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14.12.1904 Drittes Blatt
 
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7. ordentliche evangelische <-5undessy ode.

Darmstadt, 13. Dez.

Tic cvang. Landesjynobe trat heute bormittog 11 Uhr im Sitzungssaal der zweiten Kammer zu ihren Beratungen, zusammen. Vorher hatten sämtliche Mitglieder dem Got- resdienst in der Stadtrapelle beigewohnt, in welchem Herr Lberkonsistorialrat D. Petersen die Predigt hielt, der­ber Text Hebr. 10, 35, 36 zugrunde lag. Tie Sitzung in der zweiten Kammer eröffnete Herr Lberkonsistorialpräsi- dent D. Buchner mit einer längeren Ansprache:

Hochgeehrte Herren!

Seine Königliche Hohen der Großherzog haben mir den Auf- trag zu erteilen geruht, die 7. ordentliche Landcssynode zu er­öffnen und in Seinem Namen willkommen zu (»eißen.

Wir hoffen Ihre Mitwirkung in Anspruch nehmen zu können, um unsere (Gesetzgebung, soweit sie die Fürsorge für die äußere Lage der Qteijtliajen betrifft, baInn zu vervollständigen, daß ge­wisse Ungleichheiten, welche zwischen den äußeren Verhältnissen der Staatsbeamten und der Geistlichen zum Nachteil der letzteren noch bestehen, mögliche beseitigt werden. (5in Gesetzentwurf, be­treffend die RuheUandsvers.'tzung der Geistlichen, ist ausgearbeitet. Um eine vorhandene Notlage zu betfern, hoffen wir Ihnen zu­gleich einen Gesetzenttvun, betreffend die Versorgung der Pfarr- Witwen- und -Waisen, vorlegen zu können.

Ter Voranschlag für Die neue Buogclperiode wird Ilxncn zur Prüfung und zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Er ergibt ein, wie wir glauben, erfreuliches Bild. Es wird bei einem Steuersatz, wie er in der vorigen Vudgetperiode mit Ausnahme des Jahres 1004 bestand, möglich sein, den gesteigerten Ansprüchen des kirchlichen Lebens gerecht au werden. Die Zunahme der Be­völkerung in den Städten bedingt sowohl eine Vermehrung der Pfarrstellen und der geistlichen Kräfte als auch der Aufgaben und der Arbeit der Kirche überhaupt. Sie werden demnächtf über die Errichtung neuer Pfarreien zu beschließen haben und im allge­meinen aus dem Voranschlag ersehen, daß wir den Anforder- nngeit der Zeit zu entsprechen tunlichst bemüht waren. So sehr eine weise Sparsamkeit unsere Pflicht ist, so fordert doch das Wachsen der kirchlichen Aufgaben dazu auf, die Mittel der Kirche nicht allzu knapp zu bemesfen.

lieber die äußere und innere Entwickelung der Landeskirche innerhalb der letzten 5 Jahre wirb der Bericht, der Ihnen nach seiner Fertigstellung zugehen wird, Aufschluß geben.

Hat es in diesem Zeiträume auch nicht au-wierig keilen, ja an ernsten Verwickelungen gefehlt, so sind sie doch dank der allseitig beiüieieneu Liebe zu unserer evangelisä)eu Kirche zum Heile des Ganzen übernmndcn, und ein vertrauensvolles Zusammen arbeiten auf dem Ctebietc des praktischen kirchlichen Lebens gibt

Naab vorhin unrecht getan habe, als ich ^^rderte, zum Gegen, stand unserer Beratung zuruckzukchren. Ich wußte nicht, daß der Staatssekretär Graf PosadowLky auch die Frage der Warenhäuser

bmdprt erklärt sich für bk Zwangsv-rsich-rung

ber Handwerker, ba st- >-on khr vielen Handwerkern gewun chi Würde In den letzten zwanzig Jahren fei sehr viel für die Arbeiter, aber nichts snr die Hand­werker und ben Mittelstand getan. Ist "s bei dem Standpunkte der Negierung verwunderlich, daß 33% Proz. der Handwerker sozial­demokratisch gelvählt habend Der deut,che Handwerker ist ein deutscher Mann durch und durch, welcher nicht sozialdemokratisch newählt hat, um mit den Sozialdemokraten Arm in Arm in den Zukunftsstaat zu marschieren, sondern nur um ,einem augenblick­lichen Unmut Ausdruck zu geben. Redner geht sodann auf die Warenhaussteuer ein. Minister Möller hat einmal gesagt, daß in den Warenhäusern die Intelligenz herrsche. Ach, meine Herren, wenn ich nur das Wort Intelligenz höre ... (Große Heiter­keit ) Klugheit und Schlauheit bilden dort die Intelligenz. Klug ist der Deutsche, schlau ist der Fuchs und schlau ist der Jud (Erneute Heiterkeit.)

Abg. Henning (fcitf.): Unsere Ablehnung des Antrags toat seinerzeit nur eine bedingte: wir fürchteten, daß dadurch eventuell eine Ausnahmegesetzgebung inauguriert werde, daß dadurch Burger 2. Klasse geschaffen mürbem An sich sind wir natürlich für alle Mittelstandsforderungen zu haben. Das möchte ich ausdrücklich er­klärt haben. (Beifall rechts.)

Abg Dr. Becker (natl.) behauptet gegenüber dem Abg. Erz. borget, daß in ber Tat vor einem Jahre auch das Zentrum dem nationalliberalen Antrag zustimmen wollte. Man tonne sich auch nicht darauf berufen, daß die Mehrheit der Handwerksmeister gegen die Zwangsversichernng sei. Das sei doch noch sehr zu bezweifeln, sehr viele Meister hätten sich gerade dafür ausgesprochen. Ganz und gar uiigerechtfertigt sei der Vorwurf der Sozialdemokraten, das; die National liberalen die Intcresseii des Großkapitals ver- treteii. Das tun sie nur insoweit, als diese zusammenfallen mit deneii der Allgemeinheit. Wenn der Staatssekretär sich darüber beschwert hätte, daß er mißverstanden sei, daß seine Aeußerung zu Ilnrecht den Eindruck hervorgerufen habe, als wolle er nichts für den Handwerkerstand tun, so werde er sich nicht darüber wundern Dürfen, wenn durch seine heutigen Ausführungen jener Eindruck noch verstärkt Iverbc. (Zustimmung rechts.) Redner spricht zum Sel-luß noch die Aiisicht aus, daß die soziale Gesetzgebung ber letzten 3a()rc vorwiegenb nur auf bie großen Städte Rücksicht genommen

habe.

Abg. StadtImgcn (Soz.1 bestätigt die Behauptung bc5 Abg. Becker, daß das Zentrlim vor einem Jahr durch den Mund des Ab^Trim- brrn sich zustimmend zu dieser Resolution geäußert habe. Berufen Sie sich nicht immer aus Millerand! Das ist für uns gar mcht maß­gebend. Behalten Sie Ihren Millerand für sich! (Heiterkeit.» Wenn Sie (zum Zeiitr.) selbst diesen schwächlichen Antrag der National- Liberalen ' ablebr.cn, so unterschreiben Sie damit nur doppelt und dreifach das, was der Abg. Erzberger hier neulich gesagt hat: Wenn wir diesen Antrag annehmen, dem Hand- werter eine Wohltat erweisen, dann kommen bald andere Be­völkerungsklassen heran, kleine Kaufleute usw. und verlangen, das­selbe und wir bekomnien dann soviele wohltätige Gesetze, daß imr mit vollen Segeln in den sozialdemokratischen Zukunftsstaat hinein- treiben. Lehnen Sie den Antrag nur ab, Herr Erzberger, Sie bereiten mir damit eine große Freude, ivofür ich Ihnen nur danke. (Heiterkeit und Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Hiermit schließt die Diskussion.

Die R e s o l u t i o n Becker wird a n g e n o m m e n ; dafür stimmen die National-Liberalen, die Sozialdemokraten, die Anti- semiten und die Reichspartci.

Das Haus vertagt sich. y _

Präs. Graf Bnttestrem: M. H. Ein langiahriges hochverdientes Mitglied des Reichstages, Herr Dr. Hamm ach er, wird morgen Wittern zur elciflcn IHutl, bestattet. Um feinen zahlreichen Ber- ebrern hier im Hause Gelegenheit zu geben, diesem hochverehrten Monegcii die letzte Ehre zu erweisen, schlage ich Ihnen vor, die Sitzung morgen erst nm 2 Uhr beginnen zu lassen.

DaL Hous ist mit diesem Vorschlag einverstanden.

Die nächste Sitzung findet also statt am Mittwoch, 2 Uhr. kR c ch n u n g s s a ch e u , erste Lesung deS MilitärpenfionS- g e f e tz e L.) Schluß 6^ Uhr.

non bornliercin nefnnt treiben. ba[; wir noch in feinem Staate ent Master solcher Gesebjebnna haben. In ?lmertfa besteht ]a eine Gesebaevuna peflen die Trusts, aber hast die e besonders wirksam aewesen wären, da» wird wohl keiner behaupten Wenn man sich einmal entschließen wollte, ein derartige« Gesetz zu schaffen, b must e« so beschossen sein, dast auch wirklich die Auswüchse deS UartclllvesenS beseitigt werden, ohne doch den großen Kultnrfaktoi lahm zu legen, ber in den Kartellen steckt. Man hat vom Böiscn gesetz gesagt, es weise so große Lücken auf, daß man vierspännig hindurctzsiilneii könne. Wenn »vir ein Gesetz gegen die Kartelle machen ivollcn, dami Niüssen wir dafür sorgen, daß dicseö nicht bei gleiche Vorwilrf treffen kann. Tie Gelverbefreiheit is^geboren zu­sammen mit der Redefreiheit und der Preßfreiheit (Sehr richtigI) und vrn ber Redefreiheit wie vcn der Preßfreiheit wird in ziemlich weitem Umfange Gebrauch gemacht, und tver sie nicht bcieihgcii will, der darf auch nicht die Gctverbcsreiheit beseitigen wollen. machen sieb aber einzelne wirtschaftliche Richtungen bemerkbar, die in Bezug auf die Eingriffe in daS Gcschäftslebeu vom Staate zil viel verlangen. Es wird hier so oft aus die französische Revolution hingewiesen. Diese hat fa alle bestehe,wen Rechte beseitigt und in sehr scharfer Weise gegen Andersdenkende vorgegangen, indem sie ihnen das Denken dadurch unmöglich machte, daß sic ibneli ein­fach das Organ nahni, wo der Sitz des Denkens zu ^^en pflegt. (Heiterkeit.) Nun, »vaS hat sich denn seit jener Zeit geändert. ^,c Namen baden sieb geändert, aber bie großen sozialen Schichten ftm Die gleichen geblieben. In- dem republikanischen Frankreich hat yian die demokratischen Maßnahmen, zu deneii niaii vei imS gelangt iit: daß die Menschen nach ihrem Einkommen zu den Staalslastcn heranzuziehen siiid, uoch iiicht ergrisseii. Fiir den Mitteltfanr kann noch vieles geschehen und muß noch vieles geschehen, uiid man muß große Mittel auswenden. uni den Mittelstand in kommerzieller um. technischer Bilduiig zu Heven. Aber weder ein sozialdemokrattfeher VolkStribuu, noch ein extremer Mittelstandsagrarier wird es er- möglichen, sei es durch eine kollektivistische Gesetzgebung, sei cs durch ?ine Gesetzgebung, die zu längü übcrivunbcncit cral licljcn Formen zurückkehren tvill, die mcbcriic EuÜvickluug zu luiucrn, auf der schließlich unser ganzes CtaatSteben beruht. Beide Richtungen werden me realisiert.

Nun hat man mir den Vorwurf gemach», daß ki) das Verbau- /iis bc5 wirtschaftlick'en Reinertrages eines FischercibetricbcS m Berlin zu den Lasteii der sozialpolitischen Gesetzacbuiig unrichtig eingeschätzt babe. Es wurde bcnaimtct, daß der Besitzer deS Be tricbes bei 1S Gesellen und GG 000 Mk. Produktion kaum einen Gewinn von 4000 Mk. habe. Ick habe die Verhältnisse eingehend studieren lassen und hcrauSgefnnden, daß bei 66 000 Mk. Pro­duktion ein Reingewinn von 12 190 Mk. vorhanden war (Hort, hört!), und daß die aus der soiialpoliiischen Gesetzgebung sich er-« gebenden Lauen sich nur aus 3,6 Prozent des gezahlten Lohnes beliefen. E- ist al>o eine übertriebene Behauptung, daß die sozial- volinsche Gcsctzgeb'ing vollkommen ruinös ans die Betriebe tvirkt. Das kann man bei einem Zuschlag von 36 Mk. auf 1000 Mk. -ohn cwwiß nick't behaupten. Gewiß wollen wir alles tun, um bas Handwerk als solch.S zu heben und die Lebenslage des Hand­werkers zu verbessern, aber ick, möchte Sie davor warnen, den Hand­werkern eine Art der Staatshilfe zu Derfprecfcen, die nie realisiert

(Heiterkeit.)

Abg. Raab ssortfahrend) führt aus, daß seine Partei keines­wegs gegen die Gcistessrciheit und die Preßfreiheit sei. Auf geigl- qcm Gebiete »volle sie volle Freiheit. Die Gewerbefreiheit greife aber mir in das wirtschaftliche Gebiet ein, und auf diesem Gebiete wollten seine Freunde keine Freiheit, sondern Ordnung. .

Abg Erzberfl-w (Zentr.) wendet sich nochmals gegen die Rc,o- lution. Er sei iiicht bereit, irgend etwas von dem zurückzunehmen, Ivas er vorhin gesagt habe. Tas Urteil des Abg. -Lkadthagen über unsere soziale Gesetzgebung sei nicht maßgebend, ein anderer Sozial- bemofrnt der französische Minister Millerand, habe unsere soziale Olesetzoebung ein erhabenes Monmnent sozialpolitischer ^-üriorge genannt Ucbrigens (»ölten die Sozialdemokraten gegen die sozialen Gesetze gestimmt, ihnen fehlte also jede Legitimation, als Ankläger aufzutreten.

Prä,ident Graf Ballestrcm: Ich sehe jetzt ein, daß uh dem Abg.

arofteu aufrichtigen Freude Llusdruck z-u geben, die bi tief in die niedrigste Hütte eingedrmnlen sei über die Be­lobung unseres Gvoszyerzogs. Tie Versainmlung, welche ich bei Beginn der Ansprache von den Platzen erhoben »alte, brachte zum Schlüsse ein dreimaliges begeistertes Hoch auf Großherzog Ernst Ludwig und Prinzessin Eleo-

Die ^Versammlung »vählt darauf fünf Steilungen zirr ofortinen Vornahme der Wahlprüsungen. ^?chdem diese erfolgt und der Abteilungsberichterstatter die erste Abteilung zu genehnligen beantragt, bespricht Dekan Stamm-Stockstadt die Vorgänge bei der Wahl deL Synodalen Oberlehrer Backes. Es sei unmittelbar vor der Wahl ein Flugblatt erschienen unterzeichnet von einer Anzahl Mitglieder der Dekanate snnode und 9 Mitgliedern deS Ausschusses, worin behauptet wurde, daßbekanntlich" Herr Backes vor 2 Jahren von der Synode einmütig gewählt worden sei, wahrend er tatsächlich nur mit einer kleinen Mehrheit (18 Stimmen) gewählt wurde. Er habe gegen bie Wahl des Herrn Backes durchaus nichts einznwcnden. freue sich vielmehr darüber^ aber er bitte um Aufklärung des erwähnten Widerspruches. Pfarrer Widman^ äußert sich ähnlich, Pfarrer Dingel dey bemerkt, man könne erst dann über nähere Wahlvorkommnisse hier sprechen wenn die Wahl beanstandet sei. Er habe das Jlugblat. selbst cntworsen und nut dem Ausdruckeinmütig" nicht einstimmig", sondern nur ausdrücken wollen, daß die Wahl von den Anhängern der verschiedensten Parteien unterstützt wurde. Von den weiteren Abteiliingen beantragt Pfarrer 1) Schlosser-Gießen, die Wahl der Herren Pfarrer Walter-Offenbach und D i ckn»ann - Rotheim vorläufig zu beanstanden, was auch beschlossen »uirb.

Es folgt nun noch bie Wahl ber beiben Vorsitzenben durch Stimmzettel, bei welcher nahezu einstimmig Herr Prof. Dr. Stamm-Gießen zum c r ft c n und Herr Direktor .Braub-Mainz zuni zweiten Vorsitzenben ivicbcr gewählt 'würben. Beibe Herren erklärten unter lautem Beifall, baß sie auch bieömal wieder das ihnen durch baS Vertrauen ber Versammlung verliehene Amt annehmen. Darauf wirb b> Sitzung um 21/* Uhr vertagt.

Nächste Sitzung Mittwoch Vormittag 9 Uhr.

allerseits kund. m

Gincn wal/rhait erhebenden Beweis cvangelpcher Einmütig- erbiachic die Fertigstellung und ireudige ÄnnalMc des Kirchen- cs Es ist nun wohl überall in Gebrauch genommen und wird seinem Leite dazu Helsen, das Band des Glaubens und der c das uns verbindet noch enger zu knüpfen.

Aui bie äuß ren Beziehungen der Lanoeskirche war von rfrculiche Tatsache der Bildung des deutsck>° . i u.tfic'j 2urd;öruitgeii von bem Bcnmßt-

nicmanb hier ist (Zurufe der Abgg. Stadthageu-Bernstem die allein ! von der sozialdemokratischen Fraktion anwesend sind. Oho!), ich 1 nahm schon an, daß Sie uns bei diesen Verhandlnngen unter uns lassen wollten daß vom sozialdemokratischen

Haupt hier die Rede sein kann; denn da hort ja icde Gewerbe- , freiheit auf. Und ebensowenig IjaUc ich den Hinweis aus den ; Mangel an Einigkeit unter den Handwerksmeistern für bereckst gt. Er kann für uns ebensowenig maßgebend sein, wie cs für anoere Parteien maßgebend war, als sie sich auf den Boden des obkigator- sitzen Befähigungsnachweises stellten, über den sich d,c H^"0werkö- meister bekanntlich auch nicht einigen konnten. Ich kann Cj nutzt finden, daß wir uns danach richten sollen, ob eine (5rtocrb8gruppe eine notwendige gesetzliche Maßregel billigt oder nicht Mu stehen wir außerhalb und oberhalb der Uitercstierten Krelst.

Das, was wir wollen, verpflichtet niemand mib »oll niemand verpflichten, aber in einer Zeit ber wirtschaftlichen und Rialen Entwicklung, in welcher ber Arbeiterstand eine immer weiten. Stärkung erfahren wird, soll unser Streben bahingehcli. nun auch einmal Die schwachen Mittelstandsschichten zu stutzen, bann »u. nidn dauernd abwärtsgchcn. Um miß iiber die Verhalnisse auf bie,cm Gebiete ein klares Bild zu schaffen, brauchen wir v'-se Gerade nach den heutigen bistori,ch bebeul,amen AiiSfuhrunaen vorn Regierungstisch auS müssen wir aus uiyeren Wunsch be­stehen, und wenn der Antrag auch vielleicht sur setzt in den korb geworfen wird, so darf ich doch von ber Mehrheit ^8 Hau,eS hoffen, daß sie ihn immer wiederkehren laß en wird itnb baß Wir eines TagcS wenigstens soweit kommen, daß die gesorberten Er- hebimgcu angeftellt loerbcu. (Beifall unter den Aat.-^v.)

Abg Mei,-er Bielefeld (kon,., bleibt ganz unverständlich), scheint sich aber gegen den VerncherungSzwaug und sur eine Er- ivciterung der freiwilligen Versicherung attszusprechen.

Abg. Rlilib (Antis.) meint, von der freiwilligen Versicherung iuerbe so wenig Gebrauch gemacht, weil die Novelle von l,c Bestimmungen über die sreiwilligc Versicherung bedeutend ver­schlechtert habe, indem sie die Wartezeit von 235 aus 500 Wochen erhöhte. Dies ist auf Antrag des Abg. Roesickc geschehen. der ve- fürchtete, daß mit der sreiwilligen Versicherung sonst M'hbrauch getrieben werden könnte. Ich bitte die Regierung um Auskunft, wie eS fich verhält, »venn ein freiwillig Versicherter heilte infame wirb, aber noch nicht 500 Marken geklebt hat, ob er bann nach bim Gesetz von 1899 behandelt wirb und feine Rente erhalt, ober nach dem alten Olesetz, daS ihm schon nach 23:> Wochen Die Rent gewährt. Sodann spricht Redner sich für die Zwangövcr- sicheruna der selbständigen Handlverker ans und volcminert gegen Die Behauptung, daß bie5 ein Schritt in den Zukunftsüaat sei, das Schwenken deS roten Lappens kann gar feinen Eindrim machen. DaS wirke nur auf Tiere, die hier im Reichstage nicht, anwesend seien und die auch, Ivie mau kürzlich vom BimbcSratstyche gehört habe, im Bundesrat nicht vertreten seien. (Heiterkeit) ^ Prinzip, daß nur unselbständige Eristenzen versichert werden sollten,., ist schon durch die Einführung ber frciwilligeu Versicherung verlassen. Graf PosadowSkv bat heute die Warenhäuser eine Asioziation DCv Kapitals genannt, daS ist schon bedeutend besser alS der AnS,priich des Ministers Möller, baß in den Warenhäusern die höhere In­telligenz verkörpert sei. lieber diese Frage könnte ich zwei Stunren reden. (Präsident Graf B a l l e st r e m erhebt sich und greift Drohend mit der Hand nach der Glocke. Heiterkeit.) ^.och »vlll ich das lieber unterlassen (Heiterkeit), ich will nur sagen, daß die großen Warenhäuser nur die Assoziatiou der Gcwisieuloygkeit und " Der wirtschaftlichen Frivolität sind.

Präsident Graf Ballestrem: Ich muß den Redner nun aber ' bitten, sich nur an den Gegenstand unserer Tagesordnung zu halten.

sein, bat, dem deutschen Protestantismus bei den schwierigen ZeAverh iltntfseu nicht nur die volle Entfaltung seiner mnereu KrÜst?, jiiucrn auch ein: größere Einigung der ^anbcsnrcheu noltitt, h.'oen »vir und, üer freudigen Zustimmung der Landes- fpnob-' getragen, an bem Einiguutiswerle gerne beteiligt, »venn mir uns auch sagen, daß bas bisher Erreichte nicht der eubgiltige Ab­schluß desselben fein kann. Was in den letzten Monaten auf Ver- ammlungen heroorragenber Männer in bieser Beziehmig ausge- procheii und erstrebt wurde, möge als ein Wal/rzeichen dafür dienen, daß unser evangelisches Volk meljr und mehr von dem Bewußtsein des Ernstes und der Größe imfcrer kirchlichen Gefamt- auigabe etfaßt wird. Wir werden diese Zeichen der Zeit auf­merksam verfolgen und find dabei von Jl/rer Bereitivilligkeit überzeugt, alles zu fördern, was dem Ansehen und der Wirkungs- krast der evangelischen Kirche in Deutschland dienlich sein rann.

Freilich vergessen wir dabei nicht, daß die Erstrebung äußerer Macht nicht das Endziel der LArche sein kann und »oll. Ihre eigentliche Ausgabe ist und wird immer sein, die clöigcn Guter und Gaben, meld»? Gottes Gnade uns in dem Evangelium Iefu Ek-risti geschenkt hat, treu zu verwalten und durch ihren xienjt das Volk Gottes zu sammeln, loelchem die Verhnfzung des ewigen Gottesreiches gilt. Aber je mehr die Kirche in allen ihren mannigfaltigen Veranstaltungen solchen Tienst mit ganzer Hingebung verrichtet, desto mehr »vird sie auch von unserem Volke anerkannt werden als die Hüterin seiner Ideale, Die Pflegerin Dcs guten Geistes, bie treue Helferin in allen seinen Nöten.

Mögen auch die Verhandlungen der iicbeiiten ordentlichen Landessynode getragen sein von diesem Geiste! Tann »vird ihnen Der Segen Gottes nicht fehlen!

Im Namen und Auftrag meiner Königlichen Hoheit des Groß- Herzogs erkläre ich die fiebente ordentliche Landessynode für er- °^UC£)crr Oberkonsistorialpräsident D. Buchner stellt dar­auf ben Ministerialrat B e st als Regierungsvertreter vor und teilt bei Feststellung der Präsenzliste mit, daß sich das Synobalmitglied Frhr. tzeyl zu Herrnsheim, in einem Telegramm aus Berlin entschuldigt habe. Taraus folgt die Vereidigung der neu in die LandeSsynode eingetretenen Mitglieder: Pros. Tr. Tingeldein-Büdingen, Pros. D. Dr. Trews-Gießen, Oberstleutnant Fischer von Treuenseld- Tarmstadt, Kirchenrat Grosch-Kastel, Pfarrer Hosmann- Iugeiiheim, Dekali 5leil-Neunkirchen, Pfarrer Kühler-Tre-^ bur, Geh. Justizrat Mockel-Grünberg, Pfarrer Rhemfurth- (Riu-Odernheim, Fabrikaut Nömheld auf der Friedrichs- Hütte bei Laubach, Schulrat Schaub-Osfenbach, Landge- Dichtsrat Schmeckenbecher-Giehen, Dekali Schmidt-Schlitz, Pfarrer Walter in Offenbach und Pfarrer Widmann-^arm- '"^Taraus übernahm Herr Kirchenrat Fuchs aus Rim­bach als ältestes Btitglied der VersamnAung ben Vorsitz, ' zu provisorischen Schriftführern wurden die Herren Pfarrer 0. s ch l 0 j j e r - Gießen und Oberamtsrichier W a h l -Schlitz t ernannt.

Präsident Fuchs bemerkte bei Uebernahme des Alters- präfidiums, cs sei ihm eine Pslicht des Herzens, der!

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werden kann. (Beifall.)

Abg. Patzig (nai.-lib.): In allem, wa? der Staats,ckretar auS- fübrtc, liegt nur eine Befürwortung unseres Antrages. Wenn gerade infolge unserer sozialen Gesetzgebung unsere Industrie das Ausland überflügelt bat, dann ist cd auch an der Zeit, daß wir und um die wirtschaftlich Schwachen kümmern und den Versuch machen, über die Verhältnisse der unteren Schichten des Handwerkes unv bester zu unterrichten, die außerordentlich schwer zu länwfen haben und mehr und mehr einen gewißen proletarischen Ebarakrcr au- nehmen. Immer häufiger kommt e5 vor, daß wirtschaftlich schwache Eristenzen, die sich selbständig gemacht Haben, wieder in den Gc- sellenstand zurücksinkcn. Da ist cd doch angczeigi. durch Beschafiung von Material einmal festzustellen, welches Man von Unnchcrhcii in Beziehung auf die Existenz in dem Handlvcrk herrscht, ohne daß es dabei unsere Absicht ist, ciwa schon jetzt f-stzulegeu oder zu ver­langen, baß eine obligatorische Zwangsversichcruug Angeführt hxrbcn soll. Nun hat der Abg. Trimborn am 14. Juni erklärt, ehe man bahin komme, müßten unter ben Beteiligten zunächst ein­mal die Meinungen geklärt sein, und heute hat sogar ein Mitglied des Zentrums gesagt, wir seien auf dem schönsten Wege, mit solchen Maßnahmen in den sozialdemokratischen Zukunftsstaat hincinzu- steuern. Ich kann nicht zugeben, daß von dem sozialdemokratischen I Zukunftsstaat, von dessen Vertretern zu meinem Bebauern jetzt |