Nr. 62
Zweites Blatt
154. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Hie öeuttge Kummer umfaßt 10 Seiten-
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Lamiiienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »helflsche Landwirf' erscheint monatlich einmal.
Montag 14. März 1904
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen ' Universttätsdruckeret. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulftr.7.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gteßen.
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sind. Man kann die Frage mrfwerfen: Ist es im einzelnen Falle nötig, eine solche Sache durctMführen? Und war dieser jetzige Prozeß nötig? Ich glaube ja, die Durchführung des Prozesses war nötig, in der Durchführung aber auch die größte Vorsicht. Lange Zeit hat es allerdings gebraucht, bis dieser Tag erschien und die Rechtsprechung erfolgen konnte über eine Angelegenheit, die eine schwere Erschütterung im engeren und weiteren Kreise zur Folge hatte. In einer derartigen Situation und durch eine solche Art steigert sich für den Vertreter der Anklage das Gefühl der Verantwortung in ungeheurem Maße. Niemals, so lange ich Beamter bin, bin ich mir so durchdrungen gewesen von dem Gefühl der Verantwortung für jedes Wort, was ich spreche. Ich habe schon in der Ver- Handlung betont, wie sehr ich das Bedürfnis empfinde, die Sache nicht durch die Brille der Voreingenommenheit zu sehen, sondern einfach als ein Diener der Wahrheit und Helfer zum Recht. Mit Leib und Seele Beamter, kann ich mich ja nur freuen, wenn eine Verhandlung das Ergebnis zeitigt, den Ehrenschild eines Beamten blank und rein erscheinen zu lassen und nicht blos des einen in der Sache «verwickelten, sondern auch aller der hier in Betracht kommenden Beamten, auf die bisher die Regierung volles Vertrauen gesetzt hat. Nach der Gestaltung der Dinge handelt eS sich in dieser Stunde nicht allein um die Feststellung der Wahrheitsliebe und des wilsenschiaftlichen Ansehens bloS des Angeklagten, sondern die Entscheidung, die von Ihnen getroffen werden soll, reicht weit über die Person des Angeklagten hinaus. Freuen würde ich mich und müßte ich mich, wenn es eine Gestaltung der Dinge gegeben hätte, die für alle Beteiligten im gleicb-N Maße das Ergebnis aezeitigt hätte, den Ehrenschuld aller Angehörigen der Beamtenschaft würdig zu erhalten: ich hege aber die schwere Sorae, daß diese Freude <hiir nicht beskhieden ist.
Zwei Ehrenrettungen hat d'e Verhandlung unbestreit- bar gezeitigt- die eine betrifft die Person des Derrn Dr. ^i^nbaum, die andere die des Derrn Kommerzienrat Stützel. Mit hoher Genugtuung konstatiere ich. daß Derrn Dr. Birnhaunr nicht, w'e es zuerst den Anschein hatte, in seiner Eiaenschgft afs Vertrauensarzt der ^amitie Lepsins der Vorwurf gemacht werden kann, al? hätte er im angeblichen Auftraa der Regierung Hnc Pression auf den Angeklagten ausüben Wolken, um ihn' zur Annahme seiner ^"nsionieiwng zu veranlassen. Die zweite Ehrenrettung ist die des Derrn Kammerzienrat Stütziel. Redner führt nu des Näheren aus, daß Stütz"l, wie die eZugin bekundet, ia kein Dehl au? seiner Ordensfreudigkeit machte: er sei aber selber Tänsckptngen ausgesetzt aewesen und stets bestrebt aewesen, nur gute Funde z<u liefern, an seiner Ebrenbaftiakeit sei nicht im gerinasten zu zweifeln Erst allzu spot sei ein anderer Umstand in die Verhandlungen gekommen, der, wenn er früher bekannt geworden wäre, viel Aufkläwmg gebracht und KanAikte vermieden batte, nämlich die Schwerhörigkeit de? An^slagten Dem Untersuchungsbeamten wäre seine Ausgabe um Vieles erleichtert worden und auch für Stütze! hatte sich eine andere Beurteilung der Person des Angeklagten ergeben.
Neber den Wert der hierher gesandten Fundstücke gingen, so führte Redner weiter aus, die Urteile der Sachj- narständigen weit auseinander. Gegenüber der geringen ^erhtnq der hiesigen Vertreter Haden die auswärtigen Sachverständigen wesentlich höhere 9ibschätzunaen gemacht, und es sei damit eine Klärung in ob'iektive^ Dinsicht ein gelten. Die Frage, ob' das nicht schon früher durch Atz- hörung des au.swärtiaen Sachlverständiaen hätte geschehen können, müsse er aus bm ganzen Umständen der Sache heraus entschieden verneinen.
Auf die fünf Punkte der Anklage näher eingehend, bemerkt der Redn-'r. daß he’- Angeklagte in seinen Berichf- ten an das Ministerium obiektiv nicht mit der nötigen Vorsicht und Sorgfalt vorgegauaen sei. Es wäre für den Angeklagten geboten gewesen, m-'t St'-tz^l vansichtig in Verbindung zu treten, da ihm doch bekannt war, dast es sich für diesen weniger um ein Wohlwollen für das Darmstädter Museum, als nm die Erlangung eines hessisckiien Ordens handelte. Män müsse auch fragen, warum er nicht mit seinem Kollegen von der arMologischtzn Mteilung wegen der Schenkung in Verbündung trat. Wenn von der Verteidigung als Motiv der Differenzen zwischen den beiden Herren die Frage der Unterbringung der gevlogischjen Sammlung im neuen Museum angenommen wurde, so glaube er, daß die Gründe tiefer lagen. Ende 1898 tauchte unter den Beamten die Frage auf, zumal der damalige Direktor, Geh. Rat v. Marguardsen erkrankt und hochbetagt war, ob den Interessen des Instituts nicht mehr gedient wäre, wenn statt des Juristen v. Marguard ein Fachmann mit diesem Amt betraut würde. Es sei darnach die Vermutung nicht unwahrscheinlich oder ungerechtfertigt, anzunehmen, daß der Angeklagte selber nach der Erreichung diese? Postens strebte, was ja durchaus korrekt und ehrenwert sein würde. @r habe ihn vielleicht ganz sicher dadurch zu e rreichen gehofft, wenn er die Stützelsche Sammlung einbrachte. L. trug sich bei seiner Reise nach München wohl mit der Hoffnung, daß sein Verdienst um die Einbringung einer so wertvollen Sammlung sehr wesentlich dazu bei- ^agen würde, ihn der Regierung für diesen Posten zu empfehlen. Redner erörtert dann die Frage, ob der Angeklagte, wenn er bei seinem Besuch in München nicht die Bemerkung des St. über die Steinbeilgriffe gehört, auch nicht die von St. behauptete Borze-gung der rekonstruierten Stücke gesehen habe. Jedenfalls liege keine sorgfältige Berichterstattung des L. vor, wenn er von v»ohlerhaltenen Werkzeugen, einem schön ausgeführten PfahBaudorf-Mvdell u. s. w. berichtete und die eammfung als „gut erhalten, ut geordnet und sorgfältig aufgestellt" bezeichnete. Das önne jedenfalls keine gewissenhafte BerüM-rstattung genannt werden. Redner geht nun auch die weiteren Punkte der Anklage näher durch und bespricht zum Schluß den Fall Wittich, in welchem er ebefallS für erwiesen halte, daß der Angeklagte nicht streng bei der Wahrheit geblieben sei. Der- elbe habe feine Amtspflicht verletzt und das in ihn gesetzte große Vertrauen getauscht. Mit der Größe des Vertrauens,
Dien für uns nicht heute so friedlich, so würde die Lücke, di: sein Tod unter den Führern der Armee gerissen hat, Dkdtch viel fühlbarer werden als es jetzt hervorgetreten ist.
Deutet doch alles darauf hin, daß die Entscheidung irr fernen O st en zwischen den beiden Gegnern allein wird und kriegerische Einmischung Dritter ganz aus- ä-ibm wird. Freilich weder für den laufenden, noch im l Mn enden Monat ist diese Entscheidung zu erwarten. Die japanische Flotte ist allerdings rastlos tätig. So ist sie cm 1'0. ds. Mts. wiederum vor Port Arthur erschienen, uni es zu sehr bemerkenswerten Zusammenstößen gekommen ist Die japanischen Torpedoboote haben sich wieder nach Euerem, die Neustadt von Port Arthur nicht unerheblich s 'Wißendem und totbringendem, äußerst heftigem Bom- £ mrbernent zurückgezogen.
Auf dem nördlichen Streitplatze scheinen die Rusten eine t Gronobte Taktik befolgen zu wollen, der vor einem Jahr- h-stiEirt der große Korse unterlag. Sie haben Korea oer- l.dssln, russiche Kavallerie hat die Grenzstadt Widju am uste in Brand gesteckt und die ganze Streitkraft ist £ lEbtr Äen Jalu zurückgegangen. Offenbar wollen sie vor den l^*wmern ins Innere der Mandschurei zurück- !gkkichien, ihnen dadurch die rückwärtigen Verbindungen ge- nNiig erschweren und sie dann erst mit überlegenen Kräften -~beir russische Kriegsminister spricht von 400 000 gegen .200000 — angreifen. Zunächst freilich werden die Rusten »i ri#n, die Jalulinie zu halten und jedes Vordringen der £Nonafr über diese hinaus abzuschlagen.
I ie Politik sucht oft wunderliche Umwege, um Mrk- IdUflgtn von Ereignisten weitab von ihrem Schauplatz herbei- 'z-.zsiihrren. So droht der Krieg im französischen Ma- rainenninifterium eine Korruption aufzudecken, wobei
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Dozeß slcpsius vor dem Aerwattungsgenchlshof.
(Schilußsitzung.)
Tie Ncrchslnittcrgssitzung begann um 3 Uhr mit dem Plap- do her des Staatsvertreters, Ministerialrat Dr. Braun, welcher ausführte: Cs ist abermals die Frage erhoben worden, ob ein hochgestellter hessischer Beamter auf dem Pfade der Pflicht geblieben ist, ober ob er ihn verlassen hat, und hervorragende deutsche Gelehrte, zum Teil von weither, sind aufgetreten, um uns die Prüfung dieser Frage zu erleichtern. Wann wird ein Ende sein dieser Fälle in Hessen? Muß nicht haS Land Schaden nehmen an >er Wiederholung derselben? Meines Erachtens nein, sie werden leider nicht zu vermeiden sein. Denn eng mit einander verknüpft sind in einem Staate die Personen und Tinge ,in demselben Maße, in dem ein Land kleiner ist. Leichter ist es in einem großen Staat, in welchem hin sichtlich der Stellenbesetzung ein freierer Spielraum besteht und wo daher solche Konflikte besser zu vermeiden
In lächerlicher Bekämpfung der Presse leisten ein paar Herren im hessischen Landtage das Unglaublichste. Besonders böse der bösen Presse ist Herr Köhler- Langsdorf, der von den Kammer-Journalisten ein Tentamen rigorosnm in rebus agraricis zu verlangen für recht und billig erachtet, derselbe Herr Köhler, der jüngst, als er als Zeuge von einem Gießener Tribunal vernommen wurde unb in Widersprüche geriet, zu allgemeinem Gaudium das schöne Wort gelassen aussprach: „I ch schwätz als gar Viel", wobei er an rechter Selbsteinschätzung nichts zu wünschen übrig ließ.
Ter Hauptvoranschlag ist glücklich erledigt. Er schließt in Einnahme und Ausgabe sür die Verwaltung mit 58676 378 Mark-und für das Vermögen mit 22 869 105 Mk. ab'. Der Beschluß zur Bildung eines Ausgleichsfonds bedeutet einen wichtigen Schritt zur Befestigung und Gesundung unserer Finanzwirtschaft, für den künftige Geschlechter dem Finanzminister Dr. G n a u t h und dem Landtag dankbar sein werden. ®r soll zunächst auf 6 Millionen Mark gebracht werden. Der Ausschußantrag, der die Regierung ersucht, die das Verbot des Selbstdispensierrechts der homöopathischen Aerzte aussprechende bezw. es einschränkende Mrordnung überhaupt zurüc^uziehen, wurde nach langer Debatte angenommen. Eine Anfrage, die Schädigung des Publikums durch den Zwischenhandel mit Schweinen und Schweinefleisch betreffend (der Bauer auf dem Lande erhält pro Pfund kaum 44 Psg., während der Käufer in der Stadt 70 bis 75 Psg. zahlen muß), beantwortete Staatsminister Rothe dahin, daß die Regierung hier nicht viel tun könne, daß sie aber in Zukunft in den Städten und Landorten die Einkaufs- und Verkaufspreise der Schweine durch öffentlichen Anschlag bekannt geben wolle. Ferner erfuhr man, daß die Regierung an dem Grundsatz der Abgabenfreiheit bei d er Schif f ahr t auf den Strömen festhalte. Abg. Cramer (Soz.) brachte eine Maßregelung von Arbeitern in der Darmstadter Wagenreparaturwerkstätte der preußischp-hessischen Eisenbahngemeinschaft, wo 7 Arbeitern wegen deren Zugehörigkeit zum Hamburger Eisenbahnverband unter Verstoß gegen die Koalitionsfreiheit gekündigt wurde, zur Sprache. Jinanz- minister Gnauth bedauerte, daß die Regierung nicht in der Lage sei, sich in die Grundsätze der Gemeinschaftsverwaltung in dem vom Abg. Cramer gewünschten Sinne einzumengen. Mit besonderem Neide blicken wir Gießener übrigens jetzt auf Darmstadt, wo das Hofthea- ter nun nach, Beschluß des Landtages umgebäut werden wird, während wir hier kaum noch Aussicht haben, bis zum Universitätsjubeljahre ein würdiges Festhaus zu besitzen.
her Versuch der Auslieferung militärischer Geheimnisse an den japanischen Militärattachee in Paris die Hauptrolle spielt. Der japanische Militärattachee erhielt zwei Briefe mit der Unterschrift Martin und beantwortete den zweiten dieser Briefe mit einer Einladung zum Besuche in seiner Wohnung. Noch nicht bewiesen ist, wer der Verfasser dieser Briefe ist. Der Ministerialunterbeamte Martin selbst und seine Frau stellen entschieden in Mrede, daß er den Brief geschrieben habe. Im Marineministerium selbst und in der Direktion der Sicherheitspolizei scheint man jedoch der Meinung zu sein, daß Martin sich an mehrere Marine- attachees gewendet hat, in der Hoffnung, Geldsummen aus ihnen herauszuschlagen.
' IN Ungarn ist es dem geschickten und sch-neidigen Grafen Tisza gelungen, endlich die Zerstörer der einheitlichen Armee zum Schweigen zu bringen und mit Besiegung der Obstruktion einen normalen Verlauf der parlamentarischen Verhandlungen zu sichern. Zur gleichen Zeit aber schreiben die Tschechen Taten und Auftreten der Russen keck auf allgemeine slavische Rechnung, und ihr Selbstbewußtsein schlägt von neuem mit Händen und Füßen um sich gegen die unbeaueme intellektuelle und kulturelle Ueberlegenheit der Deutschen in Böhmen In Prag und Wien kam es in der vorigen Woche täglich zu erheblichen Exzessen und stürmischen Szenen auf den Straßen und in den Parlamenten. Im östr. Abgeordnetenhaus blockierten Tschechen lärmend und schreiend die Präsidentenestrade. Cs wurde frech behauptet, der Wiener Universitäts-Rektor Escherich habe die deutschen Studenten aufgehetzt, und die Alldeutschen erwiderten, die Tschechen seien nicht wert, den Deutschen die Fußsohlen abzulecken. Am Samstag kam es sogar wieder einmal im Parlament zu Schlägen und Fauststößen. Obwohl in Wien am Samstag in einer gemeinsamen Versammlung der Vollzugsausschüsse der slavischen, italienischen und rumä- schen Studenten die Ein st ellungder Kundgebungen vor der Universität beschlossen worden ist, und obwohl der östreichische Ministerpräsident alle Teile zu beruhigen bemüht ist, hat man doch die Gewißheit, daß der Wurm nationaler Zwietracht in Oesterreich seine Wühlarbeit unaufhörlich sortsetzen wird. Erfreulich allein ist, daß die sonst einander heftig befehdenden deutschen Parteien Oesterreichs zur Bekämpfung der Tschechen sich geeint haben.
politische Wochenschau.
Gießen, den 14. März 1904.
Beunruhigung und Besorgnis hat die Aufhebung des $ 2 des IefuitengefetzeS im protestantischen Deutschland hervorgerufen. Weniger, daß eS die unmittelbaren Folgen Vnt» ,t>ic paar Jesuiten" fürchtet, als weil die Aufhebung die SVrmutung nahebringt, daß sozusagen der Appetit mit dem kffen kommt und bald jede Schranke beseitigt sein wird, die die ReichSregiening noch von einem unbedingten Paktieren mit dem Zentrum auch in allen Schulfragen zurückhält. DaS deutsche Volk in seinem nicht ultramontanen Teil ist geduldig, läßt sich eine Zeitlang nchig die Zipfelmütze über die Ohren ziehen, wenn eS aber schließlich gar nicht mehr sehen kann, darn erwacht der furor teutonicus, und ein Frühlingssturm ßffct durch die Lande, wie zu Zeiten der dränenden lex Heinze unseligsten Angedenkens oder bcS Zedlitz'schen Schulgesetzes. Der Berliner Hofprediger Dr. Rogge erläßt bereits eine geharnischte Erklärung, in der er auf die Folgen aufmerksam piacht und zum Beitritt zum evangelischen Bunde auf» fortoert. Der Leipziger StaatSrechtSprofeffor Binding meint zwar, daß die die Jesuiten ausschließenden Bestimmungen der LnrideSverfassungen ihre Rechtskraft behalten trotz Aufhebung de8 § 2 und eventuell des ganzen Jesuitengesetzes, wenn nicht d!e ReichSverfassung geändert werde. Diese Ansicht dürte aber von der Reichsregierung ganz gewiß nicht geteilt werfen. ES kann ja gar kein Zweifel darüber bestehen, daß ßutf Bülow hiermit den Herren Spahn, Bachem, Trim- bor« rc. die Hand hat schütteln, andererseits aber vor der Ml>ei- und einsichtslosen Menge als der »liberale Mann" M glänzen wollen, der ja nur die Forderungen eines Bennigsen unb der Demokraten nach Beseitigung von Aus- nohmegesetzen erfüllt hat. Daß er in Posen gleichzeitig die ersten deutlichen Schritte zu Ausnahmegesetzen gegen das Polk-ntum tut, verschlägt dabei nichts. Die urteilslose Menge fm sehr wohl wähnen, dieser Reichskanzler habe den rechten Be'>ekt vor der Mehrheit des Reichstages, da er ja nur nach dm Mehrheitsbeschlüssen deS Reichstags gehandelt hat. Jokos »ar dabei nur die Gespensterfurcht, mit der der ,Vorwärts" die Auflösung deS Reichstags am Horizont erblickte iinb für daß Frühjahr voraussagte. In parlamentarischen Rreii-en kursirt nach dem ,B. T." bas Gerücht, ber Reichs- ksizier habe in Bezug auf biefe neueste Wunberblüte beS vorwärts" geäußert: »Für ein RegierungS-Dementi )u himnt.* DaS stimmt!
Daß berndige bebeutsame politische Entschlüsse außerhalb iller Möglichkeit liegen, erhellt schon barauS, baß ber Ziffer am SamStag in aller Ruhe für mehrere Wochen dne Reise nach bem Süben zur Erholung seiner Kehl- kvosk'rankheit angetreten hat. Die Lonboncr ,Pall Mall Sajdte* erblickt ganz richtig in tiefer Reise ein günstiges Lniem für bie allgemeine Lage unb sagt, wenn ber Kaiser mtt für bebenklich halte, unter ben jetzigen Zeitumständen •jtin Lanb zu verlassen, so beweise bieS, baß die Regierungen ^enwädig von keiner Besorgnis beherrscht würben. Auch db' Tob WalberseeS hat an jene Zeit erinnert, als alle zivilüßeden Mächte gegen bie Boxerbarbarei gemeinsam auf- ünlern unb bas biplomatische Geschick beS verdienten deutschen MüärS in Ostasien friedliche Lorbeern pflücken konnte. ÄUsikmein hat man am Grabe WalberseeS rühmenb seine
Eigenschaften als Heerführer gerofirbigt unb ihm bie SMennung nicht versagt, baß ber „Weltmarschall*, von htm man doch skeptisch sagte, er sei in China nur da einmal ti= Feuer gekommen, als sein ASbesthauS niederbrannte, in udarr allerhöchst dekorativen Zeit, doch ber Versuchung Mßlich erfolgreich widerstanben hat, sich nach seiner Rück- bd -von China in Amerika unb Deutschlanb als politisches Lmidertier zur Schau stellen zu lasten. Wären die Aus-
i {Qnn, jucht im Btnbetfl, McMF lwarm°u.Delllail> achl Käuferin.
25 an die U Tüchtiges & lädchen de sür Wort gesucht.
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