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15.2.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 38

Zweites Blatt.

154. Jahrgang

Montag 15. Februar 1904

Srschettrt tägllch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiehen« Kamilienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt^' erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gieße«.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: SchulftrH^

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Are Heutige Wummer umfaßt 12 Seiten.

Politische Wochenschau.

Gießen, den 16. Februar 1904.

DaS Räderwerk der internationalen Politik stockt, indem in Ostasien die ersten Kanonenschüsse gefallen sind. An­gesichts der großen weltgeschichtlichen Entscheidung, die hier bevorsteht und angesichts der lleberzeugung zweier Nationen, daß sie beide, ohne sich selbst aufzugeben, auf den Preis, um den gekämpft wird, nicht verzichten können, ist eS müßig, den Streit darüber ins Breite auszuspinnen, welche von beiden den letzten Anstoß zum AuSbruch der Feindseligkeiten gegeben hat. Japan hat jedenfalls ohne Kriegserklärung, aber unter Abberufung der Gesandten die Feindseligkeiten eröffnet. Ruß­land aber soll in Tschemulpo den ersten Schuß getan haben, nachdem die Japaner dort den beiden russischen Kriegsschiffen offen angekündigt hatten, daß sie sie angreifen würden, sie möchten sich zu diesem Zwecke vom inneren in den äußeren Hafen begeben. Das Streitobjekt bildet die Mandschurei. Tatsächlich ist sie bereits im Besitze von Rußland nnd sie wird aller Voraussicht nach das Hauptkampffeld sein. Fast alle Mächte, einschließlich Japan und Rußland, scheinen grund­sätzlich mit dem Gedanken einverstanden zu sein, das chinesische Reich mit Ausschluß der Mandschurei zu neutralisieren. Der Hauptgedanke hierbei ist wohl, daß es dem Interesse aller wirt­schaftlich oder politisch in Ostasien engagierten Mächte ent­spricht, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß China, das am 12. d. M. seme Neutralität erklärt hat, in dieser Zett des Krieges von inneren Unruhen freibleibt, deren Rück­wirkung nicht etwa nur auf die kriegführenden beiden Mächte von schweren Folgen sein könnte. Es wäre, um auf das Nächstliegende hinzuweissn, schon recht bedenklich, wenn etwa der chinesische Hof mit der Kaiserin und dem Kaiser aus Furcht vor der Nähe deS Kriegsschauplatzes Peking verließe, denn die Anwesenheit des Hofes in Peking ist die Haupt­garantie für die Aufrechterhaltung der Ruhe und für den geordneten diplomatischen Verkehr. Nun weiß ein italienisches Blatt allerdings zu melden, daß der Hof Peking nicht zu verlassen gedenke, da ihm von der russischen Gesandtschaft die Versicherung gegeben fei, daß Rußland die Hauptstadt nicht zu besetzen beabsichtige.

In einem Washingtoner Telegramm wird über die Vor- geschichte der Note deS Staatssekretärs Hay folgendes »mtgeteilt: Deutschland regte in Washington an, die Mächte einzuladen, sie sollten den beiden kriegführenden Staaten nahelegen, das Kriegstheater zu begrenzen und Chinas Neutralität respektieren. Amerika, weil es die wenigsten politischen Jntereffen in Europa und Ost­asien habe, sollte die Initiative ergreifen, und, falls dies un­tunlich sei, sei Deutschland hierzu bereit. Präsident Roosevelt und Staatssekretär Hay fanden den Gedanken sehr praktisch und ausführenSwert. Ferner heißt es, die Regierung der Vereinigten Staaten, die übrigens auch strikte Neutralität beobachten will, ist überzeugt, daß Deutschland seiner Handels- interessen wegen ein ungeteiltes China ehrlich wünsche. Das unterliegt ja auch keinem Zweifel, und ebenso ehrlich ist des Deutschen Reiches Neutralität, die soeben im Reichs­anzeiger offiziell verkündet worden ist mit dem Hinzufügen, daß »hiermit für jedermann im Reichsgebiet und in den Schutzgebieten, sowie für die Deutschen im Auslande die Verpflichtung eingetreten ist, aller Handlungen sich zu ent­halten, die der Neutralität Deutschlands zuwiderlaufen. Allerdings ist weder der Sieg deS einen, noch deS andern Gegners für die deutschen Jntereffen im fernen Osten ein Gewinn gegenüber dem jetzigen Zustande. DaS eine nur bleibt zu bedenken: abgesehen davon, daß hier der erste Entscheidungskampf zwischen der gelben unb der weißen Rasse ausgefochten wird, der für die Stellung der Europäer im fernen Osten von den bedeutsamsten Folgen sein wird __ weder bei einem Sieg noch bei einer Niederlage

Rußlands könnte eine ausgesprochen antiruffische Haltung der deutschen öffentlichen Meinung den realen deutschen Interessen entsprechen. Die Franzosen hegen die meiste Furcht, daß bte russenfreundliche Haltung der deutschen Regierung den fran­zösischen Sympathien den Rang ablaufen könnte um so wehr, als England alles tun wird, um die schwierige Lage Rußlands für sich auszubeuten. Zunächst freilich warten alle Mächte die weiteren Ereignisse ab. Früher, als ihnen allen lieb ist, kann auch auf dem Balkan der Krieg ausbrechen. Die albanesische Bewegung in einigen nordwestlichen Gebieten des WilajetS Uesküb scheint schon jetzt, neuesten Meldungen zufolge, Fortschritte zu machen. Die Bewegung entwickelt sich znr Opposition gegen die Reformen. Schensi Pascha dirigierte alle verfügbaren Truppen in das haupt­sächlich von der Bewegung ergriffene Gebiet. Vorläufig ist allerdings Hoffnung vorhanden, die Bewegung einzudämmen. Nahe bei Djumaja Bala aber wurde dieser Tage wieder ein­mal eine ungefähr 100 Mann zählende bulgarische Bande von der türkischen Grenzwache, die durch zwei Kompanien verstärkt war, angegriffen. Der Kampf dauerte bis AbendS. Die Bulgaren flüchten nachts und ließen 12 Tote auf dem Felde zurück. Die Türken hatten einen Toten und zwei Ver­wundete. In Ipek fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen Albanesen und türkischem Militär statt nnd tn Jakowar mrt Gendarmerie. Im Gebiete von Reka wurde eine Anzahl "ürkischerSoldaten massakriert. In letzterem Gebiete leitet die Bewegung dar berüchtigte Zeinel Mamut Bagovie. Natürlich verbreitet auch wieder das maz edonische Komitee zahlreiche Proklamationen, in denen der Wiederaufbruch > Aufstandes im Frühjahr angezeigt wird. Es heißt «cner darin, Rußland icjab Oesterreich seien zwar mit einer

zwecklosen Reform-Aktion der Türkei zu HUfe gekommen, die 1 Reform-Aktion werde aber scheitern. Die Mazedonier zögen den Tod der Knechtschaft vor.

Die Japaner haben inzwischen bereits Proben ihrer selbst von unseren deutschen Offizieren (vgl. den Aufsatz im 3. Blatte unserer letzten Nummer) viel bewunderten Beweg­lichkeit und Schilagfertigkeit abgelegt. Sie haben Korea durch Landung von Truppen besetzt und Port Arthur, wo der soeben zum Kommandeur des 3. sibirischen Armee­korps beförderte Generalleutnant Stössel den Befehl führte, angegriffen, dessen Befestigungswerke bei der Beschießung zwar nicht gelitten haben, aber ein Teil der Stadt ist durch Granaten z e r st ö r t worden. Am 12. d. M. soll dann aller­dings, nach der Shanghaier Meldung des Kvmmandantenn eines deutschen Dampfers, tbi der Umgebung von Port Arthur ein japanisches Panzerschiff von der russi­schen Flotte in den Grund gebohrt worden sein, und die Pariser Ausgabe des Newyork Herald berichtet aus Port Arthur, der japanische Dampfer Fiki habe versucht, in der Pigeon-Bai Truppen zu landen, sei aber durch eine russische Flottille zerstört worden. Aber nach Privatdepeschen aus Tientsin gelang es den Japanern in der Nacht vom 12. auf den 13., die am Dienstag ver­lassene Positiv nnördlichvon Port Arthur neuer­dings zu besetzen. Doch wußte man bei Abgang der De­pesche in Tientsin nicht, ob sie trotz der Kanonade der Forts und der Panzer sich behaupten konnten. Jedenfalls sind die japanischen Einbußen von Port Arthur nicht bedeutend. Ihre Schiffe blieben größtenteils unbeschädigt. An Bord der Torpedoboote betrug der Mannschaftsverlust 4 Tote und 54 Verwundete. Der Zweck des Vorstoßes soll übrigens keineswegs eine Landung, ein sdlches Beginnen dem Ad­miral Togo vielmehr strengstens untersagt gewesen sein, sondern eine Erkundigung der Stärke der Befestigung von Port Arthur. Dies Ziel sei vollkommen erreicht.

Von Bedeutung war andererseits die Meldung, die Kreuzer des russischen Geschwaders von Wladiwostok hätten Hakodate erfolgreich bombardiert; sie hätten die Durchfahrt durch die Straße von Tsugaru er­zwungen und seien nun auf der Fahrt nach Port Arthur. Diese Nachricht ist vorläufig nodji unbestätigt, dagegen steht fest, daß das Kreuzergeschwader von Wladiwostok sich in die japanischen Gewässer begeben hat. Es hat am Donners­tag den in Hamburg gebauten japanischen Dampfer von 1084 TonnenNakonoura Btaru" in der Näbe von Heru- nashi zum Sinken gebracht, während der hölzerne Schraubendampfer von 319 TonnenZensho Maru" diesen Kreuzern unversehrt nach Fukuyama entkommen ist.

Militärische Sachverständige behaupten vorerst, Ruß­land sei durch das Gefe<rt vor Port Arthur bereits zur See völlig abgetan in Ostasien, werde aber zu Lande unbedingt siegen, dort heißt es aussachver­ständigem" Munde, die russis ch e Flotte sei vor der apanischen im Vorteil, weil die japanische be­ständig bei den Truppenlandungen beschäftigt sein würde und mit der russischen Kohlen- und Proviant- z u f u h r werde es t r a u r i g stehen. TiePol. Korr." in Wien bringt eine lange Ausführung von kompetenter Seite, in der in Abrede gestellt wird, daß die japa­nische Flotte große Erfolge über die russische errungen habe und in der aus Grund der Darstellung der bisherigen Kämpfe zur See erklärt wird, daß der Ver­lust des KreuzersMarjag" die einzige Bersafiebung des Gleichgewichts der maritimen Streitkräfte der kriegführen­den Staaten darstelle. Es sei zum mindesten verfrüht, von einer durch Japan erlangten Aktionsfreiheit zur See zu sprechen. Tas ist wohl richtig, und nur so viel scheint uuS sicher, daß Japan durch seine keckeOffensive vorläufig im Vorteil ist, daß sich keine der beiden Mäctfte bei der ersten Niederlage zufrieden geben wird und daß die Japaner erst dann Hoffnung aus den ent­scheidenden Sieg zu Lande haben können, nachdem sie zur See unbedingt die Oberhand gewonnen haben wenn nicht etwa die Schnelligkeit der Japaner und die Sichteit, mit der sie den schwerfälligen Russen über-

en, durch alle Kombinationen einen unerwarteten Strich machjen.

Unter dem Eindruck des Krieges im fernen Osten trat das Interesse an den deutschen Reichs- und hessi­schen Landtagsverhandlungen in den Hinter­grund. In unserer zweiten Kammer gab die Vorstellung eines Gastwirtes betr. die Besteuerung der in Wirtschafts- lokalen ausgestellten Klaviere dem Präsidenten Anlaß zu einer komischen Entgleisung. Cs wurde ein Artikel erwähnt, der gleichzeitig von drei größeren hessischen Blättern, dar­unter auch demGieß. Anz.", veröfseutlicht worden war, in dem von der Zeiwerschwendung des Landtages durch langwierige Debatten selbst über die belanglosesten Dinge die Rede war. Von verschiedenen Seiten war anerkannt worden, daß auch die Journalisten das Recht der freien Meinungsäußerung haben. Das war sehr gütig, bedurfte aber wahrlich der Bestätigung von feiner Seite. Darauf bemerkte aber der Kammerpräsident, daß er, wenn die Kritik in der Presse zu scharf werde, aus eigener Initiative einzuschreiten wissen werde. £>err Haas hat es diskret verschwiegen, auf welche Weise er sich dieses Einschreiten denkt. Hat der Herr von der Preßfreiheit noch nie etwas gehört? Der Herr Geh. Regierungsrat t P. hatte den vornehmen, ungemein geist- und geschmackvollen Einfall, daS höfliche Bild vom Mond zu gebrauchen, der von einem M ops angebellt werde. Das SchLackenkouglomerat, das d-a Mond genannt wird, besitzt ja nun selbst bei den besten Kennern der astronomischen Geographie kein besonderes Ansehen, er jagt zweck- und wesenlos um die Mutter Erde herum, und die Möpse sind nach Heürvich Heineelegant und liebenswürdig", jedenfalls erheblich liebenswürdiger, als der Kammer­präsident, dessen gelegentliches Tänzlein mit der Presse überaus scherzhaft zu werden verspricht. GlücklicherweA hat er es ja nicht nur mit Hasen-Herzen zu tun, die sich vor totalen Mond-Finsternissen furchten. Am Tage dar­aus erledigte die zweite Kammer die Generaldebatte über das Staatsbudget in einer einzigen

Sitzung, was bisher in Hessen noch niemals vorgekom­men ist. Man hat sich also doch die guten Lehren des Mopses" zu Herzen genommen und nur der redseligste aller unserer Parlamentarier von der redseligsten aller Parteien im Land- und Reichstage, Herr Ulrich, ließ einen langen und langweiligen Speech vom Stanek, ohne etwas Bef anderes zur Sache vorzubringen, sondern nur um dem Reichs tagsabg. Frhr. v. Hehl, der ihm aller­dings, wie der Finanzminister Tr. Gnauth feststellte, in Bezug auf die hesf. Einkommensteuer im Reichstage Unrecht getan hat, zu erweitern. Auch Herr Haas verwies Herrn Ulrich zwar auf die Tagesordnung, Ulrich aber achtete nicht im mindesten auf den Einwurf deS Präsi­denten, sondern fuhr in seinen Angriffen auf Abwesende munter fort. Herr Haas hat also an jenem Tage bewiesen, daß er da einzuschreiten, wo er das Recht

und die Pflicht hat, nicht das Hery dazu besitzt.

Der Berichterstatter Molthan stellte mit Befriedigung die günstigere Gestaltung des Budgets fest, die indes seiner Meinung nach zu Lobeshymnen keinen Anlaß biete und jedenfalls nicht zu neuen Forderungen reizen dürfe. Wenn auch das Petitionsrecht nicht beschnitten werden solle, so Hütte man doch in der Kammer öfter dadurch gesündigt, daß sie von dem Grundsatz, an dem Be­soldungsgesetz nicht zu rütteln, abging. Eine allgemeine Revision desselben empfehle sich alle zehn Jahre. Finanz- minifter Dr. Gnauth teilte mit, daß die Regierung das G e m e i n d e u m l a g e g e s e tz um ein Jahr verlängert habe. Die Kammer werde demnach ausreichend Zeit zur gründ­lichen Prüfung des (ihr inzwischen zugegangenen, von uns bereits besprochenen) neuen Gesetzentwurfs haben. So lange nicht der bestehende Fehlbetrag beseitigt sei, müsse man sich größterSparsamkeit befleißigen. Erst nach Beseitig­ung des Fehlbetrages könne au die Herabsetzung der Vermögenssteuer herangetreten werden. Von einer Neuregelung der Lehrer geh älter müsse man vor­läufig noch die Finger lassen. Erfreulicherweise habe der Ausgleichsfonds die einstimmige Billigung des Ausschusses gefunden. Man werde sich bemühen, den letzten Rest des Fehlbetrages im Jahre 1906 zu tilgen. Der Ab­schluß des Budgets werde um mehr als 1 Million günstiger sein, als der vorige Voranschlag vorsah; dabei seien die 650 000 Mk. nicht in Ansatz gebracht, die zur Schuldentilgung eingestellt wurden. Am .Freitag ge­nehmigte sodann das Haus die für die Domänen des Großh. Hauses vorgesehene Einnahmesumme im Betrage von Mk. 5 451 102, die Zivilliste des Großherzogs, ferner für Hoch­bauwesen 52 250 Mk., für Renovierung des schadhaften Daches des Großh. Palais in Darmstadt 6300 Mk., für Er­neuerung des Pflasters im Hofstall 4000 Mk., und für Ver­besserungen im Jagdschloß Wolfsgarten 28000 Mk. Nur der Abg. Ulrich, erklärte natürlich daß er gegen diese Posi­tionen stimme. Auch die für die Bäder Salzhausen und Nauheim geforderten Gelder und einige, andere, kleinere Positionen wurden bewilligt. Sie erklärt man sich aber die Aeußerung des Präsidenten Haas am Schluß der Freitags­sitzung (als die Mehrheit der Kammer keine Luft zur Ab­haltung einer Sitzung am Samstag verspürte), daß er, wenn man seinen Anregungen keine Folge gebe, event. die Konse­quenzen daraus Kehen werde? ES geht etwas vor....

^Kestchttgung von Ketreibetageryäusern im badischen Unterland.

(Original-Artikel desGieß. Anz.")

AufS Neue war die Frage in unserer Provinz in den Kreisen der Landwirte lebendig geworden: ist es rat­sam, Getreidelagerhäuser zu bauen, um das Getreide tun­lichst direkt an die Mühlen, an den Großhandel au bringen ober läßt man's beim Alten, verkauft fein Getreide so out und so schlecht es geht an den nächsten Getreide- Händler und nimmt von dem, was er einem bietet. Schon vor etwa 10 Jahren war die Frage im lamdwirt- fchaftlichen Provinzialverein angeregt. Der damalige Re­ferent Oekonomierat Schilenke sprach sich für Errichtung von Getreidelagerhäusern aus, zwei, drei aus der großen Ver­sammlung unterstützten seine Anschauungen, die Mehrzahl schüttelte zweifelnd das Haupt.

Es war noch in der guten Zeit der hessischen Finan­zen, als der Geh. Regierungsrat Haas Direktor des Ver­bandes der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften ein zinsfreies Darlehen von 500 000 Mark von der hessi­schen Regierung forderte zum Zweck der Errichtung von hessischen Getreidelagerhäusern, etwa zu derselben Zeit, als der preußische Finanzminister von Miquel drei Millionen für den preußischen Staat zum gleichen Zwecke zur Ver­fügung stellte. In Preußen wurden Getreidelagerhäuser gebaut, wir sahen zu und zu unserem Heil, denn die Fehler, die damals gemacht wurden, können heute ver­mieden werden.

Inzwischen hatte man in Baden, Bayern, Württemberg im Interesse der lleinen Bauern die Sache klüger und den Verhältnissen angemessener angefaßt und wie die ver­flossenen Betriebsjahre gelehrt haben, mit ganz unleug­barem Erfolg. Mit dem Erfolg, daß viele der anfangs mißtrauische zur Seite stehenden Lanowirte erkannten, die Sache ist gut, infolge davon die Mitgliederlisten füllten und das Getreidelagerhaus überfüllten, so daß [ich die Vorstände der Getreidelagerhäuser vielfach genötigt sahen, die Mitgliederlisten zu schließen oder die Lagerhäuser; zu vergrößern. , rr

Diese Verhältnisse »raren in Oberhessen nur wenigen Landwirten bekannt. Wir unterhielten uns in Oberhessen noch bis vor einem halben Jahre über Getrerdelaaer- häuser ohne solche im Betriebe jemals gesehen zu haben. Tas gab mrn unfruchtbare Auseinandersetzungen. Da schlug der Vorsitzende des landw. ProvinzialvereinS in der Haupt^ Versammlung vor, es möchten doch aus jedem Meise der Provinz vertrauenswürdise Lanowirte in das nahe badische Unterland reifen, um die Verhältnisse an Ort und Stelle zu prüfen und um dann zu Hause erzählen zu können, was sie gesehen hätten. Ter Gedanke fand : Beifall. Es meldeten sich auf briefliche Aufforderung, besonders von den landwirtschaftlichen Genossenschaften