Ausgabe 
14.9.1904 Erstes Blatt
 
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erstes Blatt.

154. Jahrgang

Mittwoch 14. September 1904

B

Schnlpratze ?

Cbrefle für Devefchen: Anzeiger Gieße«.

Ferujprrchan^chlußNr 51.

Nr. 216

BrfActnt ESgltch

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener KamUien« Glätter viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck il Ver­lag der Brühl 'schen Univers.-Buch-u. Stein« druckerei. 8t Bange,

GietzenerAnzeiaer

M General-Anzeiger "

Amts- und Anzeigeblatt flr den Kreis Gießen

VezngSpreiO, monatl»ch7b PI., viertel« jährlich DU. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel« fährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die TageSnummer bi« vormittag« 10 Uhr. Zeilenvrei«: lokal 12Ps^ auswärts 20 Psg.

verantwortlich iür den volit. und öligem. Teil P. ©ittfoi für .Stadt und 2anb' und .GerichtSsaal^: August Goetz, für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Ile ßenflge Kummer umfaßt 10 Seiten.

Aiirft Kerbert DismarL.

DieHcrmL. Nachr.", das Bismarckblatt pwr eyceTCettce, teilen zu dem Befinden des Mrsten Herbert Bismarck mit, daß der ZusdanL» des Fürsten allerdings besorgnis­erregend, namentNch die Schwächte bedenklich ge­wesen sei, es sei jedoch falsch, das Befinden, wie mehi> fach gemeldet, als hoffnungslos zu bezeichnen; viel­mehr hätten die $Ter$te durch aus nicht jede Hoff­nung aufgegeben. Die Krankheit besteht dem ge­nannten Blatte zufolge in einem chronischen Leber­leiden, das wieder akut ,geworden ist. Die Professoren Schweninger und v. Noorden aus Frankfurt a. M., die telegraphisch herbeigerufen wurden, sind wieder abi- gereist.

D.-B. Hd. meldet dagegen aus Hamburg vom 13. September: Heute ist das Befinden des Fürsten ein wenig besser als gestern. Immerhin wird noch mit einer Lebensgefahr gerechnet. Der Fürst ist körper­lich heravgekommen und sehr schwach. Er wird nur von seiner Gemahlin gepflegt. Außer ihr betritt niemand das Krankenzimmer.

DieFicks. Ztg." meldet aus Friedrichsruh folgendes Dom 13. d. M.: Der Zugang zum fürstlichen Schlosse ist für alle Fremden gesperrt. Die traurigen Nachrichten über das "befinden des Fürsten werden im Orte überall bestätigt. Am «Samstag vor 14 Tagen sah man ihn zum letztenmale am Bahnhof; er ging nur noch mit Mühe. Die Mutter Heiner Gattin weilt im Schlosse. Gestern ist auch Gräfin Nantzau, die Schwester des Fürsten, eingetroffen. Sonntag ßand eine Konsultation der behandelnden Aerzte mit zwei auswärtigen Professoren statt; auch Schweninger, der fast sinunterbrochen hier weilt, war zugegen. Fürst Bismarck Sat fünf Kinder im Mer Zwischen 13 und einem Jahr. Der älteste Sohn, der siebenjährige Otto, hat die Hellen Augen des Großvaters.

Fürst Herbert Bismarck war in den Kreisen der Rechten wiederholt zu größeren Dingen ausersehem Daß der Sohn des Mtreichskanzlers keine Aussicht hatte, an die leitende Stelle zu gelangen, obwohl einmal das Gerücht von seiner Berufung sehr bestimmt auftauchte das wußte er selbst wohl am besten. Hätte Fürist 'Herbrct im diplo­matischen Dienst des Reiches, etwa in London oder in Petersburg, Verwendung gefunden, so würde dies Wohl seinen München genügt haben. Doch erfolgste nichts in dieser Richtung. Wohl aber trat in Erscheinung, daß der s'ieichstagsabg. Fürst Bismarck wiederholt in scharfer Weise sjegen die Politik der Regierung Stellung nahm, haupt­sächlich in wirtschaftlichen Fragen. Graf Bülow erwiderte auf mehrere solcher Reden. Damals schien es, als ob Fürst Herbert von der Rechten als Vertreter desalten Kurses" ins Feld geführt werden solle, umgeben mit dem Glanz des berühmten Namens. Indessen schien Fürst Herbert die auf ihn gesetzten Erwartungen einigermaßen zu ent­täuschen. Seine Reden fanden verminderte Beachtung, und s chließlich zog sich der Fürst mehr und mehr aus der Oppo- lition zurück.

Volttische Tagesschau.

Za der Sriseuzeit.

th. Berlin, 13. Sept.

Ter Oberprasident von Hannover, Dr. Wentzel, soll unter allen Umständen ins preußische Ministerium. Die sonst gut r-rientrerteBörsenztg." bezeichnet .ihn nun auch als Nachfolger s ir den preußischen Kultusminister. Auch das mag Vermutung s?in, aber eine gewisse innere Berechtigung läßt sich ihr nicht absprechen. Denn Herrn Studt's Ministertage sind aller Wahrscheinlichkeit nach gezählt. Er ist keine Kampfnatur: auf Sturm aber deutet das Wetterglas für den preußischen Unter* richtsminister. Wenn nicht alles täuscht, wird der Kampf um die Volksschule auf der ganzen Linie entbrennen und an .Heftigkeit dem um den Zedlitzffchen Schulgefetzentwnrf kaum nach- siehen. Diesen Kampf erfolgreich zu führen, wird Dr. Studt vielleicht sich wenig Hoffnung machen.

Zur Vertagung der Marinevorlage.

R. Berlin, 13. September.

T'et preußische .Kriegsminister von Einem soll über den Ma­rinestaatssekretär v. Tirpitzgesiegt haben. Das Heer habe den Vorrang vor der Flotte, deshalb werde die Kreu­zer-Vorlage erst im nächstjährigen Herbst erscheinen. Derart wird in Berliner Blättern die Meldung besprochen, daß dem Reichstag in der nächsten Session em Flottengefetz nicht znigehen werde. ,

Tie Militärverwaltung hat in der Tat den Vorrang, denn s wächst muß die Friedensstärke des Heeres gesetzllch neu be­stimmt werden, voraussichtlich wieder für die Dauer von fünf fahren. . Dann aber ist bei der Beratung des Flottengesetzes von 1 900 seitens der Marmeverwaltung auf die Session 1905-06 n 'S wahrscheinlichen Termin für die Vermehrung der Anslands- kueuzer ausdrücklich hingewiesen worden. Von einemSieg" V s preußischen Kriegsministeriums über die Marineverwaltung kemn also nicht wohl die Rede sein. Das Vertagen der Kreuzer- ocgrlage als Ueberraschung zu empfinden, dazu ist vollends kein Anlaß. Es rechtfertigt und empfiehlt sich schon aus finan­ziellen Gründen. .Die Erhöhung der.Heeres-Prä- svtnz dürste nicht zu knapp bemessen werden und dement- urechend hohe Kosten verursachen. Bei den Neuforder- ingen für di e Flotte wird es kaum anders sein. Da ' pt für die Regierung doch der Wunsch naljtc, das' neue Marine- 'etz auf eine wohlfundierte finanzielle Grundlage zu stellew aber erst nach (ftneueeung der Handelsverträge sich isbauen lassen wird Die Handelsverträge wiederum erhalten T parlamentarische Siegel erst in der Session 1904-05. Schließ- n wird die Marineverwaltung bei der Ausarbeitung der neuen Ilattenvorlage möglichst abgeschlossene Erfahrungen aus dem See­

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Sept. Die Ankunst des Kaisers in (Sabine n ist nunmehr auf den 16. September festgesetzt. Die Abreise von dort in das ostpreußische Jagdgebiet wird am 19. d. M. erfolgen. Der Kaiser wird im Dezember der Stadt Bromberg einen kurzen Besuch abstatten.

Die Nachricht englischer Blätter, wonach die deutsche Kaiserin der Königin Elena von Italien ein Arm­band von Skarabäen nach Racconogi gesandt habe, bewahr­heitet sich nicht.

Gegenüber einem vor einigen Tagen erschienenen Artikel desB. £/, in welchem unter anderem behauptet wird, der Kronprinz werde nach seiner demnächst statt­findenden Vermählung im Refidenzschloffe in Hannover Wohnung nehmen, und eS kursiere das Gerücht, der Kron­prinz werde in ein militärisches Kommando nach Hannover versetzt werden, erklärt die »Nordd. Nllg. Ztg." die Angaben des betreffenden Artikels, abgesehen von dem politisch belang­losen Umstand, daß im Schloß in Hannover Bauarbeiten vorgenommen werden, für völlig au8 der Luft ge­griffen.

Wie die ,N. Ztg." entgegen anderen Meldungen von unterrichteter Seite erfahrt, begegnen die Handels­vertrags-Verhandlungen mit der Schweiz und Rumänien, ohne hoffnungslos zu sein, gewissen Schwie­rigkeiten.

Bei der am 28. d. MtS. stattfindenden Landtags­ersatzwahl in Bochum, an Stelle des verstorbenen Abg. Dr. Schultz, will dieMittel stand Spa rtci* mit einem eigenen Kandidaten auf dem Plane erscheinen.

Genosse* Singer ist an einem Venenleiden er* krankt und kann daher an dem sozialdemokratischen

krieg in Ostasien verwerten wollen, den das Eingreifen des baltischen Geschwaders einer neuen Phase entgegenführt. Aus allen diesen Gründen also ist es begreistich, daß die Regier­ung von der Einbringung der Marinevorlage für die nächste Session Abstand nimmt, und daß zutreffende Mitteilungen über den Jnhall dieser Vorlage von keiner Seite gemacht werden können.

Fahrlässiger Meineid.

Der Deutsche Juri st entag hat mit Mehrheit folgenden Beschluß gefaßt:Die fahrlässige falsche Aussage eines Zeugen ist nicht unter Strafe zu stellen." Für Deutschland hat diese Erllärung Bedeutung im Hinblick auf die in Vorbereitung befindliche Neugestaltung des Strafrechts. Nach dem geltenden Gesetz wird der fahrlässige Meineid, die unrichtige Aussage oder das Verschweigen von Tatsack-en aus Ver­sehen, aus Irrtum, nur baim nicht bestraft, wenn ein recht­zeitiger Widerruf des Zeugen stattgefunden hat, d. h., bevor eine Anzeige erfolgt ist oder eine Untersuchung eingeleitet wird oder ein Rechtsnachtell ans der Aussage für einen Anderen ent­standen ist. In allen übrigen Fällen ist auch der fahrlässige Falscheid mit harter Strafe bedroht.

Genau betrachtet, schwebt über jedem eidlich vernommenen Zeugen das Damoklesschwert dieses Paragraphen. Tenn wer, wes Standes er auch sei und welche Bildung er genossen habe, kann mit unumstößlicher Sicherheit von sich behaupten, daß seine Wahrnehmuna niemals .dem Irrtum oder der Täuschung unter­worfen ist, daß sein Gedächtnis ihn niemals im Stich läßt? Wie selbst in ganz kurzer Zeit nach einem Geschehnis die Aus­sagen der Teilnehmer des Vorgangs in Widerspruch geraten, das wurde ja wiederholt durch Versuche erwiesen, die Prof. v. Liszt- Berlin, ein namhafter Straftechtslehrer, angestellt hat. Ein ganz einfacher Tatbestand, dasjenige, was jeder mit eigenen Augen ge­sehen, sollte wiedererzählt werden. Die meisten Berichte ent­hielten Wahres stark mit Falschem gemischt. In der Erfahrung deS täglichen Lebens ist es nicht anders. Irgendein in größerer Gesellschaft zur Sprache gebrachter Vorfall macht ohne daß Klatschsucht übertreibend mitwirkt, was z. B. bei einem Vorfall rühmlicher Art ja ausgeschloffen wäre, bald in einem Dutzend verschiedener Wiedergaben die Runde. Und jede einzelne dieser Wiedergaben mag von einer urteilsfähigen Persönlichkett her­rühren, die sehr beleidigt sein würde, wollte man die Genauig­keit der Wiederholung anzweifeln. Ferner: wie manchmal wird der Ausruf eines sich selbst bei einem Irrtum Ertappenden ver­nommen :Ich hätte es beschwören können!" Aehnliche Beispiele ließen sich noch zahlreich ansühren.

Nun handett es sich bei Gericht häufig um Dinge, die vor Jahren s'ch er-'gnet haben U: b nicht nur nm Handlungen; Unterhaltungen, nnzelne Sätze, bisweilen ein einziges markan­tes Wort, das für die Schuldfrage von Belang ist, sollen mit mög­lichster Treue in die Gegenwart zurückgerufen werden. .Schon der Gebildete, deffen Gedächtnis geschult ist, der gewohnheitsmäßig dem, was um ihn v-orgeht, Aufmerksamkeit widmet, steht solcher Forderung oft hilffos gegerrüber. Wievielmehr jemand, der selten Gedanken hat bei dem, was er hört und sieht, auf dessen stumpfe Sinne Weniges Eindruck macht. Und doch werden täglich in den Gerichtssälen von Leuten aus dem Volk unter nachdrücklichem Hin­weis auf die Eidesleistung Bekundungen über Wahrnehmungen in einer ganz entfernt liegenden Zeit verlangt.

In einem Prozeß kam unlängst folgendes vor: Ein Zeuge wird befragt, was er sich gedacht habe, bei einer vor langen Jahren von einem der Angeklagten getanenauffälligen" Aeußer- ung? Der Zeuge schweigt. Er hat sich vielleicht garnichts ge­dacht. Ter Vorsitzende des Gerichtsbofes hält dem Zeugen ent­schiedenen Tones vor:Sie stehen hier unter Ihrem Eide, Sie müssen uns sc^pen, was Sie sich gedacht haben!" Zeuge weiß es nicht. Eine Stunde später ht derselben Verhandlung. Ein an­derer Zeuge bekimdet mit ziemlich großer Sicherheit, dies und jenes fei ihm wörtlich im Gedächtnis geblieben. Der Vorsitzende (höchst ungläubig):Was, nach all den Jahren wollen Sie das behalten haben r'

Die Bestrafung wegen fahrlässigen Falscheides wird hoffentlich aus dem Strafgesetzbuch entfernt werden. Wenn in manchem Fall das Unmögliche verlangt wird von einem Zeugen, so sollte nicht obendrein eine Strafe stehen auf der Nichterfüllung. Dem Irrtum sind wir alle unterworfen.

Parteitage zu Bremen nicht teilnehmen. Hergebrachter­maßen fiel ihm das Präsidium auf den sozialdemokratischen Parteitagen zu, und man kann ihm die Anerkennung nicht versagen, daß er sich stets leidlich aus der Affäre gezogen hat. Wer die größte Anwartschaft auf den Präsidialsitz für Bremen besitzt, wissen die ,®cnoffen* wohl vorläufig selbst nicht. Bebel dürfte sich für die Ehre bedanken. Ein humor­voll veranlagter Präsident wäre Auer. Der Süddeutsche v. Vollmar hält sich wahrscheinkich von der Wasserkante fern.

Lübeck, 13. Sept. Die Idee zur allgemeinen Kriegs­lage für die Kaisermanöver lautet: Das blaue Heer be­findet sich an der östlichen Grenze des Reiches. Das rote Armeekorps ist an der schleSwigschen Küste gelandet und am 6. September bis Hamburg gekommen. Die rote Flotte be­herrscht die Ostsee. Heute kam es zu einem lebhaften Kampfe zwischen der Garde und dem neunten KorpS in der Gegend nordöstlich von Gadebusch. Der Kaiser beobachtete den Verlauf des Gefechts bei Goddin und übernahm nach dessen Schluß, bei welchem das Gardekorps (blau) das neunte Korps (rot) in nordöstlicher Richtung zurück- gedrangt hatte, den Befehl über das Gardekorps.

Zu Ehren der hier weilenden Fürstlichkeiten und ber an den Manövern teilnehmenden Offiziere gab heute ber Senat ein Fest, an welchem Prinz Heinrich, Prinz Albrecht, Prinz Friedrich Leopold, der Großherzog von Oldenburg, Kriegsminister v. Einem rc. teilnahmen. Bei dem Festmahle hielt Bürgermeister Dr. Klug eine Ansprache, in welcher er ausführte: Unter den Augen deS Kaisers sind die Truppen zusammengezogen, und wir vergegenwärtigen uns, daß eine große Armee Deutschlands Sicherheit bedeutet und uns den Frieden bewahrt. Wir wissen, daß die Marine die Küsten behütet, den Handel schützt und willens ist, ihren Platz zu behaupten und weiter zu wachsen. Freudig bewegt und dank­bar sind wir für die zwiefache Ehrung, die uns vom Kaiser zuteil geworden ist. Nachdem schon drei Kreuzer die Namen der Hansastädte tragen, hat der Kaiser jetzt auch den hanseatischen Regimentern die Namen der drei Städte Ham­burg, Lübeck und Bremen beigelegt. Die unbegrenzte Für­sorge des Kaisers, welche sich auf alle Teile der Armee und Marine erstreckt, erfüllt uns alle mit dem Gefühle ber Dank­barkeit. Er brachte Hochs auf den Kaiser und die fürstlichen Gaste aus. Der Großherzog von Oldenburg er­widerte und hob hervor, er habe mit ganzem Herzen bte; Entwicklung Lübecks verfolgt. Vor allem die Bauten auf wafferwirtschaftlichem Gehiete gereichten Lübeck zur Ehre und er wünsche, daß die Unternehmungen und Wagnisse Lübecks weiter gedeihliche fein mögen. Die Rede schloß mit einem Hoch auf die Stadt Lübeck.

München, 13. Sept. Der deutsche Notarverein, der dieser Tage in München seine dritte Tagung abhielt, zählt 2400 Mitglieder. Der Verein gibt ein die Ürkunden- oerfaffungcn der deutschen Bundesstaaten umfassendes Sammelwerk heraus, das 79000 Mk. kostet. Justtzrat Waißler-Halle referierte über die Abschaffung oder Verein­fachung des Wechselprotestes. Es wurden folgende An­träge gestellt und angenommen: 1. Der Wechselprotest ist als Bedingung des Regresses beizubehalten, mit Ausnahme t>e8 Falles, in dem der Wechselinhaber den Protest bei sich selbst erheben lassen müßte. 2. Der Unterschied zwischen eigentlichen und uneigentlichen Domizilwechseln ist auszuheben. Den Protest zu fordern für alle Wechsel, in denen eine vom Bezogenen verschiedene Person als Zahlungsleister benannt ist- 3. Die niederen Postbeamten sind als Protestbeamten nicht zuzulassen. 4. Der Protest ist zu vereinfachen durch a) Fortfall der Abschrift de§ Wechsels, b) Fortfall der für daS Protestregister bestimmten Abschrift, c) Fortfall be§ Ge­bots ber Nachfrage bei ber Ortspolizei im Falle des Protestes.

Kolonialpost.

Berlin, 13. Sept. Aus eine offizielle Anfrage beS Vorstandes der Herz Jesu-Misston in der Südsee haben sich gestern in den Missionshäusern zahlreiche Patres, Brüder und Schwestern als Ersatz für die ermordeten Missionare in Baining gemeldet.

Das Blutbad in Neu-Pommern. Die Ur­sache der Nie denn etzelung der deutschen Missionare in Neu-Pommern (Deutsch-Neu-Guinea) war, nach einer Meldung deS ,Daily Chroniele" aus Melbourne, die Durch­peitsch ung eines eingeborenen DienerS durch den Pater Nascher wegen Gattenmordes. Der Pater hatte dem Diener die Ehescheidung verweigert, woraus dieser gemäß den papuanischen Bräuchen sein Weib tötete, sich die gewünschte neue Frau nahm und mit ihr zur Missionsstation kam. Dort wurde er von dem Pater durchgepeitscht, worauf er drohte, die Missionare zu töten, welche Drohung er nun auch zur Ausführung gebracht hat. Die Leichen der getöteten Schwestern sind furchtbar verstümmelt.

Neue Eisenbahn-Projekte sind für Kamerun geplant. Wie verlautet, entsendet das unter dem Präsidium deS Fürsten Hohenlohe-Ochringen stehende Kameni>l-Eisenbahn« syndikat in nächster Zeit eine neue technische Expedition nrä Kamerun, um weitere Vorbereitungen für den Bau einer großen Bahn nach dem Tschadsee quer durch Kamerun zu treffen. Auch der Bau einer Zweiglinie nach Banyo «n