Ausgabe 
12.10.1904 Erstes Blatt
 
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Ans Stadt und Land.

Gießen, den 12. Oktober 1904.

Personal!en. Am 1. Oktober d. IS. wurde der Steueraufseber in Mainz Ludwig Nürnberger unter An­erkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und ihm au§ diesem Anlaß daö Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für langjährige treue Dienste * verliehen.

D er theologische FerienkursttS, der vom 24. bis 26. Oktober in Frankfurt a. M. gehalten wird, ist so eingerichtet, daß die auswärtigen Teilnehmer erst Montag dahin abreisen müssen, und Mittwoch Frankfurt so zeitig ver­lassen können, daß ste am Abend die Heimat wieder er­reichen, und infolgedessen nur zweimal zu übernachten haben. DaS Programm ist folgendes: Montag, um 12 Uhr: Er­öffnung. Von 3 bis 5 Uhr Professorv. DrewS:Geschichte deS evang. PsarrstandeS^, von 5 bis 7 Uhr Professor D. O. Holtzmann:Gott und die Welt im Urchristentum-, um 8 Uhr geselliges Beisammensein. Dienstag, von 8 bis 10 Uhr Professor DrewS, von 10 bis 11 Uhr Professor D. Ach eliS-Marburg:Der Dekalog als katechetischeS Lehr­stück", von 11 bis 1 Uhr Diskussion über die Vorträge von Prof. DrewS. Nachmittags von 3 bis 5 Uhr: Prof. Holtz­mann, von 5 bis 7 Uhr Prof. AcheliS, von 8 Uhr: Dis­kussion über die Vorträge von Prof. Holtzmann. Mittwoch von 8 bis 10 Uhr: Prof. AcheliS, von V. 11 bis V, 1 Uhr Diskussion übeW dessen Vorträge. Es ist eine ganz respektable Arbeitsleistung, die den Teilnehmern in diesen Tagen zu- Qcmutet üwird. Sie wird sich aber, wie wir hoffen, lohnen. 8.

- H essisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heutigen Schluß-Ziehung der 6. Klasse fiel die Präinie von 100 000 Mk. auf den letzten Gewinn von 2000 Mk. Nr. 12881 (nach Weimar), 6 Prämien ä 50 000 Mk. auf die letzten 6 Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 11582 (nach Darmstadt), 33457 (nach Detmold), 35881 (nach Oldenburg), 37807 76447 (beide nach Darmstadt), 82943 (nach Jever), ein Gewinn von 30 000 Mk. auf Nr. 29093 (nach Eisenach), 10 Prämien L 10 000 auf Nr. 8655 8934 55534 56020 58923 63915 78098 78129 88598 96073, (welche zuletzt mit 400 Mk. gezogen wurden), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 67181, Gewinne von 2000 Mk. aus Nr. 20171 76486 82717 82860 91601 98424. Ohne Gewähr.

- Die Ortskrankenkasse in Gießen und in anderen Städten. Schon von jeher, so schreibt man ,un§, wird der Ortskrankenkasse Gießen vorgehalten, daß die Höhe der Beiträge (3%) eine zu hohe sei. Vergleichungen aus den Statuten anderer Kassen ergeben folgende für Gießen günstige Tabelle:

* Für langjährige treue Arbeit. DerDeutsche Tabakverein verleiht an Arbeiter, die mindestens 25 Jahre bet einer Firma der einschlägigen Branche gearbeitet haben, fein ausgesührte Gedenktafeln. Gestern wurden nun bei der Firma Gg. Heinr. Schirmer hier an folgende Arbeiter: Heinrich Wagner, Helene Schäfer, Eberhardt Eckhardt, Phil. Oswald, sämtlich aus Wieseck, Heinrich Baum aus Gießen, Larl Biesenroth aus Alten-Buseck und August Rodenhausen

JO 1-

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Namen der Krankenkaffe

Cs werden an Bei­trägen er­hoben in %

Ueber daS gesetzliche Mindestmaß wird geleistet

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2.

3.

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Allgemeine OttS- tranfenfaffe

Frankfurt a. M.

Ortskrankenkasse Mainz

Ottskrankenkaffe

D a r m st a d t

Ottskrankenkaffe Wiesbaden

Ottskrankenkaffe Offenbach

Ottskrankenkaffe Worms

Ottskrankenkaffe Hanau

Ottskrankenkaffe Höchst

Ottskrankenkaffe Gießen

Würde die Orts heben müssen, so 000 Mk. bebeute

37.

3V.

37.

37.

37.

4

37.

37.

3

krankenkass würde dies

i.

1) bei ununterbrochener Mit­gliedschaft von 13 Wochen lO°<o Krankenrente mehr.

2) Anstatt des 20fachen das 30fache Sterbegeld.

3) Sterbegeld an Ehefrau und Kinder und zwar für erstere 7, und für letztere 7« bezw.

7. des 20fachen Sterbegeldes.

1) Wegfall von zwei Tagen Carrenzzeit.

2) Freien Arzt für die Familie. Sterbegeld sürEhefran loMk. und für Kinder 9 Mk.

1) Für die ersten 13 Wochen 10°fo Krankenrente mehr.

2) Für Mitglieder, welche bereits 1 Jahr der Kaffe angehören, 39 Wochen Krankenrente.

1) 8°io Krankenrente mehr.

2) Anstatt 20faches 28faches Sterbegeld, wenn der Ver­storbene mindestens dreizehn Wochen Müglied der Kaffe war.

1) 5°fo Krankenrente mehr.

2) Wegfall von 2 Carrenztagen.

Nichts.

1) !O°fo Krankenrente, wenn die Mitgliedschaft bereits 13 W. dauert.

2) 2 Carrenztaqe fallen weg.

3) Anstatt 20saches 25saches Sterbegeld.

1) 5°'o Krankenrente mehr.

2) Anstatt 20saches 25faches Sterbegeld.

1) 5°fo Krankenrente mehr.

2) 1 Carrenztag fallt weg und im Falle 14tägiqer Krank- heitsdauer keine Karrenzzeit.

3) Für die im Krankenhaufe untergebrachten verheirateten Mitglieder Gewährung von Krankenrente in Höhe von 7, des Tagelohnes und für ledige 7, desselben.

4) Freien Arzt für die Familie.

5) Im Falle der Entbindung ebenfalls.

6) Anstatt 20saches 25faches Sterbegeld.

7) Sterbegeld an Ehefrauen und Minder und zwar an erstere in Höhe von 7, und an letztere von XL bezw. 7e des 25fachen Sterbegeldes.

8) Gewährung von 17,fachem Krankengeld an die in einer Heilanstalt untergebrachten verheirateten Mitglieder.

Gießen z. B. ebenfalls 3 i/2o/0 eine Mehreinnahme von ca.

auS Wieseck, je eine solche Gedenktafel, schön gerahmt, mit je einem Geldgeschenk vor versammelter Arbeiterschaft der Tabakfabrik durch Herrn Heinrich Schirmer überreicht. Die genannten sieben Arbeiter sind von 44 bis 25 Jahre bei der Firma Schirmer beschäftigt.

(h). Fried berg, 11. Oft Zu dem bereits telegraphisch gemeldeten Exzesse, verübt durch einige rohe Bursche, wird weiter berichtet, daß die Beteiligten erst ruhestörend nachts zwischen 1 und 2 Uhr durch die Fauerbachersiraße zogen. Schon bei dieser Gelegenheit gab einer der Burschen auS einem Revolver einen Schuß ab. Dadurch fühlte sich ein deL WegS kommender Passant bedroht und erstattete sofort Anzeige bei der Polizei. Inzwischen hatten dann die vier Unruhestifter einige Bahnbeantten, die sich in Ausübung ihres Dienstes befanden, insultiert und grob beleidigt. Der hier beschäftigte Schreinergeselle Ka rl Vie hl auS Ober-Eber­stadt feuerte, wie schon berichtet wurde, bei dieser Gelegen­heit 34 mal auS dem Revolver mit scharfen Schüssen auf einen Beamten. Dieser hatte sich sogleich zu Boden geworfen, so daß der Schütze sein Ziel fehlte und der Bedrohte glück­licherweise unverletzt blieb. Außer dem gefährlichen Schreiner­gesellen sind auch die übrigen drei Ucbeltäter der Polizei von früher her wohlbekannte Personen. Sie wurden in Hast genommen, jedoch nach ihrer Vernehmung vorläufig wieder entlassen.

6. Friedberg, 11. Oft. Im hiesigen Rangierbahnhof stießen die letzte Nacht acht beladene Wagen beim Rangieren gegen den steinernen Maschinenschuppen der Zucker- abrik und demolierten ihn vollständig. Die Loko­motive, welche im Schuppen stand, wurde durch die Wand gestoßen und schwer beschädigt, ebenso zwei Wagen.

§ Groß-Karben, 12. Okt. Zwischen dem vom Amte suspendierten Bürgermeister St. und dem Polizeidiener Z. tarn eS gestern in einer hiesigen Wirtschaft zu Streitigkeiten. Als diese später im Hofe fortgesetzt wurden, stürzte der Bürger­meister, brach ein Bein und mußte nach HauS getragen werden.

R. B. Darmstadt, 12. Okt. (Eigener Drahtbertcht.) Die Eröffnung des neuen Reichsbankgebäudes fand heute mittag 1 Uhr in feierlicher Weise statt. Sowohl ocs Staatsministerium wie die Spitzen sämtlicher Behörden waren erschienen. Reichsbankpräsident Dr. Koch begrüßte persönlich die Festteilnehmer und eröffnete das neue .HauS mit einem Hoch aus Kaiser und Großherzog. Darauf be­grüßte der Präsident der Großh. Handelskammer den Reichs­bankpräsidenten und sprach der Reichsbankstelle in Darm­stadt Glückwünsche aus. Nachdem Oberbaurat Klingelhöser einen kurzen Rückblick auf die Entstehung des Baues ge­worfen hatte, begann die Besichtigung des Gebäudes, öente abend 7 Uhr findet ein von der Handelskammer gegebenes Festessen statt, woran auch Reichsbankpräsident Dr. Koch teilnehmen wird.

te. Darmstadt, 12. Okt. Die Ausstellung der Künstlerkolonie ist gestern geschlossen worden. Sie erzielte, im Gegensatz zu der ersten, einen erheblichen Ueberschuß. Auf der Düsseldorfer Ausstellung hat die hessische Gruppe 70 Preise erhalten. Beim internationalen Wettbewerb fiel ihr der 3. Preis zu.

fc. Mainz, 12. Okt. (Drahtbericht.) Die 68jährige Witwe Veith wurde gestern abend in Nack mit einer klaffenden Wunde am Hinterkopfe tot auf der Dorsstraße auf- gefunden. Untersuchung ist eingeleitet worden.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Gemeinde Lollar hat die Er­bauung einer Wafferleitung und die Einführung der Feld­bereinigung beschlossen. Einen blutigen AuSgang nahm die Bürgermeisterwahl zu Dossenheim in Rheinhessen. Am Tage der Wahl wurde der Sohn be§ unterlegenen Bürgermeisters Apfel des Abends von einem Gegner in der WirtschaftZur Rose" mit einem wuchtigen Hiebe auf den Kops niedergeschlagen, so daß der junge Mann längere Zeit besinnungslos war und noch jetzt schwer krank darniederliegt. Bei der Beerdigung deS Knechts Kohl aus Heppenheim aus dem Friedhöfe zu BenSheim ereignete sich ein störender Zwischenfall. Als die Parteigenossen des Ver­storbenen, der zur sozialdemokratischen Partei zählte, einen schwarzen Kranz mit roter Schleife am Grabe niederlegen wollten, trat der Bruder deS Verstorbenen hinzu, verhinderte dies, riß Kranz und Schleife in Stücke und warf diese beiseite.

vermischtes.

* Familiendrama in Wiesbaden. Ein gräß­liches Familiendrama (kurz haben wir darüber schon be­richtet) so schrecklich und grauenerregend, wie es die Krimi­nalstatistik glücklicherweise nur selten zu verzeichnen hat, ereignete sich in dem Hause Bismarckring Nr. 38. Dort hat der Schneidergeselle Wilhelm Menze, der seit 1. Okt. d. I erst im Hinterhause wohnt, seine Frau, drei Kinder und sich selbst erschossen. Um halb 2 Uhr hörten andere Hausbewohner, die direkt unter Menze wohnten, eine ganze Anzahl Schüsse, und ein Mann wollte auch der Ursache nachgehen, wurde aber von seiner Frau daran gehindert. Den später eindringenden Beamten bot sich ein schreck­licher Anblick dar: Menze lag, den Revolver noch in der Rechten, aus dem Boden, seine Frau und das jüngste Kind, ein 9 Monate altes Mädchen, im Bett, das älteste, 4 Lahre alte Kind, ein Mädchen, in einem anderen Bett und das dritte Kind, ein 2 Jahre alter Knabe, im Kinderwagen. Alle hatten mehrere Schußwunden, das jüngste Kind sogar drei, eine im Herzen, eine in der Stirn und eine in der Schläfe, 3jun aiq aun Laotz svq ui naisqnxi ajp oicu avcu uvaL diq Schläfe geschossen. Die Situation, in welcher die Frau ge­funden wurde, die ausgezogen im Bette lag, läßt darauf schließen, daß sie in dem schauerlichen Moment, in dem ihr Mann die Waffe gegen sie erhob, ihr Jüngstes genährt hatte. Die Frau ist wahrscheinlich zuerst getötet worden und dann der Reihe nach die Kinder. Menze hat sich selbst in das Herz und in die Schläfe geschossen. Bei dem ersten Schuß, den er aus sich abgefeuert, ist ihm, was die erwähnten Nachbarn hörten, der Revolver entfallen, er raffte ihn aber auf und gab noch einen zweiten, den überhaupt letzten Schuß, aus sich ab, dann noch ein dumpfer Fall und es herrschte Totenstille in der Äenzeschen Wohnung, Toten­stille im wahren Sinne des Wortes, denn alle elf Schüsse waren gut gezielt und wirkten sofort tödlich. Menze selbst hatte sich ein Deckbett auf dem Boden ausgebreitet, auf dem seine Reiche lag. Die Stellung, in der das älteste Mädchen gesundeii wurde, läßt vermuten, daß sich das "Kind gegen rJt Lotung gewehrt hat Man mühte annehmen, daß cs > sich hier um die grausige Tat eines Wahnsinnigen handelt,

aber dem ist nicht so, ein Bries, den Menze hinterlasset, läßt keinen Zweifel darüber, daß er mit aller Ueberlegung den vierfachen Mord und Selbsttuord begangen hat. Der Bries er umfaßt drei engbeschriebene Bogen gibt auch Aufschluß über die Ursache. Dieselbe ist Eifersucht und Menze gibt unter Nennung von Namen und Daten genau an, was ihn veranlaßte, an» der ehelichen Treue seiner Frau zu zweifeln.

* Kleine TageKcbronik. Nach zehnjähriger Zuchthausstrafe im Weiberzuchthanse Hassenbergen i. S. ivurfre die Fra u d e s O b e rs ö r ste r s Gerla ch aus Sonders­hausen, die in Gemeinschaft mit ihrem Mann ihr Dienst­mädchen tödlich mißhandelt hatte, freigelassen. (Man erinnert sich, daß Frau Gerlach ein schreckliches Regiment in ihrem Hause geführt, Mann und Tochter täglich geprügelt hat. D. Rod.) In Gewässern bei Leipzig wurden für 40000 Mark kostbare Felle gesunden. Sie sind der Rest der kürzlich, bei der Firma Lomer gestohlenen Rauchwaren. In Kapsen - > berg (Oberstcicrinark) wurde ein starker Erdstoß wahrgcnommen. Der Polizeioffiziant Adol, Mendel in München Wurde wegen Betrügereien und Unterschlagung von Amtsgeldern verhaftet. Auf dem Bodensee bei Radolf­zell ging ein Schiff unter. Von den 10 Passagieren wurden nur vier g e r ct t e t. Bei Husum ist der tu ff. 3 cf) o o n e rMarie" gestrandet. Sieben Mann find er­trunken. Tie Unterschlagungen Otto Taussigs in Wien werden auf mehr als eine Million Kronen geschätzt. Man nimmt an, daß er 2300 000 Kronen bei der Flucht mitgenommen hat. Großes Aufsehen erregt in Spanien ein Pist olenduell zwischen dem MarquiS Pick man und dem G endarmerie- Kapitän Dardes, das in Sevilla stattgefunden hat. Tie Tnellanten hatten sich vorher im dortigen Gervantes-Theater geprügelt. P i ck m a n , der in Sevilla sehr populär ist, wurde beim dritten Kugelwechsel auf 15 3dyritte Distanz getötet. Tie Veranlassung zu der Prügelei, die dann zu dem Duell führte, ist noch nicht bekannt. In Santiago d e Chile ist ein Neubau, welcher eine Fläche von 1000 Cm. bedeckte, zusammen­gestürzt. Sämtliche auf dem Bau beschäftigte Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. 5 0 davon wurden getötet oder verletzt. In der Sevres-Porzellanfabrik zu Paris ent­stand eine Feuersbrunst, welcke erst nach mehrstündiger Arbeit der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Ter durch den Brand verursachte Schaden ist bedeutend. Beim Bau eines Tunnels in St. Claire (Canada) versagte plötzlich die Luftpumpe. Sechs Arbeiter erstickten. Tie Gasfabrik in Saltley (England) ist in die Luft geflogen. Die Tetonatton war bis aus 20 Kilometer zu hören. Vier Arbeiter wurden schwer verletzt. Ein Fünfter ist verschwunden. Man nimmt an, daß et bei der Erplofion seinen Tod ggesunden hat. Die Bahnlinie hat stark gelitten. Ein Bahnbeamter wurde durch umherfliegende Trümmer getötet. Tie Ursache der Explosion ist unbekannt. Ter Schaden beträgt über eine Million. Ter Gymnasiast Skrowonski ermordete in Vyftin (Galizien) in einem Anfall von Wahnsinn mittels Beilhiebe seine Eltern und feinen 22jährigen Bruder. Ter Mörder wurde verhaftet. Ter vor längerer Zeit nach großen Unterschlagungen nach Olriechenland flüchtig gewordene Münchener Bankier Wagner ist in die Angerer Frohnveste eingeliefert worden, wo er feinet Aburteilung entgegensieht. Aus Umbrien, den Marken und der Romagna werden Ueberschwemmungen gemeldet, die großen Sckvrden an Häusern, Sttaßen und Brücken anrichteten. Bei Gefena stürzte ein Poftwag en in den hock)>gefchwollenen 3avio. Tie Passagiere und die Pferde ertranken.

Kunss und Wissenschaft

Prof. Dr. Adalbert Hanstein ist Dienstag mittag in Hannover plötzlich und unerwartet gestorben. In der Literaturgeschichte wird fein Name als der eines feinfinrnpen Poeten, eines rastlosen Forschers auf literarhistorischem Gebrete fort leben. Insbesondere aber als warmherziger, begeisterter Lehrer wird er Zahlreichen unvergeßlich fein. Ter Verstorbene, der eine Frau und kleine Kinder hinterläßt, war erst 43 Jahre alt. Die technische Hochschule zu Hannover verliert in ihm einen ihrer beliebtesten Lehrer, der Verein der nattonalliberalen Jugend zu Hannover einen seiner Mitbegründer und sein Ehrenmitglled.

Nach den ,«Franks. N. N." hat die Frankfurter Oper gegen Frl. Emmy Deftinn in Berlin wegen Kon­traktbruchs Klage eingelegt. Frl. D. sollte am Samstag in Frankfurt singen .schützte jedoch Krankheit vor, während sie am Sonntag in Berlin auftrat.

InStettin ist der Forscher und Geologe KarlMeyei? im Mer von 64 Jahren gestorben.

chericktssaak.

Berlin, 12. Okt. Der Arbeiter Splitter, der aur 5. April den Zusammenstoß des von ihm geführten Wagens mit dem Automobil bc5 Prinzen Friedrich Leopold von Preußen verschuldete, wobei der Prinz eine Quetschwunde erlitt, wurde wegen fahrlässiger Körperwerletzung zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Märkte?^

th. Gießen, 11. Okt. Der Austrieb auf dem heutigen Viehmarkt bestand in 500 Stück Großvieh und etwa 60 Kälbern. Ter Vorrat bestand aus Milchkühen geringer und auch Mittelware ,welch letztere zu entsprechenden Preisen schwer los­zuwerden waren, wahrend für die geringere Sorte Käufer aus der Provinz Nehmer waren. Außer Milchkühen waren aufgetrieben: Mastvieh, Fettvieh, Stiere und Jungvieh. Ter Handel in diesen Sorten war der Zeit entsprechend nicht schlecht zu nennen. Für das Kälbergeschäft fehlte es etwas an Ware. Für den Fettvieh- und Kälbermarkt waren ziemlich Reflektanten da, tneil außer den Gießener Metzgern auch Provinzkundschaft bei dem nein en Vorrat stark in das Geschäft eingriff und "ein Anziehen der Preise dadurch selbstverständlich wurde. Bezahlt wurden für Milchkühe: Mittel­ware 350375 Mk., geringere Kühe 275325 Mk., Masttiere 3033 Mk pro Zentner Lebendgewicht, fette Rinder 1. Sorte 6870 Mk., 2. Sorte 6567 Mk. pro Zentner Schlachtgewicht, fette Kühe 1. Sorte 6264 Mk., 2. Sorte 5861 Mk. pro Zentner Schlachtgewicht, Kälber 2. Sorte 6872 Mk., 3. Sorte 6064 Mk. Von zuverlässiger Seite wird uns noch berichtet, daß auf dem gesttigen Viehmarkt ein Au flau f dadurch ent­stand, daß Hr. I. Lorsch-Wseld umherging und nach Kühen mit gespanntem Euter auösah, wobei er die betr. Händler aus- schreiben wollte. Ter Auflauf wurde durch Schutzleute aufgelöst, worauf Lorsch sich entfernte. Tie Händler beschwerten sich über das Austreten Lörschs, der nur den Markt ruinieren wolle. Wir finden ebenfalls das Gebahren Lorschö ungehörig und diese Art, mit allen Mitteln, sogar der Denunziation, die handels^- Nülligen Viehhändler von unserem Markte fernzuhalten, un­würdig und wenig vornehm. Sein Verhalten erinnert an das solcher Streikender, die ihre arbeitswilligen Kollegen durch Be­drohung re. von der Arbeit abhalten wollen, ein Benehmen, das bekanntlich strafbar ist.

ko. Frankfurt a. M., 12. Okt. lOrig.-Telegr. desGieß. Anz.") .Schweinemarkt. Zum Verkauf standen 1592 Schweine. Schweine: 1. Qualität 6000 Pfg., Lebendgewicht 4700 Pfg. 2. Qual. 5859 Pfg., Lebendgewicht 4600 Pfg., 3. Qualität 5255 Pfg., Lebendgewicht 0000. Geschäft mittelmäßig. Ueber stand unbedeutend.

ko. Frankfurt a. M., 11. Okt. £> e u- und Stroh-, markt. Heu kostete heute Mk. 8.50-3.90, Stroh Mk. 2'30 bis Alk. 0.00. Alles per 50 Kilo. Teiibenz: Fest.

Landwirtschaft.

i. Alsfeld, ,10. Okt. Die ehemaligen Schüler der landw. Minterschule Alsfeld hatten vor 4 Jahren einen Verein gebildet, welcher den Zweck verfolgt, ihre Beziehungen ftur Schule und zu den früheren Kameraden zu erhalten und auch auf ihre berufliche Weiterbildung, soweit dies durch Versammlungen möglich ist, einzuwirken. Der Verein umfaßt gegen 400 Mitglieder, und von diesen