Issue 
15/09/1904 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

bet anderen Mb'Äterkrrnjerr hervANgehen. V seht sich dann cn^f die Hinteren Beine und bejgnrnt mit bet ZuMe die H^lrre an dein ganzen Kröper zu reinigen. Me ganze Energie des Tieres scheint für einen Moment auf diese Arvert konzentriert zu sein, mährend' die anderen geschäs- ^5 ort ihm vorbeiiaufen und es ruhig wieder in die

*k ,aufnc5miett/ wenn es seine Toilette beendigt hat. f. . Besteigung der Zugspi tze. Von einem Mitt tfLtdie der Abteilung München des Deutschen und Oestreichischen Alpenverems wird geschrieben: Die Mitteilung über die führer- -obsteignngen der Zugspitze könnte den Anschein erwecken, al. Haiwelte es sich um Brotneid der Führer. Dies ist jedoch durck>aus mcht zutreffend. Es bestätigt sich, haß gerade die Zug- chlve, die selbst bei gutem Wetter, besonders in Bezug auf Aus- dauer, immerhin einige Anforderungen stellt, oft lediglich als ^nomnnerberg" angesehen imb bestiegen wird. Iw höchsten #e,tt,tUeuIo£ ist es, wenn Leute, die den Berg gar mcht rennen, trotzdem die Zugspitze alsharmlose Tour'" hin- stellen, wre dies Anfang August leider wieder einmal'der Fall war. Da wurde, einem blutjungen Studenten gesagt, er könne ganz gut mit einem Spazierstock hinaufgehen, was den Herrn veranlaßte, mit seinem Steckers bewaffnet den Aufstieg durch das Reintal zu unternehmen, absichtlich noch dazu mit unge- ua gelten Stiefeln,weil man damit nicht so leicht aus­rutscht, .als be^ Ixen genagelten"", und ohne Proviant,weil ja ohnehin Hütten genügend unterwegs sind." Das dünne Steckers, das zum Herumfuchteln in der Luft für die Stadt ja stark genug war, .hatte aber keine Freude an einer Hochtour und brach, ab. Statt die Tour nun auch abzubrechen, oder, wenn wirklich kein BergstockuntertoegS zu bekommen war, doch wenig­stens bei der Knorrhütte umzukehren, ging der junge Student noch zumMünchener Haus", und stieg, jedenfalls deshalb, weil sein ratgeberwer Freund denselben Weg gemacht, gegen den Eibsee zu ab, mußte aber bei der Wiener-Neustädter-Hütte einige Stunden rasten, um mir überhaupt weiter zu können. Beim Ab­stiege von dort wurde er von zwei Herren überholt, die ihn mit­nehmen wollten. Da dieses Anetbieten abgelehnt wurde, gingen die beiden noch ein Stück weiter hinab bis zur Hütte des Thör- len, von wo man den zurückgelegten letzten Teil des Weges überblicken konnte, und warteten dort eine halbe Stunde auf den Studenten. Als er sich immer noch nicht sehen ließ, und auch die Dämmerung ichou hereinbrach, entschlossen sich Ne Herren zur Umkehr, und fanden den jungen Mann in völligerschöpf­tem Zustande an einer abschüssigen Stelle am Wege liegend. Auf Befragen antwortete er, er wolle so lange liegen bleiben, bis es zu regnen anfange, um dann seinen brennenden Durst 'zu löschen, .was er wohl nicht erlebt hätte. Durch etwas Tee wieder einigermaßen zu sich gebracht, wurde er enbftcb bei Laternenschein zum Eibsee hinabgeführt, wo man lange nach zehn Uhr mckam., .Noch nie im Gebirge gewesen, aher gleich auf die Zugspitze, keinen Stock, keinen Proviant, keine Feldflasche, keine Nagelschuhe aber Stiefelhölzer, damit die Schuhe über nacht die Fasson nicht v erlieren! Das ist das Richtige! Ein anderer Herr, ebenfalls noch nie im Gebirge ge­wesen, machte am gleichen Tage einen Spaziergang ins Höllen­tal und wurde nach einer in der dortigen Hütte lustig durch­wachten Nacht , zur Spitze mit hinaufgeschlepvt, ebenfalls, mit Abstieg zum Eibsee, bekam unterwegs jedoch solche Furcht, daß er nur mit Mühe und Not zur Wiener-Neustädter-Hütte gebracht werden konnte. Ein rührendes Hochgebirgsbild! Wenn diese Herren aber nun nach Hause kommen und ihre Heldentaten er­zählen, werden sie begeisterte Zuhörer finden, man wird sie auf ihren Kneipen als Wundermenschen anstaunen und es ihnen ge­legentlich nachmachen. VieUeicht nützt da einmal die Veröffent­lichung der Namen solch 'kühner Bergsteiger!"

* Süße Namen. Eine Berliner Bühne veröffent­licht das Namensverzeichsnis ihrer Mnfflerschar. Von bett dreizehn Damen des Personals' tragen zehn folgende über­aus geschmackvolle Namen: Ma, Manon, Ella, Mila, Hedi, Sischa, Fifi, Ada, Vera, Angelika. Angelika und Ella mögen, so lesen mir imB. T.", passieren, obwohl auch sie wahr­scheinlich aus dem Bürgerlichen in die Bühnensprache übersetzt sind. Aber bei den anderen Damen sind Mir ungalant genug, anzunehmen, daß nicht eine einzige dieser Künstlerinnen den jetzt von ihr geführten Namen in' der Taufe erhalten hat! Sie finden eben die süßen Abckür^ itngett gefälliger als den ehrlichen Kalendernamen, irrte ihn gewöhnliche Sterbliche tragen. Neber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten, aber unsere Ansicht ist, daß eine wahre Künstlerin solche Kinkerlitzchjen nich-t nötig hat. Die bedeutendsten Berliner Darstellerinnen heißen in alphabetischer Folge: Agnes, Else, Gertrud (also Irene zählt poch nicht? D. Red. d. Gieß. 'Anz.), Luise und Rosa, also nicht Asta, Ella, Tr!udi, Lisi und Resi, und sie haben's alle trotzdem zu etMas gebracht. Einer Wie- rtertn freilich, die sich Hansi nennt, obgleich sie Johanna heißt, sei das Diminutiv verziehen; sie darf sich alles! erlauben, weil sie beinahe alles kann. Aber unter all den Damen mit den neckischen Namen ist wahrscheinlich> wie gern und freudig würden wir eine Enttäuschung eim- gestehen! auch nicht eine einzige Hansi Niese!

* Der Deutschamerikaner ist mit wenigen rühmlichen Ausnahmen im Vergleich zu dem großartigen Bitduugsstreben und zu der fürstlichen Freigebigkeit oe§' Amerikanersg eisti g tot" und ein Elender Knan- j e r". Das ist die Meinung von Dr. Julius! Goebel, Professor der deutschen Philologie und Literatur an der Haßford- Unibetfitat in Kalifornien, niedergelegt in seiner nrw- fassenden DarstellungDas Deutschtum in den Vereinig­ten Staaten"". Die Ursachen dieser für unser Volk be­schämenden Erscheinung führt Dr. Phil. M. A. Stille- Leipzig, sie bestätigend, auf den übermäßigen Mergenntz der dortigen Deutschen zurück, durch welchen er auch ihre Uebersterblichkeit und die verhältnismäßige Minderbegabt- heit und Schwerfälligkeit ihrer die amerikanischen Schulen besuchenden Kinder erklärt.

* Die Gesamtzahl der Juden auf der Erde wird in einer interessanten Statistik, die das soeben ver­öffentlichteJewish Dear-book" für 1904/05 aufstellt, auf 11017 721 berechnet. Auf die einzelnen Erdteile verteilen )te sich wie folgt: Europa 8 747 971, Asien 342410, Afrika 354500, Amerika 1556 000, Australien 16 840.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Etwas ans den Gesangvereinen!

Gießen, 15. September.

Ein hiesiger Musikfreund gibt in nachstehendem Schreiben den Gesangvereinen einige recht beherzigenswerte An­regungen :

Tie Tage werden kürzer, die Abende länger, das gesell- sckastliche Leben beginnt sich wieder zu regen, wenn es auch zunächst nur Vorbereitungen sind. So auch unsere musikalischen Vereinigungen, wozu ich insbesondere die Gesangvereine rechne, welche den Sinn für Musik ht allen Kreisen, in allen Schichten der Bevölkerung wecken und pflegen sollen. Tie Pro­gramme für die festzusetzenden Abende werden festgeftellt, die Proben beginnen weder.

Daß wir hier sthr tüchtige, leistungsfähige Männerchöre be­sitzen, ist bekannt. Einige sind öfter preisgekrönt von Wettt streiten zurückgekehrt, andere, welche die GesangSwettstteite als eine bedauernswerte Evfchemimg betrachten, haben schon in vielen

jW Köderte bewiesen, daß sie gewiß ebenso leistungsfähig such, und wer sich noch des herrlichen Konzertes der vereiMgüm Gesongvereme am ersten Pflngsttage erinnert, der darf annehmen, Etz der Männergesang in Gießen eine gute Pflege findet. Und doch hat gerade dieses Konzert einen Nebelstand unserer Vereine Meigt, ein Uebelstand der schon so oft besprachen, gegen den schon so oft gekämpft wurde, aber bis heute umsonst Es ist die furchtbare Zersplitterung der Vereine.

Wir haben Vereine, welche aus knapp ein Dutzend Sänger ich gehe wohl nicht fehl, wenn ich behaupte, daß oce höchste ^-ängerzahl bei dem einen oder anderen Vereine viel- lercht 3040 beträgt. Das gibt doch zu denken! Leistungen und Klangwirkungen, wie sie bei dem erwähnten Konzerte erzielt wurden, lassen sich von solch kleinen Vereinen unmöglich erreichen. Ich erinnere nur an die Ausführung der LiederDer frohe Wandersmann"", und die beiden herrlich vorgetragenen Volks­lieder, von denen das zweite bei dem tausendköpfigen Publikum einen, wahren Beifallssturm erregte. Weiterhin ist es fast un­möglich, die größeren Werke für Männerchor, von denen wir eme große Anzahl aus den Federn unserer besten Komponisten besitzen, mit so kleinen Vereinen, deren finanzielle Mittel natur­gemäß auch schon geringer sind, wirksam zur Aufführung zu bringen. Hier möchte ich die Aussprüche, welche nach dem Män­nerchorkonzert am ersten Pfingsttage von verschiedenen Herren Preisrichtern und anderen musikalischen Herren getan haben, er­wähnen.Solche Konzerte, solche Aufführungen, sollten die Gießener Vereine, wenn anders eine Verschmelzung nicht zu erzielen wäre, im Jahre doch mindestens einmal bieten. Einmal im Jahre ein roirkliches Männerchor-Kon^ert, das würde zur Hebung des Männerchors, zur Pflege des deutschen Liedes un­gemein viel beitragen. Dies könnte auch die Veranlassung wer­den, daß sich einige kleinere, zu einem großen Vereine zusammenfän den. Der sog. Kastengeist dar' unter musikalischen Vereinen nicht herrschen!""

Ich glaube, daß die Gedanken ausführbar sind, und die Ver­wirklichung unserer Vaterstadt nur zur Ehre gereichen könnte.

Ein weiteres Nebel in den meisten unserer Gesangvereine ist die Verpflichtung, d. h. die Art, "in welcher die Erledigung dieser Verpflichtung besteht, den außerordentlichen Mitglie­dern gegenüber.

Dazu gestatte ich mir folgendes zu bemerken: Die 'Anforder­ungen, welche an die aktiven Mttglieder eines Gesangvereins ge­stellt werden, sind ganz bedeutend an Zett und Geld. Me regelmäßigen Gesangsproben, wozu auch noch eingeschobene kom­men, erfordern viel Zett. Das Honorar des Dirigenten, die An­schaffung der Noten, Instrument usw. verursachen keine geringen Ausgaben. . Wetter Solisten, Orchester! Hiese Ausgaben können in den seltensten Fällen von bett Sängern allein be­stritten werden. (Eine Folge der Zersplitterung!) Die Sänger müssen sich also nach Unterstützung umsehen. Diese wird er­reicht, durch Ausnahme solcher.Mttglieder, welche nicht als Sänger tätig sein können, aber doch ihr Interesse am Gesänge befunben wollen, indem sie durch einen geringen Beittag (812 Mark pro Jahr!), den Sängern ihre Ausgaben bestretten helfen, chnen also die Erreichung ihres Zieles bedeutend erleichtern. Selbst­redend tritt nun für die Sänger die Verpflichtung ein, hin und wieder zu beweisen, daß sie dieser Unterstützung auch würdig sind, ob sie den Männergesang auch 'wirklich ernsthaft pflegen. Diese Beweise sollen erbracht werden, in den vom Sängerchor eingerichteten Konzerten, zu welchen die unterstützerchen Mitglieder mit Familie freien Zutritt haben und auf welche in der Regel ein Tänzchen folgt. Soweit ist das recht gut und auch nicht zu beklagen. . Nun die Kehrsette. .Infolge der vielen hier bestehenden Gesangvereine entsteht eine gewisse Konkurrenz. Diese Konkurrenz zeitigt das Bestreben einsäner Vereine, ihren Inaktiven möglichst viele solcher Abende, natürlich mit Tänzchen zu bieten. Im Semester 45 Abendunterhaltungen, Familien­abende und was da noch für schöne Namen sind; ob da nur ein Konzert" dabei fern kann? Ich bezweifele es. Wo soll Me Zett zum Studium der Chöre Herkommen, wenn alle 45 Wochm eine Festlichkeit stattfindet? Da kann doch nur der Tanz die Hauptsache fein, gegen den ich ja nichts sagen will, aber ich frageheißt man bi es den Gesang pflegen?" Ich meine, dagegen müßten sich die unterstützenden Mttglieder auf­lehnen und sagen:Wtt sind 'Mitglieder bei eurem Gesang­verein geworden, um es euch zu ermöglichen eure Leistungen zu vervollkommnen^ ihr joHt Hüter und Pfleger des deutschen Liedes sein, und daß ihr dies seid, das beweist uns in Konzerten mit echt musikalischem Programm, wir wollen keine Kuplets und Tingel-Tangelsachen, wtt wollen herz erhebende, das Gemüt veredelnde, und 7>erzerftischende Weisen hören. Wenig und gut ist uns lieber, als viel und mittelmäßig."" Würden alle Inaktiven so denken und sagen, stünde es um manche Gesang­vereine in unserer Stadt viel besser. Dem ist leider nicht so.

Gar manchmal hött man die unterstützenden Mitglieder, nicht über die Leistungen der Sänger, nein, über die nach ihrer Mein­ung zu geringe Zahl von Vergnügungen klagen.Für den Beittag, welchen ich zahle, nur drei Festlichkeiten?"" (Semester.) Da seht diesen und jenen Verein an, die haben viel mehr Aus­flüge ufw. usw. Daß das bett. Mitglied diesen drei Abenden mit drei bis vier Personen beigewohnt, und außer dem Genuß der Konzerte noch W 2 oder 3 Uhr getanzt hat, ivirb nicht in Berücksichtigung gezogen. Wenn doch Mese Inaktiven hin und wieder eine Gesangs probe besuchen wollten, bmn würden sie er­fahren, was es heißt, aktiv^ fern, was es heißt Sänger sein, welche Opfer diese bringen müssen. In den Proben wnnt ihr erfahren, was es heißt,Dem Deutschen Liede leben!"" auch könnt ihr dort erfahren, ob ihr eure Unterstützung nicht Un­würdigen zukommen läßt. .Findet ihr nicht aUes, so wie es fein 'oll, dann entzieht dem Verein eure Unterstütz­ung und tretet solchen bei, welche sich dessen würdiger zeigen. Dann seid auch ihr Pfleger des deut­schen Liedes.

Möchten diese Wotte so aufgenommen werden, wie sie gedacht !'rnb.; möchten sie ein klein wenig dazu beitragen, unsere Sänger zu einigen, sie zu öfterem gemeinsamen Wirken aufmuntem: alle Unterstützenden möchten bedenken, daß auch sie einen Anteil haben an der Pflege des Männergesangs in unserer Vaterstadt, wenn sie ihre Unterstützung den Vereinen zuteil werden lassen, ohne dieselbe von Festlichkeit zu Festlichkeit zu drängen, aber tüchtige, musikalische Leistungen verlangen. Daun wird das deutsche Lied blühen, ihm und unserer Vaterstadt zu Ehren!

Z. R.

Kunst und Mstcnschast.

Berlin, 14. Sept. In der heutigen vierten Sitzung des internationalen Dermatologenkongresses wurden Vorträge gehalten unter an denn .über den Syphilisbazillus und Me Serumbehandlung . der Syphilis. .Die Genueser Universitäts- profefforan Riffo und Civolina berichteten über zuftiedenstellende Resultate mit einem von Tieren genommenen Serum. Die nächste Tagung findet im Jahre 1907 in Newyork statt.

Berlin, 14. Sept. Der Staatsanzeiger meldet: Anläßlich dergroßenBerlinerKunsta^.sstellung wurde die kleine goldene MedaiNe für Kunst verliehen den Malern Heinrich Her­mann-Düsseldorf, Erich Eltze-Charlottenbnrg, Hugo Poll-Buda­pest, Altted Schwarz-Berlin, Karl Bennewitz von So cf en jr.-Berlin, Georg Schoebel-Berlin, Karl Kappstenc-Wildpark und den Bild­hauern: Zsimstantin Starck-M'rlin, Erich Schmidt Kestner-Berlin.

Berlin, 14. Sept. Wilhelm Mannstaedt, der bekannte Verfasser zabtteicher Berliner Possen, ist gestern abend 67 Jahre alt in Steglitz gestorben.

Luzern, 14. Sept. Der Internationale Ophthal- mologenkongreß wurde beute in Anwesenheit von 600 Teil­nehmern durch eine Begrüßungsansprache des Bundesrates Dr. Deucher eröffnet. In derselben wies er auf die Fortschtttte hin, welche die Augenheilkunde seit dem ersten Kongreß in Brüssel vor 47 Jahren gemacht hat. hierauf trat der Kongreß in feine Arbeiten ein.

Kerichtssaak.

,aU' 14- Sept. Leutnant Hemann vom Merninger Infanterie-Regiment ist von dem Kriegsgericht der 22. Division ^fsen Beleidigung Vorgesetzter, begangen durch seinen Militar-RomanCarries Briefe an einen Freund"", ju me br man at Heber Gefängnis st rafe verurteilt wor- den. Leutnant Spemaitn wurde in Hast behalten. Die 23er» k .Urteils-Verkündigung fand unter sttengstem Aus­schluß der Oeffentlichkeit statt. Wie verlautet, wird Hemann Berufung.emlegen. Wie MeBraunsck)w. N. Nachr." er- fahren, ist Hemann in finer außerordentlichen Kriegsgerichtssitzung in Neustadt, (Main-Weserbahn), zu sechs Monaten Gefängnis und Dienstentlaffung verurteitt worden. Als Vorsitzender des Kriegs­gerichts fungierte der Kommandeur des Marburger Jäaer- bataillons Oberst v. Borries.

, ® t n Hollenleben. Heber eme Schöffengerichtssihuna berichtet derHannov. Kurier"':Ein O b e r p o ft a ss i st e nt war wegen Mißhandlung seiner Schwiegermutter angeklagt. Der Angeklagte erklätte zu seiner Vetteidigung: Er fei feit 13 Jahren verheiratet und seit dieser Zett sei auch seine Schwieger-mutter bei ihm, die ebenso wie seine Frau katho­lischer Religion sei, während er sich zu dem evangelischen Glauben bekenne. Bei der Verheiratung sei zwischen ihnen abgemacht, daß von beit Kindern Me Mädchen katholisch, die Knaben dagegen evangelisch erzogen und konfirmiert werden sollten. Diesem Ab­kommen gemäß sei sein Mädchen katholisch getauft worden. Bis zur Taufe des später geborenen Knaben habe er mit feiner Familie in bester Harmonie gelebt. Die evangelische Taufe des Knaben sei schon gegen den Protest ferner Frau und Schwiegermutter voll­zogen, und vordem Tage an seien zweifeindlicheParteien in seiner Wohnnng gewesen. Frau und Schwieger- m u 11 e r hatten seit Jahren stets gegen ihn zusammengehalten und ihm ein Höllenleben bereitet. Der Zustand sei immer schlimmer geworden und habe seinen Höhepunkt erreicht, als er den Jungen in eine evangelische Schule geschickt habe. Seine Vor­haltungen wegen der Verabredung bei der Verheiratung seien über­haupt nicht berücksichtigt. Die Schwiegermittter habe ihm einfach erwidett, die Angehörigen ihres Glaubens brauchten gegenüber anders Gläubigen ihr gegebenes Wort nicht zu halten und brauchten auch nicht zu glauben, was diese sagten. Die Frauen hätten ihn den Kindern gegenüber immer als schlechten Kerl hingestellt, um ihn in deren Augen herabzusetzen. Er habe diesen Zustand bis zum äußersten ausgehalten, ohne sich in tätlicher Weise zu vergehen. Auf die Frage des Präsidenten, warum er Me Schwie­germutter nicht schon längst aus seiner Wohnung hinaus- gewiesen hätte, erklärte der Angeklagte er habe von Tag zu Tag auf eine Aenderung ihres Benehmens gewartet. Im Jntersie seiner Kinder habe er das Aeußerste vermeiden wollen, weil ja seine Frau nut der Schwiegermutter vollständig eins sei. Nachdem hervorgehoben worden war, daß auch der Angeklagte seinerseits ein Strafverfahren gegen die Schwiegermutter anhängig gemacht hat, versuchte der Präsident, einen gütlichen Ausgleich zwischen den Parteien herbeizuführen. Es gelang schließlich die Patteien zur gegenseitigen Zurücknahme des Strafantrages zu ver­anlassen. Die RechtsanwÄte wollen in einem noch wetter an* hängigen Prozeß auch versuchen, die Harmonie des Familien­lebens wieder herzustellen. Beide erklätten indes übereinstimmend, daß dieses nur ohne die Schwiegermutt er erreicht werden könnte, das heißt, wenn diese die jungen Eheleute in Zukunft mit ihrer Anwesenheit verschont."

Dandel und Verkehr. UolksVirlschasi.

Die neue Hibernia-Versammlung. Das Cvm- muniguö der DreÄ>ener 23ank, wonach der Anttag auf eine weitere Generalversammlung gestellt wird, 'kam überraschend. Ter Punkt 1 der Tagesordnung kann nur pro forma gestellt worden sein, denn zu dessen Llnnähme bedarf es enter s/4 Majorität aller Aktien und diese besitzt Me Dresdener Bank nicht. Die Anttage zu 24, Aufhebung des Beschlnffes bett. Erhöhung des Llktien- kapitals, Erhöhung der Zahl der Aufsichtsratsmttglieder und Festsetzung der zu wählenden Mitglieder, wird die Dresdener Bank imb ihr Anhang aber wohl durchsetzen. In den Auffichtsrat sollen nicht Vertreter der Dresdener Bank, sondern ausschließlich Ver- treter der Regierung gewählt werden.

Laura-Aktien. Die Aktien Mefer Gesellschaft haben, wie wtt schon erwähnten, in den letzten Tagen starke Rückgänge er­fahren; dieser^ betrug 6 Prozent, nämlich von 254 bis 248. Dies erklärt sich damit, daß die Spekulatton endlich daran glaubt, daß nicht mehr als 11 Proz. Dividende zu ertourten firtb. Nun wrtt> wieder viel Material an den Markt kommen, das an­läßlich 'des Hibernra-Rummels sv darf man wohl sagen angekauft wurde.

Beliebtheit der Bankaktien. Der Besitzer der Bankaktien hat sich in neuester Zett wieder einmal eine gewisse Verstimmung bemächttgt. Sie sagen sich, daß für sie in diesem Jahre schwerlich mehr viel Gutes herauskommen wird. Wenn srck» "das letzte Drittel auch für einzelne Institute recht gut ent­wickeln weiche, auf eine hohe Dividende würde dock> nicht rnehr zu rechnen fein. .Eins ist für die Banklettungen fast zur Regel geworden: geht es im Geschäft nicht gut, so müssen die Mionäre mit niedrigeren Dividenden vorlieb ncljmen, geht es außerordent­lich gut, so suchen Me Verwaltungen für Me Zukunft vorzusorgen, Gewinne zu verstecken, und eine wesentliche höhere Dividende nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Haupterfolge für die Re­serven wurden doch 'immer bei Kapitals'erhöhungen erzielt und Me letzteren kann man doch nicht ins Ungewisse ausdekmen. Und deshalb kann auch 'eine Zeit kommen, wo auch die Bankpapiere sich nicht mehr der seitherigen Beliebtheit erfreuen und Jndustrie- aktien noch mehr gesucht sind, als bisher.

Markte.

Limburg a. b. L., 14. Sept. Frnchtm arkt. Durch- chnittspreife pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.85 Ack., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, altes, Mk. 0.00, neues 10.53 M., Gerste 0.00 Mk., Safer 7.20 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

oStittbwirffifiaff.

D i e Saatvermittlungsstelle des Hessischen Landwirtschaftsrats Darmstadt, Bismarcksstraße 78, wird erfreulicherweise im weitgebendem Maße in Anspruch genom­men, sodaß bis jetzt etwa 500 Zentner Saatgut zur SerbfibesteNuug vermittelt wurden. Die größte Anzahl der Besteller sind natürlich Landwirte aus Hessen, jedoch sind auch einige Bestellungen aus Baden, der Bayrischen Pfalz, Bayern, Hessen-Nassau und der Rhein provinz eingegangen.

Meteoroloftische Beobachtungen

bet Station Gießen.

Zur Hiiutverschönerung

Teint'S, benutze man nur die an Feinheit und Milde unüber­troffene und seit fahren bewährte II vrrlii 11-SuM f a Mmrholln Glneeri» Tube 50 Wg 1 »VIIII NVIIN.

bester Hautcröme, nicht fettend. Myrrl)Min-Puder M. 1 bewahrt bet wunden Füßen. ASM

September 1904.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

14. 2

743,7

18,4

8,9

57

W.

2

Bew. Himmel

14. 9«

743,2

13,9

10,7

92

W.

2

Bed. Himmel

15. 7*-

744,2

13,0

10.2

03

WSW.!

2

Sonnenschem

Höchste T«

nnpera

tur am

13. b

i§ 14.

September =

= 4- 18,8-6.

Niedrigste

-

W

13.

14.

-

= 4- 12,5'6.