tntoutrnt «St brm ukr In — W WfttTtntm (trgvn bif Unter- ue^mun^rtfluü ber ^tr. €>taatvn beherrscht, wie toir bürten, ganz Rußland D<-ntscMan>.' Frvundschast dagegen werde immer mehr gflPÜTbutt.
«ZaS wurde erst unser ruf» lieber ^Viudbr^uumn gefügt haben, Mttr er die Depesche dee Kaiser» an den Komm an- beur des W vdvr g schen Regiments gekannt?
Bestem Vernedmcn nach l^ gaben sich auch Graf Posa- pon» - ku und rirvttxir v. Karner zur Teilnahme an ben beutidy rufiiidxu i\mbelA’ertrü^iH*rixin*>luntTen nach '.Vorbcrini).
Folttische Zöochenschau. •)
-tt- Gießen, 10. Juli 1904.
Mit besonders freubigen Gefühlen blieft diesmal die Mebrzayl der politisch denkenden b c f f i i d) c n Bürger dem am Freitag abend in die Serien gereiften Landtag nach. 6euu* außerordentlich spate Einberufung in den Hoch- sommertagen roard anfangs nidu besonders freunblid) be» uncill und die Herren haben ihn* verantwortungsvolle Arbeit m überstürzender Hast geleistet. Daß sich die Zweite Sammer uneDerum alS Hort agrarischer Tendeiizen bewährt bai üt der Frage der Beseitigung der besteherDen W a h l - treiieinteilung, war vorauSznsehen uub ist an dieser Stelle wiederyott erörtert worden. Hoffentlich Mgr fid) nun die Erste Kammer nicht reaktionär, sondern Volks- freundlich und repariert die Siülden ihrer stoUcgiu von per anderen Fakultät.
Die Blamage der r h e in b e ss i s che n Reaktto - närc dabei ist voUkommen unb höchst; spaßhaft die fürchterliche Drohung der HenlSarmee mit der dräuenden Ungnade Preußens. Tic preußische Politik ist wahr- lief) rnchts weniger aU musterhaft, unb nichts kann ehrenvoller sem alS die MiMlligung von jeiten einer polüisd,cn Richtung, für die der Minister Frlrr. v. tzammerstein oerannoortlich zeichnet. Ter preußische Landtag, der kurz vor dem unseren sich vertagte, hat unter der Mttwirk- unc eurer unstet schtvankenben Regierung in der abgelause- nen Session Preußens liberale Bürgerschaft in mannigsache Sorgen gestürzt. Nichts Reaktionäreres kann es geben als dos^mßische Herrenhaus, das nichts weniger sinnt als den Umsturz des Reich s tags wähl rechte S, um ein Dasjenwahlgesctz an dessen stelle zu setzen. 3ebr lieblich öot auch der bisher noch unerledigte Rogierungs-Gesetz- enmniri von der Erschwerung des Kontrakt- braches landwirtschaftlicher Arbeiter. Bon Dcu erledigten Gesetzen ist das angenommene Ansieb- lungsgejetz gegen die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichheit vor dem Gesetz gerichtet, also auch gerade fein Kubmesblat: ui den 'Annalen des preuß. Abgeordneten- tikeiileÄ.
In der sozialdemokratischen Partei gährt eS fort und fort. Roch siiid die letzten Klänge von den Herr- Ucbt'n Tagen deS Trcsbetier Iungbrunnclikonzettes nicht oain verweht und schon wieder droyt ein Mißten bie sozui- uSfcbe Harmonie üi ein unerquietliches Gekliniper zu oer- waitbeln. ,Genosse" Schippel, dem nationalokonomisdien cniau: terrüHe der Treimillionenpartei, war anläßlich eines
"Die Polit. DochenschauE l)at mtQtn Raummangels in imserer gelingen Rümmer sür die heutige auigehoden werden muhen.
tfe langer der Krieg zwtfcyen wuiicn uno nern dauert, desto schwieriger wird eö für die Fernei)teyen- ben, die Sachlage objektiv zu beurteilen und au- der verwirrenden Fülle der Berichte sich ein klare- Bild von den Absichteti der Gegner zu machen. Ausfallend ist besonders, wie im Verlaus des Krieges immer mehr die Unsicherhett tn b<m Meldungen von (Gefechten, Märschen und Verlusten zu tage tritt. Anfangs präzis, nehmen sie jetzt mehr und mehr txm Charakter vager Vetmiutuligen an. soll", ,,wte es djeint" und ähnliche Iföebenöarten, die die Verlegenheit der Absender bcutlid), erkennen taffen, werden stereotyp. Was heute beridstet lvird, tuirb morgen dementiert, em großartiges Verschleicrungs- uub .Vertuschungssystem steht aus beiden Seiten in voller Blüte. Am wenigsten gut unterrichtet ist man naturgemäß über die Lage aus der See. Die leichte Ortsveränderung der Krieasfahrzeuge erschwert eine genaue Konstatierung der Standpunkte der beiderseitigen Flotten und Schisse ganz außerordentlich. Große Aktionen ind in den,letzten Tagen nid)t vorgekormnen, trotzdem haben >ic Japaner wieder allerlei Einbuße cli schwimmendem zbriegsmatcrial zu verzeichnen gehabt. Die Nachricht, daß ber lapanischc Kreuzer „Kaimon" in der Talien- Bai aus eine ruffifdx Rline au flies und sank, erregt aud) insofern Jntere je, als daraus hervorgeht, daß die Bai von Talienwan keineswegs genüaenb von Minen ge> säubert ist. Das Ausfahren deS Schisses geschah wahrend eines dichttw ^tebels. Die aus 230 Kopsen bestehende Dtetin- schast mußte sich aus ausdrücklichen Beseht des Kapitäns ^akal)asd>i vermittelst der Boote retten. Der Kapitän selbst ging mit seinem Schisse in die Tiefe und außer ihm werden noch zwei Offiziere und 19 Alann vermißt. Der japanische Bericht bezeichnet die ^Kaimon" als einen teilweise gedeckten Kreuzer Die Armierung des Schisses bestand aus einem 6.4$ötilgen Kruppschen Vorderlader, aus sechs t7zölligen Krupp-Geschützen und aus einem Halden Dutzend kleineren Geschützen. Ferner Haden die Japaner noch weitere Schisssverlusde erlitten. Wie General Shit ins ki dem ruf). Kriegsminister unterm 7. Juli meldet, versuchten, Nachrichten aus Port Arthur zufolge, hier japanische Tor- pedodoote am 2. Juli um 9 Uhr abends in den Hasen einzudringen. Eines von ihnen sank unter dem Feuer einer Batterie beim Goldenen Berge und das zweite vor der Batterie, das dritte Torpedoboot verlor den Schorn- stein, das vierte entkam unversehrt. Endlich geht in Tokio das Gerücht, daß der seit einigen Tagen vermißte ' japanische Da mpser SetyeiMaru von den Russen in den Gewässern von Hokhaido in den Gr und gebohrt worden ist. v ,,
Aus der Liautunghalbinsel ist es zu der schon ; lange erwarteten großeti schlacht immer noch nicht gekom- i men. Die fast täglich stattsindenden Heineren Gefechte drehen sich einmal um die Abschließung Port Arthurs ' von der Landseite unb andererseits um den Besitz der in ' deni Föngschiling genannten Gebirgszug belegenen Passe. ' Die Japaner, die in drei gcircntucn Arnieen dieses Gebirge ! zu übersteigen versucht haben, sind plötzlich von diesem Vorhaben abgewicheii. ohne daß man bis jetzt einen zu- ' reid)aiben Grmib für ihr Verhalten anzugeben vermocht hat Am cinlcudytenbftcn dürste nod) die Vermutung sein.
Vortrages ilber panbelspvlitik von her Parteileitung auj- gcxieixii ivordctt, aus eine Hure unb unanfedstlmre Weise vftAuftcIten, welche Stellung er zti den Ägrarzöllen cittnähmc. In einer Reihe von Artikeln üi einem Chem- i niiu*r Bbitte hatte sich darauf ber so Interpellierte der ' Arbeit imterzogen, feine Ansichten über Freihandel unb i Sd) utzzoll niederzulegen, die allerdings mit ben vom i Parteivorstattde borge)diriebenrn ofsizicllen Aiisdwuungen verzweifelt wenig AelnUichkeit hatten. Am inet|ten tounnte ; in diesen ArtikLn die OjenoHcn ein Angriff Schrppels auf Koutsky, wobei das ketzerisd)e Wort von „überfonunener Parteisdntblone" fiel Als Antwort schrieb ber ,^>orwärts" beut wüberge.febnamrtvnv/ Oknoffcn die Liebenswürdigkeit ins Stennnbuch daß Lchippel „das Biwußtsein vom Sinn und der Tragweite seliier Worte in bedenklid>er Werse zu mangelnIdrume." - Aus dem nächsten Parteitage internen wird der „Fall Schippel" wohl eine Glanznummer bilden, wenn aud) vielleicht wider unter Aiiöschluß ber Oessentlich- teit Wird Schippel, woraus er selbst wohl schon vorbereitet ist tatsächlich abgesagt, so würde bamit die sozialbcmokra- tische Partei dokumentieren, daß freie Pteinnngsäußerung ui der von Parteibogmen eingezwangteti sozialbemokrati- fchen Beiin'gitiig hinfort teinen Platz mehr finben kann.
In Frankreich hat der vielgehaßte, weil antiklerikale Herr Comdes in der letzten Zett so jchvere Tage verlebt, bag er an dem so viel beneideten und viel begehrten Posten eines Ministerpräsidenten absolut keine ftreube mehr finden kann. Er mag mit Neid seinem Borgänger, dem soeben von sdpvercr Krankheit genesenen Waldeck-Rousseau nadchlickcn, der sich's in einer Villa in ländlicher Zuruck- gezogeliheit wohl sein läßt. Die fatale Karthäuser- angelegenheit hat dem cttten Staatsmann die Lust am polttischen Leben völlig verdorben, sodaß man eS verstehen [ann, wenn auch er jetzt beabsichtigt, sich in die beschaulichc )luhe des auf seinen Lorbeern auSruhenden StaatSpensio- nLrs zurüdzuziehen. AIS sein Hotiptgegner bei dem niyste- nöjcn Bestechuiigsversuch der schliapsbrennenden Mönche Hai jid) der Sozialist unb ehemalige Minister Milleranb entpuppt, der übrigens ui dem ganzen Handel eine ziemlich zweideutige Rolle gespielt hat. Bon den Ergebnissen der Üntersuchung wird aber der intrigante Herr schwerlich sehr erbaut sein, da soeben die Kommission den Bericht des Abg. Eolin angenommen Hai, tvcldjcr der Kammer als Äcful* tat der Enquete folgende fünf Refolutionen vorschlägt:
lj Die Kammer erklärt, daß aus der Enquete keine Beweise für dcn vom Ministcrprusibeiucn EombcS in der Kammer auSacsprochci-n BcstechunaSversuch hcrvoroehev, ebenso rocnia wie für die gegen Edgar EornbeS m der fogtnannttn Karumscranare erhobene Anklage. 2) Die Kammer empfiehlt dem JusiiZMiNister, dictenigcn Pm'oncn verfolgen und bcHrafcn au Uiifcn, die fid) dcS Betruges schuldig gemadtt haben, indem jic sich sälschliO) Vollmachten -uschricben, bie sie nicht besaßen.
&c Kammer protestiert energisch gcgcn Otc Haltung der Ankläger, die «- abgelehm haben, chre Anklage zu rechtfertigen. 4 Die Kammer bebauen, daß der Minnterpräfibent un- Uugenveise unb ohne genügenden Grund eine Nefe^ Erregung m baS Larid warf und cntgcgen den Interessen Frankreichs beiien Bcrrrcrer aus der WeltauSNeUuiig m 6t Louis zu dis- aualif'Sicrcn 5i Die Manuncr bedauen die Mißbräuche, die von mehreren Justizbcamten begangen worden siiid.


