Ausgabe 
12.11.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 267

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Untversttätsdruckerei. R. Lange, Gießm.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.?.

Tel, Rr. 6L Telegr^Adr» i Anzeiger Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGietzener KamiNenblütter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hesfifche Landwirf erscheint monaUich einmal.

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Samstag LZ. NovemLerLS04

Gietzener Anzeiger

Z>ie neue Miversttäts-MökiotyeK.

Gießen, 12. Nov.

Eine der schönsten Aufgaben-für unseren Landesfürsten ist die Unterstützung und Förderung der Wissenschaften. Die ^Bewohnerschaft der hessischen Universitätsstadt hat heute wiederum einmal Gelegenheit gehabt, das warme Interesse unseres Gro ßherzo gs an d-er immer reicheren Ausstatt­ung der einzelnen Institute seiner Laindesuniversität zu beobachten, indem er ein neues großes Werk, das von dem Großh. Bauinspektor Becker geschaffene Universitätsbiblio­theksgebäude, feierlich eröffnete.

^24 Jahre lang hat das verstaubte Haus am Brandplatz als Bucherstätte der Großh. Hess. Universität gedient. Tie Bibliothek hat in den nahezu 300 Jahren ihres Bestehens sie fei-rt mit der gesamten Landesuniversität, deren integrierender Bestandteil sie ist, im Jahre 1907 ihr 300 jähriges Gründungsfest weehselvolle Schicksale erfahren. Von 1607 bis Ende der 20 er !Jahre des vorigen Jahrhunderts befand sich die Bibliothek mit­samt der ganzen Universität auf dem Platze wie seither, d. h. in dem alten Kollegiengebäude am Brandplatze. Dann, ums Jahr 1828 herum, siedelte sie nach der alten Jnfanteriekaserne über, wo sie mitsamt denalten" Kliniken Platz fand. Im Jahre 1880 rückte sie dann wieder nach dem Brandplatze aus, um den Kliniken größeren Raum zu gewähren. Das Kollegien­gebäude war inzwischen längst abgerissen worden und dem jetzigen öden Bau zwischen Brandplatz und botanischen Garten gewichen.

Nun endlich steht der verwitterte, von Wind und Wetter übel gebräunte alte .Kasten am Brandplatze, in dem die auf ungezählten Blättern Papieres verzeichneten mächtigen Schätze des Welt­wissensnahezu ein Vierteliahrhundert lang ihr tristes Heim hatten, öde, und leer da, bis er, hoffentlich neu aufgeputzt und dem gefälligen oberhessischen Fachwerkstile der anderen großen Bautenam Brandplatze ^angevaßt, anderen, geeigneteren Zwecken eine Stätte bieten darf. Bisher ist nur bestimmt, daß das Botanische Institut dort sein Heim finden wird. Ver­mutlich wird auch das Landwirtschaftliche und möglicher­weise auch das Geographische Institut dort unter­gebracht werden.

Für den reichen Bücherschatz unserer Universität war der eng­brüstige alte Bau längst zu klein geworden. Als das neue Jahr­hundert seine Schwingen zum Flug in unser altes Erdental breitete, da war es den zuständigen Stellen klar geworden: die Landesuniversität muß ein neues, umfangreicheres Bücher­heim haben, das Heranwachsende Geschlecht soll sein bestes Wissen aus würdigerem, Borne schöpfen.

Wir haben in Gießen kein eigentliches Quartier latin. Denn das Klinikerviertel im Süden ist nur von Medizinern dicht be­setzt, während sich die Anhänger der übrigen Fakultäten so ziem- lich über die ganze Stadt verteilen. Für das neue Bibliotheks- gebaude einen geeigneten Platz zu finden, war trotzdem nicht allzu schwer. Die Frage wurde dadurch am besten gelöst, daß es in die an Vauterrain reiche Gegend hinter der Aula verlegt wurde, sodaß es also von dem Stammhaus der Alma mater nicht weit entfernt und sowohl von der Unruhe der inneren Stadt, als vor der völligen Abgeschiedenheit des eigentlich doch nur durch Gäßchen zu erreichenden öden Brandplatzes bewahrt ist. Platz zu etwa späterhin nötiget Erweiterung ist genügend vor­handen.

Ein Bauwerk, wie es heute geweiht wurde und wie es unter unseren Augen entstanden ist, gleicht in manchem Belang einem Menschen, den man nur von weitem kannte, den, man gewissermaßen aufwachsen sah und von dessen anziehender Erscheinung wir den Wunsch übernehmen, ihn endlich auch persönlich kennen zu lernen. Denn wie auch das Aeußere eines Menschen und eines Kunstwerks be­stechen und wie genau nwn es betrachten und sich verdeut­lichen mag, was an ihnen Seele ist, faßt erst, wer zu vertrautem Zwiegespräch mit ihnen gelangt.

Das neue Bibliotheksgebäude ist in seinem moderni­sierten Barockgewande eine der wuchtigsten Monumental­bauten unserer Stadt. Mit seinen Seitenfronten steht es im Begriffe, zwei ganz neue Straßenpartien im Ostbilde unserer Stadt zu schäften.

Tas rUteil über ein Bauwerk von bedeutendem Um­fange erhält erst dann einen festen Grund, wenn mau die Uebersicht der Bedingungen hat, aus denen die inneren und äußeren Formen hervorgegangen sind." Diese Worte schickte einst Schinckel einer ausführlichen Baube­schreibung voraus, mit der er die Pläne des von ihm 1818 bis 1820 erbauten Berliner Schauspielhauses ber Oejfentlichkeit übergab. Mit Recht, denn auch damals war das Bauprogramm eines den Künsten oder der Wissenschaft gewidmeten Palastes voll von schwierigen und verwickelten Bedingungen, die das größere Publikum vor dem fertigen Bauwerke gar leicht übersieht, um mi den zunächst in die Augen fallenden, äußeren Formen eine rasche Kritik zu üben.

An dem neuen Gießener Universitätsbibliotheksgebäude sind es auch zwei Bauteile, die eine bei neueren Bibliothekbauten ziemlich allgemein angewandte Ausbildung erfahren haben, nämlich das zweigeschossige Vordergebäude mit dem großen Lesesaal, den Verwaltungs- Zimmern ic., und das durch einen Lichthof und , Mer Zwischenslügel von ihm getrennte siebenstöckige,, Hinter­gebäude, das den eigentlichen Bücherraum enthält.

Die Grundidee, die der gesamten Bauanlage innewohnt, ergab sich aus der Eigenart des übrigens vom Staate für 60 000 Mt. erworbenen Baugeländes. An der an dieser Stelle erheblich verbreiterten Stephanstraße bot sich nur ein schmales Stück für die Front. Von dieser fur&ew Basis aus breiten sich nord- uno südöstlich die beiden Flügel des Vordergebüudes aus. Damit der eigentliche Bücher­raum möglichst isoliert dastehe, möglichst vor Feuersgesahr geschützt und möglichst lichtreich, schiebt sich zwischen da_> Vordergebäude und den hochragenden Bücherraum der von den Seitenflügeln und einem fenersicheren Turm flan­kierte Lichthof. Diese die breite Ausflucht der beiden Vorder­flügel aufgevend-en, nach innen zu, sich ab rundenden und zusammenziehenden Seitenflügel bilder: den möglichst un- gezwungeneii Uebergang zu dem Bücherraum, der gewlsser- niaßen eine Einheit für sich bedeutet imd architektonisch werlig Gemeinschaft mit dem Vorderbau hat und haben soll. Der Schöpfer des Bauwerks hat sich auf den Widerstreit zwischen praktischem und rein künstlerischem' Erfordernis, der eigentlich bei der Gestaltung jedes Bauwerks dem Architekten teils hemmend, teils fördernd entgegentritt und der um sio leichter zu überwinden ist, je mehr der Architekt der sogen, malerischen Behandlimg des Bauwerks sich hin­

gibt, nicht eingelassen. Ihm widerstand es, eine das ganze Innere des Gebäudes verschleiernde blendende Prunketikette herzustellen; er wollte im Gegenteil mit ehrlichen Mitteln offen zeigen, was das Gebäude in seinen Teilen birgt, er wollte die aus ihrem Zwecke notwendig sich ergebende Verschieden artigkeit der einzelnen Teile 'jedem Vorüber­wandelnden zeigen und nicht, ohne genügenden Grund, dem kompakten, massigen Bücherraum eine irreführende oder nichtssagende effektvolle Maske geben. Es hätten sich ja leicht die zwei Borderflügel einfach verlängern und in ihnen die Bücherei unterbringen lassen. Dadurch aber wäre diese ohne Not in zwei, unbequem mit einander zu verbindende Stücke gerissen worden; zudem wäre das einer Ranmvergeudung gleichgekommen, denn dadurch hätte sich der jetzt nur kleine Lichthof um ein sehr Erhebliches vergrößert und das Ganze wäre zersplittert ins Weite ge­gangen, statt, wie es jetzt zweifellos pequemer ist, in Zu­sammenhang und Höhe.

Aeußere Harmonie konnte freilich dadurch nickt erzielt wer­den, aber die war wohl ttuch kaum beabsichtigt. Die Hauptsache war eben Zweckmäßigkeit, und die dürste in vollkommenstem Maße erreicht worden sein.

Was den Grundriß des großen Gebäudes anbelangt, so ist das Ehaos Doit Räumen, die hier von den Studierenden, den Dozenten und. der Verrnaltnng, von der Heizung, Beleuchtung und Feuersicherheit gefordert werden, mit kundiger Hand gesichtet und alles bequem und praktisch ge­gliedert worden.

In den Kellergewölben findet man ein Buchbinderzimmer, eine photographische Dunkelkammer, eine Werkstatt, einen Kessel­raum, einen Kohlenraum usw. Tas Erdgeschoß enthält: ein für die hiesigen gelehrten Gesellschaften reserviertes Zimmer; ein ,Ausstellungszimmer, in dem die wertvollsten Stücke der Bibliothek, darunter Handschriften von Philipp dem Großmütigen, Unterkunft finden sollen; einen Saal für die Handschriften' und Inkunabeln (im linken, Flügel): ein Zimmer für paläo- graphische Uebungen; ein für die Dozenten reserviertes Zimmer mit gemütlicher Sofaecke; ein Zimmer für die Schriften der fremden Universitäten, mit denen Gießen im Tauschverhältnis steht; einen Saal für Karten und Kupferwerke (rechter Flügel). Im Obergeschoß, nimmt den ganzen vorderen, über dem Portas liegenden Teil der große Lesesaal ein. An ihn stoßen rechts: das Tirektorzimmer und zwei Beamtenzimmer (für die drei Bibliothekare); links: das große Zeitschristenzimmer und die Garderobe. Uebrigens ist auch eine Damengarderobe vor­gesehen, ' vom 1. Januar 1905 ab eine adlige junge Dame, die Tochter des russischen Popen in Darmstadt, als Volontärin an der Bibliothek tätig sein Tie Garderobe für die Be­amten befindet sich in einer rn Fach wer kausgeführten niedlichen Galerie, die an der westlichen Wand des Bücherraumes sich hin­ziehend die beiden Seitenflügel miteinander verbindet. Diese Seitenflügel enthalten einerfeits das Archiv und andererseits einen großen Packraum, sowie darüber das Katalogzimmer und die Ausleihe..

Nach diesem Ueberblick über die Verteilung der Bau­maffen und die Grundzüge der inneren Einteilung dürfen wir uns der näheren Betrachtung des äußeren und inneren Organismus zuwenden.

Das ganze Haus ist modern. Die moderne Architektur, blättert mit Vorliebe in dem Musterbuche der ältesten Ver­gangenheit. Sie gestaltet für unsere Tage die assyrische und egyptische Kunst um. Der Baumeister des Hauses hat offen­bar dem Studium der Barockarchitektur obgelegen. Eine sklavische Nachahmung oder Verwertung alltäglicher Formen zeigt sich nirgends. Alles ist von neuzeitlichem Geiste durch­drungen, unter Anlehnung an den althergebrachten ober­hessischen Baustil. Daher die beiden niedrigen stumpfen Eck­türme.

Von der so verschiedenartigen Naumerfordernis int Innern bleiben, wie bereits angedeutet, die Fanden durchaus ab­hängig. Die Hauptsatz ade nach der Stephanstraße ist nicht ohne lebhafte dekorative Wirkung. Sie wird außen von dem Portal, das die UeberschriftUniversitätsbibliothek^ trägt, von drei mächtigen Fenstern des LesesaaleS durchbrochen und ist gekrönt von einem abgerundeten Giebel, in dessen Felde ein symbolisierendes Relief von Professor A. Varnesi sich befindet, der auch an dem plastischen Schmucke des Frank­furter Schatlspielhauses tnitgewirkt hat. Darüber leuchtet die Sonne der Wissenschaft. Die Spitze nimmt eine Eule ein, das Symbol des tiefen, unermüdlichen Studiums. An den Seiten des Giebels halten zwei steinerne beflügelte Sphynxe Wacht. Die Ornamentik wirkt eher schlicht, als massig- imposant.

Reich und prunkvoll ist das Gebäude im Innern aus- gestattet. Dem Treppenhause geben eine Reihe mächtiger weißer Marmorsäulen, sowie die Säulenreliefs der Wände mit dem großzügigen figuralen Schmuck einen imposanten Eindruck. Ueberhaupt leuchtet allenthalben Weiß entgegen, nur die Türen sind dunkel, aber sämtlich doch verschiedenfarbig ge­halten, und mannigfaltig und reizvoll in durchaus neuzeitlichen Formen ornamentierten.

Der erste Eindruck in den Gemächern: aus dem Gefühl der einstigen Enge heraus; Säte, Luft, Bewegung; Alles hoch und hell und schmuck und blank, und Licht im letzten Winkel. Und die Ausstattung einfach und geschmackvoll. Wir sehen Schränke und Schränkchen aus dunkel gebeiztem Eichen­holz, zum Teil mit lebhaft wirkenden Füllungen, Stühle von schönster Eigenart und bester Handlichkeit, Tische bequem und gediegen, Beleuchtungskörper, namentlich den großen Kron­leuchter im schönsenstrigen und mit würdig schöner Gediegen­heit' ausgestatteten Lesesaal, von so schlichten als feinen modernen Formen. Fast allenthalben übrigens, in dem Ge­stühl, den Türverkleidungen re. re. kehrt ein in modernem Barock gehaltenes Schmuckornament wieder. Die Tapeten in allen Räumen, selbst die kostbaren blauen Damasttapeten im Direktorzimmer, sind sämtlich waschbar.

Die plastische Bekrönung des großen prachtvoll wirkenden Mittelfensters im Lesesaal, in dem dad sparsam angewandte Blau vornehm und zugleich ein wenig heiter wirkt, ist ein Werk des Professors Habich in Darmstadt. Der schöne geistvolle Frauenkopf zeigt die Züge der jungen Gattin des

l Künstlers, einer geborenen Freiin v. Löw-Steinfurth. RingS um die schimmernden weißen Wände des Saales ziehen sich, in schwarz gehaltene schwere Bücherschränke, die dem Ganzen einen überaus ernsten, gewichtigen, fast feierlichen, zugleich: aber auch sehr gediegenen Charakter aufprägen. Die beiden Schränke zu Seiten des Mittelfensters verdankt die Bibliothek' der Munifizenz des KontmerzienratS Heichelheim, die eine Reihe von wichtigen und kostbaren, zum Teil seltenen Nach­schlagewerken int Werte von 10 000 Mk. enthalten.

Eins der Zimmer im unteren Stocke enthält zurzeit eine sehr sehenswerte Ausstellung von Jnkuna- beltr und wertvollen alten, zum Teil mit bewunderns-, werter Meisterschaft und Geduld auÄgeführten Handschrif­ten, selbst solche aus dem 10. Jahrhundert, von auf Philippi den Großmütigen bezüglichen Schriftstücken seiner Zeit, vow' uralten kostbaren Exlibris und Einbänden, von Handschristent! in den verschiedensten orientalischen Sprachen, darunter;! auch eine finghalis- > Handschrift auf Palmenblatterst;! ferner von Briesen bedeutender Männer, hervorragendes Professoren und Schriftstellern, wie Moritz Haupt, Hoffmann- v. Fallersleben, Gutzkow, Hamerling, Karl Pogt 2c. k.

Im Bücherraum hinten, durch dessen sämtliche Etagen, ein elektrischer Fahrstuhl führt, bewundern wir die äußere ordentlich praktische, in Gießen zum erstenmale eingeführte Abstaubvorrichtung. In anderen Bibliotheksräumen habens bisher Balkons für diesen Zweck gedient. Hier sind bor' den Fenstern Tischplatten angebracht, die sich nicht nur in^ den Raum hinein, sondern auch durchs Fenster hinauf klappen lassen. Die von Lipman in Straßburg stamwen-E den Büchergestelle haben in der ganzen Bibliothek Verwend­ung gesunden. Die einzelnen Bücherbretter können zu jeder Zeit mit Leichtigkeit zu beliebiger Höhe gebracht werden.!

Im Katalogzimmer überrascht uns des Herrn Biblio-z thekdircktors Prof. Dr. Haupt patentierter praktisches Zettelkatalogkasten, durch den es ermöglicht wird, daß nttat in den aufrecht bleibenden Zetteln bequem blättern kann.

Die nach Süden liegenden Fenster dieses Riesenraumes sind aus Kathedralglas, das äußerlich grün, innen weiß, also äußerst hell schimtnert. Die Heizung geschieht durch je zwei und zwei Sto>ckwerke. ;

Es scheint unS angemessen, eine vollständige Liste ctHet. der an dem Bau beschäftigt gewesenen Handwerker zu-/ sammenzustellen. Hier ist sie:

Maurerarbeiten: Abcrmann u. Kling, Gießen. Haustein­lieferungen, Lungstein: Preußisch-Hessische Basaltwerke, Kessel­bach. Kalkstein: Simon Eckart, Ansbach; Josef Gasteiger. München. Granit: I. Atzback, Gießen. Kunststeinarbeiten: Steinfabrik Ulm. Marmorarbeiteu: Dvckerhoff u. Neumann,^ Wetzlar. Bildhauerarbciten: Bildhauer Winkler und Ludäscher zu Gießen. Herstellung der Zwischendecken: Abermann und Kling, Güßen; Frankfurter Vetonbaugefellschaft zu Frankfurt am Main; Rudolf Wolle, Leipzig; L. Seuling, Nachf., Gießen. Zimmerarbeiten: Sondermann u. Bücking, Msfeld. Dach-, deckerarbeiten' H. Carlö und E. Noll, Gießen. Blitzableiter­anlage: H. Sckön, Gießen. Spenglerarbeit: H. F. A. Schmidt/ Frankfurt a. M. Eisenkonstruktion des Bücherbaues: G. Tonges, Darmstadt. Lieferung der Aufzüge: Wiesche unl>! Scharffe, Frankfurt a. M. Schlosser arbeiten: C. Wigandt,! C. Krailing, C. Hohmeier zu Gießen: A. Simon, Lollar. Kunstschmiedearbeiten: C. Wigandt, A. Gräfe, C. Krailing zu, Gießen. Bronzetreibarbeiten: A. Gräfe, Gießen. Glaser­arbeiten : H. Anwld, Ph. Jacobi, G. Schmitt, I. Hirz, Gießenä Eiserne Fenster: Josef Sang, Mannheim. Kunst - Ver­glasungen: Fr. Eudner, Tarmstadt, Lesesaalfenster nach Ent-! würfen von Bernhard Wenig, Hanau: A. Lüthi, Frankfurt a. M.,j Treppenhausfenster. Putz- und Anstreicherarbeiten: K. Niko-, laus, PH. Hohmeier Wwe., PH. Horn, L. Petri II., Klippel und! Laucht, Gießen. Stuck- und Nabitzarbeiten: H. Reinhardtj Söhne, Heldenbergen; H. Launsbach, Gießen. Tapezierung n H. Hochstätter,Gießen. Zement- und Terrazzoarbeiten: K. Rüb-^ Tarnen, Gießen; F. de Marco, Bad-Nauheim; I. Odorico, Frank­furt a. M.; Jean Dern u. Eo., Gießen (außerdem Plattenbeläge)/ Linoleumbeläge: C. Stückrath und Th. Brück, Gießen., Heizungsanlage: H. Schasfstädt, Gießen. Gas- und Wasser-! installation: I. Stohr und I. Thörner, Gießen. Kanali-i fierung: G. Becker, Gießen. Elektrische Beleuchtungsanlage: Siemens-Schuckert-Werke, vertreten durch H. Baumann, Gießen. Klingel- und Haustelevhonanlage: H. Baumann, Gießen. Schreinerarbeiten: L. Sperb, Tarmstadt, (Türen): A. Bern- hart, Mainz (Lesesaal); I. Lenz, Gießen (Zeitschristenzimmer); Ä. Weigel, Gießen; Oberhessisck>e Holzindustrie, Mücke (einfache Arbeiten). Möbel im Lesesaal und Zeitschriften zimmer ititbv Ausstellungsraum: L. Schäfer, Mainz. Möbel der übrigen Räume: C. Ringshausen, Nidda: W. Reiber, Th. Brück, Ch.^ Weiß, Fr. Bcnzler, Gießen. Verschiedene Einrichtungsstücke: H. Sack, R. Hahn. H. Haas, W. Müller, Gießen. Büchergestelle im Bücherbau: R. Lipmann, Straßburg. Einlagebretter dazu:, I. Lenz, Gießen. Vorhänge usw.: W. Reiber, E. Bloedner, F. Nenustiel, Gießen. Maurerarbeiten der Einfriedigung: Gg. Becker, Gießen. Hausteinarbeiten: Hessische Steinbrüche, Lon­dorf. Einfriedigungsgitter: H. Effelberger, Limburg. Pflasterarbeit: I. Nickel- Gießen.

Die Vciusumme beträgt rund 550000 Mk.

Es gibt nicht nur Schmeichler für Personen, sondern glich für Sachen. Doch sachliche, fachgenmße Kritik wird und muß geübt werden auch an diesem Werk der Architektur. Dem alten Spruch: Wer bauen will an Straßen und Gaffen, der muß die Leute reden lassen, steht indessen ein noch älterer zur Seite, des Horaz: Principibus placuisse viris, non ultima laus est. (Was den vorzüglichsten Männern gefiel, deß Ruhm ist nicht gering.)

Glit Ding will Weile haben. Drei volle Jahre bedurfte das Werk zu seiner Vollendlmg. Im Juli 1899 wurde das Gebäude für den Bau erworben, im August 1901 geschah der erske Spatenstich. Heute, am Tage seiner Weihe durch unseren Landesherrn, darf u. E. die heffische Universität in allen ihren Gliedern, darf auch Gießens Bürgerschaft voller Stolz und freudiger Genugtulmg ob eines solchen gediegenen Besitzes die Blicke auf dem neuen Bücherheim ruhen laffen. Als einer der wertvollsten Teile der aufblühenden hessischen Universitätsstadt, als ein würdiger Tempel der hehren Wissen- schäft stellt sich der Neubau dem Beschauer dar; möge er seiner bedeutungsvollen Bestimmung, als Stätte geistigen Strebens, reinsten Wissens und edler Erbauung, allezeit zum Heile des Landes gerecht werden.

Introite, nam et hic dii sunt. W.