Nr. 63
Montag, 14. März 1904
154. Jahrg
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen
von
Erscheint täglich mit Ausnahme be6 VonntagS.
Die ^Gießener Zamilienblätter" werden berr ,Anzei-ic otermo wöchentlich beigelegt. De «hesstj(> Land' tr» * erschein! monatlich einmal
Rotationsdruck rmb Vertag der Brühl'fch« UniverfttätSoruckerei. R. Lange, Eletzen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?.
Tel. Nr. 5L Tetegr^Adr.: Än-erg« Gießen.
Marlamsntarisches aus Kessen.
Die Abgg. Hirschel und Genossen beantragen, die Kammer wolle beschließen: Die Großh. Regierung zu er- suchc-n, im Einvernehmen mit dem Landtag das Hofjagd- vesen neu zu regeln und insbesondere dahin zu wirken, daß die zurzeit in Pacht der Großh. Hofjagdverwaltung befindlichen Jagden zum größeren Teil zur öffentlichen Aerst eigerung gelangen.
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Parlamentarische Perl>auSliinge».
Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.
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ff« SÄme Jk®et beule einen F Qhrt oder einen SaGck < °en er für den l,mnn danim in btn *'e Rech^rechunc, tunb lehr ichars ge'ch^ ,»t, aber e5 ift'febrb ®Qn)Q6nunq§(o§(tor- lein ganzes üermö^ c men. Und ME- ;ften§ bie UnanneWfe i alle Fälle beiaMen tuj - Serien diese Mbrec? 't bie HalWcht-Veriirmir lemäfc bie gesetzliche Prozeß unb bezahlen nlli id) bie VictoriaKö'" i sehr schnell zu einem Ke? eben ben auch schon tert? eine völlig neue Romf’wtr stetig steigenden krtch-t-? ?riont- und SrnffM-t itliche Prämie, teeäl Nochen- ine solche nimm licht-Gesah.' schützt, die aus n bedrohl,und
Deutscher Reichstag.
56. Sitzung vom 12. März.
11 Uhr. Das Haus ist sehr schwach beseht.
Am Bundesrat-tisch: v. Einem u. a.
Die Genehmigung zur Zeugenvernehmung des Dbg.
S t a u d y (lonf.) vor dem Amtsgericht in Posen in dem Endell- Prozcß wird versagt. .
Sodann wird die zweite Beratung des Militäretats beim Kapitel „Geldverpflegung der Truppen" fortgesetzt. Hier hat die Kommission 1000 Unteroffizierstellen gestrichen.
Aba. Graf Oriola (nat.-lib.) beantragt, diese Stellen wieder herzustellen.
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seiner jetzigen Stellung berufen -worden sei. Ter Zeuge versucht zuerst in längeren Ausführungen über die Monsheimer Funde und lange zurückliegende Vorgänge nachzuweisen, daß Pros. Lepfius es häufiger mit der Wahrheit nicht genau genommen habe, und wird vom Präsidenten mehrmals ermahnt, zu der Anklage selber zu sprechen. Er führt dann aus, sein dienstliches Verhältnis habe sich bald sehr unerfreulich gestaltet; Prof. Lepfius habe ihm Vorwürfe gemacht, oaß er, Zeuge, gegen ihn intriguiere, und 'ihm auch gedroht, daß er ihn aus dem Museum hinauswerfen werde. Zeuge gibt dann eine Schilderung über den Besuch Lepfius' in Gegenwart zweier Zeugen, bei welchem er seine Aeußerungen über seinen Austritt aus dem Staatsdienst feststellte; er bleibt dabei, er habe nur erklärt, daß er nicht aus dem Staatsdienst austreten werde, wenn er nicht hinausgedrängt werde. Bezüglich der Gegnerschaft zwischen Lepfius und Back ist Zeuge der Ansicht, daß der letztere nicht aus persönlichen Motiven heraus gehandelt habe.
Als nächster Zeuge wird der Inspektor des Naturalienkabinetts, Tr. Gottlieb v. Koch, vernommen. Auf ihn habe die Schenkung Stützels, als sie zuerst ausgebreitet da lag, einen sehr imponierenden Eindruck gemacht, weil eine so reiche Sammlung selten anzutreffen ist. Als er sie aber näher betrachtet, sei er erstaunt gewesen über die Unverschämtheit, mit der hier Fälschungen vollzogen worden waren; so sah er auf den ersten Blick, daß die Holzstiele an den Steinbeilen gefälscht waren, daß die Hirschhornstücke mit Raspel und anderem modernen Werkzeug bearbeitet waren usw., auch unter den Bronzen habe er sofort ver- schiedene Nachahmungen erkannt. Von dieser Wahrnehmung habe er dann Tr. Brack Mitteilung gemacht. Die Fälschungen seien geschickt ausgeführt worden von jemand, der Erfahrung darin hatte, er war aber so leichtfertig gewesen, nicht einmal die äußeren Spuren der Fälschung möglichst zu verdecken. Zur Erkennung der Unechtheit vieler Stücke genügten oft schon kleine Anzeichen, während die absolute Echtheit zu bezeugen auch für den größten Sachkenner häufig unmöglich ist. Als das Pfahlbaumodell zum Geschenk angeboten war, habe er Tr. Back den Entwurf eines Schreibens an Stützet übergeben, da er selber die Verantwortung nicht übernehmen wollte, in welchem Stütze! ersucht werden sollte, das Modell erst dann zu senden, wenn dasselbe einer Besichtigung unterzogen worden war. Es werden dem Zeugen verschiedene Stücke der Sammlung vorgelegt, woraus er erklärt, „wenn die Sachverständigen das für echt halten, dann ist die ganze Beurteilung wertlos." Auf die Frage bezüglich der Tifferenzen bemerkt Zeuge, er habe Lepfius nie etwas in den Weg gelegt, aber er könne beweisen, daß Lepfius sich gegen ihn mindestens unkollegial verhalten habe.
Zeuge Tr. Haupt, zurzeit Assistent am Kaiser Fried- richs-Museum in Posen, war bis zum 4. Tez. 1903 hier Assistent in der Backschen Abteilung, lieber die ^tützeifchc Schenkung sei unter den Museumsbeamten natürlich, viel
aesprochen worden, auch über das Verhältnis zwischen Lepsins und Back, namentlich, nachdem im Landtag Abg. Tavid eine Interpellation über das Verhalten der Museums^ beamten eingebracht hatte. Als Tr. Back vom Ministerium zum Bericht über die Angelegenheit aufgefordert wurde,! habe er ihm, dem Zeugen, das gesamte Material und feinen' Bericht zur Turcharbeitung übergeben. Die Taxierung der Stützelschen Schenkung habe nie eine Rolle gespielt, sondern! nur die Frage oer Echtheit der Steinbeile; die übrigen Stücke habe er überhaupt nur zweimal gesehen. Ter Zeuge versucht nun ttotz mehrfacher Ermahnungen des Vorsitzenden eine Kritik über den bisherigen Verlauf des Prozesses an^w* bringen, auch eine Beurteilung über die Aussagen der Sachverständigen zu geben, sodaß er vom Vorsitzenden ganzs energisch zurechtgewiesen und darauf aufmerksam gemacht werden muß, daß er nur als Zeuge und nicht als Experte hier stehe. Zeuge versichert schließlich noch feierlich, daß Tr. Back in oer Lepsius-Angelegenhett nie anders, als aus amtlichen Pflichten gehandelt habe.
Staatsanwalt, Ministerialrat Braun rügt ebenfalls das Verhalten des letzteren Zeugen, der seine Stellung vor Gericht völlig verkannt habe. Die endgiltige Würdig- ung der Sachlage gebühre allein dem Gerichtshof, der Zeuge habe kein Rechi, hier Schlußfolgerungen zu ziehen.
Zeuge Dr. List, Assistent am Landesmuseum macht einige Angaben über die Unterredung zwischen LepsiuS und Wittich. Damit ist die Zeugenvernehmung beendet.
Rechtsanwalt Dr. Schmitt verliest darauf zwei Verfügungen des fNinisteriums vor über die der geologischen Abteilung zuzuweisenden Räume im neuen Museum.
Ta der als Zeuge geladene Kommerzienrat Stütze! eine Vernehmung abgelehnt hat, werden die Protokolle der Aussagen Stützels und seine Korrespondenzen an Herrn Oberregierungsrat U fing er zur Verlesung gebracht. In einem dieser Schriftstücke drückt Stütze! sein Erstaunen über entdeckte Fälschungen in der Sammlung aus und- erklärt sich gern bereit, sofort echte Stücke dafür zu liefern; er habe mit Ausnahme der Steinbeilgriffe alle Stücke für echt gehalten, sei also selber getäuscht worden. Dann folgt ein scharfer Briefwechsel zwischen Stütze! und Lep- sius, weil letzterer nichts davon gehört haben wollte, daß St. ihn auf die Rekonsttuktton der Steinbeile aufmerksam gemacht habe. In einem Schreiben vom 26. Januar d. I. an den Verwaltungsgerichtshof erklärt St. jedoch, er halte es nicht für ausgeschlossen, daß L. seine nur gelegentlich gemachte Aeußerung über die rekonstruierten Steinbeilgriffe überhört haben könne.
Darauf wird die Sitzung abgebrochen und die Ford setzung der «Verhandlung auf heute nachmittag 3 Uhr <nt» beraumt. _____________
Aer Kurpfuscherprozeß ju
Bevor Professor Dr. Puppe sein Generalgutachten erstattete, ereigneten sich zwei bemerkenswerte LmischsnfäÜk
außerdem eine Erhöhung der Entschädigungen für die Einquar- tierungßlast fordert. Den Antrag Spahn werden wir dagegen ablehnen, ebenso natürlich den Antrag Oriola. Wir lehnen grundsätzlich jede Erhöhung der Militärlasten ab. Die Haltung des Zentrums läßt sich leicht erklären. Eine Hand wäscht die andere. Bundesrat und Zentrum betreiben Politik do ut des! Da nur dec § 2 des Jesuitengesetzes aufgehoben ist, so wird nur der Sperling des Herrn Spahn bewilligt, wäre das ganze Gesetz aufgehoben worden, dann hätte das Zentrum sicher die Taube des Grafen Oriola der Regierung auf den Tisch gesetzt. (Heiterkeit.) Charakteristisch war gestern das Benehmen deS Kriegsministers. Er verbeugte sich vor dem Abg. Spahn mit derselben Schüchternheit wie ein junges Mädchen, das bei der Damenwahl einen Herrn auffordert. lHesterkeit.j Der Vorwurf, daß wir durch Ablehnung der neuen Stellen zeigen, daß wir nichts gegen die Mißhandlungen tun wollen, ist gänzlich unbegründet. Wir haben eine Resolution eingcbracht, welche wirklich energische Maßnahmen gegen die Mißhandlungen fordert. Aber diese Resolution ist von den anderen Parteien abgelehnt worden. Wir können also mit vollem Recht gegen die bürgerlichen Parteien den Vorwurf erheben, daß sic nichts gegen die Miß Handlungen tun wollen. Graf Kanitz hat die Verhältnisse in der französischen Armee ganz falsch dargestellt. Es waren gerade unsere Parteigenossen in der französischen Kammer, die unter der Führung von Jaures den Kampf gegen die Korruption in der französischen Armee geführt haben. Die Revision des Dreyfus-Prozesscs ist lediglich durch die Mitwirkung unserer Parteigenossen ermöglich: worden. Diese ganze Frage gehört ja eigentlich gar nicht hierher, aber keiner von der Rechten ist heüte im stände, rein sachlich zu reden. Nein, sie entgleisen alle in eine Sozialistitentötcrei.
Dbg. Stockmann fRp.) erklärt, daß seine Freunde für den Antrag des Grafen Oriola stimmen würden; denn wenn man einmal auf dem Standpunkt stehe, daß durch die Vermehrung der Unteroffizierstellen den Mißhandlungen entgegengearbeitet werde, müsse man alles bewilligen und sich nicht auf einen Teil beschränken, wie es der Antrag Spahn wolle.
Kriegsminister von Einem bittet den Abg. Gröber, den Teil seiner Resolution, der eine Erhöhung der Einquartierungslasten- Entschädigung fordere, an die Budgetkommission zurückzuverweisen. Diese Frage sei in der Kommission noch nicht besprochen worden.
Abg. Gröber (Ztrü beantragt infolgedessen die Zurückverweisung dieses Teils seiner Resolution an die Budgetkommission. Den übrigen Teil der Resolution zieht er zurück.
Das Haus beschließt entsprechend dem Anträge Gröber.
Abg. Schrader (freis. Vgg.): Wir sind es ja beim Grafen Kanitz gewöbnt, daß er, er mag reden, worüber er will, jedesmal auf die Not der Landwirtschaft zu sprechen kommt. Dieses hat er auch heute getan und zwar hat er gemeint, daß der Mangel an Offizieren auch auf die Not der Landwirtschaft zurückzuführen sei. Er hat nur leider dabei ganz vergeßen, daß der Mangel an Offizieren nur bei der Infanterie hervortritt, während die Söhne der Herren von der Rechten doch meist bei der Kavallerie zu dienen pflegen, bei der kein Offiziermangel herrscht. (Sehr richtig! links.) Was die neue Mllitärvorlage bringt, wissen wir noch nicht. Ich muß aber erklären, daß ich auf die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit nicht mehr so großen Wert lege wie ftüher, denn nachdem die zweijährige Dienstzeit sich so bewährt hat, wird keine Regierung mehr cs wagen können, sie abzuschaffen. Was nun die Anträge anlangt, so sehen wir hier ja einen fteundlichen Wettbewerb zwischen dem Zentrum und den National-Liberalen. Nachdem das Zentrum
parlamentarisches aus dem Jeiche.
Berlin, 12. März. Im Abgeordnetenhause mirde heute die allgemeine Besprechung über den Etat deS Ministeriums des Innern fottgesetzt, wobei die Beteiligung Les Ministers v. Hammerstein an der Russen-Debatte Les Reichstages wieder das Hauptthema bildete. Schließlich Mirde der Titel Mmistergehalt bewilligt.
__ Die 13er-Kommission des Abgeordnetenhauses hat lhute den Gesetzentwurf, betreffend Aenderung des Gesetzes Mr die ärztlichen Ehrengerichte nach den Beschlüssen cher Lesung angenommen.
__ Die 15. Kommission beS Abgeordnetenhauses hat M ii gegen 10 Stimmen die Forderung der Justizverwaltung abgelehnt, den Ersten Staatsanwälten an den Landgerichten Berlin II, Beuchen, Breslau, Köln, Essen und Magdeburg eine Funktionszulage von 900 Mk. und Nangerhöhung, sowie sechs Staatsanwälten an diesen ©inctjten Titel und Gehalt der Ersten Staatsanwälte zu ver- [eigen, dagegen beschlossen, den letzteren sechs Staatsanwälten ew Funktionszulage von 600 Mk. zu gewähren.
Oldenburg, 12. März. Im Landtage brachten Sie Sozialdemokraten den Fall Biermann zur Sprache. Zusnz Minister Ruh st rat erwiderte auf die maßvollen Angriffe des Abg. Hug, den Strafvollzug in Oldenburg mit dein Reichsgesetz in Einklang zu bringen, er, Ruhstrat, kenne keine Presse -Vergehen. Für ihn seien Presse-Beleidigungen Iqürnmer als gewöhnliche. Bezüglich seines Spieles, er- öibe rte Ruhstrat, brauchte er sich keine Zensur von einem fönten gefallen zu lassen. Gesetzwidrigkeiten seien nicht mg(kommen. Der Landtag beschloß, die Staats- cegierung zu ersuchen, den Bundesrats-Beoollmächtigten für bie Durchführung deS Antrages Gröber eintrelen zu lasten.
F'-zeß -lcpstus vor dem Wenvaltungsgerichtsyof.
9t B. Darmstadt, 13. März.
Tie heutige Verhandlung brachte zuerst die eingehende Teilnehmung des zweiten Hauptbelastungszeuaen, des Z.i! eumsassistenten Tr. Wittich. Er ist 33 Jahre ai. mtb bemerkt, daß er mitten aus dem Examen heraus zu
erst einmal sein freigebiges Herz entdeckt hat, glaube ich, daß wir diesen Wettbewerb noch oft erleben werden. Auch bei dem Etat der ostasiatischen Expedition hat ja das Zentrum einen Teil der von der Kommission gestrichenen Offizierstcllen wicderherzustellen beantragt. Freilich geht das Zentrum ja noch nicht so west wie der Graf Oriola. Aber als der Kriegsminister dem Abg. Spahn gestern so freundschaftlich entgegentrat, da hat er vielleicht geglaubt: Mit kleinem fängt man an, mit großem hört man auf. (Heiterkeit.) Ich meine, daß alle Parteien ein Interesse daran haben, unsere Armee so schlagfähig wie möglich zu erhalten. Wir werden daher für den Antrag Oriola stimmen.
Abg. Kopsch (freif. 23p.) erhebt Klage über die Konkurrenz, welche die Militärmusiker den Zivilmusikern machen. Sogar mit der Uniform werde Reklame gemacht.
Generalmajor von Arnim: Ich gebe zu, daß Ausschreitungen vorgekommen sind, besonders auf dem Gebiete einer mindestens geschmacklosen Reklame. Hierfür aber sind nicht die Kapellmeister, sondern die betreffenden Unternehmer verantwortlich zu machen. Ausschreitungen anderer Att haben aber zu einem sehr scharfen und unzweideutigen Allerhöchsten Erlaß geführt, worin es Den Regimentskommandeuren zur Pflicht gemacht wird, die Mufikkorps ihrer Regimenter zu überwachen, Erlaubnis, auswärts zu spielen, nur von Zeit zu Zeit zu erteilen, auch über die Art der Ausübung zu wachen und in der Besetzung der Musikkorps nicht über die etats- mäßige Zahl hinauszugehen. Ich glaube, damit ist Ausschreitungen für die Zukunft genügend vorgebeugt.
Dbg. Bebel sSoz.): Wenn die Armee immer als das festeste Bollwerk gegenüber dem inneren Feind, der Sozialdemokratie, bezeichnet wird, dann würden wir uns selbst ohrfeigen, wenn wir diese Forderung bewilligten. Die Armee, wie sie jetzt ist, ist durchaus undemokratisch. Es sind übrigens genügend Unteroffiziere vorhanden, auf 6—7 Gemeine kommt ein Unteroffizier, während ein Lehrer oft 80—100 Kinder zu unterrichten hat. Die Ausbildung ist außerdem ganz falsch, sie nimmt zu wenig Rücksicht auf den Felddienst. Beim Militär müßte der Grunds^ gelten, mit der kleinsten Anstrengung die größte Leistung zu erreichen. Beim Parademarsch wird diese selbstverständliche Forderung in ihr Gegenteil verkehrt. (Stuf rechts: Nu is genug!) Noch eme Bemerkung. Meine letzte Rede ist von der ftanzösischen Presie in einer ganz merkwürdigen Weise ausgenutzt worden. Man hat Dort in vielen Blättern behauptet, ich fei in einer von Patriotismus überströmenden Rede für unsere militärischen Institutionen eingetreten. Und diese angebliche Rede von mir wird nun gegen unsere ftanzösischen Genoffen ausgespielt. Man sieht, die Bourgeoisie bleibt sich überall gleich. sBeifall bei den Sozü
Damit schließt die Debatte.
Heber den Antrag des Grafen Oriola snat.-lib.) auf Wiederherstellung Der Regierungsvorlage wird zunächst abgestimmt.
Die Abstimmung bleibt zweifelhaft, sodaß Auszählung (Hammelsprung) stattfinden muß.
Sie ergibt die Anwesenheit von 152 Abgeordneten, von denen 74 mit ja und 78 mit nein stimmen.
Das Haus ist also beschlußunfähig.
Die Sitzung muß abgebrochen werden.
Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. (Fortsetzung bet zweiten Beratung des M i I i t ä r e t a t s.)
Schluß 3y2 Uhr.
Abg. Dr. Spahn lZentr.) beantragt, 719 neue Stellen für ein halbes Jahr zu bewilligen.
Abg. Graf Kanitz (lonf.): Die Budgetkommission hat die geforderten neuen Unteroffizierstellen mit großer Mehrheit gestrichen. Nun kommt auf einmal aber der Antrag Spahn, Der Den größten Teil dieser Stellen wiederherstellen will. Ich will über diesen plötzlichen Stimmungswechsel keine Betrachtungen anstellen. (Heiterkeit.) Ich will aber zugleich im Namen meiner Freunde erklären, daß wir nicht gesonnen sind, auf Den Boden des Antrags Spahn zu treten. Wir halten es vielmehr für ein dringendes Gebot, die ganze Regierungsvorlage zu bewilligen, und werden daher für den 81 ntrag des Grafen Oriola stimmen. Von einem befreundeten Hauptmann ist mir mitgeteilt worden, daß in vielen Regimentern geradezu ein Unteroffiziermangel herrscht. Es fällt immer schwerer, den notigen Ersatz für bk abgehenden Unteroffiziere zu finden. Früher hat man den Unteroffizieren noch vierzehn Tage Urlaub jedes ^ahr geben können, davon ist jetzt keine Rede mehr. Man kann froh fein, wenn man den Unteroffizieren vier Tage Urlaub im Jahre gewähren kann. Ebenfalls herrscht allgemeiner Mangel an Offi- gieren. Es ist hier gesagt worden, es falle immer schwerer, die nötigen Offiziere zu finden, weil der Luxus in der Armee immer größer werde. Das ist nicht richtig. Man findet nur die nötigen L fftziere nicht wegen der traurigen Lage der Landwirtschaft (lebhafte Zustimmung rechts, Lachen links, Zurufe rechts: Sehr richtig!, Zurufe links: Sehr falsch!) Es wird sich auch nicht umgehen lassen, unsere Unteroffiziere allgemein aufzubessern. Bei uns erhalten Unteroffiziere und Sergeanten im Durchschnitt jährlich bar 822 Mk., in Frankreich 690 Mk. An Prämien und Kapitulationsgeldern er hält der deuffche Unteroffizier im Ganzen 1100 SJlt., der ftan- zi sische 2600 Mk. Die Aufbesserung der Unteroffiziere um 100 Mark pro Mann würde nur etwa 6 bis 7 Millionen erfordern, eine Emmme, die gegenüber einem Militäretat von 514 Millionen keine große Rolle spielt. Man könnte lieber an anderen Stellen sparen und keine unnützen Positionen in den Etat einstellen. Z. B. halte ide die 4 Millionen für die Weltausstellung in St. Louis für sehr üiDerflüffig (Sehr richtig! links), und Hunderte von Millionen kennten wir jofort gewinnen, wenn man die Handelsverträge kündigen wollte. (Lachen und Aha! IinI§J Den bisherigen Gang der TLbatte bedauere ick lebhaft. Die Sozialdemokraten sollten nicht jede kleine Mißhandlung unter das Sezirmesser der Kritik nehmen; bie Sozialdemokraten anderer Länder würden das niemals tun. lAcifall rechts.)
Abg. Ledcbour (Soz.): Meine Partei wird für die Resolution btß Zentrums stimmen, welche verlangt, daß die Einberufung zu Truppenübungen möglichst nicht während der Ernte ftattfinbet und
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