Ausgabe 
14.9.1904 Zweites Blatt
 
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allen Umständen in der Mitt elstauds - und der Juden- s^rage energisch der Negierung gegenüber beit reformerischen Standpunkt zu walken. Der Parteitag stellle diese Forderung in der Uederzeugung, daß eine mittelstandsfreundliche Volkspartei nur dann im Volke Anhang finden kann, wenn sie in be - mußter Opposition zu der heutigen Haltung der Regierung in Mittelstandsfragen steht. Nach den bisherigen Erfahrungen haben wir nicht das Zutrauen zu den leitenden Kreisen, daß sie der Mittelstands- und Judenfrage das nötige Verständnis entgegenb-ringen."

vermischtes.

e Kottbus, 13. Sept. Gestern nachmittag erwürgte der Weber Trautmann in der Wohnung seiner Schwieger­eltern seine Schwiegermutter und den 4jährigen un­ehelichen Knaben seiner Schwägerin, der dort in Pflege war. Für letzteren soll in diesen Tagen eine Abfindungssumme ausgezahlt worden sein. Der Täter, der zur Zeit der Tat angetrunken rvar, ging flüchtig, wurde aber in der Nacht ergriffen.

* Eine männliche Leiche in Frauenkleidern. Ein schweres Verbrechen scheint jetzt ans Licht gebracht zu werden. Um Mitte Juli wurde bei Lathen an der Ems die Leiche eines jungen Mannes gelandet, die in Frauenkleider gehüllt war. In einem Köfferchen, das an anderer Stelle antrieb, fand man einige Papiere, aber alle Namen waren herausgetilgt. Jetzt wurden sie aber festgestellt. Der Ver­storbene entstammt einer achtbaren Familie aus dem Kreise Lyk in Ostpreußen, die er mit einer Barschaft im Betrage von 1500 Mk. im März verlassen hat, um nach Amerika auszu­wandern. Den Angehörigen, die seitdem nichts wieder von ihm hörten, ist es unerklärlich, wie er nach Duisburg kam, wohin die Arbeitspapiere deuteten, und dann nach der Ems. Sie bestreiten entschieden, daß er geistesgestört gewesen sei. Ebenso haben sie den in dem Koffer vorgefundenen Anzug nicht als den des Vermißten erkannt. Diese Tatsache, und der Umstand, daß an der Leiche Verletzungen festgestellt wurden, lassen einen Rau b m o r d als sicher erscheinen. Wahr­scheinlich wollte der Betreffende mit einem Schiffe zur See hmab fahren und wurde dabei von den Schissern er­mordet, beraubt und in die Ems geworfen. Die Be­hörden sind jetzt eifrig mit weiteren Nachforschungen beschäftigt.

* Die Erinnerung an den Bilseprozeß ruft eine Erklärung wach, die der frühere Oberleutnant im Fonbacher Traiubataillon Hans Koch in der »Straßb. Post^ veröffentlicht. Er bezeichnet sich jetzt als Oberleutnant der Landwehr, cand. jur. et rer. polit. und nimmt seine verstorbene Frau gegen die Aussagen von Zeugen in dem Bilseprc^ in Schutz, welche den Verkehr des Oberleutnants Witte mit ihr als anstößig hingestellt l>aben. Herr Koch schreibt: »Das Vertrauen, das ich Herrn Bilse entgegengebracht habe und das ich chm, wenn meine Frau lebte, auch heute noch entgegenbringen würde, uxir vollständig berechtigt. Es sind somit die Aussagen der Zeugen, welche im Bilseprozeß in Metz meine Frau wenige Wochen nach ihrem Tode belasten zu müssen geglaubt haben, vollständig widerlegt, ebenso sämtliche Darstellungen in der Presse, soweit sie sich auf die Beziehungen zwischen meiner Frau und Witte bezogen haben und soweit sie meine Frau

und mich verletzend? Bemerkungen enthielten. Wenn Herr Oberleutnant Witte in Metz aus Schonung für den Ruf einer Toten damals auch den häufigen gesellschaftlichen Verkehr mit mehr Zurückhaltung behandelt hat, als es notwendig und ihm dienlich war, so wird jeder vornehm denkende Mann dafür Verständnis haben; seine Richter selbst haben seine Motive als edle bezeichnet ! Besuche meiner Frau in Wittes Wohnung von längerer Dauer haben nur zu einer Zeit statt­gefunden, als die Mutter des Herrn Witte bei diesem wohnte, und galten diese Besuche selbstredend der Frau Witte. Be­suche ohne mein Wissen haben überhaupt niemals statt- gefundeu. Unsere Wohnungen Dienstwohnungen lagen in einem Hause und es ergab sich schon aus diesem Umstände ein ungezwungenerer Verkehr. Die Verunglimpfungen meiner Frau entsprangen lediglich klemstädtischem Klatschbedürfnis. Die in dem Roman »Aus einer kleinen Garnison" dargestellte »Frau Leimann" sollte nicht meine Frau darstellen, sondern war eine frei erfundene Figur, wie sowohl Herr Bilse als auch sein Verteidiger wiederhcstt und ausdrücklich erklärt haben. Die meine Frau belastenden Aussagen zweier Zeugen im Bilseprozeß in Metz sind in Frankfurt am 29./30. Juli wider­legt worden, zum Teil durch chce eigenen Aussagen! Hätten diese beiden Zeugen damals in Metz ihren Aussagen obige in Forbach jedermann bekannten Umstände hinzugesügt, so würde meine Frau niemals in der Weise, wie es geschehen ist, bloßgestellt worden sein."

Eine Scherzpreisfrage. Ein Leser schreibt dem »Bert. Tagebl.": Vor einigen Tagen veröffentlichten Sie unter der Spitzmarke »Die bedeutendste Tat seines Lebens" einige Proben von Preisfragen, wie sie amerikanische Ver­leger ausschreiben. Gestatten Sie, einen ähnlichen Berliner Fall aus diesem Anlaß der Vergessenheit zu entreißen. Vor ungefähr 15 Jahren erschien in Berlin eine Gerichtszeitung, die ein jetzt schon verstorbener Redakteur herausgab. Das wöchentlich einmal erscheinende Blatt »ging" nicht, und so entschloß man sich zum Ausschreiben einer Preisfrage. Ich glaube, 1000 Mk. wurden ausgesetzt obwohl nicht 10 Mk. in der Kasse waren für die beste Beantwortung der Frage:

»WIE ERHAELT SICH DIE FRAG SCHOEN ?

Gar viele Antworten gingen ein, und alle Kosmetika wurden wohl genannt, denn es winkte ein Preis von 1000 Mark. Aber der Preis gelangte nicht zur Verteilung, denn nach der Redaktion lautete die richtige Lösung: »Die Frau Schön erhält sich dadurch, daß sie 200 Exemplare der Ber­liner Gerichtszeitung vertreibt und dadurch einen hübschen Verdienst erzieltl" Das hätte natürlich niemand geraten.

Kandel und WerKehr. Kolkswirl schäft.

Zur russischen Wirtschaftslage. Die Ausgabe von 40 Mill. Rbl. Papiergeld steht abermals bevor. Infolge der schlechten Ergebnisse von Nowgorod (nur 25% des vorjährigen Umsatzes) und allgemeinen Geschäftsstillstandes hat die Zahl der Wechselprot^te eine bisher ungeahnte Hohe erreicht.

Rückgänge an der Börse. Von der Newyorker Börse wurden ungünftige amerikanische Ernteberichte gemeldet und im Zusammenhang damit eine starke Getreidehauffe. Dies wirkte ungünstig sowohl auf den Berliner wie auf den Frankfurter Effekten­markt und insbesondere waren die exponierten Kurse betroffen, also die der Hüttenaktien. Während bisher die ungünstigen Berichte über die Lage der Eisenindustrie kaum beachtet wurden, legte man

ihnen gestern ganz besondere Bedeutung bei. Besonders war von Schwierigkeiten die Rede, die dem Stahlwerksverband angeblich in bezug auf seine weitere Organisation erstehen dürsten. Ebenso wurde auf die ja längst bekannte ungünstige Lage der Siegerländer Eisenindustrie hinaewiesen. Dabei blleb ganz unbeachtet, daß nach langer Pause wieder einmal eine Nachfrage nach Spiegeleisen aus Amerika nach Deutschland gekomnren ist. Erwähnt sei hier nur daß Bochumer von 209 bis 207 zurückqingen und Laurahütte von 253.60 bis 250.

Neue japanische Kriegsanleihe. Englischen Mel­dungen aus Tokio zufolge steht eine neue japcuüiche Kriegsanleihe im Betrage von 80 Mill. Pen. bevor. Es ist anzunehmen, daß es sich wiederum um eine innere Anleihe handeln wird.

Witten, 13. Sept. Unter Führung des A. Schaafst hausenfchen B an k vereins ist eine Berawerks-Be-- trieb sgesellschaft in der Bildung begriffen, welche die Ausbeutung eigener und fremder Kohlenfelder sowohl im Süden als ün Norden des Ruhrbezirks bezweckt. (Die »Voss. Ztg." bemerkt hierzu: Falls diese Meldung zutrifft, dürste es sich wohl in der Hauptsache um die Aufschließung der der inter­nationalen Bohrgesellschaft gehörigen Kohlenfelder handeln.)

Märkte.

ke. Franks urt a. M., 13. Sept. Heu- und Stroh­markt. Heu kostete heute Mk. 3.604.00, Stroh Mk. 1.90 bis Dlk. 2.20. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Sehr fest.

)( Marburg, 13. Sept- Der heutige Herbstpferde- markt, verbunden mit Verlosung, brachte unserer Stadt leb­haften Verkehr. Ter Austrieb von Pferden, teils prächtigem Ma­terial, belief sich auf 258 Stück einschl. 70 Fohlen. Bei der Ziehung, welche nachmittags stattfand, fielen die 15 Haupt­gewinne, von 1 cm gerechnet, auf folgende Nummern: 778, 10 901, 47, 389, 5832, 3158, 4823, 6556, 8265, 11502, 5087, 55, 5536, 6974, 1469. Den ersten Preis erhiell der Gastwirt Henkel in Reddehausen.

Gerichts »aal.

Dresden, 13. Sept. In dem Prozeß Hahn wurde der Hauptangeklagte Geh. Kommerzienrat Viktor Hahu wegen Unterschlagung zu vier Jahren Gesängnis und 3000 Mk. Geldstrase, die Mitangeklagten, Prokurist Fritz Hahn zu 100 Nik. und Prokurist Kühne zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt.

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Bekanntmachung.

Nachdem die Abstinrmung über den Antrag oes Detaillisten­vereins auf Etuführurrg des 8 Uhr-Ladcuschlusses beendet ist, liegt die Liste mit dem Ergebnis der Abstimmung vom 14. bis einschließlich 27. d. Mts. auf dem Bürgermeisterei-Bureau, Zimmer Nr. 14, zur Einsicht der beteiligten Geschäftsinhaber offen. Inner­halb der gleichen Frist können etwaige Einsprüche gegen den Ein­trag der Abstimmung in diese Liste schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Nach Ablauf dieser Frist vorgebrachte Einsprüche bleiben unberücksichtigt.

Gießen, den 10. September 1904. B13/^

Der vom Großh. Kreisamt Gießen bestellte Kommissär: ___________________Eursch mann.____________________ Gewerbeschule Mdda.

Unter Staatsaufsicht stehende 3 f(affige gewerbliche Fachschule für alle Berufszweige, insbesondere für Bauhaudwerker.

Beginn des Unterrichts Ende Oktober.

Anmeldungen sind bis zum 15. Oktober d. I. an den unterzeichneten Hauptlehrer zu richten, ivelcher auch nähere Auskünfte erteilt. D17/8

Für den Auffichtsrat: Die SchuUeituug:

C. Ringshausen, Höhn,

Vorsitzender.Großh. Hauptlehrer.

Nächsten Freitag, de« 16. d. Mts., nachmittags

1 Uhr, soll das hiesige Ge- meindeobst (Aepfel «ud Zwctsche«) meistbietend ver­steigert werden. Der Anfang ist beim Ort. 7330

Muschenheim, 13. Sept. 1904. Großherzogl. Bürgermeisterei.

Becker.

Bekanntmachung.

Jagdhund,

braun und weißgefleckter Hühner­hund weiblichen Geschlechts in Odenhausen zugelaufen. Eigen­tümer mag sich beim Gemeindc- vorsteher daselbst melden. |Bu/e Krofdorf, den 12. Septbr. 1904.

Der Bürgermeister: J.V.: Pausch.

Obst-Versteigerung.

Der diesjährige Ertrag von Obst an den nachbenannten Kreisstraßen soll aus bem Stand versteigert werden und zwar:

Donnerstag den 22. d. Mts. auf der Straße Butzbach Ober-Hörgern Eberftadt Lich, an- fangend vormittags S* l/2 Uhr bei Ober-Hörgern an der Kreisgrenze.

An demselben Tage anfangend nachmittags 2 Uhr bei Lich auf der Straße LichLangsdorf.

Freitag den 23. d. Mts. auf der Straße Lich Steinbach Gießen, ansangend vormittags 9 Uhr bei Lich.

Bemerkt wird hierzu, daß an vorgenannten Strecken etwa 250 Ctr. Obst vorhanden sind, welches größtenteils aus Tafelobst besteht.

Gießen, den 13. September 1904. B,l/9

Herrmann, Kreisstraßeumeister.

WmjteiMq.

Donnerstag den 15. d. M., vorm. 9 Uhr ansangend, soll das der Gemeinde Rödgen ge­hörige Obst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, unter den daselbst bekannt- gemachten Bedingungen ver­steigert werden.

Die Zusammenkunft ist beim Teich oberhalb des OrteS.

Rödgen, den 12. Sept. 1904. Großh. Bürgermeisterei Rödgen

Stein. 7320

la. KeWn

trockene Ware, p. Pfd. 6 Pfg^ 10 Pfd. ä 5 Pfg^ 20 Pfd. A 4x/a Pfg., p. Zentner Mk. 4.. a/9

Soeben wieder frisch eingetroffen:

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