Das fcau* möge iidj daher durch die Erklärungen der Regierung' nicht täuschen lassen. , .
Aba. Oscl (Str? spricht das Verl an a en nam einer neuen x’rr Heiner ans, setzt werde das ganze Volk durch schlechte Drnck- ^chrssten sittlich und moralisch verdorben.
w>a. Gröber (Ztr.) meint, ftcrr Bebel habe sich heute als Mann ohne jeden Einfluß, als einen Unterdrückten hingestcllt. daß er einem ordentlich leid tun könnte. (Heiterkeit.) Wer selbst der stärkste Mann glaube nicht daran. (Heiterkeit.) Mit Recht habe Herr v. Vollmar deshalb Bebel als Tikiator und Cromwell bezeichnet. Auch bei der Sozialdemokratie gelte der Satz: Tu kannst Dich jederzeit beschweren, aber wenn Tu cs tust, soll Dich der Tcun^el holen. (Heiterkeit.) Charakteristisch sei es ja, wie die Partei mir Bernstein umgegangen sei. Redner polemisiert dann noch gegen den Wba. Storz, der sich in einer für einen Volksparteiler sehr sonderbaren Weise gegen die Hinzuziehung des Laienclcments ;um Schöffenamt ausgesprockwn habe.
?lba. Blumenthal ivcndct sich gegen den Abg. Dr. Heim. Er Redners sei Protestant und daher wohl imstande, über die protestantische Religion zu sprechen. Er habe übrigens nichts getan, als sich gegen eine Veruqickung von Religion und Politik ausgesprochen. Interessant sei cs, daß das Zentrum, das vorgcbe, überall die Sozialdemokratie zu bekämpfen, in Bayern einen Kuhhandel mit den Sozialdemokraten geschlossen habe.
Abg. Dr. Heim erwidert, er höre den 9lbg. Blumenthal immer gern, denn man könne von ihm lernen, wie man reden müsse, nämlich mit Armen, Händen, Mund, Augen und Füßen. (Heiterkeit.)
9lhg. Liebe r m an n von Sonnenberg < Antis.) bemerkt, er habe' sich unter den Schutz des Präsidenten gestellt, weil er es nicht für wünschenswert halte, mit gleichen Invektiven zu ant- nwrten und nicht wünsche, daß hier französische Zustände einrissen.
Präsident Graf 'Ballestrem: Der J-all ist durch mich erledigt.
Abg. Liebermann von Sonnenberg bemerkt dann noch, es sei für ihn immer eine Ehre, von dem 9lbg. Bebel beleidigt zu werden.
Abg. Storz macht darauf aufmerksam, daß er nur das angeführt hätte, was ein hervorragender Richter ihm gesagt habe. Belehrungen über das, was Temokratie sei, nehme er von einem Zentrumsmann nicht an.
?lbg. Tr. Pichler (Ztr.) verzichtet aufs Wort. (Beifall.)
Hiermit schließt die erste Etatsberatung. Die Haupttcile des Etats und die beiden M il i t ä r v o r l a g en werden an die B u d g e t k o m m i s s i o n verwiesen.
Das Haus vertagt sich aus Montag 1 Uhr. (R e s o l u t i o n e n betreffend Bergrecht und vblrgatorische Handwerker- Versicherung.)
Schluß 63.4 Uhr.
Politische Wochenschau.
Im Seniorenkonvcnt des Reichstags hatte Graf Balle- ftrem die Mitteilung gemacht, daß die Vorlegung der bis fetzt zum Abschluß gelangten Handelsverträge unmittelbar bevorstehe. Inzwischen scheint aber die Regierung zu einer zweckmäßigeren Auffassung der Sachlage gekommen zu sein. Der Reichskanzler erklärte bald darauf im Reichstage, die Handelsverträge würden erst nach den Weihnachtsferien dem Hause vorgelegt werden. Daß doch ein Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn zustande kommen wird, ist als sicher anzunehmen, da die beiderseitigen Regierungen es nicht auf einen Zollkrieg ankommen lassen werden. Wahrscheinlich werden schon in den nächsten Tagen die in Wien abgebrochenen Verhandlungen in Berlin wieder ausgenommen werden. Aus Wiener Regierungskreisen wurde am Samstag der „N. Fr. Pr." mitgeteilt, die östreichische Regierung werde den Reichsrat bald nach Neujahr wieder einberufen. Das sei schon deshalb notwendig, weil der Handelsvertrag mit Deutschland vorgelegt werden müsse.
Seeschlangenartig haben sich in der vergangenen Woche die Etatsberatungen im Reichstag hingezogen, ohne eine andere als die höchst pessimistische Tatsache konstatieren zu können, daß die Reichssinanzlage überaus ungünstig sei. Für den Reichsschahsekretär war die Rech- nungsablegung seines Ressorts sicher keine angenehme Aufgabe. Seine Eröffnungen über die Gestaltung des Etats und die mutmaßlichen Ergebnisse des Jahres 1905 ließen denn auch den fatalen Zustand, in dem sich die Reichsfinanzen zurzeit befinden, in unzweideutiger Weise erkennen. Für Heeres- und Marinesorderungen werden allein 121 Mill, gefordert. Die Kosten für das unglückselige Süd west- afrika haben schon das anständige Sümmchen von 135 Millionen überschritten. Seit Jahren schon läßt sich der Etat nicht rn ehr b alanzieren. Das so entstandene Defizit ist auf 75 M i l l i o n e n angenommen, wovon die Reichsstaaten rund 24 Millionen als ungedeckte Matrikular- beiträge übernommen haben, eine Summe, die für die Mehrzahl unter ihnen die äußerste Grenze der Leistungsfähigkeit bedeutet. Dieses ungünstige finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche wird sich in dem bevorstehenden Etatsjahr noch steigern. Es ist daher in dem Etatsgesehentwurf vorgesehen, daß die Stundung der Zahlung der durch Ueberweisung nicht gedeckten Matrikularbei- träge, die in dem Etat für 1904 ausgesprochen ist, noch auf ein weiteres Jahr erstreckt wird. Schon diese Tatsache zeigt, wie dringend notwendig eine Neugestaltung der Einnahmen des Reiches ist. Mit den verbleibenden 51 Mill, ist aber das eigentliche Defizit des neuen Etats keineswegs in seiner ganzen Höhe bezeichnet. Vielmehr erreicht der Gesamtanleihebedarf die horrende Ziffer von 293 Millionen! Und dabei wächst die Reichsschuld neuerdings in immer stärkerem Maße. Die jährliche Verzinsung, die sich nach Bewilligung der Neuforderungen ergeben würde, müßte die respektable Höhe von 113 Millionen betragen! Man kann dem Schatzsekretär für diese mit schonungsloser Ofsenhei: getanen Mitteilungen, entgegen sonstigen Gepflogenheiten, nur dankbar sein, diese Grauingraumalerei hat wenigstens den Vorzug, neu zu sein. Ebenso ist es dankbar anzuerkennen, wenn der Minister eine schleunige Sanierung Ser Reichsfinanzen als eine unabweisbare Notwendigkeit bezeichnete. Leider vergaß der sonst so offenherzige Herr anzugeben, auf welche Weise diese schwierige Aufgabe zu lösen sei. Wie offiziös behauptet wird, sei dies hauptsächlich aus dem Grunde geschehen, weil nach dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge mit einer Veränderung in den Einnahmen des Reiches zu rechnen sei, wenn auch davor gewarnt werden müßte, sich in dieser Beziehung allzu sanguinischen Erwartungen hinzugeben,' zumal ein Teil der mutmaßlichen Mehreinnahmen für Arbeiter-Witwen- und Waisenversicherung bereits festgelegt sei. In striktem Gegensatz zu diesen trüben Darlegungen stand die optimistische Weise, in der der preußische Kriegsminister von Einem für die militärischen Neusorder- ungen eintrat. Der unlösbare Widerspruch in den An- sichten beider Minister war hier besonders in die Augen springend. Auf der einen Seite wird der Vorsatz, in Zukunft sich größter Sparsamkeit zu befleißigen, ausgc- irrcochen, während auf der anderen Seite neue Betastungen d-'s Etats mit chevaleresker Leichtherzigkeit als durchaus notwendig hingestellt werden. Von wo das Geld kommen oder auf welche Weise eS beschafft werden soll, ist durchaus Nebensache.
Wie in früheren Jahren, so knupsten sich auch dresmal
an die Vorlegung des Etats die lebhaftesten Debatten. Die überaus schwierige Finanzlage des kommenden Jahres bot allen Rednern willkommene Gelegenheit, die erhöhten Ausgaben unter die Lupe parlamentarischer Begutachtung zu nehmen. Die Höhen der Verhandlungen bildeten die Rededuelle, in denen Bülow mit seinen heftigsten Anti- ioden, den Herren Bebel und v. Volmach ihren Witz und ihre Schlagfertigkeit aneinander zu erweisen suchten. Tie Ausführungen der übrigen über den Etat sprechenden Abgeordneten aller Parteien boten nichts Sonderliches' ehlte doch der allerseits anerkannt beste Kenner des Reichshaushalts, der durch Krankheit ferngehaltcne Abg. Eugen Richter. — Heute und Dienstag sollen Etatsresolutionen betreffs des Bergrechtes und der Invalidenversicherung beraten werden. Für Mittwoch ist die erste Lesung des M ili t är pen si on sg es etzes vorgesehen. Nach Beendigung der ersten Lesung wird der Reichstag in die Ferien gehen. Die Verhandlungen sollen am 10. Januar wieder aufacnommmen werden.
Tie unerwartete Kunde von dem Tode des so plötzlich zu trauriger Berühmtheit gelangten nationalistischen Abg. Syveton hat in Paris keine geringe Aufregung hervorgerufen. Kurz vor Beginn des gegen ihn wegen des Angriffes auf den Exkriegsminister Andro angestrengten Prozesses ist er aus dem Leben geschieden. Die Behauptung, daß Syveton durch einen politischen Mord geendet habe, ist unsinnig. Es werden vielmehr immer mehr Einzelheiten bekannt, daß Syveton, wenn er wirklich nicht durch einen unglücklichen Zufall sein Leben endete, dann eher seinen eigenen Freunden, als seinen politischen Gegnern zum Opfer gefallen ist. Vor allem wird bekannt, )aß Syveton allerhand aus die Absicht eines Selbst^ mordS deutbare Maßregeln getroffen hatte. Erließ ich in eine Versicherungsgesellschaft aufnehmen, die auch bei Selbstmord auszahlt, er kündigte dann sein Bureau, und äußerte zum Hausverwalter: daß er nie mehr wiederkehren würde. Man dachte zuerst, daß Syveton Felder verschleudert haben könnte, und deshalb eine Rechnungs- ablegnng fürchtete. Diese Möglichkeit wird jedoch von Vorstandsmitgliedern der Liga entschieden verneint. An- nrerseits werden in bestimmter Form Tatsachen erzählt, )ie vermuten lassen, daß Syveton in den letzten Tagen die schmerzliche Entdeckung machte, daß einer seiner besten , ersörtlich en Freunve, der zugleich eine viel genannte politische Persönlichkeit ist, die intimen Beziehungen nti t der Familie Syvetons mißbraucht hätte. Der Schmerz über diese Entdeckung und die Furcht, sein Haus im Falle einer Verurteilung durch das Schwurgericht fiir längere Zeit im Stich lassen zu müssen, soll Syveton zum Selbstntord getrieben haben.
In den Vereinigten Staaten hat in der vergangenen Woche Präsident Roosevelt eine ausführliche Botschaft an den Senat und das Repräsentantenhaus gelangen lassen, in der die von ihm vertretenen Ansichten! über Staatentheorie im allgemeinen und die Zukunft der Union im besonderen äußerst beachtenswert waren. Solange nach Roosevelts Neberzeugung nicht Mittel und Wege gefunden seien, Nationen, die ein Unrecht begehen, internationaler Kontrolle zu unterstellen, tväre, es für alle Nationen eine böse Sache abzurüsten. Eine völlige Abrüstung der großen zivilisierten Nationen würde gleichbedeutend mit einem unvermeidlichen Rückfall in die Barbarei vergangener Zeiten sein. Die starke Waffe der Regierung, durch die sie sich und ihren Rechten in internationalen Angelegenheiten Achtung verschaffe, sei die Flotte. Der Krieg im fernen Osten habe gezeigt, daß das Hauptgewicht für eine bedeutende Flotte aus die großen Schlachtschiffe zu legen sei. Eine entsprechende Verstärkung der Landarmee müsse dabei natürlich Hand in Hand gehen. Eine Mahnung, die sich im Munde eines an der Spitze eines rein demokratischen Gemeinwesens stehenden Leiters besonders interessant ausnimmt.
Auf dem Kriegsschauplatz in der Nordmand- schurei dauert dec Stillstand in den Operationen immer noch an. Außer erfolglosen Artillerickämpfen ist cs zwischen den unter der inzwischen eingctretenen Winterkälte schwer leidenden Parteien zu keiner größeren Aktion gekommen. Nach Berichten aus den japanischen Hauptquartieren fanden am Schaho Vorpostengesechte statt, wobei die Russen überall zurückgeschlagen wurden. Bei einem dieser Gefechte, heißt es in den Berichten, hätten die Russen anscheinend schwere Verluste gehabt. Die Verluste der Japaner seien leicht gewesen. Kuropatkin meldete dagegen von anderen für die Russen erfolgreichen Kämpfen zwischen Feldwachen; die Japaner seien stets mit Verlusten zurück- geworscn morden. Folglich glaubt man niemandem.
Das Schicksal Port Arthurs aber scheint sich jetzt erfüllen zu sollen. Rach Eroberung des früher ganz unbekannten und auch auf Spezialkartcn nicht verzeichneten 203 Meter-Hügels haben die Japaner diese Position mit schweren Schiffs- und Belagerungsgeschützen stark befestigt und bemühen sich, von hier aus den Rest der in dem von ihnen beherrschten Hafen liegenden russischen Flotte zusammcnzu- schießeu, ein Beginnen, das schon so weit von Erfolg gekrönt worden ist, daß man nicht mit Unrecht von einer vollständigen Vernichtung der russischen Port Ar thurflotte gesprochen hat. Der „Vajan", die einzige Säule, die noch bis vor wenigen Tagen von entschwundener Pracht zeugte, ist nach den neuesten Berichten des Kommandanten der japanischen Schiffsartillerie vor Port Arthur durch die Beschießung am 9. Dezember in Flammen gesetzt worden. Er fiel darauf 25 Grad nach Backbord über und kenterte beinahe. Der „Retmisan" und die „Poltawa" sind bei Hochwasser bis zum Kommandoturm unter Wasser. Die „Pallada" und die „Pobjeda" legten stark nach Backbord bezw. Stelier- bord über und zeigen so den Rumpf, der sonst unter der Wasserlinie liegt. Bei Hochwasser ist ein Teil ihres Oberdeckes unter Wasser. Der „Perevwjet" ist bei Hochwasser am Heck bis zum Gang, am Bug bis zu dem über Wasser liegenden Torpedorohr unter Wasser. Der „Giljak" liegt dicht unter Land und hat starke Schlagseite. Man glaubt, daß er auf Grund sitzt.
^lbcr auch die Japaner haben in den letzten Wochen vor Port Arthur einen schweren Verlust gehabt.
Der japanische Kreuzer „Sayen" von 1344 Tonnen stieß am 30. November auf eine schwimmende Mine und wurde so ernstlich beschädigt, daß er sank. Die gesamte Besatzung wurde freilich bis auf 38 Mann, unter denen sich auch der Kommandant Tajima befand, gerettet.
Tie Verluste, die im letzten Drittel des September die Wegnahme der ^lußcnwerke von Erlungtschan und der vorgeschobenen Ltordsteltung von Suischyn kosteten, werden jet auf 12 000 Mann angegeben, sodaß die Gefechtskräftc der
9. Division, die von Norden angreift, als erschüttert gilt. Die Kalibcr-Uebcrlegenheit der russischen Verteidigungs- Artillerie, die der General Nikitin unter Stössels Befehl in derartig geschickter Weise handhabt, daß dies selbst bei den Japanern rückhaltlose Bewunderung findet, hat dazu geführt, daß von den japanischen Schiffen ein Teil der schweren Artillerie gelandet wurde, um die noch immer auf einzelnen Stellen bestehende russische Feuer-Ueberlegenheit möglichst chnell uicderzukämpfen.
Wie der Petersburger Korrespondent eines allerdings höchst unzuverlässigen russenfeindlichen Londoner Blattes erfährt, ist Admiral Roshjestwcnski der Befehl zugegangen, die Weiterfahrt nach Ostasien einzustellen. Man schließt daraus, daß man in russischen Negierungskreisen den baldigen Fall von Port Arthur voraussieht und cs als zwecklos betrachtet, das baltische Geschwader nach Ostasien zu dirigieren.
Der Königsberger Prozeß im preußischen Abgeordnetenhaus.
—tt— Berlin, 10. Dezember.
Interpellationen im prenß. Abgeordnetenhaus haben für die Negierung nichts Schrcckenerregendes, zumal dann nicht, .wenn sie von einer Partei der Minderheit ausgchcn. Es gibt hier einen Tadel, dort einen milden Vorwurf — am Schluß aber findet sich die Mehrheit zusammen, eine schirmende Umwallung bildend und das Vertrauen erneuernd. Ernstlich wird die Harmonie nicht gestört. So ging cs auch heute bei der freisinnigen Interpellation über den Königsberger Zarcnprozeß. Nachdem das ärgste vorüber war, nachdem Abg. C Y ß l i n g von der Freis .Volksp. in allzu breiter, etwa anderthalbstündiger Rede die Mängel und Fehler des Aufsehen erregenden Prozesses erörtert, nachdem der Zentrumsabg. Marr im ganzen ntetyr die unrichtigen Angaben des russischen Konsuls, als die Maßregeln auf deutscher Seite, die Handlungen der Auklagebehördc, der Justizverwaltung, mißbilligt hatte, nachdem Herr Viereck von den Freikonservativen und $3en Pal - laske von den Konservativen der Regierung zur Hilfe geeilt waren: da konnte Justizminister Schönstedt den kleinen „Stunn" als vorübergegangen betrachten und ein heiteres Gespräch mit dem Minister des Innern Frhrn. v. Hammerstein führen. Lächelnd wies Herr Schönstedt auf den Saal hin: in der Tat, die dort im Parguet weilenden ungefähr zwei Dutzend Volksver- treter, rechts drei oder vier, in der Mitte ebensoviel, ber Rest links, machten ganz und gar keinen dräuenden Eindruck. Die Mehrzahl der Abgeordneten hat sich aus eigener Macht vorzeitige Ferien bewilligt. Ebenso spärlich waren die Tribünen besetzt., Zur Sache muß anerkannt werden, daß der Justizminister in seiner Beantwortung der Interpellation die Mißgriffe rückhaltlos, preisgab. ,.Wir hatten keine ?lhnung", erklärte der Minister, ,,daß in Königsberg lediglich mit den Uebevsetzungen des russischen Generalkonsulats gearbeitet wurde. Wir haben als selbstverständlich betrachtet, daß ;)ic deutsche Uebersctzung vom Gericht beschafft werden würde. Ich bezeichne es als höchst bedauerlich, daß man sich nicht den russischen Text verschafft hat." In einer weiteren Erwiderung auf Vorhaltungen des Abg. Träger (Frs. Volksp.), daß gerade bei der Bedeutung, welche die Anaelegenheit angenommen, doppelte Vorsicht der Justizbehörden angceigt gewesen sei, fügte der Minister hinzu, daß ein deutsch-russischer Geheimvertra g in das Gebiet der Fabel gehöre. 9 Cb er darin behauptete L>chönstedt Recht zu haben: Trotz des Königsberger Urteils sei die Auffassung der Justizverwaltung, daß bezüglich der in Betracht kommenden Vergehen (Hochverrat, Zarenbeleidigung) von Ruß- land' die Gegenseitigkeit verbürgt werde, nicht widerlegt worden. In dieser Frage hat bekanntlich das Reichsgericht das letzte Wort zu sprechen. Ter Minister des Jnncrit Frhj'. v. H a m m e r st e i n schloß eine längere Darlegung an über die Handhabung der Fremdenpolizei. Ganz interessant, aber nicht eigentlich zur Sache gehörend. Von mehreren Seiten wurde bte Resormbcdürftigkeit des Auslieferungsvertrags mit Rußlandhervor- gehoben. Unter Zustimmung bemerkte der Zentrumsabg. M a r x, cs müsse peinlich vermieden werden, daß Ausweisungen den Charakter von Auslieferungen an die ruffischen Behörden erhalten.
Kunst und Wissenschaft.
— Tie diesjährigen Nobelpreise. Ten Nobelpreis für Physik und Chemie erhielten am 10. d. M. die englischen Professoren Lord Rayl eig h und Sir William R amsay Empfänger des Literaturpreises sind Frederic Mistral und E ch a g a r a v. Ter Friedenspreis wurde dem Institut de Trott International verliehen. John Strutt, Baron von Rayleigh, ist 1842 geboren. Er ist in Cambridge Professor der Experimentalphysik. Seine Gattin ist eine Schwester des eirglischen Premierministers Lord Balfour. Lord Raileigh ist durch seine Geburt Pccr. — Sir William Ramsay wurde 1852 in Glasgow geboren, studierte dort und in Tübingen und wurde Profesior der Chemie in Bristol. Gemeinsam mit Lord Rayleigh hat er die Argonsorschung eingeleitet. — Frederic Mistral, provencalischer Dichter, ist 1830 in Maillane gebaren. Mit feiner epWen Tichtung „Mueo" hatte er einen bedeutenden Erfolg., Diese Dichtung gab auch den Anlaß zur Gründung des Fslibre-BundeS, der für die Erhaltung der provenealischen Mundart und Dichtung tätig ist. 1890 erhielt Mistral den Preis Jean Reynaud (10 000 Francs) von der Academie des inscriptiones et beiles lettres. — Jose Echegaray, spanischer Schiriftsteller, ist 1635 in Madrid geboren. Er ist Professor der Mathematik und Phvsik tn Madrw. Seit 1866 hat er Sitz und Stimme in der Real Academia de sciencias. Von seinen zahlreichen Theaterstücken ist in ^eutschlmid das Drama „Galcotto" oft gegeben worden. — Iwan,Petrowitsch Pawlow, der den Preis in der Abteilung Medrztn erhielt, ist Leiter der Abteilung für Physiologie an dem kaiserlichen Institut für experimentelle Medizin und Professor an der Militär- Medizinischen Akademie in St. Petersburg — Dre Verteilung vollzog sich in Stockholm in den üblichen Formen Der König von Schweden wohnte der Feier bei und überreichte Rayleigh, Ramsay und Professor Pawlow persönlich 'das Preisdiplom und die goldenen Medaillen. Für Mistral und Echegaray nahmen der sianzösische bezw. spanische Gesandte die Auszeichnungen in Empfang. Der Preis beträgt in diesem Jahre 140 858 Kronen Nach der Verteilung fand ein Mahl statt, an welchem etwa 190 Personen teilnahmen, darunter der Kronprinz, die Prmzen Karl und Eugen, Prinzessin Jngeborg und die drei mit Nobelpreisen ausgezeichneten anwesenden Herren mit ihren Gemahlinnen. Der Vizepräsident des Nobelinstituts, Graf Moerner, toastete auf Professor Pawlow in deutscher Sprache, Professor Petterson in englischer auf Ramsay und Professor Hasselberg auf Rayleigh in lateinischer. Zuletzt brachte der Sekretär der Akademie, Wirsin, einen Trinkspruch auf Mistral und Echegaray aus.
— WagnerundNeßler. Gelegentlich der bevorstehenden Aufführung des „Rolands von Berlin", den doch Leon- eavallo im Auftrage des deutschen Kaisers komponierte, wird in der „Zukunft" erzählt: „Finden Sie auch, daß es ein Fehler war, den Stoff von einem Italiener komponieren zu lassen?" So fragte der Kaiser neulich einen Operndirigenten; und fügte hinzu: „Wem sollte ich ihn denn geben, do Wa gncr und Nestler doch tot sind?"
(ynn7A AVaH weist es heute, daß cs für die IFlti VT ( iL Gesuudheits- u. Schönheitspflege
der Haut nichts besseres Mvr rhnlillQPifa gibt als die unvergleichliche ■ Hvllllnt 11“» |jT/10
Juwelen,


