eine Hausiererin und deren Sohn ermordet hatte, wurde zu 18jährigem schweren Kerker verurteilt.
Kasan, 12. Dez. Stojan, genannt Tschajyin/ wurde zu 12 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er hatte aus dem Nonnen- klo-ster der „Kasanischen Mutter Gottes" das berühmte Marienbild gestohlen, dessen Abbild sich auf der Standarte des Zarenhauses befindet. Das Bild hatte Stojan verbrannt, nachdem er die darauf befindlichen Edelsteine herausgebrochen hatte.
Die Stiefmutter und der Rabenvater. Ein Bild von abgrundloser Gemütsroheit entrollte sich in der letzten Sitzung des Schöffengerichts zu. Bant bei Wilhelmshaven. Angeklagt wegen Mißhandlung ihrer 12jäbrigen Tochter waren der Arbeiter Günther und dessen Ehefrau. Beide werden beschuldigt, ihre Tochter derart fortgesetzt mißhandelt zu haben, daß sie aus Furcht vor weiteren Mißhandlungen sortlief und nach dem Kanal rannte in der Absicht, sich das Leben zu nehmen. Zwei Schulfreundinnen sahen sie laufen und es gelang diesen unter Aufwendung all ihrer Kräfte, die Lebensmüde von ihrem Vorhaben abzubringen. „Satan", „Aas", „Luder", „Donnerschlag" waren die Kosenamen, welche die Stiefmutter dem Kinde gab, das vor Gericht den besten Eindruck machte und in jeder Beziehung korrekt antwortete. 14 Zeugen bekundeten Unglaubliches von der „bösen Stiefmutter" und dem Vater, der sich der letzteren zu **'cbe hat hinreißen lassen, das Kind zu mißhandeln, sodaß es selbst nach den Bekundungen der Angeklagten mehrfach angedeutet hat, cs wolle ins Wasser gehen. Tas Urteil lautete auf acht Monate Gefängnis gegen die Ehefrau und auf fünf Monate Gefängnis gegen den Ehemann. In der Begründung heißt es: Selten ist in einer Verhandlung so viel Herzlos'gkeit, Grausamkeit und Gemütsroheit entrollt worben, als in dieser. Tie Frau war der leitende Geist, welcher für all die Roheiten den Anstoß gegeben hat. Die Folgen dieses Tuns haben sich in abscheulicher Weise kundgetan, wie dies schlimmer nicht sein konl.ie. Fast wäre ein junges Menschenleben vernichtet worden, wenn nicht ihre besten Freundinnen zur Stelle gewesen^ wären. Diesen hat sie ihr Leben zu verdanken. Tie.Mutter wußte, daß das Kind sich das Leben nehmen wollte. Sie zeigte nichts von Muttergefühl, sondern nur Gransamkeit.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 14. Dezember 1904: Wolkig, etwas kälter, nur noch stellenweise im Gebiet geringe Niederschläge (Regen).
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise
am 12. Dezember 1904.
Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochser
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 72-74 Mk.
*/2 Kg/Schlachtgew. 81—83 Pf.
xü v .. 58—59 „
7, Kg. 70-80 Pfg.
7, „ 70-74 „
7, „ 60 72 „
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 19,00 Mk. Roggen 100 „ 14,70 „
Weißbrot 2 Kg. 52 Pig.
Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg.
Märkte.
Gießen, 13. Tez. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkt kosteten: Butter vr. Pid. 1.15—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 8-10 Big. 2 Stck. 15—00 Vfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen vr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben vr. PaarO,80—0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse pr. Pfd.60—70Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund
70—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweine- keisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 5 bis 8 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 25—30 Pfg. Zwetschen per Zentner 0.00—0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15. Marktzeit 8—2 Uhr.
Neueste Meldungen.
Hamburg, 13. Dez. Die Hamburg-Amerika-Linie macht darauf aufmerksam, daß, während die Engländer sich darüber aufhalten, daß sich deutsche Schiffe an der Kohlenlieferung für die rufische Flotte beteiligen, die Engländer selber tätsächlich ein Monopol für Kohlenlieferung für die japanische Kriegsleitung besitzen. Nach dem Wochenbericht sind während der letzten Woche wieder 10 englische Dampfer für Kohlcnlieferungen von den Japanern gechartert worden und weitere Schiffe werden für Japan gesucht. In dem Zirkular werden zwar auch deutsche Nhedereien zu Offerten aufgefordert, aber bisher hat noch kein deutsches Angebot einen Zuschlag erhalten.
Marienberg, 13. Dez. Der Infanterist Utecht, der als Ordonanz zum Artillerie-Depot kommandiert war, wurde von einem Zivilisten überfallen und durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt.
Gera, 13. Dez. Gestern wurde ein Nau bau fall in Lanzeg bei Großaga verübt. Als sich die ledige 60 jährige Magd Vogt zur Arzneistelle begab, wurde sie von einem Unbekannten überfallen und ihrer Barschaft im Betrage von 600 Mk., die sie stets bei sich trug, beraubt. Die Ueberfallene blieb unverletzt.
London, 13. Dez. Lord Nayleigh beabsichtigt den ihm zuerkannten Nobelpreis dec Universität Cambridge zu übergeben.
Paris, 18. Dez. In den Wandelgängen der Kammer wurde gestern über den Tod Syvetons Folgendes mitgeteilt: Syveton ist aus ganz anderen als politischen Gründen in den Tod gegangen. Er fürchtete nämlich die Enthüllung gewisser intimer Leidenschaften vor dem Schwurgericht, was er verhüten wollte. Es handelt sich um Beziehungen Syvetons zu der Tochter seiner ersten Frau.
Paris, 13. Tez. Nach übereinstimmenden Berichten scheint es nunmehr unzweifelhaft sein, daß Syveton Selbstmord begangen hat. Ter Advokat Podel, der Sozius des Stief- schwiegersohnes Syvetons Menard, meldete sich bei dem Untersuchungsrichter freiwillig als Zeuge und erklärte, es sei überflüssig, die Ursache des Todes Syvetons weiter zu suchen. Syveton habe sich entleibt. Es sei das für ihn das einzige Mittel gewesen, um sich aus einer unentwirrbaren Situation zu retten. Näheres könne er nicht sagen: cs handle sich um ein furchtbares Familiengeheimnis. Ferner wird erzählt, daß Syveton in seinem Zimmer ein Kohlenbecken angezündet gehabt habe, um sich mit Kohlengas zu vergiften. Dieses Kohlenbecken sei jedoch üor dem Eintreffen der Gerichtskommission entfernt worden, um an einen Unfall, glauben zu machen. — Ter provenzalische Dickster Frederic Mistral hat die Absicht ausgesprochen, den ihm zuerkannten Nobelpreis für die Erwerbung eines alten Palastes in Arles zu verwenden, in dem er das von ihm gegründete provenzalische Museum unter- b'ringcn will.
Riva, 13.Dez. Otto Erich Hartle ben ist in seiner Villa am Gardasee an Gesichtsrose erkrankt. Sein Befinden ist besorgniserregend.
Windisch-Matrei, 13. Dez. Der reiche Gutsbesitzer Lotterberger ist beim Jagen auf Gemsen abgestürzt. Seme Leiche wurde noch nicht geborgen.
Vom Kriege.
Petersburg, 13. Dez. Obwohl alle über London ein- laufenden Na'richten über die Schüfe von der Port Arthur- Flotte bisher von der Zensur zurückgehaltcn wurden, hat die Regierung einige Nachrichten erhallen welche den Zustand der Flotte als hoffnungslos darstellen. Man greift nicht fehl, wenn man die Flotte als verwichtet betrachtet. Die Ursache der geradezu rätselhaften Untätigkeit ist wohl auf die Führer zurückzuführen. Was die Lage der Festung betrifft, so ist das japanische Uebcrgewicht zu groß .als daß 2 t ö s s e l die Möglichkeit Hütte, den 2 0 3 Meter-Hügel wieder z u nehmen. Das einzige was ihm übrig bleibt, ist, die Festsetzung der Javaner im Süden und Osten zu verhindern. Vom Resultat dieses Artillerieduells hängen die weiteren Oparationen Nogis ab. — Ter Verlust der Port Arthnr-Flotte hat auf weite Schichten der russischen Gesellschaft deprimierend und aufregend gewirkt. Jede Hoffnung auf einen Erfolg R o s ch d j e st w e n s - k i s i st geschwunden. Man betrachtet die Absicht der Regierung, ein drittes Geschwader auszurüsten, nur als B'eru hi g un gs mittel gegen die wachsende Erregung.
London, 13. Tez. Aus Telegrammen Oyamas und Kuro- patkins geht hervor, daß dll Kälte bereits sehr groß geworden ist. Man verzeichnet 21 Grad unter Null. Heftige Schneebälle gehen nieder und die Flüsse sind zugefroren.
TeSephonascher Kursbericht.
F imkfnrt a. XI.. 13. Dezember.
3V2% Reich ^anleihe . . 101.65 3% do. ... 89.70 H1/t% Konsole .... 101.50 3°/n do 89.80 S’/gO/n Hessen .... 100.10 3V2 % Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.65 4* B % Oesterr. Silberrente 100 40 4% Ungar. Ooldrente . . 99.85 4°/ Haben. Rente , . . 104.30 41/2% Portugieser . , . 63.80 ’0/ Portugiesen 62.80 1 % C. Türken .... —.— Türkenlose 128.00
4% Griech. Monopol.-AnL 48.00 47»% äussere Argentiner 45.50 Tendenz:
3% Mexikaner .... 33.80 4,/q1/n Chinesen .... 91.80 Electric. Schuckert ... 124.00 Nordd. Lloyd . . . . 104.80
Kreditaktien . . . „ . 211 60 Diskonto-Kommandit. . . 191.30 Darmstädter Bank . , . 142.50 Dresdener Bank .... 157.10 Ber’iner Handelsges. . . 163 30 Oesterr. Staatsbahn . . . 138.70 Lombardei; .... 17.75 Gottbardbahn 192.50 Lanrahütte 257.00 Bochnm . ..... 229.40 fiarpener ..... 214.70 Schatzseheine .... — schwach
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am 10., 11 und 12. Dezember 1904. [D18/12
71 72 92 143 145 169 183 197 200 268 302 396
422 450 455 462 479 517 627 631 670 756 757 810 866 886 915 925 986 1027 1033 1069 1087 1115 1124 1132 1180 1182 1203 1216 1233 1303 1312 1339 1387
1403 1420 1463 1479 1495 1537 1592 1725 1749 1861
1878 1892 1935 1942 1968 2001 2003 2032 2087 2121
2126 2161 2199 2217 2230 2237 2265 2318 2385 2441
2476 2503 2537 2604 2651 2679 2737 2760 2803 2805
2877 2893 2906 2939 2944 2951 2987 3118 3129 3135
3192 3219 3247 3314 3356 3407 3461 3503 3506 3517
3520 3525 3556 3576 3786 381(13831 3865 3927 3993 4000.
Submission.
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Freitag den 16. Dezember 1904, mittags 12 Uhr
einzureichen.
Zuschlag erfolgt bis zum 19. Dezember 1904.
Gießen, 9. Dezember 1904. B10/12
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