Ausgabe 
15.8.1904 Zweites Blatt
 
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Königliche Hoheit der

Gedankenleser- Mr. Cumberland.

Darmstadt, 1*. Aug. Seine

+ Großen-Linden, 18. Ang. Die Streitfrage be­züglich der Verlegung de- diesigen Bahnhofsgebäudes zwischen Leihgestern und Großen-Linden ist jetzt erledigt. Dieser Tage fand im Beisein de« ProvinzialdirektarS Dr. Breidert und der Vertreter der Eisenbahndirektion Frankfurt

Küche sand man die Frau mit ihrem sechsjährigen Kinde Horst aus einem Chaiselongue, daS sie vorher aus der Wohn­stube in die Küche direkt vor den GaShahn des Automat- gerückt hatte. Sie hatte ein Zehnpfennigstück in den Automat geworfen und atmete da- au-strömende GaS ein. DaS Kind

Weder Nahrung noch Geld wurde in der Wohnung gefunden. Offenbar haben also NahrungSsorgen die unglückliche Frau zu beni Schritte getrieben. Ihr karger Verdienst reichte nicht au-, daS Kind und sie selbst zu erhalten. (K. P.)

München, 13. Ang. Graf Arco-Valley, Freiherr von Pfetten nnd andere kacholische STblige streben die Bild­ung einer klerikal-konservativen Partei an, deren Le rn der bayerische katholische Adel sein soll.

röchelte bereits. Es wurde sofort mS Frete gebrachst unb vom Arzt behandelt. Es starb jedoch schon gestern früh um 5 Uhr im Krankenhaus. Die Frau liegt noch schwer krank darnieder und verweigert die Angabe der Gründe, die sie zu der Tat veranlaßt haben. DaS Gericht nah« de« Tatbestand aus.

eine Versammlung der beiden Gemeindevorstände statt, an die sich eine Besichtigung deS Bahnhofs anschloß. Als im Jahre 1887 die Haltestelle errichtet wurde, kam sie östlich deS Bahn­körper- aus Leihgesterncr Gemarkung zu stehen. Leihgestern weigerte sich damals, die Kosten zu tragen, und da Grosien- Linden sie übernahm, erhielt die Haltestelle bm Namen Großen-Linden. Bei dem jetzt beschloffenen Erweiterungsbau soll da« Stationsgebäude aus die Westseite deS Bahnkörpers verlegt werden. Leihgestern ist dagegen, eS will das Ge­bäude in seiner Gemarkung behalten. Ein VcrinittlungS- vorschlag wurde von den Vertretene Leihgestcneö abgelehnt, so daß beschlossen wurde, daS neue Stationsgebäude in Gr oßcn-Lindener Gemarkung am westlichen Bahn­

sen benfrofttbiqen, sehr anschaulich zur Darstellung kommenden Kamps der Gardeschütz^n eingegriffen hat, zuletzt gemeinsam mit pv« Batterien der Division. DaS Bild deS tapferen Korporal- Greb (jetzt Polizeireviervorsteher in WonnS), wel-

Keer und Alotte.

Essen (Ruhr), 13. Aug. Bei den Mcmövern in der Senne bei Paderborn rmirbe bei dem gestrigen Drtillerie- angrifr auf das Sennelager zum ersten Male die schwere Haubitze, Nummer zwei, Kruopiches Rohrrücklaufsystem, ver- nxrnbr Dieselbe Art tznrubitze benutzten die Japaner beim Jalu-Uebergang.

Metz, 14. Aug. Der Garde verein Metz hat heute nach­mittag die vom Kaiser verliehene Fahne feierlich ein- geweiht. 2lls Vertreter des beurlaubten Volizeipräsideitten hielt Regierungsassessor Rheinart die Weiherebe. Der Feier wohnten^ bei der kommandierende General des 16. Armee­korps Stötzer, der Bezirkspräsident von Lothringen Graf Zeppelin-Aschhausen, der Kreisdirektor von Metz-Land Gras Billers-Grign oncourt und andere.

körper zu erbauen. Mit den Erdarbeiten ist bereit« begonnen.

Bad-Nauheim, 15. Aug. Folgende Unter­haltungen sinden in dieser Woche statt: Dienstag nach­mittags und abends auf der Tcrraffe Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: ,Alt-Heidelberg.* Mitt­woch nachmittags und abends auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des amerikanischen Virtuosen Pros. Vällie Brown (The Black Eornet-King) auf selbst erfundenem Instrument. Abend- von 810 Uhr im Saale Tanz. Donnerstag nachmittag und abends auf der Terraffe Kon­zert der Kurkapelle. Abends Oesterreichische« National-Konzert anläßlich deS Geburtstages 6c. Majestät de« Kaiser- von Oesterreich. Bei gutem Wetter Lampionsbeleuchtung der Terraffe. Abend- 8 Uhr Theatervorstellung: .Hofgunst.' Freitag nachmittags und abend« auf der Tcrraffe Konzert der Kurkapclle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: .Der Mikado.* EamStag nach­mittags und abend« auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle. Abend« 8 Uhr im Saale Vorstellung de- Hypnotiseur- und

Aks tzladt und Land.

Gießen, den 15. August 1904.

- Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben den Hofgartenaufseher Georg B o h n aus sein Nachsuchen, unter Bezeugung der Allerhöchsten Zufriedenheit für lang-1 jährige, treu geleistete Dienste, m den Ruhestand versetzt.

~ Die Hegezeit der Feldhühner und Wachteln. Auf Grund des § 3 der Verordnung vom 2. September 1893 wird in einer Bekanntmachung des Großh. Ministeriums des Innern mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge das Ende der Hegezest der Feldhühner und Wachteln für die Provinzen Starkenburg, Rheinheffen und Oberheffen, mit Ausnahme der Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten, auf den 21. August ds. Js. festgesetzt. Für die Kreise AlSfeld, Lauterbach und Schotten behält eS bei der allgemeinen Bestimmung, wonach die Hegezeit der genannten Wlldarten am 31. August endigt, fein Bewenden.

~ .Der hessische Kamerad", Zeitung der Krieger­kameradschaft Haffia, bringt in der eben erschienenen Nummer

Landeshauptmann Sartorin-, LandeSökononurrat Ezeh-WieS- baden, Landrat Wagner-Rüde-Heim, die Grafen Jngelheun- Geifenheim und Matufchka, Schlag DollradS, Prof. Oncken- Gießen a. v. a. wohnten der Trauerfeier bei. Pfarrer Habermehl-RüdeSheim feierte in feiner Trauerrede die Ver­dienste, bu v. Lade um Geisenheim und den Rheingau sich erworben. Dem Trauerzuge voran schritt die Kapelle de« Regiments v. Ger-dorff, die einen von Lade selbst kompo- nietten Tranermarsch spielte. Nach der Einsegnung der Leiche in der Familiengruft legte Direktor Walther-Frankfurt dem Vorkämpfer der Schulreform und Schulhygiene im Namen deS Allgemeinen deutschen RealschulmännervereinS einen Kranz nieder. Zahlreiche weitere Vereine, Gesellschaften imb Jn- fühlte ließen ebenfalls Kränze niederlegen. Beileidstelegramme i hatten u. a. die Großherzogin von Baden, der Erbgroßhcrzog und die Erbgroßherzogin von Baden, Reichskanzler Grcp Bülow, Oberpräsident Graf v. Zedlitz-Trützschler und v. Wind­heim gesandt. (Kl. Pr.)

Herborn, 13. Aug. Zu dem Brandunglück schreibt daS .Herb. Tagbl.*: Die genaue Zeit de« Ausbruchs de« Feuer- wird wohl überhaupt nicht festgestcllt werden können. Um ®/48 Uhr futterte noch ein Bewohner der hinteren Schaf- gaffe daS Vieh und hatte irgend welche Wahrnehmung nicht machen können. Als er dann auf den Feuerruf au« dem Stalle herauStrat, brannten berett« 3 oder 4 Scheunen. Von der Gewalt deS Feuers kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß m fast einer Stunde 13 Gebäude in I Flammen standen. Der Brandplah gewährt ein trostloses I Bild der Zerstörung. Ein wüsteS Gewirr von halb ver- I kohlten Balken und verbrannten Hausgeräten bedeckt die I Straße und an dem einen Ende, sozusagen der Brandgrenze, I ragt der hohe Turm der Stadtmauer traurig in die Lust I hinaus. Seit dem letzten größeren Brande, welcher im Jahre 11628 wütete und einen Teck der Stadt in Asche legte, war Iber jetzige Brand wieder einer der gefahrvollsten, der unsere Stadt heimgesucht hat. Sämtliche Wehren, 25 an der Zahl, I haben wacker gearbeitet, um dem entscffetten Elemente Ein- I halt zu tun und die Stadt vor weiterem Unglück zu be­wahren. Wenn auch die Gebäude versichert waren, so ist der Schaden immerhin noch groß genug, zumal er auch Leute trifft, die ohnehin schon nicht viel haben und dürste wohl die Einleitung einer Hilfsaktion angebracht sein. Der Ober­präsident v. Windheim ist gestern hier eingetroffen und be- sichtigte um 2 Uhr den Brandplah. Die AuftäumungS- arbeiten werden von Pionieren, welche hierher beordert waren, auSgeführt. Die durch daS Brandunglück obdachlos ge­wordenen Familien haben vorläusig bei den ihnen be- ; kannten hilfsbereiten Familien Untcrfunft gefunden. An einen Wiederaufbau der Häuser kann wohl kaum gedacht werden.

Großherzog ist heute vormittag nach Baireuth ab­gereist.

Geisenheim, 12. Aug. Die Begräbnisfeier für den am Sonntag verstorbenen Freiherrn Eduard v. Lade gestattete sich zu einer großen Ehrenkundgebung. Im Auf­trage deS Kaiser« war in Vertretung de« RegierungSpräy- denten OberregierungSrat v. Gizyckl au« Wiesbaden aniveicnb.

Frankfurt, 14. Aug. Am DonnerStgg nachmittag

33 von Herrn Oberst a. D. Becker einen hochinteressanten! wurden die HauSeinwohner des Hause« Margaretenstraße Beitrag zur Geschichte deS Kampfes der heffischen 25. Division Nr. 3 in Rödelheim auf einen verdächtigen Gasgeruch am 18. August 1870 und zwar über daS Eingreifen bet auf die Wohnung der ledigen Schneiderin und Kranken- 6. Kompanie de« Großh. Heff. Inf^ <Leibgarde-) Regiments Pflegerin Pauline Auguste Klapper aufmerksam. In der m den Kampf der Gardeschützen. Don diesem Eingreifen, ' wußte man außerhalb der Beteiligten bis jetzt so gut wie mchtS, denn in keiner Darstellung wird die Tätigkeit richtig geschildert. Sehr spät wird hier DersämteS nachgeholt und feftgeftedt, welch dankbare Aufgabe an die Kompanie heran-

-etreten ist, und unter welch günstigen Verhältnissen sie in

bettosfen worben. Die meisten von ihnen waren ver- stchert Der Schaben in der Fabrik beträgt an Vorräten etwa 650 000 bis 800 000 M Der Gesanrtschaden, der durch Versickerung gedeckt ifc beläuft fick auf mehr al« eine Million Die Fabrik, Mo jetzt gerade in vollem Betriebe stand, beschäftigte 60 Arbeiter.

München, 13. Aug. In der Pfarrkirche zu Grafling bei Planegg wurden zwei wertvolle Altar­gemälde aus dem Rahmen herauSgeschnitten und gestohlen.

d Warsingsfehn, 13. Aug. DaS hier beheimatete Schiff de« Schiffer« Johanne« Prikker schlug bei dem gestrigen Sturm auf der EmS voll Waffer imb sank sofort, wobei der 20jährige Sohn de« Schiffer« ertrank, wahrend der Steuermann sich retten konnte.

'Pari-, 14. Ang. In einem hiesigen Hotel wurde eine Halbweltdame ermordet aufgefunden. Von dem Mürber fehlt jede Spur.

Wien, 14. Aug. Der wegen Betruges vom Schwurgericht zu 15 Monaten fdjwermt Kerker verurteilte Freiherr Franz von Lerchenfeld wurde gestern vorn Kaiser begnadigt.

Salzburg, 13. Aug. Vom Stielkogl ist beim EdelweiSsuchen der 42 jährige Schneidermeister Karl Bühler au« Hengersberg in Bayern abgestürzt und sofort tot ge­blieben.

Sofia, 14. Aug. Der frühere bulgarische Agent m UeSkueb, 'pejew, ein Mitglied der mazedonischen Organisation, bat sich wegen leichtsinnigen Streichen seine« Sohnes auf der Pariser Universität da« Leben ge­nommen.

Athen, 14. Aug. Aus dec Insel Samo« wurden heute zu widerholten malen heftige Erdstöße verspürt, die beträchtlichen Schaden anrichteten. Mehrere Häuser sind ein» gestürzt.

* Devenport, 14. Aug. Der englische Tort* pebobootSzerstörerK r u n" stieß in vergangener Nacht mit dem TorpedobootSzerstärer ^Dewp" zastammen. Letzterer sank auf der Hohe von Sully. Zwei Matrosen wurden verletzt.

veriniscbtes.

Tier, 13. Ang. Ein Feuer äscherte sieben umfang­reiche Gehöfte in Riol ein. Bedeutende Erntevorrätc wurden vernichtet.

"Saarbrücken, 13. Aug. Durch schlagende Wetter in der Grilbe Maybach wurden sechs Bergleute teilweise schwer verletzt.

" Kattowitz, 13. Aug. Die Direktorin Macha von der Polnischen Bank Ludowy in MySlowitz wurde wegen Urkundenfälschung und B e t r w g ß, begangen beim An­kauf von Grundstücken, verhaftet.

* Stuttgart, 13. Aug. In Desigheim ist heute nacht die dortige Filiale der Bremen-Desigheimcr Del* sabriken vollständig niedergebrannt. Außerdem sind sieben Wohnhäuser und mehrere Scheunen durch das Feuer vernichtet worden. Die Fabrik liegt an einem Neckar- arm unmittelbar an der an dieser Stelle ungefähr 15 bis 20 Meter hohen Stadtmauer. Da« Feuer brach kurz nach 11 Uhr abends in den Putzräumen der Fabrik infolge Warm­laufens einer Maschine aus und griff, da e« von den Arbeitern zu spät bemerkt wurde, und die ölhaltigen Samenvorräte ihm reichliche Nahrrrng boten, sehr rasch um sich. Die Flamme ergriff bann bald auch die übrigen Teile des umfangreichen Gebäudes, die Aufbewahrungsräume für die Oelvorrüte, Turbinen unb Mofchinenhänser mit ben Oelsüsscrn, sowie die angebauten Wohnungen für einige Angestellte der Fabrik. Tic riesigen Oclbehalter barsten und ergossen ihren brennenben Inhalt in ben Neckar, der den seltenen Anblick eines brennenben Flusses bot. Zu­gleich sprang bas Feuer über die hohe Stabtmauer hinüber unb setzte bort sieben an btc Mauer angebaute Häuser nebst ben dazu gehörenben Scheunen in Brand. Glück* lick?erweise war fast völlige Winbstille. Trotzbem beburfte es aller Anstrengung von 11 Feuerwehren au« ber Um­gebung, um den Brand gegen morgen zu lokasisieren. Durch den Brand sind etwa 15 Familien, meistens kleine Land­wirte und Arbeiter, die in der Fabrik beschäftigt waren.

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einer Brlprecwrng de« Ge s e tzen t wnr f« Züricher an diesem Eingreifen zugimsten ber Garbeschutzen her- Brrbesiernmi ber Wohnung« Verhältnisse schreibt oorragcnd beteiligt war, ist der Abhandlung vorangestellt,

^Rorvd. Mu Ztg u a.:Auch die Einwendung ist Line sehr deutliche Skizze de« Gefechtöselb« der Dimsion im benwrgvrmen, daß durch die geplanten Aufsickxtsbestimm- ^ßstabe von 1:10 000 dem Tert beigefügt.

nn^en allen Hausbesitzern eine große Härte und unter' - - -- - -- -- ie----- r

Umständen bedeutender Sckmden mgesügt würde, dir nach älteren Bauordnungen errichtete Zinshäuser inne haben und Otde somsagen inren siv vermieten. Aber darülxr teinn sich heute niemand täuschen, dc^ß eine Wurzel de« Kleimvobnunasübels. dem der Gesetzentwurf el>en zu Leibe will, gerabc tn ber Nei gütig gewisser Kreise liegt, fogemVimtv Mietskasernen alS KalfttalSanlage zu er­werben. Die Feststellung eines sozialen Mißstandes kann nicht davor zurückschrecken. daß ein verhältnismäßig ge­ringer Bruchteil der städtisckien Hauseigentümer ibn au« geschäftlichen Rücksichten bisher ignoriert ober bodi geduldet, die Höhe seiner Einnahmen von dessen A^eiterbestehen tat­sächlich abhängig gemacht batte." Das ist auch eine Ant­wort auf btc kürzlichen Beratungen bcs Verbandes der

deutschen Hausbesitzer. m

Die Zahl ber im Jahre 1902 im Dentsckien Reiche wegen Verbrechen unb Vergehen gegen Rcichsgesctzc fer* ur teilten Personen zeigt eine Zunahme gegen daS Vorjahr. Steine eteigenrng erftihren bie Verurteilungen tnegen Anwendung von C^cntalt unb Drohungen gegen Beamte, eine Herabminderung wegen Verletzungen ber Eidespflicht, wegen Un- unb Notzucht, desgleichen wegen gefährlicher Körperverletzung Nötigung und Bedrohung, fowie Brandnifttmg. Eine Zunahme wurde nadtgenriefen bei Derurtrillmgen wegen Sachbeschädigung. Fälschung äffentlickter Urkunden, BetnigS, Hehlerei, Erpressung, Rau- bis und räuberischer Erpressung, Unterschlagung und Dieb­stahls.

DerVorwärts" veröffentlicht einen geschäftlichen Briefwechsel zwischen dem Zcntrumsabgeordneten Dr. Heim unb ber Firma Daumillers Nachfolger. Aus diesem Briefwechsel ergibt sich bie Tatsache, baß dadurch, daß für bie genannte Firma eine Deckabreffe angegeben wurde, ber Staat um 87 ML Eis e n b ah n t a r i f geschädigt wer­ben sollte. Wie ber ^Vorwärts" bazu bemerkt, sind biefc Briefe Mityliebem ber baverischen Staatsregierung zur Ein- ftchtnabme"" unterbreitet imb mit ber Andeutung zurückge- geben worden, daß ba nicht leicht etwas zu machen fei, b. h. man babc sich nicht getraut, gegen daS mächtige Zentrunr und feinen Führer Dr. Heim etwas zu unter* nehmen. , J

Hirschberg (Sck-ef.), 12. Aug. Der Uebertntt mm zwei schlesische n katholischen Geistlichen zum Protestantismus erregt hier begreifliche« Auf­sehen Der Pfarrer Kurz in Rohnstock, Kreis BolkenHain, und ber Oberlehrer Daul Schmidt vom Wilhelm-Gnm-1 trafann in Breslau hoben ihre Aemter nieder gelegt unb finib zum Protestantismus übergetreten. Beide waren in Claustbal im Harz geboren und fett ihrer Gtimnasialzeit unzertreunliche Freunde.

Breslau, 13. Aug. Der Gouverneur v. Putt- famer, ber gegenwärtig den zur Wiederherstellung feiner Gesundheit ihm bewilligten Urlaub in Süddeutschlcmd ver­lebt, wird nach einer Meldung berSchief. Ztg." nach gmnenut -urückkehreu.

Dresden, 13. Äug Die sächsische Regierung hat bex Wunsch nach einer Herabsetzung ber preußi­schen Bahntarife für Fut termitte l nach Sachsen ausgedrückl. Die preußische Regierung fragte barauf in Dresben an, ob ein lanbwirt schaftlicher Notsta nb bestehe; für diesen Fall solle ber Tarif um bie Hälfte herabgesetzt werden. Der Notstand wurde von

<tunfl nvd ?5ifTenf(ßaft.

Von einem schlimmen Rei ns al l der A de le Sandrock al« Sängerin wird an« benchtet. dort angekündigte Debüt de« Fräule.nS Adele Sandrock als^anqenn land in einem dort,gen Theater statt. Ihr Austretenals Margme e in Gounod« Oper war- vorn Publckum teil« als Sensation, teil« al« Kmiosität anigesaßt worden. Seit vierzehn Tagen waren alle Sitze bet erhöhten Preisen vergriffen ; c« wurden zuletzt sogar 20 si. hir einen Sitz geboten. Obwohl man tnt atlgemetnen nur einen eigentünilidKU und interessanten Theaterabend erwartete, ohne Künstlerin als Sängerin sehr ernst zu nehmen, tonnte man Som nicht vorauSsehen daß bie Vorstellung dem Fräulein eanbrod eine so bebauerlidv unb peinliche Niederlage bringen werde^ Da- ÖauS uxir in allen Räumen überfüllt. In ber Hofloge war ber Kaiser mit ber Prinzessin Gisela crsänem'n. Beim Anblick be- Hauses konnte man glauben, baß man sm) bei einer Premiere in einem fichten Wiener Theater befinde. TaS Publikum bestand zum größten Teile auS Wiener Persöu- lichkeid'u Im Mvcitm Akt fand Fväulcin Sandrock, wohl oct ihrer Phrase:Din nxber Fräulein, weder schön", die sie trotz der alSbi'ld hervortretenden Flachheit und Schwäche ber Stimme anlDrfdxnb vor trug, .auhnimtemben Beifall. Im dritten AM nwieS fick jedoch bas Organ der Künstlerrn, daS sie so iPut entdeckt zu haben glaubte, als so dünn und von so mattem Klang, baß ihre Stimme selbst in bem kleinen Theaterraum zuweilen fast unhörbar blieb. Bei berSchmuckarie" machte es den Eindnick, als ob die Sängerin nur markiere. Nach dem Vorträge der sonst so effektvollenSclmtuckarie" rührte fiel, lerne $jirnb. Im weiteren Verlaufe würbe wohl bei dem Tuett mu Faust Beifall laut, bock) würbe berfelbf durch starkes fischen sogleich unterbrückt. Unfähigkeit ber Künstlerin, mit ihrer Summe burchzudringen, und ihre Unfertigkeit im Gesang ries im lu- blifiint eine nur mühsam unterdrückte Unruhe und auch Heiterieu l-ervor. Der Steifer hatte bas Theater schon nach bem zweiten

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