Ausgabe 
12.11.1904 Viertes Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

Nr« 267 Viertes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 12. November 1904

»scheint »glich mit Ausnahme des TonnlagS. T Iaa. a. A a. aav a a T -a aa RalatianSdruc! und Verlag der Brühl'schm

«er L^^te.» werden dem Unwerstt-itsdru-teret^Lange, °l°ßm.

»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der B W I1K, B ßL XJtiL fe 0. NGK LI Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.7.

»heisticht Landwirt" erscheint monatlich einmal. V VVg| Vlä*W v V K H V V dH '<r Tel. vir. 5L Telegr.-Adr. i Anzeiger Dießen.

^e Heutige Mmmer umfaßt 30 Se-ten.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Nov. Man meldet aus Königswuster- hausen: Der Kaiser traf gestern nachmittag 4 Uhr mit Gefolge hier ein und besichtigte das Blindenheim. Am Abend wurde im Schloß ein T a b a k s k o l l e g i u m abgehalten. Heute begab sich der Kaiser nach Dubrow, wo Treibjagd auf Hirsche und wilde Schweine abgehalten wurde.

DieNordd. Allg. Ztg." lneldet: Auf das Glück- wunschtelegraulm des Kaisers antwortete Roosevelt: I thank Yon most heartly and appreciate to Ihe full Your kind personal telegram of good-will. Theodore Roosevelt. (Ich danke Ihnen herzlichst, ich weiß in vollem Maße Ihr so freundliches und wohlwollendes persönliches Telegramln zu schätzen.) (Da der Kais er sich bei seinem Telegramm der englischen Sprache bedient hatte, so wäre es von Herrn Roosevelt höflicher gewesen, die deutsche Sprache zu wählen. D. Red.)

Auf Verfügung des Berliner Polizeipräsidenten wurde ,6a§ weitere Auftreten des Grafen Pückler-Kleintjchirne in öffentlichen Versammlungen verboten, da, nachdem aus seinen Reden und Druckschriften Bedenken gegen die geistige Zurechnungsfähigkeit desselben ent­standen seien, ernstliche Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung durch ihn zu befürchten seien.

Dem Direktor im Reichspostamt, Witt ko, der, wie berichtet, vorgestern verschieden ist, widmet derReichs- anzeiger" einen Nachruf, in dem es iu a. heißt:

Ausgezeichnet durch klaren Verstand und schnelle Ausfassung, mit denen sich eine nachdrückliche Willenskraft verband, hat Wittko an allen Stellen seines dienstlichen Wirkens dauernde Spuren er­folgreicher Arbeit hinterlassen. Insbesondere hat er auf die Neu­regelung der Personalverhältnisse der Neichspost- und Telegraphen- Verwaltung wesentlichen Einfluß geübt. Zu den Gaben des Geistes trat bei Witlko ein reiches Herz, dessen warmes Empfinden ihn nicht ermüden ließ in der Fürsorge für das Wohl der ihm an­vertrauten Beamtenschaft. Seiner Anregung und seiner Mit­wirkung vor allem ist die Schaffung und das Aufblühen der unter dem NamenT ö ch t e r h o r t" bestehenden großen Stiftung für verwaiste Töchter von Post- und Telegraphenbeamten zu ver­danken, die alljährlich unendlich viel Segen schafft und bereits für andere Staatsverwaltungen vorbildlich geworden ist. Nicht nur bei dem Reichspostamt, sondern bei allen Beamten der Reichs- post- und Telegraphenverwaltung wird das Andenken Wittkos ein gesegnetes bleiben."

Mit dem Bündnisse, das die Mainzer Ge­nossen mit den Liberalen und Demokraten abge­schlossen haben, ist das offizielle Organ der sozialdemokratischen Partei durchaus nicht einverstanden, es erklärt vielmehr, daß das Verfahren der Mainzer Genossen auf vollständiger j Verkennung des Zwecks der sozialdemokratischen Teilnahme nn den Gemeindewahlen beruhe.

Königsberg i. Pr., 11. Nov. Der Kaiser von Rußland verlieh dem kommandierenden General von der Goltz den St. Annenordcn 1. Klasse mit Stern und dem Oberpräsidenten Graf Moltke den Stanislausorden 1. Kl. mit Stern.

Keer und Motte.

Lorenz, Lt. im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Gr. Hess.) Nr. 117, mit dem 11. Nov. d. I. in der Schutztruppe für Südwestasrika angeMlt. Dem Generalmajor Petzel, Kommandeur der Ostasiat. Besatz- ungs-Brig. (früher Oberstlt. im Jnf.-Regt. Nr. 116), tourbe die Erlaubnis erteilt zur Anlegung der ihm verliehenen Kaiserlich chinesischen Erinnerungs-Mebaille 1. Klasse.

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Aus Port Arthur

liegen heute keine offiziellen Meldungen vor. Dem Reuter- schen Bureau zufolge handelt es sich bei einem Gerücht von der Kapitulation augenscheinlich um ein bloßes Börsengerücht, das jeder tatsächlichen Unterlage ent­behrt. Doch scheint die Meldung von der Anknüpfung von Waffenstillstands-Verhandlungen sich zu bewahrheiten, -.re Kämpfe um die Forts dauerten jedenfalls in den letzten Tagen fort, v'hne ein entscheidendes Ergebnis zu haben. Wenn auch die Verluste der stürmenden Japaner in da^ Unendliche übertrieben sind, beim sie müßten nach den verschiedenen Meldungen schon all 100 000 Vtann verloren haben, so hat doch diese Festung wieder einmal ^wiesen, daß regelrecht angelegte und entschlossen verterdrgte Platze nicht zu stürmen sind, sondern entmcber. der Eernrerung nebst Hunger oder dem förmulichen Angriff ernstem

Ans Tschifu wird in bekannter unzuverlässiger Weise ge- meldet: Die Japaner sehen den Angriff auf die noronP Forts fort. Ein Fort an der Straße nach Dalnv wurde besthi d g und Geschütz demontiert. Die Sckußwehr cm S u n g s ck u schan-Fort wurde von Granaten zertrümmert und t Hälfte der Besatzung, 160 Mann getötet. Nach anderen Ge­richten wurde ein ganzes r u s s.i s ch e s R e gi m,e n n i ch t e t. Tie Japaner erwarten reden Moment einen neuen Ausbruch der russischen Flotte. Dre Schisse müßen wtzt w g des japanischen Feuers fortwährend ihren Platz andern.

Vom Kriegsschauplatz.

Mulden, 11. Nov. (Reuter.) Infolge des Mittwoch W" ihr-- Stellung«! gerichteten scharfen chuhfcuers zogen die Japaner einige Batterie n auf vorge schobcncn Posten zurück, hier wird nngenoinmen, dav die Japaner jetzt nicht zmN Go.rrücken bereit smd und'sich nach den Hügelketten hin zuruckziehen werden. Die Wie der e r o b c r u n g d c s P n t i l o w -Hügels gegen Schltch der Schlacht am Schciho brachte den Russen großen iLor- teil, denn der Hügel beherrscht die Ebene, über die das Vorrückcn der Japaner erfolgen muß.

PetcrSburn, H. Nov. Ter Nass Tel.-Ag. wird aus ^Harbin von heute gemeldet: Es verlautet, dre Javaner s ch ii t r u ihre n iliü tt c n durch Milizen von E h u n chuf"en. chinesische Bcvüllcruna voii Liauiana und Umgeaend erlndit hierdurch viele Verluste. Infolgedessen herrscht grohc Unzufrieden­

heit unter den Chinesen dieses Gebietes. Es verlautet, eine Erkrankung des Generals Kuroki sowie die große Zahl Verwundeter und Kranker störe die Offensive der Japaner.

Kleine Meldungen.

Washington, 11. Nov. Ter hiesige russische Bot­schafter Graf v. Cassini erklärte, er habe guten Grund zu glauben, daß die Weigerung seiner Regierung, im gegenwärtigen Zeit­punkt eine Vermittlung anzunehmen, von allen neutralen Mächten geachtet werden würde.

Nene ReservisteN'Ausschreiinngen

ereigneten sich in Bogislaw. Zu den auf den Straßen plan- und ziellos umherirrenden hungernden Mannschaften gesellten sich Bauern und Arbeiter. Alle zusammen überfielen zunächst die Branntweinläden, aus denen sie sich Schnapsvorräte mit­nahmen, dann begann eine Plünderung aller Geschäftsläden, wobei ein Polizeibeamter getötet wurde. Tas zur Auf­rechterhaltung der Ruhe ausgebotene Militär erschoß vier Ex reden t en.

Die Wlippsfrier der FauLcsimivkrM

und die

EiWkihmigssticr des Arnlmses dttWvttsiMsbibliathkl!.

(Schluß.)

Einweihung des BibliolheksneuVaues.

Unterdessen war bie pro grammäßige Zeit der Einweih­ungsfeier des Bibliothek-Neubaues gekommen. Der Groß­herzog fuhr mit Begleitung, wiederum lebhaft begrüßt, durch die Bismarckstrahe nach dem einzuweihenden statt­lichen Gebäude. Wieder standen die Studenten Spalier. Der Direktor der Bibliothek, Prof. Dr. Haupt, begrüßte am Portal den hohen Gast. Dann erfolgte die

Schlüffeliibergabe in der Weise, daß Bauinspektor Becker den Schlüssel Sr. Exz. dem Staatsminister Rothe, dieser Sr. K. Hoh. dem Groß Herzog überreichte, welcher ihn bcnt Rektor, Prof. Dr. Wossius einhänbigte, der ihn wiederum mit einer Ansprache in die Hände des Direktors der Bibliothek, Prof. Dr. Haupt, legte.

Tie Ansprache deS Nektorg lautete: In tiefster Ehrfurcht übernehme ich aus der Hand Eurer Königlichen Hoheit den Schlüssel zu diesem stolzen Bau, aus Stein und Erz gefügt, der unter der sorgfältigen und sachkundigen Leitung des Herrn Bauinspektor Becker durch vieler Hände Arbeit auf­geführt und dazu bestimmt ist, Unsummen toter Buchstaben zu beherbergen, die durch Mund und Hand Berufener wieder belebt werden und auf die wissenschaftlichen Arbeiten Anderer anregend, belebend und befruchtend einwirken sollen.

Die Landesuniversität verdankt die Bereicherung um dieses schöne, wichtige, mustergiltige Institut in erster Linie der landes­väterlichen Huld und Fürsorge Ew. Königl. Hoheit. Außerdem habe ich unseren Dank auszusprechen dem Hohen Staatsministerium, welches, die Notlage und Bedürfnisse der Universität anerkennend, im Verein mit den Hohen Ständekammem bie erforderlichen Mittel bereitgestellt hat.

Schließlich habe ich noch den Tank der Landesuniversität abzustatten dem Herrn Kommerzienrat Heichelheim für eine hochherzige Schenkung, deren Annahme Ew. Königl. Hoheit allergnädigst gestattet haben, und aus deren Fonds Bücher beschafft werden sollen, für welche die vorhandenen Mittel nicht ausreichen.

Nunmehr überliefere ich 'Ihnen, Herr Direktor, den Schlüssel zu dem Ihrer Obhut anvertrauten Institut, auf das die Landes­universität stolz sein kann; möchte es allezeit dienen,

Der Jugend zur Lehr, Dem Meister zur Ehr ! Die Nede des Bibliotheksdirektors.

Prof. Dr. Haupt hielt bei der Uebernahme des Schlüssels folgende Ansprache:

Tie Empfindungen reinster Freude und tiefgefühlten Dankes sind es, die in dieser feierlichen Stunde den Leiter und die Beamten der Universitätsbibliothek erfüllen, und mit denen ich die Schlüssel des Neubaues aus der Hand Euer Magnistzenz entgegennehme. Lange gehegte Hoffnungen und Wünsche, um deren Erfüllung wir in mancher Stunde gebangt hatten, sind heute in schönster Weise verwirklicht. Erfüllt haben sich uns die Worte:Tie Räume wachsen, es dehnt sich bas Haus!"

Ter von Seiner Magnifizenz dem Herrn Rektor der Landes­universität ausgesprochenen Versicherung ehrfurchtsvollen Dankes an den erhabenen Schirmherrn unserer Ludovieiana, des Dankes an alle diejenigen, bie zum Erstehen dieses schönen Baues zusammen gewirkt haben, dieser Versicherung schließen wir Biblio­thekare uns darum frohen und bewegten Herzens an.

Der Abschied von unserem alten, von den Bäumen des bota­nischen Gartens beschatteten Heim dort unten am Nmggraben der alten Gießener Wasserburg ist uns allerdings bei allem freu­digen Hochgefühl über die Vollendung des Neubaues doch stickt so ganz leicht geworden. Erinnerungen an, eine fast drei- huntertjährige Entwickelung knüpften sich än jene Stätte und traten bei dem Anblicke der hochgetürmten, zum Teil aus dem 17. Jahrhundert stammenden Bücherregale und so manchen ur­alten Hausrats uns täglich so reckt leibhäftig vor Augen.

Schon wenige Jahre nach der Gründung der Gießener Hoch­schule hatte ihr Stifter, Landgraf Ludwig V., den Grundstock zu unserer Anstalt gelegt, indem er 1612 zu Straßburg eine reiche Büchersammlung für die Gießener Universität ankaufen und im neuerbauten Kollegienhause am Brandplatz äufstellen ließ. Im Lause des zwischen den beiden hessischen Fürsten­häusern geführten Erbst reits ist dann bekanntlich 1623 der Besitz der Stadt und Universität Marburg von der Kasseler Linie auf Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt übergegangen. Mit der Gießener Universität siedelte nun auch die Gießener Biblio­thek nach Marburg über. Tie eine Hälfte der alten Marburger Bibliothek wanderte nach Kassel, die andere Hälfte wurde mit der nun in Marburg befindlichen Gießener Bibliothek vereinigt und ist ihr auch nach der Rückkehr der Universität nach Gießen und bis. auf den heutigen Tag geblieben.

Tie schweren Wunden, die der dreißigjährige Krieg dem Wohlstände unseres Landes schlug, haben es wohl in erster Linie verschuldet, daß auf die erste hoffnungsvolle Entwicklung der Gießener Bibliothek eine nur allzulange dauernde Periode des Stillstandes folgte. Von der Bereitstellung staatlicher Mittel für Bückeraukäufe ist auf lange hinaus überhaupt nicht mehr die Rede: die Bibliothek mußte sich mit den kärglichen Gebühren behelfen, die die Studierenden bei der Immatrikulation und Promotion an sie abzuführen batten. Als die Not gar zu arg wurde, verordnete 1770 der Landesherr, daß alle Beamten des Landes künftig im ersten Jahre, ihrer Anstellung zwei Prozent ihres Gehalts an die Gießener Bibliothek abzugeben hätten. Wie kümmerlich trotzdem die Lage der Bibliothek in allen diesen Jahren war, ist daran zu ermessen, daß noch int Jahre 1800 die Bibliotheksverwaltung über nicht mehr als 100 T Haler zu verfügen hatte. Auch sonst lag das 18. Jahrhundert hindurch gar Manches bezüglich der Verwaltung der Bibliothek im Argen.

Tas Amt des Bibliothekars wurde jeweils von eiröm Professor der Universität im Nebenamt versehen. Ter Gehaltsbezug war ein sehr gerinafügiger und leider sind auch die Leistungen der einzelnen Bibliothekare jener Zeit vielfach 'unter dem Durch­schnitt geblieben. Als der tüchtige Bibliothekar Ayrmann 1740 sein Amt antrat, fand er die Anstalt völlig verwahrlost. Im Vibliotheksaale nisteten die Schwalben, die durch die zerbrochenen FensterscheibLN ihren Weg gefunden hatten, und allenthalben zeigten fick die Bücher von Spinnweben, eklem Schmutze und feuchtem Moder bedeckt.

Einen Lichtpunkt in dieser unerfreulichen Entwicklung bildet eine Reihe stattlicher Vermächtnisse, die der Bibliothek seitens pietätvoller Angehörigen der Landes-Universität zugewandt wurden. {

Von besonderer Bedeutung war die Einverleibung der Brblw» theken des Tr. Streiter in Speier und des juristischen Professors Kayser in den Jahren 1636 und 1751, sodann das Vermächtnis des Orientalisten Mai vom Jahre 1732, durch Ivelches der Biblio­thek 7000 Bände, darunter zahlreiche Handschriften, sowie eine wertvolle Münzsammlung zufielen. Durch He Ueberführung der Bibliothek des ehemaligen Klosters der Brüder vom gemeinsamen Leben, der sogenannten Kugelherrn, zu Butzbach wurde endlich unserer Anstalt im Jahre 1771 eine außerordentlich reiche Samm­lung von Handschriften und alten Drucken einverleckt Als während der Stürme der großen Revolution die französischen Heere den Westen Deutschlands Überfluteten, da droyte unlerer Anstalt das gleiche Schicksal, wie das der Vatikanischen Biblio­thek, deren beste Schätze damals bekanntlich nach Paris entfuhrt wurden. Schon hatte im Jabre 1797 ein Kommissar der Repu­blik unfern wertvollsten Besitz für die Ueberführung tn die Biblivthögue nationale in Kisten packen lasten, als es noch den den verzweifelten Bemühungen der Universität gelang, den frechen Raub zu hindern. Gar manches kostbare Werk der Bibliothek und fast alle wertvollen Münzen sind aber doch seit ienen Unglücksjahren verschwunden. . o .

Der bedeutende Gebiets- und Machtzuwachs, den unier ~anb in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts erfuhr, leitete für die Ludovieiana und ihre Bibliothek eine neue Periode Auf­schwungs ein. Tie Mittel für Bücheranschaffungen wurden er­heblich vermehrt, dem Bibliothekar in reichlicherem Maße wissen­schaftliche Hilfskräfte zur Verfügung gestellt. So konnte ter verdienstvolle Bibliothekar Adrian, der in den Jahren 1830---b4 der Anstalt Vorstand, an die Herstellung eines bisher fehlenden Gesanitkatalogs gehen, dem die Trucklegung^ ernes umfangreichen Katalogs unserer Handschriften, ebenfalls eine Leistung eifernen Fleißes, fick anreihte. Adrians Nachfolger, Hemrich Schäfer, Gustav Schilling und Ludwig Noack haben cnls 'der von Adrian gejchaffenen Grundlage erfolgreich weitergebaut.. Namentlich No- acks rastlosem Pflichteifer und seiner gewaltigen Arbeitskraft hatte die Anstalt die vielseitigste Förderung zu . danken..

Je schwerer es im Laufe der Jahre wurde, nut bem immer rascheren Wachstum der geistigen Produktion durch Erhöhung der Anschaffungsmittel gleichen Schritt zu halten, desto wertvoller war es für die Bibliothek, daß den früheren Schenkungen, im Laufe des 19. Jahrhunderts eine weitere Reihe von reichen Stiftungen sich anschloß. An erster Stelle ist hier des Freiherrn Renatus Carl von Senckenberg zu gedenken. Im Jahre 1800 hat er sein Wohnhaus, ein Kapital von 10 000 ©ulten, seine Bibliothek von 15 000 Bänden, sowie gegen 1000 Handschriften und Urkunden von zum Teil unschätzbarem Werte unjerer Anstalt vermacht, deren Bestände damit sich mit einem Schlage ver­doppelten. Am Eingänge zu diesem Saale ist ihm ein Denk­mal errichtet worden, das auch den kommenden Ge­schlechtern das Gedächtnis des edlen, gemeinsinnigen Mannes überliefern soll. Wie bann unsere Anstalt durch die Ernoer- leibung der Bibliotheken des Theologen und Philosophen Leopold Sckmid, des Mediziners Johann Stoll, des Philologen Clemm, des Rabbiners Levi und des Orientalisten Peter von Bradke reichen Zuwachs erhielt, so ist es nur durch die jüngste hoch, herzige (Stiftung des Herrn Kommerzienrats Heichelheim ermög­licht worden, den neuen Lesesaal mit einer reichen Fülle kost­barer Nachschlagewerke und Handbücher auszustatten, die der ge­lehrten Arbeit, die in diesem Saale einen Mittelpunkt fintert soll, reiche Förderung schaffen werden.

Ihre alte Heimstätte im alten Kolleaienhaus am Brandplatz hatte die Universitätsbibliothek zwei Jahrhunderte hindurch bis zum Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts behauptet, wo sie in die auf dem Seltersberge frei gewordene Kaserne übersiedelte. Fünf Jahrzehnte lebte sie dort mit den Klini­kern unter einem Tache, um im Jahre 1880 wieder zum Brandplatz zurückzukehren. Aber schon nach wenigen Jahren erliefen sich bie Räume des alten Kollegienhauses als zu enge für das stetige Wachstum ter Anstalt, die inzwischen auch die Bibliotheken des philologischen Seminars sowie, der verschiedenen Gießener gelehrten Gesellschaften in sich aufgenommen hatte: ihr Umfang war von 1300 Bünden im Jahre 1628 auf 200000 Bände und 82 000 kleine Schriften im Jahre 1903 gestiegen.

Auch die Vettvaltungsräume vermochten der gesteigerten Be­nutzung der Bibliothek nicht mehr zu genügen, nachdem die Zahl ter ausgeliehenen Bände in den beiden letzten Jahrzehnten sich mehr als verdreifacht hatte.

Ter zeitwellig gehegte Plan, dem eingetretenen Notstand durch die Errichtung eines provisorischen Anbaues auf dem Gelände des Botanischen Gartens abzuhelfen, wurde dank der Weitsichtigkeit der großherzoglichen Staatsregierung bald auf» gegeben. Im Juli 1899 wurde in der nächsten Nähe des Kolle­gienhauses ein Bauplatz erworben, im August 1901 geschah der erste Spatenstich. Heute dürfen wir und ter Vollenbung des Werkes freuen, das der Bauleiter bei verhältnismäßig ge­ringem Kostenaufwand zu einem Bau von edler Pracht zu ge­stalten geivußt hat, zu einem Tempel ter Wissenschaft, der bei allen Besuchern weihevolle Stimmung und bad bas Gefühl innerer. Erhebung auslösen wird.

Von besonderer. Bedeutung für bie Bibliotheksverwaltung ist das außerordentlich verständnisvolle Entgegenkommen getvcsen, das die Großh. Staatsregierung und bie Bauleitung gegenüber jedem einzelnen von uns geltend gemachten Bedürfnisse teS bibliothekarischen Betriebs befunbet hat unb die gestatteten, die besten Errungenschasten der modernen Bibliothekötecknik in teil Dienst unserer Anstalt zu stellen. So sind wir nicht nur ter Sorge um die würdige Unterbringung unserer Bestände auf absehbare Zeit hinaus enthoben, sontern wir sind auch sicher, daß das Mögliche geschehen ist, um die Benutzung der uns an- vertrauten Schätze zu erleichtern und die neuen Räume zu einer anmutenden Heimstätte wissenschaftlicher Arbeit zu ge­stalten.

Als gutes Omen mag uns gelten, baß die Einweihung un­seres schönen Banes heute am Tage der vierbuntertjährigen Ge­dächtnisfeier der Geburt te? großen Ahnherrn unseres Fürsten­hauses stattfinden darf, zu dessen Ruhmestiteln auch der eines warmherzigen Beschützers wissenschaftlicher Forschung gehört. Möge dieser Tag der Merkstein einer neuen glückverheißenden Ent- wicklungsperiote unserer Anstatt fein! Möge eS der Universitäts­bibliothek unter den, Schutze unseres lantesfürstlichen Sclnrm- herrn, unter der stetigen Fürsorge der Staatsregierung unb der Laudstände vergönnt sein, in steigendem Maße dem geistigen Fort­schritte, dem akademischen Unterrichte unb der roiÜrufdiniHiAm