Nr. 295
Zweites Blatt
154. Jahrgang
Rrichetnl KgNch mü Ausnahme de- Sonntags.
Die „rietzener §amilienb!8tter" werden dem e9lnRetgei Mermal wöchentlich betgelegt. Der eSc||l|d)t tanörotrt*' erldjetnt nwnatitd) einmal.
Redakttorr Expeditton u. Druckerei Schulstr.I. Der Nr 61 Lelegu-Ülbt.. ttln^etga Dietz«»
Donnerstag 15. Dezember 1904
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn.
«Deutsches Neich.
Berlin, 14. Dez An der nächstjährigen Mittelnreer- <leise des Kaisers, die für Ende März in Aussicht genommen ist, wird auch die Kaiserin, wie jetzt feststes, den Kaiser begleiten.
— Durch allerhöchsten Erlaß vom 5. Dezember wurden in Gas preuß. Herrenhaus berufen: Oberstleutnant a. D. Eusebius Brand zu Wutzig in der Nemnark und Kammerherr Rittmeister a. D. Fideikommißbesitzer Graf Eulenburg auf Gallingen i. Ostpr.
— Der „Nationalztg." zufolge telegraphierte der Kaiser 4»n Friedrich Hammachers Sohn, den Polizeipräsidenten Hammacher:
„Empfangen Sie mein herzlichstes Beileid zu dem schweren Verluste, der Sie und Ihre Familie durch bas Hinscheiden Ihres Vaters betroffen hat. Die Verdienste, welche sich der Verewigte um die Entwickelung unseres öffentlichen Lebens, insbesondere auf kommerziellem und industriellem Gebiete erworben hat, sichern ihm allezeit ein ehrenvolles Gedenken. Wilhelm."
— Der Kaiser wohnte gestern abend in der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen einem Vortrage des Architekten Bodo Ebhardt über die Burgen der Hohenzollern bei. Anwesend waren ferner 6er Herzog Ernst Günther, der, Erbprinz von Hohenzollern und die Minister Studt und Freiherr von Hammerstein.
— Heute mittag fand die Trauerfeier für Tr. Friedrich Hammacher im Sterbehause statt. Als Vertreter des Reichskanzlers erschien der Vortragende Rat im Staatsministerium Geh. Regierungsrat Dr. v. Günther. Ferner waren anwesend: die Minister Studt, Frhr. v. Rheinbaben, Möller, v. Budde, Frhr. v. Hammerstein, v. Thielen, Graf Posadowskp, v. Tirpitz, Frhr. v. Richthofen, Unterstaatssekretär v. Mühlberg, Vertreter des deutschen Flotten Vereins, die nationallibcrale .Fraktion mit Bassermann und Sattler an der Spitze, eine Deputation aus Essen. Kranzspenden hatten u. a. gesandt: der König von Rumänien, die Großherzoge von Baden und Hessen, der bayerische Minister Graf Crailsheim, Graf Ballestrem, die.nationalliberalen Vereine und Verbände Deutschlands usw. Prediger Krummacher hielt die Trauerrede. An die Trauerfeier schloß sich die Beisetzung auf dem Zwölfapostel-Kirchhof an. Am Grabe sprach Bassermann. An der Trauerfeier beteiligten sich außer den Vertretern der nationalliberalen Fraktion auch solche anderer Fraktionen, wie die Mgg. Müller-Sagan, Kaempf, Schmidt-Elberfeld, Toor. Graf Stolberg, Bachem, ferner auch die Bürgermeister der fünf Städte, deren Ehrenbürger Hammacher war.
— Die „Nordd. Llllg. Ztg." schreibt: Die Tatsache,, daß die Winterzeit benutzt werden soll, einige laufende Unterhaltungsarbeiten im Dortmund-Emskanal auszuführen und diesen daher vom 2. Januar 1905 kurze Zeit zu sperren, gab Veranlassung zu dem Geriicht, daß der Zustand der vor kurzem wiederhergestellten Meppener Schleuse die Kanalsperre bedinge. Das Gerücht ist nicht zutreffend.
— Die „Nordd. A l l g. Z t g." wendet sich gegen einen Artikel der „Börsenztg." vom 6. Dez. unter der Ueberschrist „Stiefkindhandel", in welchem u. a. behauptet wurde, die landwirtschaftlichen Vereinigungen seien im August für den Futtermittel-Notstandstarif nahezu monopolisiert worden. Tie „Norddeutsche" erklärt, die Behauptung für leder tatsächlichen Grtindung entbehrend. Der Tarif spricht weder von Händlern noch von landwirtschaftlichen Konsum- oder Bezugsvereinigungen: beide fallen, da sie weder unter die Landwirte noch unter landwirtschaftliche Gutsverwaltungen zu rechnen sind, unter die sonstigen Empfänger von Futtermittelsendungen; sie unterliegen ganz gleichmäßig den im Tarif bestimmten Voraussetzungen ftir die Gewährung einer Ermäßigung bei dem Bezüge der Futtermittel durch Nichtlandwirte; diese Voraussetzungen waren leicht durch Händler wie durch 'die landwirtschaftlichen Bezugs- Vereinigungen zu erfüllen. Auch die seit dem 10. Sept, geltenden erleichterten Bedingungen für den Bezug von Futtermitteln durch Zwischenempfänger kommen' dem Handel wie den gedachten Vereinigungen in gleicher Weife zugute.
— Dem Reichstage ging ein von den Konservativen unter- stützter Antrag Schickert-Nißler zu, nach dem Personen des Unteroffizier- und Mannschafts st andes des Heeres und der Marine, welche am Feldzuge 1870/71 oder an den von den deutschen Soldaten vor 1870 geführten Kriegen ehrenvoll Anteil genommen haben, wenn sie sich in unterstützungsbedürftiger Lage befinden, besonders wenn das Einkommen weniger als 600 Mk. beträgt, ober die Erwerbstätigkeil auf ein Drittel herabgesetzt ist. oder wenn sie das 60. Lebensjahr vollendet haben, eine monatlich im voraus zahlbare Jahresbeihilfe von 120 Mk. zu zahlen ist. Elsaß-Lothringischen Landesangehörigen, die im ftanzösischen Heere den Feldzug von 1870 mitgemacht haben und später Deutsche geworden sind, darf bte Beihilfe ebenfalls gezahlt werden.
Oldenburg, 14. Dez. Munster R u h st r a t stellte Strafantrag gegen den Reichstagsabg. Dr. Böttcher (Wahlkreis Neuhaus-Geestemünde) wegen > eines Artikels im „Tag", der die Oldenburger Affären und den letzten „Residcnzboten"-Prozeß behandelte. , t
Malchin, 14 Dez. Ter mecklenburgische Landtag nahm den Staatsvertrag zwischen Preußen einerseits und Mecklenburg- Strelitz andererseits, betreffend die L o t t e r i e g e m ei n s ch a f t gleichzeitig mit dem Entwurf, betreffend das Verbot des Spielens in nicht zugelassenen Lotterien an. •
Gotha, 14. Dez. Bet dem Abschi e d s m a hl, das heute hier zu Ehren des Staatsministers Heutig stattfand, erklärte dieser, daß mit Genehmigung des Herzogs und des Regenten seine Aktivität als Staatsminister, die mit dem morgigen Tage ablaufen sollte, bis zum 15. Februar verlängert worden sei, damit er die neue Do m änen vorl a ge noch p e r s ö n l i ch vor dem im Januar zusammcntretenden Landtag vertreten könne. m
Stuttgart, 14. Dez. Tie Kammer hat bei Beratung der Gemeindeordnung den fozialdemokratischcn Antrag, welcher die OrtSpolizei dem Gemeinderat übertragen wollte, abgelehnt, dagegen den Regierungsentwurf angenommen, nach welchem die Verwaltung der Ortspolizei dem Ortsvorstand verblei btz
Ausland.
Lond on, 14 Dez. Nach einer Meldung aus Durban ourde dein Dr. Leyd s, dem ehemaligen Staatssekretär von Transvaal, dort die Landung verboten. Dr. Leyds fuhr infolgedessen nach der Delagoa-Bai weiter.
Paris, 14. Dez. In der Affäre Syveton spielt auch die Geldfrage eine Rolle. Wenige Tage vor seinem Tode bat Syveton seine Frau tun eine bedeutende Summe Geldes, die er für die bevorstebende Revision der von ihm verwalteten Kaffe des nationalistischen Vereins „La Patrie francaife" brauchte. Fran Syveton schlug, wahrscheinlich weil ihr bereits die Anschuldigungen ihres Schwiegersohnes bekannt ivaren, die Bitte rundweg ab und sandte tagS. daraus den größten Teil ihres Vermögens nach Brüssel. Das Dienstmädchen der
Frau Syveton soll dem Untersuchungsrichter erklärt haben, Syveton sei nicht in seinem Arbeitszimmer, wo er aufgesunden wurde, gestorben, sondern in einem kleineren Zimmer in der Nähe, in welchem sich eine Badewanne befand, die mit Holz- spähnen geheizt wurde. Hierdurch hat sich ergeben, daß tatsächlich mit der Leiche Syvetons Komödie gespielt wurde und zwar seitens der Familienmitglieder.
— Der Kriegsminister hat an alle Korps-Kommandeure eine Zirkularnote gerichtet, worin er sich darüber äußert, daß die Mitglieder der Armee ohne formelle Erlaubnis des Ministers sich nicht mit Politik beschäftigen und weder politischen noch religiösen Vereinen angehören dürfen.
Madrid, 14. Dez. Das gesamte Kabinet gab heute nachmittag seine Demission. Ueber die Veranlassung dazu wird gemeldet: Der König hatte sich mit der Ernennung des Generals Lano zum Genera lstabs chef nicht einverstanden erklärt, wie sie ihm yom Kriegsminister vorgeschlagen wurde. Der Minister berichtete darüber dem Ministerpräsidenten Maura. Dieser begab sich nach der Besprechung mit den übrigen Ministern ins königliche Schloß und bot dem König die Demission des gesamten Kubinets an. Der König berief Romero Robledo ins Palais.
Lid au, 14. Dez. Im hiesigen Kriegs hafen werden jetzt ununterbrochen starke Befestigungs- und Fortisikations- arbeiten ausgeführt, am Strande werden Wälle für Kanonen aufgeworfen, in der Umgebung werden kleine Forts gebaut. Der Kommandant der Festung hat einen Befehl aus Petersburg erhalten, in dem man ihm mitteilt, daß alle Arbeiten bis zum 1. März des Iahees 1905 beendet sein müssen.
Santiago de Chile, 14. Dez. In Jsseno veranlaßten die dort zahlreich ansässigen Deutschen einen Zwischenfall, in denn sie die chilenische Flagge, die auf bsm Gouverneur-Palaste angebracht war, entfernten und durch eine deutsche Fahne ersetzten. Die Bevölkerung ist durch diesen Vorfall sehr aufgeregt und man befürchtet Ausschreitungen.
Der Zufltand in Aeutsch-Südwekafrika.
Weitere Verluste im Gefecht bei Warmbad.
Zu den schweren Verlusten, die unsere südwestafrikanische Schutztruppe im Gefecht bei Warmbad am 28. November gegen den Hottentottenführer Morenga erlitten hat, kommen jetzt noch einige Nachträge, welche den Gesamtverlust auf 2 Offiziere und 11 Mcmn an Toten, 8 Verwundete und 2 Vermißte steigern. Es sind gefallen: Unteroffizier Nickel und die Reiter von der Fecht und Tresen; schwer verwundet: Gefreiter der Reserve Boltes und die Reiter Elias und Schäferlein, gen. Maier; vermißt: Gefreiter Siebel.
Nm Typhus gestorben:
Gefreiter Juettner mib die Reiter Ehlers und Gollert.
Die flüchtigen Herero.
Von kolonialer Seite wird geschrieben: Ist Südwestafrika tauchen jetzt mehrere Aufgaben auf, die uns neben der Niederwerfung der Aufstände und nach denselben obliegen. Zunächst brachten die letzten Meldungen wieder eine Mitteilung von den Ovambo. Ter unruhige Häuptling Nech ale, der einmal einen verunglückten Angriff auf die Station Amakoni machte, hat eine Schar flüchtiger Herero bei sich aufgenommen. Mit diesem Unruhestifter wird abgerechnet werden müssen. Die übrigen Ovambo auf unserem Gebiete Verhalten sich nach wie vor ganz ruhig. Bemerkenswert ist, daß die Betschuanen, im Osten einen größeren Trupp von Hereros nicht über die Grenze gelassen haben; diese Masse treibt sich also wieder ziel- und hilflos im deutschen Gebiete umher. Ueber die Menge des noch vorhandenen Hererovolkes sind wir heute noch mehr im Unklaren als je zuvor. Nach dem Briese des Reichskanzlers an die Barmer Mission soll die letztere zur Vermittlung bei der völligen Unterwerfung dieses zerrütteten und halb aufgeriebenen Volkes herangezogen werben. Ter Einfluß dieser Mission, der durch die wilden Leidenschaften des Aufstandes beseitigt worden war, wird sich jetzt angesichts des verzweifelten Zustandes der Herero wieder einigermaßen wirksam erweisen. Mit seiner Mfe wird wohl bald eine Beruhigung des Restes dieses Volkes erreicht werden. Wir müssen sie in bestimmten Landstrichen truppweise verteilen, ansässig machen, sie beschäftigen und verpflegen. Befremdlich wirkte die Nachricht, daß neuerdings kleinere Mteilungen Herero, die sich bei Mtlitärposten bettelnd eingefunden hatten, von diesen aus Anast vor Krankheiten abgewiesen worden sind. Den Soldaten kann man keinen^ Vorwurf daraus machen, aber man wird Vorsorge zu treffen haben, daß solchen am Ende ihrer Kräfte stehenden Haufen sofort Hilfe gewährt wird. Soldaten werden damit betraut werden können. Durch ihre Abweisung werden sie ihrem Untergänge entgegengetrieben, auch wird dadurch ihre Angst und ihre Entfremdung von uns immer größer.
Die Bastarde von Nehobolh beteiligen sich jetzt auch au dem Kampfe gegen die Hottentotten. Ter Oberleutnant Böttlin, der nun schon seit einem Jahre im Felde steht, ist mit ihnen Ende Oktober wieder in Rehoboth eingetroffen und hat 450 Stück Beutenvieh mitgebracht. 96m 30. Oktober ist er mit 50 Mcmn aufgebroeben, um Nomtsas von den Räubern zu säubern, die den Bastards Meh ab genommen batten.
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Aus Stadl und Land.
G i c ß c n , 15. Dezember 1904.
* * Ceuta B r ü, der Gast des Theatervereins am Freitag, ist gestern bereits zu den Proben zum „Frühlingsopfer" hier eingetrofsen. Die liebenswürdige und anmutige junge Künstlerin gehört, wie uns geschrieben wird, seit mehreren Jahren dem Thalia-Theater in Hamburg an und war vor
her am Münchener Schauspielhause. Hier war sie so sehr der erklärte Liebling des Münchener Publikums, daß sie noch jetzt alljährlich zu einem längeren Gastspiel nach München zurückkehrt. Dann sind an jedem Abend alle Plätze des Schauspielhauses besetzt, und namentlich ist es die Münchener Studentenschaft, welche der Künstlerin zujubett, die früher häufig bei den Aufführungen des akademisch-dramatischen Vereins miiroiiffe. Ihre Beliebtheit in Hamburg steht der in München nicht nach: Ein neues Stück, in welchem Genta Brö mitwirkt, wird, wenn es auch Mängel hat, vom Hamburger Publikum immer gut ausgenommen. Centn Br4 ist eine ideale Vertreterin jugendlicher Mädchengestalten, ihr Aennchen in Halbe's Jugend und ihre Orti gehören zu den besten dieses Rollenfachs. Von der Nolle der Orti wird behauptet, daß Graf Keyserling sie geradezu für (Senta Br6 geschrieben habe.
* * Von der Jagd. Ein von vielen Jägern ersehnter, aber auch — leider — vielleicht von noch mehr Jägern unwillkommen geheißener Tag ist der gestrige, 14. Dezember, gewesen, denn mit Ablauf dieses Tages hat die Schonzeit für weibliches Rehwild begonnen. Ja, gar mancher Jagdbeständer hat eigentlich noch nicht genug an dem Morden, bei welchem zum Schaden der Jagd so unendlich viel „Kindesmorde" verübt werden, aber es ist gut für das Rehwild, daß insoweit nun Hahn in Ruh ist. Allerdings werden diejenigen, die sich auf der Speisekarte im Hotel gern „vom Reh" heraussuchen, auch nicht so ganz damit einverstanden sein, daß der Preis nun sehr erheblich in die Höhe geht, aber das schadet weiter nichts, die Herren Feinschmecker mögen mehr Hasen essen, denn der Preis dieses Wildes wird vorcmS- siehtlich fallen, da bei dem schlechten Wetter bis jetzt nur wenig Hasenjagden waren. Nun kommen aber Jagden in Hülle und Fülle, denn bis zum 15. Januar müssen fast alle Hasen geschossen fein, sonst können sie nicht in Preußen abgesetzt werden. Nach dem neuen preuß. Wildschongesetz beginnt die Schonzeit bereits am 15. Januar, von welchem Tage an auch die Einfuhr hessischer Hasen verboten ist. Hoffentlich bringt uns unser dereinstiges neues Jagdgesetz auch einen derartigen frühen Beginn der Schonzeit für Hasen, denn bei unseren steten milden Wintern sind die Hasen von Mitte Januar ab derartig von „Familienereigniffen" in Anspruch genommen, daß die Schüsse der Herren Jäger recht „störend" wirken.
* * Besitzwechsel. Gastwirt Konrad Häuser verkaufte das ihm gehörige Besitztum „Schiffend ergertal" an Herrn E. BNischen für 59 500 Mk. Die Üebergabe erfolgt Donnerstag, den 15. ds. Mts. — Rentner Ph. Lahr kaufte von Gg. Grünig dessen in der Stephanstraße 11 gelegenes Haus zum Preise von 40 000 Mk.
* * Auszeichnung. Die bekannte alte hiesige Verlagsbuchhandlung von Emil Roth (Inhaber Otto Roth) hat auf der Weltausstellung in St. Louis für ihre Ausstellung in Lehrmitteln die goldene Medaille erhalten.
• • Das Personalverzeichnis der LandeS- unioerfität für das Winterhalbjahr 1904/05 ist erschienen.
ft- Grüningen, 14. Dez. Infolge der Amtsniederlegung des seitherigen Rechners wurde Peter Hch. Euler an dessen Stelle als Rechner der Heinrich Benderschen Stiftung verpflichtet und in sein Amt eingefüh'rt.
6. Aus dem Ohmtale, 14. Dez. Daß die Sozialdemokraten das Agitieren verstehen, muß ihnen jedermann lassen. So durchzogen am letzten Sonntage je zwei Mann unsere Ortschaften uud verteilten in jedem Hause ein Exemplar eines sozialdemokratischen Kalenders. Wenn man über den Zuwachs der sozialistischen Stimmen urteilt, dann muß man auch diese Kalenderverteilung mit in Beachtung ziehen.
§ Friedberg, 14. Dez. Heute nachmittag 3 Uhr fand in der Burgkirche eine Gedächtnisfeier statt zu- Ehren des verstorbenen früheren Direktors des hiesigen Prediger- seminars, Geh. Kirchenrat Pos. D. theol. Gustav Di egel. An der Feier nahmen teil: die Profefforen und Kandidaten des Predigerseminars, Bürgermeister Stahl, die Direktoren und viele Lehrer der hiesigen Lehranstalten, Kirchenrat Meyer, zahlreiche Geistliche aus nah und fern und hiesige Einwohner. Zur Einleitung der Feier fang der Chor des Lehrerseminars unter Leitung des Musikdirektors Schmidt: „Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben". Prof. D. Eger, ein früherer Schüler des Verstorbenen, hielt die Gedächtnisrede, welcher er die Worte Hebräer 13, VerS 7, zu Grunde legte. Er schildert den Wert seines Lebens und Wirkens als Lehrer und Leiter des Predigerseminars und als Prediger und Seelsorger der Stadt Friedberg. Der Entschlafene besaß eine große Wahrhaftigkeit in seiner Predigt und Lehre, er verachtete die religiöse Phrase und Phantasie, predigte schlicht und einfach, aber wirkungsvoll, wahr und ergreifend. Als Seelsorger war er allezeit eifrig tätig. Sein verdienstliches Wirken in gemeinnützigen Vereinen und Anstalten und vorzüglich in der Armenpflege sowie sein leutseliges Wesen erwarben ihm allgemeine Ächtung und Liebe. Vorbildlich wirkte er durch seine christliche Lebensführung, sein Leben war ein Christentum der Tat und Wahrheit. Der Redner schloß mit den Worten: „Folget ihrem Glauben nach." Nach einem Gebet und dem Gesang: „Jesus meine Zuversicht" schloß die einfache aber würdige Feier.
Frankfurt, 14. Dez. Die JahreSrechnung bet Stadt Frankfurt für 1903 schließt mit einem Defizit von Mk. 95 000 ab, während man auf einen Fehlbetrag von Mk. 137 000 gerechnet hatte. Die Einwohnerzahl ist lalit Jahresbericht be8 Magistrats von 306 000 auf 313 000 gewachsen. Die Sterblichkeit war etwas höher, weil bte abnormen WitterungSverhältnisse ungünstig wirkten. Gut war


