Nr. A68 Drittes Blatt.
154. Jahrgang
Erscheint tSglich mit Ausnahme de» Sonntags.
Die „Gießener Zamillenblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »htsstlch« Landwirt' erscheint monatlich einmal.
Gießener AnZetz
Montag 14. November! OO-Z
tRntattonSbrud und Verlag der Brüh kicher» UnwersuätSdruckerei. UL Lange Gletzen.
Redaktion. Expedition u Druckerei Schulstr.?.
Tel. Nr. 6L Tetegr^Adr.. Anzeiger Gieper».
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
Dekanntnmchnnh.
Betr.: Feldbereiniqunq in der Gemarkung Berstadt.
In der Zeit vom 16. bis einschließlich 29. Novclnber f. Js. liegen auf dem Rathanse zu Berstadt die Arbeiten des II. Abschnittes obiger Feldbereinigung, nämlich:
83 Blatt Vonitirungskarten,
3 Bände Besitzstandsverzeichnisse,
3 Bände Gütergeschosse,
1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse, sowie das Protokollbuch
gut Einsicht der Beteiligten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungrn hiergegen und ev. Wahl eines Schiedsrichters nebst Stellvertreters findet daselbst statt:
Mittwoch den 30. November 1904, vormittags 9—10 Uhr, wozu ich die Beteiligten mit dein Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufaffen und zu begründen.
Büdingen, den 12. November 1904.
Ter Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Schnittsvahn, Negierungsassessor.
Aes Landgrafen 3?ßtCtpp Bedeutung für die Gegenwart.
Gießen, 14. Nov. 1904.
Ms vor kurzem die Synodalen Deutschlands sich in Worms in der Erkenntnis vereinigten, daß der evangelischen Kirche die rechte Würdigung nicht zuteil würde und sich von neuem der Gedanke Bahn brach, daß unter Hintansetzung alles dessen, was die wissenschaftlichen und kirchenpolitischen Richtungen trennt, die Einigung und Einigkeit aller derer, die das Evangelium allein anerkennen, zu dem Ziele führe, das alle erstrebten, da hätten sie sich auf niemanden anders, als den Landgrafen Philipp den Großmütigen, den größten Fürsten im Reformationszeitalter berufen können. Ganz selbständig und fast gleichzeitig waren in Deutschland zwei Strömungen hervorgetreten, die beide sich lauf die Bibel, als der einzigen Richtschnur im! Glauben und Wandel beriefen. Trotzdem herrschte in einzelnen Punkten der Lehre Verschiedenheit. Aber auch zu einem einigen Vorgehen in äußeren Dingen konnten die Nord- und Süddeutschen sich nicht verständigen und eine solche Vereinigung herbeizuführen, galt Philipps eifrigste Bemühung. Er war der einzige, der durch seinen weiten Blick erkannt hatte, daß nur ein gemeinsames Handeln aller, die auf dem Boden des Evangeliums und der Gewissensfreiheit standen, dem Kaiser und dem Papste den zur Ausbreitung der „neuen Lehre" nötigen Widerstand entgegenzusetzen vermochte.
Dem kühnen Landgrafen ist dieses Werk nicht gelungen, wenn er auch durch das von ihm ich Jahre 1529 veranlaßte Neligionsgespräch zu Marburg wenigstens eine Annäherung der leitenden Persönlichkeiten herbeiführte. Wäre Philipps Gedanke damals recht verstanden worden, eine ganz andere Entwickelung hätte die politische itnSD’ Kirchengeschichte genommen. Hätte man im Laufeder Zeiten sich auf das besonnen, was des größten evangelischen Fürsten stärkstes Bemühen war, die evangelische Kirche, die allerdings in erster Linie die Innerlichkeit betonen muß, stände heute anders da. Und wenn geklagt wird über den Mangel an Bedeutung und Einfluß der evangelischen Kirche nach außen hin, so steht das leuchtende Bild Philipps des Großmütigen vor uns, in dem wir die E i n h e i t aller Evangelischen verkörpert sehen. Zu ihm gilt's in unseren Tagen hinaufzuschauen und aus seinem Streben zu erkennen, daß nur Einigkeit stark macht.
Daß Landgraf Philipp der Kraft des Evangeliums so ^iel, ja alles zutraute, lag begründet in der Art, wie er zum evangelischen Glauben gekommen ist und ihn aufgefaßt hat. So wenig ihn die Einziehung reicher Stiftungen, ■ Pfründen und Klöster zur Annahme des neuen Glaubens reizte, denn er hat nicht einen Pfennig davon für sich beansprucht, so wenig vermochten die kaiserliche Gewalt, noch seine fünfjährige überaus schmerzensreiche, weil unwürdige Art seiner Gefangenschaft, noch das Versprechen der Nachfolge in Sachsen, dem Lande seines katholischen Schwiegervaters, noch die eröffnete Aussicht auf die Königswürde vom evangelischen Glauben abzubringen.
Illi ■■l llllimnMIJi,
Zweites Konzert des Konzertvercins.
Gießen, 14. November 1904.
Haydn — Mozart — Beethoven: Ein Jahrhundert /legt zwischen ihrem Schassen und unserer Zeit, Menschenalter liegen zwischen den Tagen, da man ihre Wunderwerke zum ersten Mal vernahm und die neuen Götter mit schwärmerischer Inbrunst verehrte und unseren Tagen, in denen man vor aller Fülle des Neuen, das uns die moderne Musik bringt, von Zeit zu Zeit wieder einmal zurückschauend sich sammelü halt macht und die uns zu „Klassikern" Gewordenen zu sich reden läßt. Und dann geht immer von neuem ein wunderbarer Zauber von ihnen aus: anders für uns Junge, denen sie von Zeiten singen, die wir nicht gesehen, nicht gelebt haben, anders für die Alten, deren Tugend wieder auflcbt bei den Tönen der „Adelaide", Tönen, in denen sic selbst geliebt haben und geliebt wurden, bei den Klängm eines Haydnschcn Menuetts, nach denen sie getanzt haben: tber für uns alle ein Zauber, in den wir tief verstrickt werden.
Es war eine dankenswerte, bei aller „Altmodischkeit" des Programms so echt moderne, im guten Sinn moderne Idee, uns einen auss Feinste stilgerecht zusammengestcllten Haydn-Mozart- Beethoven-Abend zu bieten. Nicht jeder Haydn paßt zu Beethoven, und noch weniger jeder Beethoven zu,Haydn oder Mozart. Der Beethoven, der aus der V. spricht, ist seinem Jahrhundert, ist einem Haydn so weit voraus, , daß man sie zusamnicn schlechterdings nicht hören kann. Die erste Beethavensche Symvhonie lnüpst unmittelbar an ihn an; sie bildete den rechten Schluß-- [teilt in deut von bewußter Künstlerhand gcschasseuen Bau dc-> Abends. Die Haydnsche G-dur Symphonie mit ihrer goldenen Heiterkeit, bald mit Puderzopf und Reisröckchcn, bald mit rein menschlichem Kinderlachen dahinklingend, offenbart wie kaum --ine andere das Wesen des Meisters, das, was wir au ihm als lein Eigenstes kennen und lieben. Tie Mozarlschc Symphonie,
Ans freier Entschließung hat ihn das eifrige Studium der heiligen Schrift selbst und Luthers Schriften zum neuen Glauben geführt, der während der langen Hast Philipps seine Probe bestehen mußte und bestand, denn er hätte die Gefangenschaft nicht zu ertragen vermocht, „wenn er nicht in seinem Herzen den aus Gottes Wort geschöpften Trost gefühlt hätte." Trotzig kühn hat er Feinden gegenüber die lutherische Lehre verteidigt, gemäß seinem Wahlspruch: „Gott hilf verbreiten mir D-einc Ehr, Tas ist mein höchster Wunsch und Gehr;
Darnach, daß ich Tein Volk regier, Daß wir all bmd gefallen Dir."
Wenn nun überall im Lande Philipps feiern gehalten wurden, wenn man sich darauf besonnen hat, daß ein so bedeutender Fürst der Ahn unseres Herrscherhauses und der Begründer der Darmstädter Dynastie ist, wenn man seiner großen Herrschertugenden gedachte und der Liebe zu seinem Volke, wenn man sich der großen Werke der Bamherzigkeit erinnerte, die er aller Orten im Lande getan hat zum Besten der Armen, Blinden, Siechen, Kranken und Epileptischen, so darf man nicht vergessen, daß Philipp der Großmütige ein treuer evangelischer Ehrist gewesen ist, der durch das Evangelium seiner Pflichten recht bewußt geworden und gewußt hat, daß er nur durch Gott etwas vermochte: „Mein Stärke, Glück und Lob ist mein Herr und Gott."
Was gilt heute vielen Glaube, Gottvertrauen! Alte Begriffe ohne Inhalt, mit denen man nichts Rechtes anzufangen weiß. Der große Landgraf lehrt seine Verehrer ein Anderes. Ob auch die Kraft des Evangeliums einen nicht kleinen Rest vom alten Menschen in ihm zurückgelassen hat, Philipp stellt uns das Bild eines Menschen dar, dem der christlich-evangelische Glaube mit seiner Kraft eine wahre Herzenssache geworden war, der sein evangelisches Bekenntnis höher achtet, als Gut und Land. Er getröstet sich im Leben wie im Sterben der göttlichen Gnade in Ehristus und stirbt mit des Erlösers Wort: ,^Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände." Philipp der Großmütige erkannte die Macht evangelischen Glaubenslebens und darum ist er den Kindern der Reformation jener gewaltige Mann, zu dem sie trotz seiner Fehler als zu einem glänzenden Vorbild evangelischen Glaubens und auserwähltem Rüstzeug Gottes und Förderer und Beschützer des Protestantismus aufschauen. Er ist auch zugleich das Vorbild eines christlichen Fürsten, dem das Wohl seiner Untertanen am Herzen liegt und der für nichts mehr sorgt, als daß allen leiblich und geistlich geholfen werde. Möge Philipps Geist über den evangelischen Landeskirchen schweben und sie durchdringen, dann:
Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, Laß fahren dahin. Sie haben's kein'n Gewinn, Tas Reich 'muß uns doch bleiben!
Der Ausstand in Deulsch-Südwcstasrika.
Der Rücktritt Leutweins.
Berlin, 12. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ter von Gouverneur Leutwein schon vor längerer Zeit nachgesuchte Urlaub wurde demselben bewilligt, nachdem General v. Trotha den Oberbefehl auch im Süden des Schutzgebietes übernommen hat. Mit Rücksicht auf die im Schutzgebiet zurzeit vorwiegend militärischen Interessen übernimmt General v. Trotha bis auf weiteres die oberste Leitung der Gouvernementsgefchäfte in Vertretung. Da Gouverneur Leut wein in Uebereinstimmung mit seinen eigenen Wünschen nicht z u r ü ck k e h r t, ist als G o u v e r n e u r des Schutzgebietes für später als Nachfolger der Generalkonsul in Kapstadt, v. Lind ea ui st, in Aussicht genommen.
Leutwein wird also in die Wüste geschickt. Ter Urlaub ist gleichbedeutend mit der definitiven Abberufung, wie merkwürdigerweise und abweichend von allem sonstigen Gebrauch in der offiziösen Mitteilung offen erklärt wird. Wie anderweitig bekannt wird, hat den Befehl über die Operationen im Süden bereits Oberst Deimling in die Hand genommen. Leutwcin ist den militärischen Aufgaben entrückt und hat als Gouverneur nur mit den Bemühungen zu tun, die noch nicht aufständischen Stämme in Ruhe zu halten. Auch 'diese Aufgabe wird ihm jetzt abgenommen. General v. Trotha ist einstweilen Oberbefehls- haber der Truppen und Gouverneur zugleich, in letzterer Funktion wird ihn Herr v. Lindequist wohl bald ablösen.
Was die Nachfolger Leutweins leisten werden, bleibt abzuwarten. Ob die völlige Ausschaltung des bisherigen Gouverneurs im gegenwärtigen Augenblicke zweckmäßig ist, darüber werden die Meinungen wohl auscinandergebcn. Leutwein ist doch immer ein guter Kenner von Land und Leuten, und er erfreute sich bei den Eingeborenen eines Vertrauens, das auch bei Be-
vielleicht von den drei Symphonien des Abends am wenigsten ein Erzeugnis und Bild gerade ihrer Zeit, ist eins der vollendetsten Werke, die uns Mozart geschenkt hat: man kann sie stets wieder hören und wird immer neue Schönheiten aus ihr hervorbeben. Zu diesen drei großen Werken die schönsten der alten lieben Beethovenlieder, die man heute fast nur noch da hören kann, wo gute Hausmusik getrieben und alte Ueberlieserung gepflegt wird, und die doch so wundersam tief sind und zu Herzen gehen.
So mußte der Wend wohl das werden, was man mit „stimmungsvoll" am besten bezeichnet; er war es. Tie heitere, festliche Stimmung, die die flott, freudig und sicher gespielte Haydnsche Symphonie ausgelöst hatte, blieb bis zum Ende des Konzerts bestehen: ja merkwürdigerweise sah ich heute — nicht einmal ein Dutzend der Zuhörer vor dem letzten Ton der Beethoven-Symphonie den Saal verlassen. Uebrigens, da ich gerade bei dem p. t. Vublikum bin: wäre es nicht möglich, daß das, in Gießen ja so ganz besonders beifallsfreudige Publikum wenigstens nach den einzelnen Teilen der Symphonie, die doch einheitliche Kompositionen darstcllen sollen, das Beifallklatschen unterließe und nur noch am Ende des ganzen Werkes seinem Herzen Lust und seinen Händen Bewegung machte? Ich finde es ja schön — fit venia verbo — geschmacklos, wenn man nach dem Vortrag des „Büßlieds" die ganze Stimmung durch das minutenlange Klatschen wieder zerstört; daß man aber die einheitlich gedachte Symphonie durch Klatschen auSeinanderreißt und so die Pausen, die der Komponist gemacht, damit man sich sammle und Mnf das Kommende vordereite, zu allem andern benutzt, als wozu sie da sind, ja dafür gibt es eigentlich nur die Entschuldigung, daß „es nun mal des Landes so Brauch ist". Ein auswärtiger moderner Dirigent, ich glaube Hausegger, hat es unternommen, Svrttphonien oder überhaupt mehrsätzige Werke in der Weise „durch" zuspielen, daß er die Pausen mit dem Taktstack aushält und verkürzt; vielleicht ließe sich der Ver-
mühungm zu friedlicher Beileaung des A'-fstandeS gute Dienste hätte leisten können. Sämtliche Herero und Hottmtotten bis auf den letzten Mann totz'ffchlagen, ist doch nicht möglich, und es wird der Moment kommen wo man ihnen unterhandeln muß. Ta hwr» Leutweins Mitwirkung vielleicht wertvoll gewesen.
lieber die Amtst'-tigkeit des Gouverneurs Leutwein ein Ge- sam<urteil zu fällen, irf heute noch nicht angebracht. Ter Ruhm eines humanen Mannes, der in den Eingeborenen nicht bloß Ausbeutungsobiekte einer schrankenlosen ^r-ffitgier erblicken wollte, der bemüht war, sie a-gen Knechtung, Willkür und llebervorteilung zu schützen, wirb ihm ungeschmälert bleiben. Wenn ihm zum Vorwurf gemacht wird, daß fein Verwaltungssvstem den Aufstand verschuldet habe, so machen sich umgekehrt Ansichten, geltend, daß das System nur deshalb versaute, weil es,sich gegenüber den übermächtigen Einflüssen der weißen Interessenten nicht wirksam genug durchzusetzen vermochte. Leutwein konnte die Kata- sttophe nur verzöaern. sie völlig vermeiden, war unmöglich. Tas war nicht seine Schuld.
General v. Trotha
meldet aus Windhuk: Am 6. Nov. wurde jrin Viehposten der 7. Kompagnie des zweiten Regiments in H'wchanas von etwa 90 Witbois angegriffen. Die zu Hilfe eilende 7. Komp, unter Aberleutnant Grüner warf den Fe ind in südwestlicher Richtung zurück. Diesseits leicht verwundet Reiter Bär von der 7. Komp. Der Feind ließ vier Tote zurück. Tie Besatzung von Hoack-anas hält sich etwaigen Angriffen für vollvollkommen gewachsen. Tie Besatzung der Station Hasur, 1 Unteroffizier und 7 Mann, sind vor starken Truppen Morengas nach Rietfontein z n r ü ck g e g a n g e n. Morenga soll verwundet in Plattbein sein. Lengerke hat die Posten in Tadi- gad und Ukamas nach Warmbad beordert und will am 14. November mit dem Detachement Fromm, 70 Mann und 2 Feldgeschützen von dort nach Keetmanshoov abrücken. Kopph hält mit 80 Monn, einem Geschütz Modell 73 und 1 Gebirgsgeschütz Warmbad besetzt. — Tie vierte Kompagnie des Regiments Nr. 2 rückt am 12. November, die fünfte Batterie am 13. November von Windhuk nach Kub ab.
Kolonialkosten.
Der dem Bundesrat zugegangene Etat für die Schutzgebiete pro 1905 balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 91 Millionen Mark. Die einmaligen Ausgaben für Südwestafrika sind darin nicht enthalten. Sie werden in Form eines besonderen Nachtragsetats vom Reichstage abgefordert werden.
Hochverräter.
Zwei Söhne des englischen, in Koes auf beut» fchem Gebiete an der Südostgrenze des Schutzgebietes ansässigen Farmers Freyer wurden wegen hochverräterischer Verbindung mit d"m Bandenführer Morenga standrechtlich verurteilt und er schossen.
Tie Kosten.
Nach der „Schles. Ztg." sücd für den sudwestafrikanischen Feldzug bisher 140 M i l l i o n e n M a r k an Kosten verausgabt worden. Mit den jetzt noch hinausgehenden 2400 Mann würden bje Tr'’vvmttans^'nr1 e vl>ra''sn^'lli'b beendet sein.
vevnAtscvtes.
* Denkmal eines französischen Feld Herrn am königlicken Schloß zu Berlin. Für die Errichtung des Eoligny-Denkmals in Berlin werden jetzt Vorbereitungen getroffen. Das Werk erhält seinen Platz vor der ehemaligen Schloßapotheke. Der Standort ist bereits auf dem von zwei Baumreihen eingefaßten Rasen markiert. Tie Aufstellung und Enthüllung wird dem Vernehmen nach im Laufe des Dezembers erfolgen. Der Kaiser hat die Ausführung des Denkmals dem Grafen Görtz- Schlitz übertragen, von dem in der Siegesallee die Statue des Wittclsbacher Markgrafen Ludwig II. herrührt. Die 2.30 Meter große Figur zeigt Eoligny im spanischen Zeitkostüm, das Haupt mit dem Barett geschmückt. Er hält in einer Hand den Marschallstab, mit der anderen stützt er sich auf den Degen. Das Kostüm, das er trägt, ist ähnlich demjenigen Joachim Friedrichs in der Siegesallee. Die Statue wird von Martin und Piltzing gegossen. Sie ist zum großen Teil fertig, nur Kopf und Hände werden vom Grafen Görtz noch einmal im Wachsmodell durchgearbeitet. Die Figur kommt auf ein Postament aus FichtÄg-ebirgsgranit, das mit einer bronzenen Jnschrifttafel versehen lvird. Die Aufstellung des Denkmals eines französischen Feldherrst am Berliner Schlosse ist jedenfalls etwas Eigenartiges.- Eoligny, der tapfere Glaubensheld, steht dann rn nächste^ Nähe des neuen Domes.
Foulard ° Seide 95 ?r. -m
— Zollfrei! — Muster an Jedermann! —''
D10/10 Seidenfabrikt. Henneberg, Zürich.
such hier auch einmal machen; denn dem Tirigenten ist doch, glaube ich, mit dem Klatschen sicherlich kein Gefallen geschehen; ob der Eindruck auf die Zuhörer dagewesen ist oder nicht, merkt er auf andere Weise. Doch das ist nur Mschweifung.
Eine eingehende Krittk der Leistungen würde zu weit führen; warum auch durch Bemerken von Einzelheiten, meist Kleinigkeiten, z. T. a^ch wohl auf verschiedenen Auffassungen beruhend, den Gcsamteindnlck des Mends schwächen, der zweifellos ein freudig gehobener war! _ DaS Vereinsorchester hat in den letzten Jahren wiederholt bewiesen, daß und was es gelernt bat, daß eS strebt und arbeitet, um seinem Tirigenten Ehre zu machen. Tas Konzert heute kann er als einen Erfolg buchen. Namentlich bei Wiedergabe der Haydnschcn und der Beethovrnscden Swnpho- nie war vorzüglich; die Mozartsche Es-dur habe ich, das sei bei aller Anerkennung gesagt, schon besser in ihrer einzigen Feinheit und Subtilität herausgebracht gehört. Die Streichinstrumente entwickelten einen starken glanzvollen Ton und waren andererseits im Piano von entzückender Weichheit: so geriet auch die Ucberrasckmng im Haydnschcn Andante aufs beste. Die Holziustrumente dürsten immer noch mehr an ihrer Vervollkommnung arbeiten; es ging manche schöne Wirkung durch ihr Versagen verloren.
Eine gan ^besondere Freude bereitete wohl allen Hörern Herr L e i nt e r aus Frankfurt a. M. durch ben Vortrag der Beethoven scheu Lieder. Ich wüßte nicht zu sagen, welchem ich den Preis zuerkcunm sollte: in allen kamen sein nicht sehr großer, aber klanglicher, gut geschulter Bariton, sein durch und durch edel und vornehm gehaltener Vorcrag fein; tiefe Empfindung gleich wirkungsvoll zum Ausdruck. Er fand für jedes der Lieder den rechten Ton, und schlug in den Herzen der Hörer die rechte Saite an. —n—


