Ausgabe 
12.9.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Grstes Matt.

Montag VA. September 1904

154. Jahrgang

Nr. 214

Orfchetat tSglt- anher Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschen Landwirt die Siebener tfamllien* blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck tu Ver­lag bei BrÜ h l'scheu Untvers.-Buch-u. Stein- druckeret. St. Bange, Redaktion, Expedition und Druckerei:

Gchrrlstrahe 7.

Mr T'flrw'trhi**»«

M YerugSpreiSr

jÄÄSSMMr ftäejf monatlich^ M., viertel-

GiehenerAnzelger«

w General-Anzeiger " *

Amte, und AnrornodlM für don Krok Mieten H-iSs

11 " Goetz. für den An­

zeigenteil: Hans Beck.

'reg aus der Mandschurei.

einen Sachverständigen zu Prüfen. Das Ergebnis dieser Prüfung ist in ein besonderes, im Magazin aufAubewahren- des Buch einzutragen und von dem Revisor zu unter­schreiben.

IV. Einrichtung.

8 10.

Der Verschluß des Magazins soll durch zwei hinter- einanderliegenoe, nach außen aufgeheinde, ftarfe, einbruchs­sichere Türen von mindestens 1,60 Meter Höhe und 0,7 Meter Breite mit starken Beschlägen und Schlössern ge­bildet werden. Für die äußere Tür sind Vorlegstange,n und Vorhängeschlösser nicht zulässig.

In Pulvermagazinen muß die innere Tür aus Holz bestehen und außen mit BlechVerkleidung versehen sein.

Die Türbeschläge und Schweller! sind so einzurichsten, daß Reibungen von Eisenteilen auf Stein oder Eisen aus­geschlossen sind, durch welche Funken oder gefährlich>e Er­wärmungen hervorgerufen werden können. Erforderlichen­falls sind die reibenden Teile aus Messing herzu stellen oder in geeigneter Weise mit Kupfer, Zink, Messing oder Holz zu verkleiden. Die Schlüssel zu eisernen Schlössern dürfen nicht aus Eisen bestehen.

Türrahmen oder Angeln sind im Gestein oder Mauer­werk fest zu vermauern oder zu verankern. Das Mauer- wepk oder Gestein soll mindestens 25 Etm. (eine Steirr- stärke) vor der Tür vorstehen.

Bei Magazinen für mehr als 50 Kgr. Sprengstoff muß zwischen beiden Türen ein Vorraum von mindestens 1 Meter Tiefe bleiben.

§ 11

Der eigentliche Lagerraum muß trocken und genügend groß sein, um ein gefahrloses Ein- und Ausbringen der Sprengstoffe zu gestatten. Die Mindesttiese des Lagerraums soll 1 Meter betragen.

Die Innenwände sind mit glattem Zernentverpntz oder glatter hölzerner Verschalung w versehen. Sämtliche Eisen­teile sind mit Holz zu verschalen.

Der Fußboden oes Lagerraums freistehender Magazine soll höher liegen als die nächste äußere Umgebung.

In Magazinen für höchstens 50 Kgr. Sprengstoff sind Fußböden von Lehm-, Gips- oder Asphaltesttich ohne Stein- beimischung zulässig. In größeren Magazinen ist der Fuß­boden aus hohl liegenden, dicht gefugten Brettern her­zustellen, in denen oie Nägel zu versenken und zu ver­kitten sind, sofern nicht Stifte aus Holz oder Messing zu seiner Befestigung verwendet werden. In Magazinen, die nicht für Pulver bestimmt sind, darf oer Fußboden aus glattem Zement hergestellt sein.

Fußböden von Zement müssen immer, solche von Holz oder Estrich nur in Magazinen fiir Pulver in ihrer ganzen Fläche mit starken Haardecken (Pferdedecken, Wolldeckeil) oder Linoleum belegt sein.

V. Benutzung.

8 13-

Die Lagerung von Sprengstoffen darf, abgesehen von den in den §§ 29 und 30 der Verordnung vom 21. De­zenter 1893 vorgesehenen Ausnahmen, nur auf Grund einer von der zuständigen Behörde auf Widerruf zu er­teilendell schriftttchen Genehmigung erfolachl.

Erscheinen der genehmigenden Behörde im Einzelfalle die Bestimmungen dieser Bekanntmachung nicht als aus­reichend, so ist sie Befugt, für die Anlage und Benutzung eines Sprengstofflagers Bei der Genehmigung und nach Bedürfnis auch späterhin weitergehende Anordnungen, zu tpeffen.

In der Genehmigung sind diese besonderen Anord- nunaen sowie die Art des Sprengstoffes und die zugekassentz höchste Sprengstoffmenge ausdrücklich aufzusichren.

Sind für die Lagerung all der Herstellungsstätte bei Genehmigung der Anlage gemäß 8 16 der G.-O. besondere Bedingungen vorgeschrieben, so behält es bei diesest fein' Dewenden.

§ 13.

Die Sprengstoffbehälter (Kisten re.) müssen auf Holz­unterlagen ruhen. Es bliefen höchstens sechs Reihen über­einander gelagert werden. Zwischen den einzelnen Reihen sind glatte hölzerne Zwischenlager anzubringeN, Fässer, sind festzulegen, damit sie nicht rollen.

Im Magazin darf nur die in der Genehmigung be­zeichnete Art und Menge von Sprengstoffen aufbewuhrt werden.

Sprengstoffe verschiedener Art sind in der Regel int getrennten Berbrauchsrnagattnen zu lagern. Ausnahmen hiervon können für Magazine mit weniger als 50 Inhalt zum Zwecke vorübergehender Lagerung gestattet werden. In Vorratsmagazinen ist eine Zusammenlagerung verschiedenartiger Sprengstoffe statthaft.

§ 14.

Zündmittel sind getrennt für sich in einer besonderen starken und dichten, verschließbaren Holzkiste aufzube­wahren. Auch ist ihre Lagerung in einer solchen Kiste in einem anderen unbewohnten Raum, in welchem wedev Feuer noch Licht gehalten wird, statthaft.

8 15.

Bei der Oeffnung der Verpackung dürfen keine eifer nett Werkzeuge, sondern nur solche aus Kupfer, Messing, Bronze, Zink oder Holz verwendet werden.

Ist das Verbrauchsmagazin mit einem Vorraum ver- fthen, so soll in diesem die Oeffnung der Verpackung vor- genommen werden.

Nach dem Oeffnen der Verpackung sind die Sprengstoffs besonders vor Feuchtigkeit zu schützen. Zu diesem Zwerk sind kleinere Pulvermengen in Zinkblechkannen, anders Sprengstoffe in trockenen und dichten Holzkisten oder Zink­blechbüchsen anfzubewahren.

Erft nach vollständigem Verbrauch des losen Vorrats soll eine neue Verpackung der betreffenden Sprengstoffart geöffnet werden. Die am längsten lagernden Sprengstoffs sind stets zuerst zu verwenden.

8 16.

Ventilationsöffnuugen sind erforderlichenfalls dichst unter der Decke und über dem Fußboden anzuordnen, fest zu vergittern, innen mit Drahtgaze an v erseh ließen und winklig oder gekrümmt so anzulegen, daß kein Regen eindringen und nichts von außen her in das Magazin geschoben werden kann.

Die Temperatur in Aufbewahrungsräumen für nitro­glyzerinhaltige Sprengstoffe darf nicht über 30 Grad Eelsius steigen und nicht unter 8 Grad Celsius Wärme sinken.

Müssen solche Räume erwärmt werden, so darf dies nur durch eine Warmwasserleitung oder durch Pferde­dünger, niemals aber durch Dampfheizung geschehen. Dis Temperattir der Warmwasserbehälter ist beständig zu über­wachen und darf in keinem Falle 60 Grad Celsius über­steigen. Pferdedünger darf nur in geringer Menge ver­wendet werden und mit den Spreugstoffbehältern nicht in unmittelbare Berührung kommen.

Jeder Aufbewahrungsraum muß mit einem brauch­baren Celsiusthermometer versehen sein.

Das Auftauen gefrierter Sprengstoffe hat außerhalb des Lagerraumes in einem Auftanapparat mittels normen Wassers von nicht mehr als 60 Grad Celsius zu geschehen, 8 17.

Der Lagerraum darf kein direktes Sonnenlicht erhalten^ soll jedoch bei geöffneter Tür durch das TagÄlichst hin? reichend hell erleuchtet sein, um eine völlige und genaue Besichtigung des Innern zu gestattest.

Ist bei unterirdischen Magazinen, oder Bei oberirdischen» während der Dunkelheit eine künstliche Beleuchtung des Magazins nnverstieidlich, so hat dieselbe mittels Helt bren­nender, allseitig verglaster und vergitterter Rüböllampe ober mit Sicherheitslampen von außen an erfolgen. Der eigentliche Lagerraum beirf mit Licht nichlt betreten werben.

8 18.

JNr Magazin soll bie größte Ordnuna und Reinlichkeit herrschen. Etwa beim Oeffnen der Verpackung verschüttetes Pulver ist sofort aus dem Magattn und aus beffen Um­gebung zu entfernen; bie Fiißbodenbeckein sind von Zeit zu Zeit herauszunehtuen unb auszuklopfen und von ver­streutem Pulver sorgfältig zu reinigen.

Nur bie zum Oeffnen ber Verpackung, zur Veraus­gabung ber Sprengstoffe und zur Reinhaltung des Maga­zins erforderlichen Geräte dürfen im Magazin oder beffen Vorraum anfbewahrt werden. Andere, besonders eifern^ Gegenstände, sowie die leeren Behälter, loses Packmäterial, Holz- und Papierabfälle sind alsbald daraus zu entfernen.

8 19.

Ueber Einnahme und Ausgabe von Sprengstoffett und Zündmitteln hat ber Verwalter des Magazins ein Buch zu führten, welches den Zeitpunkt des Empfanges oder der Verausgabnng, den Namen des Lieferanten oder Em­

il. Sept. Ein Telegramm des Generals > e it Kaiser meldet: Am 10. September unbedeutenden Zusammenstößen zwischen uns verlustlos waren, keine kriegerischen 'pt. Aus Mukden wird telegraphiett, daß msen Front vollkommene Ruhe und nor- rsche. Von den Japanern fei nichts zu id) kein eGeschütze an dieJapaner -. Donnerstag nacht ging ein furchtbar -er. Die im Freien biwakierenden Truppen orgen in bedauernswertem Zustand. Tie paner wird dem Mangel an Sttaßen in den

Der japanische Vormarsch hat im i Osten aufgehört und die russischen it Mittwoch ganz ungehindert. Obwohl ndeten nach Norden geschickt sind, arbeitet Kreuzes" bei Mukden noch Tag und Nacht« annten alle Twrser in ber Um- ijang nieder und ließen kein Stü^ -gel zurück.

5ept. Russischen amtlichen Depeschen, tte wnt in Petersburg eingegangen sind, ent- .preß", daß die Lage der russischen schlimm sei, als man geglaubt habe, ses günstigeren Zustandes fei der Erfolg '00 Mann 12 Meilen südlich von Mulden »amit Kuroki in Schach hält. Kurokis erster ffs Streitkräfte erfolge am Mittwoch, wurde Verlusten für die Japaner zu- '5eitdem haben noch weitere erfolglose An- Jnzwischen sei über die Hälfte der ruffi- ller Bagage sicher nach Mukden gelangt, ch noch 12 000 Russen südlich von Mukden Cd sie durch die unaufhörlichen Kämpfe bei .-end der letzten fünf Tage erschöpft seien, >b sie zur Hauptarmee werden gelangen^ idorffs Korps fortfahre, Kuroki in SchaÄ Tieling keine Schlacht angeboten, sonderm sen nach Charbin fortgesetzt werden.

Port Atthur.

.'ept. Depestben aus Tschisu berichten treU Kämpfe bei Pott Arthur. In der Nacht 'tert die russischen Scheinwerfer die japa- o t s f l o t t i l l e, die ein ,M i n e n l e - 'ttierte. Das letztere wurde vc>n den Küsten- rund gebohrt. Am 1. September sah Geschwader von vier Schlachtschiffen trnb

Kap Chintzen.

^ept. Aus Tschisu wird gemeldtt, daß ent, chtern aus Dalny abgereifter Japaner mit* 3turm, der gestern erwartet wurde, sei auf -»erschoben worden: ein weiterer Auffchuv apaner jede mögliche Vorbereitung treffeit oieder auf die erschöpfte Garnison werfen, en bei den letzten Kämpfen vier Forts,^ der räumen. Die Russen stellten üße darin auf. Sie trafen en-rgische bwehr des nächsten Sturmes, für den die pione berichten, umfassende Vorbereitungen

Vorkehrungen.

Sept. Die Ostseeflotte ist unter Ad- heute, nachmittags 2 Uhr, nach Ostasien

11. Sept. Der Kaiser hat die Reserve- i 22 Kreisen der zum Militärbezirk Odeffa '.ents Cherson, Bessarabien, Jekaterinoslaw ganzen Reiche eine Kategotte der Reserve­fen einberufen.

Für die Seebunkerung der nach Ostasien Ostseeflotte chattette Rußland auf längere ompfer aus den deutschen Ostseehäfen. Irrsinnige Krieger.

3ept. Hier sind neuerdings 40 irrsinnige 'schauplatze eingetroffen. Sie wurden nt rt.

'Ulsches Reich.

pt. Der Kaiser hat dem Kardinal- r in Köln auf ein von diesem anläßlich s Kronprinzen an den Kaiser qe- ielegramm die folgende Antwott zugehen

Eminenz bestens für die warmen Glück- r Kaiserin und mir zur Verlobung des Kron-' ihrer Diözesanen dargebracht haben. Das n dem Gebet treuer Untertanen' irgt am besten eine glückliche Zukunft für n, I. B.*

rinz bat einem in Hamburg wohnenden .1 von früher her bekannt war, auf dessen

mitrfannm unb DM eljrcn iiwrtwn. Der ChmaNcr Ihrer Schwester bcrMirnf mir bestimmt tms ffi I (i i meins Sohnes unb ba» mit meines Hauses imb V° t erlanbes. Zu krr e g er, sche NI T-n n f j n mir hierher ae kommen. aD bars ich wol» bie FTinncrunn baranf zurticklenken. bas, es micberholt eine Ans- »eichnuna meiner fflorbr gewesen es, unter bcn Augen bes hoch- ittim i! Ka>s ' ' von Ihrem lw<bseligen Großvater geführt zu werb", 'M, hoffe, bas, tne Karbe auch vor Mtrn Augen rtinnh-' ffnb'it werben, unb bas Hiersein bieser Druvpeu bie innia n Beziehungen zwischen unseren Völkern f r- ä s ff n e it und erhalten werde. Die Beziehungen im- t und Länder sind so innig fest und althergebracht, - uianders kann, als mttn Glas auf die Fortdauer zu '4' bitte, daß Gottes Segen ruhen möge auf Eurer b'nigllcken Hoheit und auf der Großherzogin und auf ihrem bnup imd L"nde. Das großherzoglicbe Haus Hurra!"

Kail-- verlieh zahlreiche Orden.

liehen Armeen bei den letzten zehn Schlachttagen werden nunmehr auf 70 000 Mann veranschlagt. Don 300 Grenzsoldaten, welche einen exponierten Posten zu vetteidigen hatten, und die von den Japanern umzingelt wurden, sind nur 90 mit dem Leben davon gekommen, welche sich mit dem Bajonett einen Durchgang er- fockften. ,V i e l e Leichen befinden sich noch im lwh<'N Grase, Die erst aufgefunden werden können, wenn das Gras gemäht wird. Es fehlt auch an Leuten, die nach Leichen suche«.

T o ki o, 11. Sept. GeneralMatsunaga gibt an, daß während der Schlachten in der Umgebung von Liauiang von den Russen sckmwrz mrgestrichrne Balken auf chiuesisckic Balm- lowrieS aufgestellt tvorden Ivtiren, die bie Japaner glaubm macken sollten, es tvären Gesck-ütze. Bei einer anderen Gelegenl^it legten sie auf den Rändern ber Hügelketten Strohpuppen hin, die Sclvtitzenlinien darfteUen sollten. Jlp-e Gefechts- Weise war durchweg veraltet, öfters sogar kind­lich zu nennen.

folgendes Telegramm gesandt: ,Tausend -'ner dankbar, eine so entzückende .'Braut mein eigen nennen zrk Kronprinz.^

Ueber da? Befinden b e 5 Fürsten Herberi Bismarck sind von einem Geraer Blatt sehr beunnchigende Mitteilungen gemacht worden; der Fürst sei sehr schwer magenkrank und liege hoffnungslos darnieder; Professor Schweninger sei fortgesetzt um den Kranken bemüht. Die ^Deutsch. TageSztg.^ erfährt aus zuverlässigster Quelle, daß diese Zeitungsnachricht übertrieben itnb seit gestern abend eine Besserung cingctretcn ist. Professor Schweninger be sindet sieh überdies seit den letzten Tagen in Berlin.

Kiel, 11. Sept. DieHohenzollern" mit dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich von Preußen an Bord lief am Vormittag in den hiesigen Hafen ein. Dann sand an Bord der »Hohenzolleritt Gottesdienst statt. Am Nachmittag begab sich ber Kaiser von der »Hohenzollern* nach dem