pachtungSprotokoll eingetragen, wo doch Weber zu jemem Nachbar Henninger sich geäußert hatte, der Burgernieister Strohauer habe ihm das Grundstück für den alten Pachtzins eingetragen; Henninger solle aber ja nichts sagen, sonst tonne der Bürgermeister von seinem Dienst kommen. 3. Weiter liegt hier ein Fall vor gegen einen nicht richtigen Bericht, den Bürgermeister Strohauer für einen Landwirt mit Namen Jakob Moldaner an das Großh. Kreisamt Groß- IGerau abgegeben hat. 4. Der Bürgermeister Strohauer ließ 4>rei Traunngen durch den Beigeordneten vollziehen: derselbe durfte aber leine Eintragung in das Standesamtsbuch vollziehen, vielmehr vollzog der Bürgeriueister bei seiner Rückkehr von der Reise dieselben, als seien sie von ihm selbst vollzogen worden. Meines Erachtens liegt hier eine falsche Beurkundung vor. 5. Im Jahre 1897 war der Bürgermeister Strohauer als Kommissionsulitglied deS Zuchtviehvereins nach der Schweiz verreist. In dieser Zeit starb dem Gastwirt ^Schneider in Crumstadt ein Kind. Anstatt den Beigeordneten mit den Amtsgeschäftcn zu betrauen, ließ er während seiner Abwesenheit die Amtsgeschäfte ruhen und somit ist das Kmd, ohne daß die Sterbeurkunde ausgestellt war, beerdigt worden."
♦* Der Pfarrer der Aufklärun aszeit. Die- .knteressanle Thema behandelte der gestrige akademische Vor- ,trag des Prof. Dr. Trews. Indem er die lieblichen Bilder von Vossens ,^Luise" vor den Augen der Zuhörer entrollte, alt die glüdLd^n, harmlosen Menschen des Pfarrhauses zu Grünau zeigte, den würdigen Pfarrherrn im Schlafrock mit dem weltseeligen Lächeln aus den Lippen, das nicht die leiseste Ahnung erweckt, daß das Pfarramt ein kanipsreiches Amt ist, — wurde die ganze Poesie,, mit der die Literatur, nicht nur in Vossens „Luise", das Pfarrhaus umlvoben hat, in uris lebendig. Wir sehen den Pfarrer bn Sonnenschein des friedlichen Lebens und Eiuverneh- mens mit semer Gemeinde auch als Obstzüchter und Ge- müfegärtner in seinem Besitztum wandeln, sehen ihn^ rin Verkehr mit dem hochgrüflichen Haus und ebenso leutselig mit den Geringsten seiner Gemeinde sprechen, denen^gegen- über er keinen pastoralen Hochmut kennt. Aber diese Spczia- .lität des Pfarridylls bei Voß, welcher den eigenen, biederen Schwiegervater Johann Friedrich Boie zum Modell nahm, muß, wenn wir uns von dem Gebiet der Poesie abwenden und der historischen Forschung nachgehen, leider zerstört
werden. Botz hat allzu ;eyr Die Lchallen wegreroucyrerr, die die Lage des Pfarrhauses in der Ausllärungszeit doch auch verdüsterten. Als diese Zeit der Entkirchlichung kam, begann die Achtung vor dem Psarrerstande ofienbar zu Ulken; man sah ihn mit kritischem Auge an. Aber die Fehler und Mängel, die man dem Pfarrer vorwarf, wurden auch von Geistlichen selbst nicht verkannt, unb einige Kirchienhisloriker zeigen unverhohlen, wie sehr der Stand vom Geist der Zeit angekränkelt war und welch schwere Mig- stände sich daraus ergaben. Man warf dem Pfarrer vielfach Mangel an geistigem Interesse und Trägheit vor. In der schlechten Vorbildung, dem verwilderten Studenteuleben sind die Ursachen dafür zu suchen, daß in der Tat viel ^unlautere Elemente das Ansehen des Standes schädigten. Von der überaus schlechlen Examenspraxis sind viel Beispiele bekannt. Sehr interessant warell die belustigenden Ecleb- iiifse eines Examenskandidaten in Berlin, wovon Prof. Dr. Drews erzählte. Ter Kandidat, bekam einfach Migräne, wurde von dem würdigen Koniistorialrat als junger, unglücklicher, leidender Mann bedauert und mit einem erprobten Rezept bedacht — und das Examen war bestanden. Auch in der Stellenbesetzung herrschen die gröbsten Mißstände, die vor allem von der Willtür der Palronatsherren, die sich durch Geschenke und Geld bestechen ließen, gezeitigt wurden. Namentlich in Bahern tonnte man Pfarrstellen einfach kaufen, und nicht selten herrschte sogar die Schande, Daß der Bewerber, um dem Patronalsherrri aus der Verlegenheit zu Helsen, sich verpflichten mußte, diese oder jene Person zu heiraten. Schuld an viel Verwirrung trug auch die außerordeiitlich schlechte Bezahlung. Der Pfarrer mußte von Nebeneinkunfien leben, voni Geniüfehandel, vom Vieh- und Pserdehandel, von Bienenzucht u. s. f., indessen die Pfarrherrin Flachs baute und am Webstuhl die Eilinahmen oes Haushaltes ebenfalls zu vermehren suchte. War die iiiaterielle Lage des Pfarrhauses, nicht zum wenigsten auch Die Wohnungoverhältnijse, sehr ich.echt bestellt, so lvar an- dererseits der Pfarrer völlig freier Herr in seiner Gemeinde. Niemand mackM ihm Vorschriften. Ader ideal war dieser Zustand nicht, denn die Kirche als solche war beinahe ausgelöst, der geistige Austausch fehlte, und die Kirchen- visitationen wurden oft nicht mit Unrecht Küchenvi,cka- lionen genannt. — Aber all diesen Schattenseiten stehen auch Lichtseiten gegenüber. Die Pfarrer haben sich damals selbst kritisiert, und schpn dies ist ein Beweis dafür, daß ein Gefühl der Verantwortung in geistlichen Kreisen bestand
UND oap Die ^ütaie nmm. er|ruLX>vn ivatw. unv vu» der Zeit, der Gedanke der Nütz.lick)skeit, mitzuhelfen an den Nöten des praktischen Lebens, ist nicht tief zu stellen. Der Pfarrer der Orthodoxie kannte solches Streben nicht. Diese schöne Auffassung von den Pflichten des Pfarrhauses hat die Aufklärungszeit weitergegeben an ein kommendes Geschlecht, lieber das Zusammenleben der Gemeinde mit den Bauern waren bis dahin immer Klagen hervorgetreten. Tas hörte aus. Und hätte es einem Goethe wohl so im Sessenheimer Pfarrhaus gefallen, hätte er seine Worte vom protestantischen Landpfarrer wohl gesprochen, wenn das Pfarrhaus nicht wirtlich seine schonen und freundlichen Seiten gehabt Hütte? Viel bedeutende Männer sind auch aus dem geistlichen Stande der damaligen Zeit hervor- gegangen. Prof. Drews konnte sc seinen fesselnden Vor- trag schließen mit einem Hinweis if die Bedeutung unk die Verdienste des deutschen, evangelischen Pfarrhauses.
*• Ein „Vorwitziger. Folgender Scherz soll sich in einer hiesigen Schule abgespielt haben. Der Lehrer: Nennl mir mal einige Wörter mit der Vorsilbe „vor." — Schüler: Vorschlag, Vorgabe, Vorwurf! — DaS kleine Karlchen: „Forbach!"
Wiesbaden, 15. März. General von Alten ist der Schußwunde, die er sich gestern beibrachte, bereits erlegen, i Generalleutnant a. D. von Akten war zuletzt Kommandeur der 2. Division und hatte nach dem bekannten Jnster- bürget Duellprozeß seinen Abschied genommen. D.Red.)
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