dem Halse anzufassen, sie in die Höhe zu heben und an die Mond des Klassenzimmers zu drücken, sodaß der Kops nach hinten und oben gedrängt wurde. Tann versetzte er dem Knaben eine Ohrfeige. Tadurch zuctten die Knaben stets zusammen und schlugen heftig mit dem Kopfe an Die Wand. Zu den Schülern des Teoitius gehörte Dir 13- jährige Quintaner Wallher Dusche, So^n emcs Landwirts. Busche war hochausgeschossen, iö.pertich sehr gut enuviaelt — er zählte zu den besten Turncrn der Kla,,e — geizig aber wencg begabt. Teditius erteilte in der Qumta Sieojeiu unterricht E-s erregte seinen Zorn, bajj Busche beim Rca-en- unterricht die Ziffern, die er an die Tafel zu schreiben hatte, ichief schrieb. Deshalb mußte Busche oftmals vor die Tafel treten und die Zissern ausschreiben. Sobald er diese schier schrieb, soll ihn Teditius in der geschilderten Weise geoyrfergt haben. Am 8. Januar 1C03 von 8—9 Uhr erteilte Tedrtius wiederum in der Quinta Rechenunterricht. Busche mußte Zahlen an die Lasel schreiben. Teditius sah vom Katheder aus, daß Lnscle die Zahlen schief nach oben geschrieben hatte. Er ries den Knaben zu sich, ergriff ihn am Rockkragen, drängte ihn an einen Sa-ranr uno versetzte ihm eine Ohrfeige, daß der Knabe mit dem Kopf an den Schrank flog und dieser dadurch ins Wanken geriet. Teditius trat alsdann mit dem Knaben zur Lasel, stellte ihn in sehr erregtem Tone wegen des scyiefen Schreibens Lur Rede, faßte ihn nochmals am Hal,e, drängte ihn an die andere Seite des Kla.senzimmers, vers.tz.e ihm darauf wieder eine Ohrfeige, sodaß der Knabe mit lautem Anprall an die Wand flog Teditius so.l den Knaben derartig heftig am Halse gepackt haben, daß ihm der K.agen zerrissen sei. Barsche war nach diesem Vorgang sehr abgespannt. Er klagte in der Spielpause feinen Mitschülern, 5aß er Kopfweh habe und wohl nicht zum Turnunterricht Lommen werde. Als Busche am folgenden Tage in die Schule kam, bemerkten ferne Mitschüler, daß er auffallend blaß ausjehe und zittere. Er klagte über heftigen Kopfschmerz. Als er nachmittags in dre Turnballe tarn, setzte er sich auf einen Bock, da er einen Schwindelanfall bekam. Er alitt plötzliche vom Bock herunter und fiel einem Mitschüler in die Arme. Tie Knaben setzten Busche auf einen Stuhl und brachten ihm ein Glas Wasser. Mich ehe er dies trank, mußte er sich erbrechen. Tie Knaben führten ihn darauf sogleich zu reiner in Barmen verheirateten Schwester. Dort konnte er sich nicht mehr auftecht hatten, er schleppte das linke Bein nach Tie linke Seite war gelähmt. Er wurde sofort zu Bett gebracht und mußte sich wiederholt erbrechen. Er klagte außerdem über Schwindelan fälle. Am 10. Januar v. I. wurde ein Arzt gerufen. Dieser stellte fest, daß der Knabe an Influenza leide.
Ter Patient wurde immer schwächer und mußte unaufhörlich das Bett hüten. Nach einiger Zeit trat eine Gehirnhautentzündung hinzu, und schließlich stellte sich vollständige Erblindung ein. Endlich am 3. Juni 1903 erlöste der Tod den Knaben von seinen Leiden. Ta den Aerzten das Krankheitsbild nicht klar war, fragte etwa zwölf Tage vor dem Tode der Vater den Knaben, was diesem passiert sei. Ter Knabe erzählte nun, daß er von Teditius in der geschilderten Weise mißhandelt worden sei. Teditius habe ihn mit hochgestelltem Daumen unter das Kinn gestoßen, sodaß er mit dem Hinterkopf an die Wand an- geprallt sei. Ta er jetzt seinen Tod vor Augen sehe, wolle er es sagen, damit seine Mitschüler es besser hätten. Ter Vater teilte dies dem Direktor der Realschule mit. Dieser begab sich sofort an das Krankenlager des Knaben, und nun schilderte dieser dem Direktor in gleicher Weise den Vorfall. Daraufhin wurde gegen De- oitius Anzeige erstattet. Tie Aerzte, die den Knaben behandelt haben, gaben ihr Gutachten dahin ab, daß der Lod durch einen Stoß auf den Kopf erfolgt sei. Ter Gerichtsarzt Tr. Brann war der Meinung, dag die Mißhandlung des Walter Busche sehr wahrscheinna) eine G^hirn- entzündung hervorgerufen habe, an welcher der Knabe gestorben sei, mit voller Sicherheit könne aber dies nicht behauptet werden. Es sei nicht ausgeschlossen, daß die Influenza die elgentliche Ursache für die Entstehung der tödlickten Gehirnentzündung sei. Aus diesem Anlag tonnte die Anklage nur wegen vorjätzlicher, in Ausübung seines Lehramtes gegen einen Schuler begangener Körperverletzung auf Grund des § 340, Ab;, i des Str.-G.-B. gegen Teditius erhoben werden. Dieser stand deshalb vor einiger Zeit vor der Strastammer des hiesigen Landge- gerichts. Nach beendeter Beweisaufnahme beantragte der Staatsanwalt sechs Monate Gefängnis, während der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Primave.i für Freisprechung plädierte. Ter Gerichtshof ertlarte sich aber nach längerer Beratung für unzuständig, da die Möglichkeit vorliege, daß der Tod die ur.ächliche Zolge der Mißhandlung gewesen fei. Tie Sache mußte daher vor das Schwurgericht verwiesen werden.
Jetzt hat auch, wie wir bereits in unserem heutigen Frühblatte meldeten, dieses den Oberlehrer fr ei gesprochen.
Soweit der uns ijeutc vorliegende Elberfelder Bericht. Man wird zunächst ausstihrlichere Referate über den Verlauf der SchwurgerichtsvirhanDlung abzuwanen haben. Bemerkenswert dunkt uns jedenfalls, daß Oberlehrer Teditius als ein „sehr strenger Lehrer" bekannt ge- toejeit ist, daß der Leiter der Anstart sich veranlaßt gesehen yxt, Teditius mündlich zu verwarnen, mrd daß trotz- >em die Malträtierung Dult Schülern fortgesetzt worden ein soll. Also mit direktorialen Verwarnungen oder Rund- chreiben an das Lehrerkollegium ist wenig getan. Es muß jedenfalls unseres EraaftcnS von Grund aus mit dem S y ft e m d er Z u cyt igu n g in schulen, in Volksschulen wie in den höheren .schulen, gebrochen weroen. Im „Tag" war kürzlich eine schier begeisterte Preisung des Segens der Schul-Prügelslrafe, aus der Feder eines Päoa- gogen, zu lesen. Es mag zugegeben lmroen, daß unter gewissen Umständen, wenn jeues andere Mittel der Erziehung versagt hat, der Stoa in Wirksamkeit treten muß. Rur sollte die Züchtigung eben die Aus na hme bilden unD mindestens von der auSorüalichen Zustimmung des Anstaltsleiters anhängig gemacht werden. Ter Stock gehört nicht ins Aia,fenzunmer, und ebensowenig gehört es sich, daß eine Züchtigung vor den Mitschüler n vollzogen wÄo. Solche Bestrafungen können nur auf Ro h h ei l veraumgle Gemüter einen schlimm en Einfluß üben, sie können in diesen Zuschauern der O^etutLon Schadenfreude und, was noch bedenklicher ist, Den Trieb der Nachahmung tvecken. Andere Schüler wieder von zarter Empfmdung uno feinem Ehrgefühl empfangen einen im ychen ^rabc peinlichen Eindruck. In manchem Elternhaus halt man mit grogter Sorglichteir Embrucke wwr.ger, i^ntuyc te von den jt\n* dern fern — wa§ hier aufgebaui uito g-p^gt wird, darf es die Schule vernichtenl' uuf das aike^rengiie sau) die noch vielfach gebräuchlichen ZlK--t.gungen ourcy Schlage
ins Gesicht, auf die Hände, Zerren an den Ohren — schwere, langjährige Mittelohr- Entzündungen finden oft dadurch ihre Erklärung — in den Schulen zu verbieten. Es kann die Disziplin nicht untergraben, wenn von Zeit zu Zeit alle Schüler einer Anstalt nicht nur auf das Recht, sondern auf die Pflicht sofortiger Beschoerde in diesen Fällen hingewiesen werden. Ein gewohnheitsmäßiger Prügelausteiler kann, nack-sern seine verhängnisvolle Neigung erkannt worden, nicht rasch genug aus dem Lehramt entfernt, ehe er ein nicht wieder gut zu machendes Unheil anrichtet.
Aus uni) Hmii».
(**) Burkhardsfelden, 12. Jan. Tie Schweine- verficherungsgefellfchaft hielt hier dieser Tage ihre Generalversammlung ab. Tie Wahl des Vorsitzenden ging recht stürmisch vor sich; es kam zu allerhand Trohungen und der Ausgang war der, daß der bisherige Vorsitzende nicht miedergewählt wurde, sondern sein Amt einem anderen Mitglieds übergeben mußte. Sim anderen Tage rief er aber eine neue Generalversammlung ein und behauptete in dieser, daß in der ersten Versammlung Männer ihre Stimme abgegeben hatten, die nicht mehr dem Verein angehörten. Tatsächlich hatten sich in jener ersten Versammlung Leute befunden, die ihre Mitgliedcrbeiträge seit einiger Zeit nicht mehr gezahlt hatten, weil ihnen die bisherige Geschäftsführung nicht behagte. Sie betrachteten sich aber noch als Mitglieder des Vereins, da von ihrem Austritt bisher keine Rede gewesen ist. In der ziveiten Versammlung ergab sich nun bei dec nochmaligen Wahl des Vorsitzenden Stimmengleichheit und das Los entschied schließlich zu Gunsten des bisherigen Vorsitzenden. Dessen Gegner erkannten aber diese zweifache Wahl nicht an, und es scheint sich ein Rechtsstreit auS der Sache entspinnen zu wollen.
o. Homberg a. d. O., 11. Jan. Der seit einer langen Reihe von Jahren am hiesigen Amtsgericht wirkende Hilfsgerichtsschreiber Fleischhauer wurde als stellvertretender Gerichtsschreiber nach Michelstadt i. O. versetzt. Mit der Wahrnehmung der Dienstoerrichtungen eines Hilfsgerichtsschreibers bei hiesigem Gericht wurde der Gerichtsschreibergehilfe Wagner zu Offenbach betraut.
§ Hirzenhain, 12. Jan. Tas Buderus'sche Eisenwerk erfährt in den nächsten Tagen eine Vergrößerung, indem eine Fabrck für Kochgeschirr, Badewannen u. s. w. in Betrieb fonunt
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach Mitteilung des statistischen Amtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung polizeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Ueberschuffes der Geburten über die Sterbefälle am 1. Januar 1904 mit rund 312 000 anzunehmen.__________________
vermischte».
• Ein en grausig en Fund machten Arbeiter auf einem Grundstück am Grünen Wege in Berlin. Als Rohrleger im Keller ein Kniestück aus der Leitung Herausnahmen, fanden sie darin Fleisch- und Kn och en stücke, die von einem menschlichen Körper herzurühen schienen. Nun sah man auch im Müllkasten nach und entdeckte hier und weiterhin in der Rohrleitung Teile eines neugeborenen Kindes. Kriminalkommissar Heßler begann sofort mit den Nachforschungen. Das Kind scheint von einem 25jährigen Dienstmädchen Anna Nothnagel herzurühren, das bis zum 1. d. M. hier gewesen war und sich dann nach seiner Heimat Pitschen in Schlesien begab. Kömmlssar Heßler fand ferner auf dem Boden des Wichskastens ein Brecheisen, an dem noch Blut und kleine Holzstückchen klebten. Mit diesem Eisen hat die unnatürliche Mutter dem Kinde wahrscheinlich den Schädel eingeschlagen und die einzelnen Körperteile in das Abortrohr hineingestoßen. Auf telegraphische Anweisung wurde die Nothnagel in der Heimat verhaftet.
* Was hat bie Amerikafahrt des Prinzen Heinrich gekostet? lieber diesen interessanten Nachklang zur Reste des Bruders des deutschen Kaisers wird berichtet: Aus dem jetzt dem Reichstage vorliegenden Rechenschaftsberichte über den Tispvsitionsfonü des Reichskanzlers rnteresfierte in den Vereinigten Staaten der Posten von 56 655 Mark, den die bekannte Amerikareise des Prinzen Heinrich dem Teutschen Reiche gekostet hat. Obgleich der königlichen Kronkajse der gleiche Posten zur Last fiel, so gibt das bocij nur einen Ausgabenetat von noch nicht 28 000 Lollars für eine verhältnismäßig große Reise eines kaiserlichen Punzen mit großem Gefolge. Bisher sind noch keine Ausstellungen erfolgt, was dieser Besuch den Vereinigten Staaten gekostet hat, aber ganz gewiß ist diese Rechnung mit dem Zehn-, ja Zwanzigfachen der fraglichen Summe noch nicht annähernd ausgeglichen! Fanden doch einzelne Feste statt, die jedes allein mehr verschlangen als 28 000 Dollars, gar nicht zu reden von dem luxuriösen Extrazuge, den die amerikanische Regierung stellte, um dem Prinzen wahrend der ganzen Tauer )einer Anwesenheit (21. Februar bis 11. März) auf seinen Reifen bis tief in das Innere des Landes zu dienen. Uebrigens ließ sich der Prinz sofort nach seiner Ankunft von seinem Banlier noch die Kleinigkeit von 20 000 Toll, als „Ta.chengeld" auszahlen, uub es scheint nicht, daß er viel davon noch mit nach Hause gebracht hat. — Tas Reisen in Amerika ist eben selbst für sparsame Leute ein recht kostspieliges Vergnügen!
Kertchtssaal.
Halle a. S., 12. Jan. Wie die ,Saaleztg/ meldet, verurteilte das Kriegsgericht der VIL Division den Kürassier Otto Richter aus Halberstadt, der seine Braut, welche bei dem 'Ulajot v. Horn in Dienst stand, in der Küche gegen den Willen der Herrschaft besucht hatte, wegen Hausfriedensbruchs zu 13 Tagen G e s ä n g n i s.
Crimmitschau, 12. Jan. Das Schöffengericht hat den Geschästsfnhrer der dortigen Filiale des Deutschen Textri- arbeite r -Verbau des, Albin Hecht, wegen B e l e i d i - g u n g von 75 Crimmitschauer Fabrikanten, verübt durch em Flugblatt, zu 2 Wochen Gefängnis und den üblichen Neben- straien verurteilt. Ter Färbereibe jitzer Selbmann wurde wegen Beleidigung des Hecht zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt.
Wien, 12. Jan. Dor dem Bezirksgerichte »Innere Stadt" begann heute die Verhandlung der Klage des ehemaligen Kavallerie- Offiziers Geza M a 11 a ch i ch gegen den Advolaten T)r. Barbe r, auf Herausgabe mehrerer Kartons mit Briesen und Bildern der Prinzessin Lurje von Koburg. Re- gternngsrat Bachrach trat als Vertreter des Prinzen Philipp von Uoburg nnd oi» Bevollmächtigter des Kurators der Prinzessin, Tr. üci!.inantet, als Nebenintervenient dem Prozeße bet. Gegen
über dem Vorschläge des Richters, die Parteien möchten sich da- raiü einigen, daß die Briefe verbrannt werden, verlangte der Klageamvalt die Einholung der Zustimmiing der Prinzessin Luise. Bachrach erklärte, die Prinzefftn sei geistesschwach und man könne die Vernichtung nicht von ihrer Zustimmung abhaiigig machen, es sei genug, daß die Prinzessin diese ireundschaillichen Br,eie zu emer Zeit geschrieben habe, m welcher ihre Veriehlung gegen die eheliche Treue leider allbekannt geivorden sei. Schließlich wurde der Prozeg vertagt, um den Ueberbringer des Kartons als Zeugen zu vernehmen.
Sport.
— Internationale Auiomobil-AuSsteHung tn yranfiurt a. Hl. In Frank urt a. M. veranstaltet vom 19. bis 27. März unter dem Protektorat Sr. Kgl. üoh. des Prinzen Heinrich von Preußen der Verem deutscher Alotorsahrzeug-In- bufirietier und der Frankiurter Automobilklub, unterstützt durch den L.eutschen Automobilklub und Automobil Verband eine Inter- nationale Automovil-Ausstellnnq. Tte Ausstellung, die Tlotor- wagen, -Fahrräder, -Boote, -Bestandteile, Ausrüstung, Bekleidung, kurz, alles das Nötige und das Trum und Dran des sportlichen und^ verkehrsiördernden Kraitwagenbaues umsassen wird, ist m großem etile geplant. Sie veriolgt den ausgesprochenen Zweck, immer ,vettere Kreise für das Motorfahrzeug m seiner mannig- 'altigen Verwendbarkeit zu interessieren und den deutschen und ausländischen Fabriken Gelegenheit zu geben, ihre zur höchsten Voll- kommenheit gebrachten Erzeugnisse einem größeren Pnbllkiim vor- zufuhreii. Dte ^landwirtschaftliche Halle, am Ostbahnhoi gelegen, erscheint für die Ausstellung wie geschaffen. Durch einen Anbau m der Längsachse vergrößert und noch iveiler vergrogertingsiähig, enthält der geschloffene Ausstellungsraum ca. 4000 Quadratmeter, Der daran stoßende freie Platz, 15 000 Quadratmeter groß, gestattet die Voriührung zahlreicher Fahrzeuge im Betriebe. Schon jetzt sind dte rm Erdgeschoß belegenen CompartementS bis auf wenige an die angesehensten Firmen vergeben, sodaß dte fertige Ausstellung ein übersichtliches Bild des gesamten Gebietes der fDlotorfabritation ergeben dürfte.
Handel und Uerkeyr. UolkswiNschasl.
Berlin, 10. Jan. Ter Aufsichtsrat des Bundes der Kaufleute hielt eine Sitzung ab, welche durch zahlreiche Delegierte beschickt war. Es wurde beschloffen, ungefäumt in eine Bearbeitung der Frage einzutreten, auf welche Weise das Eindringen des Amerikanischen T a b a k s t r u st e s in die Kreise des deutschen Großhandels zu oerhrndern sei. Desgleichen wurde angeregt, Die Frage der Monopolisierung des gesamten Detailhandels mit amerikanischenr Petroleum in Behandlung zu nehmen.
August Scherl, Gesellschaft m. b. H., Berlin. Das Stammkapital der Gesellschaft ist um 2 000 000 Mk. aus 12 500 000 Mk. erhöht worden. Gelegentlich der Eintragung dieser Kapitalerhöhung in das Handelsregister wird bekannt gemacht, daß die „Attiengesellschast in Firma Union, Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, Leipzig und Berlin" in die Gesellschaft 2 Mill. Alk. Geschäftsanteile der Firma Ernst Keils Nachfolger in Leipzig mit dem Gewinnanfpruch vom 1. Januar 1904 zum festgesetzten Werte von 2 000 000 Alk. embriugt, welcher Betrag auf die bei der Kapitalerhöhung übernommene Stammeinlage an- gerechnet wird.
Reichsbank. 9tm 1. Februar wird an Stelle der jetzt be* stehenden Reichsbank neben ft eile in Hamm fWestsalen) eine Retchsbank st elle daselbst errichtet, von welcher die Reichsbanknebenstellen in Lippstadt, Paderborn, Soest und Unna abhängig sind.
Vom rheinisch-westfälischen Eisenmarkt. Die Marktlage wird, wie die Z." mitteilt, andauernd vollständig von der Ungewißheit beherrscht, die über die Bildung des Stahlwerksverbandes besteht. Auch auf den Ausfuhrmarkt wirkt dieser Zustand zurück; denn obgleich es sich immer mehr zeigt, daß von Amerika sowohl in Roheisen, als in Rohstahl keine sonderliche Lust zu Schleuder- oerkäusen mehr vorhanden ist, kommt neues Geschäst doch mir langsam auf. Die außerordentlich scharfe Einschränkung der Erzeugung in Amerika hat dort für Roheisen einen deutlich erkennbaren Ausgleich geschaffen. Für Rohstahl ist die Lage ganz ähnlich.
Japans Handelsverkehr. Der Handel mit Japan wir«, durch die kostspieligen Kriegsvorbereitungen sehr geschmälert. Schon seit Oktober hat der Export aus Deutschland nach Japan uach- gelafien. Im Jahr 1902 war der Handelsverkehr mit dem Lande noch günstig; die Einfuhr bewertete sich auf 17,8, die Ausfuhr auf 49,8 Mill. Akk. Diese Höhe wird für 1903 kaum erreicht worden ein, da schon in den ersten Akonaten das Geschäft sehr ruhig verlief.
Zittau i. S., 10. Jan. Hier sand eine Versammlung de> Materialwarenhändler von Zitlau und Umgegend statt, die einberufen war, um Abwehr maßregeln gegen die Atono- polisierungsbestrebungen der deutsch-amerikanischen Petroleum gesellschaft zu treffen. Die versammelten Materialwarenhändler richteten an den Rat der Stadt die dringende Bitte, der Petroleumgeselljchast die „Genehmigung zu ihrem Petroleumtankwatzen-Verkehr aus Gründen der Feuergefährlichkeit, der Geruchbelästigung, Der Hemmung Des Verkehres in unseren Straßen, ferner um Den sauberen Charakter unserer Stabt als FremDenstaDt zu wahren unD weil em BeDürffüs zu Dieser Art Des Petroleumhandels, der in seiner jetzigen Gestalt den Ansorderungen weitaus genügt, nicht ooxliegt, sondern vielmehr aus oben genannte Weise die Petroleum-Gesellschaft zum Schaden unserer Stadt das Privatmonopol errichten will, zu verjagen, wie dies auch m Dresden, Leipzig, Chemnitz, Döbeln, KoUblis geschehen ist".
Märkte.
() Kirchhai«, 12. Januar. Der heutige erste Rindvieh- und S ch w e i n e m a r k t in diesem Jahre ließ sich ganz gut an, denn schön während des ganzen gestrigen Tages hatte ein reger Verkauf geherrscht. Ausgestellt waren über 400 Haupt Großvieh und 100 Kälber. Besonders gut bezahlt wurden frijchmilchende Kühe. Auch der Schweinemarkt war gut besahren. Ferkel kosteten 16—20 Mk., Läufer 30—40 Alk. und größere Schweine 80—120 Mark per Paar, je nach Größe und Qualität.
Meteorologische rveobachtungen
der Station Gießen.
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Wetter
S. SSE.
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Januar 1904.
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te Temperatur am 11. bis . . 11. ,
12. Januar 4- 1,4b C.
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Braut-Seide
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Seidenfabrikt. Henne berg, Zürich.
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