Ausgabe 
14.12.1904 Zweites Blatt
 
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Sünden des Hauptmanns v. Mtze die Orden des ver­storbenen Generals v. E^öpe.

TerNeichSanz." veröffentlicht die Ernennung des llnterstaatssekretär-e des Reichsschatzurnts v. Fischer zum Wirk!, tzx-d. Rat mit dem Prädikat Exzellenz.

TerStaarsanz.' veröffentlicht das Ersetz vom 14. November bett', bie Llbänderung der Verordnung wegen Ausdehnung der preußischen Tis ipli n arge s e tz e auf die Beamten in beit neuerworbenen Landesteilen.

Tem Reichstage ging zur Merten Lesung des Etats eine Resolution Erzberger Beumer, unterstützt durch Mitglieder des Freisinns, der Freikonservattven, oer Na rionaltitu raten und des Zentrruns 311, welche verlangt, daß and) die Abiturienten der Ove r r e a l s ch ulen zu den ä r 3 t 1 i ch e 11 P r ilfungc n zügel a s s e n lv-erden.

Tic Budgett 0 mmisji 0 n des Reichstages be- endcte beute die Geueraldiskussivn der 9ii)i)cllc zum R e i d) s ft e m pe 1 - Gesetz e und vertagte sich aus den 12. Januar. Ans der Tagesordnung stehen Nachtragsetats.

Loburg, 13. Tez. In dem Befinden der verwitwettn Herzogin A l e x a 'n d r i n c ist nach dem heutigen Bulle- rin seit gestern keine Besserung eingetreten.

Göth a, 13. Tez. Stautsminister h e n t r g wird gegen den Verbreiter der Nachricht, er habe wegen eines am 10. Februar 1902 in einem Zivilprozeß ergangenen Urteils deS Reichsgerichts seine Temission als Advokat nehmen müssen, Klage erheben lassen. Heutig hat seine Tätigkeit als Rechtsanwalt bereits vor 12 Fahren beendet. Der Prozeß juunmr aus dieser Zeit.

Kirche und z-chute.

Eltern und Schüler. Tas Großh. Hess. Ministerium des Innern. Abteilung für Schulangelegenheitcar, hat nach der Darmst. Ztg." an die ihm unterstellten Direktionen der höheren Lehranstalten und die Leiter der höheren Bürgerschulen unterm 28. November d. I. in Form eines Amtsblattes folgende B e r - rügnng gerichtet:

An vielen Lehranstalten herrscht noch immer der Gebrauch, mangelhaft angefcrriate Schülerarbeiten, auch 'wo cs von den Eltern nicht gewünscht wird, diesen durch die Schüler zur Unter­schrift vorlegien zu lassen. Dieser Gebrauch wird durch die Er­fahrung verurteilt. Während er einerseits eine erhebliche För­derung der L-chAer, die sich auf anderem Wege nicht eben so gut errciwen ließe, wohl kaum jemals zur nachweislichen Folge hat, verleirer er andererseits die Schüler nicht selten zu Fälschungen und sonstigem Betrug und hat im Zusammenhang hiermit ver­einzelt schon 511 den traurigsten Verwickelungen geführt.

Wir sehet! uns daher veranlaßt, dies Verfahren hiermit für alle diejenigen Fälle, wo cs von den Eltern nicht etwa ausdrücklich erbeten worden ist, zu untersagen. Unberührt hiervon bleibt die Bestimmung unseres Amtsblattes vom 17. Mai 1882, wonach die Ellern oder Angehörigen der Schüler von jeder strengen Be­strafung, namentlich wenn cs sich um Arrest oder Karzerstrafe handelt, rechtzeitig benachrichtigt werden sollen. Dock) hat auch rn dielen und ebenso in au en übrigen Fallen, wo unerfreuliche Mitteilungen an das Elternhaus für notwendig gehalten werden, die Bestellung der 'Nachricht nickt durch die Schüler ielbst, sondern durch die. Pedellen oder durch die Post zu erfolgen. Uevrigenö empfiehlt cs sich, daß den Eltern aller Schüler zu Anfang eines jeden Halbjahres bekanntgegeden wird, an welchen Tagen jeder Woche sich die Hefte mit den verbesserten und beutteilten sännst- lieben Arbeiten in den Händen der Schüler befinden. Hierdurch wird den Wünschen derjenigen Eltern Rechnung getragen, welche Wett darauf legen, von den Fortlchritten ihrer Söhne oder Töchter durch Einsicht in deren schriftliche Leistungen fortlaufeiid Kenntnis zu nehmen. Daß eine solche für die Eltern bestimmte Mitteilung zu Beginn be» Halbjahres den Schülern gemacht wird, ist in den Jahresberichten zur -allgemeinen Kenntnis zu bringen.

Ausland.

Paris, 13. Dcz. Ter Senat nahm den Gesetzentwurf an, nach welchem der Artikel des Code civil abgeschafft wird, der dem wegen Ehebruchs Geschiedenen ver­bietet, seinen Mitschuldigen zu heiraten.

Petersburg, 13. Dez. Bei dem Justizgebäude, wo z)eutc der Prozeß gegen die Mörder Plehwe's ftatt- fand, wuchs der Verkehr seit Mittag ungewöhnlich. Das Publikum nahm zusehends zu, doch beugte die in bedeutender Zahl anfgcbotene Polizei jeder Verkehrsstockung vor. Die Stimmung des Publikums, unter dem sich auch Studenten befanden, ivar sichtlich erregt. TaL Urteil wurde heute abend verkündet: Sasanom wurde zu lebenslänglicher und Kikorsky zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit v erurteilt.

Newyork, 13. Dez. Der deutsche Botschafter Freiherr Speck von Stern bürg und die beiden deutschen Offiziere von Löwenseld und Graf Schmettow haben sich heute an Bord des DampfersKaiser Wilhelm II.* nach Deutsch­land begeben.

Aus Stadt und Land.

'Gießen, 14. Dezember 1904.

Tie Hochzeit Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs mit I. D. der Prinzessin Eleonore zu Solnis-Lich wird nach unseren zuverlässigen Erkundigungen aller Voraus­sicht nach am 2. Februar n. I. in Darinstadt (nicht in Lich) stattfinden.

** Landcsunivcrsität. Eine Probevorlesung über:Ter heutige Stand der Nachahmung von Statur- Erzeugnissen und -Vorgängen auf chemischen! Wege" wird Tr. Süd Thomae zum Zwecke der Habilitation für das Fach der Chemie morgen Donnerstag, nachmittags 6 Uhr c. t. in der kleinen Aula des Universitätsgebäudes halten.

"Ein Bauer als Handelsmann. Ein Bauer 4u§ O. NN Vogelsberg hatte sich ein neues Haus gebaut und wollte seine alte Hosraitc verkaufen. Er forderte 1500 Mk. Em Kanflicbhabcr, der sich bei ihm cinsand, fragte ihn während der Verhandlungen, wie teuer cr (der Bauer) das

Haus s. Zt. angekauft hätte. Ter Sohn des Bauern, der dabei ivar, antwortete: 1200 Mk. Ta fiel der Bauer erregt ein:Woas, zivelef hunnert? noch mäi wie dausig!"

w. Die Erste Gießener Weihnachtskass e, welche 1 nmehr ihr drittes Rechnungsjahr vollendet, zahlt, so schreibt man uns, nächsten Samstag abend ihren Mit­gliedern die Spareinlagen des abgelaufenen Jahres, in Höhe von ca. Mk. 3000 nebst Zinsen, wieder zurück. Wie in dem vorhergehenden Jahre, so haben auch diesmal die Einlagen in erfreulich.-r Weise zugenommen und wenn sie auch nur em winzige^ Sümmchen gegenüber den Riesenbeträgen von üb<-c 2H, Millionen Mk., welche die Frankfurter Wcihnachts- rteiten, dacstellen, so wirb die Freude [ r > IC a sicherlich bei der Verteilung die gleiche jein.

- m Weihnachtsftste, dessen finanzielle Seite iu »nanch-n Familienvater nachdenklich stimmt, Hilst cm so unter

der Haiid angesammelter kleiner Fonds in gar vielen Fällen über manche Fragen hinaus unb trägt zur Verschönerung unseres herrlichen Festes nicht unwesentlich bei. Nicht allein dem Familienvater oder der sorgenden Mutter kommt diese nachahmungswerte Einrichtung zu gute, sondern ailch den Kleinen mit all ihren Wünschen unb Bedürfnissen und nicht zuletzt den! GeschästSlnanne, denn alle für daß WeihnachtS- eft speziell gemachten Ersparnisse werden fast ausnahmslos vor den Feiertagen in Waren umgesetzt.

Grün berg, 11. Dez. Heute nachmittag 4 Uhr fand im Gasthaus ,311111 Rappen" hier nach einer vorausgegangenen Uebung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr unter dem Vor- itz des KreiSamimannö Dr. Kranzbühler ein KreiS- Feuerwchrtag statt, zu dem sich die Vertreter von etwa 40 Gemeinden eingefunden hatten. Bei Eröffnung der Ver- ammlung gab der Vorsitzende seiner Freude darüber Aus­druck, daß trotz der zumteil schlechten Verkchrsverhältnisse die Vertreter in so stattlicher Zahl erschienen seien, und be­grüßte hierauf einen Jubilar der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, Herrn Christoph Bock, unter Ueberreichung des demselben von Sr. K. H. dem Großherzog verliehenen Ehren­zeichens für 25 jährige Tätigkeit als Feuerwehemann. Nach einem aus Se. Kgl. H. den Großherzog ausgebrachten Hoch, in das die Versammelten freudig einstimmten, nahm KreiS- feuerwehrinspektor L00S das Wort über das Thema ,K0 n- struktion der Feuerspritzen und deren Behand­lung". Brandinspektor Traber auS Gießen hielt einen Vortrag über ^Aufbewahrung und Pflege der Fjeuerlöschgerätschasten". (Nach dem Gr. Anz.)

? Arnsburg, 13. Dez. Kürzlich statteten S. Kgl. H. der Großherzog nebst seiner hohen Brant, sowie Prinz Heinrich von Preußen uud die Fürstliche Familie von Lich unserem Kloster einen Besuch ab. Die hohen Herrschaften waren den schönen Waldweg zu Fuß von Lich herüber gekommen. Nachdem sie die Ruine besichtigt hatten, wurden sie beim Weggang überrascht durch eine Ovation der Kinder des Rettungshauses, welche das Hessenlied und einige andere Lieder sangen.

g. Büdingen, 12. Dez. Der hiesige Kirchengesang- verein hielt gestern in der Stadtkirche fein 1. Konzert in dieser Saison ab. Der Chor leistet unter der Leitung des Lehrers Pebler vorzügliches. Besonders gefiel uns der Chor von Eccard. Ein seltener Genuß wurde uns durch die Alt- Soli der Fräulein Dcinet aus Frankfurt bereitet. Die beiden anderen Solistinnen, Frau L. Nut (9Ut) und Frl. Heutzen- röder (Sopran) von hier brachten mehrere Soli und ein Duett sehr ansprechend zu Gehör. Die WeihnachtLkantatc von Adam zeigte von hoher tünsilcrischer Lluffassung des Vortragenden (C. Ruth). Das Konzert war sehr start be­ucht.

g. Büdingen, 12. Dez. Da die Bausummc für den Mathildenh 0 jpitalneubau immer noch nicht gesammelt ist, haben sich einige Herren von hier zur Llbhaltimg von öffentlichen Vorträgen bereit erklärt, deren Erträgnis dem Balifonds zufließen soll. Auch der Gesangverein Liedcrkranz beabsichtigt zu besten des Neubaues mitte Januar ein Konzert abzuhallen. Der Bau soll im Frühjahr in Angriff genommen werden.

Dorn heim, 12. Dez. Im August v. I. brannte die Scheuer des L a n d w i r t s M i ch a e l F ü ck e l ab. Philipp Misch!ich, der von Fückel angeklagt ivar und einer Strafe entgegenzilsehen hatte, halte sie aus Rache angezündet. Dafür erhielt er 3 Jahre Zuchthaus. Oesters schreibt er Briefe nach Hause, in denen er seine Bruder zum Guten ermahnt. Bor 14 Tagen brannten 3 Scheuern und einige Stallungen nieder und heilte nndjt wurde die durch die Brände immer mehr geängstigte Bevolkerlmg von neuem m Aufregung versetzt. Tie kaum wieder aufgebautc Scheuer deS obengenannten Fückel )vurde ein Nallb der Flammen. Bald stellte sich heraus, daß dec 18 Jahre alte Brlid er des megen Brandstiftung mit Zuchthaus bestraften Mischlich am Abend vor dem Brande in einer Wirtschaft einem Spengler- unb einem Schreinergesellen gegenüber geäußert haben soll, er wolle Flückels Hofraite heute obenb noch in bic Lust fliegen lassen." Man warnte ihn vor solcher Tat mit Hin­weis auf bas Schicksal seines Brubcrs, unb er versprach auch, jein Vorhaben auszugeben. Doch balb barauf tönte schon Feuerlärm. Nun glaubt man, daß Mischlich auch noch den Brand vor 14 Tagen angelegt habe. Er wurde hellte abend verhaftet. (D. Z.)

Offenbach, 13. Tcz. Tic spanischen Schwindler jind, wie wir her Ztg." entnehmen, noch immer unermüdlich an der Arbeit. Leiber scheinen sich trov aller Warnungen immer toieber einsaitige Leukc zu finden, bic auf beit dreisten Schwindel hcrein­fallen unb ihr gutes Wclö nach Spanien jenden, es wäre sonst nicht möglich, das; die Schivindlcr Deutschland, Oeste-rreich und uie Schweiz derart mit Briesen überschwemmen könnten. Ein Schrei­ben, welches cm OfsenbaclM Geschäftsmann dieser Tage erhielt, ist tßpisch für diese Briese; zur erneuten Warnung sei es nach­stehend veröffentlicht: r_

5. 12/4 Herr

Wegen Vaukcrrolt hier in Gesangeuschast, frage ich bei Ihnen an, ob Sie mir nicht Helsen möchte, eine Summe von 51 2 0 0 0 Mark, zurückzuziehen welche ich in Teittschland liegen habe, ohne Jemand s vonwissen, und hier nach Spanien zu kommen, um sich der Papiere zu bemächtigen die unumgänglich notwendig sind, damit Sie die Summe zuruckziehen können.

Als Entgelt, indem ohne Ihnen alles für mich verloren ist, würde ich e i n T r i t t e l der Summe an Sie abtreten. Ta ich!nicht sicher bin, ob der Brief richtig adressiert ist, erwarte ich Ihre Ant­wort, um meinen Namett Zeichnen unb Ihnen die ganze Sache anüirtraucn zu können.

Ich tann Ihre Antwort nicht im Gefängnis erhalten, doch wollen Sie eine Tepes che an meinen Alten Ticncr absenden, der Sie mir in aller Gewißheit zugelangen lassen wird.

Er wohnt in der Umgegend, uno seine Adresse ist!

P r a t P. G. Maur esa Spanien.

Ich erwarte mit Ungeduld ^yre Antwort, und Zeichne nur

Nochmals: Nur Telegraphischer Bescheid ist erwünscht, da ein Brief mir nicht zugelangen würde."

tc. Weilburg, 13. Dez. Ein hiesiger Gy 111 nasiast batte im September ds. Js. an den japanischen Vize­admiral Kainiinura eme Ansichtskarte gesch 1 ckt. Jetzt erhielt der Gymnasiast von Kammiiira als Erwide- r u 11 g eine Ansichtskarte nut der Ausjchrfft:Vom Kriegs­schauplätze. Vielen Tank für Ihre Wünsche. Als Revanche sende Ihnen diese Karte. Kamimura, Vizeadmiral." Darunter in roter Farbe das Siegel des Äldmirals, dec viel Zeit zu haben jchcmt.

Limburg, 13. Dez. Eine Versammlung des Vor­landes der Lah nkanalkommission sand im Preußischen Hof statt und war gut besucht. Sie wurde durch den Vor- itzenden, Generaldirektor Kaiser-Wetzlar eröffnet. Dr. Dahlem erstattete eingehend Bericht Über den gegenwärtigen Stand der Lahnkanalisation. Zur großen Freude konnte dem Vor­stande mitgeteilt werden, daß der Minister, wie mitgcteilt, bereits 4 0 8 0 0 0 Mark bewilligt habe, um die Strecke der Lahn von Nieder-Lahnstein bis Eins zu kanalisieren. Diese Summe soll in zweijährigen Raten bewilligt werden. Somit ist große Hoffnung vorhanden, daß die Lahn ' p ä t e r a il ch n 0 ch b i S G i e ß e n k a n a l i s i e r t w i r d.

* Strindberg u nd Riihirrat. Aiif den ersten Augenblick dürste es schwer fallen, zwischen dein schwedischen Dichter s?luguft Strindberg unb beni oldenburgischen Minister Rustrat eine Verbindung zu finden. Und doch bringt beide 0 verschiedenen Menschen das Spiel zusammen, und zwar das viel umstrittene Pokerspiel. Nuhslrat behauptete und behauptet wohl and) jetzt noch, daßPokern" kein Glücks­piel sei, wogegen sich Strindberg folgendermaßen äiißert:

Unb dann kam bas Pokerspiel, Das Diebsspiel um Geld ohne Nachdenken."

Diese Worte kann man in des Dichters neuestem Werke Die gotischen Zimmer" (Verlag von Herin. Seemann Nachf. in Berlin) auf Seite 326 nachlesen. Wer mag wohl recht haben?

* 9(u§ dem juristischen Examen. Professor deS Kirchenrcchts:Herr Kandidat, ivas verstehen Sie unter Clrcumskriptionsbnllc" ?" Kandidat (nach längerem Be- inneii):Das ist ein Stier, der im Dorfe herumgeführt wird mit einer Liste, in die sich die Bauern einschreiben, die derartige Kühe haben."

* Vor Gericht. DerFrkf. Ztg." wird aus Kasse! geschrieben: Bei einer Schwurgerichtsverhandlung fragte der Vorsitzende eine als Zeugin geladene Kaufmannsfrau aus einem kleinen, Kasse! benachbarten Städtchen nach Personalien und Alter:

Sind Sie bic Ehefrau bcs Kaufmanns Souubso ans....?" Zeugin:Ja."

Boriitzenber:Geboren?"

Zeugin (errötend unb sehr leise):Fünfmal."

Tableau!

Zlniverstläts-Nuchrlchten.

Paris, 13. Tez. Ter aus Metz gebürtige Professor der Ge­schichte an der Sorbonne unb Mitarbeiter desTemps", Henri M i ch e l ist beide im Alter von 47 Jahren g e st 0 r b e n.

Kenchrsjiral.

th. Gießen, 13. Tez. Heute verurteilte bic Straf* f a in nt c r den Schweinehirten und Latcrncuanzünber E. F. aus Lollar wegen an seiner Tochter begangener Blutschande zu 3 Jahren Zuchthaus unb lOjährigem Ehrverlust. Dem 27 Jahre alten Pröbchen würben niilbcrnoe Umstande zugebilligt unb es zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Tie Verhaublung fand unter Ausschluß der Ocffcntlichkeit statt.

Berlin, 13. Tez Ter Redakteur Hussong von derTag!. Rmidsckian" wurde heute wegen Beleidigung des Er z- bischoss vo n Valencia vom Schöffengericht zu 50 Marr Geldstrafe verurteilt. c

Dresden, 13. Tez. Die dritte Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte den Gerichts-Assessor Hüttner aus Leipzig wegen Ehebruches zu 3 Monaten Ge­fängnis. . , ,

Ein französischer Gymnasiallehrer vor einem deutschen Kriegsgericht. Tas Kriegsgericht zu Trier verurteilte den als Ochmnasiallehrer in französischen Diensten stehenden Tr. Ladrel! e wegen Fahnenflnch t zu der Mindestslrafc von sechs Monaten Gefängnis unb Ver- 1' iweitc Klasse bes Soldatenstanbes. Labrelle, ber [er bei Mülhausen i. E. geboren ist, wanderte nach seiner Entlassung aus der Elementarschule nach Frankreich aus. Er studierte in Belsort. 1900 stellte cr sich ber heimatlichen Ersatz- beljörbc und wurde als Gardeinfanterist ausgehoben. Ta er dauernd in Frankreich bleiben wollte, hielt er es nicht für not­wendig, in Deutschland beim Militär cinjutrcten. Im September unternahm cr von seinem französischen Wohnort aus einen Spaziergang über die Grenze und wurde von einem Grcnzwachtcc verhaftet. Man stellte ihn beim Infanterieregiment Nr. 70 em, hielt, ihn aber bis jcyt in Untcrsiichungshaft.

«LanDwirtschaft.

Zentrale für Kartoffeloerwertung. Der agrarische Wunsch, den Handel bei der Verwertung der landwirt­schaftlichen Produitc möglichst ganz auszuschalten, hat -oeurebungen zur Errichtung einer Zentrale für Kartosselverwertung gezeitigt. Eine Anzahl von Gutsbesitzern im, Verein mit Professor Rnh- land sind 5u einer Kommission zusammcngctrctcn, die detaillierte Vorschläge ausarbeiten unb in der großen landwirtschaftlichen Woche im Februar 1905 den fVartoffelintere) enteil iwrtragen soll. Beabsichtigt ist eine Zentrale, die mit Hilfe der landwirt­schaftlichen Genossenschaftsverbändc, der Koriihausgenossenichaften, d-r landwirtschaftlichen Msad- unb Kreditgnwjsenschasten, tote dem Spiritusringe unb den geiiossciischastlichen ^t^kcsabrikeii den Ab­satz der Kartoffclii in die Hand nehmen soll. Ob die Achicht sich in die Wirklichkeit umjetat wird, bleibt abzuwarten Bei Feststel ung der verschiedenen Marktpreise scheint man die Htife der Zentral- noticrungsstrlie der Landwirtsckaflskammer auzscpalten zu wallen. Vom Professor Ruhlaitb wirb sein stattiinches BureanGetretde- markt" sür diesen Zweck emvfohlen. Es hat sonnt nach der K. Z." ganz den Anschein, als ob man es hier wieder mit einem Ruhlandschen Projekt zu tun, habe.

Kandel und Drrtieiir. WolKswittschaft.

Berlin, 13. Dcz. Die Subskription auf die 311 v Zeichnung ausgclcglcn nominell 40 M i l! i 0 ii c n ° A n t e i l c ber 0 st afri­kanischen Eiscnbahngcs ellschaft hatte binvcubenben Erfolg, sodaß spekulative Zeichnungen mir nut geringen Prozent­sätzen berücksichtigt weiden oder ganz ausiallen.

91 e u c ru s s i s ch e A n l e i b e. Gegenüber allen Dementis beharrt der Londoner Eily-Bcrichtcrftattcr der91. Hamb. B.-Halle" dabei, daß eine russische Anleihe mit 400 Mill. Mk. schon im Januar in Berlin zur Ausgabe gelangt. Es handle fiel) um 4 1/ proA. Schuldbriefe, während den Parisern 5 proz. Schatzbonds für^deii März ober April anibewahrt luerben. Diese Arrangements feien tatsächlich beschlossene Sache und es durste diesmal eine Ab­änderung weniger leicht criolgen, als sie bisher die fern anSge- beeften Pläne der für Rußland maßgebenden Finanzpotcntaten \o oit betroffen hat; beim für den Januar müssen doch die Ab- machnngen in ziemlich cubgültigev Forni festlieaen, wenn über­haupt etwas arrangiert ist. Tie Pariser haben sich nuöbebungcn, das; man sie erst dann mit neuen Russen beglückt, wenn sie ihre eigenen Emissionen in Ordnung nebracht haben, auch, wie verlautet, eine große portugiesische Emission unter Dach unb Fach gc- schafft ist. ___

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