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14.9.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 216

Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'scheu UntverMätSdruckeret. 9L Lang», Gieß«.

Redaktion. Expedition u. Druckerei: Schulstr.«. ieL Nr. 6L Tel eg r^-Adr. i An-elger Gietz«.

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 14. September 1904

Erscheint täglich Ausnahme des Sonntags. d 9

Die Lietzener ZamMenblatter- werden dem S A gT Hl lllt

»Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt. Der ' NW f H WM W W [1 U W ZU i | | (1 | 0

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General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.

Aas Auslaufen des baltischen Keschwaders.

Rußland hat das Wagestück imternonrriten, die Ostsee- fTotte, soweit sie sich bis jetzt seeklar machten ließ, ganz rn Ostasien einzusetzen. Eine Expeditton von solcher Stärke ist noch niemals auf so große Entfernungen von einer Station ausgesandt Morden, und gelangt sie auf den Kriegsschauplatz, so befindet sich alles, was Ruß­land mit Ausnahme der Schwarze Meer-Flotte an g e - fechtsstarken Schiffen zurzeit besitzt, in Ost- a s r e n. Bei der Haltung Englands ist diese Entsendung sicher ein »gewagtes Unternehmen; denn auch bei strenger Wahrung der Neutralität kann bei Englands Macht tn der Beherrschung der Straßen und der Seekabel bloßes Uebelluollen oder auch nur Passivität schlimme Folgen haben. Auf dem ganzen weiten Wege sind, wie derDtsch. Dagesztg." von militärischer Seite geschrieben wird, die Schiffe nur auf ihre eigenen Hilfsmittel angewiesen, sowie auf die, welche für fie russischerseits bereitgestellt wur­den. Sie müssen also vor allen Dingen stets ge­nügend mit Kohlen versehen werden können, weil in den neutralen Hafen ihnen Kohlen nicht gegeben werden dürfen. Proviant werden sie wahrschein­lich erhalten, Wasser sicher, aber England hat verboten, an sie Kohlen abzugeben. Man darf dieses Verbot freilich nicht allzu tragisch auffassen, denn es gilt vorläufig nur für die britischen Mittelmeerhäsen Gibraltar, Alexandria, Malta, sonst verkauft England Kohlen an Rußland, soviel es haben will, und im Mittelmeer sind für die Russen Kohlen auch stets zu haben, beispielsweise so: Ein britischer Kohlendampfer fährt nach Port Said, inzwischen kauft Schiff und Ladung von den privaten Inhabern Smith u. Eo. der Italiener Mäher und verkauft die Ware weiter an die Russen, ja Smtth u. Eo. kann sogar direkt an die Russen verkaufen, denn nur die Regierung in den genannten briti­schen Häfen soll keine Kohlen liefern oder leider:, daß sie dort eingenommen werden. Rußland hat für die Be­kohlung seiner Kreuzer ganz gut gesorgt. Als der britische KreuzerForte" die HilfskreuzerSmolensk" undPeters­burg" endlich fand, hattePetersburg" gefüllte Bunker, Smolensk hatte Mangel, dem er aber durch Uebernahme von einem bestellten Kohlendampfer alsbald abhalf. Ein- fach wird sich die Versorgung auf der 25 000 Kilometer langen Reise ja nicht stellen, abev. gewiß ist dieser Punkt nach allen Richtungen erwogen worden.

Die Starke des Geschwaders stellt sich un­gefähr folgendermaßen: Linienschiffe:Kujäs Jsuworoff", Imperator Alexander HI.",Borodino",Ostablja",Na- darin",Ssissoy Weliki" alle auf russischen Werften gebaut, modern armiert, gut geschützt, die beiden letztge­nannten nicht ganz modern, die drei ersten gan zneu und zum erstenmale in Dienst. Diesen sechs Linienschiffen hat Japans Flotte zurzett nur vier entgegenzustellen, da trotz aller Widerrede doch zwei eines außer dem auf eine Mine gelaufenen ,Latsuse" bei allen Zusammenstößen gefehlt haben.

Drei Japaner sind eo. 2000 To. größer als die neuen drei Russen, die Armierung ist gleich, die Japaner dürften jedoch durch die lange JndiensthaltuNg gelitten haben. Zu den Russen muß man aber ferner die doch noch vorhandenen fünf Linienschiffe zu Port ArthurSsewastopol",Poltawa", Pereswjet",Pobjada" undRetwisan" rechnen, sodaß Rußland, falls seine Ostseeschiffe glücklich in den ostasiatt- schen Gewässern erscheinen, Port Arthur nicht gefallen und die Flotte dort nicht vernichtet ift, über 11 Linienschiffe von 133 720 To. Deplacement gegen 4 Japaner von 58 580 To. verfügen würde. Aber diese Ueberlegenheit erhält einen argen Stoß dadurch daß die Russenflotten nicht vereint find, daß die fünf Schiffe zu Port Arthur von 60 900

Tonnen immerhin bedeutend zerschossen wurden und ihre Reparaturen dort kaum in wünschenswerter Weise ans- fuhren konnten, und daß von den sechs Russen aus der Ostsee von 62 820 To. zwei Schiffe mit 18 750 To. als älter abgehen, sodaß nur vier moderne Linienschiffe von 44 070 die gleiche Zahl von 58 580 To. stehen.

Natürlich werden noch so mancherlei Ereignisse das qeqen- jeitigc Starkeverhältnis bis zu den entscheidenden Zu­sammenstößen verändern.

Panzerkreuzern modernen Typs besitzt das N'^lchwader zurzeit keinen. Denn die ausgehen­denAdnnral Nachimoff" undDimitti Donskoi" sind alte Herren von 1885 und 1883, den acht neuen japanischen unbedingt nicht gewachsen.Nachimoff" ist 1899 zwar um- gebaut und modern bestückt, schneller ist er aber nicht ge­worden und seine 15 Meilen Fahrleistung ist für einen Kreuzer minimal. AuchDonskoi" wurde 1895 renoviert ixrtp erhielt lange Kanonen, sollte aber schon vor dem Kriege als Schulschiff nur Verwendung finden. Falls es sich bestättgen sollte, daß Argentinien die Panzerkreuzer General Belgrano" undPueyrredon" nach Rußland ver­kauft habe, würde diese Lücke im Geschwader wenigstens etwas ausgefüllt sein. Die kleinen KreuzerAurora", Almaz" undSmettana" von 1903 und 1896 haben ge- rnrgen Gefechtswert, sind aber ziemlich schnell.

Japan besitzt sehr viel überlegene. Die Torpedo­boot-Zerstörer werden die Fahrt sehr hemmen und, weil sehr häufig mit Kohlen zu versehen, stete Sorgen­kinder der Flotte bleiben; im Gefecht haben solche Fahr­zeuge bisher nie etwas geleistet. Das Mittelmeer wird der nächste Sammelpunkt der Flotte sein, vielleicht ein französischer Hafen, vielleicht ein anderer, etwa der Piräus. $nJ??0'?.eirre der HilfskreuzerOrel" als Lazarettschiff vollständig ausgerüstet und am 9. September geweiht wor- den. Man war also in Unrecht, diesem Schiff der frei­willigen Flotte Betrug vorzuwerfen, als es mit der Flagge des Roten Kreuzes durch die Engen von Konstantinopel gmg. Im Mittelmeer befinden sich außerdem noch die KreuzerTerek" undUral", die sich dort anschließen und rm Indischen Ozean sind die bersichttgten ,-Smolensk" undPetersburg", die natürlich auch mitgehen werden. Dazu kommen die Trainschiffe, dieOkean", der als Repa­raturschiff dienen soll und die Kohlenschiffe.

Da es mit modernen Apparaten keine allzu großen Schwierigketten macht, Kohlen auf See, sogar in Fahrt, zu übernehmen, so wird das Geschwader überhaupt nach Möglichkeit vermeiden, neutrale Häfen, namentlich britische, anzulaufen. Alle Bewegungen dieser Flotte sind von hohem Interesse, ganz abgesehen von ihrem Zweck, denn es wird ich zeigen, ob eine so starke Schiffsmacht, ohne jede Unter- tützung in neutralen Häfen zu finden und ohne int Besitz eme§ einzigen Ruhepunktes zu sein, eine so weitgehende Unternehmung zu gutem Ende führen kann. Die Ja - inner aberhaben allen Grund, die Vernicht­ung der in Ostasien noch vorhandenen feind­lichen Schiffe auf jede Weise anzustreben, was ihnen bei denen von Port Arthur möglicherweise gelingen dürfte, und sie sahen die Gefahr aus der Ostsee auch längst herankommen; jedoch ist sie nicht so bedeutend geworden, wre man anfangs in Rußland wünscht und sagte: zwei Linienschiffe, zwei Kreuzer sind nicht ferttg geworden.

VaMische Tagesschau.

Der oldenburgische Minister Rnhstrat

läßt sich nicht interviewen. Ein Sendling der BerlinerMor- ^jenpvst^ sollte Herrn Rnhstrat fragen, was er zu tun gedenke, da ihm doch vom OldenburgerResidenzboten" der Vorwurf

^ene n ein e is gemacht worden war. Das ol^nburger Matt hatte, wie wir schon berichteten, behauptet, baß der Mrmster bis m die neueste Zeit hinein gespielt habe, wahrend Ruhyrat m dem Presse gegen den Redakteur Bier- mann das Gegenteil bestbworen hatte. Auf diesen schweren Vor- KlirL to<.re fetn Verfahren gegen Biermanns Blatt eingeleitet.

Ruhsttat will jedoch nicht dem neugierigen Ullstein-Blatt Rede und Antwott stchen. Aus Ponttesina sandte er dem Inter­viewer folgmde Postkatte:

Ihr Schreiben vom 12. d. M. erhalte ich hier heute. I ch denke gar nicht daran, einen der Ihrigen zu empfangen und bitte mich nichtwieder zubelästigen. Schrei­ben können Sie über mich, was Sie wollen.

Ponttesina, 30. 8. 04. Ruhstrat (Oldenburg).

Ruhsttat scheint die Ansicht des Frhrn. v. Mirbach $n teilen, daß ihn derDchmut, der Pr:sse nicht emidjen könne".

Uebrigens kündigt ein Oldenburger Blatt an, daß der Affäre Ruhstrat demnächst ein Ende gemacht werden solle. Der manchmal offiziöseOldenb. Gen.-Anz." schreibt:

Alles hat seine Grenzen, und die Grenzen mit Bezug auf die Beleidigungen gegen Minister Ruhstrat sind schon längst weit überschritten, so daß in diesem Falle jede vornehme Ruhe unangebracht und sowohl für die Person ge* jährlich als auch für das Land, in dessen Ministertunr Herr Ruhstrat einen der verantwottungsvollsten Posten be­kleidet, verhängnisvoll ist. Und wir würden der ganzrn Sache noch keine Bedeutung beilegen, wenn die heftigen Angriffe gegen den Minister nur vomResidenzboten" ausgingeu; die Rubsttat-Affäre ist aber allmählich zu einer LandeS- und Rei^san^elegenheit geworden, die nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist und die so oder so einer klaren Entscheid um g bedarf und sie auch finden wird."

*

Das Programm des neuen Ministers deS Innern.

_ Tie von uns schon kurz erwähnte Unterredung des Fürsten Swiatopolk -Mirski mit dem Bettchterstatter desEcho de Paris^' liegt jetzt im Wortlaut vor. Danach ließ sich der neue Minister folgendermaßen aus:Es hat mich nicht gerade be­geistert, als Seine Majestät mich als Minister berief, nicht etwa aus Furckst vor der Verantwortting oder den Arbeitsansprüchen, die dieses Amt mit sich bringt. Ich bin nicht sehr stark und gesund, da ich an Asthma leide. Aber alle diese Gründe ließen den Zaren eindruckslos, und da er an meinen Patriotismus appeUiette, fo mußte ich nachgeben... Große Aenderungen in der inneren^Politik Rußlands sind von mir nicht zu erwarten; aber ich gedenke dem Programme zu folgen, das in der Kund­gebung Seiner Majestät vom Februar 1903 aufgestellt worden ist. Indem .ich mich auf die von unserem Herrscher gelegten Grund­lagen stütze, werde ich mich bemühen, mein Vorgehen mit einem wahren und weiten Liberalismus zu drrrchdringen, so weit dieser Liberalismus nickt die feste Ordnung der bestehenden Einrichtungen zu ändern vermag. Als Provinzler und als Freund der Provinz, in der ick den größten Teil meiner Laufbahn durch- gemackst habe, bin ich ein entschiedener Anhänger derDezentra- lisierung. Ich bin der Ansicht, daß nicht alle Fragen ihre Lösung in Petersburg finden müssen. Ich werde deshalb den An- sickten des Kaisers gereckt werden, indem ich unseren Provin­zial- und Gemeindeversammlungen, den Semstwos, die größtmöglichen Vollmachten gefre, nm ihre Ange­legenheiten den Volkswünschen entsprecheitd in allen Fragen zu regeln, die die Schulen, die Verproviantierungen, die Landstraßen, die Eisenbahnen usw. betreffen. Unsere innere Sage ist, ahne gerade außerordentlich ernst zu sein, sehr verwirrt. Durch eine gute Organisierung der bäuerlichen und lädtischen Semstwos werden wir den Parlamentaris­mus vermeiden, dessen Regime, wie es beispielsweise in Frankreich zur Durchführung kommt, nicht gerade aufmnnternd ür uns ist. .Uebrigens scheint mir nur England ffck in votteil- hafter Weise mit dem parlamentarischen Regime abznfinden. Sie Tagen mich, was ich zu der Idee sage, verantwortliche Minister zu sckmffen? Verantwottlick wem gegenüber? Alle Minister hängen allein vom Kaiser ab, der Herrschier von Gottes Gnaden ist. Rußland ist für den Parlamentarismus nickt reif. Deshalb muß man den Ministern ihre augen­blickliche Rolle lassen, die darin besteht, den Willen des Herr-

Kleines Aeuisseton.

Die Hauptversammlung des Verbandes deutscher Touristenvereine begann in Heidelberg am 10. September. Beigeordneter Glüsing aus Darmstadt be­grüßte die Versammlung namens des Gesamt-OdenwaldÜubs und teilte mit, daß der Klub den Delegierten dieOdenwälder Spinn­stube", ein Buch, enthaltend Volkslieder, als Geschenk über­reiche. Die Lieder stammen zum Teil aus dem 15. und 16. Jahr­hundert, einige gehen bis ins 12. zurück. Pfarrer Lösche hielt einen kurzen Vortrag über Schüler- und Studentenherber­gen. In.warmen Worten sprach er für den weiteren Ausbau dieser Einrichtung und hofft auf einen schnellen Erfolg für den Fall, daß nicht nur diejenigen Vereine, die freies Quartier bieten, sondern auch diejenigen, die nur ermäßigte Preise anstreben können, sich zusammentun. Ms jetzt bestehen fünf Verbands- Vereine. Der Anregung, sick^ dem Aufruf gegen denWieder- aufbau des Heidelberger Schlosses anzuschließen, wurde von der Versammlung nicht stattgegeben, weil es nicht deren Aufgabe sei. Professer Lorentzen wies demgegenüber darauf hin, daß es sich um ein deutsches Nationalgut handle, sodaß der Touristentag nicht an der Sache vorübergehen sollte. Die Idee des Aufbaues sei durchaus noch nicht aufgegeben.

Die 5. Hauptversammlung des Deutschen Forstv e re ins begann in Eisenach am 13. September.

stach Eintritt in die Tagesordnung erschien Großherzog Wilhelm Ernst, der im Automobil gekommen war, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Den ersten Punkt der Tagesord­nung bildete die Beschlußfassung über den Ort rmd die Ver- audlungsgegenstande der 6. Hauptversammlung 1905. Auf Vor­schlag des Forstwirtschaftsrats wurde fttt 1905 Darmstadt jno für 1906 Danzig in Aussicht genommen. Forstrat Matthes- ' isenach hielt nun einen Vorttag über das Thema:Welche neueren Forschungen und Beobachtungen liegen über die Bedeut- nng des Humus für den Wald vor?" Als Korreferent fungierte Professor Tr. Vater-Tharandt.

Berlin, 13. Sept. In der dritten Sitzung des fünften imtemationalen Dermatologen-Kongresses wurden Vor­lage g holt u über Professor FinsenS medizinisches Lichtinstitut, « oron sich Diskussionen über die Finsen- und Röntgen Methode Waffen; ferner über das Blut Syphilitischer, intensive Queck- 1 'Tbcrfuren, Untersuchungen über die Aktion deS Quecksilbers ruf svphllitischeS und gesundes Gewebe, Blutbefunde bei Hant- M'ati ffreiten usw.

ä Innsbruck, 13. Sept. Gestrrn abend fand bei dem lvfang der Leilnehmer des Fiiristen- ! rges statt. Zu Beginn der heutigen Plenarsitzung des Ju-

ttstentages verlas der Präsident die Danktelegramme, die von Kinser Wilhelm II. und Kaiser Franz Josef als Antwort aus die gestrigen Huldigungstelegramme eingegangen sind. Die Verlesung der Telegrarrrme wurde stehend angehört.

Ein interessanter Fall von Mimikry wird in der letzten Nummer des Prometheus be-sprochen. Der dort mitgterlte Fall ist insofern besonders interessant, als er eine Schutzmaßnahme nicht nur eines Individuums sondern einer ganzen Tierversammlung darstellt (wenn anders es sich hier wirk­lich um Mimikry handelt, d. Ref.). Neber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. So gibt es denn Vögel, die ge­wisse, uns gerade ekelerregende Leuchtzirpen und Blattläuse zum Fressen reizend finden. Im vorliegenden Falle handelt es sich um eine Verwandte der Flata pallida, eine in Britisch-Ostafrika bcimi'f$e Leuchtzirpe, deren Geschlechter in zwei verschiedenen Farben, rot und hellgrün, auftreten, während die Larven wollig sind und meist lange Fäden einer wackisattigen Substanz aus­schwitzen. Was tun nun die Tierchen, instinktiv gewitzigt durch eme vielleicht Jahrtausende lange Erfahrung, um den Nachstell- imgen der Vögel zu entgehen? Sie setzen sich regungslos an kahle Pfltmzenstengel, dicht gedrängt, zu unterft die Larven, dann die rötlickz-braunen und schließlich Pie hellgrünen Exemplare. Das ganze sieht eine Blütenähre täuschend ähnlich und wird an­scheinend von den Vögeln gar nicht beachtet, allerdings ein sehr seltener Fall der Vergesellschastung zu Schutz und Trutz. Aber man wird Professor Gregory Glauben schenken müssen, der die Erscheinung öfter beobachtet und auch photographiert hat.

Diejapanifche Lyrik war, so berichtet Otto Hauser- Wien in einem Aussatz im Septemberhest vonNord und S ü b", nach ihrer ersten Blüte, die in die Zeit des mitteleuropäi­schen Minnesangs fällt und wie dieser vor allem Lenz und Liebe besang, zu einer rein technischen Wortkunst erstarrt, die gc- Mungen war, ihre Gesilhle in ewigen Fünfzeilern zu je 31 Silben auszudrücken, was etwa nnserrm, Sonettenschema gleich- kommt, wobei das japanische Tanka freilich weder den Zwang des Reimes noch einen festssihendeu Rhythmus kennt. Da her gann die japanische Moderne mit Uebersetzungen aus abendländi scher: Literaturen, ähnlich wie unsere setzte literarische Revolutiou französischer, nom»egischer und rrissischer Geist erzeugte oder doch wenigstens entbinden half, und zur selben Zett, da bei uns die Brüder Hatt ihrekritischer: Waffengänge", begannen, 1882, gaben in Japan drei Vorkämpfer der neuen Riclstung, Professor Toyama Masakazu, Patabe Ryokicki und Tetsujiro Jnouve, das erste Buch$ebid>tc im neuer: Stil", dasSintaisi>i-sho" heraus, ein dünnes Heft, das fünf Orichualdichtuugeu und 14 lÜber­tragung en ausländischer, bis aus ein französisches Frühlingslied dos Charles d'Orlöans, der englischen Literal ar entnommene Ge­

dichte und Dramenszenen Shakespeares enthielt, darunter den Lmmlet-Monolog.

Als einer der Bahnbrecher der modernen Malerei, der diese um viele neue Ausdrrrcksmittel bereichett hat, ist erst in neuester Zeit der EngländerThomas Gainsborongh zu richtiger Würdigung gelangt. Mit Reynolds an der Spitze der nationalen Kunstentwickelung Englands stehend, ist er un- zweifelhast der genialere und ursprünglichere von beiden, der das Beste seiner Kunst, die Frische der Auffassung und die un­vergleichliche Leichtigkeit und Sicherheit seiner malerischen Dar­stellung nur sich selbst verdankt. Bei seinen Zeitgenossen war er bloß als .Bildnismaler geschätzt, anfangs als Darsteller der Gentry, des Landadels, dessen bürgerliche Solidität er meister­haft zu ckmrakterisieren verstand, später auch des Königshoscs und des Hochadels, wahrend feine Landschaften bei seinen Leb­zeiten nur geringes Verständnis fanden. Und dock hat er gerade mit ihnen auf das ganze 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein nackchaltig eingewirkt, wie Gustav Pauli in einer Cha­rakteristik des Meisters nachweist, die als 71. Band der von H. Knackfuß herausgegebenen Künstlermonographien (Vielefeldund Leidig, Velhagen u. Kissing, mit 81 Abbildungen, Breis 3 Mk.) esschi-enen ist. Ein tiefer Kenner englischen Lebrns und englischer Kimst, erflärt uns hier das Wachsen und Werden des Künstlers aus seiner Ze't und aus seiner Umgebung, deren Produkt er war> der er doch mit innerlicher Freiheit gegen­übergestanden hat Gainsborongh hat die gesellscl-astlick höabst- geftellten und geistvollsten Männer und Frauen feiner Zeit por­trätiert, aber weitaus mehr als die D:rgestellten interessiert unS die geniale Art seiner koloristisck)en Darstellung, die in seinem Biographen einen feinsinnigen Dolmetsch gefunden hat.

I n des Komponisten Humperdinck Villa in Boppard a. Rh. waren, wie wir berichteten, Diebe einqc- b r o cf) en und hatten dort Silberzeug gestohlen. Dem Meister ging aus diesem Anlaß, wie der ,B. B.-C," erzählt, nachstehendes Posm zu:

Mitternacht im Mondenscbeine Schlichen sie auf leisen Sohlen, Um aus dem verschlospnen Schreine Frech Dein Silberzeug zu holen. Doch Justitias flinke Geister Griffen fle da half fein Leugnen, Ungestraft vom Tönemeister Hat kein Strolch was anzueignen. Ach, daß gleich Geschick mit Grausen Jene Gauner nicht erfuhren, Die am hellen läge mausen Gold aus Deinen Partituren!