Ausgabe 
16.1.1904 Erstes Blatt
 
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2 e i p a i g , 15. Jan. Eine Arbeitslofen-Versamm- ( u n g, an der über 2000 Personen teilnahmen, beschloß den Stadt­rat zu ersuchen, weitere Nolstaudsarbeilen in Angriff zu nehmen bei angemessener Bezahlung, die nundestens den ortsüblichen Tage- lobn erreicht.

20. Februar etn$ubenifenben Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 5 Proz. gegen 3 Proz. im Vorjahre vorui- schlagen. Zu?lbschreibr>ngen und zur 91ücffte(Inng sollen 45 094 9)lf. gegenüber 30 360 Mk. int Jabre 1902 verwendet werden.

Märkte.

Gießen, 16. Jan. Marktbericht. Aus heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter vr. Pfd. 0,800.90 'Mk., öübnereier 1 St. 810 Psg. 2 Stck. 00-00 Psg., Gänseeier0000 Psg., Enteneier80 Psg., Käse vr. Stck. 68 Pf., Kasematte 2 Stck. 56 Psg., Erbsen pr. Liter 21 Psg., Linsen vr. Liter 32 Psg., Tauben vr.Paar 0,80l.OOMk., Hühner pr. St. 1,301,40 Mk^ Hähne pr. Stück 0,801,70 Mk., Enten pr. Stück 1,702,20 Mk., Gänse vr. Psd. 6572 Psg., Ochsen fleisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- nnb Rtndsteisch vr. Pfund 6266 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch vr. Psd. 7076 Psg., Hammelfleisch vr. Pfund 6574 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50 - 6,00 Mk., Weißkraut per Stück 57 Pfg., per Zentner 1.301.60 Mk., Zwiebeln vr. Zentner 4,505,00 Dif., Milch per Liter 18 Psg., Slepfel per Zentner 16 bis 20 Mk., in Körben 00-00 Pfg. Müsse 100 St. 35-40Pfg.

Im Amte angeklagt war. Er hatte am 5. imb 7. September 1903 den etwa 9jährigen Schüler Friedrich Nold mit einem dicken Stock ans den Rucken geschlagen, weil der Knabe sich verschiedentlich sehr unaufmerksam gezeigt harte und ait§ der Stunde einfach nach Hause gelaufen war. Irgend welchen Schaden hat der Junge bei der Züchtigung nicht erlitten. Das Gericht erkannte an, daß der Schuloerwalter in den vorliegenden Fällen ein Recht zur Züchtig­ung des Knaben gehabt habe, er hätte aber nicht den Stock dazu benutzen und auch einen anderen Körperteil für die Hiebe wählen . müssen. Mit Rücklicht auf feine Jugend und da er im guten Glauben auf ein Recht zu einer derartigen Züchtigung gehandelt habe, wurde er für jede der beiden Taten zu 15 Dkk. Geld­strafe oenirteilt.

s. Frankfurt, 15. Jan. Bor dem heutigen Schwur­gericht kam ein Fall von Kindes mord zur Verhandlung, der in mancher Beziehung ein psychologisches Rätsel bleibt. Die Tienstrnagd Bertha Kefer aus Appenweier, Kreis Offenburg, genas im September 1898 in Düffeldors eines Mädchens, das 6'z Monate nach seiger Geburt bei der Mutter in der Schuhmann- ftraße Nr. 49, ,vo diese im Dienst war, verstarb. Tie Anklage nahm an, und eine Reihe von Umständen sprach dafür, daß die Keser in der Zeit vom 26.-29. März 1899 ihr Kind getötet habe. Tatsache ist, daß das Kiiid um diese Zeit starb und daß die Kindes­leiche guerft in einem kleinen Schließkorb und dann in einem braunen Holzkoffer verborgen von der Mutter auf allen ihren Fahrten mitgenommen und in allen ihren Stellungen volle 4'? Jahre verborgen gehalten wurde. Tie Angeklagte nahm die Leiche zuerst mit nach Magdeburg, dann nach Oeynhausen, weiter nach Minden, ferner nach St. Johann, nach Wiesbaden und schließlich nach Frankfurt a. M. mit. In Minden wollte die un­natürliche Mutter das Packet mit der Leiche in der Waschküche verbrennen, wurde jedoch gestört, packte den a n g e b r a n n t e n Kadaver wieder zusammen und steckte ihn abermals in den Koffer. In Mägde- btirg, als die Kmdesleiche sich noch in einem kleinen Schiießkorb befand, lag dieser volle 3 Wochen in der Geväckausbewahrungs- stelle am Bahnhof, ohne daß jemand eine Ahnung von denen grausigen Inhalt hatte. Tas Verhängnis ereilte die Kefer am 2. Juni 1903 in Frankfurt a. 9)1 Sie war bei einem Metzger- meister als Dienstmädchen in Stellung, und ihre Dienstherrin glaubte begründeten Verdacht zu haben, daß sie von der Magd be­stohlen werde. Sie verlangte, daß diese ihre Koffer öffne, und da­bei kam das Packet zum Vorschein, das die Leiche enthielt. Die Kefer wollte es rasch beseitigen, als aber in sie gedrungen und mit der Polizei gedroht wurde, wenn sie es nicht öffne, gestand sie, daß es die Leiche ihres Kindes in sich schließe, das verhungert sei, weil sie nicht die Mittel belaß, um für dessen ausreichende Ernährung sorgen zu können. Tie Angeklagte behauptet, auch vor den Ge- schworenen, daß das Kiiid infolge Hungers und an Brech­durchfall gestorben sei. Ten Geschivorenen wurde die Schuld­frage auf vorsätzliche und die Hilssfrage auf fahrlässige Tötung vorgelegt. Sie verneinten beide S ch u l d f r a g e n, worauf die Angeklagte freigesprochen und sofort aus der Hast entlaffen imtrbc.

Bromberg, 15. Jan. Das Schwurgericht verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den Arbeiter C e g i e l s k i wegen Raub­mordes ziim Tode.

Leipzig, 15. Jan. Tie (Btrcrfcrnrmer verurteilte den Assessor Tr. v. Friesen, der sich im November v. I. in der Tresdener Heide mit seinem Schwager, dem Majorats­herrn von Carlo Witz wegen Familienangelegenheiten bei dreimaligem Kngelwechsel auf 15 Schritt Entfernung duelliert hatte, zu drei Monaten Festungshaft. Carlo Witz ist inzwischen vom Tresdener Kriegsgericht drei Monaten F- e stu n a vernrte'''t worden.

handel und Verkehr. Vallrswirtschafl.

Halle a. d. <©., 15. Jan. Wie derSaale-Ztg." mitgeteilt wird, wurde in der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Hafen- und Lagerh aus-Ä.-G. Aken a. d. E. beschloßen, der am

Krieskasten der PedaKtiirn.

(Ruonyme Ansrageu bleiben nuberücksichtigt.)

T. G. K. Kolnrade ist ein hannoverisches Dori südlich von Bremen im fireife Syke und gehört zum Amtsgerichtsbezirk Baffum. Es zählt etwa 800 Einwohner. Weitere Auskunft erhalten Sie demnächst.

Ikiirllr Meldungen.

Berlin, 16. Jan. Tie wasserwirtschaftliche Vorlage soll, wie diePolit. Nachr." neuerdings er­fahren, entgegen den allgemeinen Erwartungen, dem Land­tage nicht bere'ts unmittelbar nach ferner Eröffnung zu­gehen. Tie Vorbereitungen dieser Vorlage, insbesondere der Wasserstrasien-Vorlage und des zur Begründung dienen­den Kartenmaterials, sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Man wi^d nach deren Stand nicht darauf rechnen können, daß der Entwurf vor Mitte Februar zur Vorlegung an den Landtag bereit sein wird.

Berlin, 16. Jan. Bei dem Fest des Schwarzen Ddler- ordens fungierten zum ersten Male auf Dcfebl des Kaisers zwei Herolde aus dem Kavalierstande, die von jetzt an bei allen größeren Staatsaktionen dem be­treffenden Festzuge voranicl>reiten sollen. Ter Kaiser hatte hierzu die Kammerjunker Regierungsassessor Graf Rantzau-Potsdam und v. Le row-Glnsjde bestimmt. Tie Heroldstrachten der beiden Herren hatte der Kaiser selbst ausgewählt.

Leipzig, 16. Jan. Adolf Pauls KomödieDer Doppelgänger" ha tde »ei ihrer Aufsübrung im Schau- spielhause in Anwesenheit des Autors einen stürmischen Erfolg.

London, 16. Jan. (Eigener Trahtbericht.) Die Times" meldet aus Tokio vom 15. d. M.: Alle ton­angebenden Matter betrachten nunmehr den Krieg als unvermeidlich und bestehen darauf, daß man keine Kosten für d i e Vo r b e r e i t u n g s ch e u e n soll.

P a riS, 16. Jan. Co gu e li n hat dem Bürgermeister von Chicago die Pläne seines aus armiertem Zement in Paris zu erbauenden feuersicheren Theaters

Valencia,

\an.

Bei der Ncberfahrt über den in der elf Arbeiter waren. Alle

Eine Volksversammlung, die des Oktrois Widerspruch an und zündete es an, wobei

zur 95erfüg,nmg gestellt. Ter Minister des Aeußern, Del- cassS, erklärte im Ministerrat, daß die Situation im äußersten Osten keineswegs kriegsdrohend sei. Rußland und Japan wurden ohne irgendwelche Vermittelung zu einer Einigung gelangen. Nach dem Kabinettsrat empfing Telcasss den russischen Bot­schafter Nelrdow, mit dem er längere Zeit konferierte.

gegen die Erhebung erhob, griff das Steueramt beiderseits Schüsse fielen.

Saragossa, 15. Jan. Ebro schlug eine Barke um, ertranken.

3V2n/o 30/ 3V,o/0 8%

31/, % OherhtRRPn . .

4% O^sterr. Goldrente .

Reicheanleibe do.

Konsole . do . .

Hessen

3'Vn Mexikaner . . 4V?'1/', Chinesen . . . Electric, bet ackert . , Nordd Lloyd . , ,

Kreditaktien . . .

Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank Dresdener Bank ... Ber iner Handelseres. Oesterr Staatobaan . . l/ombarden .... Gotthar Ibahn . .

LanrahOtte.....

Bochum ...... Harpener.....

Tendenz: rnhig.

. 102 40

. 91.55 . 102.30 . 91.55

. 101 40

. 99.50 . 102 75

Telephonischer Kursbericht,

Frankfurt a. 16. Januar 19C4

. 27 20

. 90 20

. 105.10

. 10515 . 213 90 . 194.10

. 144 60

. 155.60 . 160 00 . 144.25

. 16 30

191 50

. 238.50 . 192.70 . 203.00

4' 5% Oesterr. Hilberrenle 101.00

4% linear. Goldrente . . 100.20

4°/ Itaben Rente , . . 103.70

41 \% Porhuries-r , . . 63.15

®l Portugiesen.....32.00

C. Türken .... 37.00

Türkenlose ..... 137 60

4°/q Gnech. Monopo -Anl. 43.80

41 . % äussere A rynnfm«»- 43 10 I

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Aufforderung.

Die am 6. Juli v. I. au§- geloste Obligation des Rocken­berger AnlehenS Lit. A. Nr. 8 war auf den 1. Oktober 1903 rückzahlbar.

Der Inhaber dieser Obli­gation wird daher wiederholt aufgefordert, den Betrag hier­für in Empfang zu nehmen, da vom 1. Oktober 1903 die Verzinsung aufhört.

Ferner wurde die Obligation Lit. B. Nr. 18 zur Rück­zahlung auf den 1. April 1904 mit 500 Mk. auSgelost. Ter Inhaber kann den Betrag hier­für auf genannte Zeit bei der Gemeindckasse in Empfang nehmen.

Rockenberg, 15. Ian. 1904.

Großh. Bürgermeisterei.

Wettner. 656

Hostvtrsteigerttng Donnerstag den 21. d. M., vormittags von 9 Uhr an, soll im Großcn-Buseckcr (Äe- meindcwald in den Distrikten Entenpfiibl und Kleinfeld, nach- verzeichnetes Holz versteigert werden:

48 Cichenstämmc mit 6,79 Fstm,

8 Eichen-Derbstangcn mit 0,52 Fstm.,

91 Nadel-Derbstangen mit 8,35 Fstm.,

121 rm Buchen-Scheit,

6 Eichen-Schcit, 232 Buchen-5lnüppel,

6 Eichen-

20 Nadel-Knüppel, 5270 Wellen Btichen-Reiser,

600 Eichen- 1250 Nadel-

100 rm Buche-, Eiche- nnd Nadel-Stock.

Der Anfang ist im Dffhikt Entenpsuhl.

Großen-Buleck,

am 15. Januar 1904.

Grobb. Bürgermeisterei Großen-Duseck.

Schwalb. 645

KleillsDßlieskrsW.

Schriftliche Angebote auf die Lieferung des zur Unter­haltung der Kreisstraßen im Kreise Gießen in der Zeit vom 1. April 1904 bis 1. April 1907 noch erforderlich werden­den Basaltkleinschlags können vom 18. bis 30. Januar d. Js. und zwar jeweils bei dem be­treffenden Kreisstraßenmeister cingereicht werden.

Ebenda wird auch Auskunft über Erfordernis und Lieferzeit erteilt.

Gießen, den 12. Jan. 1904. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

Die hm. 678

Versteigerung.

Montag den 18. d. MtS., nachm. 2 Uhr, sollen dahier, Marktplatz Nr. 20, im Adler, eine Ladeneinrichtung, Haus- und Küchengeräte aller Art, ein größerer Posten Schnh- roareu, verseh. Kurzwaren, meh­rere Mille Zigarren, ein Pack Hanfstricke, jvmie eine Näh- mafd)ine gegen bar versteigert werden. Tie Versteigerung findet teilweise bestimmt statt. 664

Gießen, 16. Januar 1904.

Seipel, Gerichtsvollzieher.

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