nicht so maßvoll in ihren Ausführungen, und einer von ihnen schleuderte den Vertretern der christlich-sozialen Partei sogar das biblische Wort „Ihr Heuchler und Otterngezüchte" entgegen. — Pfarrer Bernb e ck von Okarben antwortete diesen Herren in sehr lebendiger Weise und zeigte an einem Beispiel, das er einem Kasseler Blatte entnahm, wie eine dortige sozialdemokratische Genossenschaft ihren Arbeitern eine weit längere Arbeitszeit zumute, als dies von den Fabrikanten in Crimmitschau geschehe. Die Herren Dr. Burkhard und Behrens erwiderten nun noch den sozialdemokratischen Rednern im Schlußwort und empfahlen nochmals in eindringlicher Wttse den Arbeitern den Eintritt in die christlich-soziale Partei.
** Der Tag von Briare. Das hiesige Regiment hat den 14. Januar als Ehrentag gefeiert. Leutnant Schwendy hielt, wie uns beute mitgeteilt wird, einen wohldurchdachten Vortrag über das Detachement von Randau, dessen Stellung und Aufgabe, sodaß man glauben mochte, er sei Augenzeuge gewesen. Oberst v. Grävenih gedachte in längerer ergreifender Rede der Gefallenen, sowie aller Angehörigen oes früheren 2 Regiments, nachdem der Toast auf Se. Majestät und unseren Landesfürsten ausgebracht war. Ein festes Zusammenhalten aller derjenigen, welche ihr Leben für des Vaterlandes Wohl in die Schäme schlagen mußten, fei in der gegenwärtigen Zeit unerläßlich.
** Tas Verordnungsblatt für die evang. Landeskirche enthält die Mitteilung, daß an christlichen Liebesgaben im Jahr 1902 im ganzen 709 889 Mark eingegangen sind. Davon ergaben allgemein erhobene Kirch en kolle kten 32 283 Mark.
* * 2. Kammermusik-Abend. Auf den am Sonntag den 17. Januar in der Univerfttäts-Aula statt findenden Kammermusik-Abend möchten wir hiermit empfehlend Hinweisen. Das im Inseratenteil veröffentlichte Programm birgt mehrere Perlen der Kammermusik, die durch ihre geschickte Zusammensetzung (Bach, Mozart, Saint-Saens) cftnz besonderes Interesse erregen werden. Die Sängerin des Abends, Fraulein Hedwig S ch w e i ck e r - Stuttgart, empfiehlt sich selbst durch die vornehme und geschmackvolle Wahl ihrer Gesänge. An Lieder von Brahms, Wagner und namentlich Hugo Wolf wagen sich denn doch nur Berufene.
* * Theater-Verein. In der nächsten (6.) Vorstellung. am Freitag, den 22. d. M. wird Suderma nn's neues Schauspiel „Ter Sturm geselle Sokrates" zur Aufführung kommen. Tie Vorstellung findet mit Rücksicht auf die hohen Unkosten des Triesch Gastspiels ohne Zuziehung eines Gastes statt. Ten alten Achtundvierziger, den Sturmgesellen, spielt Herr Linzen.
* * Maschinenbauer-Gesangverein. Die für nächsten Montag abend im Neuen Saall'au angesetzte Sitzung des Ausschusses für den Maschinenbauer Gesangverein wird des zu gleicher Zeit stattfindenden Wohltättgkeits- kvnzerts wegen infolge des freundlichen Entgegenkommens des Vorsitzenden nach dem unteren großen Saal des Caft Ebel verlegt worden.
* * Ueberschwemmungen. Infolge des plötzlich eingetretenen Tauwetters und heftigen Regens ist die Lahn, die nun starken Eisgang hat, weit über ihre Ufer getreten und überschwemmt das Lahntal zwischen Wißmar, Heuchel heim, Gießen, Klein-Linden, Dutenhofen, Atzbach, Dorlar, Nieder-Girmes bis Wetzlar. Auch das Wiesecttal bildet zwischen Gießen und Wieseck einen großen See. Scharen von Raben sieht man, die den vor den Fluten flüchtenden Mäusen und anderen Tieren eifrig nachstellen. In den letzten Jahren hat die Lahn nicht die jetzige Höhe erreicht. Die Hebers chwemmung nimmt stündlich zu, und die Landwirte befürchten für Wiesen und Ackerland bedeutenden Schaden.
-o- Rod heim a. d. Bieber, 14. Jan. Der hiesigen Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvercins ist vom Kreis- verein ein sog. Sanitätsschrank überwiesen worden, welcher im Pfarrhaus zur allgemeinen Benutzung im Bedarfsfall ausgestellt ist. Er enthält die notwendigsten Artikel zur Krankenpflege sowie zur ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen und bietet Raum zu weiteren Ergänzungen. Möge diese praktische Einrichtung segensreich wirken und unseren Kranken die erwünschte Erleichterung verschaffen. Im ganzen Kreis Biedenkopf sind etwa 20 solcher Schränke aufgestellt worden: ein nachahmend wertes Vorbild für andere Kreise. — Gestern abend fand hier im Saale des Gastwittes Karl Schlierbach IV. eine gut besuchte Versammlung der christlich-sozialen Partei statt, in welcher Arbeitersekretär Franz BehrenS aus Berlin sprach. Dieser Führer der christlich-nationalen Arbeiterbewegung behandelte nach einem Hoch aus den Kaiser in seinem Vortrag die soziale Bewegung im Jahre 1903 und ihre Bedeutung. Die Versammlung, deren Vorsitz Lehrer Höhn übertragen war, folgte mit sichtlicher Spannung den Ausführungen Gießener Sozialdemokraten, welche sich in Stärke von etwa 10 Mann eingefunden hatten und welchen fürs erste volle Redefreiheit zu gesichert war, verließen gleich zu Beginn wieder die Versammlung, vermutlich da ihr Wortführer nicht erschienen war.
i. Friedberg, 13. Jan. Tie Anlage eines gemeinsamen Elektrizitätswerks mit Bad-Nauheim wird z. Z. viel erörtert. Beide Städte würden dadurch einander näher gebracht, und die Herstellung einer elektrischen Bahnverbindung und eines gemeinsamen Schlachthauses würden mehr Aussicht auf Verivirklichung haben.
)( Stockhausen, 14. Jan. Die vom hiesigen und dem Lehnheimer Gemeinderat vor einiger Zeit ergangene Eingabe an das Gr. Kreisamt um Erbauung einer Straße an der oberen Ziegelhütte bei Grünberg nach Stockhausen ist nun gestern dahin erledigt worden, daß nach Einsichtnahme der betreffenden Strecke durch Vertreter des Gr. Kreisamts die Zusage erteilt wurde, den alten Weg vom „Kreuz" nach Stockhausen in eine Kreisstraße umzubauen.
R. Z. Darmstadt, 14. Jan. In der heutigen Sitzung des Finanzausschußes wurde von den RegierungSoer- iretem die erfreuliche Mitteilung gemacht, daß auch der gegenwärtig lausende HauShaltsetat ebenso wie der für 1902/3 wesentlich günstiger abschließen wird, alS nach dem Voranschlag anzunehmen war. Die Ursache dieser Besserstellung liegt vor allem in dem bedeutenden Mehrüberschuß an5 den Erträgnissen der hessisch - preußischen Eisenbahngemeinschast, der sich für Hesien auf rund eine halbe Million stellen dürfte. Wester werden vermutlich auch die Erträge auS den Holzverkäufen, sowie einigen anderen Einnahmequellen des Staates eine Steigerung erfahren. — Der Finanzausschuß hat heute mittag die gemeinsame Vorberatung des Etats für
1904 mit den Regierungsvertretern beendet. Morgen folgt noch eine Gesamtlesung des Etats und dann beginnt in der nächsten Woche die gemeinsame Beratung der Finanzausschüsse beider Kammern, um etwa hervortretende Dissense zum Ausgleich zu bringen. Da die bereits begonnene Drucklegung des Etats in der Beschlußfassung der Ausschüße alsdann noch immerhin acht Tage in Anspruch nimmt, so dürfte, wie schon 'rüher bemerkt wurde, die Etatsberatung im Kammerplenum erst anfangs Februar beginnen können.
r. Mainz, 14. Jan. Durch Vermächtnis eines jüngst verstorbenen Rentners sind der Stadt Mainz neuerdings 7 00 000 Mark zu wohltätigen Zwecken zugefallen. Obwohl der Testator mehrere nicht allzu bemittelte Verwandte zurückgelassen hat, sind sie sämtlich leer ausgegangen, was zur Folge hatte, daß Ue nichtbedachten Angehörigen Schritte getan haben, daß dem betreffenden Testamente die landesherrliche Genehmigung versagt werde. Diese Schritte sind erfolglos geblieben, denn die Stiftung hat heute die Genehmigung erhalten.
fc. Mainz, 14. Jan. Hier wird das Gerücht kolportiert, das 1. kurhessische Husarenregiment Nr. 13 solle nach Hofgeismar und das dort garnisonierende 5. Rheinische Dragoner-Regiment hierher verlegt werden. In der Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts fand die umgekehrte Verlegung statt.
() Marburg, 14. Jan. Ein alter heffischer Jurist, der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Carl Uckermann, ist heute im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verblichene war bis vor etwa 14 Tagen noch in feinem Berufe tätig.
() Kirchhain, 14. Jan. Die Ohm und die Wohra sind aus ihren Ufern getreten und haben das weite Wiesental in einen See verwandelt. Auch die Lahn führt Hochwasser.
Weilburg, 14. Jan. Um die Gefahr ffir das Gordon-Bennett-Rennen zu verringern, werden an gefährlichen Stellen der Strecke Aenderungen der Chaussee vorgenommen. So auch direkt hinter Allendorf. Hier macht die Chauffee nach Heckholzhausen, kurz nachdem sie Allendorf verlassen hat, einen sehr scharfen Winkel, der schon für Radfahrer erhebliche Schwierigkeiten in sich birgt, für ein schnellfahrendes Automobil aber unpassierbar ist. Die Chauffee wird daher eine größere Umänderung erfahren. Ferner geht das Gerücht, daß in unserer Stadt dasLandtor abgebrochen würde. Hierüber liegt indes noch kein Beschluß vor. Da die Stadt für die Teilnehmer am Wettrennen neutrales Gebiet ist, können die Fahrzeuge diese Strecke in aller Gemächlichkeit und Vorsicht durchfahren. Immerhin ist die Möglichkeit groß, daß Automobile, welche die steile Höhe der Frankfurter Chaussee herabkommen, die enge Passage des Landtores nicht gewinnen können und so ein Unglück entsteht.
Vermischtes.
• Essen a. d. Ruhr, 14. Jan. Aus Rache setzte ein 20jähriges Dienstmädchen die Arseysche Besitzung in Unter-Bredeney in Brand, die vollständig niederbrannte. Die Täterin wurde verhaftet.
* Pirna, 14. Jan. Ende voriger Woche fanden mehrere Pistolenduelle zwischen einigen Pirnaer Offizieren statt. Es handelt sich um die Angelegenheit eines Herrn, der in Wahrung seiner Familienehre vorging. (In Pirna soll sich bekanntlich die Handlung des Beyerlein- schen Romans „Jena oder Sedan" abgespielt haben! (D. Red. d. Gieß. Anz.)
* Belfort, 14. Jan. Eine von Weißenburg nach Frankreich verzogene Familie, Vater, Mutter und zwei Töchter, ist hier infolge Einatmens von ausgeströmtem Leuchtgas u m g e f o m m c n.
* Sonina, 14. Jan. Außer dein holländischen Baggerschiff „Rosario" ist auch der englische Dampfer „Kenmor", mit einer Erzladung an Bord, in heftigem Sturm gescheitert. Neun Matrosen sind ertrunken.
* Rom, 14. Jan. In Sizilien sind furchtbare Ueberschwemmungen eingetreten. Drei Gebirgsflüsse sind aus den Ufern getreten und haben große Verwüstungen angerichtet. In Catania sind mehrere Häuser eingestürzt, die Straßen sind überschivemmt; die Bevölkerung flüchtet auf die Dächer. Eine große Anzahl Personen sind in den Fluten umgekommen. In Lentini wurden durch den Einsturz eines Hauses sechs Personen getötet. Die Weinpflanzungen sind zum größten Test vernichtet.
• Mailand, 14. Jan. Die angeblich um 1 Million Lire von einem Bilchhalter betrogenen drei Inhaber der Firma No oli in Turin sind verhaftet worden.
* Budapest, 14. Jan. In einem öffentlichen Hause wurde die 22jährige Tochter des in Moabit wohnenden Tischlermeisters Seidel wieder anfgefimben, deren vor etwa fünf Monaten erfolgtes Verschwiiiden die hiesige Kriminal- polizei längere Zeit beschäftigte.
* Chicago, 14. Jan. Der Theaterbranv veranlaßte, abgesehen von dem Strafverfahren, endlose Prozesse. Bisher sind schon 3 5 0 0 0 0 Mk. von Angehörigen der Toten eingeklagt worden, die Direktoren der übrigen geschlossenen Theater veriangen von der Stadtverwaltung Schadenersatz.
• St. Louis, 14. Jan. In einer Schuhfabrik sind, a(§ die Angestellten den Fahrstiibl im 6. Stock umdrängten und daS Schutzgitter vorzeitig geöffnet wiirde, 11 Personen in die Tiefe gestürzt, wovon 8 getötet wurden.
• Gouvernanten-Theater. Ter königlichen Freistadt Zombor in Ungarn ward es Vorbehalten, in einer Theaterfrage, die die ganze zivillsurte Welt febon seit längerer Zeit beschäftigt, endlich einmal Abhilfe zu schaffen. Besagte Freistadt bat ihrem Theaterdirektor den Auftrag erteilt, von nun an auf irgenb eine ihm beliebige, jedoch leicht verständliche Weise einem theaterbesuchenden Pub 1 i- fum schon auf dem Theaterzettel kundzutun, welcher Art das a u f z u f ü h r e n d e Theaterstück ist. Kann man, wenn dieses Stück gegeben wird, mit Frau und Tochter ins Theater gehen, oder nur mit Frau, oder nur ganz allein? Das „N. P. I." schlägt der Stadt Zombor in dieser Sache vor, Stücke frivolen Inhalts seien auf dem Theaterzettel mit dein Warmmgszeichen „P" == pikant, zu versehen. P. hieße somit einfach: pikant, zweideutig, aber verschämt; pp sihr
pikant, zweideutig, aber unverschämt; ppp — höchst pikant, eindeutig und unverschämt, und so weiter fort eine ganze Skala bis zu einem Zeichen für hypermodern. Dabei könnte es freilich passieren, daß irgend ein moralsaurer Direktor, zumal unter dem sanften Drucke einer tugendhaften Ehehälfte, etwa auch Shakespeares „Romeo und Julia" mit entrüstungsvollem ppp versieht; aber auch, daß schlaue Theaterspekr.lanten ganz lammfrommen und langweiligen Tugenddramen das lockende Stigma an die Stirn drücken. Weitere Vorschläge sind direkt an die Theaterkommission in Zombor zu richten.
Gerichtssaat.
Eine Prügelei in einem vornehmen Hotel gelangt am Donnerstag vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Köln zur Verhandlung. Das Hotel „Mmopott", das mit einem Restaurant und Eass verbunden ist, bildet den Sammelplatz der b-ortben höheren Gesellschaftskreise. Am Sonntag, dem 22. März 1903, saßen in dem Weinrestaurant des Hotels mehrere Offiziere in Zivil. Auch einige E njäbrig-Freiwillige in Uniform befanden sich unter den Gästen. Geaen 12iUhr nachts wollte der Einjährig- Freiwillige Hans Kretzer vom Feldarttllerieregi- ment Rr. 59 sich nach .Hause begeben. Beim Hinausgehen erblickte er den Einjährig-Freiwilligen Peter Cader von demselben Regiment. Er begrüßte diesen und nahm an dessen Tisch, mit der Mütze aus dem Kopfe, noch einen Augenblick Platz. Ties gab den Offizieren Veranlassung, ihrem Unmut Ausdruck zu geben. Leutnant Alexander Bruns vom Bergischen Feldartillerieregiment Nr. 59, der sich im Zivilanzug befand, trat an den Tisch der Einjährigen heran und bedeutete Kretzer, daß es nicht schicklich sei, in einem vornehmen öffentlichen Lokal die Mütze auf dem Kops zu behalten. Leutnant Bruns soll dies mit sehr lauter Stimme gejagt und dabei „unverschämter Lümmel", nach anderer Behauptung „unverschämter Flegel" gerufen haben. Dies erregte den Unwillen der Gäste, die an den Einjährig-Freiwilligen die Frage richteten: Weshalb er sich das gefallen lasse? Ein Bruder des letzteren trat an Leutnant Bruns heran mit dem Ersuchen, zwecks einer Besprechung mit ihm in den Vorraum zu kommen. Dort stellte Heinrich Kretzer den Offizier zur Rede. Noch ehe letzterer Zeit fand, zu antworten, erhielt er von verschiedenen Seiten heftige Schläge, Stoße und Fußtritte. Tie Kameraden des Offiziers und der Einjährig-Freiwillige Cader eilten dem Leutnant zu .Hilfe, und es gelang ihnen auch schließlich mit Unterstützung des Hotelpersonals, der Prüoelei ein Ende zu machen. Ta Leutnant Bruns sich noch nach längerer Zeit nicht beruhigen konnte, wurde er v o n d e m H o t e l p o r t i e r g e w a l t s a m auf die Straße gesetzt. Tas Vorkommnis wurde sofort der Militärbehörde' gemeldet. Tie Folge war, daß das Gouvernement den Befehl erließ: es dürfe kein Offizier mehr die Raume des Monopolhotels betreten. Außerdem wurde die Cache der Staatsanwaltschaft anaezeigt. Diese hat nun gegen die angeblichen .Hauptschläger, die Kaufleute Theodor Steiner, ?llfons Tahlhausen und Rhedereibesitzer Theodor Hans Trescher, wegen gemeinschaftlich begangener vorsätzlicher Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs die Anklage erhoben. — Tie Verhandlung mußte auf den 22 Februar vertagt werden, da Drescher nicht erschienen war. Es wurde beschloßen, denselben wegen uuentschu.ldigten Ausbleibens zu verhaften.
Magdeburg, 14. Jan. Ter Kaufmann Conrad und der Arbeiter Z e r m hatten in Erfahrung gebracht, daß ein Kaufmann Schmidt Verbrechen gegen § 175 Str.-G.-B. begangen hatte, worauf sie nach und nach über 3000 Mark von ihm erpreßten. Als Schmidt wegen der Erpressungen nach London geflohen mar, suchten sft von dessen T-ruder Geld zu erhalten. Tiefer erstattete jedoch Anzeige, worauf Conrad heute wegen Erpressung -u sechs Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, Zerm zu iy2 Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt wurden.
Hamburg, 14. Jan. Der „Fall Dr e i t e n b a chft hat hier ein gerichtliches Nachspiel gehabt. In einer O'tober- uummer des sozialdemokratischen „Hamb. Ecko" 'w md sich eine auf den Fall Breiteubach bezugnehmende Wochen- plaudere:, in der ein Unteroffizier eine „An- spräche" an die Rekruten hält. In dieser Ansprache stellt der Unteroffizier Betrachtungen über seine schlagfertige Hand und seine dickbesohlten, benagelten Stiefel an und erörtert bann die „Eindrücke" auf Rücken und Bauch, wenn von solchen Händen und Füßen im Interesse der Soldatenerziehung Gebrauch gemacht werde. Ter Kriegsminister hatte hierauf wegen T -e l e i b i g u u g des deutschen Unteroffizier st andes Strafantrag gestellt. Ter Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Tas Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 6 00 Mark.
Leipzig, 14. Jan. Tas Reichsgericht verwarf die Revision des Bankiers Hermann Wulff aus Dortmund, der vom Schwurgericht am 14. Oft. 1903 wegen Meineids und Vergehens gegen den § 313 des Handelsgesetzbuches und die Strafbestimmungen wegen wissentlich falscher Angaben von Mitgliedern des Aufsichtsrats einer EeseilsclM zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, 3000 Mk. Geldstrafe, sowie fünf Jahren Ehrverlust verurteilt wurde.
Plauen, 14. Jan. Tas Landgericht verurteilte den Stickmeister Bu cho 11 in Vlauen wegen Diebstahls von tarnen im Wert von 5000 Mk. zu drei Jahren und einem Monat, des'en Schwager, den Stickmcschinenbesitzer Müller wegen Hehlerei zu einem Jahr Gefängnis.
Beu then,^4. Jan. Tie Stro 'f.immer verurteilte den Gefängnisinspektor Oberleutnant Victor v. Puttkammer weg'n Betruges an Gefäugnisouf- sehern und Lieferanten des Gefängnisses zu neun Mo- naten Gefängnis.
Jiunft und Wiffenschast.
— Der verstorbene Geh. Sanitätsrat Dr. Peter Tett- meiler in Cronbera, der langjährige Leiter der H ilanstalt Falken st ein, geboren 1837 in Wintersheim Rheinh.) hatte in Gießen studiert, w.ir spä er Arzt in verschiedenen Orten Hessens, bis er 1*76 die Leitung der Heilanstalt Falkensteiu übernahm. Hier entfaltete Tr. Det Wetter eine Tättgkeit, die der Tteiigegrünbcfen An'alt und hm selbst einen europäischen Namen machte. Er hatte in Cö b^rsdorf, wo Breitner 1855 die erste Lungenheilstätte errichtete, eine gute Schule genossen. Die Methode Brehmers, die Dett- roeiler im großen ganzen auch in Falk nstein zur Anwend- ung brachte, beruhte auf der Heilkr ft eines staubfreien Klimas und einer systematischen Kräftigung des Körpers Neben ärztlich geregelter Lebensweise und indiv duali- sierender Bchandiung unterflü1;ton häu'ige und reichliche Mahlzeiten, reichlicher Genuß von Milch, Kaltwasserkuren


