Ausgabe 
15.7.1904 Erstes Blatt
 
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Tie fhw»rt*cirm*n wehren Heb liegen bie Besitzergreifung durch bee Javaner erfolg Die ?lrbcirrn zur Hebung bei im Hasen von Tschmulrv gxTinrfenen russischen Kreuzers ..Wariass' und des Handelsschiffes ,,Zungen" find in der lebten Zeit erfolgreich vorgeschritten.

8* der Massregelung deS Großfürsten Von?

wird gemeldet: Als der Großfürst im Hanptauartier zu Mukben ankam. stellte ficb henmS, baß er einen ganzen Harem mit­gebracht batte. .<t u r o M t f i n stellte ihn deshalb zur Rede, und es entwickelte sich folgendes Zwiegespräch: Ktirvpatkin erklärte- ..Ich mache Eure Hoheit darauf flufmerTfnm, baß ich ein solches Treiben im Lager der .russischen Armee nickt dulden kann", und forderte den Großfilrüen auf. die Damen sofort wieder zurückz'.ssckicken. ..Was fällt Ihnen ein^Erzellenz^ erwiderte der Grogfürst. ..Wilsen Sie nicht, wen Sie vor^sick haben?"Allerdings, Hoheit", .antwortete Kuropatkin,Sie sind der Leutnant im Gardehufarenregiment Großfürst Boris Wladimirowitsch und ick bin hächstkommandierender der russischen Armee und be­fehle Ihnen, sofort die Damen aus dem Lager zu entfernen. In großer Erregung zog der Großfürst darauf den Säbel und verletzte damit den Gene­ral an der Rase. Die Rücksicht von diesem skandalösen Vor­fall gelangte sofort nach Petersburg, die Abberufung des Groß- fürsten war die Folm

Aer Aall Lkpftus.

. Darmstadt, Id. Juli. (Drahtbericht. 1 Der Ver- maltungSqerichtShof verkündete heute folgenden Be­schluß in Sachen gegen Prof. Back, Prof. v. Koch und Museutns-Asnstent Wittich wegen Ueberschreitnug der AmtS- befugniste und Beleidigung ihre? Vorgesetzten, des Ged. ObrrbergratS Prof. Dr. LepsinS: Prof. Back sei wegen Beleidigung deS Geheimrats LepsiuS durch seine Berichte an das Ministerium nicht strafrechtlich zu derfolgen, dagegen hätten stch die übrigen Angeklagten durch ihre Gespräche mit Professor Mendelsohn und MuseumSbauinspektor Diehl der Ueberschreitung ihrer AmtSbefugnisse schuldig gemacht. In der Angelegenheit der Herren Prof. Back und Genoßen gegen Prof. LepsiuS wegen Beleidigung durch Artikel in der .Franks. ßtg/ bat der Gerichtshof zu Recht erkannt, daß eine Ueberichrettung der Befugnisse mcht vorliege und ein Strafverfahren nicht einzuleiten sei.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 15. Juli 1904.

Personalien. Ernannt wurden die RegierungS- bauführer Alexander Beer auS Hammerstein, Ernst Kraft auS Nidda, Konrad Schnitzel-Groß auS Frankfurt a. M. und Hermann Dickmann auS Hofgeismar zu RegierungS- baumeistetm. Am 3. Juli d. I. wurde der Steueraufseher, aspirant, Vizeseldwebel Heinrich Landsiedel auS Herfa zum Steueraufseher ernannt

Die Gerichtsferien beginnen heute und endigen am 15. September. Während dieser Zeit werden nur in Feriensachen Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen. Auf das Mahn-, ZrvangSvoMreckungS- und Konkursverfahren sind die Gerichtsferien ohne Einstuß.

Die Hessen in SenS. Wie das .Darmft. Tagebl." erfahrt, ist der Strafantrag gegen die »Mainzer DolkSztg." wegen Beleidigung bett, die angeblichen Plünderungen der Hessen in SenS, nicht zurück­gezogen worden, da die Mehrzahl der Antragsteller sich bugegen erklärt hat und die Nnwabrheit der Beschuldigungen durch gerichtliches Urteil für alle Zeiten festgestellt wünscht.

- Besitzwechsel. Wtw. Heinrich Plank verkaufte ihr Amvesen, Nordanlage 9, für 70 000 Mk. an Konrad Dilling u. Cie. in Gießen.

s. Heuchelheim, 14. Juki. DaS Einlegen von Obst, bie Herstellung von Gelee, Saften x. auS unseren heimischen Beerenfrüchten sind jetzt in jedem Haushalte eifrig diskutierte fragen. Es ist deshalb zu begrüßen, daß der Obstbau­techniker deS Oberheff. ObstbauvereinS, Herr WieS.ner anS Friedberg, in den letzten Tagen in Orten der Umgebung Gießens belehrende Vorträge über »Obstverwertung im Haushalt" abhält. Am Montag abend behandelte er dieses Tema in der Hartmarm'schen Wirtschaft. Allster 18 Herren hatten stch ebensoviel Frauen und Mädchen ein« gefunden. Als die hauptsächlichsten Konservierungsmittel wurden hervorgehoben: angemessener Zuckerzusatz zu den Früchten und Säften, hinreichende Erhitzung und besonders vollständiger Luftabschluß nach dem Erhitzen. Dazu find also gute Gläser, Krüge, Flaschen, Büchsen notwendig, die auch mit ihren verschiedenen Verschlußarten, im Prinzip aber alle gleich, eingehend besprochen und dabei herumgereicht wurden. Auch der in letzter Zeit in vielen größeren Haushaltungen in Anwendung kommende FrischhaltungSapparat der Ättien- gefellschaft Weck in Oefflingen iBaden) kam in seinen ein­zelnen Teilen zur Vorführung. Nach diesem Vortrage folgte eine Besprechung über den Zweck und Nutzen der Obst- verwertungskurie, welche alljährlich an der Graßh. Obstbau­schule in Friedberg für Damen abgehalten werden. Hieran schloß stch eine Aufforderung zur Beschickung der diesjährigen Herbstausstellung zu Friedberg, refp. dann weiter Düffeldorf. In Anerkennung der Wichtigkeft der rheinischen Städte als gute Abnehmer in unserem Obstbaugebiete wird die Gemeinde sowohl als auch die Ortsgruppe Heuchelheim stch mit je einer Kollektion hervorragender Sorten Handelsfrüchte beteiligen. Den Schluß bildete eine Gratisverlosung von sechs Obstbäumen unter die anwesenden Mitglieder des Oberh. Obstbauvereins.

* In Hochelheim (bei Grvßenlinden) ist Herr Heep zum Pfarrer gewählt worden. Herr Heep wirkte während deS verstoffenen Winters als Geistlicher der deutschen eDange« ltschen Gemeinde in Madrid und wat vorher Erzieher deS jungen Erbprinzen von Braunfels.

G. Ortenberg, 13. Juli. Der in der hiesigen Stadt- mühle beschäftigte Fahrbursche Fahrenbruch wurde heute nachmittag von einem Hitzschlag getroffen imb schwer er­krankt m feine Wohnung gebracht.

», Grebenhain, 14. Juli. Der große Bahndurch­schnitt bet HartmannShain ist bis jetzt in einer Breite non einigen 30 Meter und Tiefe von ca. 7 Meter an seiner höchsten Stelle durchgearbeitet. ES müßen aber immer noch etwa 4 bi- 5 Meter in der liefe an Masten heraus. Da ki- Auffüllung für den Bahnhof HartmannShain beendigt ist, io wird b»e aus dem genannten Einschnitt noch übrige Erd- mast» te ls mit einer Maschine nach der sog. .Hundsbach"

öerfteHunq emeS hohen Dammes befördert, teils als tuteefah*4 <ma anaekauften Wiese auSdeseht.

R. B. Darmstadt, 14. Juli. In der heute abend stattgehabten geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde zunächst der Ankauf beß neben dem Stadthaus in der Rheinstraßc gelegenen Prastaltschen GnmdstückeS einstimmig zum Preise von 280 000 Mk. beschlosten. DaS Grundstück umfaßt rund 1600 Quadratmeter. Im Anschluß an diesen Neuerwerb entspann sich in der Sitzung eine lange Debatte über den Neubau eines großen Rathauses. Neben dem jetzt arrondierten Grundstück in der Rheinstraße besitzt die Stadt infolge des Vertrags über den Hof-Theaterumbau noch das große Terrain deS alten HoftheaterS, daß über­reichlich Platz für einen neuen städischen Prachtbau bietet; emer wurde vorgeschlagen der Ankauf der Nachbargrundstücke beim alten RathauS am Marktplatz, ein Projekt, das ziemlich teuer werden würde und endlich die Verwendung des TerrainS der städtischen Oberrealschule am Kapellplatz unter Einbe­ziehung deS daneben liegenden ZollamtSgebäudeS. Ein definitiver Beschluß über einen RathauSneubau wurde jedoch in der Sitzung nicht gefaßt; im Geaenteil scheint die große Mehrheit der Stadtverordneten der Anschauung zu huldigen, daß im Hinblick auf die vielen anderen kostspieligen Aufgaben der Stadt die Errichtung eines neuen, der Residenz würdigen Rathauses noch auf eine Reihe von Jahren hinauSgeschoben werden müsse.

Darmstadt, 15. Juli. Die Ausstellung der Künstler-Kolonie auf der Mathildenhöbe wird am 16. Juli, vormittags 10 */4 Uhr, durch Se. Künigl. Hoheit den Großherzog eröffnet werden. Eine Gruppe von drei kleinen, aneinanderstoßenden Häusern an der Ecke der Stift­straße und des Prinz Ehristian-WegeS, die der Großherzog als Bauherr nach Plänen Professor Olbrichs bauen ließ, wird den einen Teil der Ausstellung bilden. Diese Höiiser sind als Beispiele einfacher, nicht kostspieliger und künstlerisch gestalteter Eigenwohnungen gedacht; daS ,graue HauS* mit dem hohen Sandsteingiebel am Prinz Christian-Weg ist als Dienstwohnung für den Hofprediger bestimmt; dann folgt nach abwärts daS ,($cfbou6*, mit der breiten holzverschalten Vorderseite, das zum Verkauf steht, schließlich an der Stift­straße daS rblaue HauS". DaS Innere der Häuser wird, mit Ausnahme einiger Räume für Sonderausstellungen, nahezu vollständig nach Professor Olbrichs, I. V. Cissarz' und Paul Hausteins Entwürfen eingerichtet, und zwar wird jeder Raiim einheitlich von einem Künstler gestaltet fein. Die Preise der einzelnen Gegenstände sollen, soweit niöglich, in dem auch künstlerisch besonders sorgfältig auSgeftatteten Katalog ver­zeichnet werden. Der andere Teil der Ausstellung wird im Emst Ludwig-Haiffe gezeigt werden, in dem 17 verschiedene Räume dafür hergerichtet sind. Hier wird Professor Habich eine Reihe von Skulpturen auffteUen; Dr. Greiner wird mit Skulpturen und graphischen Arbeften vertreten fein; Paul Haustein wird eine Anzahl Wohnräume zeigen, und endlich I. V. Cissarz eine große Zahl von Gemälden, Zeichnungen und Studien.

d. Mainz, 14. Juli. Ertrunken im Rheine ist heute mittag um 1 Uhr der 22 Jahre alte Kellner Augiist Seifert aus Wienerherberg (Cefterreid)). Der Ertrunkene

Generalkonsul zur Prüfung ein. Nedoktcur Cucffel-^tcttm, gegen ben bie im Zusammenbauge mit diesem Prozeß begonnene Vor- untersucknng eingestellt ist, bekundete, er hätte Skübln' niemals bie Adresse NowagrotzkiS gegeben, wenn et nickt überzeugt gewesen wäre, daß Skubbik ein Sozialdemokrat und ein entschiedener Gegner des Terror sei. Skubbik sei ein Freund von Plechanosf gewesen, der sich in einer Versammlung fo lchars gegen ben Terror und den Anarchismus ausgefprockien habe, daß es zu einer Lärmszene gekommen sei, weshalb Plechanosf die Rede abbrecken mußte. Auf Befragen des NecktSanwalts Haase^ be­merkte der Zeuge, er sei überzeugt, Nowagropki hätte die Post­sendungen nickt angenommen, wenn er gewußt hätte, das; Schriften anarchistischen und terroristischen Inhalts darin ent­halten seien. Der ^Gerichtshof beschloß, Ouessel nicht zu ver­eidigen, da er der Teilnahnie dringend verdächtig ist.

Reickstaasabg. Verlagsbuckhändler Diep- Stuttgart er­klärte, im August vorigen Jahres habe ihm b^r in Paris lebende ruffifrf>e Stlnnftsteller Burzess zwanzig russische .^efte, die die ärgsten Tollheiten entln'elten. zum Vertrieb" zugesandt. Burzeff H^be mmcfeS Gute aesbriebn in politischer Be­ziehung aber gelte er allgemein als Narr. Auf Befragen des Vert^id g-rs stelste es der Zeuge in Abrede, daß s 'zialdemo- kratiscke Redakteure bäns'ger als Redakteure bürgerlicher Blätter wegen Maiestütsheleidigung bestraft würdm. Gastwirt Webr>?r- Ebarlattenburg bef -nbete, er Y/'for Ebrenpfert einig-mal als Deel- adressat gedient. V r zwei Jahren sei ein Post'^ket an ihn an- gekommen, über welkes sich sckon vorher Polizeibeamte er­kundigt hätt-n: dasselbe sei sofort nach bein Eintreffen von zwei Polizeibeamt-'n beschlagnahmt worden. Ans den Antrag der Verteidigung beschloß der Gerichtshof, die beiden Beamten und den Dezernenten d:r betress'nden Abteilung als Zeugen zu laden,

VertnifcbM»

* Berlin, 14. Juli. Handelsmann Otto Gabriel erstach nach einem Wortwechsel den zu Wla den bürg ge­borenen Handelsmann Hermann Grünseld m t einem Meßaer- messcr, weil Grünfeld mit der von ihrem Mann verlassenen Frau Gabriel ein Verhältnis unterhielt.

* Aachen, 14. Juli. Ein Motorwagen der Kleinbahn überfuhr gestern abend beiSteinsurt zweiVerfotlen: eine derselben wurde getötet, die andere verletzt.

* Breslau, 14. Juli. Unter der Schifserbcvölkerung an bet Oder sind zwei T li v h u s f ä l l e vorgekon.uien.

* Gandersheim, 14. Juli. Groses Aufsehen erregt hier die Be rhastung des Stadtverordneten und Ober­lehrers Dr. SoehnS, welcher im Verdachte steht, einen Meineid geleistet zu haben.

Brüssel, 14. Juli. Der Deutsche Hekel, welcher au8 Elberfeld nach Entwendung von 40000 Mk. ge­flüchtet war, wurde hier verhaftet.

* Budapest, 14. Juli Aus der el ktrisä)en S raßenbahn sand ein Zusammenstoß zweier Waggons statt, wo­durch die Waggons zertrümmert mürben. Ein Passagier wurde getötet, mehrere Personen wurden schwer verletzt.

* 9? e ro n o r f, 14. Juli. Drei reiche Broollvner, Eorrell, Snöber und Iewell, fuhren in einem Automobil mit einem Expreßzng um bie Wette und suchten in einem sehr svitzen Winkel über das Gleise zu kommen, ind'ssen zertrüm­merte die Lokomotive das Automobil und die Iir- fassen desselben wurden zermalmt.

Chicago, 14. Juli. Bei Glenwood stieß der Zug der Ehicago-Eastern-IllinoiSbahn, auf welchem Mitglieder von Kirchengemeinden von ihrem JahreSauSstuge nach dem Momencepark hierher zurückkehrten, auf einen Güterzug. 1 8 Ausflügler find getötet, 68 verlebt worden.

die Stpu^rbehürdc übersandte der Poli»ei aas jebrnt Paket ein da Exemplar. Tie Polizet rechte die Mhristßücke dem rnLssscheiu L.

Der Aöoigsöerger Hochverrats-Urojeß in.

lieh sich vormittags um 10 Uhr mit zwei Kollegen bei dem Bootsverleiher Proff einen Nachen, und damit fuhren sie in den Rhein hinaus. Auf der Rückfahrt badete S. an der Mamfpitze und trieb bei dieser Gelegenheft Allotria. Er rief fernen Freunden zu, er werde jetzt einmal untergehen. Nach einiger Zeit tauchte er wieder auf und schrie um Hilfe. Gleich daraus ging er wieder unter und kam erst nach längerer Zeit in roeiter Entfernung deS NachenS zum Vorschein, um sofort wieder zu verschwinden und nicht mehr an die Oberstäche deS Wassers zu kommen. Jetzt erst kam eS den Freunden deS S. zum Bewußtsein, daß letzterer ertrunken war. Alle Nachforschungen der Leute waren vergebend. S. wurde wahrscheinlich vom Schlage gerührt. Die Kollegen des Er- trunkenen fuhren hierher, machten der Polizei Anzeige und lieferten die Kleider deS S. ab. Die Unterschlagungen der Kontoristin Else Fretwurft betragen nach den jetzigen definitiven Feststellungen die Summe von nahezu 39 000 Mk. Die Verhaftete hatte häufig ^Geldsendungen^ in Wertbriefen auS ihrer Heimat erhalten, allein diese Sendungen waren von ihr fingiert. Die Adressen zu den .Wertbriefen" hatte sie selbst geschrieben und nach auswärts an eine Freundin ge­sandt. Die letztere sendete dann die ,©e(bbriefe* an die Adressatin hierher. So wußte die Deftaudantin die Welt zu täuschen. Mit Einwilligung der Fretwurst wurden die bei ihr beschlagnahmten 36 000 W. an Herrn Fett aubgeliefert.

Mainz, 14. Juli. Schon sehr lange ist man mit den Vorarbeiten für ein neues städtisches Krankenhaus beschäfttgt. Die fortgesetzten Verhandlungen haben nun zu dem Ergebnis geführt, daß als fast feststehend das Gelände der jetzigen Zitadelle als Platz für daS zukünftige Kranken­haus bezeichnet werden kann. Die Verhaftung eines der Hauptbelafieten an der Bluttat bei Köngernheim wird jetzt bekannt. Bei Gießen ist nämlich der zu der Zigeuner­bande gehörige Johann Wiegand feflgenommen worden. Er ist schwer verdächtig, einen der tätlichen Schüsse abgegeben zu haben. Rach wetteren Teilnehmern an der Bluttat wird noch gefahndet. (M. Tgbl.)

Büdesheim b. Bingen, 14. Juli. Gestern fand vor dem Großherzogl. Amtsgerichte in Bingen die erste Gläubiger­versammlung im Konkursverfahren des früheren Bürgermeisters Mies statt. Die gestellten Forderungen belaufen sich auf nahezu 2 Mill. Mk. Die Gläubiger werden nur einen geringen Prozentsatz erhalten. Eine Banksirma hiesiger Gegend ift mit 300 000 Mk. und ein Rentner in Bacharach mit 800 000 Mk. in Mitleidenschaft gezogen.

Oberhöchstftadt, 15. Juli. Gestern abend wurde auf der Chaussee nach Cronberg Frau Anna Durian von ihrem van ihr getrennt lebenden Ehemann, dem Schreiner Durian aus Koblenz, überfallen und durch einen Stich in den Rücken lebensgefährlich verletzt. Der Täter, der zu seiner Tat ein Stemmeisen benutzte, wurde von dem Gendarmen Baumarm verhaftet und gestand auch die Tat sofort ein. Die lebensgefährlich Verletzte liegt im Eronberqer Krankenhause.

Herichtssaal.

Essen, 14. Fuli. Der Gelserr'kirckener Wasser- w e r ks - P r o z ist bis zum November v e r t a a t worden, um den «öachtocrftänbitfcn Gelegenheit zu geben, sich über alle Einzelheiten genau orientieren zu können. Für den neuen Termin ^llen üriaden werben sämtliche Masännenwärter, Mastbinisten und Arbeiter, die seit dem Jahre 1895 aus den Wassenvirkcn tätig waren. Das gesamte Karterr-Material wurde bescklagnabmt.

Strasburg 14. Juli.Sott i ft b c r a r ü ft c vo z i a l demokrat" bemerkte in einem Wirl' lxiu lespr' h Über Religion und Bibel der Gastwirt LiebeSkind. Ein Cb r (Mtn- bflemcricfrtnn'htcr brachte die Acußerung zur Anzeige, und . wurde wegen GvtleSlästerung angeklagt. Die Beweis-

Königsberg, 14. Juli.

In der heutigen Verhandlung wurde die Zeugenvernehmung fnrtacicft. Kriminalkommissar Wohlfromnv-.stönigsberg sagt, auS, bi*1 Steuerbehörde übersandte der Polizei aas jedem Pas

Aröetterßewegung.

R. B. Darmstadt, 14. Juli. Die Lohnbewegung im Baugewerbe nimmt von Tag zu Tag einen bedmklickeren Charakter an. . Insol« der bekannten Beschlüsse der Arbeiter in Frankfurt, Mainz, Darmstadt usw. hat gestern abend hier eine Versammlung himHiebet hiesiger Maurer- und 3immermeifter stattgesunden; die Versammlung saßt? den Beschluß, ihre sämt-- lidxm organisierten Maurer^ denen bereits nm 3. d. M. gekündigt worden war. am näcf i'len Samstag zum Niedcrlegen der Arbeit zu veranlassen Von dies.'m Beschluß werden in Darmstadt selbst zunächst ca 200 organisierte Maurer gelrofseu. Da aber sämt­liche dem Mitteldeittschen Arbeitgeberverband beigetretenen Ver­eine dieselbe Entscheidung treffen, so wird sich in den zum Verband gehörenden Städten die Zahl der Ausgesperrten vom Samötag ab auf rund etwa 5000 Maurer belaufen, davon in Frankfurt allein ca. 2000. In der Versammlung wurde auch bekannt gegeben, daß sich u. a. die Frankfurter Maurermeister schon bereit erklärt haben, ev. auch ihre sämtlichen übrigen Arbeiter auszusperren, auch diejenigen, die nickt dem Verbände angehören. Eine weitere Folge würde bann natürlich die Ar- bcitseinstelllmg auch fämtticfrer anderen Bauhandwerkcr sein. Der mitteldeutsche Arbeitgeberverband, der jetzt so energisch den Kamps mit den orgarnsierten Arbeitern aufnehmen wird, ist vor fünf Jahren auf Anregung der Darmstädter Maurermeister aus Anlaß des damaligen Streiks hier gegründet worden unh gehört dem deutschen Arbeitgeberverband an, der seinen Sch tu Berlin hat. Die eigentliche Veranlassung zu dem jetzigen Streik? bilden die Streiks in Mainz, Aschaffenburg und Karis-ruhe. sowie ber sckon feit 6 Wocken anhaltenbe Zimmereritreik in Darmstadt.

Smidel und Perkehr. Vutkswirtschast.

Zum Falle dc Hesselle ist weiter zu melden, daß her Rückgang der Aktien an ber Berliner Börse sick fortsetzt und dieselben jetzt bei dem Kurs von 51 angelangt sind, lieber die Beweggründe, die den verschwundenen Direktor de Hesselle zu den betrügetifchen Maßnahmen veranlaßt haben, wird u. a. mitgcteilt, daß er bei der bekannten Löwtz'scken Bank rund 11? Millionen Mark in Goldaktierrspekulationeu verloren hat. AlS charakteristisch sei erwähnt, baß man setzt allerlei Stimmen zu hören bekommt, bie bie kritische Lage der vlesellschaft ahnten und eine mehr ober minder große Katastrophe mit Sicherheit vor ausgesehen haben wollen. Fachblätter ber Leberbrüncke wollen uttssen, daß die Gesellschaft mit Schleuderpreisen arbeitete und sich noch andere unlautere Operationen zu schulden kommen ließ. Dann wirb auf die letzte Bilanz ber Gesellschaft, bereit geringe Lignidität troh der letzten Kapttalserhähung hingewiesen Ferner ift es als Tatsache zu bezeichnen, daß die Spekulation schon lange gegenüber den ylktien eine auffallende Zurückhaltung bewahrte. Denn trotz enter Dividende von 10 Prozent durchfünf Jahre sind bie Men nicht über ca. 122 Prozent hinausgegangen. Weiter ist darauf aufmerksam zu machen, daß nach verschiedenen Be­richten der Verlust bie Höhe von 1200 000 Mark nickt übersteigt und wenn davon die 300 000 Mark aus dem Vermißen bet ver- schwundenen Direktors, sowie ber Reservefonds mit 250 000 Mk. m Abrechnung kommen, sv bleibt rin Verlust von 650000 Mk : ^^Äo ein Drittel deS Aktienkapitals verloren fein wirb. Man hofft tne Gesellschaft zu halten. Heute, Freitag, finbel eine AufficktSratssitzung statt, welche desinttive Beschlüsse fassen wirb. Da be Hesselle Holländer ist, ist die Versolanua schwierig