Ausgabe 
15.12.1904 Zweites Blatt
 
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das Wetter für den Fremdenverkehr. Wir hatten 483 000 Fremde gegen 452 000 im Vorjahr zu verzeichnen. Die Zahl der Einwohner ist nm 7600 gewachsen, die der Steuer­zahler nm 6560. Von diesen neuen Steuerzahlern hatten ^roei Fünftel ein Einkommen von Mk. 900 bis 1200. In einem Hause der Feldbergstraße war heute früh die Köchin mit Fensterputzen beschäftigt. Sie trat fehl und stürzte vom Fenster de§ zweiten Stocks m den gepslasterten H o f. Sie erlitt schwere innere Verletzungen und eine Gehirn- erschuttenmg. Die Rettungswache brachte die Schwerverletzte ins Bürgerspital.

Ein Berliner Kindcrmord vor Gericht.

Berlin, 14. Dez.

Ter Agent Lenz, gegen den sich ursprünglich der ^erbacht, geridnet batte, das ed>ulfinb Lucie Berlin ermordet zu haben, erschien heute auf die ZeüungSnachrickst hin, daß er un­auffindbar sei, in der Verhandlung gegen den Zuhälter Berger, der seit vorgestern unter der Anklage, jenen Mord begangen zu Haden, vor dem Schwurgericht steht. Lenz machte heute aus­führliche Angaben über sein Alibi.

Ter Verteidiger lstilt dem Zeugen vor, daß er bei seiner Vernehmung im Juni andere Angaben gemacht habe. Lenz (sehr erregt): Ich kann und) heute nibt mehr auf alles erinnern. Ich leibe infolge dieser Sache an Halluzinationen, ja geradezu an Verfolgungswahn. Meine ganze Existenz ist vernichtet. Tie Haupt fache ist doch mein UnsLuldsbewußtscin. ES ist bad) unmöglich, daß ich mich auf alle Einzell>eiten vom 9. Juni noch erinnern kann. Bors.: Jedenfalls tonnen wir feststellen, daß der An­geklagte Berger ganz anders aussie-ht als der Zeuge Lenz, eine Verwechselung des Berger mit Lenz ist ausgeschlossen. Bert.: Sie kannten die kleine Lucie Berlin? Zeuge: Jawohl. Bert.: Tie Lucie soll in der Wohnung der Seiler vielfach verkehrt, tiefer Gange besorgt und Ihnen auch 'oftmals Schnaps geholt haben? Zeuge: Das ist richtig. Bert.: Tie Lucie soll Ihnen einmal nicht den richtigen Schnaps gebracht baden, Sie sollen das Kind deshalb an der Hand genommen und mit ihm zwecks Nmtauschens des Schnapses den Sd-mapsladen betreten^ haben? Zeuge: Das ist möglich. Bert.: Einmal sollen Sie mit der Lucie nach den Klängen eines Leierkastens getanzt und Ihrer Freude Ausdruck gegeben haben, daß das Kind jo schön tanzt? Zeuge: Auch das ist möglich. Bert.: eie sollen eine ganz besondere Vorliebe für blinder gehabt haben? Zeuge: Ich gebe zu, ich bin ein großer Kinderfreund.

Tie Vernehmung des Lenz ist danach beendet.

Herlchtsjaai.

Leipzig, 14. Tez Vor dem vereinigten zweiten und rritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute vormittag der Landesverratsprozeß gegen den 47jährigen früheren Friseur Hense aus Luxemburg, zuletzt in Nancy wohnhaft. Hense brachte burd) 'Vermittelung des fianzüsiscl>en Grenztom- missars Benner den früheren Zeugfeldwebel Schütze mit dem Spionagechef in Nancy, Hauptmann Maugin, in Verbindung. 'Letzterer verlangte von Schütze Auskunft über Geschütze und ver- versprach für ein Buch 500 Ätk. Ter Angeklagte interessierte sich sehr für die Angelegenheit. Schütze, der als Zeuge vernommen wurde, bekundete, haß er Maugin nichts geliefert habe, sondern nur zum Schein auf dessen Anerbieten eingegangen sei. Um 12 Uhr wird die Oeffentlichkeit ausgeschlosscn. Tas Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, Stellung unter Polizeiaufsicht, sowie Zahlung der Kosten des Ver­fahrens. Als strafinildernd galt erstens, daß der Angeklagte noch

unbestraft ist, zweitens daß die Handlung nur cm Versuch war; als ftrafmWirfcnb die große Energie, mit der die Ausführung des Verbrechens in Aussicht genommen wurde und der Umstand, daß Hense dem Zeugen Schütze genaue Instruktionen gegeben hatte.

Mons, 13. Dez Tas Schwurgericht verurteilte den Jagd­aufseher Marck>cnrd, der am 14. Oktober einen Wilderer, den er auf freiem Felde getroffen, ohne jeden Grund erschossen hatte, zu 20 Jahren Zwangsarbeit. Mar­chand behauptete, er habe lich in der Notwehr befunden, aber verschiedene Zeugen sagten das Gegenteil aus.

KiUldel und Werkeyr. Volkswirtschaft.

Köln, 14. Tez. (W. B.) 9üif Anregung der Treuhänder der beiden Gläubigergruppen des ,,Helios", der Obli­gationäre und Banken, sowie von Mitgliedern der Schutzver- ciniaung von 1902 fand heute hier eine Besprechung der ver- schieoenen Glaubigergruppen statt. ES wurde eine Kommission gewählt, welche in ähnlicher Weise wie vor zwei Jahren die gemeinsamen Interessen der (Mibiger wahr nehmen und bereit Stellungnahme in den bevorstehenden Versammlungen borbereiten soll. In der Versammlung fand die Meinung emheitlid) Aus­druck, daß die L i q u i b a t i o n desHelio s" beschlossen und den Siquibatorcn ein aus Vertretern der verschiedenen Gläu- bigergrnbbcn bestehender Ausschuß mit bestimmt zu formulierenden Befugnissen zur Veite gestellt werden müsse.

Es s e n a. d. Ruhr, 14. Tez. In der Zechenbesitzerversammlung des Kohlensyndikats gab Geheimrat Kirrdorf eine Er­klärung ab, in der er darauf hinwies daß sich bas Kohlen- syndikat an der Abwehr der Berstaatlichungsaktion betr. derHi- bernia" beteiligt habe. .Hierauf wurde folgende Resolution an­genommen:Die Zechenbesitzervcrsammlung bringt dem Aussicksts- rate und dem Vorstände ihr volles Vertrauen für ihr Vorgehen gegenüber der versuchten Verstaatlichung der Bergwerksgesellschast Hibernia" zum Ausdruck.

Märkte.

th. Gießen, 14. Tez. T er dieswöchige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von ca. 800 Stück Großvieh, darunter etwa 15 Paar Gaugocksten, 180 Kälber und ca. 300 Schweine. Obschon der Handel in schwarzbunten Milchkühen beim Vormarkt recht lebhaft war und gute Preise erzielt wurden, wickelte sich der Handel in Milchware beim Hauptmarkt dock) nur reckst langsam ab, sodaß ein geringes Weick-en der Preise bemerkbar war. Ter Handel in Fettvieh dagegen war recht gut zu nennen, besonders waren Rinder in guter Ware ?ehr gesuckst, sodaß der Vorrat den Bedarf nicht deckte und ein Anziehen der Prelle gegen die des letzten Marktes die Folge davon war. Das Geschäft in Kälbern tvar ebenfalls recht gut, da Frankfurt und Wiesbaden starken Bedarf hatten. Die Preise für Kälber blieben die des letzten Marktes. Für den kleinen Vorrat von Gangvieh herrschte feine Kauflust; es liegt dies an der Zeit da Fahrvieh nicht gebraucht wird. Tie verkauften wenigen Paare blieben in der Provinz. Ter Heine Vorrat in Schrveinen, welcher abgesetzt wurde, brachte, da es an Käufern nicht fehlte, ein geringes Steigen, besonders der Ferkelpreise, fertig. Unsere Landleute, welche fick) jetzt mehr mit der Schweinezucht befassen und mit Jungvieh den Gießener Markt befahren, klagen sehr, daß her Preis der Ware zu niedrig ge- nwrden sei, und behaupten, daß die Zucht bei den heutigen Ver­hältnissen recht unlohnend geworden sei. Gehandelt wurden: Kühe, frll'chmelkend und tragend, 1. Qual. 450500 Mk., 2. Qual. 375420 Mk., 3. Qual. 260325 Mk., Mmelkkühe, geringere Ware, 200225 Mk. ältere Tiere 160180 Mk. per Stück. Es wurde verkauft der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1 Qual. 6567 Mk., 2. Qual. 6264 Mk., fette Kühe 1. Qual. 6365 Mk., 2. Qual. 5961 Mk., halber 1. Sorte (über

60 Pfund wiegend) 7277 Mk., 2. Sorte (zwischen 4050 Pfund wiegend) 6570 Mk., 3 Sorte (leichtere Tiere) 5861 Mk. Gangochsen wurden pro Paar zwischen 700800 Mk. abgegeben. Die Preise für Schweine stellten sich pro Paar: Ferkel, 10 Wochen alt, 2634 Mk.: bis 16 Wochen alt 3745 Mk.; leichte Lauser 5078 Mk. schwere Läufer 86110 Mk. Einleg- schweine waren nicht am Markt. Ter Markt wurde bis auf wenige Stück Rindvieh und einen geringen Rest Ferkel geräumt. Nächste Markttage am 10. und 11. Januar 1905.

fe. Frankfurt a. M., 15. Tez. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r f t- preise. Zum Verkaufe standen: 25 Ochsen, 2 aus Oesterreich, 2 Bullen, 00 aus Oesterreich, 42 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder. 0 auS Oesterreich, 692 Kälber, 870 Schafe und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 6870 Mk., 3. Qual. 5963 Mk.; Bullen 1. Qual. 0000, 2. Qual. 0000; Luhe 1. Qualität 67-69 Mk., 2. Qual. 64-66 'Ulf., 3. Qual. 54-56 'Mk., 4. Qual. 4547 'Mk., 5. Qual. 0000 Alk. Kälber 1. Qual. 7580 Pfg., Lebendgewicht 4548 Pfg., 2. Qualität 5962 Pfg., Lebendgewicht 43-45 Pfg., Schlachtgeiv. 5761 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 6870 Pfg., 2. Qual. 6200 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand un- bebentenb; bei Kleinvieh gut, fein Ueberstand.

Limburg a. d. L., 14. Dez. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 14.95 Mk., weißer Weizen 00.00 Mf., Korn Pik. 10.50, Gerste 10.05 'Mk., Hafer 7.20 Mk Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Hitchtiche Aachrichten.

Israelitische Religionsgemeinde.

Hottesdiem» in Der Synagoge (püdanlage).

Samstag, den 17. Dezember 1904:

Vorabend 4.30 Nhr.

Morgens 9.00 Uhr.

Nachmittags 3.30 Uhr.

Schrifterklärung.

Sabbathausgang 5.15 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Hottesdieust.

Sabbat h feier am 17. D ezemb er 1904.

Freitag abend: 4.00 Uhr.

Samstag vormittag: 8.30 Uhr.

Samstag nachniittag: 3.30 Uhr.

Sabbathausgang 5.15 Uhr.

Wochengottesdienst 7 morgens 7.10,

abends 4.00.

D.in ha H *8 iifLx werden zart und weich nur durch Ge- LldUlir brauch des an Feinheit unerreichten

ftMÄ Myrrholinglycerin?'10 KaufeFay s Sodener!"

Das ist in dieser Jahreszeit der wichtigste Imperativ! Kaufe Fay's Sodener, denn du bist nie vor Erkältungen sicher, kaufe Fay's Sodener, denn du weißt nie, wann du sie nötig haben wirst, kaufe Fay's Sodener, denn die schützen dich vor allen den Erkältungen, die sie, wenn erst vorhanden, bekämpfen. Also präge dir'S ein und vergiß es nie: Kaufe Fay's Sodener! Die Schachtel zu 85 Pfg in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhand, hingen zu haben. hv16/

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