Mindanao aus ein^m Hinterhalt überfallen. Zwei Offiziere und 15 Mann wurden getötet, fünf verwundet. _____
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. Mai 1904.
Der Nachdruck unserer durch Korrespondenzzeichen gekennzeichneten Originalartikel ist nur unter Zitat des „Gieß. Anz." gestattet.
"'Von derLandes-Universität. Nächsten Sonntag wird mit dem Jahresfeste derSenckenbergischenNatur- Forschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. die Feier der Grundsteinlegung zu dem Neubau des natur- historischen Museums stattfinden. Als Vertreter unserer Universität wird Se. Magnifizenz der Rektor, Prof. Dr. Brauns, an der Feier teilnehmen.
* * Auf eine 25jährige Tätigkeit als ordentlicher Professor und Direktor der medizinischen Klinik an der Universität Gießen kann mit Beginn des Sommersemesters 1904 Geh. Medizinalrat Professor Tr. Franz Riegel zurückblicken. Die Kliniker veranstalten aus diesem Anlaß nächsten Dienstag einen Festkommers. Am 15. Mai 1879 trat er hier seine Stelle als ordentl. Professor an. Gr' war vordem, seit 1874, dirigierender Arzt der mediz. Abteilung der städtischen Krankenhäuser in Köln gewesen.
• • Der Kreisausschuß des deutschen Flottenvereins hielt am Mittwoch abend unter dem Vorsitz von Geheimrat Prof. Dr. Oncken in der kleinen Aulo der hiesigen Universität seine diesjährige Hauptversammlung ab. Herr Schad erstattete den Rechenschaftsbericht. Danach betragen die Gesamteinnahmen 893.20 Mk., wovon 630 Mk. an den Landesausschuß zu Darmstadt abgesandt wurden. Das Ergebnis der kine matographischen Vorführungen, die im Lause des Winters in der großen Aula der Universität stattfanden, war ein sehr günstiges. Die Vorführungen wurden von 2940 Personen besucht. Nach Abzug aller Unkosten konnten 398.39 Mk. an die Zentralstelle zu Berlin abgeliesert werden. Auf Vorschlag des Geheimrats Prof. Dr. Oncken werden die Herren Helm und Kreisamtmann Dr. Kranzbühler in den engeren Vorstand gewält. Kreisamtmann Dr. Kranzbühler erstattete darauf Bericht über die Hauptversammlung des deutschen Flottenvereins zu Dresden.
* • Der Wohltätigkeitsverein „Contentia" hält, weil sein Sommerfest am Sonntag vom Wetter nicht begünstigt war, kommenden Sonntag auf der „Schönen Aussicht" noch eine Nachfeier ab.
* • W ald brand. Im Wiesecker Gemeindewald, an der Straße zwischen der Wellersburg und dem Hangelstein entstanden gestern mehrere Waldbrände, die glücklicherweise durch rechtzeitig hinzugekommene Spaziergänger unterdrückt werden konnten.
r. Groß en-Linden, 12. Mai. Das alljährlich auf Holzburg stattfindende Himmelfahrtfest war heute äußerst stark besucht aus der gesamten Umgegend. Die Festpredigt hielt Pfarrer Vowink-Frankfurt. Zur Verschönerung der Feier trugen die Kirchengesangverein aus Lützellinden und Klein-Linden und die Posaunenchöre aus Dutenhofen, Klein- Linden und Gießen wesentlich bei.
n. Staufenberg, 11. Mai. Heute fand zu Mainzlar militärische Pferdemusterung statt. Dahin müssen auch die Pferde des Gutshofes Friedclhausen gebracht werden. Auf dem Heimwege, zwischen Staufenberg und Friedelhausen, erhielt ein Knecht von seinem Pferde einen Schlag an den Kopf, welcher nach kurzer Zeit, ehe ärztliche Hilfe möglich wurde, den Tod herbeiführte. Ein Verschulden des Knechtes liegt nicht vor.
2 Lich, 13. Mai. Am 12. ds. Mts. verschied nach kurzem Krankenlager infolge Herzschwäche zu Hohensolms die Witwe Sr. Durchl. des Fürsten Hermann zu Solms- Hohensolms-Lich, Fürstin Agnes, geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode.
§ Münzenberg, 12. Mai. Ein 28jähriger Knecht oon dem Rockenberger Hof erhängte sich gestern abend in unserer Gemarkung an dem Oekonomiewagen seines Dienstherrn, als er Arbeiten auf dem Felde verrichtet hatte. Die Behörde hat den Tatbestand noch in der Nacht ausgenommen.
§ Griedel, 12. Mai. Gestern abend geriet unweit des Orts ein mächtiger Stroh Haufen in der Nähe des Bahnhofes ein Brand; Feuerfunken ans einem vorbeigefahrenen Eisenbahnzuge sollen den Brand verursacht haben.
hd. Friedberg, 12. Mai. Rechtsanwalt Windecker, oer Kandidat der Nationalliberalen des Wahlkreises, ist ein entschiedener Anhänger des direkten Landtags-Wahlrechts. Dagegen hält man hier die beiden anderen Kandidaten nicht für Freunde einer volksfreundlichen Wahlreform, und eß heißt, daß aus Abgeordnetenkreisen Bemühungen im Gange sind, um die Zurückgehung der beiden anderen Kandidaturen zu erwirken.
s. Gonterskirche n, 11. Mai. Heute fand hier die Neuwahl des Bürgermeisters statt. Der seitherige Bürgermeister Jochem hatte seine Wiederwahl aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt. Als Kandidaten standen sich der Wagner Wilhelm Lindt I und der Polizeidiener Ludwig Lindt gegenüber, von welchen der erstere 53, der letztere 51 Stimmen erhielt. W. L. I ist somit gewählt.
R. B. Darmstadt, 12. Mai. Der Evangelische Kirchenbauverein Darmstadt-Bessungen, der sich die Aufgabe gestellt hat, für den neu angeschlossenen Stadtteil Besiungen eine eigene evangelische Kirche zu errichten, hielt gestern abend unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Frhrn. v. Senarclans- Grancy seine ordentliche Hauptversammlung ab. In dem von Pfarrer Rückert erstatteten Jahresbericht wurde ausgeführt, daß die Kirchenbaufrage als gelöst betrachtet werden könne; der früher erworbene Bauplatz Haardweg 58 wurde als zu klein aufgegeben und ein günstiger gelegener Platz an der Ohlystraße erworben, auf welchem bereits im kommenden Herbst der Grundstein zu dem neuen Gotteshause gelegt werden soll. Die Kosten für den Bau sollen die Summe von 250 000 Mk. nicht überschreiten. Die Mitgliederzahldes Vereins betrug am 1. April 1903 622, am 1. April 1904 704. Die Einnahmen und Ausgaben des Vereins balanzieren mit nahezu 4000 Mk., das Vermögen beträgt 14 879 Mk. Nach der von Regierungsrat Fuchs gegebenen Rechnungsüberficht erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, wobei außer der Neuwahl des Geh. Hofrats Prof. Dr. S tä del sämlliche übrigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt wurden.
R. B. Darmstadt, 13. Mai. (Drahtmeldung.) Se.
König!. Hoheit derGroßherzoa vegab sich gestern mittag 1 unter Benutzung des Bensheimer Schnellzuges nach Schonberg zum Besuche der fürstlich Erbach scheu Herrschaften, blieb dort bis zum Abend, übernachtete im Fürstenlager iiith machte heute früh einen Jagdausflug nach dem Jägersburger Walde. Heute mittag kehrte er hierher zurück. Morgen wird Se. Königl. Hoheit nach dem alten Residenzschlosie aus längere Zeit übersiedeln, da im Neuen Palais große bauliche Veränderungen vorgenommen werden sollen. Später begibt sich der Großherzog zum Sommeraufenthalt nach Jagdschloß Wolfsgarten.
Worms, 13. Mai. Die hiesige Handelskammer beschloß, an das hessische Ministerium, sowie an das Kais. Reichsamt des Innern folgende Erklärung zu richten: „Nachdem die Handelskammer schon früher ihren Stand- mnkt zur Monopolfrage gekennzeichnet hat, erachtet ie es als ihre Pflicht, gegen die mißbräuchliche Mono- )olisierung der wichtigsten Nahrungs- und Verbrauchsmittel wie Kohle und Petroleum hiermit wiederholt ihre Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Das Kohllensyndikat hat dieselbe monopolisierende Wirtschaftsform zu finden gewußt, welche bei der Behandlung des Petroleumgeschäfts chon lange beklagt wurde. Die Gewerbetreibenden, die Konsumenten aller Art und insbesondere auch die Arbeiter werden durch diese Maßnahmen auf das schwerste geschädigt, und unsere Industrie gegenüber dem Auslande konkurrenzunfähig gemacht. Nachdem Herr Graf Posadowsky ein Petroleumgesetz im Reichstag in Aussicht gestellt hat, sprechen wir die Hoffnung aus, daß auch für die Kohlenfrage eine entsprechende Regelung gefunden wird."
8. Ruppertsburg, 11. Mai. Der 72 Jahre alte Witwer Joh. Bott beging gestern nachmittag S e l b st m o r d, indem er sich an einem an der Decke seines Zimmers angebrachten Haken aufhängte. Das Motiv zur Tat soll die Furcht vor einer dreimonatigen Gefängnisstrafe gewesen sein, welche der Genannte wegen Körperverletzung zu verbüßen hatte.
Frankfurt a. M., 11. Mai. Die Ueberführung der beiden Raubmörder Groß und Stafforst aus ihrem derzeitigen Aufenthaltsorte, dem sicheren Polizeigesängnis, in den Schwurgerichtssaal am kommendenMon- tag wird rpnter besonderen Vorsichtsmaßregeln erfolgen, die aber auch die Schaulust der Menge enttäuschen wird. Soviel bis jetzt aus sicherer Quelle verlautet — so schreibt der F. G.-A. — werden Groß und Stafforst schon am frühen Morgen im Gefüngnishof in den Zellenwagen gebracht und den kurzen Weg über die Gerichts straße zum nördlichen Einfahrttore des Justizpalastes geführt. Im abgeschlossenen Hofe über eine dem Publikum unzugängliche Wendeltreppe kommen sie dann direkt in die Zelle, die wieder einen direkten Zugang ntr Anklagebank hat. — Tie Kartenverteilung (grüne für vie Presse, gelbe Färbung für das Publikum) hat begonnen. Da nicht nur für die nicht ausgelosten Geschworenen Plätze reserviert werden mußten, sondern auch für die hiesige und auswärtige Presse in der Zahl von ungefähr zwanzig Vertretern, weiter die verfügbaren Plätze im Zuhörerraum von den etwa 70 Zeugen zum großen Teil in Anspruch genommen werden, dürsten nur noch sehr wenige Plätze an das interessierte Publikum verteilt werden. Leute ohne Karten kommen nicht in den Zuhörerraum, nicht einmal auf die dahin führenden Treppen und Gänge. Das körperliche Befinden der Raubmörder Groß und Stafforst ist fortgesetzt gut. Die strenge Hast, in der sie gehalten werden, hat ihren Kräfte^ustand absolut nicht ungünstig beeinflußt; ihr Körpergewicht ist sogar seit der Haft gestiegen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei der am 10. ds. in Kastel erfolgten Eröffnung der Submissionsofferten für die Niederlegung der Festungswälle (Los Nr. 1) verlangte eine Kölner Firma 99 900 Mk. und eine Firma in Wiesbaden nur 46 620 Mk. Der Voranschlag betrug über 100 000 Mk.
Vernaschtes.
• Köln, 11. Mai. Ein Berliner Reisender fand bei der Rückkehr in seiner Kölner Wohnung, daß seine Gattin ein unerlaubtes Verhältnis unterhalten habe, worauf er sich durch zwei Schaffe tötete.
* Düsseldorf, 11. Mai. Die hiesige Polizei verhaftete eine Hochstaplerin, die sich Ella v. Wolff- Metternich, Tochter deS deutschen Botschafters in London, nannte. Sie hatte in größeren deutschen Städten zahlreiche Schwindeleien verübt.
* Essen, 12. Mai. Auf Zeche „Minister Achenbach" wurden durch einen Steinfall eine Anzahl Bergleute verschüttet; einer war sofort tot, mehrere sind schwer verletzt.
* Danzig, 11. Mai. Auf 5er Fabrt von Elbing nach Schönbaum kenterte bei starkem Süvwest der Kanalkahn des Schiffers Jakob Reese aus Elbing; drei Kinder von zwei' bis sechs Jahren ertranken.
* Mannheim, 11. Mai. Der wegen Ermordung seiner Geliebten zum Tode verurteilte Landwirt Johann Knapp aus Heddernheim ist vom Großherzog von Baden zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden.
* Speyer a. Rh., 11. Mai. Die hiesige Eisenbahnbrücke wurde nach dem F. G.-A gestern auseinander- ge rissen und teilweise demoliert. Das Räderboot „Straßburg II" mit drei anhängenden, schwer beladenen eisernen Schiffen wollte die Brücke passieren und fuhr infolge unrichtiger Steuerung gegen ein Brückenjoch. Das äußere Joch, auf welchem sich der Benzinmotor zum Ein- und ALfahren befindet, riß los und trieb 300 Meter stromabwärts, wo es infolge erlittener Beschädigungen sank. Das zweite Joch versank ebenfalls im Rhein. Zwei auf dem zweiten Joch stehende Brückenwärter fielen in das Wasser, wo sie mit großer Anstrengung gerettet wurden. Der übrige größte Teil der Brücke ist demoliert. Aber auch das eiserne Schiff erlitt eine so schwere Beschädigung, daß es anlegen mußte. Balken uns abgerissene Belage trieben in großer Anzahl rheinabwärts. Der Personen- und Bahnverkehr zwischen hier und dem badischen Lande ist unterbrochen. Der Materialschaden beträgt über 30 000 Mark. Der Personenverkehr wird durch Boote vermittelt. Der badische Zug läuft bis zur Brücke und nimmt hier die Reisenden auf. Untersuchung ist eingeleitet.
• Borislaw, 12. Mai. Der 830 Meter tiefe Natan- Schacht wurde gestern durch einen Brand völlig zerstört. Menschenopfer sind nicht zu beklagen.
Paris, 12. Mai. Nach weiteren Meldungen find infolge der Explosion des Ballons in der Nähe des Place de la Bastille 19 Personen verwundet. (Bgl. die Nachricht im he»,Ligen Morgenblatt.)
Wien, 11. Mai. Die hiesige Polizei verhaftete den Handlungsreisenden Friedrich Müller aus Lambsborn in
der Rheinprovinz, welcher von Zweibrücken aus Wege« Unterschlagung steckbrieflich verfolgt wird.
• Genua, 12. Mai. In einem geheimen chemischen Laboratorium, in welchem Dynamit-Patronen angefertigt wurden, fand eine Explosion statt. Das Gebäude stürzte ein. Hierbei wurde eine Person getötet, während drei Schwerverletzte aus den Trümmern hervorgezogen wurden.
• Athen, 11. Mai. Bei Theben erfolgte ein Zu- am men stoß zweier Güterzüge, wobei der Zugführer und der Heizer getötet und acht Arbeiter schwer verwundet wurden.
* Alexandria, 11. Mai. Neuerdings sind mehrere Pest fälle mit tätlichem Ausgange vorgekommen.
* St. Louis, 12. Mai. Hier wurde eine Mädchenhändlerin Namens Weinzierl verhaftet; sie hatte acht deutsche Mädchen mitgebracht.
* Selb st mord eines Offiziers. In Fürstenwalde tötete sich der Oberleutnant Freiherr von Entres-Fürsteneck vom 3. Ulanenregiment Kaiser Alexander von Rußland in einem Anfall von Schwermut durch einen Schuß in den Kopf.
• Die ersten Alpen-Touri st enunfälle dieses JahreS sind in Steiermark vorgekommen. Aus Leoben wird gemeldet: Vom Jägersteig am Gruntensee bei Tro- faiach stürzte der 20jährige Kontorist Franz Hammer vor den Augen seines Bruders, mit dem er die Partie machte, 20 Meter tief ab und wurde sterbend nach Trofaiach gebracht. — Von der Friesingerwand bei Freyenstein stürzte die 13jährige Ursula Waisnix beim Blumenpflücken ab und blieb tot.
* Die Pocken. In Weeze und mehreren Ortschaften der holländischen Provinz Limburg, auch in einigen Dörfern unweit der holländisch-deutschen Grenze, namentlich in solchen im Lause der Maas, sind die Pocken ausgebrochen. Die deutschen Grenzbehörden ergriffen energische Maß- regeln, um eine Einschleppung der Seuche zu verhindern.
Kunst und Wissenschaft.
— Das Lessing-Theater in Frankfurt a. M., daS schon vor längerer Zeit projektiert war, soll nun doch seine Verwirklichung finden. Direktor Otto Neumann-Hofer hat das Unternehmen finanziert und in der Nähe des Bahnhofs dort ein großes Terrain erworben. Als sein Sozius wird Herr Plöcker-Eckhardt aus Wiesbaden genannt. Die Pläne zum Bau, die vollendet sind, hat ein bekannter Berliner Theater-Architekt entworfen. Schon in allernächster Zeit hofft man, mit dem Bau beginnen zu können.
Herichtssaal.
Mainz, 11. Mai. Im Prozeß des Schuhhändlervereins gegen die Firma Willstädt wurde gestern vor der hiesigen Kammer für Handelssachen bis gegen 88/* Uhr abends verhandelt und dann die Plaidoyers der Rechtsanwälte und das Urteil auf heute abend um 6 Uhr vertagt. Neben anderen Zeugen gaben auch zwei Sachverständige ihr Gutachten ab, widersprachen sich jedoch fast in allen Punkten. Der erste Sachverständige, Herr Wilh. Leinberger aus Frankfurt a. M., Vorsitzender der Schuhwarenhändler für Frankfurt und Umgebung, hielt Nachschiebungen von ausgegangenen Nummern am Ende eines Ausverkaufs an sich für erlaubt. Jedenfalls müsse man aber einen Unterschied zwischen einem regulären Geschäft und einem Ausverkauf sehen. Wenn deshalb im Willstädt'schen Geschäft ein Lager im Werte von Mk. 150 000 vorhanden war, so durften Nachschiebungen zunächst überhaupt nicht, höchstens gegen Ende des Ausverkaufs vorkommen, keinesfalls aber in dem Maße, wie es geschah, weil dies mit einem reellen Ausverkauf Nicht vereinbar ist. Bei einem so großen Lager müsse man überhaupt annehmen, daß jede Nummer in mindestens 30 verschiedenen Sorten vorhanden sei, so daß man, wenn wirklich in einer Sorte eine Nummer ausgegangen war, den Kunden mit der gleichen Nummer einer anderen Sorte bedienen mußte. Wollte der Kunde das nicht, so mußte man ihn eben ohne Kauf gehen lassen, dafür handele es sich um einen Ausverkauf, der sonst nie beendigt werden könnte. Erst in den letzten Tagen sind von der Firma Willstädt Inserate veröffentlicht worden, in denen „die reichste Auswahl in allen Sorten SÄuhwaren" angekündigt war; beruhte diese Ankündigung auf Wahrheit, so war bei einem reellen Ausverkauf kein Grund zu Nachschiebungen; war das Gegenteil aber der Fall, dann durfte die Ankündigung nicht erfolgen. Auf einem ganz anderen Standpunkt stand Schuhfabrikont Jourdan von hier, der zunächst betonte, daß ihm das Willstädtsche Geschäft, das schon 50 Jahre bestehe, als streng reell bekannt sei, weshalb er auch das Vorgehen der Schuhhändler gegen die Firma höchst sonderbar finde, noch dabei zu einem Zeitpunkt, wo das Geschäft unter dem Drange der Verhältnisse aufgelöst werden muß. Bei dem großen Willstädtschen Lager befinde sich naturgemäß ein bedeutender Rest schwer verkäuflicher unkurant gewordener Sachen, die seinerzeit zu hohen Preisen gekauft wurden. Jedenfalls war das Lager viel zu groß für Mainzer Verhältnisse, daß aber Nachschiebungen hierbei stattfinden mußten, ist selbstverständlich, und auch der Wert der Nachschiebungen von etwa 6000 Mark sei in diesem Falle erlaubt. Auf besonderes Befragen erklärte Herr Jourdan noch, daß er mit der Firma Willstädt in keiner Geschäftsverbindung stehe; bekannt sei es ihm, daß Willstädt, wie ledes andere Geschäft, in letzter Zeit wiederholt Saisonausverkäufe von zurückgesetzten Waren zu ermäßigten Preisen angekündigt habe. Der llägerische Vertreter, Rechtsanwalt Dr., Guthmann, stellte hierauf den Antrag auf Entfernung der Schilder „Totalausverkauf" von dem Willstädt'schen Geschäft und wollte ferner der Firma bei Strafe verboten sehen, Nachschiebungen vorzunehmen und in den Inseraten von „reichster Auswahl in allen Sorten" zu sprechen^ _________________
Sport.
Fußball. Da zu Pfingsten zu Kassel nunmehr zum zweiten Male die Fußballmeisterschaft von Deutschland ausgetragen wird, so dürfte es angebracht sein, der Oesfentlickkeit einige Aufklärung über Ausbreitung und Verbreitung des Fußballsportes in Deutschs 1 land zu geben. Vorbemerkt sei, daß der Vorwurf, das Spiel , sei englischen Ursprungs, nach neueren Forschungen nicht mehr: stich- haltig ist. Von etwa 500 bis 600 deutschen Fußballklubs (außerhalb der Schulen) umfaßt der deutsche Fußballbund ungefähr 200, die aber an sportlichen Leistungen und Mitgliederzahl die stärksten sind. Der Bund zählt etwa 12 000 Mitglieder. Er zerfällt in 12 Verbände und hat außerdem noch 8 Einzclvereine (darunter der Gießener Klub). Die Verbände sind zum Teil wieder in Gaue geetilt. Tie Meisterschaft wird derartig ausgetragen, daß zuerst im Gau der Meister ermittelt wird, dann spielen die Gaumeister um die Verbandsmeisterschast und schließlich die Verbandsmeister 1 um die Bundesmeisterschaft. Es fanden bisher folgende Vor- und Zwischenrundespiele um die Meisterschaft des D. F. B. statt: Karlsruher F. V. gegen Vritannia, Berlin 1 :6, Verein für Bewegungsspiele, Leipzig (der vorjährige Meister) gegen Viktoria öon 1896, Magdeburg 1 :0, Germania, Hamburg gegen Akadem Rud - u. Ballspv., Hannover 11 :0, Duisburger Spielverein gegen Kasseler 1 F. V. von 1895 5 : 2, Britannia, Berlin gegen Germanra, Hamburg 3:1. Es fehlt nun noch das Spiel: V. f. B., Leipzig gegen Duis- , burger Sp. V., das am Himmclfahrtstagc in Leipzig zum Austrog , kommt, und zu Pfingsten fällt, wie oben schon gesagt, die Enl-
Leibung in Kassel. |
Arbeiterbewegung.
Mainz, 11. Mai. Die Maurer beschlossen in einer Ver^ i sammlung mit 614 gegen 22 Stimmen, am Freitag in den Streik


