Ausgabe 
12.1.1904 Zweites Blatt
 
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Dienstag. Januar Lr>»4

154» Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 9

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen

Aie heutige Yummer umfaßt 8 Seiten.

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Rotationsdruck und Verlag der Brü h l'fchen UnwerfttätSdruckerei (Pietsch Erben), Dietzen.

straft weiten. , .

Bei der vorftel-enden Ausführung lvar unterstellt, daß es sich um ein in der Nähe von bewohnten oder von Menschen besuchten Orten ^,ele genoss Grunb^tuck^ handelt.

10 Slundentag eingeführt habe. Wie sich indessen hercrus- ttllt, ist die Arbeitsverkürzung nur vorübergehend, wie ie in jedem Betriebe einmal vorkommt. Das le^te Flug­blatt des Streikkomitees verkündet zwar, daß der Unter» stützungssonds bis Ostern gespeist sei, dieiieipfr. Vztg." rechnet aber schon mit der Möglichkeit, daß alle Ans­tändigen durch Arbeitswillige ersetzt werden. Mit Belagerungszustand und Rechtlosmachung der Ar­beiter könne man einen Streik wohl nie d er kn ü ppeln." Am letzten Mittwoch angekommene fremde Arbeiter be- chwerten sich darüber, daß bei der Zusammenrottung von Streikenden Steine nach ihnen geworfen worden eien. Einer der Streikposten ging mit hoch erhobenem Stock auf die Angetvnimenen zu. Mit einzelnen Arbeits­willigen haben übrigens die Fabrikanten sowohl wie das Streikkomitee ihren Aerger. Sie lassen sich, von den ersteren anwerben und von dem letzteren wieder zurückwerben, um die Streikunterstützung zu erhalten, auf die sie es abge- ehen Habern Verurteilungen Streikender wegen Ausschreit­ungen kommen alle Woche vor, und es gibt dann in der Regel Strafen von 10 bis 100 Mark und 1 Lag bis 2 Wochen Gefängnis. , _ ,,, ,

DerKonfektionär" stellt den Knmmitschauer Industriellen erneut ein sehr böses Prognostr- k o n. DieWunden. die ihnen der Streik geschlagen, seren ungeheuer und sicher z. L unheilbar, da die Kon­kurrenz gewaltig erstarke und andere Fabriken bie Krim- mitschauer Fabrikate aufnähmen. In der Nähe von M.- Gladbach sei bereits zur Erbauung einer neuen Spinnerei von Vigognegarnen ein sehr großes Terrain erworben, und in Düsseldorf hat, wie wir schon mitteüten, eine Anzahl niederrheinischer Industrieller die Errichtung eigener Jnr- tial- und Feingarnspinnereien und Färbereien beschlos',en, um sich von den fall),fischen Garnen unabhängig zu machen. Die Solidarität der Lextilindustriellen hat also doch ihre

Auch der Bund der Industriellen hat bie deutsche Industrie zu Beiträgen für die durch den Ausstand in Krimrnitschau betroffenen Fabrikanten aus gefordert. Ter geschäftsführende Ausschuß des Bundes tritt heute, am 12. d. M., zu einer Beratung über die umfassende Vorbereitung einer Organisation der Arbeitgeber zusammen. Es liegen von der zuständigen Reichsbehörde grundsätzlich genehmigte Vorschläge vor, für die Abwendung der Ge­fahr, die für die Industrie durch systematische Arbeits­einstellungen, veranlaßt von der sozialdemokratischen Par- teileitung beM durch die Gewerkschaften, welche jährlich 34 Millionen für Streikzwecke aufbringen, erwachsen Von den leitenden Männern dieses Unternehmens wird beabsichtigt, sämlliche in Betracht kommenden Vereine und Verbände zu einer Vorbesprechung, an der auch der Bund der Industriellen sich betelligen wird, einzuladen.

Der Bericht des Geheimrats Roscher über feine Emig- ungsversuche liegt vor. Nach demselben konferierte er mit Arbeitern und Unternehmern; auch die Vorsitzenden der beiderseitigen Organisationen waren zugegen. Roscher wies daraus hin, daß bei den Streitigkeiten zwischen Menschen die Schuld selten nur auf einer Seite liege. Tiefe Schuldfrage beider Teile dürfe man nicht außer Acht lassen. Erwies auf die gr o ße Ver antwortun g hin, welche sich die Unternehmer mit der grundsätzlichen Ablehnung jedes Einigungsversuchs aufläden, betonte, daß die Heranziehung ausländischer Arbeiter mißlich sei und empfahl schließlich Arbeiterausschüsse zur Vermeid­ung derartiger Zwiste.

Kaiser Wilhelm I. und die Schlacht bei Waterloo.

Zu den Erörterungen über Waterloo bringen die Grenzboten" (Verlag von F. W. Grünow in Leipzig) in ihrer ersten Nummer des neuen Jahrgangs folgende

Mitische Tagesschau.

Aus Krimmitschau.

Die Berl. Pol. Nachr." schreiben: Der Versuch der Sollaldeino kralle, die Krunmitschauer Arbeitgeber ^ ver- aetoaltigcu, hat unter Führung des Zentralverbandes deut- ÜL>er industriellen weiteste Kreise der Jnbustrie zur: Ab- Vr vere-nigt. Von den verschiedeneren Sellen ist ui d^iledten Wochen aber auch an den Zentralverband deut­scher Industrieller die Aufforderung ergangen, über ben Eaen Anlaß hinaus eine d auernde Organisation N deutschen Arbeitgeber zu bie um

bereittiaten Anforderungen agitatorisch verhexter Arbeller- ma fen erfolgreichen Widerstaiid zu teilten vermag. In bin nädM'tcn Lagen findet eine Sitzung des Direktormmv des Zentralverbandes deutscher Industriellen statt, und> die entscheidenden Beschlüsse werden bereits m kürzester Zell h(J ^nbuitrie unterbreitet rverden.

b Äe letzte kategorische Erklärung der Unter ne h met, haft sie sich auf keine weiteren Vermittelungsversuche mehr ein l assen werd en, da ein Nachgeben ihr er f eits aus- ! ,Müii'eii sei, madj.tr alle Hoffnung endgittig zunichte.

L '^at Roscher kann nun die zweite Reise nach, Krim- mitich.au sparen. Großen Jubel hatte unter den Ausstandi- die erweckt, daß eine Firma m Mulfen den

Zagd im eigenen Karten.

(Originat-Artikel desGieß. Anz.")

Tie Frage, ob man in einem eigenen Garten jagd­bare Tiere erlegen und für sich verwerten darf, ist schon oft praktisch geworden und wird es immer wieder werden, zumal im Winter, wo sich das Wild aus Nahrungssvrgen mehr nach den Dörfern und Gehöften hinzieht. Allerdings wird es sich in weitaus den meisten Fällen nur um Hasen handeln.

Tie Frage ist nach unserein bestehenden hessischen Jagd- rechte nur bedingungsweise mitIa" zu beant- worden. Erforderlich ist zunächst, daß man an dem in Betracht kommenden Grundstück (Garten) überhaupt ein Eigentums- oder Besitzrecht hat, daß man eben berech­tigter Inhaber dieses Grundstückes ist. Ferner ist not­wendig, daß das betr. Grundstück derartig ein gezäunt ist, daß es dadurch von dem Jagdgelände des Jagd berech­tigten ausgenommen erscheint. Nach Art. 6 des Hess. Ges. boon 26. Juli 1848 ist dies dann der Fall, wenn das Grundstück mit einer Mauer oder einer geschlossenen Hecke bezw. Zaun und mit Tür und Schloß versehen ist, derart, daß ein Mensch nicht ohne Schwierigkeiten über­steigen oder durch in der Umzäunung befindliche Lücken, ohne die Umzäunung zu beschädigen, durchschlüpfen kann. Es ist indessen nicht erforderlich, daß auch kleinem Haar­wild das Eindringen unmöglich gemacht wird.

Ist nun jür eine derartige Umzäunung Sorge getragen, jo steht dem berechtigten Inhaber dieses Grundstückes das Jagdrecht selbst auf diesem Grundstücke zu, allerdings unter Befolgung der Polizeiges etze und so weit hiernach die Ausübung der Jagd zu­lässig erscheint". (Art. 6 Abs. 2 zit. Ges.) An und für sich ist niemand berechtigt, in seinem Garten zu schießen", es ist vielmehr hierfür die Genehmigung des zuständigen Kreisamtes erforderlich: der Besitz eines Jagd- waffenpasses vermag diese Genehmigung nicht zu ersetzen und berechtigt nicht ohne diese zum Gebrauch des Gewehres in dem eigenen Garten. Wer ohne diese Erlaubnis von dem Gewehre in seinem Haus gart en Gebrauch macht, kann nach §§ 367, 8 und 368, 7 des Reichs-Strafgesetzbuches be-

i gelegenes Grundstück handelt. Anders ist es bei einem abgelegenen Grundstück. Nach Art. 6 Abs. 3 kann jeder sein Grundstück emzäunen, ab- scküießen und dadurch von der Gemeindejagd ausnehmen. Hat er dies getan und kommen für ihn die iMre«^^^ Bestimmungen des Sttafgesetzbuches was selbstverständ­lich im einzelnen Falb zu entscheiden ist, nicht -in Be­tracht, so ergibt sich für die Ausübung der Jagd bie Not- loeilliakell des Besitzes eines Jagdwassenpasfes (§ 1 der Verordnung vom 27. August 1874, bezw. 21. September 1879. die Jagdwaffenpässe betr.). Im übrigen ist der Grund­eigentümer eines umfriedeten Grundstückes geuau wie der lln umliegenden Gelände Jagdberechtigte ben Besamungen über Schuß- und Schonzeit unterworsen. Nach Art. 31 £ ÄfS-2

»täte «.

ihm das allerdings zugestehen. Ein großes Hindernis an schnellerer Entwicklung bildeten freilich die ethnographischen und religiösen Verhälttiisse und die darauf beruhenden Var- teiungen. Tas großslavisttsckie Alotiv, der Traum eweS Groß-Dulgariens habe den Aufstand durch die Bulgaren in das Land time in getragen, ein Bestreben, dem Oesterreich und Rußland heute burdjauS entgegenftänben. Tie Frei­schärler, die den Plan verfolgten, hätten das Bol-k bedrückt, es gezwungen, dem Ausstand beizutreten. Repressalien und grausames Vorgehen der Türken, Einkerkerung und Konfis- tallon des Besitzes seien die Antwort darauf gewesen. Ein Irrtum sei aber die Annahme, als sei die Bewegung eine antichristliche, ebenso wie es falsch sei zu glauben, daß man es in Maeedonien mll einer kompakten bulgarischen Bevölkerung zu tun habe. Freilich seien Feststellungen dar­über sehr schwierig, da jede Statistik fehle und nur die Geburt der männlichen Kinder zum Zwecke der späteren Aushebung registriert werde. Tie Steuerrollen seien un­zuverlässig, weil die Beamten, Nnterfchlagungen wegen, die Angaben zu verkleinern suchten. Kirche und Schule böten keinen Anhalt. Weil die Türken nur für mohamedanische Schulen sorgten, wüchsen nationale Schulen wie Pilze aus der Erde; eine förmliche Jagd auf Schüler entstehe, Ver­gütungen an die Eltern wegen Ueberiaffung der Kinder für diese oder jene Schule feien an der Tagesordnung.

würde, sehr zum Nacklleil der Kultur, em geistiges Proletariat genährt, das eine Quelle der Unzufriedenheit darstelle. Man träfe dort Sackträger mit GymnasialbÜb­ung an. Nur schätzen könne man die Verteilung und den Bestand der Rassen. So dürfe man 4500 000 Türken nebst verwandten Tscherkessen und Tartaren an­nehmen, 5600 000 Griechen, besonders im Süden ansässig, und sonst als Handelselemente verstreut, sowie 11# Million Slaven, einschließlich der mohammedanischen Slaven. Maeedonien und Thrazien sind von vielen ein­zelnen Bergmassiven durchzogen und werden durch den Lauf >es Vardar von Norden nach Süden und anderersells von einer Reihe von Becken, den disaretischen Seen gegliedert, beide bilden auch die Verkehrsstraße. Nach Westen begrenzen das Land Ausläufer des dinarischen GebirgsyItems. Döo- nastir, Uesküb und Saloniki sind die Streife Maceboniens. Ihre Bewohner sind Griechen, Kutzowallachen, Ottimänen (die in die Berge zurückgedrängt würben), OS- manen, Slaven und im Westen Albanesen. Ter Redner schildert nunmehr seine Reise von Belgrad nach Saloniki mit interessanten Sellenblicken auf Land und Leute. Tadellose Lichtbilder zeigen charatterisllsche Städte bilder, Landschaften und Ruinen vergangener Zeitepochen, so das , eiserne Tor Maceboniens", die alte marmorne TemetriuL- -irche in Salonill, bie alle Genuesenbefestigung und Rest- römischer klassischer Baukunst. Dazwischen sehen wir Volks, trachten, bie langen Pelze der Juden, eigenartig aufgeputztc Hochzeitsgewänder, ferner Gutshöfe, festnngsarllge Bauten mit Türmen und Felsenstädte. Bilder von Steppen wechseln mit grünen, üppigen Fluren ab. Eine Landreise durch, Albanien bot oes Romantischen genug, denn hier fehlt jede europäische Kultur. Tem Reifenden war eine Eskorte von oft 24 Bewaffneten beigegeben, ein Albanese begleitete ihn als Kawah. Tatz dieser früher Räuber Hauptmann war, tat feiner Zuverlässigkeit keinen Abtrag. Die Albanesen jind sämllich bis an die Zähne bewaffnet, eigenartig rst auch die Gliederung der Siedlungen der Albanesen. Sie bewohnen an den Bergen verstreute Hofe. Tie Wohnräume oberhalb der Ställe in den Höfen, primitivster Art, pflegen eine überaus gründliche Benutzung von Insektenpulver nötig zu machen, was zur Kennzeichnung der dort herrschenden Kultur nicht unerwähnt bleiben mag. Tie Christen feindlich- feit der Albanesen machte sich übrigens mehrfach peinlich^ bemerkbar. Leider Sonnte der Redner seine vielseillge Cha­rakteristik des Landes nicht ganz zum Abschluß bringen, da die Zuhörerschaft, durch Feuerlärm aufgeschreckt, den Saal zu räumen begann. Ten nächsten Vortrag, am 10. Februar, wird Herr Prof. Tr. Hauthal aus La Plata (Argen- llnia) über die chilenisch-argentinische Cordelleren und über Patagonien halten. Als letzter Vortrag folgt am 1. Mör­der Bericht Prof. E. v. Trygalskis über die deutsche Sud- polarexpedillon, deren Beendigung im Tezember 1903 er» folgte. Beide werden von Lichitbildern begleitet sein und namentlich der letztere dürfte große Anziehungskraft üben. Voraussichtlich wird die Gesellschaft genötigt sein, den Ein­tritt in die große Aula nur ihren Mitgliedern zu reservieren.

** Hessische Vereinigung für Volkskunde. Mll dem gestrigen dritten Mitgllederabend hat der Verein, nach den Worten des Vorsitzenden, ein Gebiet auf seine Tagesordnung gesetzt, das die seitherigen Verhandlungen nur gestreift und wenig ausführlich behandelt batten, näm­lich die Gesclftchte der L^lksgesundheit. Prof. Tr. Sticker hielt einen sehr interessanten Vortrag über den Ans, atz i nt Mittelalter, diese furchtbare, ansteckende Kranthell, die nach der großen Völkerwanderung, als die Völker wieder seßhaft geworden waren, in Deutschland ihren verderben­bringenden Einzug hielt und in der damaligen Zell eine schlimmere Volkskrankheit war als heute die ^ubermlofe. Jahrhundertelang zehrte diese Krankheit an unser em Volke. Im 13. Jahrhundert erreichte das Elend seinen WbuuEt c\m 14. Jahrhundert wurde di,e Krankheit abgelost durch die orientalische Pest und im 15. Jahrhundert wurden die Leprakranken seltener und seltener. Tie ^epra zerstört das äußere Ausschen des Menschen in schrecklicher, ekelerregen­der Weise. Tie furchtbare Ansteckungsgefahr machte es er­forderlich, daß die Kranken von allen übrigen Menschen abgesondert werden mußten. Tie Kirche begleitete den Aus­tritt solcher die als Leprakranke erkannt worden waren, aus der übrigen Welt sogar mll einer Totenmesse. Trese wurde in Anwesenheit der Kranken in der Kirche ver­anstaltet, uno des Priesters Schlußworte waren:Dies gc- schieht zum Zeichen, daß du ausgeschieden bist von der Welt- nun sei geduldig in deinem Herzen." DieSonder- kranken" kamen in eigene Siechenanstalten, in die Lepro- wrien oder Lazarusspitäler außerhalb der Stadtmauern, und verschiedene Ordensgemeinschaften, besonders die Brüder vom Hell. Antonius, nahmen sich der Pflege der armen Kranken an. Da es an Almosen und Schenkungen nicht fehlte, die Güter und Liegenschaften cher Leprosorte^

M und da begegnet man nun der Ansicht, daß für ein leit einaezäuntes Grundstück, z. B. wenn es mit eener itarken Mauer oder einem dichten Gatter umgeben ist, die vorstehenden Ausführungen nicht zutreffend leien, da dieses Grundstück dann einemMildpark" gleich zu achten fei, baü also liier für eine Heggell nicht bestehe. Rrchttg ift, bal nach Art. 30 zit. Ges. einWildpark" von den Bestimm­ungen über Hegzeit ausgenommen i|t, mithin die erwähnte Araibestimmung über Ausübung der Jagd wahrend der aeietzl Hegzeit leine Geltung hat. Nun ist aber Wildpark Acht jedes fest eingezäunte Grundftuck, fvndern nur da-- - welcbes den Äeck hat, das Halten von Wild zu au berlAern, daß das in dem Park Ste^' Wild auf anderes Jagdgebiet hinüberwechselt

9([.-.o ift ein umfriedetes Grundstücr noch lange nicht idenll'ch mit einem Wildpark. Ferner besteht die Hegzell nur 'sür^das eingeparkte Wild nicht, also für das Wild, dessen Halten der Wildpark ermöglichen foll.

Mitteilungen: , . .... . <

Als in den 70er Jahren die Wandgemälde in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses geschaffen wurden, hatte Georg B l e i b t r e u eine Skizze des ihm aufgetragenen Wand bildes von Belle Al'lianee vorgelegt. Ter alte Kaiser befahl den gemeinsamen Vortrag des Kriegs­ministers, des Präsidenten Hitzig und des Zenghauskom- mandanten Generals v. Ising an Ort und stelle, auch Bleibtreu war dazu entboten. Ter Kaiser hatte an Der Skizze auszusetzen, daß die Engländer zu wenig berücksichtigt seienwas namentlich meinem Sohiie und der KronpriN' zessin nicht lieb sein wird". General Ising nahm das Wort: , Majestät, ich mar in London, da habe ich im Westminster Palast ein Bild der Schlacht von Waterloo gesehen. Au Diesem Bilde reitet im Stabe des Herzogs von Wellington ein gewisser Fürst Blücher, fönst ist von den Preußen weiter keine Rede."Tav haben Sie gesehen?"Jawohl, Majestät."Gut, dann soll es bei diesem Entwurf bleiben." Später ist dann doch wohl auf Intervention des Kronprinzen eine englijche Reiterschar h in einge komm en, die mit der schlesischen ^and- wehrreiterei gegen die Höhen von Mont St. Jean vor-

Erschem. täglich mit Ausnahme de? Sonntags.

LGietzc . Famlllenblötter" werden dem ^Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

stürmt.__

Aus Hiatt uuö Kaud.

Gießen, den 12. Januar 1904.

K Heber Maeedonien und Albanien berichtete Tr. für. et Phil. Hugo Groth e aus München am 7.Januar in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Tas wegen seiner historischen Vergangenheit und feiner fciiönen Natur, nicht zum wenigsten wegen seiner steten nationalen Kämpfe interessante Land ist in den letzten 30 Jahren von einem Tutzend Reisenden erforscht worden. Eben meaen eines Ausstandes hatte auch Tr. Groihe große Schwierigkeiten, sich Reiseerlaubnis zu verfchaffen.^ Xer Bali von Saloniti, der üjm ohne Verzug einen Paß aus­stellte, glaubte ihm gegenüber das Land in schütz nehmen zu mühen wegen des Vorwurfs, daß seine Kultur noch fo wenig fortgeschritten sei. Erst seit drei ^Iterationen, meinte er, ;ei es mit europäischer Kultur in Verbindung,; seit dieser Zeit sei getan, was zu tun gewesen fei, um es der Zivilisation zugängig zu machen. Ter Redner mußte