Ausgabe 
13.2.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Samstag 13. Februar 1904

Nr. 37

Zweites Blatt

154. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

stelle in jeder

I t

. für reisend0

tag abend 8 Uhr: t karuevalistische ien-SiW

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamilienblatter" werden dem ,An-eiqer viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Univerfttätsdruckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.V.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«.

erste und eS bildet sich notwendig em gewisses souveränes Ma chtbewußtsein in ihm aus. Da er nach Bauernart am Hergebrachten hängt, ist dieses Machtgesühl sehr oft mit starren, unbeugsamen RechtSbegiiffen vereinigt.

Der harte bäuerische Eisentopf, der von seinen Forde­rungen nie und nirgends ein Titelchen abläßt, ist in der Weltlitteratur wohl am häufigsten vertreten. Daneben finden sich aber auch andere Spielarten desselben Typus, die uns allesamt durch ihre Sonderart imponieren. Wie Björnson in Norwegen, Frenssen in der schleswig-holsteinischen Marsch, Anzengruber in Oesterreich, Jmmermann und Schücking in Westfalen, Bock in Oberhessen die verschiedenen Arten des Bauern­typus fanden oder finden, so Calderon, der Spanier des 17. Jahrhunderts, in seiner Heimat.

livtntt stri. Nil

Gießener KladUheuier.

Der Richter von Zalamea.

Schauspiel in 8 Aufzügen von Calderon.

Das altspanische Cavalleria rusticana-Drama CalderonS Der Richter von Zalamea* ist gestern bei uns in Szene gegangen. Wilbrandt, dessen neueste Dichtung Timandra nicht durchaus, und dessen anderweitige mannigfachen Bemüh­ungen um das deutsche Theater nicht immer erfolgreich ge- wesen sind, hat sich durch die Bühnen - Einrichtung des Alealde de Aalamea' ein Verdienst erworben, das eisern ist Ja wahrscheinlich wird dieses sein Adoptivkind alle Kinder überleben, die es selbst zeugte und aufzog. Wunder­bar in seiner einfachen Größe und jung blühend, als stamme es aus dem Gefühl der unmittelbarsten Gegenwart, hat das Drama gestern wie immer gefesselt, bewegt, ergriffet und erhoben. Der Poet weist mit feierlichem Ernst nach, daß auch andere Stände ihre Ehre haben, nicht nur die privilegierten, indem er dem schlichten Bauern die gleiche Ehre gibt wie dem Offizier; er zeigt, wie bie alten spanischen Haberfelderer furchtbares Volksgericht halten. Seinem Helden legt er die Worte in den Mund, es komme nicht nur darauf an, daß man den Degen führen lerne sondern viel mehr noch darauf, daß man wisse, wann und'wofür man ihn ziehe. So schaut er mit seinem strahlenden Dichterauge aus seiner Zeit vor drei Jahr­hunderten gar verständnisvoll in die allerneueste Zeit herüber. So schuf er, der ein Schauspielintendant und doch ein Genie war, em so sehr von Leben strotzendes Drama, daß nur das historische Kostüm verbirgt, um wie viel mehr es zur Anklage- litteratur gehört, als etwa heute die modernen Soldatenstücke und -Romane oder als Brieux' ,9iote Robe" und das nächstens uns vorzusetzende ,Es werde Recht" von Walter

,g bet» U. Februar pen-Sitzunß »IfW

,8taur»ti°n

aienW«®''

pen - Sitzun.

CalderonS Dichtung, in deren Aufbau wir Heutigen ja manches Neue finden, hat einen Kardinal-Fehler. Der Dichter läßt den tragischen Konflikt, den Konflikt zwischen persönlichem Rachedurst und dem Amte deS Dorfrichters, fallen in demselben Momente, da er auftaucht. Er stellt, nach alter Spanier Art, plötzlich den König auf die Bühne, desien Weis­heit kurzer Hand die Entscheidung bringt, der natürlich nicht den Konflikt aufhebt, aber das Opfer des Konfliktes begnadigt. In der rauhen Wirklichkeit geht es nicht so gemütvoll her, wenn die Militärgewalt mit der bürgerlichrn Rechtsprechung an einander gerät. Aber damit gibt der Dichter dem rem menschlichen Rechtsgefühl, das Sühne der Schuld vor allem begehrt und nicht nach Formeln fragt, einen m ferner Einfachheit monumentalen Ausdruck. Dazu sind einzelne Szenen im bäuerlichen Garten und Hause reinste dramatische Kunst mit tiefstem Gefühlsgehalt.

Lessing schon plante einst eine Modernisierung des Stuckes, das auch ihm außerordentlich gefiel. Bald darauf wurde es unter dem TitelAmtmann Graumann und die Soldaten" und unter ähnlichen Titeln oft gegeben. Und so sehr scheint dieser Bauerntrotz gegen Junkerfrevel angestoßen zu haben, daß eine andere Bearbeitung auS dem mädchenschänderischen Offizier einen Studenten machen mußte.

Ein moderner Bearbeiter desRichters von Zalamea" könnte ohne jede andere Aenderung als nur durch Ver­setzung des ganzen Milieus aus ein ostelbllches Bauerngut ein Stärk herstellen, daS von der preußischen Zensur als­bald verboten werden würde. .

Tie Darstellung bot, wenn im einzelnen auch manches nicht so recht getroffen war, doch im ganzen eine achtbare Wiedergabe der prachtvollen Calderonschen Werkes. Tie Titelrolle gab Herrn Linz en Gelegenheit, ferne ganze kernige, wuchtige Tüchtigkeit zu zeigen. Dieser Pedro Cresvo hatte Kraft und in den entscheidenden Stellen auch die Hoheit des stolzen Dauern, dessen Wurzeln fest -m seinem

Ostasien heraus- und nach Sibirien zurückgeworfen werden. ES sind dies alles zwar nur Striche zu einer politischen Skizze, aber ihren Zweck, das weltpolitisch? Äild des Augenblicks zu umrahmen und zu ergänzen, dürften sie erfüllen.

DieNordd. Allg. Ztg." teilt aus der Begründung der demnächst dem Reichstage zugehenden Vorlage betreffend die Reicks gar an tie für die Bahn Dar-es-Sa- laam Mrogoro mancherlei Interessantes mit. Das am meisten befriedigende Moment ist, daß die Bau­kosten durch Herabsetzung der Spurweite der Bahn um ein Fünftel ermäßigt sind. Mit der ge­ringeren Spurweite hat, nach der Begründung, sich auch der Gouverneur des Schutzgebietes ein­verstanden erklärt, da dem Verkehrsbedürsnis auch so Ge­nüge geleistet werde. Hätte man die nicht allzu fern liegende Möglichkeit dieser Beschränkung und der, ldavurch herbei­geführten sehr erheblichen Ersparnis nichi eher schon er­kennen können? Die Frage wird sicherlich im Reichstag aufgeworfen werden. Vielleicht würde das Schicksal des im vorigen Reichstag ad acta gelegten, nur von national­liberaler und reichDparteilichier Seite freundlich behandelten Entwurfs durch nicht so große Kosten und entsprechend ge­ringere Reichsgarantie sich günstiger gestaltet haben. Auch jetzt stellt ja die vom Reich zu übernehmende Zinsgarantie für die von einem Bankenkonsortium zu erbauende Bahn eine bedeutende Summe dar, 630 807.38 Mk. Aber die Belastung des Reiches soll erst mit dem 1. Juli 1908 ein­treten, indem die drei ersten Hahreszahlungen an die Aktio­näre der zu bildenden Eisenbayngeiellschast zu Lasten des Baufonds erfolgen. Man darf hoffen, daß bis au diesem Zeitpunkt der JnanspruckMchme des Reichs dessen Finanzen, insbesondere durch di« höheren Zolierlrage aus dem neuen Tarif, eine Besserung gegenüber der Gegenwart erfahren haben. Graf Bülow erklärte von dieser Eisenbahn tm Michstag, sie sei eine Lebensfrage für das ostafritanische Schutzgebiet. Das ist die eine Seite, die wirtschaftliche, des Projekts. Der Herero au sstarid hat aber gezeigt, daß der strategische Wert ausreichender Bahnverbindungen in un­seren Schutzgebieten nicht hoch genug veranschlagt werden kann.

Wir stehen vor der Alternative: entweder eine starke Schutztruppe dauernd zu unterhalten, ober zur Sicherung des Lebens und Eigentums unserer Ansiedler für die rasche Zusammenziehung und Entsendung der vorhandenen Streit­kräfte an bedrohte Punkte äu sorgen. Die größtmögliche Schnelligkeit des Handelns ist in den Schutzgebieten gegen­über der eingeborenen Bevölkerung das Haupterfordernis. Ein Aufstand, der nickst im Entstehen niedergeschlagen wird, nimmt in kürzester Zeit einen Umfang an, der bann die außerordentlichsten, beklagenswerten Opfer cm Menschen­leben und Geld zur Bewältigung notwendig macht. Spar­samkeit am unrechten Platz hat sich noch immer gerächt. Diese und ähnliche Erwägungen dürsten gerade im jetzigen Augenblick, im Baun der ernsten Sorgen um Deutschsüdwest­afrika, auch bei der Reichjstagsmehrheit ins Gewicht fallen. Steht man nicht auf dem Standpunkt: Fort mit den Kolonien! wobei dann freilich alle bisherigen Aufwend-

'9hfl, Q(8h J einen Huüetm »""ter

Rechtsbewußtsein liegen. Wohl war ine Polontus-Rede an den scheidenden Sohn nickt von der rechten Einfachheit, sondern mehr ä la Bramabas, und in der grausigen Wald­szene fehlte ihm zum Eindrücke ergreifender Tragik alles Unmittelbare^ Man konnte bei diesen seltsamen Natur- lauten an die bittere Not eines schmerzdurckwühlten Herzens nicht recht glauben. Und dann hier ist das erste und einzige Mal, da Pedro seine Fassung verliert, hier müßte plötzlich ein Anderer, maßlos Rachgieriger vor uns stehen. Ter breite Humor aber glückte ihm so gut wie die schließliche Strenge des Rächers feiner Ehre; in den Grobheitsduetten mit Ton Lope kamen alle Schlager zu voller Wirkung, und vorzüglich pointiert, feine beste Szene war seinerespektvolle" Todesurteilsverkündigung an den Hauptmann. Im ganzen toar'ä eine klar bewußte, einleuchtende Leistung voller Eindruck, Herrn Linzens Bauer auf dem Schachbrette des Lebens.

Von den übrigen Darstellern verdient zunächst Herr Haag genannt zu werden, der sehr gut den von der Gicht arg yeimgesuchten alten General und Säbelraßler Don Lope gab. Doch fehlte ihm der für einen spanischen Feld- Herrn unvermeidliche Zusatz von würdevoller Grandezza ganz und gar. Er^war im Grundzug der knurrige, schnurrige Durchschnitts-Eisenfresser mit dem Podagra und dem be­haglichen Humor. Frl. Hohl hatte das rechte Wesen£ die Isabel. Sie legte die Partie in einfachen und zugleich feinen Zügen an. Den Austritt, in dem sie dem Vater das Schreckliche schildert, das ihr widerfuhr, führte sie mit ansehnlicher Kunst, wenn hier auch noch mehr Tragik und echterer Schimerzenston erschütternoer gewirkt hüllen. Herr Sandorfs hatte die undankbare Rolle des Hauptmanns mit Geschmack und gutem Verständnis angelegt. Herr Acht er berg als Juan war ein bischen unbeholfen und knabenhafter als notwendig. Als Detteijunker uno fein ver­hungerter Diener, feit Ton Quijote Jnventariiücke des alt- spanischen Dramas, gaben sich die Herren Teleky und Tamke redlich Mühe. Philipp ll. Hütte feinen gestrigen Darsteller wohl der Inquisition zur weiteren Behandlung überliefert; Herr Pichler gab einen König, der außer dem Kostüm nichts spanisches an sich hallte. Auch in fernem dekorativen Auftreten wäre er königlicher zu wünschen ge­wesen. .. Ä

Schlimmer aber noch stand es um die Komparserie und um die mondbeleuclstete Dorsszenerie. Im übrigen war die Vorstellung gut vorbereitet, und baÄ Publikum er- wärmte sich für die Dichtung wie für dir Aufführung. Mit Dichtungen von diesem Range werden Verflachung und seichter Geschflnock am besten bekämpft, wird ein besserer Kunstsinn gefestigt. In diesem Sinne heißet es auszudauern

Afrikanische Mäne.

Gießen, 18. Febr.

Offenherzigkeiten haben ihren Wert. Es ist zwar kein Geheimnis, wie das amerikanische Jingotum über Teutschland und deutsche Polillk denkt, aber besonders be­merkenswert erscheint die Stellungnahme dieser Leute %u den Schwierigkeiten Deuts chlandsinSüdwe st - afrila. Man wünscht den Deutschen einen gründlichen Mißerfolg, dennsie stnd ein Volk, das das Heil im Korporalstock sieht, was die Hereros sich ebensowenig gefallen zu lassen brauchen, wie die Polen. Teutschland solle, ehe es aus Afrika hin- ausgetrieben wird, seine Kolonien an bie Eng­länder abgeben, bie besser wüßten, wie man freie Menschen behandeln musse". So ist zu lesen in einem Newyorker Briefe derKreuzztg.", der, bei den Beziehungen dieses Blattes zur Tiplomatie, aller MahrscheinlichLeit nach aus diesen Kreisen stammt. Wie man freie Menschen behandelt, das versteht freilich niemand so gut wie die Amerikaner und Engländer. Tie Behandlung der Ne ger durch erstere und der Buren durch letztere legt Zeugnis hierfür ab. Dock abgesehen davon gibt der Hinweis, Teutschland möge seinen ausrikanischen Besitz an England abtreten, nicht zu denken in einem Augenblick, wo zu dem Unglück in Südwestafrika Meldungen von Auf­ständen in Ostafrika und Kamerun hinzukommen? Man tonnte sich versucht fühlen, diese fast gleichzeitig ent­standenen Unruhen in den drei großen Kolonien auf em System zurüuzusühren, an dem die en g lischeHin t e r- hand" gearbeitet hat. Liegt am Ende in der Absicht, durch wiederholteArrangierung" von Aufständen in Deutsch- Afrika Deutschland diesen Besitz zu verleiden, daß es zu dessen Abtretung an England sich entschließt? Tas Ware, aus der zynischf-deutlichen Sprache des amerikanischen Jingotums in bie nichtgesprochene einer ränkevollen Di­plomatie übersetzt, eine Hinaustreibung Deutschlands aus Afrika. Liegt solche aber völlig außer dem Bereiche der Möglichkeit? Ter Blick auf die Landkarte und auf die Vergangenheit, besonders die Erinnerung an das Wort:

Afrika muß englisch werden vom Kap bis Suez!" können nicht zur Bejahung dieser Frage führen. Man vergegen­wärtige sich ferner, daß die - staatlicke - Austreibung der Buren eingeleitet wurde durch Unruhen in ^etschuancp und Matabele-Land, bis eines Tages der berüchtigte Flo- bustierzug des Tr. Jameson ,fällig' wurde. Die Buren hatten mit ihrem Schweiße den Boden in den Freistaaten urbar gemacht, das Geickäft des GrntenS behielt sich England vor. Zwanzig Jahre, schwerer Mühe stecken in den deutsch-afrikanischen Kolonien, die ,grobe' Arbeit ist getan sollte das nicht zu entsprechenden Erwägungen Anlaß geben bei der Tiplomatie, die mit Vorliebe ans anderer Leute Haut ihre Riemen schneidet? Tem amerikanischen Jiingomann steht der Genius der be- schränllen Naturen, die Schlauheit, zur Seite und macht ihn zeitweilig hellseherisch Im Grunde neigt sein Herz zu England und er kennt diesen stamm- und smn- verwanOten Freund, dem er denn auch! aus der Seele sprechen dürste mit dem Wunsche, Rußland möge aus

Bloem. m

Der Held stellt einen Bauerntypus bar, dem man, wie einst in «Spanien zu Philipps II. Zeiten, noch heute bei uns in O der Hess en auf Schritt und Tritt begegnet. Der ökonomisch unabhängige Bauer bekommt in seiner länd­lichen Einsamkeit leicht einen Zug von Kraft und Selcht» bewußtsern, um den mancher Städter ihn beneidet. Der Städter bewegt sich von klein auf m einer stets erheb­lich größeren Mcnschenzahl; er vergleicht und wird durch seine reicheren, sich schneller ablösenden Lebensersah- rimaen bescheiden gemacht, gar oft bescheidener, als der Staat eigentlich zulassen sollte! Dem vermögenden größeren Bauern fehlt vielfach die Gelegenheit,* hierauf schon in seiner Jugend zu sehen. Er ist immer der

*^«4

MO Bark

Ti Werten unter ft die Erved, d, & sucht Regen vor- Mlung und Sieger- 5000.-

an die lstp, d, U inekh! 2 Freundin. MU 60» «. 48000 wünsch, sich mit reellen tzeDerm.z.verh. Off. Berlin 814 erb. "" H bau§(. erz. Dame. I., mit 20000 M!. . Oss. v. denen, mich , mit gut. Charakt, an lBerlin S. 42. |1308 MMW. rbringer eine gute Be- 2stan'.age 39, (1425

nte( gefunden. «holen Lndwigstrahe 4. Ein großes schwarzes mben. Abzuholen bei llaud, Schulstr. 11, II. bigshöhe t Sonntag, gttße

ungen ins Wasser geworfen sein würden so muß man den Schutzgebieten gewähren, was sie vor allem brauchen, um eine nach menschlichem Ermessen ausreichende Sicher­ung zu gewähren gegen räuberische und mörderische lieber- alle. Wir glauben daher, daß die Auffassung unserer Re­gierungskreise berechtigt ist, es werde eine Verständigung mit dem neuen Reichstag über die ostafrikan ische Bahn er­reichbar fein. Das Unternehmen soll innerhalb 5 Jahren vollendet werden.

TerReichsanz. "veröffentlicht eine Bekanntmachung des kaiserlichen Kommissars und Militärinspekteurs für die reiwillige Krankenpflege, wonach in Hamburg die Hauptsammelstelle der freiwilligen Kran - kenpflege für Teutsch-Südwestafrika errichtet wurde, die sich im Passagebureau der Wörmann-Linie im Afrikahaus zu Hamburg befindet. Torthin sind Gaben bis 200 Kilo Gewickt zu richten. Während schwerere Sendungen an die Speditionsabteilung der Wörmann-Linie, reckts- elbisches Freihafengcbiet Hamburg zu rickften sind. Spenden genießen Frachtfreiheit, wenn die Frachtbriefe den In­halt der Sendungen, Bestimmungsort und vorstehend bezeick- nete Adresse der Hauptsammelstelle genau angeben, und wenn jedes Frachjtstück auf mindestens zwei Seiten mit derselben Aufschrift wie das Frachtstück versehen ist. In der Bekanntmachung wird gebeten, an erster Stelle Geld­spenden an die Vereins Organisation vom roten Kreuz ab­zuführen. Als Materialgaben werden außer Leibwäsche empfohlenl: Taschentücher, weiche Hausschuhe, Bier, Mine­ralwässer, schwere Weine, Schaumwein, Kognak, Kakao, Schokolade, Limonade-Pastillen, Fruchisäfte, Fruchtkraut iMus), für Tropenkonsum präparierte Schinken, Wurst, Zleischkonserven, Tabak jeder Form, kurze Pfeifen, Tabaks- beutel, Zigarrentaschen, Feuerzeuge.

^arlumcutartsches.

Berlin, 12. Febr. Das preuß. Herrenhaus lehnte heute das Gesuch des Justizministers um Ermächtigung zur Strafverfolgung gegen den Reichstags - Abg. Molkenbuhr wegen Beleidigung des Herrenhauses ab und erledigte dann eine Reihe von Gesetzes - Vorlagen. U. A. wurde ein Gesetzentwurf betr. Bildung einer Genossenschaft zur Regelung der Vorflut und zur Abwässer - Reinigung im Emscher Gebiet an eine Kommission verwiesen. Das Abge­ordnetenhaus setzte die Beratung deS Etats der Gestüts- Verwaltung fort und bewilligte den Titel Einnahmen. Dann folgte die Beratung des Etats der Berg- und Hütten-Ver-' Haltung, welche Samstag fortgesetzt wird.

Berlin, 12. Febr. In der Kommission deS Reichs­tages zur Vorberatung des Gesetzentwurfs, betreffend die Kaufmannsgerichte, führte Graf PosadowSky aus« In der Arbeiterbewegung könne man nur zwei Wege gehen. Entweder müsse man diese Bewegung, die einen turbulenten, ja teilweise einen reoo lutionär en Charakter trage, dadurch sich abklären lassen, daß man den Arbeiter dazu erziehe, ruhig und sachlich seine In­teressen zu vertreten, und ihn politisch reif werden lasse,