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13.4.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

154* Jahrgang

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Wliche Nachrichten über Viehseuchen.

Ne in einem Gehöfte zu Wahlen, Kr. Alsfeld, gebr^chir, Milzbrandseuche ist erloschen und die datzi iülk »»erhängte Sperre wieder aufgehoben.

Den i iiißLnerAnzeiger wcr-xkriT« Wechsel mit

NA 86

rtlhe Int täglich I ft*» Somuagt.

enn Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf- schlc roon Fünf vom Hundert, pro Monat März 1904 für kn L'ieferungSverband Gießen pro 100 Kg. betragen:

Ijafec Mk. 15.60, Heu Mk. 7.10, Stroh Mk. 4.75.

OiePen, den 11. April 1904.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Breidert.

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Ein Duell

scheint ein Zwischenruf im Reichstag noch zur Folge haben zu sollen. Am 4. März brachte der Abg. Bebel im Reichstag den Inhalt des bei Otto Janke in Berlin er­schienenen Buches des Grafen v. Baud iss in (Frhrn. v. Schlicht) .Erstklassige Mensche n^ zur Sprache. Hierbei spielte sich eine Szene ab, über welche der steno­graphische Bericht wörtlich, wie folgt, berichtet. Bebel sagte:

»Ich fürchte, daß nach den Vorgängen in Forbach, wo man auch nicht geglaubt hatte, daß roohv wäre, was Bilse schildert, und dann zur Ueberraschung erfuhr, daß alle? wahr war, keine Neigung haben wird, gegen den Graten Baudissin einen zweiten Prozeß in« Leben zu rufen. lSehr wahr! sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Große Unruhe rechts.) Ich halte dies vom Standpunkt der Militärverwaltung auch bis zu einem gewissen Grade für gerechtfertigt. Aber wenn ein Mann aus einer ersten Adelstamtlie Deutschlands (Zuruf rechts.) Lump wird mir zu- gerufen. DaS ist nicht meine Sache. Ich weiß ja, daß es Lumpen in diesen Kreisen in Hülle und Fülle giebt, weit mehr, als man bisher glaubte. (Sehr wahr! Sehr richtig I bei den Sozialdemo­kraten. Große Unruhe rechts.) Daß der Gras Baudissin, der be­kannte Schriftsteller, von den Herren von der Rechten als Lump bezeichnet wird, da weiß ich nicht, mit welchem Rechte*.

Graf Baudissin teilt nun, wie wir schon in unserem heutigen Frühblatt kurz erwähnten, mit, daß, nachdem er auf einer Orientreise am 10. März in Alexandrien von dem ihn aufs schwerste beleidigenden Zwischenruf Kenntnis erhalten habe, er umgehend den ReichStagSprasidenten Grafen Ballestrem um die Mitteilung des RamenS desjenigen Abgeordneten ge­beten habe, ,ber meine Ehre aufs schwerste verletzt hat, um die Angelegenheit alsdann sofort in geeigneter Weise zum AuStrag bringen zu können". Rach seiner Rückkehr nach Dresden hat Graf Baudissin von der Antwort des Reichs­tagspräsidenten Kenntnis erhalten, welche besagt, daß die Geschäftsordnung deS Reichstages keine Handhabe biete, einem von der amtlichen Stenographie nicht wiedergegebenen Zwischenruf der Ermittelung durch Vorlesung der Eingabe des Grafen Baudissin entgegenzuführen. Graf Baudissin hat sofort die ihm geeignet ersche-'nenden weiteren Schritte getan."

Ter Mordanschlag gegen den spanischen Ministerpräsidenten.

Kekmmtmachung.

8? nvird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß arch § ß des ReichSgeseheS vom 21. Juni 1887 über alleiftungen für die bewaffnete Macht im Frieden

Beffenr-, - find im Gange.

TT" rcherufung der Landwehr der ersten Kategorie n Militärbezirks ist auf Befehl des Zaren bis ii verschoben worden, um die Aussaat zu er-

Bekanntmachung.

Don Donnerstag, den 14. l. MtS. an bis auf 1 it wi Dierben wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten "< Ikn Fuhrwerks- unb Fahrrabverkehr gesperrt:

lit Dstanlag e, zwischen Landgrafen- unb Mar- 6urgD|trflraiqe,

dir § chilkerstraße, zwischen Rorbanlage unb Asterweg,

dir Tammstraße, zwischen Walltorstraße unb Rord- anlachg! urifc

kr iefenweg.

Siesten, ben 13. April 1904.

Großher-oglickieS Polizeiamt Gießen. Herberg.

Tie ersten, in unserem heutigen Morgenblatt ver- Tie, Bc.ill'-i. Ol rchr." schreiben: Dem Vernehmen öfsentlichten Meldungen, die besagten, daß in Barce-'nach wird dem preußischen Abgeordnetenhause in

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GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

- gn Krieg zwistven Japan nnd Nußland.

Gefechte in Korea.

' M >einem amtlichen Drahtberichte vom 12. dS. 'lWittvals Kuropatkin an den Zaren schickte in der r cf litt front 8. dS. General Kafchtalinski eine Abteilung ' ic. iütau| bas linke Ufer des Jaluflnsses, Widschu gegen- Nfer.' tit Jäger setzten sich unter dem Befehle deS Leut-

-li'idowitsch und des Unterleutnants Potemkin auf die I vW Somalin (?) über und faßten eine japanische ' v f illlltiungSpatronille, 50 Gewehre stark, in dem '! ?e rrHIdf ab, als diese an der Ostküste der Insel mit drei Tnnfi-tt! en!egten. Die Russen ließen sie landen und gaben bei hm Reiter. Fast alle Japaner wurden er- sch o Gin erstochen oder ertranken. Ihre Fahr­en ne'Hit! ben in die Luft gesprengt. Russifcherseits keine le rr lüft Besonders ausgezeichnet haben sich die llnfetftirfmiere Luschkin und Ssumaschedow. Am nächsten Tmc : »ehste die japanische Flagge auf Halbinast. Pier russis oii Fäger setzten sich bei Joenamvbo über, begaben sich j nt^Dorf und hielten sich dort 12 Stunden lang auf. '' ij bimn von den Koreanern verraten wurden, sahen ü" ?ti t1 -uwungen, schleunigst wieder ihr Boot zu besteigen. Dtefs- Zinbir auf eine Sandbank auf, wobei ein Mann er- nitF. Tb? Japaner hatten die Verfolgung der Russen aufge nrrnmen, Nntrden aber von einer russischen Barke an- genrif If- die den im Wasser treibenden Jägern zu Hilfe geeilt Mr. Die Japaner wurden sämtlich nie ber­ge m ihr Boot versenkt.

' claubt in Tokio (nach Reuter), daß eine Schlacht am ? begonnen hat, obgleich noch keine direkte Meld­en ? cr einqegangen ist. Die bei der ersten Armee l" w MifttärattacheeS erhielten Weisung, sich zur 's t reitznhalten. Man glaubt, daß sie in einigen s igevAl-^chen werde.

T ist spanischen Behörden bestättgen, daß Vielfache -eba irnitzel zwischen Tschunsu und Widschu stattgi qt'-S-n haben. Das GroS der ersten japanischen Armee ist in: !er Nähe Von Widschu.

Aus Port Arthur

meldetiiidl«' Russ. Del.-Ag": Infolge Von Beschädig- un geMt er Telegraphen durch Regengüsse war ^er t«ii? c vhische Verkehr auf einige Zeit uitterbrochen. 3n be ® 'bt vom 10. April traf GroßfürstBorisWla- b i nt i !ii:r i tf cb ein. In der Osternacht wurde allgemein 'n nt'ißt Angriff der Japaner erwartet; es wurden daher ft '' Maßregeln getroffen. Vizeadmiral Makarow, der ciffr./Ld -ii4! die getroffenen Vorsichtsmaßregeln persönlich übrrwM^ verbrachte die Osternacht auf einem Wacht- boot. der Osternacht wurde ein Gottesdienst in der

L iLt« beigelegt.

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russischen Quellen herriihrende Anklage, daß icn Truppen bei Tschöndschu das Priv'leainm reuz-Flagge mißbrauchten, indem sic cht ei u M einem Hospital eingerichteten Hause l)t tick? hier in Abrede gestellt, unb es wird entart.

Kirche verhängten Fenstern zelebriert. Nur dieser Um­stand irr' her rings um die Kirche, wie in der ganzen Stadt t ^r'chenden Dunkelheit erinnerte an die Möglichkeit eines ! i bst '- den Angriffes. Die Osternacht verlief ganz ruhig ftp Festtagsstimmung bei ruhigem Wetter. Die Truppe-custebten das Fest auf ihren Posittonen in ge­hobenem ' "'inung. Heute kehrte unser Geschwader, aus Schlachtschiffen und Torpedobooten bestehend, r Ktt.euztour in Se« gegangen war, in den

nee sturm beschädigte in der Osternacht die ii tinie Blagowestschensk-Chaborowsk. Die Aus-

Volitische Tagesschau.

Zu dem Gefecht bei Okaharui

in Südwestafrika, in dem die Abteilung Glasenapp 32 Tote und 16 Verwundete hatte, schreibt dieKöln. Ztg.": Die Abteilung des Majors v. Glasenapp bestand aus etwa 500 Mann, den Kompagnien Fischel und Lieber der Marine-Infanterie, der Ersatzkompagnie der Schuh­truppe unter Leutnant v. Winkler, 4 Maschinenkanonen unter Oberleutnant z. D. Mansholt und 2 Maschinen­gewehren. Nur wenige Reiter hatten von der Schutztruppe der Abteilung beigegeben werden können, und ein großer Teil der Berittenen fiel in dem Gefecht am 13. März bei Owikokoreo. Nun ist das Gelände, in welchem unsere Truppen operieren, ganz unübersichtlich. Dichtes Dorn­gebüsch, das sich mrr auf ben engen Wegen durchschreiten läßt, dehnt sich überall aus und verhindert die Umschau. Durch diesen Buschwald war am ersten Ostertag Major von Glasenapp im Marsch von Okaharui nach Onjatu. Er hatte von Owikokoreo den Gegner südöstlich bei dem 16 Km. entfernten Otjikuoko gesucht und sich dann nach Nordosten über Okaharui auf Onjatu gewandt. Während die Herero bis zum Gefecht von Owikokorero ben Mc^ug immer tiefer in das Damararaland fortgesetzt hatten, waren sie jetzt plötzlich wieder nach Nordosten abgeschwenkt, im rechten Winkel zu ihrer bisherigen Marschrichtung. Major von Glasenapp suchte sie zu erreichen und zum Stehen zu bringen. Vor der Kolonne befanden sich die wenigen Be­rittenen, um einige besonders schlimme Wegestellen zu er­kunden, vermutlich unter Oberleutnant v. Winkler, dann folgten die Kompagnie Lieber des Marine-Jnfanterie-Ba- taillons, die Geschütze, die Schutztruppe, die anscheinend in zwei Kompagnien geteilt ist, ver Train, und den Schluß machte die Kompagnie Fischel des Marine-Jnfanterie-Ba- tailions. Durch den Zustand der Wege muß nun die Marsch­kolonne recht lang geworden sein. Die Herero scheinen gleichzeitist die Vorhut und die Nachhut angegriffen zu haben, die Beschaffenheit des Geländes gestattete ihnen, wenn man aus der Zahl der Toten schließen kann, eine Art Feuerüberfall auf den Nachtrupp zu unternehmen und den Deutschen schwere Verluste beizubringen. ES wird als ihre Absicht bezeichnet, sich der Proviantwagen zu bemächtigen, eher ist jedoch anzunehmen, daß sie suchten, die Patronen­vorräte zu erbeuten, da allmählich ihr Schießbedarf auf die Neige gehen wird. Durch das Nngreifen der Mv- schinengeschütze, welche auf einer Lichtung auffahren konn­ten, und einer von Oberleutnant Graf Brocldorff vom Seebataillon geführten Kompagnie der Cchutzg'u'pp' konnte der überlegene, zum Teil berittene Gegner geworfen und verfolgt werden. Er zog sich Nach Nordosten auf Otjikuara zurück, das von dem Gefechtsfeld etwa zehn Kilometer ent­fernt ist.

vezng-pret-r monailich7bV1^viertet» mbdid) Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.vierlel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Lagesnummer bi- vormsttagS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf* aufwärts 20 Psg.

verantwortlich Mr den ooltt. und allgem. Leilr P. Wtttko: für .Stadt und Land^ unb .Gerichtsiaal': August Goetz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

diese Erfindung beabsichtig«, di« Japaner ht den Augen der Welt zu verunglirnpfen. Die amtliche Nachforschung nach diesem Gerüchte ergab, daß die Javaner eine Verbandstation hinter ihrer Feuerlinie eingerichtet hatten und dieselbe nur benutzten, um die Verwundeten zu pflegen.

©erlitt, 13. April. Die russische Telegraphenaqentor in Petersburg meldet: Vor Portarthnr ist daS PanzerschiffPetto- pawlowSk" uutergegange«. Rar vier Offiziere find gerettet, darunter Großfürst Cyrill, welcher verwundet ist.

9cU.ii Na demvllst lcheu Landwirt i; Oie iftilener Familien. rmal in der

lona auf den Ministerpräsidenten Maura ein Anschlag verübt worden sei, wobei er verwundet wurde, werden jetzt offiziös aufrechterhalten. ES wird weiter folgende- berichtet:Der Täter hielt in der Hand ein Küchen- messer, mit dem er Maura zu stechen versuchte. Di« Waffe glitt an der Stickerei des Ministerpräsidenten Mauraj ab und verursachte nur einen leichten Riß von zwet Zentimeter Länge längs der sechsten Rippe. Der Arzt, der Maura untersuchte, beschränkte sich bnrauf, Maura einige Stunden Ruhe zu verordnen. Der Täter ist ein Bedienter namens Joachim Michel Arial. Er wehrte sich bei seiner Verhaftung und rief:Es lebe die Anarchie!" und stieß sich den Kopf an der Mauer blutig.

Der König stattete, wie ein weiteres Telegramm aus Barcelona meldet, dem Ministerpräsidenten Maura einen Besuch ab. Zahlreiche Personen trugen ihre Namen in eine Liste ein, in der die Entrüstung über das Attentat zum Ausdruck gebracht wird. Der Präsident deS Provinzial-' lnndtages hielt eine Rede, worin er daS Attentat ver­urteilte und ein Tcdeum zu zelebrieren vorschlug. Dem Vorschläge wurde unter Beifallkundgebungen von allen Seiten zugestimmt.

Das Säjicksal Eanovas del Easttllo, der am 8. August 1898 einem anarchistischen Verbrechen zum Opfer fiel, wirp hoffentlich dem jetzigen Ministerpräsidenten erspart bleiben; wenngleich ebenfalls von einem durch die anarchistische Verhetzung angeregten Mordbuben verletzt, ist er nach bett vorliegenden Meldungen mit dem Leben davongekommen^

Deutsches Reich.

Berlin, 12. April. Der Kaiser beaab sich beute, wie aus Malta telegraphiert wird, an Larw und sah beit Hebungen an Feldgeschützen und den gymnastischen Heb* ungen der Matrosen zu. Dann srühstückte er int Landhause des Admirals Domville. Heute abend ging diek»ohen- zollern" nach Syrakus zu mehrtägigem Aufenthalt nt See.

Kaiser Wilhelm, welcher zu zweitägigem Auf-, enthalt in C o r f u eintrifft, wird vom König Georg, dem Kronprinzenpaar, den Prinzen Konstantin und AndreaSft sowie dem Oberkommissar von Kreta, dem Prinzen Georg begrüßt werden.

Umfangreiche Aenderunaen zur deutschen Wehr­ordnung hat der Kaiser an Bord derHohenzollerw< in Neapel unter dem 25. März vollzogen. Die Aendev- ungen betreffen die Aushebung der seemännischen Bevölkerung des Reiches.

IN hiesigen unterrichteten Kreisen wird an der friedlichen Bedeutung des englisch-französischen Abkommens festgehalten, zumal durch die Anerkennung des Grundsatzes der offenen Tür dem deutschen Handel freie Bahn gewährt wird.

Kaiser Wilhelm hatte, wie dieGermania au8 Sao Paulo in Brasilien berichtet, die Absicht, dem Baron Rio Branco, der brasilianischer Gesandter in Berlin war, bevor er auf den Posten eines Ministers des Auswär­tigen in Rio de Janeiro berufen wurde, einen Orden zu verleihen, er nahm aber davon Mstaitd, als er in Kennt­nis gesetzt wurde, daß die Verfassung brafilianischenStaats- bürgern die Annahme von Orden rerbietet. Der Kaiser hat ihm sein von F-ranz Lenbach gemaltes Porträt zum Geschenk gemacht. Das Porträt stellt den Monarchen in Garde kürassieruniform dar.

Yiestern vormittag begannen im ReichSamt deS Jtt- nern die kontradiktorischen Verhandlungen über den Börsenverein deutscherBuchhändler. Den Vor­sitz führte Geh. Regierungsrat van der Borght. Von der ständigen Kartell-Encruete-Kommission nahmen an den Ver­handlungen teil die Reichstagsabgeordneten Dr. Spahn und Dr. Beumer. Die Zahl der übrigen Teilnehmer betrug etwa achtzig. Die Verhandlungen sind vorläufig vertrau­licher Natur.

In der heutigen Sitzung des BundeS'rateS wurde ein Antrag Preußens mit dem Entwürfe eines G«i- seyeS betreffend das Wetten bei öffentlich veranstalteten Pferderennen, den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Ten zuständigen Ausschüssen wurden ferner überwiesen die Vorlagen betreffend: 1. die allgemeine Rechnung über ben Reichshaushalt für das Rechnungsjahr 1900; 2. drei Ab­kommen über das internationale Privatrecht vom 12. Juni 1902; 3. die Ergänzung Nr. 35c in Anlage b zur Eisen­bahnverkehrsordnung bezüglich der Beförderung von Pa­tronen aus Roburit 2 und 2a; 4. die Uebersicht der Ein> nahmen und Ausgaben desostafrikanischenundsüb- westafrikanischen Schutzgebietes für daS Rech­nungsjahr 1901. Tie Mitteilung betreffend den Bericht über die Tätigkeit der ReichS-LimeS-Kommission wurde zur Kenntnis genommen.

Die Delegiertenversammlung deS Zentralver- bandesdeutscherJnduftrieller beschloß heute, eine' Hauptstekle der deutschen Arbeitaeberver^ bände zu begründen und nahm einstimmig die vom Di­rektorium des Zentralverbandes vorgelegten Satzungen an.

Der Umstand, daß die durch ben Tob bcS Präsidenteis des Kaiserlichen Statistischen Amts Tr. Wilhelmi erledigte Stellung noch nicht wieder besetzt ist, wird in Berliner Kreisen mit dem von dem Staatssekretär des ReichSamts des Innern im Reichstage vor kurzem beiläufig angedeu­teten Plane der Schaffung eines Arbeitsamts iis Zusammenhang gebracht, in dem voraussichtlich der Bei­rat für Arbeiterstatistik aufgehen und daS die Stellung einer selbständigen Reichlbehörde er­halten würde. Ter Bundesrat dürste sich bisher mit dieser Angelegenheit muh nicht besaßt haben, wenigstens ist bar» über noch nicht? bekannt geworden.