Ausgabe 
15.11.1904 Erstes Blatt
 
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Kerichtssaal.

Vom heiligen Bureaukratius. Vom Schwur­gericht in Essen wurde seinerzeit der Bergmann Mt aus ^Gelsen­kirchen wegen Mordes zum Tode und 10jährigem Ehrverlust verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte Revi­sion ein, weil in diesem Falle nicht auf 10 jährigen, sondern auf dauernden Ehrverlust zu erkennen gewesen wäre, und das Reichsgericht schloß sich- diesen Auffassungen an, sodaß es zur nochmaligen Verhandlung kommen muß. (Es könnte dem Angeklagten ebenso wie dem Gericht gleicksiltig sein, ob nach der'Hinrichtung der Ehrverlust 10 Jahre oder dauernd ist. Nicht ganz so gleichgiltig ist die Sache aber für die Steuerzahler, die natürlich die Kosten, welche der Staatskasse zur Last fallen, zu tragen haben.)

Angesichts der vielen Unfälle anf Nanaierbahn- höfen hat der Eisenbahnunnister v. Budde eine Verfügung erlassen, laut welcher er diese Unfälle in den meisten Fällen auf die Unachtsamkeit dcS Personals zurückführt und denjenigen Beamten und Arbeitern, welche sorgsam d'n Unfall-Verbütungs- vorschriften nachkommen, Belohnungen aussetzt. (Richtiger wäre es, mit dem Svarsystem zu brechen, welches Arbeiter über die Zeit im Ti"nst behält und von den übermüdeten Leuten voll­ständige Tienstfähigkeit verlangt. Keine Belohnung, son­dern mehr Personal müßte die Losung sein.)

T'i e Bautzener Affäre vor dem Reichsgericht. Vom Landgericht Dresden ist am 20. April der Redakteur der Sächs. Arbeiterztg.", T-üvell, wegen Belei^igungder Offi­ziere, der Garnison Bautzen zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Tüvell hatte eine Notiz über angebliche Orgien iw Bautzen aus einem anderen Blatte abgcdruckt. Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Tie Auf­hebung erfolgte wegen ungenügender Begründung der Ablehnung von Beweisanträgen. Ter Angellagte hatte beweisen wollen, daß imFuchsbai:" tatsächlich Orgien stattgefundcn haben, also den Beweis der Wahrheit erbringen wollen. Tie Gründe, aus denen das Landgericht diesen Antrag abgelchnt hat, erscheinen dem Reichsgericht umverständlich. Was den weiteren Beweisantrag, sämtliche Bautzener Offiziere zu vernel-men, betrifft, so hat das Reichsgericht Bedenken gegen den alternativ geltend gemachten Mlchnungsgrund, der Beweisantrag sei in Verschleppungsabsicht bezw. als Beweiscrmittclungsantrag gestellt worden. Tas eine schließe das andere aus. Soweit Verschleppungsabsicht angenom­men worden sei, lägen Bedenken vor auch insoweit, als diese nach der festen Rechtsprechung des Reichsgerichts ohne Rechtsirrtum nur festgestellt werden kann, wenn der Richter überzeugt ist, der Ange­klagte wolle die fragliche Tatsache nicht beweisen, er sei selber von deren Wahrheit nicht überzeugt. Was die Eventnalannahme des Landgerichts anlangt, es handle sich um einen Beweisermitte- lungsantrag, so steht der erkennende Senat vollständig auf dem Standpunkt, den das Reichsgericht in dieser Frage bisher ein­genommen hat Es wird zu prüfen sein, ob die früheren Ent­scheidungen ors diesen Toll onzuwenden sind.

11 rnrite Meldungen.

Originald, ahtmcldungen des Gießener Anzeigers.

Köln, 15. Nov. Deute mittag gab in einem Hause auf dem Eigelslein ein älterer Mann auf seine frühere Geliebte einenRevol Vorschuß ab; die Kugel prallte jedoch an einer Korsettsiange ab, so daß die Frau unverletzt blieb. Hierauf jagte sich der Mann eine Kugel durch den Kopf, die seinen sofortigen Tod zur Folge hatte.

Solingen, 14. Nov. Seit etw-a einer Woche wird hier der Notar Justizrat Rosenbaum vermißt. An dem Reiseziel, das er angegeben hatte, ist er nicht cin- gctroffen. Fiir das Notariat ist Pflegschaft bestellt worden. Das Verschwinden wird mit dienstlichen Angelegenheiten in Zusammenhang gebracht.

Breslau, 15. Nov. Bei den Stadtverordneten­wahlen d"r dritten Abteilung verloren die Freisinnigen vier Sitze. In vier Bezirken sind Stichwahlen zwischen den Konservativen und Sozialdemokraten erforderlich. Die So­zialdemokraten brachten zwei ihrer Kandidaten durch.

Paris, 15. Nov. Ti' offizielle Republique Francaise" will aus zuverlässiger Quelle wissen, daß sich Ministerpräsident Com­bos große Mühe gebe, um den Kriegsministcr Andr6 zu seiner Demission zu veranlassen; General Andr6 weigere sich

jedoch, diesent Wunsche zu entsprechen. F Der Untersuchungsrichter in der Affäre Syveton, Jlliot, hat den Gerichtsarzt Tr. Soguet beauftragt, den Gesundheitszustand des Kriegsministers Andre zu prüfen. Von dem Gutachten des Tr. Soguet wird es jedenfalls abhängen, ob der Deputierte Syveton wegen seines Attentates vor das Zuchtpolizeigericht oder vor die Geschworenen gestellt werden soll.

Liverpool, 14. Nov. (Reuter.) Hier traf "ein Dampfer der Elder-Temsber Line mit Nachrichten aus Kamerun ein. Dort wurde eine deutsche Handelsgesellschaft zum Zwecke des Handels mit und auf dem Tschadsee gebildet. Nach Tualla wurde ein neues Schwimmdock gebracht, wel^fs der deutsche Dampfer ,.Addo" zuerst benutzte. Sein erster Offizier aeriet bei dem Hereinziehcn des Dampfers in das Dock in eine Winde und erlitt einen furchtbaren Tod. Aus Kalabar wird berichtet, daß dort die ganze Mannschaft eines Bootes des englischen Distrikt-Kommissar- mit abgeichnittenen Köpsin ausgefunden wurde, als der Kommissar nach einem Palaver mit einem Häuptling mit einem Boote zurückkebrte.

Bologna, 15. Nov. In Marano flog ein Pulver­magazin in die Luft, wobei der Eigentümer in Stücke gerissen und drei Arbeiter schwer verletzt wurden.

Turin, 15. Nov. Auf dem Bahnhof von Moghera stieß eine Lokomotive mit einem Cisternenwagen zusammen, welcher mit Benzin gefüllt war. Da letzterer in Brand ge­riet, erfolgte eine Explosion, welche große Verwüstungen anrichtete. Zwei Eisenbahn-Bedienstete wurden ge­tötet und mehrere schwer verletzt.

Eger, 15. Nov. Im Stadtpark wurden die Arbeiten zur Herstellung eines Bismarck-Gedenksteins auf poli­zeiliche Anordnung eingestellt. Die Errichtung des Steines wurde 1897 nach der Kundgebung deutscher Abge­ordneter und städtischer Vertreter in Eger gegen das Ministe­rium Thun beschlossen, von der Regierung aber verboten und trotzdem in Angriff genommen worden.

*

Vom Kriege.

London, 15. Nov. Dem Reuterschen Bureau wird aus dem Hauptquartier der Belagerungsarmee unter dem gestrigen Tage über Fusan über Kämpfe bei Port Arthur am 30. Oktober gemeldet: Die Japaner griffen in einem allgemeinen Angriffe die äußeren Forts an und erreichten die Gräben der Haup-tforts. Diese waren breiter, tiefer und stärker, als man erwartet hatte; sie waren durch Minen verteidigt, die nach heftigen Kämpfen unter der Erde genommen wurden. Der bedeckte Weg von dem Nord-Kikwan wurde erobert. Die Russen hielten sich aber immer noch in einem Teile der Gräben, und die Japaner gingen dazu über, diese mit der Sappe zu vertreiben. Nach einem zweiten Telegramm vom 14. d. M. über Fusan heißt es, daß die Verluste der Japaner bei diesem Angriff am 30. Oktober 1500 Mann betrugen. Der Angriff war der bisher am wenigsten erfolgreiche. Das mächtige Ost-Kikwan wurde zwar erobert, aber die Russen erhielten Ver­stärkungen und trieben die Japaner den Berg hinunter. Die Japaner gehen jetzt Wit Sappen vor. Die Eroberung dieses Forts würde den Japanern den Schlüssel zu der östlichen Fortslinie liefern, da es diese Linie dominiert.

Petersburg, 15. Nov. Generalleutnant Slu- t s ch e w s k h wurde Kuropatkin zur Verfügung gestellt. Der Abteilungschef im Generalstab, Generalmajor Alexejew wurde zum Generalquartiermeister der dritten Mandschurei­armee ernannt. Ein Tagesbefehl an die Mandschurei­armee gibt die Zahl der vom 8. Sept, bis zum 24. Okt. nach Mukden und weiterhin geschafften Verwundeten auf 828 Offiziere und 28 479 Mann, die Zahl der Kranken auf 198 Offiziere und 3827 Soldaten an.

Tokio, 14. Nov. Reutermeldung. Der Mikado hielt in einer Versammlung des Armee- und Marinevereins den

Vorsitz. Die Verhandlungen wurden geheim gehalten. Man! nimmt an, daß es sich um Besprechungen über die Wege handelte, wie der baltischen Flotte bei ihrem Ein­treffen in Ostasien entgegengetreten werden solle, Washington, 14. Nov. Reutcrmeldung. Der rusf.

Botschafter Graf Cassini erklärte heute, Rußland werde den Krieg bis aufs äußerste fortsetzen, das heißt, bis es den Sieg errungen habe. Er halte es für seine Pflicht, zu wiederholen, daß Rußland unter keinen! Umständen die militärischen Operationen einstellen werde. Alle Gerüchte über Friedensanerbietungen und über Ver­mittelung der Mächte seien seines Erachtens in Umlauf gesetzt worden, um das Publikum zu überzeugen, daß das Ende des Krieges bevorstehe. Man hoffe auf'diesem Wegs die japanische Anleihe verlockender erscheinen zu lassen. Rußland gestatte ebensowenig eine Einmischung wie Eng­land im Transvaalkrieae und Amerika im spanischen Kriege. Rußland, dessen jährliche Einnahmen eine Milliarde Dollars übersteigen, könne sicherlich nicht inbezug auf den Verlauf des Krieges durch die Ausgaben für den Krieg beeinflußt werden. Ueber Rußlands Kredit und über die Soliditätz der russischen Finanzen zu sprechen, sei ganz überflüssig.

TeBephonischep Kursbericht.

nnkfnrt a. tuee 15. November.

3/a% Reichsanleihe . . Rn/ do. . . . ßVt0/c Konsola . . . . 3°/0 do R/gö/n Hessen , * . . 3/? % Oberhessen . . . 4% Oestorr, GoldrentO . 4l/ß % Oestorr. Silborrento 4% Unirar. Gold reute . .

4n/- Italien. Rente , . .

41/,zo Portugieser » . . 30/ Portugiesen. . . . .

1 % C. Türken . . . .

Türkenl oso

4°/o Grieoh. Monopol.-Aul. 41/, % äussere Argentiner

101 30

89.20

101.30

89.35

100.15

102'00

100.20

100.15

104.20

63.10

62.40

128*00

48.30

00.00

3% Mexikaner . . 4,/ß9/n Chinesen . . Electric. Achnckort . Nordd. Lloyd . , Kreditaktien . .

Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . Bochum . . « » . Ilarpaner . . . Schatzscheine . . .

Tendenz: fest.

. 30.4t)

. 90.00

. 124.50 . 10810 . 211.80 . 192.90 . 142.40 . 155.20 . 162.70 . 139.80

. 17.70

. 193.30 . 255.50 . 224.80 . 219.30

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Submission.

Für unsere Klinik soll die Lieferung von Weißzeug- und Kleidungsstücken auf dem Wege der öffentlichen Sub­mission vergeben werden.

Die Bedingungen und der Ministerialerlaß vom 16. Juni 1903 liegen nachmittags von 35 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen.

Angebote, versiegelt und mit der AufschriftAngebot auf Weißzeuglieferung" versehen, sind mit den Mustern bis zum Samstag, den 3. Dezember 1904, vormittags 11 Uhr, zu welchem Zeitpunkte die Eröffnung der Angebote stattfinden wird, auf dem Verwattungsbureau abzugeben.

Die Zuschlagssrist beträgt 14 Tage.

Gießen, den 12. November 1904.

Großherzogliche Verwaltungsdirektion der chirurgischen Universitäts-Klinik.

P 0 ppert. B.15/11

Vergebung von Bauarbeiten.

Die für den inneren Ansban des neuen Schnlhanses M Weitershnrn erforderlichen Arbeiten und Liefe­rungen, sowie die Schlosserarbeiten der Einfriedigung sollen im Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden.

Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten (Zimmer Nr. 20) während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen.

Angebote sind verschlossen, postsrei itnb mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens SamStag den 26. No­vember 1904, nachmittags 4 Uhr, auf der Großh. Bürgermeisterei Weitershain einzureichen. Die Er­öffnung findet an vorgenanntem Termin in Gegenwart etwa erschienener Bewerber statt.

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»

i/

220,00

331,50

1023,00

760,51

3191,68

1227,60

71,00

276,00

SU

1) //

Schlosserarbeiten (innerer Ausbau)

Desgleichen (Einfriedigung)

Glaserarbeiten

Schreinerarbeiten

Weißbinderarbeiten

Tapezierarbeiten

Sand-, Kalk- und Eementlieferung Gießen, den 10. November 1904.

Mk.

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Dic Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Maurerarbeiten

Der Großherzogliche Kreisbauinspektor des Die hm, Großh. Vaurat.

Kreises Gießen.

Btt/n

Mittwoch, Donnerstag

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Ziehung bestimmt am 23. n. 24. Rovbr. 1904 durch die staailiche Lotteriedirektion in Darmstadt.

Lose ä 1 Mark (Porto und Liste 25 Pfg.) ver­sendet (auch unt. Nachnahme) die General-Agentur Ad. Müller & Co. Darmstadt.

Rheinstraffe 14.

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AM JPF J®® M Im Jahre 1913 werden es hundert Jahre, dass unserem deutschen

Br9^3 IBjij Volke ein Genius ß-eschenkt wurde, um den uns alle Nationen (Ma El ® B 8S beneiden. Durch Richard Wagner ist der künstlerischen Sehn- hn 1 sucht unserer Zeit eine ungeahnt herrliche Erfüllung geworden.

Unter unerhörten Kämpfen, mit einer Willenskraft ohne gleichen, hat er sein Rayrenth ge­schaffen und uns Deutschen geschenkt, ein nationales Heilietnm und zugleich das Wallfahrts- ziel vieler Tausende ans aller Herren Ländern, den Siet* deuts *her Kunst und Kultur der ganzen Welt verkündend. Beschämend wäre es für unser deutsches Volk, wollte es ihm. dem gewaltigen Reformator unseres künstlerischen Lebens, nicht auch seine Dankbarkeit und Ver­ehrung mit der Tat beweisen. Ein Oonkmal soll dem grossen Meister errichtet werden, aber keines ans Stein und Erz, sondern eines nach «einem Sinne. Die Segnungen und die Quellen reinster Erhebung für Geist und Herz, die von den Festspielen in Bayreuth aus­strömen, sollen nicht nnr den Reichen, sondern auch den mit den Sorten des tätlichen Lebens kämpfenden und oft kunstbedürfti<rsten Männern und Frauen unseres Volkes zu Gute kommen. Noch kurz vor seinem Tode hat Richard Warner die Gründau? einer Stipondionstiftnng: veranlasst. Aus ihren Zinsen sollen minderbemittelten Kunstfreunden je nach Bedürfnis Frei­plätze, Reise- und Aufenthaltskosten in Bayreuth gewährt, durch sie erst soll Bayreuth zu einem wahrhaft nationalen Gute gemacht werden, das seine segensreiche veredelnde Wirkung auf Alle ausühen kann, die darnach Verlangen tragen. Die Pflege dieser Stiftung ist das letzte Vermächtnis, das Richard Warner seinen Freunden ans Herz celeg-t hat.

Unentgeltlich sollte ja der Zutritt zu den Festspielen für Alle sein, so war es der ursprüng­liche Wunsch ihres Schöpfers Leider konnte bei den ausserordentlichen Kosten der dortigen Aufführungen dieser ideale Gedanke nicht verwirklicht werden. Alle Einnahmen werden aber ausnahmslos für die Festspiele selbst verwendet, und die Familie Warner zieht aus ihnen nicht den gerino-sten materiellen Nutzen. Soll also der letzte Wunsch des Meisters, dass kein Be­dürftiger von der Teilnahme an seinem Werke ausgeschlossen bleiben solle, zur Tat werden, so müssen wir selbst die Hände öffnen und die noch immer über ungenügende Mittel verfügende Stiftung mit allen Kräften fördern und mehren. Eine allgemeine NationilNammlunt* soll vom heutigen Ta?o an eröffnet werden, um bis zum 100. Geburtstag Richard Wagners <22. Mai 1913) den Grundstock der Stiftung auf mindestens eine Million Mark zu erhöhen und dem Meister, wie auch unserem eigenen Volke ein dauerndes und würdiges Denkmal zu schaffen. In fast allen deutschen Bundesstaaten und in Oesterreich haben sich zu diesem Zwecke be­sondere Landes- und Ortsausschüsse begründet oder sind bereits in der Bildung begriffen.

Nicht bloss an Musikfreunde, sondern an Alle, die den Wert einer eigenartigen nationalen, ans dem Sehnen und Verlangen der neuen Zeit geborenen Kunst zu würdigen wissen, wenden wir uns daher mit der warmen Bitte: Gebt und spendet, so viel ein Jeder kann auch kleine Gaben sind willkommen und helft das edle hohe Ziel erreichen zum Ruhme deutscher Kunst und zum Heile unseres Volkes!

Im Namen der Zentralleitung des Gesamt-Ausschusses:

Hoftheater - Intendant Baron zu Pnflitz in Stuttgart. Vorsitzender. Br. Siffnniond Benedict in Stuttgart, Schriftführer.

Der Vorstand des Landesausschusses für das Grossherzogtum Hessen: Hauptmann Heinrich von Hahn, I. Vorsitzender; Professor Arnold llfendeInnoIiü. II. Vorsitzender; Oberkonsistorial-Sekretär Hermann Sonne, Schrift teurer; Rogiernimsrat Adam Fncliw, Schatzmeister (sämtlich in Darmstadt) " D16/11

Der Giessener Ortsausschuss.