Ausgabe 
13.5.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 111

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Freitag 13. Mai 1904

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gietzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kekfischen Landwirt die Siebener Zamilien. blätter viermal In der Woche beigelegt.

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Politische Tagesschau.

Krisengerüchte.

Man schreM uns aus Berlin, 12. Mai:

Die in einem Teil der Presse verbreiteten Gerüchte über eine Kanzlerkrisis werden uns an autoritativer Stelle kurzweg alsUnsinn" bezeichnet. Von einer Erschütter­ung der Position des Grafen Bülow könne mir ein mit den tatsächlichen Verhältnissen Unvertrauter sprechen. So­weit die uns zuteil gewordene Information. Die agra­rischeTagesHtg." schreibt, nur eine einzigeUnstimmig­keit" scheine zwischen dem Kaiser und dem Kanzler obgewaltet zu haben; ihr, derTagesztg", werde glaubhaft versichert, daß der Kanzler die Ernenn­ung des Generals v. Trotha zum Ober komm and irrenden in Südwestafrika nicht gewünscht habe. Jedenfalls hat aber doch Graf Bülow mit der vom Kaiser angeregten Entsend­ung des Herrn v. Trotha sich einverstanden erklärt, und darauf kommt es an. Wenn scharfe Beobachter in letzter Zeit den Grafen Bülow in minder heiterer Laune ge­sehen haben, so dürften die Sorgen der auswärtigen Politik wohl eine ausreichende und begreifliche Begründung solcher Stimmungsbeeinträchtigung bilden.

Ein schwieriger Posten.

Man schreibt uns von besonderer Seite:

Zu der keineswegs inaktuell gewordenen Frage des Rücktritts des Kolonialdirektors Dr. Stübel verlautet von unterrichteter Seite, daß nach Beendigung der Afrika-Konferenz der die Ernennung des Generals von Trotha folgte, bei Dr. Stübel der Entschluß, sein Amt niederzulegen, feststand. Es sei indessen dem zum Kolonial­direktor entsandten Vertrauten des Kaisers, Admiral Holl­mann, gelungen, Dr. Stübel zu überzeugen, daß sein Rück­tritt jetzt den ungünstigsten Eindruck machen und die nicht geringen Schwierigkeiten noch vergrößern würde. Dr. Stübel bleibt also bis auf weiteres, aber er hängt an dein undankbaren Amt jetzt weniger denn je. Vielleicht ist die Tätigkeit auf keinem einzigen Verwaltungs- Posten mit solchen Schwierigkeiten verknüpft wie an der Spitze der Kolonialabteilung. Es muß einmal ausgesprochen werden, daß innerhalb dieses Ressorts verschiedene nicht selten sich kreuzende Neigungen und Strömungen vorhanden sind, daß Einflüsse sich geltend machen, bereit Zurückdräng- nng dem Kolonialdirektor auf jeden Fall Verdrießlichkeiten 'bereitet. Dr. Stübel ist ein sehr wohlhabender Herr; wer wollte es ihnt verdenken, wenn er den mit seinem Amt verknüpften Aufregungen und Enttäuschungen Valet zu sagen geneigt ist. ________________________________________

Der Aufstand in Aeutsch-Südrvestafrika.

London,. 12. Mai. Nach einer Drahtuny aus Jo­hannesburg verlassen die in den Goldminen am Rand arbeitenden Hereros das Land, um sich dem Aufstande in Deutsch-Südwestafrika an­zuschließen. Eine große Menge wurde an der Grenze der Kalahari, welche sie zu überschreiten im Begriffe waren, sestgenommen, aber viele entkamen.

Berlin, 12. Mai. Aus Windhuk wird gemeldet: Die Nordabteilung rückte am 9. d. M. mittags von Karibik aus Omaruru ab. Bei Ranas, fünf Kilometer östlich von Ontju, fand ein Patrouillengefecht statt, wobei ein Obermatrose fiel und ein Reiter verwundet wurde, zwei werden vermißt. Als bei einbrechender Dunkelheit Ontju beschossen wurde, gingen die Hereros aus Paresisberg zurück. Samuel Mahahero soll vier Tagemärsche östlich von Omaruru sitzen, andere Haufen Herero sind in nördlicher und nordöstlicher Richtung ab­gezogen. Einzelne Banden durchstreifen die Gegend. Eine Farm bei Okumbahe wurde von den Hereros über­ llen und mehrere eingeborene Wächter getötet.

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Da8 Vorrückeu und Landen der Japaner.

Petersburg, 12. Mai. Ein Telegramm des Generals Pflug an den Kriegsminister vom 11. Mai befaßt: Wie unter dem 10. Mai berichtet wird, rückte eine von den japanischen Di­visionen, anscheinend eine Gardedivision, aus Föng- w a n g t s ch ö n g auf dem Wege nachHaitscheng vor. Gegen eine Division Infanterie mit 40 Geschützen und 1500 Mann Ka­vallerie sollten auf dem Wege Föngwangtschöng-Samadsi vor­gehen : bis jetzt ist in Kuandiansian die Vorhut dieser Abteilung gesehen worden, bestehend aus einem Bataillon Infanterie und drei Eskadronen, sowie einer Gebirgsbatterie. Meldungen vom 7. Mai zufolge hatten die japanischen Truppen in der Nähe von Föngwangtschöng in zwei Abteilungen Stellung genommen, die erste einen Tagemarsch nach Südwesten von Föngwangtschöng, die zweite am mittleren Laufe des Tagangho, welche an demselben Tage den Uebergang über diesen Fluß begann. Nördlich vom Kap Ternintel wurden 30 japanische Transportschiffe gesehen. In den übrigen Gebieten keine Veränderungen.

Petersburg, 12. .Mar. Em Telegramm des General­majors CH ar ko witsch an den Generalstab vom 11. Mai lautet' Am 9. Mai erschien im Tale desSedshho, eines linken Nebenflusses des Tajanpho, die japanische Vorhut. Eine bedeutende feindliche Abteilung fährt fort, Kuanmtao auf dem linken Ufer des Tajanpho, 15 Werst nördlich von Takuschan, zu besetzen eine andere, ein Bataillon und eine halbe Eskadron starke Abteilung befindet sich etwa 8 Werst nördlich von Taku­schan. Nachrichten zufolge stand eine japanische, gegen 10000 Mann Infanterie und 50 Geschütze starke Abteilung am 10 Mat in Salidsaipudsa, auf dem linken Ufer des Tajanpho, 30 Werst nördlich von Takuschan und rückte am 11. Mai nach Siuian vor. t

Petersburg, 12. Mai. Em Telegramm des Generals Cb ar ko witsch an den Generalftab vom 11. Mai lautet:Am 4. Mai erschienen auf der Höhe von P i t ß e w o und Kap T e- minal gegen 60 japanische Transport-- und Krregs- j dj * f r e. Äur Feststellung der feindlichen Strettkrkfte und der

Absichten des Gegners wurden freiwillige Abteilungen ausgesandt; diese stellten fest, daß die Japaners üblich derMündung des Flusses Schannehe, 15 Werst von Pitßewo, ge­landet waren. Ihre Zahl betrug 10000. Die russische Bevölkerung verließ Pitßewo. Eine russische Abteil­ung stieß gegen abend auf den Feind, der in Ueberzahl war, und w i ch diesem aus; sie wurde« 8 Werst weit von den Japanern verfolgt und hatte nur geringe Ve r l u st e. Me Japaner sandten am Abend des 5. Mai eine gegen zwei Regimenter starke Abteilung nach Tandsiafan westlich von Pitßewo, sowie zwei Abteilungen in der Richtung nach Süden und Westen vom Land­ungsplätze. Um 8 Uhr morgens am 6. Mai zeigten sich Streif­wachen bei Pulandian. Hierauf rückten Jnfanterieabteilungen vor, die ein ergebnisloses Feuer auf einen nach Norden fahrenden Zug eröffneten. Am 7. Mai räumten die Japaner Pu- l a n p i a n, wahrscheinlich aus Furcht, abgeschnitten zu werden, da em Cy klon zu wüten begonnen hatte. Eine Heine russische Kavallerieabteilung nahm am 8. Mai Rekognoszierungen nach der Station Ssanschiltpa, südlich von Pulaudian, nach Pitßewo und Wafandian vor und legte im Lause des Tages 85 Werst zurück. An der Bahnlinie zeigte sich der Feind nicht. Chinesischen An­gaben zufolge wurden im ganzen gegen 20000 Japaner mit Artillerie gelandet. Am 9. Mai griff eine japanische' Abteilung den russischen Vorposten bei einem Dorfe südlich von der Schanchemündung an. 4 Mann von der Grenzwache wurden getötet und 8 verwundet. Am 10. Mai zogen sich die japani­schen Abteilungen von der Eisenbahnlinie zurück. Ein Oberst­leutnant des 4. Eisenbahnbataillons ließ die Bahnstrecke nach Port Arthur ausbessern. Am 9. und 10. Mai b e s etzte die j a p a n i s ch e V o rh u t das Dorf Mu t fl a tu n und das Dorf S o s d i a t i n. Andere Vorposten des Gegners nahmen 10 Werst westlich von Pitßewo Stellung. Eine feindliche Eskadron näherte sich Wafandian auf 20 Werst, kehrte aber um, da sie einer russischen Streifwache begegnete. Das Dorf T a n s i a t o n wird von dem Feinde besetzt gehalten. Auf eine kleine russische Streifwache, die sich am 10. Mai Pitßawo näherte, wurde Geschützfeuer eröffnet.

Vom Moticnpaffe.

Paris, 11. Mai. Petersburger Privatmeldungen zeugen übereinstimmend von schweren Besorgnissen, die durch die Berichte über die Situation der Hauptmacht Kuropatkins her­vorgerufen worden ist. Man kennt zur Stunde noch Nicht die Stärke der Kolonne, welche zur Verteidigung deS Motien-Passes aus­gesandt wurde und aus Infanterie und Kavallerie bestand. Man weiß nur, daß die Infanterie durch die japanische Gebirgs-Artillerie sehr erhebliche Verluste er­litt. Die Russen hatten entweder ungenüaendeGebirgs- Artillerie oder sie kamen nicht in die Lage, sie günftig zu plazieren.

Paris, 11. Mai. Das Gerücht, daß General Sassu- l i t s ch in der Nähe des Motien-Passes gefallen sei, ist noch unbestätigt. Zugestanven wird, daß Mangel an Artillerie es unmöglich macht, den Vormarsch Ku­rokis durch die beiden Pässe zwischen Föngwangtschöng und Langtszeschan aufzuhaltcn. Auch fehlt es im russischen Hauptquartier stark an Kavallerie, um den Japanern in der Liao-Ebene bei ihrer Entwickelung zu der erwarteten Schlacht am Liaoyang Verluste beizubringen.

Die Vereinigung des russischen Geschwaders.

Petersburg, 11. Mai. Hier geht das Gerücht (!), daß das Wladiwostok-Geschwader sich mit dem Geschwader in Port Arthur vereinigt hat. Hierbei seien drei japanische Kreu­zer und ein russiseher Panzer in den Grund ge­schossen worden.

Port Arthur.

Paris, 12. Mai. Wie aus Petersburg gemeldet wird, trifft die Garnison von Port Arthur angesichts einer bevorstehenden B e- lagerung große Vorbereitungen. Die Truppen sind damit beschäftigt, durch Minen größere Hindernisse zu sprengen, welche den russischen Geschützen das Zielen erschweren, oder den Japanern als Schlupfwinkel dienen könnten. Dies dürste auch die Erklärung für die Explosionen fein, von denen Admiral Togo berichtet. Im russischen Ge­neralstabe glaubt man nicht, daß die Japaner darauf verzichtet haben, Port Arthur förmlich zu belagern.

London, 11. Mai.Daily Chronicle" berichtet aus Tokio: Die Japaner beschäftigen sich damit, schwere Geschütze nach Port Arthur zu bringen, um die Stadt zu beschießen.

Des Zar verabschiedet sich.

Paris, 12. Mai. Nach Meldungen aus Petersburg begibt sich der Zar in den nächsten Tagen nach Charkow, um sich vom zehnten Korps zu verabschieden.

Russisches Schuhwerk.

Petersburg, 11. Mai. In Irkutsk ist ein großer Skandal entdeckt worden. Es hat sich herausgestellt, daß für 10000 Rubel Militärschuhe, die von Warschau geliefert worden sind, nicht genäht, sondern nur geleimt waren.

Die japanische Anleihe.

New York, 12. Mai. (Reuter.) Tie Anmeldungen auf die Subskriptton der japanischen Anleihe übersteigen den auf­gelegten Betrag. Die Subskription bleibt jedoch bis zum 13. Mai vormittags offen, um den auswärtigen Zeichnern zu ermöglichen, ihre Aufträge zu erteilen.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Mai. Man meldet aus Straßburg: Das Kaiserpaar traf gestern in Begleitung der Prin­zessin Viktoria Luise zu viertägigem Aufenthalt hier ein. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag oes Gesandten v. Tschirschky-Bögenborff. Um 10 Uhr begab sich das Kaiser- vaar mit der Prinzessin Viktoria Luise uito Gefolge nach oer evangelischen Garnisonkirche zum Gottesdienst. Mili- täroberpfarerr Richter hielt die Predigt. Der Kaiser nahm nach der Kirche militärische Meldungen entgegen und nahm sodann vor dem «panptportal der Oberpostdirektion in der Kaiser Wilhelmstraße den Vorbeimarsch sämtlicher Truppen der hiesigen Garnison ab. W zogen zuerst die Fußtruppen, dann die berittenen Mannschaften vorbei. Letztere waren Ebenfalls zu Fuß. Die Kaiserin sah mit der Prinzessin vom ersten Stock der Oberpostdirektion dem militärischen Schauspiele zu. Nach der Kritik hatte der Kaiser eine län­gere Besprechung mit dem Generalleutnant v. Trotha. Inzwischen fuhr die Kaiserin mit der Prin- zessin nach dem Kaiserpalast, wohin der Kaiser bald darauf folgte. Um 1 Uhr begab sich der Kaiser zum kommandie­

renden General Ritter Hentschel v. Gilgenheimb und nahm dort das Frühstück ein. Heute nachmittag unternahmen der Kaiser unh die Kaiserin bei schönstem Wetter eine Spazier­fahrt. Sie wohnten abends der Familientafel beim Statt­halter bei. Ter Kaiser verlieh dem Schwiegersohn des Statt? Halters, Fürsten zu Leiningen, den Kronenorden 1. Kl., dem Professor der hiesigen evangelisch-theologischen Fa­kultät N o w a ck den Kronenorden 3. Klasse.

Der Kaiser erhob den Präsidenten des LandeSauS- schusses für Elsaß-Lothringen Staatsrat Jaunez in den erblichen Ade Ist and.

Im Reichsschatzamte schweben Erwägungen darüber, in welcher Weise ein einheitliches Verfahren bei der Ge­währung von Veteranenbeihilfen seitens der Einizelregieruntzen zu erreichen sein könnte.

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags setzte eine Kommission ein, die Maßnahmen zur Abwehr des behördlichen Einschreitens gegen die Verwalt­ung der Krankenkassen, wie in Köln, Solingen und Leipzig, beraten soll. Die Fraktion beschloß ferner eine Interpellation wegen des preußischen Gesetzentwurfes betr. K o n t r a k t b r u ch ländlicher Arbeiter.

Das Abgeordnetenhaus hat gestern' die erste Lesung des Ansiedelungsgesetzes beendet und die Vorlage einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgt dann die erste Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Dienstbezüge der Kreistierarzte. Die Vor­lage sieht eine Erhöhung der Bezüge der Kreistierärzte: vor. Dieselbe wurde nach längerer Debatte an eine Kom­mission von 14 Mitgli^rern verwiesen, desgleichen nach kurzer Debatte die Vorlage betteffend die Gebühren der Medizinal-Beamten ebenfalls an eine isgliedrige Kommission.

Kiel, 11. Mai. Tie vier Schiffe der Kreuzer-Divi­sion in Ostasien gehen statt nach Nervport News' zunächst nach den haitianischen Gewässern, um dort die deutsche Flagge zu zeigen, da Unruhen' erwartet werden. Als Rerrdezvous dient Port au Prince. Sodann erfolgt die. Weiterreise nach Newport News. Der KreuzepGa'zelle" bleibt, wenn nötig, dort.

Mülheim, 11. Mai. Zum Aerztestreik berichtet dieMülh. Ztg." folgendes: Ein Arzt des städtischen Kran­kenhauses legte einem Knaben, der den Arm gebrochen^ hatte, einen Verband an: er nahm aber den fertiagestellten> Verband wieder ab, als er erfuhr, daß der Vater des Knaben auf dem Kabelwerk Kckrlswerk arbeitete, auf demjenigen Werke, welches in dem Streite zwischen dem Aerzten und den Krankenkassen zu Ungunsten der Aerzte! den Ausschlag gab. Der Begleiter des Knaben wollte bas^ Arzthonorar und die Kosten für den Verband erlegen. Die zuständige Behörde hat eine Untersuchung eingeleitet.

Ulm, 12. Mai. Heute tagte hier die erste Hauptver-. sammlung des Württembergischen Journalisten- und. Schriftstellervereins unter Leitung deS Redakteurs! Adolf Heller (Schwäb. Merkutt'). Das Justtzministerium, war vertreten durch Ministerialrat Schwab', das Ministerium^ des Innern durch Ministerialrat Scheurlen. Die Versamm­lung beschloß den Anschluß an den Deutschen Journalisten- und Schriftstellerverband, und die Absendung von Eingaben an den Reichstag und den württembergischen Landtag für Aushebung des Zeugniszwangs der Redakteure.

Aüslanö.

Stockholm, 11. Mai. Die Verfassungskommission erstattete Bericht über den Regierungsentwurf betr. Erweiterung des, Stimmrechtes bei den Wahlen zur zweiten Stammet des Reichstages. Die Kommission schlägt die Einführung des all-^ gemeinen ©timmred)teä bei Proportionalwahlen vor. Bedingung für die Ausübung des Wahlrechtes ist ein Alter von 25 Jahren und die Bezahlung von Staats- und Kommunal-, steuern. Die Anzahl der Mgeordneten der zweiten Kammer wurde auf 170 vom Lande und 60 von den Städten festgesetzt.

London, 12. Mai. Das Unterhaus lehnte den Beschluß- antrag, dahingehend, den Parlamentsmitgliedern eine' Geldentschädigung zu zahlen, mit 221 gegen 155 Stim­men a b.

Birmingham, 12. Mai. Chamberlain hielt heute abend hier eine Rede. Er gab einen Rückblick über das Ergebnis seiner Zolleampagne während des ersten Jahres und führte aus, diese bewirkte bereits große Veränderungen im Auslande. Während feiner Auslandsreise sei er mit Persönlichkeiten zusam- mengefommen, die freimütig den Wert der neuen Politik Angaben Einige erkannten sogar an, wenn diese zur Geltung käme, müßten sie ihre Farbiken nach England verlegen. Er könne nicht wider­sprechen, daß die nächsten Wahlen sich einzig nach der fiskali­schen Frage hin vollziehen werden. Es sei möglich, daß die Volks­tümlichkeit der Regierung erschöpft sei. Eine Niederlage der Unio­nisten bei den Wahlen sei möglich. Aber die Unionisten brauchten nichts zu verlieren, wenn ein Wechsel in der Dekoration und in den Akteuren einträte und ein Stück auf der Bühne erscheine, das in­folge deS Zischens bald von derselben verschwinden müsse.

Wien, 11. Mai. Die parlamentarische Kommission des Tschechenklubs beschloß in ihrer heutigen Sitzung eine Kund­gebung. Ohne Rücksicht aus die Verhandlungen über Versöhnung müßten sie die böhmische als Amtssprache und eine Universität in Mähren fordern. Die Alldeutsche. Vereinigung beschloß ebenfalls ein Kundgebung, worin auf die schädliche Wirkung der tschechischen Obstruktion und die hierdurch verursachte Willkürherrschaft des § 14 verwiesen und das Fest­halten an dem bekannten Linzer und alldeutschen Grundprogramm betont wird. Tie Kundgebung protestiert gegen alle Versuche, durch sogenannte Verständigungen die Rechte der deutschen Be­völkerung preiszugeben.

Belgrad, 12. Mai. Hiesige, Blätter melden, daß die Krönung deshalb verschoben fei, weil die Krone bis zum Juni nicht fertiggefteUt werden kann. Die Krone wird aus der B r o n z e des ersten Geschützes Karageorgs hergestellt.

Petersburg, 11. Mai. Der Kaiser und die K a i f e r i n wohnten heute der Ätaiparade bei.

Newyork, 11. Mai. Wie aus Manila gemeldet wird, haben mehrere hundert Moros Leutnant Harper und 39 Mann des 17. Infanterie-Regiments am 8. Mai bei Simaptenu auj