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15/09/1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 217

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Unwersttätsdruckeret. R. Lange. Gießen,

Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr. A.

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.; Anzeiger Dietz«.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener Kamilienblälter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »^sstlche Landwirt^' erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Dsmrerstag 15. September 1804

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Volitische Tagesschau.

Deutschland und dasWeiße Haus".

Das Ergebnis der Präsidentenwahl in den Vereinigte u Staaten wird nicht ohne Einfluß sein mrf die diplomatischen Beziehungen der Unwit Zwischen Roosevelt und denr deutschen Botschafter Frhr. Speck von Sternburg besteht bekanntlich ein recht vertrautes Ber- hultnis. Die diplomatischen Vertreter der anderen Groß­mächte haben nicht entfernt so intimen Verkehr mit dem Präsidenten, wie der Deutschlands. Es ist auch bekannt, daß Kaiser Wilhelm darüber Genugtuung empfindet. Ob mit Recht, weiß man nicht, denn es hat manchnml den Anschein gehabt, als nehme Herr Roosevelt den Baron v. Speck, seinSpeckchen", nicht ganA lernst. Immerhin könnte daraus geschlossen werden, daß das etwaige Unterliegen Roose­velts bei der Präsidentenwahl auf die diplomatische Stell­ung Deutschlands in Washington ungünstig einwirken möchte. Ist doch, bereits das Gerücht aufgetaucht, im Fall der Wahl des Demokraten Parker werde deutscherseits ein Wechsel auf dem Washingtoner Botschaf­terposten vorgenomlmen werden. Es ist das aber aus dem Grunde schon unwahrscheinlich weil ein solches Vor­gehen zu Verstimmungen oder Mißdeutungen Anlaß geben würde. Andererseits läßt sich nicht verLnnen, daß im Falle der Nichtwiederwahl Roosevelts die Aussichten au: das Zustandekommen eines deutsch-amerikanischen Handelsvertrages schwinden. Parker legt das Schwergewicht wirtschaftlich ebensowenig wie politisch nach der internationalen Seite hin, und es darf nicht unbeachtet bleiben, daß der Verlauf der Weltausstellung in St. Louis, dieses internationalenStelldichein", das Gegenteil der erhofften Wirkung auch bei den Amerika­nern hervorgerufen zu haben scheint, obgleich die aus- stellenden europäischen Staaten größeren An^- laß zur Enttäuschung haben. Bemerkenswert ist, daß bei einer dieser Tage Mtgehabten Wahl im Staate Maine die Demokraten mehr Stünmen gewannen, als die Repu­blikaner. Sollte die Präsidentenwahl zu Ungunsten Roose­velts ausgehen, dann ist es am Ende auch fraglich ob die Statue Fr iedrichs des Großen überhaupt zur Ausstellung auf amerikanischem Boden gelangen wird. Die Angelegenheit, die selbst Herr v. Speck bei Mr. Roosevelt nur äußerst mühsam HU fördern vermag, würde von einem Kabinett Parker vermutlich zu den Akten gelegt werden.

Em Gemauserter.

Der ehemalige Sozialdemokrat Rudolf Leb ins, der, wie wir bereits kürzlich mitteilteu, seit einiger Zeit Heraus­geber der nationalsozialeuSachsenstimme Pilatus" ish führt in einer AufsatzfolgeErinnerungen eines ehe­maligen Sozialdemokraten", welche sich mit der deutschen Sozialdemokratie und chren Führern befassen, aus: Er werde infolge seiner Veröffentlichungen. Anfeindungen und perfide Verdächtigungen erleiden, aber das sei nun ein­mal nicht anders,denn der in der Sozia ldemo- kratie gro ß gezüchtete Byzantinismus gegen die Arbeiter fürchtet die Wchhrheit genau wie der monarchische Byzantinismus". Er sei Revisionist gewesen und als solcher könne man entweder inner­halb der Sozialdemokratie bernsteinisch mittun, oder auch nationatsozial innerhalb des Bürgertums wirken. Das sehe äußerlich aus wie ein Glaubenswechsel, sei es aber nicht. In seinem Innern bleibe man dasselbe. Ob ein sozial­demokratischer Revisionist naumannisch im Bürgertum oder ob ein Nationalsozialer bernsteinisch in der Sozialdento- kratie mittue, sei nur eine Frage der Taktik. Alle abhän­gigen Leute, und die schwachen Eharaktere, die sich vor dem gesellschaftlichjen Boykott fürchteten, würden gut tun, ihre politischen Älllschpuungen als nationalsozial zu dekla­rieren. Durch sein Hinüberschwenken zu den Natroual- sozialen sei er sich keines politischM Frontwechsels bewußt. Nachträglich hätten sich allerdings seine Anschauungen in verschiedenen fundamentalen Fragen gewendet. Früher sei er ein fanatischer Bewunderer der genossenschaftlichen (sozia­listischen) Arbeitsmethode gewesen. Jetzt, wo er ein eigenes Geschäft besitze, habe er erkannt, daß im genossenschaft­lichen Betrieb die Arbeit, zum mindesten die des Betriebs­leiters, geringer sei als im Privatbetriebe. Der selb­ständige für sich arbeitende Erwerbstätige arbeite ratio- rreller, williger, erfolgreicher. Die sozialisfischje Arbeits­methode halte die !AÄeitskrast zurück, vernichte sie zum Teil und machss dadurch die Menschheit ärmer.

An diesen Herzensergießungen ist bemerkenswert die Kritik, die ein ehemaliger Sozialdemokrat an der sittlichen Hohlheit der sozialdemokratischen Partei und an der Ün- aussührbarkeit ihrer wirtsch>aftlichen Wahnideen übt. Recht unsinnig ist die Gleichstellung der Nationalsozialen mit den Sozialdemokraten, dasErkenntnis", daß Natio- malsoziale und Sozialdemokraten beide von demselben Faden And nur eine etwas aridere Nummer seien. Nach seinem Ratschlage sollten alleabhängigen Leute" undschwächen »Charaktere", die den gesellschaftlichfenBoykott" fürchten, rin der nationalsozialen Partei unterkriechen. Die national- jsoziale Partei wird sich für diese unsicheren Kantonisten Heftens bedanken. Naumanns BuchDemokratie und /Kaisertum" lehrt zur Evidenz die großen prinzipiellen Gegen­sätze zwischen Nationalsozialismus und Sozialdemokratie, und fein Verfasser wird an seinem neuesten Anhänge^ wem Herrn Lebius aus Tilsit, nur geringe Freude haben.

Wölfisches.

DerHannov. Anz." hält seine Behauptung, daß ernstt £aftc Verhandlungen zwischen Berlin und munden über eine Lösung der welsischen Frage statt- .stunden haben, allen Ableugnungen gegenüber aufrecht und iilcunt als Beweis dafür einen Brief des Herzogs Dort Cumberland an den Prinzen Ma xvon Baden, in welchem wr Herzog seine Stellung präzisiere und seine Haltung gen über den kaiserlichen Propositionen rechtfertige. Der währsinann des Blattes versichert sogar weiter auf das l>"sttimrntcste, daß die betrefsenidcn Verhandlungen mit

keineswegs definitiv abgebrochen seien, sondern im Gegen­teil gerade gegenwärtig wieder mit besonderem Eifer ge­führt werden. Daß unsere Offiziösen hierüber noch nicht informiert seien, sei erklärlich da bei diesen Verhandlungen eben nicht der Weg ministeriell-bureaukratischen Appa­rates, sondern seitens des Kaisers persönlich intime For­men beliebt seien. Die verfassungsmäßigen und staats­rechtlichen Organe würden erst in Mion treten, wenn eine bestimmte Basis für einen enügiltigen Ausgleich gewonnen sei Wenn diese Behauptungen des hannoverschen übrigens nicht welfischssn Blattes irgend einen tatsäch­lichen Hintergrund haben sollten, was trotz des zuversicht­lichen Tones seiner Enthüllungen noch lange nicht aus- gemacht ist, so würde man annehmen können, daß die Verhandlungen zwischen den beiden Fürstenhäusern durch die Vernrittelung des Prinzen Max von Baden geführt werdeir, der als Vetter des Kaisers und Schwiegersohn des Herzogs von Eumberlaub beiden Familien gleich nahe steht.

Wieder ein Derhetzuugsversuch derTimes".

R. Berlin, 14. September.

Wenn von einem englischen Verhetzungsoersuch gegen Deutschland die Rede ist, dann weiß man ohne weiteres, daß er von derTimes" ausgeyt. Dies Blatt hat nie aufgehört, jeder noch so thörrichten Ersindnng seine Spalten zu öffnen, vorausgesetzt, daß damit Deutschland verdächtigt werden soll. Die neuesten Behauptungen eines ,gut unterrichteten" Mit­arbeiters derTimes" von einem russisch-deutschen Uebereinkommen in Bezug auf den fernen Oftcn, von der Gewährung einessicheren Asyls" in Tsing- t a u erreichen aber den Gipfel der Dummheit, gegen die nach dem Dichterwort Götter selbst vergebens kämpfen. Die Nordd. Allg. Zig." nimmt von der Meldung keine Notiz. Unseres Erachtens würde ein amtliches oder halbamtliches Dementi auch gar zu viel Ehre für die .Times" sein.

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Balkan-Funken.

R. Berlin, 14. Sept.

Der besonnenen Haltung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, seiner Friedensliebe, ist soeben bei dem Wiener Besuch des Koburgers begeistertes Lob der Offiziösen gesungen worden. Ja, wenn es allein auf Fürst Ferdinand an käme! Eine Frau v. Rothschild, joll einmal ihre Gäste, die einen Krieg befürchteten, mit den Worten beruhigt haben;M einMann will keinen Krieg!" Fürst Ferdinand ,^vill" auch keinen Krieg; er kann Daß ei wenig gewinnen und viel verlieren. Aber trotz dieser entschiedenen Abneigung wurde er im vorigen Jahre hart bis an den Punkt gebracht, denBrüdern" in Ma- cedonien im Kampf gegen die Türken beizustehen. Die Volksstimmung war entschieden für den Beschluß, und die bulgarische Regierung hatte übergenug getan, die Umtriebe der Verschwörer durch Nichtseyenwollen zu fördern. Bombenfabrikation, Anlegung von Wafsen-Arsenalen, Agi­tation in Wort und Schift, alles wurde ganz ungeniert von Bulgarien aus bewerkstelligt. Nur die bulgarischen Staatsmänner waren äußerst erstaunt, wenn die Pforte die Aufmerksamkeit der Mächte auf den Herd der Unruhen lenkte. Wir wissen von nichts, kam aus Sofia gekränkten Tones die Antwort. Inzwischen gingen der Anfftands- bewegung die Geldmittel aus. Dadurch^ nichi etwa durch das nach langem Verhandeln bei der Pforte durchgesetzte Reformprogramm" der Mächte, das der Bevölkerung Macedoniens ein Buch> mit sieben Siegeln ist, kam die Bewegung ins Stocken

Die ,^Wiener Polit. Korresp." ist voll Zuversicht, daß mindestens eine einstweilige Beruhigung Diaeedoniens er­zielt sei Diekompetente Persönlichkeit", die in diesem allerweltofftziösen Organ die Lage der Dinge schildert, macht aber doch den Vorbehalt: Es wäre leichtfertige Schön­färberei, zu behaupten, daß nunmehr die Gefahr tieferer Erschütterungen der Ruhe in Maeedonien als gebannt an­gesehen werden dürfe: eine wahrheitsgemäße Darstellung wird vielmehr einräumen daß die Elemente revolutio­närer Gährungen in diesem Teile der Türkei auch jetzt nicht geschwunden sind. Dieser Vorbehalt ist sehr am Platz. Wir finden in derKreuzztg.", die über die Vor­gänge auf dem Balkan der Regel gut informiert ist, heute einen Bericht aus Saloniki, des Inhalts, daß die Komitatschis jetzt wieder eine organisierte Leitung zu haben scheinen, daß die russischen Niederlagen auf die Balkan­verhältnisse einwirken, und daß die Rücksichtnahnre auf Rußland in den bulgarischen! Kreisen anscheinend voll­ständig geschtvunden ist, nachdem man die Ueberzeugung gewonnen habe, daß, was immer geschehe, an ein russi­sches Eingreifen nicht zu denken sei

Zweifellos hat diese ungünstigere Auffassung mehr und bessere Gründe für sich als die beruhigt klüigende der ^Wiener Polii Korresp.". Rußland kann sich nicht rühren, wenn aus dem Balkan ein Brand aus- bricht; der letzte Soldat und der letzte Rubel sind nach den Worten des Zaren für den Feldzug gegen Japan, bestimmi Daß Oesterreich Neigung Hütte, allein das Anrt des Balkanwächters auszuüben und für die Er­haltung des Fpiederw Truppen mch Geld zu opfern, ist kaum anzunehlnen. Also, schlagen einmal die Völker unten weit in der Türkei aufemauder, so wird man sie schla­gen lassen und die Karnvfitütte nach MöglrckMit ab- zu sperren suchen. Das Letztere ist freilich leichter ge- )Iant, als getan. Wir sehen ja, welch>e Schwierigkeiten das Sichferuhalteu der Neutralen vom russisch-japanischen Mieg nrachi Bei Muwülzungen auf dem Balkan aber ist die Gelegenheit grade für Unbeteiligte sehr verlockend, aus den Ereignissen Nutzen zu ziehen.

Kuropalkin über die Kämpfe bei -Liaujang.

Petersburg, 1.4. Sept. Ein Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser vom 11. September besagt: Auf Grund von nunnrehr ieUacüeUten Einzelheiten der Kümpfe der

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versclstedenen Armeekorps vom 26. August an ist es möglich, folgende allgememe Schüderung der Käuipfe zu geben: Am 26 Aug. hatte die Niandsajurei-Armee in drei Abtellung.n Stellungen bei Pegu und Anprng auf dem linken Flügel, bei Liandianfian im Zentrum und bei Anjchantschan auf dem rechten Flügel inne. An demselben Tage gingen die Japaner -us der ganzen Front des Zentrums bei Liaugiansian zum Angriff vor. Alle Angriffe der Japaner wurden zurüage schlag en. Auf oem linken Flügel be­haupteten wir naa> hartnaäigem Kampfe die Hauptstellung Anping, aber die Japaner bemäa>tigten sich der Stellung Pegu und be^ drohten dadurch den Rückzug des den linken Flügel blldenden Korps im Tale des Tanhe. Gleichzeitig wurde ein llmgehungs- verfuch der Stellungen unseres linken Flügels bei Anfchant- schan mit bedeutenden Kräften bemerkt. Ich führte alle Armee­korps auf die vordersten Posiüonen bei Liaujang, indem ich die Stellungen bei Liandianfian und Anping benutzte, um Zeit zu gewinnen und dem Femoe schwere Verluste zuzufügen. Infolge des bergigen Geländes auf der Ostfront und der vom Regen auf- gew-eichten Wege auf der Südfrout war der zweitägige Marsch nach Liaujang äußerst beschwerlich und wurde nur dank der felbst- verleugnenden Tätigkeit aller Niannschaften auf dem Ostflügel in voller Ordnung ausgeführt. Hinter der gaüzen Artlllerie wurde der ganze Train unter unsäglichen Mühen über die Pässe geschafft. Noch schwieriger war der Aiarsch durch die Ebene. Bei den linken und mlltleren Kolonnen gelang es uns, die ganze Artillerie und den Train glücklich nach Liaujang zu dringen. Ter Marsck der rechten Kolonne wesllich von der Eisenbahn war be­sonders sckMierig. Inzwischen griff der Feind in bedeutender Stärke die Nackchut an, welche mit ihm heftige Kämpfe zu bestehen hatte. Eine der Batterien geriet bei einem wetteren Rückzug in einen Sumpf; eine Batterie mußte zur Hilfe gesandt werden. Um sie zu decken^ blieb die Nachhut des Generalmajors Rutkowski länger in ihrer Stellung, atv unter den Umständen nötig gewesen wäre. Tie^ Abteilung erlitt schwere Verluste. General Rut­kowski selbst und Oberstleutnant v. Raaden fielen. Trotz aller Anstrengungen und Opfer mutzte die Batterie zurückgelassen werden. Die Armee wurde am 29. August bei Liaujang zusammengezogen. Ein Armeekorps besetzte die Stellung auf dem rechten Ufer des Taitseflusses, die anderen Korps besetzten die Stellungen am linken User. Am 31. ^August griffen die Japaner äußerst energisch unsere vordersten Stellungen an, wurden aber überall mit unge­heuren Verlusten zurückgeschlagen. Auf unserem rechten Flügel und dem Zentrum wurden während des Kampfes zahlreiche Gegen­angriffe, wobei es zum Baionettkampf kam, ausgeführt. SowoU die Spezialreserven, als auch Telle der allgemeinen Reserve mußten herangezogen werden. Am 31. August setzten auf das rechte Ufer des Tattse bedeutende Abteilungen der Armee Kurokis über. Am 30. und 3L Aug. wurde unser linker Flügel, gegen den die Armee Kurokis vorgehen mußte, verhältnismäßig schwach ange­griffen; man konille daher mit Recht voraussetzen, daß die Hauptkräfte Kurokis zur Umgehung unseres linken Flügels be­stimmt waren, um unsere Verbindungen abzuschneiden. Unter diesen Umständen entsck-lotz ich mich, die Truppen von den vor-' bersten Stellungen auf die Haupistellung zurückzuziehen und be­deutende Strettkräste gegen die Armee Kurokis zusammenzuziehen, um ihn an den Taitsefluß zu drängen, der nur an einigen Stellen passierbar war. Dieses Manöver wurde mll gutem Erfolge aus­geführt. Ohne von den Japanern beunruhigt zu werden, begannen wir die vordersten Stellungen zu räumen, die uns schon einen großen Dienst geleistet hatten, da sic es ermöglicht hatten, den Gegner durch große Verluste zu schwächen. Dank den ergriffenen Maßnahmen gelang es trotz der dunklen Nacht, alle unsere Trup­pen, die zum Angriffe besffmmt waren, am L September auf das rechte Ufer be§ Taitse überzusetzen. Erst gegen Abend des 1. Sept, besetzte der Feind die von uns geräumten vordersten Stellungen und eröffnete Artilleriefeuer gegen Liaujang. In die Hände des Feindes fielen auch nicht die geringsten Trophäen. Für die Aktion der auf das redete Ufer übergesetzten Truppen hatte ich folgenden Plan entworfen: Die Armee sollte sich zwischen dem Dorfe Sinkwantun und den Höhen bei dem Kohlenbergwerke von Jentai entwickeln. Letztere sollte die Abteilung des General­majors Orloff, bestehend aus 13 Bataillonen, besetzen. Ich nahm zum Mittelpunkt die Stellung bei Sinkwantun und die Armee sollte eine Linksschwenkung machen, um die Stellung der Japaner, die sich vom Taitseflusse beim Dorfe Kwantun in der Richtung auf die Höhen von Jentai zu erstreckten, anzugreifen. Ter Angriff begann am 2. September; in der Nacht zum 1. Sept, meldete mir der Kommandeur des Armeekorps auf dem rechten Flügel, daß die Japaner in der Nacht einen Angriff gemacht hätten und den für uns sehr wichtigen Teil der Position nord­östlich^ bei Sinkroantun genommen hätten. Ta das diesen Tell der Stellung behauptende Regiment zum Rückzüge gezwungen worden ^war, mußten wir den Plan der Aktion andern und jür den 2. September die Rückeroberung der Stellung als erste Lllif- gabe anschen. Erst gegen Abend dieses Tages befand sich der Bergrücken bei den Dörfern SinLvantun und Samai in unseren Händen. Gegen 6 Uhr abends begann der Angriff auf die Höhen nordöstlich von Sinkwantun, die in der Nacht unsere Truppen verloren hatten. .Anfangs hatte unser Angriff keinen Erfolg, aber trotz vollständiger Dunkelheit wurde der erbitterte Kampf fortgesetzt. Wir'eroberten mehrere Male die Höhen, »onr- den aber immer wieder gezwungen, uns zurückzuziehen. Da die einzelnen Truppenteile sich vermischten, war es schwer, die Ab­teilungen in der Hand zu behalten. Nach wiederholten Angriffen gelang es uns schließlich, die Stellungen endgiltig zu nehmen, und somit war die für den recksten Flügel gestellle Aufgabe er- fiillt. .Auf dem linken Flügel, in der Gegend der Bergroerke von Jentai, hatte die Mteilung des Generalmajors Orloff am selben Tage im Süden der Bergwerke auf den Höhen eine sehr feste Stellung eingenommen mit der Front nach Süden. Er ließ zwei Batterien auffahren und begann einen Artilleriekampf mit dem Feinde, der einige Werst südlicn stand.!>renddessen befand sich die Spitze des Korps auf dem linken Flügel, nur noch ungefähr sechs Werst von dem rechten Flügel der Abteilung Orloff ent­fernt. Um unseren Truppen, die die Stellung bei Sinlloantun mnehatten, Hilfe zu leisten, ließ er einen Teil seiner Stellung an die Berge Herangehen, und rückte gegen daS Dorf Sahutun vor. Tie Truppen mußten ein mit hohem Getreide bedecktes Gelände passieren, \tpic wurden vom Feinde mit Feuer empfangen, ver­loren die Rickstung, und zogen sich zurück. Die aut den Bergen zurückgebliebenen Truppenteile gingen gleickffalls in twftlidjcr Rickstnng zurück Die Spitze deS vorrückenden Korps am linken Flügel war zur gleichen Zeit nur iwch zwei Werst von den Tnlppen des (Generals Orloff entfernt. In diesem Kampfe wurde der Generalmajor Orloff und der inzwischen seinen Wunden er­legene General Fomin verwundet, ^ttich Aufgabe dieftr Stellung, auf den Höhen, die für den Vonmrrsch am linken Flügel als Sttltz- punkt dienen sollte, enttvickelten fiel» die Japaner nach Norden hin und belebten gegen ö Uhr nachmittags den ganzen Höhenzug und die Steinkohlenbevgnn'rke bei Jentai. ^Tie stt'llisckx'n Kosaken fötalen des Generalmajors Ssamssoiww verteidigten zu Fuß unsere Stellungen heldenhaft, wurden aber znm Rnckziig ge­nötigt. Somit bitte bis vorrückende KorpS auf dem linken Flügel zu seinem Vonnarsö bit sehr starke Stellung dcS Feindes auf dem Berge stürmen müssen. Diev mar für das Korps, welches in den letzten fünf Tagen große Verluste erlitten hatte, eine zu