Ausgabe 
13.12.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 293

Dienstag 13. Dezember 1904

Zweites Blatt

Gietzeim Anzeiger

Erscheint tRgttch mit Ausnahme de« Sonntag«.

DieGießener ZamMenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «tyflUty Eanöwirt** erscheint monatlich einmal

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Unwersttatsdruckerei R. Lange, Gießen,

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schukstr.?. Tel Nr. 51. Telegr.-Adr. j Anzeiger Gieße«,

154. Jahrgang

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen.

Ar. Kammacher

Ein Telegramm meldete uns gestern den am Sonntag, dem 11. Dezember, erfolgten Tod Dr. Frdr. Hammachers. Nur wenige Monate hat dieser vortreffliche Mann einen hohen Ehrentag überlebt. Am 1. Mai d. Js. beging die nationalliberale Partei den 80. Feburtstag ihres Führers mit Stolz als den ihres Seniors und des letzten ihrer Begründer.

Hammachers ganzes Lebenswerk trägt das Gepräge eines im Leben wurzelnden Idealismus. In bescheidenen Ver­hältnissen am 1. Mai 1824 in Essen geboren, studierte Hammacher in Bonn und Berlin die Rechte, um sich dem Staatsdienste zu widme.n. Die Stürme des Vorfrühlings der deutschen Einheit rissen ihn aus seiner Bahn. Der junge Doktor beider Rechte geriet unter die politischen Schwarm­geister des Jahres 1848, die es im Rheinlande nicht radikal genug treiben konnten, und büßte dafür mit einigen Monaten Gefängnishaft in Münster t. W. Das bedeutete das Ende seiner Staatslaufbahn. Mittellos und dabei verlobt, stand Hammacher vor der Frage, wie eine Existenz gründen. Zu­nächst war er froh, daß er nach Verbüßung seiner Haft in Mühlheim a. d. Ruhr als Hilfsarbeiter eines Rechtsanwalts ein bescheidenes Einkommen fand.

Diese Stellung sollte Hammachers Leben in weite Ver­hältnisse führen. Eine Gemeinschaft von Kaufleuten und Ge­werken konkurrierte damals mit dem Bergfiskus um den Er­werb eines aus dem Nachlaß des Landgrafen von Hessen herrührenden Kohlenzehnten in der Herrschaft Broich, uud Hammacher trat zugunsten der genannten Interessenten gegen den Fiskus mit Geschick ein und seine Klienten siegten. Aus Dankbarkeit übertrugen sie ihm die Verwaltung des Zehntenrechts, und Hammacher führte sie so erfolgreich, vor allem durch Umwandlung des Naturalzehnten in einen Geld­zehnten, daß dieses Recht seinen Klienten eine Quelle dauernd sich steigender Einnahmen wurde. Seither blieb Hammachers Tätigkeit den bergbaulichen Interessen gewidmet. Seine Stellung regte ihn zur Beteiligung an Bergbauunternehmungen an, und er versuchte außerdem auch seine wachsende Kapital­kraft an selbständigen Gründungen, von denen nur die Ge­sellschaft Tremonia bei Dortmund und Perm bei Ibbenbüren genannt seien. Später wandte er sein Interesse auch deni Kalisalzbergbau zu und war lange Zeit Vorsttzender des Grubenvorstandes der Gewerkschaft Neustaßfurt, zu deren Be­gründer er gehörte. Er regte auch die Gründung des Ver­eins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezuk Dortmund im Jahre 1885 an. Der Einfluß, den der Verein unter seinem Vorsitz auf die in den fünfziger und sechziger Jahren vor sich gehende Reform der preußischen Berggesetz­gebung gehabt hat, ist von Hammacher ausgegangen.

1864 in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt und demselben bis 1885 angehörend, hatte er hervorragenden An­teil an der Befreiung der Ecwerbsfchichten. Im Jahre 1889 in dem großen Bergacbeiterausstande gelang es seiner per­sönlichen Einwirkung, den Frieden zwischen den Gruben­besitzern und den Arbeitern herzustellen. Nach seiner Rückkehr aus dem Grubenrevier konferierte Hammacher eingehend mit Bismarck über seine Mission, Nicht vergessen werden darf ferner das Eintreten Hanunachers für die Verstaatlichung der Eisenbahnen. Lebhaft hätte er es begrüßt, wäre Bismarcks Reichseisenbahnprojekt Gesetz geworden; er setzte dann im preußischen Abgeordnetenhauje seine ganze Sachkenntnis und Rednergabe ein, um die Vorlage von 1879, welche die Ver­staatlichung der preußischen Eisenbahnen beabsichtigte, zur Annahme zu bringen.

Den Reichsgedanken hatte die Münstersche Gefängnis- gaft in Hammacher nicht erstickt. Auch in der Reaktionszeit, die der 1848er Bewegung folgte, hielt er ihn hoch in eifrigem Wirken im Nationalverein, wo er treu an der Seite derer stand, die ein Deutsches Reich unter der Führung Preußens anstrebten. 1866 trat er unter den 24 Männern auf, die die Gründung der nationalliberalen Partei vollzogen, und ging aus den Wahlen zum Norddeutschen Reichstage als Abgeordneter für den Wahlkreis Saalkreis-Stadt Halle her­vor, für denselben Wahlkreis, den er in der ersten Legislatur­periode des deutschen Reichstags vertrat. 1877 wurde er von dem Wahlkreis Herzogtum Lauenburg in den Reichstag ge­wählt, ebenso bei den aus Anlaß des Sozialistengesetzes im Jahre 1878 stattfindenden Neuwahlen. Er gehörte zu jenen 204 Abgeordneten, die am 17. Oktober 1878 eine Erklärung abgaben, welche die Umkehr von der bisher geltenden Frei­handelspolitik zur Politik eines mäßigen Schutzzolles im In­teresse der deutschen Produktion befürwortete. Vor der ^Ab­stimmung über die im Jahre 1879 zur Beratung stehende Zolltarifvorlage legte er aber am 6. Juli 1879 fein Mandat nieder. Schon int Jahre 1881 kehrte er indessen wieder in den Reichstag zurück, dem er dann bis 1898 ununterbrochen .als Vertreter für den Wahlkreis Duisburg-Mühlheim a. R.- ^tuhrort angehört hat.

Stets hat er sich während dieser Zeit von großen natio­nalen Gesichtspunkten leiten lassen. Sein Grund ist stets der gewesen, den er drastisch im Jahre 1902 in Düsseldorf bei Gelegenheit des Verbandstages der nationalliberalen Jugend Zum Ausdruck gebracht hat:

Bloß aus dem Wölkenkuckucksheim heraus läßt sich kein ?Lolk glücklich machen, aber c5 ist nicht der Misthaufen vor dem .pause, der allem die Berechtigung hat, in der parlamentarischen Vertretung Berücksichtigung zu finden. Die Gellenduiachung von Interessen ist nur so weit berechtigt, als sie sich im Einklang be- imdet mit dem Gesan ttvohl des Vaterlandes."

So hat er sich bemüht, auch der Volkswirtschaft ihre äveale Seite abzugeninnen. Wo sich seinem spähenden Blicke «in 9ieuc8 zeigte, das der Blüt< der Volkswirtschaft und da- ;mit dem Gesamtwohl des Vaterlandes zu dienen versprach,

da setzte der gereifte Mann und der Greis den ungeschwächten Feuergeist des Jünglings ein, die für seine politische Ueber- zeugung ins Gefängnis wanderte. Freudig begrüßte er die ''Anfänge unserer Kolonialpolitik und 1885 gründete er die Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, um das Lüderitz-Unter- nehmen zu retten. Nur fein warmes Interesse veranlaßte ihn auch, sich zu vielem anderem auch noch die Bürde des stell­vertretenden Präsidiums der deutschen Kolonialgesellschast auf­zuladen, deren Ehrenmitglied er war.

Reich an Lasten und Mühen, an Ehren und Erfolgen war sein Leben, aber die einen hat er froh und die anderen ohne Stolz getragen. 9lie hat Hammacher gezaudert, wo er glaubte, dienen zu können, seine Kraft zur Verfügung zu stellen $ zu seinem Rücktritt ans dem Reichstage hat ihn nicht die Unlust, Ueberdruß veranlaßt, sondern die Bescheidenheit, die ihn fein Leben lang alles tun hieß nicht um seiner Person, sondern um der Sache willen. Er sagte sich, die Pflichten eines Volksvertreters ganz zu erfüllen, sei in seinem vorge­rückten Alter nicht mehr stark genug, um ein Mandat nur nominell innezuhaben, verbiete ihm sein Gefühl für die Be­deutung der Ehre, Abgeordneter zu sein. Der nationallibe- ralen Partei aber hat er seine Kraft bis zum Tode erhalten. Sein kluges Wort, seine Achtung vor anderen Anschauungen, sein jugendliches Feuer und seine ideale Gesinnung gewannen ihm Verehrung und Liebe, nicht nur bei seiner Partei, auch die gaben seinem Worte gern Gehör und schätzten ihn wert, deaen politische Anschauungen sich von den seinen mehr oder minder entfernten.

*

Die Beisetzung des Tr. Hammacher findet^ am Mitt­woch mittag auf dem Zwöls-Apostel-KAchhof in Schöneberg statt. Vorher wird im Trauerhause von der nationallibe­ralen Partei eine Feier veranstaltet werden, bei der Abg. Bassermann die Gedächtnisrede halten wird. Tie national- liberale Partei des Reichstages und die des preuß. Land­tages Haven Beckcwsku».ogebungen an die Hinterbliebenen gerichtet.

Kolttische Tagesschau.

Die preußische Kanalvorlage und die konservativen Agrarier.

In feiner WocheuschR,t ,,'Xer Deutsch e" vero,fent- licht Adolf Stein einen Artikel über die Kanalfrage, in dem er die Sache so darstellt, als ob die Konservativen mit der Regierung nach gründlicher Verständigung an das große Wert des Ausbaues der Wasserstraßen nunmehr herantreten wollten, während nur noch die Führer des Bundes der Landwirte abseits stünden; der Bund der Landwirte sei eine Interessengemeinschaft, für die es keine historischen Rücksichten gebe; es liege in seinem Wesen, immer von neuem aufzutrunchsen; er habe kcinen Existenz­zweck mehr, toenn fein Angrisssmaterial vorhanden sei; deswegen müsse er immer weiter drängen und drohen.

Dazu bemerkt dieTtsch. Tagesztg.", daß der Bund der Landwirte und seine Organe bei der Besprechung der Kanalfrage nicht gedroht und niemals den Standpunkt der Sachlichkeit verlassen hätten. Und in der tonservanven Partei seien die Meinungen über den Kanal heute weit auseinandergehend, sicher werde die Partei nicht geschlossen stimmen. Ja die Mehrheit der Partei stehe auf einem ablehnenden Standpunkte. Unter den Gegnern der Vor­lage seien recht viele, die zu dem Bunde der Landwirte in ganz loser ober gar keiner Beziehung stehen. Tie Führer des Bundes seien noch von der Schädlichkeit des Westkanals überzeugt.

Bestechung von Angestellten.

Ter Abg. Potthofs bat im Reichstag bei der Besprechung der Schmiergelder für Angeilellte einen landwirtschaftlichen Beamten­verein erwähnt, der buchstäblich die ^Organisation des Schmier­geldes" sei. Heber diesen Beamtenverem macht die neueste Nummer der Frankfurter ZeitschriftDas freie Wort" nähere Mitteilung:

Tie neueste Blüte der Provisionsgewährung sind die Be­mühungen mehrerer Inspektoren und Brennereileiter, die die wiederholt angeregte Organisation der deutschen Landwirtschaftsbeamten durchzuführen beabsichtigen. Tie leitenden Perlönlichkeiten gehen von der Voraussetzung aus, daß bei dem geringeren Einkommen der Landwirtschaftsbeamten ein ü ach verein der Angestellten nur dann Ausstcht auf Erfolg hat, wenn die Mitglieder eines solchen Vereins durch materielle Inter­essen an ihn gefesselt werden. Ter geplante Verein soll mit allen Hilfsinstituten ausgestaltet werden, die nur von einem Verein gewünfcht werden können; Vereinsorgan, Stellennachweis, Erholnngs-, Kranken- und Sterbegelder kurz alle Hilfskaffen, die sich in einem Fachverein der Angestellten nur vereinigen lassen, sollen geschaffen und, wie es die Ordnung vorswreibt, statu- tarisch festgelegt werden. Der Mitgliedsbeitrag soll ein angemessener sein, d. h. nach dem Wortlaut der Satzungen. Diesen Betrag zu erlegen ist kein Mitglied verpflichtet, ebensowenig wie SS auf das Vereinsorgan zu abonnieren braucht; auch zu den Verwaltungs­kosten beizutragen oder für den Stellennachweis irgend etwas zu zahlen besteht keine Verpflichtung. Tie verschiedenen Erholnngs-, Kranken- und Sterbelassen, die Witwen- und Waisenversorgung verlangt von den Mitgliedern dieses Vereins keinerlei bare Bei­träge. Alle dieie Tinge sollen Den Mitgliedern keinen roten Heller kosten. Tie Mitglieder dieses neu ins Leben zu rufenden Vereins übernehmen durch ihre Beitrittserklärung lediglich die Verpflich­tung, alles, was sie im Interesse ihrer Arbeitgeber zu kaufen haben, soweit als irgend in ihren Kräften steht, entweder bei einem mit der Vereinsleitung in enger Verbindung stehenden Geschäftsbause ober bei den speziellen Geschäften zu bestellen, die ihnen von der VereinÄeitung bezeichnet werden. Für jede Lieferung, die das Geschäftshaus oder eines der Geschäfte, rnU denen von Vereins wegen ein Abkommen getroffen ist, ansmhrt, werden an die Geschäftsleitung des Vereins entsprechende Provi­sionen gezahlt und den Bestellern abzüglich eines bestimmten Pro­zentsatzes für Verwaltungskosten a conto der verschiedenen Ein­richtungen des Vereins gutgebracht. Für die Leistung des Vereins werden die Mitglieder belastet und der sich ergebende Ucberf.ljiiu wird auf Verlangen am Jahresichluß herausgezahlt ober für die Mitglieder verzinst uh angelegt. Auf diese Weise dachten die neuen Beglücker dm deutschen Landwirtschastsbeamten auch die staatliche Pensious- und Attersversicherung überflüssig zu machen. Sie sind der Ueberi . uguug, daß auf diese Weise den Angestellten ein weit größerer / eiuiun zufällt, als sie jemals Aussicht haben, durch staatliaw vdR gesetzliche Einrichtung zu erreichen.

Kurz gesagt, der neue landwirtichastliche Verein soll auf einem organisierten Bestechungsshstem aufgebaut werden und wird von Angestellten geplant, deren Namen in den Kreisen ihrer Berufs- g e« off en einen sehr guten Klang haben, der aber auch in den Kreisen der Gutsbesitzer Rus und Ansehen genießt. Die Tatsache, daß an eine solche Vereinsbildung ernstlich gedacht werden kann, daß man sie für möglich und durchführbar hält, beweist zur Ge­nüge, wie allgemein das Proviiionssystem in landwirtschaftlichen Beamtenkreisen verbreitet und wse notwendig es ist, auch für die Privatbeamten den für Staatsbeamte bereits bestehenden Begriff derBestechung" zu schaffen.

l^arlamentatifdjid.

Tas 12. Petitivnsverzeichnis ist im Reichstage aus- gegeben worden. Betreffs des Hexeroauf standes liegen u. a. folgende Petitionen vor: Die Schadenersatzansprüche der durch den Herero auf stand geschädigten Personen im Wege der Reichsgesetz­gebung zu regeln. Erdmann, der Sprecher der vom Kaiser enu- yfangenen Anpedierabordnung, bittet um Bewilligung des für die gcldjabigten Farmer in Deutsch-Sudwestafrika eingeforderten Be­trages. Zu den M i l i t ä r p e n s i o n s g e s e tz e n liegen zehn Petitionen vor, die u. a. behandeln: Aufbesserung der Gebührnisse der Friedensinvaliden, Ausdehnung des neuen Militarpensions- gesetzes auch auf die Pensionäre, welche im Kriege 1870/71 ein- gesoycii touren, ihren Friedensort verlassen hatten, ohne daß ihnen ein Kriegsjahr zuerkannt worden ist. Ausdehnung der Wohltaten der Novelle zum Militurpensionsgesetz auch auf diejenigen pensio­nierten Offiziere, welche bei einer Mobilmachung beiimmobilen" Truppen Tienste getan haben. Von den übrigen Bittschriften seien auf geführt: Aenderung des Reichstagswahlgesetzes, Verschärfung des Preßgesetzes, Aenderung des Strafgesetzbuches § 201 dergestalt, daß bei studentischen Schlägermensuren die Duell- Paragraphen keine Anwendung finden, Bekämpfung des un­lauteren Wettbewerbes, Protest gegen Einführung einer Zwangsveriicheruug gegen Arbeitslosigkeit. Ter Deutsche Land­wirt s ch a f t ö r a t in Berlin bittet unter anderem, daß bei der nächsten Berufszählung die Bevölkerung nach der Dauer ihrer Beschäftigung ob seßhaft oder wandernd zur Darstellung gebracht, und daß die Ergebnisse mehr als bisher nach Stadt iKlein-, Mittel- und Großstadt) und Land bearbeitet und veröffent­licht werden, insbesondere bei den Nachweisungen der Geburten-. Häufigkeit, Sterblicykeit und Lebensdauer.

Sübwcstasrlka.

DieNordd. Allg. Ztg." ichreibt: Ter Reichskanzler richtete an den Missionsinspektor Haußleiter in Barmen bezüglich der Vorschläge der Mission über eine Friedensvermitt - Lung in Südwestafrika am 8. d. M. ein Schreiben, in welchem er sagt:

Er freue sich, in der Frage der Behandlung der zur Unter­werfung bereiten Eingeborenen in allen wesentlichen Punkten mit der Auffassung der VNission sich im Einklang zu befinden. Bei der durch Gründe der Menschlichkeit und durch praktische Er­wägungen geborenen Notwendigkeit, die völlige Vernichtung des Hererovolkes zu verhindern, erschienen ihm die von der Mission angeborenen guten Tienste bewnders wertvoll. Tenn bei der Vertrautheit, welche die Mission durch ihre langjährige Tätig­keit im Hererolande mit der Sitte und der Denkungsart der Eingeborenen gewonnen habe, werde es der Mission leichter, als anderen Instanzen gelingen, die Eingeborenen zur Unter­werfung zu bestimmen, einer friedlichen Tätigkeit wieder zuzu­führen und die nächste Unterbringung und Versorgung, nament­lich auch der Frauen und Kinder, zu übernehmen. Die Einzel­heiten des von der Atission ausgestellten Programms würden auf ihre Zweamaßigteit und Durchführbarkeit allerdings nur an Ort und Stelle beurteilt werden können; in den Grundzügen erscheine es ihm außerordentlich dankenswert. Er werde des­halb die örtlichen Behörden anweisen, die guten Dienste der Mission anzunehmen. r .

Ueber die Behandlung der zur Unterwerfung bereiten Herero hat sich Gras Bürow im Reichstag in einem Sinne geäußert, der erfreulicherweise die von mehreren Seiten befürworteten Mittel drakonischer Bestrafung und Herbeiführung einer Schreckensherr­schaft entschieden verivarf. Hoffentlich wird auch durch diesen Brief der ^ache der Humanität wirlsam genützt.

Aus Sluöl uud Lund.

Gießen, 13. Dezember 1904.

Brieie und Mitteilungen, welche für die Redaktion bestimmt sind, versehe man, um Verzögerungen zu vermeiden, lediglich mit der AufschriftRedaktion" (ohne Namen eitles Redaktionsmitgliedes), Anzeigen u. dgl. bitten wir dagegen ausschtteßlich an dieGeschäfts­stelle" zu senden. Sprechstunden der Redaktion: 121 Uhr mittags, 7a77a8 Uhr abends.

** Ludoviciana. Auf die Glückwunschadresse, welche die Gießener Studentenschaft Sr. König!. Hoheit dem G c o ß h e r z o g anläßlich Seiner Verlobung hat zugehen lassen, ist folgendes Antwortschreiben an den Rektor ein-

getroffen:

,Ter Studeiltenausschuß der Landesuniversität hat in einer an Attch gerichteten, kunstvoll ausgestatteten Adresse seine Glück- loünsche Werner Verlobung nut Ihrer Durchlaucht der Prin­zessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-^ich ausgesprochen und zu­gleich den Gefühlen treuester Anhänglichkeit an Alich und Mein Haus Ausdruck verliehen. Ich habe Mich über diese ein- mütige Kundgebung der a k a d e m i s ch e n I u g e n d i n ganz'be soliderem Ai a ß e gefreut, und bitte Sie, der Studentenschaft der alma mater Ludoviciana, an deren Wohlergehen Ich stets den regsten Anteil nehme, Meineil herz­lichsten Tank zu übermitteln. Darmstadt, den 7. Dezbr. 1904. (gez.) E r n st L u d w t g."

** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß!)erzog haben den Lehrer an der höheren Handelsschule zu Mainz, Glück, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1905

sches Kabel in der bio zur Eoethestraße decken.

ohannesstraße von der Plockstraße -j. Tie Pnmpcnanlage für die Klar- 10. Berkaus von alten S iel bau mute i ialieu. 11. Her­stellung von Kkvei Einsteigschächten bei der Plunpstarton

eines Dienstes entlassen.

** Tagesordnung für d ie Sitz^ung der S t a d t v e r o r d n e t e u - V e r s a in m l u n g D o n tr e r S - tag, den 15. Dezember 1904, nachmittags! 4 Uhr. 1 Bau- gesnch von Joh. Georg Pfaff für Die Stepyansttaße. --Bau­gesuch von Tl). Gerlsup jur die Westanlage. 3. Errichtung einer Feueruugsanlage aus Flur 37 durch Joh. Gg. Psass; hier: TispenS. 4. Gesuch des Ofensetzers Chrrsttan Etlgel dahier, das Anbringen eines Firnienschüdes am Hause Neuenbäne 2 betr. o. Erweiterungsbau der ÄJbiicaljQ}Uie^ 6. Verkauf von Grundstücken am Aulweg an die ^aanver- wallllug. 7. Ausbau der Johannesstraße; lner: Ge ande- erwerv von Gärtner Groig. Kredit für ent rlcftu-