Rahnund reifte mittels CondcrzugeS nach Schwerin ab. Am Bahnbose batten sich zur Verabschiedung Prinzessin Heinrich von Preußen, der Großherzog von Hessen sonne die Sputen der Behörden eingefunden. In Ploen stieg die Kaiserin in den kaiserlichen Sonderzug, um gemeinsam int dem Kaiser nach Schwerin zu reifen.
Essen a. d. Ruhr, 10. Sept. Ein Flugblatt von einem Vorstandsmitglied des christlichen Gewerkvereinö wirft dem Vorsitzenden deS christlichen GewerkvereinS, Brust, vor, 3 0 000 Mark von den Grubenbesitzern zur Bekämpfung der oppositionellen Acltesten und des alten Verbandet persönlich erhalten zu haben. Brust wird zum IudaS deS Verbandes gestempelt. Für die Ermittlimg deS Urhebers des Flugblattes werden 500 Mk. Belohnung ausgesetzt.
Dresden, 10. Sept. Die gestrige Konferenz im Staats- Ministerium mit Mitgliedern der Ständekammern betreffs Einführung emeS R o tstandSta rif e S zur Abhilfe der durch Einstellung der Binnenschiffahrt eingetretenen Mißstände in gänzlich resultatlos verlausen. Die Regierung hat die Einführung nmdweg abgeschlagen. Die Industriellen werden sich hierbei nicht beruhigen. Den Verhandlungen wohnte außer den Ministern von Metzsch und Finanzminister Dr. Rüger mit ihren Raten noch Geh. Hosrat Dr. Mehnert and Oberbürgermeister Dr. Beutler bei.
Ausland.
London, 10. Sept. Folgendes sind, soweit biß jetzt bekannt, die von den Engländern in Tibet gestellten Bedingungen: Eriatz der ErpeditionSkosten, Genugtuung pir die Beleidigung der britischen Vertreter und den bewaffneten Widerstand, Handelserleichterungen zwischen Indien und Tibet und Errichtung eines englischen Grenzpostens auf tibetanischem Gebiet. AuS Lhaffa wird ferner telegraphiert, daß der Dalai-Lama wahrfcheinlich nidu zurückkehren werde. Die weltliche Macht werde dem Regenten übertragen und der Tafchi-Lama von Schigatse würde wahrscheinlich al§ religiöses Oberhaupt anerkannt werden. Die britische Erpedstion wird ungefähr am 16. ds. MtS. wieder abmarfchieren. Der FriedenSschluß erregt in politischen Kreisen in England lebhafte Befriedigung, und man erronrtet nunmehr, daß England ein faktisches Protektorat über Tibet ausführen wird.
— AuS Pretoria wird gemeldet, die Grabstätte oeS Prinzen Christian von Dänemark, welcher während deS Burenkrieges einem Fieber in Pretoria unterlegen war, ist von ruchloser Hand zerstört worden. Die Tat ist einige Tage vor Ankunft der Witwe des Prinzen erfolgt, welche sich nach Afrika eingeschisst hatte, um das Grab chres Gatten zu besuchen.
Paris, 10. Sept. DaS „Echo de Paris * veröffentlich: ein Interview mit dem neuen russischen Minister bev Innern. Dieser erklärte, er werde daß Programm verfolgen, welches in der Kundgebung deS Zaren vom Februar vor. Jahres dargelegt sei. Er wolle sich bemühen, bei Durchführung seines Amtes liberal zu verfahren, so lange die Staatseinrichtungen nicht gefährdet seien. Die innere Lage Rußlands fei zwar keine ernste, aber doch ziemlich verwickelt. Im übrigen bekannte er sich zu einem Gegner deS Parlamentarismus, besonders in der Form, wie sie in Frankreich geübt werde.
Inn Sbrück, 10. Cept. Prinzessin Ludwig von Sachsen-Koburg-Gotha, geb. Prinzessin Mathilde von Bayern, wurde heute von einer Prinzessin entbunden
Petersburg, 11. Sept. Zu den Ruhestörungen, welche sich am 4. und 5. September in Smjala, Gouvernement Kiew, ereigneten, wird der Ruff. Telegr.-Agentur auS Kiew gemeldet: Ein israelitischer Ladenbesitzer hatte eine Bauersfrau mißhandelt, weil er sie im Verdacht hatte, daß sie Tuch gestohlen hätte. Die Volksmenge rottete sich darauf zusammen und plünderte und verwüstete 100 Häuser und 150 Läden, die JSraeltten gehörten. 9Im 4. September abends fing eine Gruppe von 60 Israeliten eine Schlägerei mit Christen an. Als die JSraeltten auf die Christen Schüsie abgaben, wurde die Polizei herbeigerufen, die von ihren Revolvern Gebrauch machte und zwei Personen verwundete. 9(m 5. September morgens begaben sich mehrere hundert Eifenbahnarbeiter von der benachbarten Station Bobrinskaja trotz des Einschreitens der Behörden in einem Eisen- bahnzuge nach Srnjela, wo die Ruhestörungen sich erneuten. Zur Unterdrückung der Ruhestörungen wurde Militär herbeigerufen, das von der Waffe Gebrauch machte, wobei fünf Personen schwer und eine größere Anzahl leicht verletzt wurden. Eine Anzahl Personen wurden verhaftet.____________________
Prinzessin Luise von Koburg.
Paris, 11. September.
Die Prinzessin Luise von Koburg empfing gestern rurchrniueg den Advokaten Tt. Stimmer, der ihr Mitteilungen über aus Wien eingetros ne Korrespondenzen machte. Van morgen ab wird die Prinzessin sich einem berühmten französischen Psychiater zur Untersuchung ihre-, Geisteszustandes zur Verfügung stellen.
Prinzessin Luise hat auch eine Autorität für kanonisches Recht enunangen, um sich über die Möglichkeit einer Annull- lierung ihrer Ehe unterrichten zu lassen; sie erklärte aber gleichzeitig, baß sie nicht wieder heiraten wolle. Die Reise n a cd I t alten ift für einen späteren Zeitpunkt beabsichtigt. Der sozial!mische Aba. Dr. Südekum begab sich zunächst nach Braunschweig und wird im Bedarsssalle im Interesse der Prin- rMn ferner bin tätig fein. Tt. Bachrach, der Advokat deS Prinzen von Svburg, verhandelt mit Dr. Stimmer auf telegraphischem Wege.
Das „B. T." ist in der Lage mitzuteilen, daß auf kobnrgi- scher Seit, eine abnxrrtentv* Stellung eingenommen und den Borschlägen seitens der Prinzessin entgegengpsehen wird. Gewaltmaßregeln werden keinesfalls angewendet wer- ■xil Daß b^r Prin-chsin die Aufhebung der Kuratel gelingen wird, ist ur ^^brlchnnlich Die Herausgabe der Mitgift der Prinzessin, die übrigen - nur 200 000 Francs betrug, dürfte mit stückstck-t auf ihr" trmber sowohl, die Erbansprüche haben, cV*- auch ,T-r 1 >r Verschwendungssucht der Prinzessin kaum eriolg-n. V: lleicht bewilligt man ihr die Zinsen und bic Ipcrc-: oul 'Igien, etwa 30 000 Francs jährlich.
1P -../-nr bn- noch schweb-ndm Streitfragen erklärt Dr. ^trmmrr r** der zwei großen Erbschaften, die die Prinzessin
>, - . nn 33 Leopold und der Äatferin Charlotte
T- :>v Di Prinzelliu wünscht, daß Herzog PHillvv au
' • für Rechnung seiner Gemahlin zu
-- r r.** r re malten, schon heute verzichte oder in die - ' - !>c lLhc .rithge. Man erwartet ans Wien Gegen-
Die Prinzessin zeigte burd) Dr. Stimmer dem Polizei- mäfekten Lcpine ihren Ausentlmlt und das Hotel an, in dem sie Wohnung genommen hat. Sie ljnbc nicht die Absicht, sich in Paris vor der Polizei verborgen zu halten. Cs wurde ihr seitens der Polizei mitgeteilt, daß sic sich in Paris v o l l- kommen sicher sülilen könne. Nicht nur ihre Ankunft habe man gewusst, sondern man fei auch über die Anwesenheit und den Wohnort Mattaclücks unterrichtet.
Mattachich erlnelt von der Prinzessin die Erlaubnis, sein Gepäck in einem Zimmer im fünften Stock deS HanseS, dessen ersten Stock sie bewolmt, auszilbewahren. Er muß aber nach der ?lbendmahlzeit, zu welcher er iedesmal ganz formell geladen wird, daS HanS verlassen , Er fürchtet immer noch Berbastung. Um sich zu zerstreuen, schreibt die Prinzessin eine Kritik des neuen Bonraetfchen RornanS: „Divoree", die als Beweis ihrer siieisteShelle den Akten beiacfrat werden soll.
Ans Stadt and Land.
Gießen, den 12. September 1904.
** Die Uebcreichung der Meisterbriefe an die Iimgmeister der Provinz Oberbeffen, die in diesem Jahre die Prüfung bestanden haben, fand gestern vormittag x/, 11 Uhr im Cafä Leib statt. Es ivaren dazu auch verschiedene Gäste, darunter der Vertreter deS KreiSamtS, KreiSamtmann Hechler, der Vorsitzende der Großh. Handelskammer, Kommerzienrat Koch und Stadtv. Petri gekommen. Der Vorsitzende der Meister- prüsimgSkommission, Traber, hieß die Anwesenden zu der eit Inkrafttreten der Handwerkerdestimmunaen der Gewerbeordnung zum dritten Male stattsindendeu Ueberreichung von Meisterbriefen willkommen und dankte besonders den namens der Behörden und Körperschaften erschienenen Gäste für ihre Teilnahme an dieser Feier. Er betonte, eS sei ein erfreuliches Zeichen, zu sehen, wie sich immer mehr die Ueberzeuaung Bahn breche, daß eS eine Ehre sei, als geprüfter Meister seinem Handwerk vorzustehen. Wenn schon die Fühnmg dcS Meistertitels z. Z. noch keinen allzu großen wirtschaftlichen Vorteil bringe, so liege aber in der Berechtigung zur Führung deS Meistertitels ziveifelloS ein großer moralischer Wert für die Erziehung der Lehrlinge und Gesellen. Denn wo Lehrlinge und Gesellen seien, muffe naturgemäß auch ein Meister ein, wenn die Autorität nicht Schaden leiden soll. Die Prüfungskandidaten haben Zeugnis von ihrem Können abgelegt durch daS praktische Meisterstück und die ArbeitSprobe, sowie durch die theoretische Prüfung in den Fachkenntniffen, der Kostenberechnung, der Buch- und Rechnungsführung und, soweit nötig, der sozialen und gewerblichen Gesetzgebung. ES haben sich 47 Kandidaten auS 16 verschiedenen Handwerksberufen ;ur Prüfung gemeldet, nämlich 4 Bäcker, 4 Metzger, 1 Kupferschmied, 2 Küfer, 3 Schneider, 1 Schuhmacher, 3 Zimmerer, 6 Maurer, 1 Steinmetz, 1 Dachdecker, 2 Schornsteinfeger, 4 Schreiner, 8 Maler und Weißbinder, 2 Schlaffer, 2 Schmiede, 3 Wagner. Davon haben 10 Kandidaten nicht bestanden: 2 Metzger, 1 Küfer, 2 Maurer, 1 Schreiner, 3 Weißbinder und 1 Wagner. Im Anschluß an diese Mitteilungen wünschte Herr Traber den Jungnicistern Glück und Segen und sprach ie zu gesetzlich geprüften SD/ciftern in ihren Handwerken. Schriftlich hatten ihre Anteilnahme anSgebrückt Ministerial- sekretär Mathias und Kommerzienrat Hcysigenstabt. KreiSamtmann Hechler beglückwünschte namens der Regierung mit warmen Worten die Jungmeister und bemerkte, daß daS deutsche Handwerk, vom Großherzog und der Großherzogl. Staatsregierung unterstützt, in der ganzen Welt einen geachteten Platz einnehme. Erst kürzlich habe der Großherzog seine Fürsorge bewiesen dadurch, daß er angeordnet habe, daß bei den Bestrebungen der Künstlerkolonie auch daS Handwerk Beschäftigung sinden solle. Durch die großen Ausstellungen in Turin und St. Louis seien dem Handwerk große Erfolge erwachsen, und er wünsche, daß an dem Auffchwung deS Handwerks auch die geprüften Jungmeister Anteil haben möchten. Stv. Petri sprach namenS der Handwerkskammer. An die Iungmeister trete die Pflicht heran, bei den Bestrebungen der Handwerkskammer tatkräftig mitzuwirken. Welcher Art diese Mitarbeit sein solle, könne auS den Berichten im Hessischen Gewerbeblatt ersehen werden, wozu der Eintritt in die OrtSgewerbevereine erforderlich fei. Mit dem erworbenen Meistertitel sei man noch nicht über alle Berge; es heiße, sich mehr und mehr zu vervollkommnen. Auch habe man Pflichten gegen die Arbeiter zu erfüllen, die mit jedem Jahre größer würden, weil die Ansprüche bei Arbeiter teilweise übertrieben würden, ausgestachell durch die Agitatoren. Er schloß mit dem Wunsch, den Jungmeistern möge eine glückliche Zukunst beschicden fein. NamenS der Großh. Handelskammer sprach noch Kommerzienrat Koch herzlichen Glückwunsch auS, woraus Iungmeister Zimmer- Lich im Namen der Geprüften für alle Glückwünsche mit markigen Worten dankte. Schlossermeister Dörr leitete mit einer kernigen Ansprache die Verteilung der schönen Meisterbriefe in die Wege, die von den Iungmeistern mit Handschlag an die beiden Altmeister Beil und Becker in Empfang genommen wurden. Später sand ein gemeinschaftliches Mittagessen im Casö Ebel statt.
*• Die Kanalisation und die Gesundheitsverhältnisse in Gießen. Vielfach ist lehhin darauf hin- gewiesen wordeu, daß infolge der Kanalisationsarbeiten die Sterblichkeitsziffer in unserer Stadt eine wesentlich höhere geworden fei, insbesondere sollen die Todesfälle unter den Kindern sich erhöht haben. Wir glauben daher einer unk gegebenen Anregung Folge leisten zu sollen, wonach eS rätlich erscheine, daß von berufener Seite Maßnahmen getroffen würden, die darauf hinzielen, die Gefahren der Infektionskrankheiten zu mindern, so lange die Kanalisationsarbeiten in unserer Stadt noch im Gange sind.
" Polieivcrordnung, daS AuSmelken der Kühe betreffend. Der hiesige Gastwirteverein hat ebenfalls Stellung gegen die Polizeivcrordnung vom 5. Marz 1903 über dos Ausmelken der Kühe vor dem Austrieb auf dem Viehmarkt genommen und eine Eingabe an die maßgebenden Stellen gerichtet, in der namenllich auf die schweren Schäden hingewiesen wird, die den Gastwirten sowie allen anderen Gewerbetreibenden erwachsen würden, falls die Verordnung nicht aufgehoben bezw. geändert und infolgedessen das Fortbestehen der hiesigen Viehmärkte in Frage gestellt werden würde.
** Einquartierung. AuS Anlaß der Herbstübungen fommmen am 20. und 21. September hier 170 Offiziere und .">500 Mann von verschiedenen Truppenteilen zur Einquurtie- rung. Soweit die Unterbringung der Mannschaften in geeigneten Privatquartieren nicht möglich war, hat sich die
städtische Verwaltung zur Einrichtung von Maffenquartieren entschließen müssen, und die erforderlichen Vorbereitungen hierzu sind getroffen. Die erforderlichen Strohsäcke, Kopfpolster, Handtücher und Waschgeräte re. sind leihweise beschafft, wegen der Verpflegung mit geeigneten Leuten Vereinbarung getroffen. Dem Vernehmen nach sind jedoch noch für etwa 60 Offiziere Ouartiere ohne Verpflegung notwendig; bei der Bürgermeisterei werden noch Anmeldungen hierzu entgegengenommen.
** Vom Manöver des 18. Armeekorps. Mit dem 10. d. M. sind die diesjährigen Herbstübungen in ein neues Stadium eingetrtten Die Exerzier- und Schießübungen der Regimenter und Brigaden sind beendet, es trafen die letzten Infanterie-Brigaden (42. und 50.) im Manövergelande ein, und beute, Montag, beginnen die eigentlichen Manöver. — Die Besichtigung der 41. Znsanterie-Brigade (87 er und 88 er) fand am Freitag in dem Gelände südlich von Alsfeld durch den Kvrps- kommandeur von Eichhorn und den Divisionskommandeur der 21. Division Gen.-Lt. von Hagen statt. Die beiden Regimenter lagen vom 31. August bis 11. Sept, in Alsfeld und Umgegend im Standguartier und rücken am 12. d. M. nach Lauterbach gum1 Brigademanöver ab. (Der 41. Brigade sind zugeteilt bic 6 er Ulanen, 63 er Artillerie „Frankfurt" und das Pionier-Bataillon Nr. 21.) Alsfeld hatte ca. 2000 Mann (Einquartierung, der Brigadestab lag in Schloß Altenburg. Heute, Montag, beginnen die Manöver innerhalb der Brigade. Die 115er und 168er manövrieren von But-bach und Münzen^-rg aus gegen die 116 er in Gießen. Die Gesichte werden sich auf den Höhen von Garbenteich, Grüningen absvielen. Der Stab der 49. Infanterie-Brigade liegt in Lich. Montag abend beziehen mehrere Bataillone bei Garbenteickt-Steinbach Biwak, z. B. 116 er 1. und 3. Bataillon und 168 er. Das Gefecht zieht sich am Dienstag und Mittwoch ostwärts bis Laubach, Schotten, Wingershausen und Grünberg. Laubach und Oftünberg erhalten nächsten Dienstag große Einquartierung. In Laubach liegen am 13. und 14. September die Stäb? der 49. Inf.-Brigade, der 25. Kavallerie-Brigade, der 61 er Artillerie und der 115 er mit im ganzen ca. 1350 Mann. Nach Grünberg kommen die Stäbe der 23 er Dragoner und 116 er und das 1. Bataillon dieses Regiments. Der Stab der 50. Jnf.- Brigad" liegt in Elpenrod der S'ab der 25. Artillerie-Brigade in Hainbacb, die Nnterosfizierichnle Biebrich in Ober-Ohmen und Nmaebung. Das am 12. b. Mts. beginnende Manöver der 50. Brigade spielt sich im Ohmtal zwischen Rupcrtenrod, Nieder-Oknnen, Buro-Gemünden und Homberg ab. Einzelne Bataillone b-'zieh?n Montag abmd Vorpostenbiwak: das 1. Bat. 117 er bei Gontershausen, 2 Bat. 118er bei Burg-Gemünden. Am 11. und 15. Sept, zieht sich das Manöver nach Romrvd und Alsfeld. In Gießen wird gegenwärtig in der Klinikstraße eine große Ieldkück>e mtt 16 Kesseln errichtet, nm die hier zu. verladenden Infanterie-Truppen, darunter auch die 115 er, am 24. September zu speisen.
•• Die Ortsgruppe Gießen des deutschnatio» n alen HandlungSgehilferiverbandeS feierte am SamStag unter lebhafter Beteiligung im (Safe Leib ihr diesjähriges Stiftungsfest. Nach der Begrüßungsansprache be- glückte der Humorist Euler die Erschienenen mit dem neuesten Produkt seines Talentes, dem .Zarenbabr)", und erntete neben reichem Beifall auch einen Lorbeerkranz. Besonders verdient aber die Wiedergabe deS Dheaterstücks „Liede nm Siebe', ein feines Konversationslustspiel von Walters, alles Lob. Sachgemäß inszeniert und schwungvoll gespielt von Frl. Hecker, Frl. Elle, Frl. Heister, Herrn Wenzel und Herrn Nagel, erhob sich dieser Zweiakter weit über das, waS man', sonst von Dilettanten bei derartigen Veranstaltungen zu sehen gewohnt ist. Den Schlliß machte wie immer ein Boll und als Nachfest am Sonntag ein Ausflug nach dem Windhof.
•* Eine Prämienverteilung für Elvira-Waschpulver mit Bär veranstaltet, wie auS einer Beilage der heutigen Nummer hervorgeht, die Seifenpulver-Fabrik L. Letter- ruann-Elberfeld.
+ Klein-Linden, 11. Sept. Die hiesige Kleinkinderschule feierte heute nachmittag im schattigen Schlsthose ihr IahreSfest, welches dlirch die Mitwirkung deS Posaunenchors rind deS Kirchengesangvereins sehr verschönt wurde. Der OrtSgeislliche verlas den Jahresbericht, wonach die Gesamteinnahmen 919 Mk. betrugen, darunter 50 Mk. vom Mathildenstift, 125 Mk. von der Spar- und DarlehnSkasse Gießen und 300 Mk. von einem ungenannten Wohltäter. Am Schluß der Feier erhielten die Kinder Bretzeln.
fc. Laubach, 11. Sept. Nach kurzer Zeit starb aut Freitag nachmittag, kurz vor 6 Ufjr, wie schon nrrz gemeldet, auf dem Schlosse zu Laubach der Ehrs des graft. Hauses Solms-Laubach und Inhaber der gleichnamigen Standesherrschaft Graf Otto zu Solms-Lanb ach rm 45. Lebensjahre an Blinddarmentzündung. War des ^cr^ ftorbenen Vater, Graf Friedrich, der Gründer des meftgen Gvmnasiums, seit dessen O^riindmrg ein sichtliches Aufvluyen Laubachs anhält, ein populärer und beliebter .wrr, waren her Großvater, Graf Otto, und der Urgroßvater, OVraf Friedrich Ludwig Christian, letzterer bekannt als Ove^eiter des LazareMvesens im Jahre 1813 in ganz und erster Öberprasideut der Rheinlande, gerechte Persönlichkeiten, die jedes Kind in der ^vftchast kannten und' die unausgesetzt durch ihre gemeinnuhtge ^ahgrcit bemüht ivaren, die schweren Wunden zu heilen, welche bic Revo- lutions- und Defreiungsfriege der Stadt und Umgebung Laubachs geschlagen hatten, so erfreute sich der jetzt verschiedene Familienchef des gräflichen Hauses einer bet weitem größeren Beliebtheit infolge seiner Menschenfreundlichkeit, seines sozialen Wirkens und seiner edlen! Charaktereigenschasten. Die Stadt Laubach und bie&it der Standesherrschaft gehörenden Ortschaften sind deshalb durch den plötzlichen Tod des (Grafen Otto in tiefe Trauer versetzt und gleichen einer Trauergemeinde. Der Verstorbene erblickte 1860 im hiesigen Schlosse das Licht der Welt/ besuchte das hiesige Gymnasium und biete im Regiment der GkirbcFüraffiere als Offizier, widmete sich dann der Verwaltung der ausgedehnten gräflichen Waldungen und fuccebierte am 1. September 1900 seinen Vater. Vermählt war er mit Gräfin Emma, geb. Prinzessin zu Psen- burg unb Bübingen. Aus bieser Ehe hinterläßt er drei Söhne, beren ältester 51/3, der zweite 4V2 und der jüngste 21/2 Jahre alt ist, und eine 3Vsjährige Tochter. Außerdem sind außer der jetzt verwitweten Gräfin auch die Mutter des Grafen, eine geborene Gräfin zu Stolberg-Wernigerode, Oleschwister und Oheime des Okafen noch am Leben. Letztere sind der frühere Kreisbirektor bes Kreises Straßburg- Lanb, Geh. Negierungsrat Gras Emst zu Solms-Lailbach, letzt in Davmstadt, unb der Direktor bed botanischen (wartens zu Straßburg, Uuiversitätsprosessor Dr. Graf Hermann zu Solms-Laubach Graf Otto war erbliches Mitglied der Ersten Kammer des Großherzogttims, königl. preuß. Ritttneister ä la suite der Armee und Ehrenritter des Iohanniterordens. Die Standesherrschaft geht nunmehr auf den Erbgrasen Georg Friedrich, geboren 1899, der älteste Sohn des Verblichenen, über. Die Beisetzung der Leiche erfolgt am 13. September, nachmittags 2 Uhr, im gräfl. Erbbegräbnis hier. Zahlreiche Bciletds-


