Ausgabe 
16.4.1904 Zweites Blatt
 
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Samstag 16. April 1904

Nr. 49

Zweites Blatt

154. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Iluste erlitten und das Kornhaus in Zieren berg wäh rend seiner fünf Betriebsjahre ohne Gewinn gear

W Heutige Mummer umfaßt 16 Seiten

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Ersäi-p ögllch mit Ausnahme befl Sonntags.

Die ,setzen er ZamilienblStter" werden dem ,Ann»n> viermal wöchentlich beigclegt. Der ,hes!W Canbwirr erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttätsdruckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.L» Tel. Nr. 5L Telegr^Adr. r Anzeiger Gießen.

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iMilche Nachrichten über Viehseuchen.

I Gehöft des Ackermanns Heinrich Becker zu Eln. Haus en (WreiS Marburg) ist ein Schwein an Rotlauf ge fallen KZ ist Gehöstsperre angeordnet.______________________

Voliiische Tagesschau.

Finanzielle Zuknnftsmufik.

R. Berlin, 15. April.

Täglicher Eingang

von Neuheiten

Bon den Kornhausern in Kurheffen.

MNHMen neulich nach einem Kasseler Blatte mitgeteilt, haft d 3 t: Dornhans in Hofgeismar im Vorjahre Ber -

^hrr-crkS- und Fahrradverkehr gesperrt.

t ^irßi'n, den 15. April 1904.

sGroßherzogliclie 'ßnliiciamt Gießen.

Herberg.

»erben «uchl, Mark ulabi- iebe$

unter 8L

' Dk Wi 8 marckstraße, zwischen Löber- und Stephan- flraßc r,, wttfb wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten üloittog, den 18. I. Mts. an bis auf weiteres für

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seiner fünf Betricbsjahre ohne Gewinn gear- ! t habe: es solle daher unter den Hammer kommen

bestreiten, daß die Zugehörigkeit eines Künstlers zu einer mißliebigen Vereinigung bei staatlichen Ankäufen von Kunst­werken in Betracht komme. Der Empfindung, daß die freien Künstler zu Gunsten der Akademiker benachteiligt würden, gab in markanter Weise auch der nationalliberale Abgeord. Tr. Beumer Ausdruck. Der Uckermärker Justizrat Dr. Rewoldt von den Freikonservatioen, nach eigener rich­tiger Selbstkritik ein.Kunstbanause", erkannte der SiegeSallee einen »hohen nationalen Wert' zu. Bekanntlich hat sich jüngst auf dem Kongreß für Schulhygiene in Nürnberg ein schwäbischer Schulprofefsor etwas anders und treffender aus­gesprochen. Das Zentrum ließ durch den Abg. Kirsch in einer wohl gut gemeinten, aber nichts weniger als sach­verständigen Rede erklären, die Kunst müße auf christlicher Grundlage ruhen. Herr Kirsch that außerdem den binsen­weisheitsvollen Ausspruch, daß Kunstwerke eine gewisse Zeit gebrauchen, um zur Anerkennung zu gelangen. Der Kon­servative Winkler faßte die Forderungen seiner Fraktion dahin zusammen: Wir wünschen keine einseitige Bevor­zugung oder Unterdrückung irgend einer Kunstrichtung. WaS nun sagte zu alledem der Kultusminister Dr. Studt? Er stehe mit voller Ruhe den gegen seine Verwaltung gerichteten Angriffen gegenüber. Die Schuld an der Beunruhigung und Mißstimmung maß Dr. Studt dersensationssüchtigen Presse" bei, die sich die Aufgabe stelle, eine gewisse Kunst­richtung hochzuheben. Er hätte mit mehr Recht die kunst- sachverständige Presse als oberste Gegnerin zu erkennen, namentlich die von Künstlern und bedeutenden Kunstkennern geleitete Fachpresse, die großen modernen Kunstzeitschristen, die für den Kunst fortschritt kämpfen. Indem er aber von dersensationssüchtigen Presse" sprach und seine ernst­hafte Gegnerschaft absichtlich unerwähnt ließ, tat er einen diplomatischen Schachzug, der nur bei den harmlosen Ge­mütern im preuß. Landtage einigen Eindruck machen konnte. Gleiche Berechtigung verdiene nur das wahrhaft Künst­lerische, meinte Herr Dr. Studt. Sehr richtig; aber Exzellenz Studt rechnet doch wohl die SiegeSallee in Berlin und die Werke der Herren Akademiedirektoren Prof. v. Werner unb Knackfuß, die ein Dürer unserer Tage für schlechte Tapeziererware erklären würde, in erster Linie unter daS wahrhaft" Künstlerische, weil sie an Byzantinismus nichts zu wünschen übrig lassen.

Warnung I

Die meisten Nachahmungen von Dr. Bommeln Haematogen werden, um das D. R. P. No. 81,391 zu umgehen, mit Zuhilfenahme von A<»ther bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das aetherfreie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. Bommel'« Haematogen und achte auf die Schutzmarke8äu-

Aie Kunkdeöatte im preuß. AögeordueHnyause.

Auch das preußische Abgeordnetenhaus hat nun seine Kunstdebatte gehabt. Wir haben darüber gestern schon das wesentlichste mitgeteilt. Auch im preuß. Landtage fiel, wie im Reichstage, manches herbe Wort über die Einseitig­keit der Berliner offiziellen Kunstauffassung und Kunstförderung. Zwar war die parlamentarische Kritik diesmal leider nicht ganz so einmütig, wie im Reichs­tage, es fielen auch mehr oder minder seltsame Aeußerungen gegen die Sezession; aber zum nachdrücklichen Verteidiger der von Staatsgunst bestrahlten unb mit Aufträgen bedachten national einwandsfreien",braven" Kunstrichtung warf sich nur der konservative Abg. v. Neumann auf. Dem eif­rigen alten Herrn entschlüpfte dabei die unfreiwillige Bosheit: Er wolle die Künstler der bekanntlich an Standbildern überreichen--Berliner SiegeSallee nicht sämtlich entschul­

digen! Darob lächelten selbst seine Parteifreunde. Zweimal ergriff der Abg. Albert Träger (fteis. Volksp.), der be­kannte Lyriker, daS Wort und beide Male fesselte er durch seine feinsinnigen und mit glücklichem Humor ge­würzten Ausführungen die Aufmerksamkeit auf allen Seiten deS HauseS. Träger definierte u. a. das Wesen der Sezession treffend als den Kampf der Eigenart gegen die Schablone, gegen den alten Zopf. Es sei nicht zu

Bekanntmachung.

Sgtir Verein deutscher Lokomotivführer und Heizer in Wornin! durch Entscheidung deS Kaiserlichen Aufsichtsamts für P' iMtnersicherung die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Deuts-iÄtr Reich erteilt worden.

Oiefesn, den 14. April 1904.

Großherzvgliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Hechler.

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und geschlossen werden.

Dem wirv jetzt von dem Direktor der Raiffeisen-Organi­sation für den Reg.-Bez. Kassel widersprochen. Das Korn­haus in Zierenberg sei nicht geschlossen worden, die Ge­nossen könnten vielmehr nach wie vor ihre Frucht anliefern, wie auch der Vertrieb der künstlichen Dünge- und Futter­mittel aufrecht erhalten werde. Von einem ablehnenden oder zusagenden Bescheid von feiten des Staates, betreffend die event. käufliche Uebernahme des Kornhauses durch die Ge­nossenschaft, sei bisher nichts laut geworden. Kein Ge­nosse der Kornhausgenossenschaft Zierenberg habe Verlust an den übernommenen Geschäftsanteilen gehabt, auch nicht der Darlehenskassenverein Zierenberg.

Wenn diese Mitteilungen richtig sind, dann wäre das ja im Interesse der ländlichen Teilhaber höchst erfreulich, Es bliebe also von den von uns wiedergegebenen B.'hanpt- ungen des Kasseler Blattes bestehen, daß das Hofgeismarer Kornhaus Verluste erlitten hat. Unwidersp'ochen geblieben ist auch die Behauptung, daß das Zierenberger Kornhaus trotz fünfjährigen Bestehens keinen Gewinn erzielt hat.

Die Generalversammlung der Kornhausgenossenschaft Zierenberg vom 22. Dezember 1903 habe, so heißt es weiter, einstimmig beschlossen, das Kornhaus dem Kreise Molfhagen unter allen Umständen zu erhalten, und eine der Zentral-Darlehnskasse in den letzten Tagen zuaegangene Petition sage, daß das Kornhaus auf keinen Fall einaehen dürfe. Die Kornhausgenossenschaft selbst habe an das Land­wirtschaftsministerium die Bitte gerichtet, das Kornhaus der Landwirtschaft zu erhalten.

Aus alledem ist zu schließen, daß die Verhältnisse des Zierenberger Kornhauses sehr im Argen liegen.

Das Kirchhainer Kornhaus, so wird weiter, im Gegensatz zu der Meldung eines großen Berliner Blattes, behauptet, sei aus eigenen Mitteln der Genossenschaft er­baut und denke nicht daran, die Hilfe des Staates in An­spruch zu nehmen, es sei seit Oktober vorigen Jahres in Betrieb.

2 Fragen, die das Unmögliche fordern, läßt sich der- nünff liictritmfe keine stichhaltige Antwort erwarten. Die chiÄWr ^Verwaltung hätte besser getan, das Auskunfts- lehrnm des Zentrums zur Reichssinanzrcform rundweg bzulldchicn: Wie sich die Finanzlage in den nächsten zehn ahrr ?nmach Ansicht der verbündeten Regierungen" ge- ai ermveÄde? Zwar nicht für zehn Jahre, aber doch für fünf '°M, liegt jetzt eine Berechnung vor. Wenn darin ! '!riptllive|se die Steigerung der Ausgaben der

r hei erwaltung auf nur ungefähr 34 Millio- 'ii, dttissolonialetats noch nicht einmal auf zwei liltUfoltti geschätzt wird, dann kann man nur den hei- e mLümsch hegen, so möge es kommen. Die Wirklichkeit - efto-nt jil^e Träume. Schon die angekündigte und als obfi rxkT' betrachtende Marinevorlage wird die 11 ö bein in die Höhe schnellen, und was Kolo-

. i Men können, insbesondere nicht vorgesehener Maßen, > 11ttltböit wir doch eben erst an S ü d w e st a f r i k a

is.ivBIließe sich eine drei -oder Vierfach höhere > ä begründen, ja, mit größerem Rechte, weil nun uiüIdas Ungünstige und Unerfreuliche auf Erden über« i'üegt.', irentig ist dagegen der Mehransatz für den , t_ tec Heeresverwaltung, eine Steigerung n o n umI 7 3 Millione n in den nächsten fünf Jahren, vie iMchfite Militärvorlage wird darnach nicht kn apf.kbemessen sein in ihren Ansprüchen. Im ganzen ver- .infMÜt Reichsscbatzamt die Steigerung der Aus- mb n : ? 2'etches bis zum Jahre 1909 auf etwa 230 Mrll.; gleich l .i i ä ch st e n Etatsjahr wird mit einem Fehl- beir w;v.>n 80 Millionen gerechnet. Die neue Reichs­steuer i virft! also ihren Schatten voraus.

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