Ausgabe 
13.10.1904 Erstes Blatt
 
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l>err v. Mrbach so gestärkt, daß er schon in nächster Zeit sein Amt wieder anzutreten gedenkt.

__ Ahlwardt bat wieder einmal etwas von sich hören taffen. Am Montag hat er in Berlin gesprochen über ,25 Jahr? meines politischen LebenS*. Das Entree betrug 25 Pfg.

Zwischen dem Magistrat und den maßgebenden Re- gierungSkreisen haben vertrauliche Besprechungen stattgefunden, um die Sch ul-Affäre in einer für beide Teile befriedigenden Weise beizulegen.

BreStau, 12. Ott. DieBreSl. Ztg." meldet: Alle Vertreter deS Schlesisch-Posener Vieh Händler verbandet und deßFleischergewerbes in der amtlichen Notierungs­kommission des Breslauer Schlachthofes beschlossen, wegen einer schwer beleidigenden und die wahren Tatsachen ent-' stellenden Kritik der schlesischen LandwirtschaftSkarnmer an ihrer Tätigkeit ihre Aemter niederzulegen.

Leipzig, 12. Okt. Dem ,Leipz. Tagebl.* zufolge isl 6er bekannte ZentrumSabg. ReichSgericht § ratDr. Spa hn als Nachfolger deS am 1. April 1905 in den Ruhestand tretenden Kölner Oberlandesgerichtspräsidenten Hamm in Aussicht genommen.

Ausland.

Budapest, 12. Okt. Abgeordnetenhaus. Auf die Anfrage des Grafen BlasiuS Betdlen (liberal) über die Futter- not erklärte der Ackerbauminister, dtvö im August erlassene Futterauöfubrverbot müsse nicht nur aus wirtschaftlichen, fonbcnt Mich aus strategischen und hygienischen Gründen bis zum nächsten Frühling aufrecht erhalten werden. Von einem allgemeinen Notstände trime keine Rede sein. Nur in einzelnen Gegenden herrsche Mangel, zu dessen Mhilfe die Regierung geeignete Maßnahmen beschlossen habe. Er sei vom Ministerratc zum Ankauf von Futterstoffen, Mais, Kartoffeln usw. ermächtigt. An den Hauptorten des Notstandes würden Lebens- mittelmagazine errichtet werden, wo Lebensmittel, Leu. Stroh und Futterstoffe zu normalen Marktpreisen an die Bevölkerung verkauft werden sollten.

Saloniki, 12. Ott. Kvmitadschis übersielen am Sonntag ein Torf bei Monastir, ermordeten den Priester der Kirche während der Messe, sowie zwei Kirchenväter und verbrannten das Daus des Priesters samt dessen Frau.

Washington, 12. Ott. Nach dem Programm für die Enthüllung der von Kaiser Wilhelm gestifteten Statue Friedrich des Großen wird die Feier am 19. November durch ein Gebet des ^krmeekaplans eröffnet werden. Es werden die Mitglieder des Kabinetts und des diplomatischen Korps, der Oberbundesrichtcr, der kommandierende ^ldmiral, der Chef des Generalstabes, sowie Offiziere des Leeres und der Flotte, welche deutscher Abstammung sind, der Feier beiwohnen. Tie Gemahlin des deutschen Botschafters, Freifrau Speck von Sternburg vollzieht die Enthüllung. Ter Botschafter übergibt das Standbild mit einer kurzen Dnlvrache der Obhut des Präsi­denten Roosevelt. Ter Präsident erwidert in längerer Festrede. Nach ihm spricht noch der Kriegsminister Taft im Namen des Leeres. Unter den Klängen der amerikanischen und der deutschen Nationalhymne wird die Feier ihren Abschluß finden. Tie Statue ist in Baltimore ein getroffen.

3>er Lippesche Ivgentschaftsstrcit.

Der Grafregent zur Lippe hat einem Jntervierwer auf die Frage, rote er das kaiserliche Telegramm em­pfunden habe, als Antroort eine kleine Geschichte erzählt. Als derzeit das erste Kaisertelegramm den Grafregenten Ernst ereilte, habe ein dem Grasen Ernst Nahestehender ihm ge- raten, daS Telegramm sofort derOeffentlichkeit zu übergeben, daS sicher sofort Front gegen die kaiserliche Aeußenmg Her­vorrufen roerde. Graf Ernst habe auf den Vorschlag erwidert, er wolle eS sich eine Nacht lang überlegen. Als der Mahner am nächsten Tage nach dem Resultat des Nachdenkens forschte, habe der alte Grafregent die folgenden Worte gesprochen: »Ich bin der Erste eines kleinen Landes der kann einen Schlag von oben ertragen; dieKaiser- krone aber darf nie einen bekommen! Wie da­mals das Telegramm doch noch nach außen drang, ist heute noch ein Rätsel, auf diesen Standpunkt seines Vaters hat sich Graf Leopold auch dem letzten Kaisertelegramm gegenüber stellen wollen. Der Gedanke, das Telegramm für seine Person verletzend zu halten, wäre ihm nie gekommen. Hätte er es als eine Kränkung ausgenommen, so wäre das Telegramm sofort und ohne daß es zu irgend jemanden Kenntnis ge­kommen wäre, von ihm vernichtet worden. Er habe aber in der Aeußerung eine Stellungnahme des Kaisers bem Lipper Lande gegenüber erblickt; das sei eine Staatsangelegenheit, und er habe es für seine Pflicht, die er seinem Gewissen und seinem Lande schulde, erachtet, das Telegramm seiner Ne­gierung zur weiteren Behandlung zu übergeben.

Auf die weitere Frage, wie sich der Grafregent zu dem erneut an zu rufenden Richters pruche stelle, erklärte Graf Leopold, daß er niemals vorher geglaubt habe, sich noch einmal einem Richterspruch unterwerfen zu müssen, so fest überzeugt sei er von seinem Recht auf den Thron gewesen. Ebenso durchdrungen davon sei er auch noch. Trotzdem habe er in die erneute Prüfung gewilligt. Aber das eine wolle er für sich beanspruchen, was jeder Bürger seines Landes, und fei es der geringste, als sein gutes Recht fordern dürfe: daß ein ordentlicher Gerichtshof über sein Anrecht auf ben lippeschen Thron entscheibe. Wohl wäre ihm das Reichs­gericht als höchster Gerichtshof das liebste Forum, allein auch hierin lasse er dem Bundesrat gern freie Hand. Bis zur Fällung des llrteilspruches aber, das erfordere die Gerechtig­keit, müßte die gegenwärtige Rechtslage unangetastet bleiben. Die hingebende '-treue für das Reich in den lippeschen Landen fortzuerhalten, so schloß der Grafregent, halte er für die höchste Aufgabe seines Fürstenberufes. Es täte ihm wehe, wenn im weiteren Fortgang der lippeschen Thronfrage, wäre es aus Liebe zu ihm selber, ein scharfes Wort fallen könnte gegen die höchste Pflicht aller Deutschen: gegen die Treue 'zum Deutschen Reich.

Ter lippesche Staatsminister Gevekot gewähnte zinem Berichterstatter derFranks. Ztg." in Tetmold eine Unterredung und erklärte dabei, er müsse die Verhand­lungen der heutigen Sitzung des Landtages abwarten und könne über deren Verlauf nichts Vorhersagen. Die Staats­regierung stehe vor einem Rätsel gegenüber dem Verhalten des Landtages. Die Negierung habe nur den Staatswagen in dem Geleise vorgeschoben, das der Landtag selbst durch die Landesgesetzgebung vorge­zeichnet habe. Der Landtag verlange aber mehr als sein Recht, wenn er in dem Kamvromißantrag, der das Ergebnis der letzten Sitzung war, sich auf das Regcntschaftsgesetz von 1895 berief, denn dieses Gesetz gelte nur bis zum Ab­leben des wegen seiner geistigen Erkrankung regierungs- unsLhiLeu Fürsten Karl Alexander. Nun sei zwar der

72tährige Fürst Karl Mexander leiblich gesund und lebens­kräftig, aber für den Fall seines Todes müsse Vorsorge getroffen werden, daß daS Land nicht in erneute innere Wirren verfalle. Deshalb könne auch die Negierung nicht zu geben, daß die gegenwärtige Regentschaft nur aus ein Jahr anerkannt werde. Das ganze Bestreben der gegenwärtigen Regierung richte sich ja überhaupt auf die dauernde Ordnung und Herstellung der Verhältnisse im Fürstentum Lippe. Daher and) daS Angebot des jetzigen Grafregenten Leopold, seine gute Sache nochmals einem Elerichtshofe zu unterbreiten. DaS sei nicht nur ein Aus­fluß der Friedensliebe, sondern and) zürn Teil ein Dokument für daS Bewußtsein seines guten Rechtes, das der Grafregent in vollem Maße besitzt. Man hätte es ja ruhig verstehen können, und im lippischen Lande habe mau es sogar vielfad) verlangt, daß der neue' Grafregent sich ein fad) auf den Standpunkt stelle, er sei als der un­bestrittene Sohn seines >Vater? der nächste Erbe am Thron und ihm stehe nicht nur von vornherein das Recht auf die Regentschaft, sondern auch beim Tode des Fürsten Karl Alexander selbstverständlich die Besitzergreifung des Thrones zu. Die fürstlich lippesche Regierung habe diesen Stand" punkt nicht eingenommen, sondern sid) einem nochmaligen gerichtlichen Urteil zu unterwerfen bereit erklärt, weil sie wünsche, daß nun ein für alle M al die Frage der Nachfolgerschaft im Fürstentum Lippe f e st g e st e l l t werde und daß die sonstigen Magnaten nicht wieder bei der ersten besten Gelegenheit Anspruch zu erheben ver­suchen können. Auf eine Frage erklärte der Staatsminister, es sei ein Irrtum, wenn die Ansicht verbreitet werde, als ob die Anhänger der Lmie Schaumburg-Lippe von poli­tischen oder religiös-politischen Motiven geleitet werden. Ueber die Frage, ab fidi die Neuwahlen im Fürstentum' Lstipe um den Angelfmnkt des Thronstreites drehen werden, er­klärte der Minister, sid; nicht prophezeiend äußern zu wollen. Wahlen könnten unter Umständen Ueberraschungen bringen, indessen sei die Regierung sicher, daß die Mehrheit des lippeschen Volkes auf dem Boden des Rechts der Linie B i e ste r fe l d stehe, besonders nad)bcm die Biester- selber Linie der jetzigen Regierung ihre Bereitwilligkeit und ihr.Entgegenkommen in so vornehmer Weise bargetan hat. Der Minister sagte ferner, er werbe im Lanbtage den Wortlaut der telegraphischen Anzeige, die der Grasregent Leopold beim Tode des Grasregenten Ernst an den Kaiser gerichtet hat, vorlegen, um dar- zutun, daß keineswegs die Annahme berechtigt sei, als ob die Form dieser Depesche aus die Form der kaiserlichen Antwort ungünstig bestimmend wirken könne. Sodann er­klärte der Minister ausdrücklich, daß die wieder ausgewärmte Behauptung, als sei der letzte Erlaß deS Fürsten Waldemar von Lippe-Detmold niemand bekannt geworden und als habe sich der damalige Minister von Wolsram das Leben genommen, weil er daS Dokument, dessen Vor­lage der Landtag von ihm verlangte, nicht zur Stelle schassen konnte, vollständig unbegründet sei. Tas Toku- ment sei in der Gesetzessammlung des Fürstentums Lippe verössentlicht und ein Ausschuß des Landtages habe sid) mit eigenen Augen von dem Vorhanden sein und von der Authen­tizität des Schriftstücks überzeugt und im Landtag sich darüber geäußert.

Aus Detmold kommt heute ferner folgende Meldung: Tie Kommission des Landtages tagte gestern nach­mittag, ohne daß ein Resultat bekannt wurde. Die Plenarsitzung des Landtages zur Verabschiedung der Regierungsvorlage betr. die Regentschaft des Grafen Leopold findet heute lDonnerstag) statt.

Aus daS Begrüßungstelegramm, bas von ber VolkS- oerfam m(ung in Lage Sonntag an ben ®ra fr egen t en Leovolb gerichtet wurde, hat dieser mit folgender Depesch e geantwortet:

.Tief beroegt durch den mir von so vielen treuen Lippem be- qeiftert zuqenüenen HuldigungSgmß baute ich aus vollstem Sterten. TaS Bewußtsein, aus die treue Unterstützung des liupc- fcficn Volkes rechnen zu können, wenn es gilt, unserem geliebten lippeschen Lande den Weg zu bahnen, auf bem es in geordneten, friedlichen Verhältnissen zur endlichen, lang ersehnten Rübe ge­langen wird, erleichtert mir meine verantwortungsvolle, schwere Ausgabe. Ich sage nochmals meinen herzlichsten, innigsten Dank.

Leopold/

DaS Gerücht, Grafregent Leopold sei auf einer Reise in Kassel erkrankt, klärt sich jetzt dahin auf, baß es sich um den Grasen Erich zur Lippe-Weißenfeld handelt.

Auf direkte Anordnung deS Reichskanzlers sollen z. Z. unter den beteiligten Reich s-Ressort.S Be­sprechungen stattfinden, die zum Zweck haben, alle Ge- sichtspunkte zu prüfen und das nötige Material zu sammeln, damit der Bundesrat so rasch wie möglich in die Beratung der Lippe'schen Angelegenhett eintreten kann.

*

Durch die Vorgänge in Lipve werden die Blicke auch auf den regieren ben Fürsten bieses Landes, Karl Alexander zur Lippe, gelenkt, der in der Heilanstalt St. Gilgenberg bei Bayreuth lebt. Ob sich der Fürst selbst unglücklich fühlt, das ist eine Frage, die nicht ohne weiteres zu bejahen sein wird. Wo er sich zeigt, macht er den Ein­druck eines mit seinem Lose auSgesöhnten ManneS; wenn er überhaupt etwas vermißt, so dürste es der Umgang mit Personen fein, mit denen er sich über Fragen, die ihn inter­essieren, aussprechen könnte. Denn der Fürst ist sehr mitteilsam und hat das lebhafte Bedürfnis, sich aus­zusprechen. ES ist nicht jedem möglich, ihm ztt folgen, da das saft gänzliche Fehlen der Zähne seine Aussprack)e ziemlich unverständlick) nm d)t. Die Geistesschwäche des Fürsten ist, rote benMünch. Reuest. Rachr.^ aus Beyreuth geschrieben wird, nicht so hochgradig, daß er sich nicht seines hohen Standes und der ihm zu­stehenden Ehren bewußt wäre. Er sieht sehr auf Beobachtung ber höfischen Etikette, und es mißfällt ihm, wenn im geringsten darin gefehlt wird. Sehr erfreut tst er, wenn ihn einfache Leute vom Lande respektvoll grüßen. Weiß er, daß er noch eine höfliche Begrüßung von Vorübergehenden zu erwarten hat, so verläßt er seinen Standort erst, wenn er die Reverenz entgegermenommen hat. Der Fürst besd)äfiigt sich viel mit Zeichnen. Er reproduzirt Bilder ans illustrierten Zeit­schriften und hat eL in dieser Tätigkeit zu einer ziemlichen Fertigkeit gebracht. And) sit er ein großer Freund ber Musik. Zu abendlichen musikalischen Unterhaltungen wird der Kantor von dem benachbarten Eckersdorf beigezogen, der den Fürsten auch beim Singen zu begleiten hat. Alle mög-

Arten von Unterhaltungsspielen, and) Schach, kultiviert oer Fürst und weiß sich so die langen Winterabende möglichst klirzweilig zu gestalten. Zeitungen sind i()in zugänglich, und r ift wohl and) über die jüngsten Vorkommnisse in seinem Lande unterrichtet; inwieweit ihn diese beschäftigen, ist indeß

nicht bekannt; auf jeden Fall vermeidet er eS, über diese An­gelegenheit zu sprechen. In seinen Ansprüchen ist der greife Herr äußerst bescheiden.______________________________________

Ans Stadt und Fand.

Gießen, 13. Oktober 1904.

** Das Großh. Hess. Regierungsblatt, Beilage Nr. 26, enthält Bekanntmachungen über genehmigte Scheu- Fimgcn im 2. und 3. Quartal, über Vorarbeiten für eine Nebenbahn Bad-Nau hei mG riedel (Wettertalbahn), über Erhebung der Armenpflegekosten in Schiffenberg und über bereits wiedergegebene Ordens-, Charakter- usw. Ver­leihungen, Dienstnachrichten und Dienstentlassungen.

Darmstadt, 12. Okt. Am Dienstag vormittag be­ehrte Ihre Großh. Hoh. Prinzessin Ludwig von Battenberg in Begleitung I. Exz. der Frau Staats­minister Rothe und der Präsidentin des Vereins hessischer Lehrerinnen, Frau Lilly Wolfs kehl, daS neue Lehrer- innenbeim, Gervinnsstraße 68, mit ihrem Besuche. Der Besuch sprach sid) nad) eingehender Besichtigung des Hauses ungemein befriedigt über die Schönheit des Baues, die zweck­dienliche Einrichtung aller Räume und die wohnliche Behag­lichkeit der einzelnen Zimmer aus.

Kleine Mitteilungen au§ Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Bauunternehmer Winn au§ Gießen wurde die Konzession zur Erbauung einer besseren Wirtschaft in Mücke erteilt, wodurch ein wirkliches Bedürfnis befrie­digt wird. Die Stadt Grün berg hat die Anlage einer größeren Obsibaumpflanzung beschlossen. In Frank- furt a. M. verunglückten in einem Porzellanwarenhause in der Brönnerstraße an einem Auszug zwei Arbeiter. Der Aufzug setzte sid) plötzlich in Bewegung und riß die beiden Arbeiter mit. Der eine wurde schwer, der andere leichter verletzt. Das Preisgericht für einen Synagogen-Neu­bau in Frankfurt, an dem sich 129 Bewerber beteiligt hatten, erteilte den 1. Preis von 4000 Mk. an die Archi­tekten Josef Renters in Berlin-WilmerSdors und Karl Frieden- thal-Charlottenburg. Der 3. Preis von 1500 Mk. kam an Jürgensen und Bachmann in Charlottenbiirg. In Wies­baden wurde in der Mozartstraße ein Offizier- Genesungsheim eröffnet, daS zunächst russische Rekon- valeszenten au§ dem oftasia tischen Kriege und Deutsche aus Südwestafrika aufnehmen soll. Wie aus Ober-Jn gelheim berichtet wird, ist die feierliche Eröff­nung der Selztalbahn nun enbgiltig ans Sonntag den 23. ds. festgesetzt.

Vcrinifd>tc»<

* Geschieden muß fein. Wie aus Petersburg ge*, meldet wird, spielte sich dieser Tage folgende Szene auf dem Bahnhof in Samara ab. Ein junger Offizier nahm Abschied von seiner Frau, um in den Krieg zu ziehen. Die junge Frau hing an seinem Halse und schluchzte herzzerreißend, dabei hielt sie ihn so fest umschlungen, als wollte sie ihn nimmer lassen. Der Offizier kämpfte sichtbar mit Tränen, doch bewahrte er gewaltsam die Fassung. Da tönte der grelle Pfiff der Lokomotive . . . geschieden mußte sein. . . . Das Herz des jungen Offiziers war dieser Aufregung nicht gewachsen, er brach zusammen und fiel zu Boden. Tie hinzueilenden Aerzte konnten nur seinen Tod konstatieren. Die junge Frau wurde ohnmächtig fortgebracht und kam erst in ihrer Wohnung zur Besinnung, doch war ihr Geist um na chtet.

* Massen Vergiftung durch Branntwein. Ein Kabeltelegramm au8 Newyork meldet, daß zahlreiche Per­sonen nach dem Genuß von Branntwein starben, andere schwer erkrankten und mit dem Tode ringen. Cs stellte sich heraus, daß der Branntwein vergiftet war. 40 Todesfälle nach dem Genuß des Branntweins sind bereits ermittelt. Man befürchtet, daß bei Weiterführung der Untersuchung sich an 100 Todesfälle ergeben werden. Bis jetzt wurde in der Sache eine Verhaftung vorgenommen, weitere Verhaftung wird erwartet. Die Untersuchung des Branntweins ergab das Vorhandensein mehrerer erregender Gifte, von denen eines bestimmt schmerzvollen Tod verursacht. Die Ge- sundheitsinspektoren stellten fest, daß ein ganzer Stadt­bezirk diesen vergifteten Branntwein erhalten hat. In der Destillation, die diesen Branntwein verkaufte, war niemals eine Flasche echter Whisky vorhanden.

* Kleine Tageschronik. In M a r l c n b e i m (Elsaß) erschoß ein gewisser Rnloff, der bei einer Frau Tausch wohnte, und mit ihr ein unterhielt, deren 16;ahngen -L>ohn

mit fünf Rcvolvenschüjsen. Der Täter wurde verhaftet. ^W^en ben Stationen Zawierczie und Mvszkow der Warsawu- Wiener Bahn überfiel eine Bande Räuber den Güterzug im Walde. Durch das bewaffnete Zugperfon al wurde eme Ent­gleisung verhindert und die Räuber tn die Flucht geschlagen. D-abei wurden mehrere Zugbeamte schwer verleßt. Tw Polizei in Lemberg nahm in einem eleganten Lause rahlreicl>e Verhaftungen vor. Es handelt sich um eine peinliche Affäre, deren Aufdeckung große Sensation erregt Damen ^und Herren ber besten Gesellschaft gaben sich in dem Hause em Ltelldichmn,.wobei wüste Orgien abgehalten wurden. Tas Haus wurde ponzeilich geschlossen: weitere Verhaftungen stehen bevor. bei. Wie

b't Kolonie Koznica erschoß an der russisch-östteichischen Grenze ein 6'renirwicbtrr zwei russische Deserteure, die nach Oesterreich ffi'ch'ten wollten.

lÄerichislaal.

Mannheim, 12. Okt. Vor dem hiesigen Schöffen­gericht stand am Dienstag eine Aicheitersfrau unter der An­klage, mit Hilfe ihres Sohnes ihre Tochter aus der Zwangs­erzieh ungöan st alt in Walldürn gewaltsam entführt zu haben. Die ft-rau gab an, ihre Tachter habe ihr geklagt, sie könne es vor Läusen nicht mehr aushalten. Tatsächlich sei auch das Mädchen mit Läusen bedeut gewesen, es habe die ganze Familie angesteckt. Eine Zeugin bestätigte diese Angabe. In Anbetracht dieser Sachlage erkannte das Gericht nur auf eine Geldstrafe von drei Mark. lDas ist ja eine schöne Zwanaserziehunasanstalt!)

9JlärTtc.-

fc. Frankfurt a. M., 13. Okt. (Telegr. Orig.-Bericht de? ,,Gieß. Aiiz.".) Amtliche 91otierungeu der heutigen Viebma r k t- preise. Zum Verkailie ftanben: 43 Ochsen, 10 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 aus Oesterreich, 47 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 auL Oesterreich, 796 Kälber, 272 Schale und Hammel. Vezahst wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 6870 Mk., 3. Qual. 5963 Mk.; Bullen J. Qual. 00 -00, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 67 69 Mk., 2. Qual. 64-66 Mk., 3. Qual. 5456 Mk., 4. Qual. 45-47 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 8185 Pfg., Lebendgewicht 4851 Pig., 2. Qualität 73-77 Pfg., Lebendgewicht 43 - 46 Pfg-, Schlachtgew. 5761 Pfg.; Schale: 1. Qual. 6370 Pig., 2. Qual. 6200 Pfg. Geschäft bei Rindvieh mittelmäßig; Ucberftaub un­bedeutend. Geschäft bei Kälbern und-fterseu gut, kein Ueberstand.