Zweifel gelingen, es sei denn, daß neue unvorhergesehene Zwischenfälle, besonders auf finanziellem Gebiet, einträten. Denn daß sich die Japaner immer noch in Geldnöten befinden, beweist u. a. schon die neue Anleihe, die sie in England und Amerika ausgenommen haben. Es steht jedoch anzunehmen, daß sie auch diese immer wieder von neuem auf» tauchenden Hindernisse auf finanztechnischem Gebiet geschickt aus dem Wege räumen werden.
Aus Stadt uni» Kani».
Gießen, den 16. Mai 1904.
Der Nachdruck unserer durch Korrespondenzzeichen gekennzeichneten Originalartikel ist nur unter Zitat des „Gieß. Anz." gestattet.
— Auf den Antrag deS hiesigen Vereins Deutscher Studenten faßte der Studentenausschuß der Landesuniversität einstimmig den Beschluß, folgende Beifallskundgebung an den Rektor und die deutsche Studentenschaft Prags abzusenden:
Die Studentenschaft der Landesuniversität Gießen hat mit Freuden Kenntnis genommen von der einmütigen Abwehr der durch die Tschechen erfolgten Angriffe auf die Prager deutschen Studenten. Sie beglückwünscht Ew. Magnifizenz und die gesamten deutschen Studentel» Prags zu der mannhaften Vertretung deutscher gntereffen in der Ostmark und hofft, daß ihr Kampf mit endlichem ieg der deutsche»» Sache belohnt wird.
** Die städtische Baudeputation, resp. deren Mitglieder, sowie der Oberbaurat Schmick werden sich Mitte dieser Woche nach Kassel und Hannover begeben, um die dortigen Klärbecken-Anlagen zu besichttgen, welche dort nach dem für Gießen geplanten System errichtet sind. Wir hören übrigens, daß der größte Teil des für die Klärbecken nötigen Geländes der Stadt bereits für die alsbaldige Inangriffnahme der Anlage zur Verfügung gestellt ist.
** Ermittelte Einbrecher. Die vier Einbrecher, welche in der Nacht vom 29. auf den 80. März l. Js. an fünf verschiedenen Stellen in der Stadt, darunter in das Stationsgebäude der Biebertalbahn, eingebrochen waren, sind ermittelt und in Haft gebracht worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind es dieselben Leute, die im November v. Js. nächtlich an verschiedenen Stellen der Stadt, darunter im Tichy'schen Geschäft, einbrachen.
•• Grasbrand am Bahndamm. Man schreibt unk: Sowohl am Himmelfahrttage zwischen 5 und 6 Uhr mittags, wie auch am gestrigen Sonntag zwischen 12 und 12M4 Uhr mittags standen Sttecken des Cisenbahndammes zwischen der Westrmlage und der Hammstraße in Flammen, offenbar verursacht durch brennende Stoffe, die von den Lokomotiven ausgeworfen sind. Seit vielen Jahren wiederholt sich dies immer wieder, ohne daß Abhilfe geschafft wird, obwohl sich dort ein Holzlager befindet, das leicht in Brand geraten kann, wodurch die anliegenden Häuser schwer gefährdet werden würden.
** Motorradler. Bttm macht uns aus unserem Leserkreise darauf aufmerksam, daß dte fett einiger Zett in der Stadt zahlreich auftretenden Motorradler die die öffentliche Sicherheit verbürgende Rücksicht zuweilen außer Acht lassen. Azn SamStag nachmittag raste in der Grünbergerstraße ein solcher Sportsman an einem zu Pferde sitzenden Herrn vorbei, daß dessen Pferd hoch aufbäumte und sich fast überschlug. „Einige dieser Sportsleute", so schreibt mts dieser Herr wörtlich, „stellen, iuenn sie einem Retter begegnen, für den Moment den rasselnden Motor ab und
verlangsamen die Fahrt in rücksichtsvoller Weise, doch sind dies nur wenige. Auch dürfte wohl durch Polizetverordnung eine Maximalgeschwindigkeit für Fahrer im (5tabtgebiet festgelegi sein- und Unzeiten seitens des Publikums diesem Sportvergnügen seine gefährlichen Folgen nehmen." — Wir fügen dieser Zuschrift hinLu, daß nach § 11 der Hess. Verordnung bete. Fahrräder und Automobil innerhalb der Ortschaften der Radfahrer nur mit der Geschwindigkeit eines mäßig trabenden Pferdes fahren darf, und nach § 14 hat der Radfahrer, sobald bei dem Begegnen oder Vorbeifahren ein Pferd unruhig oder scheu wird, nötigenfalls abzusteigen. Gr darf erst dann wieder aufsitzen, wenn das Pferd sich beruhigt hat, oder sich in angemessener Entfernung von ihm befindet. Zmviderhand- lungen werden mit Geldstrafe bis zu 40 Mk. oder mit Hast bis zu 14 Tagen bestraft.
-s- Bienenzüchter-Versammlung. Das herrliche Frühlingswetter der letzten Tage hat nicht allein die Bienen zu starken Ausflügen bewogen, sondern am gestrigen Sonntag waren auch die Bienenpfleger aus allen Teilen Oberhessens und den angrenzenden preußischen Landesteilen zu einer stark besuchten Bienenzüchter-Versammlung im VereinSlokal zu Gießen zusammengekommen. Neben den erschienenen Mitgliedern, wohl 50 an der Zahl, hatten sich auch viele Neulinge eingefunden, welche ihren Beitritt zum Oberhessifchen Bienenzuchtverein erklärten. Im Mittelpunkt der sehr reichhaltigen Tagesordnung stand ein Vortrag des Lehrers K l i n g- Lindenstruth „Das Schwärmen und die Behandlung der Schwärme". Das Thema war zeitgemäß gewählt, denn einzelne Mitglieder, darunter auch zwei Herren aus Gießen, hatten gestern bereits die ersten Schwärme eingefangen. Möge sich das alte Jmkerwort bewähren: „Ein Schwarm im Mai, ein Fuder Heu".
"Bezirkseisenbahnrat. Auf der Tagesordnung für die am 26. Mai in Mainz stattsindende Sitzung des Bezirkseisenbahnrats Frankfurt a. M. stehen folgende Anträge : 1. Antrag Dr. Deninger-Mainz, Ingenieur Schiele- Gießen und Regierungsrat Noack-Darmstadt aus Errichtung einer Haltestelle für Güter- und Personenverkehr an der Frankfurt a. M.-Bebraer Eisenbahn bei Dietesheim a. M. 2. Antrag Otto Bernhardt-Heiligenstadt (Eichsfeld) auf Weiterführung des Zuges 583 von Eichenberg bis Leinefelde und Einlegung eines Gegenzuges Leinefelde-Eichenberg. 3. Anträge Ingenieur Macco-Siegen und Kommerzienrat Klein- Dahlbruch bei Siegen auf: a. Zugveränderung an den bestehenden Schnellzügen auf der Deutz-Gießener und Betzdorf-Hagener Strecke, d. Einrichtung einer wettern Schnellzugverbindung der Deutz-Gießener und der Betzdorf-Hagener Strecke.
-j- Lich, 15. Mai. Zu dem hier geplanten Denkmal für den früheren Fürsten Ludwig von Solms-Lich fanden bisher im alten Solmser Lande Sammlungen statt, die bis jetzt über 7000 Mk. ergaben.
X Krofdorf, 15. Mai. Am Freitag fand hier eine Sitzung deS Schulvorstandes statt, um über die Festsetzung der Ernteferien zu beraten. Bisher gab es in den altpreußischen Landen keine Festferien, sondern es war nur der Tag vor und nach jedem Feste schulfrei. Ja, selbst am Weihnachtsfeste wurde nicht einmal der Unterricht zwischen Weihnachten und Neujahr ausgesetzt. Ebensowenig gab es am Schluffe des Schuljahres, also mit Ostern, Ferien, sondern Lehrer und Schüler mußten schon am Donnerstag nach Ostern wieder den Unterricht aufnehmen. Das preußische Ministerium hat nun die Ferien für sämtliche Volksschulen folgendermaßen festgesetzt: Die Weihnachtsferien umfassen 10 Tage, die Osterferien 12 und die Psingstferien 6 Tage, Sommerund Herbstferien zusammen 6 Wochen; die Gesamtdauer der jährlichen Ferien beträgt 70 Tage. Der hiesige Schulvorstand der vereinigten Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg-Kinzenbach hat sich betreffs der Ernteferien für eine Zweiteilung, nämlich 14 Tage Heuferien und 4 Wochen Herbstferien, ausgesprochen. Um den Schulversäumnissen entgegenzutreten, darf auch aus dem Lande während der Sommermonate Halbtagsunterricht am Vormittag eingerichtet werden. Daher hat man hier die Bestimmung getroffen, den Nachmittagsunterricht im Monat August ganz ausfallen zu lassen.
§ Friedberg, 15. Mai. Ein Kirchenkonzert fand heute in der Stadtkirche durch den evangelischen Kirchengesangverein statt, welches sehr gut besucht war. Daß Konzert hatte dadurch eine besondere Bedeutung, daß es am selben Tage stattfand, da der evangelische Kirchengesangverein für Hessen in Darmstadt sein 2bjährigeS Jubiläum feiert. Zur Aufführuug gelangte das klangreiche Oratorium von Konstanz Berneckcr: „Christi Hinnnelfahrt".
g. Büdingen, 14. Mai. In unserem Kreise befindet sich außer dem Mathildenhospital in unserer Stadt, das jedoch in räumlicher wie in hygienischer Hinsicht den Anforderungen der Neuzeit nicht entspricht, keine weitere derartige Anstalt. Es ist deshalb der Eittschluß des Vorstandes des Mathilden- hoSpitals, einen Neubau aufzuführen, mit Freude zu begrüßen. Die Kosten werden sich auf 50—60000 Mk. belaufen. Die Stadt leistet hierzu einen Zuschuß von 10000 Mark. Mit den umliegenden Gemeinden sind z. Zt. ebenfalls Verhandlungen wegen Geivährung eines Beitrags im Gange. Vielleicht entschließt sich der Kreis, späterhin im westlichen Teil des Kreises ein weiteres Krankenhaus zu errichten.
[J Marburg, 15. Mai. In unserer Stadt gibt e5 jetzt billiges Brot zu essen. Die KonsumvereinS-Bäckerei verkauft nämlich ihr Brot an jedermann zu 40 und 42 Pfg. und das hat die Bäckerinnung veranlaßt, den BrotpreiS auf 36 und 40 Pfg. herabzufetzen.
Hanau, 15. Mai. Dem Direktor der hiesigen Königlichen Zeichcnatadcmie, Professor Max Niese, wurde st Zt.


