Ausgabe 
12.11.1904 Erstes Blatt
 
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allgemeine Sache des Evangeliums lang und breit örtert und zwei Stunden lang über die Eucharistie

ungeheuren Ausgaben für Kriegszwecke, kostete doch ein einziger Feldzug des Landgrafen 400500 000 fl., wurde eine Landessteuer erhoben. Zur Abtragung der Schulden und zur Ablösung der Pfandschaften bewilligten 1553 die Stände die erste indirekte Steuer auf Wein, Bier, Branntwein, zunächst auf 8 Jahre, die auch später von der Ritterschaft geleistet werden mußte. Philipps weiser Finanzpolitik gelang cs, die Staatsein­nahmen zu vermehren, ohne das Volk durch hohe

jüngste, der A h n h e r r d c s h e s s e n - d a r m st ä d t i s che rr Hauses.

Eine Verirrung war es, daß der Landgraf Philipp eine Neben ehe mit dem sächsischen Hoffräulein von der Saal einging. Er befand sich in einem theologischen Irr­tum, wenn er glaubte, eine Doppelehe sei nirgends in der heiligen Schrift verboten. Luther und Melanchthon hatten die Schwäche, diesen Schritt des Landgrafen gut zu heißen. Aus dieser Nebenehe entstammten eine Tochter und sechs Söhne, die den Namen der Grafen von Diez erhielten und fast alle früh unverheiratet starben.

Das Wohl der Kirche lag Philipp bis zuletzt am Herzen. In seinem hinterlassenen Testamente an seine vier Söhne empfahl er unter anderen weisen väterlichen Mahnungen, eine Annäherung der durch die Spaltung hervorgerufenen verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften zu ermöglichen, wenn cs heißt:Ob unser Herr Gott Gnad gebe, daß sich die Papisten würden unserer Religion nehern, vnd da es zu enter Vergleichung kommen möchte, die nicht wider Gott vnd sein heiliges Wort, wollen wir treulich gerathen habens daß unsere Söhne mit Rath und Gelerten und Nngelerten, frommen vnd nicht eigennützigen Rüthen solche Vergleichung befördern Helffen vnd nicht ausschlagen."

An einem Ostermontage, am 31. Mürz 1567, wohl vorbe­reitet nach Empfang des heiligen Abendmahles, schied Phi­lipp mit den Worten:Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist!" sanft und schmerzlos aus dem Leben. Von ihm. dem großen Helden, hat einmal Zwingli gesagt, daß er jenem Äcker sm ann gleiche, der die Hände an den Pflug legt und nicht zurückschaut. Sah Philipp auch nicht alle seine Wünsche in Erfüllung gehen, erwies sich ihm auch I manche Hoffnung als trügerisch, wahr wird immer bleiben, daß er das Wort, das er einst in jugendlicher Begeisterung an Luther schrieb:Ich wi l l m e in e n H ess en h elfen."' bis zum letzten Atemzuge betätigt hat. r-e.

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Zum 12. November 1904.

Wenn heute rings im Vaterlande So weit ein deutsches Wort erklingt. Vereint durch reinem Glaubens Bande, Ein Dankcsmf zum Himmel dringt, So gilt er Landgraf Philipps Manen Der als ein Held, mit Schwert und Wort Entfaltet' deutsche Geistes Fahnen Der freien Christen starker Hort.

Der schon als Knabe auserkoren. Zu lenken unfrei Land's Geschick, Den Sieger sah vor seinen Toren Verlassen von des Krieges Glück. Ein Jüngling aber, könnt er schwingen Das Schwert mit Macht, für Land und Ehr! Und Herrn Franziskus niederringcn. Entwinden ihm die blut'ge Wehr!

Er stand an neuer Zeiten Schwelle, Ter Schwan von Wittenberg, er sang Und hoffnungsfreudig dämmert Helle, Gar fröhlich Huttens Streitruf klang. Noch lag in fest verstrickten Banden Im Schlummer uns'res Volkes Geist, Da sich die ersten Rufer fanden, Die Wort und Lied noch heute preist.

Ms erster Fürst aus deutschem Stamme, Bot Landgraf Philipp starken Schutz Er hütete der Geister Flammen, Er wagte Papst und Kaiser Trutz.

Er schützte deutschen Geistes Wehen;

Ein Schirmherr deutscher Wissenschaft, Lies er in Marburg auserstehen Ein leuchtend Mal in stolzer Kraft.

Sein scharfes Schwert zerschlug die Ketten, Die Trug um Württemberg geschürzt, Er Hub die Hand, den Freund zu retten, Den schmählich Habsburg Macht gestürzt. Er könnt im Glücke sich bescheiden, Wie mannhaft er das Unglück trug, Als welsche List zu schweren Leiden In engen Kerkers Haft ihn schlug.

Er war ein Mann, drum unvergessen Bleibt die Erinnrung an ihn wach. Im Herzen aller treuen Hessen Klingt nach Jahrhunderten sie nach. Sind seine Taten auch gcschrtebcn Mit gold'ncr Schrift in Stein und Erz, Lebendig ist sein Bild geblieben. Noch heut schlägt ihm des Volkes Herz.

F. Metzle r.

und regieren und es halten solle, wie er es gegen Gott und kaiserliche Majestät zu verantworten sich getraue". Hiermit wurde die Grundlage der Rechtsgiltigkeit aller nachherigen Verhandlungen in kirchlichen Angelegenheiten geschaffen.

Am 21. Oktober 1526 berief Philipp sämtliche Prälaten und.Geistliche, die Ritterschaft und die Städte von Hessen zu einer Landessynode nach Homberg an der Efze, um sichin Sachen, den heiligen Glauben betreffend, zu vergleichen". Der gelehrte Theologe Franz Lambert vonAvignon und Philipps Hofprediger Adam Krafft trugen der Versammlung die Sätze der neuen Kirchenord­nung vor. Die Hornberger Beschlüsse sind von welthistorischer Bedeutung, als sie gründ sätzlichdieLostrennung von der römischen Kircheentschicden. Wenn auch diese erste hessische Kirchenordnung, die die Einrichtung des Kultus und tdjer Verfassung der Kirche festsetzte, erst später bekannt gegeben wurde, auch die Kirche erst ihren Ausbau 1536 durch die Wittenberger Concordiensormel er­fuhr, so bildete sie dennoch den Grundvertrag der hessischen Landeskirche.

Als auf dem 2. Reichstage zu Speyer 1529 die Beschlüsse des ersten Speycrschen Reichstages von 1526, der jedem einzelnen Landesfürsten die Regelung der religiösen Angelegenheiten übertrug, zurückgcnommcn wurden, unter-1 zeichnete Philipp dieProtestatio n" der evangelischen Stände gegen jene Maßnahme. Stets zur Eintracht ge- »eigt, veranlaßte der hessische Landgraf, um eine Einigm«g der Lutheraner und Oberdeutschen herbeizuführen, das Reli- gionsgespräch zu Marburg (1529), dessen Zweck an Luthers Standpunkt über die Abendmahlslehre scheiterte. Auf die Beschlüsse des Augsburger Reichstags (1580) hin, der die Protestanten auffordcUe,zur katholischen Lehre zurück- zukehren, wozu occ Kaiser alle Macht aufbieten werde",

Hleue Wücher.

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die 1543 erließ der Landgraf eine Verordnung, die den Kirchen- er- besuch bei einer Strafe von 6 Schillingen anempfahl.

ge- Die Förderung des Handwerks, des Ge­sprochen." " Iwerbes, die Verbesserung von Straßen und

Eine entschiedene Stellungnahme bekundete Philipp 1525 Wegen, die Errichtung von Posten, die Beschränk- 6ei einer Zusammenkunft mit dem Kurfürsten Johann dem ung des Wuchers, die Erhaltung und Besser- Deständigen von Sachsen zu Kreuzburg an der Werra, bei ung der Wälder, die Erweiterung der Salzwerke, welcher Gelegenheit er erklärte:Er wolle eher Leib und die Gewährung von Bergwertsfreiheiten ließ sich Leben, Land und Leute lassen, denn von Gottes Wort1 der Landgraf angelegen sein. Durch die musterhafte Be- weichen." 1526 schloß der Landgraf mit seinen Freunden wirtschaftung seiner eigenen Güter konnte er seinen Unter- das Torgauer Verteidigungsbündniszur Auftechterhaltung tauen ein anregendes Beispiel geben. Zur Bestreitung der des heiligen Werkes, zur Abstellung der Mißbräuche des Gottesdienstes, gegen alle Widersacher auf Leib und Gut, Land und Leute". Durch Philipps Einfluß kam auf dem Reichstage zu Speyer 1526 das Zugeständnis zustande, daß ein jeder Reichsfürst in Sachen der neuen Lehreso leben

Ab gaben zu drücken.

Persönlich war Philipp einehervorragende, erfreu» liehe, offene und zuverlässige Erscheinung, warmherzig, em­pfindlich für alles Schöne und Wahre, furchtlos, duldsam gegen Andersdenkende, leutselig und zugänglich, eine ebenso bedeutsame wie anziehende Persönlichkeit". Alle Schreiben, die in die Welt hinausgingen, hat er selb st abgefaßt und geschrieben; er war fein eigener Minister und erledigte die Menge der Geschäfte mit wenigen Räten.

Im 19. Lebensjahre verheiratete er sich mit Ehristine von Sachsen, aus welcher Ehe 4 Söhne und 5 Töchter entstammten. Wilhelm, der älteste Sohn, ist der Stifter der hesscn-kasselschen Linie, Georg, der

*) In einem Briese des Landgrafen an Marg. v. b. Saal vom 21. Sept. 1546 heißt es: Wan wir ein anber treulich Helffen vnb nit einer au ff ben anbern vorzjht wirbts nit not Habben". Weiter in einem Briefe vom 21. Ort. 1546:Wir Habben vor Jngelsla: groß gluck gehabt Helten wir es gebraucht vnb bet man meinen rat gefolgt Hje ba wjr her Zogen ba kam ein brjtteü des Keifers Volk an vnd warbt jn volle flucht bracht Hett man gebrückt So wers gesehen gewest." (Tuller, neue Beitr. zur Gesch. Phu. des Großm., ungedruckte Briese. Darmstadt 1842.)

**) Doch warnte der Landgraf, wie aus einen: Briefe vom 16. Sept. 1552 hervorgeht, vor einer gewaltsamen Befteiung: Kcnm ye mir nicht denckenn, wie euch möglich ein solchs großes Werck auszufuhren, Sondern mir vnd euch gesahr, Leibs vnnb guls baruff stehet, Unnb ob Ihr schonn mitt Kriegn viell aus­richtet, Wirth mir ganntz nicht darburch geholsfenn .... So ists omb ben Krieg als wan einer mit breien Wurffeln funflzehn | will werffen, geratenn kaume sechs. Ist ein vngewis gesehrlich | Ting omb ben Krieg K . . (Duller pp.)

schloß Philipp Mit den evangelischen Ständen den S ch in' al-! kalber Bund. Der Friede zu Nürnberg (1532) und der zu Speyer (1544) gestand den Evangelischen vorläufig freie Religionsübung bis zum Ausgleich der kirchlichen Ange­legenheiten auf einer allgemeinen Synode zu. Als aber, der Kaiser Karl V. durch den Frieden mit Frankreich freie1 Hand erhalten hatte, wandle, er sich gegen die Bekenner der neuen Lehre. Er erklärte die Häupter des Schrnalkaldcr Bundes, Joh. Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen alsRebellen" in die N e i ch s a ch t. Die Protestanten erhoben sich; der Schrnalkaldcr Krieg brach aus. Durch die unentschlossene Haltung der verbündeten Fürsten, vor der Philipp vergebens malmte*^, bekam der Kaiser Zeit, seine Truppen aus Spanien und den Niederlanden heran­zuziehen. Der Kurfürst von Sachsen trennte sich von den Verbündeten, da sein eigenes Land bedroht war: er verlor die Schlacht bei Mühlberg (1547), seine Freiheit und sein Land. Philipp ergab sich hierauf dem Kaiser auf Gnade und Ungnade, tat einen Fußfall in Halle und wurde wider­rechtlich durch welsche List und Betrug gefangen genommen, lVergebens, daß Philipp nach den Vertragsbedingungen sofort 150000 fl. Buße bezahlte, vergebens, daß die Laud- | gräfin Ehristine vor dem Kaiser zur Befreiung ihres Ge-

Philipp, der in Sickingcns Gebahnn eine O^cfährdlmp der fürstlichen Territorialgewalt und des Reichsregiments er­blickte. dm: bedrängten Kurfürsten zur Hilfe. Nachdem sich dann Sickingeu, mit Bente beladen, auf seine Burg Nanp- stuhl in der Pfalz zurückgezogen hatte, rückte Philipp in Gemeinschaft mit dem hhtrfiirften von der Pfalz vor die Feste,um ben Vogel int Neste zu greifen". Nach mehr­tägiger Beschießung der Burg mußte sich Sickingen, tödlich vcrumndet, ergeben. Seinen sterbenden Gegner erinnerte Philipp an fenes höhnische Dort, das er gelegentlich über Pmlipps Person fallen ließ:Einen Knaben versöhnt man mit einem Llpfcl!" Doch reichte der junge Landgraf Sickingen versöhnend die Hand, wie er auch seinen Anteil itn ben Eroberungen der Sicking en scheu Familie wieder zurückgab, damit er mit Ruhe und Sicherheit beten könne: ,J9^?raieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Sckmidigern!"

Die Erhebung der Bauern gegen :hre Lehns­herren in Schwaben, Franken und Thüringen, die in Räuberbanden das Land durchzogen, griff auch nach Hessen über. In Fulda standen 10 000 Aufständische, und gegen Lllsfcld rückten 5000 vor. Ms Landgraf Philipp seine ge­treuen Stände nach Alsfeld bcfdyieb, fand er bei biefen ... - . .. . ,

die wärmste Unterstützung. Mit ihrer Hilfe brachte er eine mahls cmen Fußfall tat, vergebens, daß Phtupp jecne bewaffnete Schar zusammen, die den Aufruhr in Hessen F-cstrmgen Kassel, Gießen, Rüsselsheim iofort schletfen l:; in ktirzer Zeit dämpfte. In den Unruhen der Wiedertäufer, er blieb gefangen, lieber Süddeutschland wurde er nach die das Land Georgs von Sachsen schwer heimsuchten, leistete Ondenarde und Mechcln ins Gefängnnis geschleppt und Philipp seinem Schwiegervater treuesten Beistand. Durch fünf Jahre in schmachvoller Kerkerhait gehalten. Ein Flucht- Philipvs Entschlosscnhcrt wurde Münzer und sein Anhang versuch scheiterte durch die Unbedachtsamkeit des landgraf- bei Frankenhauscn (1525'i vernichtet, wofür der Papst dem licheu Hoftarrcn. Philipps Lage hatte sich dadurch nur Landgrafen seine Anerkennung aussprach. verschlimmert; er wurde in eine 10 Fuß lange Kammer

Den jungen Landgrafen bszeichnete Luther als treff- gezwängt, deren Fenster vernagelt wurden. Damals war sichen Krjegsmann. ,^Von Person klein, aber in: Rath und er so trübselig gestimmt, daß er wünschte,man solle :hm jPerstand mächtig und glückselig. Nach feinem Alter ein in seinem Elende verkommen lassen". Nur ein Mittel blieb fürtrefftidier und freudiger Fürst, der ihm ratben und übrig, vom Kaiser mit Gewalt **) die Befteiung zu er­jagen läßt. Und Wenns beschlossen ist, so säumet er nicht zwingen. Des Landgrafen Sohn Wilhelm schloß mit seinem lauge uni) exeguirts mit Fleiß. Darum wird er auch um Schwager Moritz von Sachsen und dem Könige von Frauk- solcher fürstlichen Tugend willen von den Widersachern ge- reich ein Bündnis gegen den Kaiser, überfielen diesen mit fürchte^'. starker Heercsmacht in Innsbruck. Nur mit Mühe gelang

Als der Herzog Ulrich von Württemberg 1534 von es dem Kaiser, der Gefangenschaft zu entkommen. Sein seinem Oheim dem Kaiser geächtet, vom schwäbischen Bunde Bruder Ferdinand schloß mit den protestantischen^ Fürsten verfolgt, des Landes verwiesen, 7 Jahre umherirvte, ge- den Passauer Vertrag 1552, demzufolge die Gefangenen wahrte ihm Philipp auf seinen Schlössern Auerbach unb freigegeben würben. Der Augsburger Neligionsftiebe 1555 Bickenbach gastliche Aufnahme. Er tritt für eine gerechte gewährte ber Augsburger Konfession volle Religionsfteiheit. Sache ein, 'indem er sich verwahrt,daß ein Fürst des Erst 48 Jahre alt, dem Geiste nach frisch, aber dem heiligen Reiches über alles Rechtserbieten seines Fürsten- Ansehen nach ein Greis, kehrte Philipp aus feiner Haft tums so gewaltig beraubt fein sollte". Mit 15 000 Mann zurück. 160 hessische Hakenschützen erwarteten ihn an ber unb 4000 Reitern führte er ben Herzog Ulrich wieder in vaterländischen Grenze. Am 10. September 1552 empfingen jein Land zurück. Diesem ritterlichen Zuge, der dem fügend- ihn auf dem Schlosse zu Marburg die Mitglieder der lichen Fürsten bei Freund und Feind Achtrmg verschaffte, Universität, unter denen Nie. Noding ihn in einer dich- verdcmkt auch Philipp den BeinamenMagnanimus", das tcrischen Ansprache, als den Märtyrer deutscher Freihett Ehrende Beiwort eines Hochherzigen, eines Großmütigen, und der Religion feierte. Als er an einem Sonntage in

Die Förderung der Reformation betrachtete Philipp Kassel anlangte, begab er sich in die Martinskirche, wo er ols seine Lebensaufgabe. Auf dem Reichstage zu vor dem Grabmal seiner 1549 verstorbenen Gemahlin Worms (1521) war er mit 600 Reisigen und einer statt- kniete und in dieser Stellung während der Predigt verblieb, tichen Anzahl erfahrener hessischer Ritter, die allgemeine Am 17. September feierte das ganze Land Philipps Rückkehr Beachtung erregten, erschienen, um vom Kaiser die Reichs- durch ein Dankfest.

belehnung über die Landgrafschaft und das Fürstentum Nach seiner Rückkehr aus ber Gefangenschaft widmete Hessen zu empfangen. Auf das tief religiöse Gemüt des sich der Landgraf mit besonderem Eifer ber Wohlfahrt 17jährigen Fürsten hatte Luthers mannhaftes Auftreten seines Laubes. Währenb seiner ganzen Rcgierungszcit zeigte ernsten Eindruck gemacht. Er besuchte den kühnen Mönch er sich in der Verwaltung seiner Landgraffchaft als treff- in seiner Herberge, reichte ihm die Hand und sprach:Hwbt licher Fürst. Neben der Rechtspflege, welcher der 20jährige Ihr Recht, Herr Doktor, so helfe Euch Gott!" Philipp nahm Regent schon 1524 durch eine Hofgericbtsordnung auszuhelfen sich des Geächteten au unb mit bes Lanbgrasen sicherem bemüht war, beschäftigte ihn bie Sittenpolizei. Zur Ein- Geleite reifte Luther nach Oberhesscn über Fricbberg, I sührung einer befonberen Zucht und Sitte erließ er 1524 Gießen, Grün b er g nach Alsfeld. Noch erklärte sich eine Verordnung gegen dasZutrinken^, die Föllerei, Lästern, der junge Fürst nicht bestimmt für die neue Lehre. Erst Fluchen, Vagabundieren, übermäßigen Aufwand bei Hoch- durch eigenes Bibelstudium, durch das Lesen der Schriften zeiten und Kindtaufen".

Luthers und Melanchthons Schreiben über dieSumme Im Oktober 1527 wurde auf einem1 Landtage die Eiu- der christlichen Lehre, von Gott selbst jctzü wiederum der Welt I richtung der Universität Marburg mit einem feminarium gegeben, an den Landgrafen von Hessen Philippus, auf stheologicum beschlossen, dem sich die anderen Fakultäten befien besondere Ä^ranlassung abgefaßt", wurde Philipp angliederu sollten. Die Hornberger Kirchenordnung sieht für das Werk der Reformation gewonnen. bie Errichtung von Knaben- unb Mädchenschulen vor. Zur

Treffend ist das Urteil des aufgeklärten Urbanus Begründung von Volksschulen, sowie zu mildtätigen Nhegius zu Augsburg, der in einem Briefe an Luther über Zwecken sollte das freigewordene Klostcrgut verwendet den Landgrafen bemerkt:Jüngst hin hat mich der Fürst werden. 1539 wurden die Klöster zu Haina, Merxhausen, der Hessen zum Frühstück eingeladen, ein Jüngling von Hosheim unb Gronau in Hospitäler unb Zusluchts- getoattigem Geiste unb ber heiligen Schrift mehr als ein stätten für gebrechliche unb hilslche Personen v er^w an b^ l t. anderer seines Standes beflissen. Ich habe mit ihm