begreiflicherweise weigern, diesen Teil der H<mdelsvertrage in Kraft treten zu lassen. Tas ist allerdings wahrscheinlich, obschon Rußland sicherlich klug genug sein wird, wenigstens dem amerikanischen Handel die Tür der Mandschurei zu öffnen, worüber ja bereits seit längerem formelle Abmachungen zwischen Rußland und den Der. Staaten bestehen sollen. Zwei Erbitterte sind zu viel für Rußland in Ost- asien, zumal bei der Tatenlust der Amerikaner. China, das auch in einem russisch-japanischen Kriege neutral bleiben will, geht die Sache nichts an. Japan und die Union mögen zusehen, wie sie sich ihr Recht verschaffen. „Beruhigend" ist das neue Moment wohl kaum. Tenn die diplomatischen Verhandlungen zwischen Rußland und Japan werden von vornherein auch die handelspolitischen Fragen ins Programm ausgenommen haben. Kommt es, wie man zuversichtlich hofft, zu einer Verständiugng, so tvird dieser Punkt eben mitgeregelt. Dis dahin steht die betreffende Bestimmung des Handelsvertrags mit China für Japan auf dem Papier. Rach dem Petersburger Korrespondenten der „Rationalztg." treten innerhalb der russischen Hof- und Regierungskreise immer schärfere Meinungsverschiedenheiten an den Tag. Es werde zurzeit in der nächsten Umgebung des Zaren in unglaublicher Weise in- trrguiert und gegenintriguiert. Ter Korrespondent der „Rationalztg." lenkt weiter die Aufmerksamkeit auf den allerdings für russische Verhältnisse besonders auffälligen Umstand, wie verschiedene der großen russischen Zeitungen, ohne bestraft zu werden, sich über die Regierungspolitik in Ostasien recht abfällig auslassen und den Wunsch aussprechen, die Regierung möchte Korea den Japanern, die Mandschurei den Chinesen überlassen, um ihre Kräfte bedeutend näherliegendcn Aufgaben widmen zu können. . . . Naheliegend ist gewiß z. B. die Aufgabe, der immer mehr zunehmenden Unzufriedenheit in Rußland durch zeitgemäße Reformen zu begegnen. Aber Rußland hat sich zu tief in das mandschurische Abenteuer eingelassen, es hat zu kolossale Summen dafür geopfert, als daß es, abgesehen von der Wahrung seiner Würde, auf halbem Wege stehen bleiben könnte. Jetzt muß der Anspruch auf die Mandschurei durchgefochten werden; sonst ist Rußland im fernen Orient für längere Zeit zur Ohnmacht verurteilt. In dem russischen Matt „Ruß" wagt sich gar der kühne Rat hervor, man solle die mandschurische Dahn in die Luft sprengen — und jeder Russe werde sich tief verneigen. Ein interessantes Anzeichen, wie sehr man in Rußland'des mandschurischen Abenteuers überdrüssig geworden ist und sich noch dem Ende sehnt.
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Ter englische Ministerpräsident Balfour hielt ni Manchester eine Rede, in der er ausführte, er wolle nichts äußern über die Aussichten des Krieges oder Friedens im fernen Osten. Niemand könne die MöAichkeit eines Krieges zwischen zwei großen zivilisierten Mächten ohne ein Gefühl der Gedrücktheit und N i e d e r g e sch l a g e n h e i t, das jeder Friedensfreund empfinden müsse, betrachten. Er hoffe, es werde unnötig sein, zu versichern, daß England in vollem Maße gegenüber allen seinen Verbündeten alle seine Pflichten erfüllen werde, die sich aus den Verträgen ergäben. Er würde, so setzte Balofur hinzu, der Sache des Friedens keinen großen Tienp erweisen, wenn er die russisch-japanischen Streitigkeiten erörtern würde.
Tem Staatsdepartement ging die Nachricht zu, daß die Russen die Schu tzw a ch e in S o eul täglich v e r- stärken. Auch Frankreich habe Vorkehrungen getroffen, um dort eine Schutzwache zu errichten.
In Syrakus sind zwei russische Torpedoboote einge- trvsfen.
In Tokio fand am 11. d. M. eine Besprechung der alten Staatsmänner mit den Ministern des Aeußern, der Marine und der Finanzen und den Oberkommandicrenden von Heer und Marine statt. Ter Ministerpräsident war krankheitshalber abwesend.
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Kurz vor Schluß der Redaktion lief folgendes Tel- gramm ein:
London, 12. Jan. Die „Times" will aus Peking erfahren haben, daß der chinesische Gesandte in Tokio gestern an den Prinzen King telegraphiert habe, er teile auf Wunsch des japanischen Ministeriums des Aeuhern mit, datz die zweite Antwort Rußlands auf die Vorschläge Japans eingegangen, jedoch ungünstig sei nnd von Japan nicht angenommen werden fb'nne. Wenn Rußland nicht nachgebe, w rde sich Japan gezwungen sehen, sofort die Waffen zu ergreifen. _________________
niiö ianik™
Gießen, 12. Januar 1904.
** Zum Ehrenbürger der Stadt Vacha wurde Kommerzienrat Heyligenstaedt ernannt. Wir lesen in der „Rhön-Ztg.": Der Geineinderat beschäftigte sich noch einmal mit der hochherzigen Stiftung des Kommerzienrates Heyligen- staedt-Gießen. Um ihm für den durch die Stiftung bekundeten wohltätigen und gemeinnützigen Sinn seine Anerkennung und seinen Dank zu erweisen, beschloß der Gemeinderat, ihn zum „Ehrenbürger der Stadt Vacha * zu ernennen. Auch die weiteren Anträge, die Marktstraße und den Steinweg fortan mit dem Namen „H eyligensta edtstraße" zu belegen und an dem Hause zur bleibenden Erinnerung eine Marmortafel mit der Bezeichnung „Heyligenstaedthaus" anzubringen, wurde einstimmig zum Beschluß erhoben.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Bauinspektor des Hochbauamts Dieburg Baurat Wilhelm Freiherrn von Riefel in den Ruhestand verseht, ebenso den Portier in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft Johannes Brück zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit, den Schaffner Koch zu Frankfurt a. M. auf sein Nachsuchen und den Zugführer Konrad Schneider zu Frankfurt a. M. auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, in den Ruhestand versetzt; alle drei unter Anerkennung ihrer treu geleisteten Dienste.
— Großherzog s-G eburtstagsspende. Die Sammlung für die Landesspende wird, wie wir hören, an verschiedenen Orten noch weiter fortgesetzt, um namentlich allen denen, welchen die Listen seiner Zeit nicht vorgelegen haben, die Möglichkeit zu bieten, ihr Scherflein noch nachträglich deizusteuern. Bei dieser Gelegenheit sei auch ein Irrtum berichtigt, der sich bei der Sammlung eingeschlichen hat. In einigen Orten war man nämlich der Meinung, daß e5 sich um eine Sammlung lediglich kleinster Beiträge handle. Diese Ansicht ist aber ganz irrig. Um Jedermann in Stand zu setzen, sich zu beteiligen, war nur betont worden, daß auch die allerkleinsten Beiträge kürzlich willkommen seien. Es wird hierauf denen Gelegenheit zu einem Beitrag für die
Landesspende gegeben, welche wegen der beabsichtigten Verwendung der Gelder mit ihrer Zeichnung zurückgehalten haben. Der Erlaß des Großherzogs, in welchem gesagt ist, daß die Mittel zu wohltätigen oder gemeinnützigen Zwecken Verwendung finden sollen, hat auch hierüber volle Klarheit geschaffen.
(!) Gr o ßenlind en , 11. Jan. Am vergangenen Samstag hielt der hiesige Kriegerverein seine Weihnachtsfeier, verbunden mit Verlosung, bei Kamerad Schaum ab. Sie tvar sehr gut besucht und nahm einen glänzenden Verlauf. Der Präsident, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Leun begrüßte die erschienenen Kameraden und gedachte in warmen Worten unseres durch den Trauerfall fdjtoer heimgesuch-ten Groß Herzogs, dem er ein begeistert aufgenommenes Hoch ausbrachte. Die Verlosung, die durch Tr. Platz mit viel Mühe und großem Geschick arrangiert war, brachte vielen Gewinnern einen hübschen Gegenstand als angenehme Erinnerung. Hierauf wurden 12 lebende Bilder aus dem Soldatenleben gestellt, die ungeteilten Beifall fanden. Den Schluß bildete ein Tänzchen.
Frankfurt a. M., 11. Jan. Das energische Vorgehen des Kaisers in Berlin verschärft die Debatte über die Feuersicherheit der Theater. Auch in Frankfurt wird die Frage geprüft, ob die beiden städtischen Theater allen Sicherheits-Anforderungen eut'prechen. Obw hl Bauart und Ausstattung beider Häuser die größten Garantien bieten, empfindet man es doch als einen Mißstand, daß in beiden Theatern der Mittelgang im Parkett und daß im Opernhause die Parkettentleerung nur durch zwer Ocffnungen über sechsstufige Treppen erfolgen muß Wie ick' höre, ist die Einführung elektrischer Beleuchtung in der Oper als eine der wichtigsten Aufgaben nun beschlossene Sache. Seit Jahren beschäftigen sich die maßgebenden Kreise schon mit dieser Angelegenheit, die nun aber in aller Kürze trotz bedeutender Kosten in Angriff genommen werden soll. Im übrigen aber gehören die Frankfurter Bühnen zu den sichersten; die Logen und Ränge münden auf breite Gänge, die Treppen sind durchweg von Stein und isoliert, außerdem wachen die Behörden mit größter Sorgfalt über die Sicherheit des Bühnenbetriebes.
Mittel-Bexbach (Pfalz', 10. Jan. Ter Jagdhüter Leiner des Herrn Clemm-Ludwigsbafen in Jäger Murg traf im Walde zünschen Ottweiler und Erbach mit 4 Wilderern zusammen. Die Wilderer warfen sofort ihre Gewehre weg und gingen auf Leiner zu. Leiner soll nun rum Schießen angelegt haben, sein jüngerer Bruder wollte ihm das Gewehr entreißen. Der Schuß ging los und dem jüngeren Leiner ins Dein. Nun erschoß Leiner im folgenden Kampf einen der Wilderer und zerschmetterte einem anderen die Kinnlade, sodaß der Verwundete bald darauf verschied. Die Wilderer sind Bergleute aus Erbach Meyer, der schon als Wilderer vorbestraft ist, und Graf sind tot, die beiden anderen sind verhaftet.
Kleine M i t t e ' f it n a e n a " s dessen und den Nachbarstaaten. Von der Bergstraße wird eine auffallende allgemeine Abrüstung der Publizistik gemeldet. Die „Starkenburger Post", welche seit 1. Oktober 1903 zu Auerbach herausqegeben wurde, hat zu Beginn des neuen Jahres „wegen llebernahme größerer Druckarbeiten" ihr Erscheinen wieder eingestellt. Auch der „General-Anzeiger" zu Jugenheim hat mit dem neuen Jahr zu erscheinen aufgehört, und der „Bergsträßer Bote" zu Zwingenberg begnügt sich von jetzt ab wieder mit einer zweunaligen Wochenauflage. — Eine blutige Schlägerei trug sich dieser Wüstwillenroth zwischen Burschen zu. Der Bürgermeister wollte den Streit schlichten. Dies gelang ihm aber blos nicht, sondern er wurde selbst angegriffen. Im Aerger schlug er mit einem Bierglas einem 20 jährigen Burschen derart auf den Kopf, daß er ohnmächtig zusammenbrach und weggetragen werden mußte. Der Bursche liegt schwer verletzt darnieder.
vermischte».
* Hagen i W., 11. Jan. Auf der Straße der Priorei Breckenfeld stürzte infolge von Glatteis ein P o st w a g e n von der hohen Böschung in die Exscheid herab. Drei Insassen wurden schwer, der Kutscher leicht verletzt.
* Eutin, 11. Jan. Drei Kinder brachen auf dem Eutiner See ein und ertranken.
* London, 11. Jan. Zu dem Untergang des Posb- d ampfers „Blaltam" bei Vancouver, bei dem 5 3 Personen umgekvmmen sind, wird noch gemeldet, die Verunglückten seien fast sämtlich Frauen und Kinder, die der Kapitän in drei Rettungsboote hatte setzen lassen. Letztere schlugen in dem Sturm um und die Insassen ertranken vor den Augen von Gatten und Vater. Zwei Schleppdampfer retteten die auf der sinkenden „Blaltam" gebliebenen 30 Männer._________________________________
Herichtssaat.
d. Mainz, 11. Jan. (Prozeß Mayer; Schluß.) Der Angeklagte behauptet, an dem Diebstahl der 1500 Mark unschuldig zu sein. Als ihn sein Sohn von dem Unglück benachrichtigt habe, sei er nur notdürftig bekleidet an die Unsallstelle geeilt, hier habe er gesehen, rote die Eheleute Göreh die Verletzten abgetvaschen hätten. Sie hätten dann gemeinschaftlich die Verletzten aus der Straßenrinne auf die Nebenseite gelegt. Tem Sllbert habe er die Taschenuhr abgenommen und seine Paniere gesichert. Aus eine Frage des Vorsitzenden: „Warunt hoben Sie deut Albert die Sachen abgenommen?fl antwortete der Angeklagte: „Ich habe mich für seine Sachen verantroorllich gefühlt." Tie Zeugenaussagen ergaben nur Unwesentliches. Ter Bürgermeister von Nteder-Jngelheim stellte dem Angeklagten fein gutes Zeugnis aus; er habe viel wegen Pfändungen und besonders wegen des einen Sohnes, der häufig dte Schttle versäumt, zu tun gehabt. Er habe 48 Mark Schulstraie zu zahlen gehabt, das mache feinen guten Eindruck in einer Gemeinde. Ter Angeklagte habe sich mit allen Pflichten eines guten Bürgers in Widerspruch gesetzt. Von einem ehemaligen Offizier habe er doch etwas anderes erwartet. — lieber den Rus der Eheleute Göretz könne er nur sagen, das beide fleißige Leute seien. Der Gerichtsvollzieher L u m p-Ober-Ingelheim behauptet, daß in drei Fällen, als der Angeklagte auf seinem Bureau gewesen, kleine Geldbeträge gefehlt hätten. Der Verdacht sei auf den Angeklagten gefallen. Der Angeklagte bestreitet entschieden die Wegnahme des Geldes. Der Schreiber Rd. 911 b r e d) t -Ober-Jngel- heim bestätigte die Wahrnehmungen des Gerichtsvollziehers, daß in drei Fällen, als der £>auplmann auf dem Bureau gewesen, Geld gefehlt habe. Tie Entlastungszeugen wissen nichts besonderes zu sagen. Staatsanwalt S ch n e ld e r beantragte gegen den Angeklagten eine angemessene Gefängnisstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aui eine bestimmte Zeit. Für ihn bestehe gar fern Zweifel, daß der Angeklagte derjenige sei, der das Geld von Albert gestohlen habe. Ter Angeklagte sei zur Zeit des Unglück» von seinen Gläubigern stark bedrängt gewesen, seine Pensionsbezüge habe er viel hoher angegeben, als er sie bezogen l)abe. Der Veneidiger, Rechtsanwalt Elast, beantragte die Fren'vrechung des Angeklagten, da aus den vorliegenden Indizien nicht auf eine Schuld des Angeschuldigten geschlossen werden könne. ES sei überhaupt fraglich, ob der verunglückte Albert tatsächlich so beträcht
liche Mittel auf seine Reise mitgenommen habe. Das Urteil lautete auf Freisprechung.
Gin großer Fluchtbequnstigungsprozeß hat sich in diesen Tagen in Köln abgespielt. Ter Schutzmann Schnitzler wurde zu einem Jahr Gefängnis, Frau Bauer zu zwei Monaten, ihre Söhne Fritz und Engen Bauer zu je einem Monat, Hans Bauer zu zwei Wochen und der Rechtsanwalt S. Mayer zu zwei Wochen Gefängnis per- urleilt. — Schnitzler hatte zuerst den ihm anvertrauten verdächtigen Bauer vorschriftsmäßig in seinem Lause beobachtet, bann aber große Fahrlässigkeit offenbart; er hat zweimal 5 Alk. und Wein erhalten, von dem Gelde mindestens 2,30 Mk. für sich behalten, wenn er auch das andere an die Kutscher verteilte. Frau Bauer hat ihn bestimmt, seine Dienstpflicht zu vernachlässigen; alle Bauer sind schuldig des § 120 (Gefangenenbefreiung), da das Gericht an- ninunt, Bauer war so lange in der Gewalt des Schutzmanns, wie derselbe in seiner Wohnung weilte. Alle Handlungen, die unterdes vorgenommen wurden, fallen unter § 120, da sie die Bedingungen zur Selbstbesreiunq schafften. So wurde das ^Automobil von den Söhnen Bauers bereit gehalten, geholt und Schnitzler beschäftigt, um ihn von seiner Tätigkeit abzulenken. Rechtsanwalt Mayer leistete rotffentlich Hilfe und hat die Flucht begünstigt. Erschwerend ist die grobe Art der Fahrlässigkeit. Wie heute gemeldet wird, haben sämtliche Angeklagte Revision eingelegt.
Karlsruhe, 11. Jan. Tie im Scherz erfolgte Tötung eines jungen Mädchens durch einen Studenten der hiesigen Technischen Hochschule bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der Straikammer. Auf der Anklagebank saß der jetzt im 20. Lebensjahre stehende Student Friedrich Wieland t, cm Sohn des Großh. Medizinalrats Wielandt m Konstanz, unter der Beschuldigung, die 22jährige Verkäuferin Ernest n> Flohs durch einen Schuß mit einer Zentralfeuer-Doppel- flinte getötet zu haben, während sich neben ihm der frühere F o r ft- affeffor Kleinklaus aus Hagenau ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten hatte. Ter Vorfall bildete wieder einmal eine Illustration zu dem leichtsinnigen Umgehen mit Schußwaffen. Wielandt, der bei Kleinklaus zur Miete wohnte, traf dort eines Tages Frl. Flohs, ein hübsches junges Mädchen, dem er voll Stolz seine als Einjähriger erworbenen Kenntnisse im Kriegshandwerk zeigen rooüte. Er nahm das an der Wand hängende Jagdgewehr herab und zeigte dem Mädchen mehrere „Griffe", obwohl dieses ängstlich wurde und ihn roieberhok bat, das Gewehr doch lieber aus dem Spiel zu lassen. Schließlich kniete der Student nieder imb legte auf den Kopf des Mädchens an, ohne sich vorher noch einmal davon zu vergewissern, ob die Waffe nicht geladen war. Im nächsten Moment krachte ein Schuß und die Flohs sank, in den Hals getroffen, tot zu Boden. Wenige Minuten später betrat Kleinklaus das Zimmer, wo sich ihm der entsetzliche Anblick des erschossenen Mädchens und des verzweifelnden Studenten bot. Da er das Gewehr vor dem Aufhängen hätte entladen müffen, so wurde auch er mit unter Anklage gestellt. In der Verhandlung aab der Forstassessor zu seiner Entschuldigung an, daß er zu jener Zeit eine größere Geldsumme im Hause gehabt und deshalb das Gewehr zu feiner eigenen Sicherheit in geladenem Zustande belassen habe. Er habe auch nicht annehmen können, daß der Student in feine Privaträume kommen und sich dort der Waffe zu feinen verhängnisvollen Spielereien bemächtigen werde. Wielandt erklärte, daß er angenommen höbe, die Waffe, eine Zentra Ifeuer-Toppel- fliufe, fei nicht geladen. Tas Urteil des Gerichtshofs lautete gegen den Studenten aus neun, gegen den Forst affeffor aus 1 Monat Gefängnis. Als straferschwerend wurde bei Wielandt angenommen, , daß er keine Reue über feine Tat, die einem armen jungen Mädchen das Leben gekostet, an den Tag gelegt, sondern sich noch mit allerlei haltlosen Angaben über den Zustand der Waffe herauszureden versucht habe. Ten Angeklagten Kleinklaus treffe insofern eine schwere Verantwortung, als er in jedem Falle verpflichtet war, die Waffe por dem Aushängen zu entloben.
Kunst nnd Wissenschaft.
Mainz, 11.Jan. Obwohl sich der Re uter^Interpret I u n k e r in a n n anläßlich seines Künstlerjubiläums vor einem Jahre von der Bühne verabschiedet hat, scheint er doch feinem Lebensberuf noch nicht Valet sagen zu wollen und bringt uns noch seinen „Onkel Bräsig" und „Jochen Pasel" vor Aiigen, und immer wieder aufs neue üben diese klassischen Typen ihren Reiz aus. So ward der Gast mit intensiven Beisallsbezeugungeii unb Ehrenspenden ausgezeichnet und unsere hiesigen Darsteller unterstützten ihn nach Kräften; mit dem Dialekt quälten sich freilich einige ohne Erfolg ab. — Ein dramatischer Hochgenuß seltener Art ward uns durch das Auftreten der berühmten Tragödin Irene Triesch vom Deutschen Theater in Berlin geboten. Sie verstand es, die Gefühlsausbrüche einer durch herzlose Kniffe juristischen Egoismus unb Ehrgeizes zur Verzweiflung getriebenen armen Meuscheuseele in dem packenden Drama „Die rote Rob e" von Brieux als Popelte zur erschütternden Tragik zu steigern. Aber auch unsere einheimischen Kräfte boten ihr Bestes, nicht hinter dem illuftreit Gaste zurückznbleiben. Besonderes Lob verdienen dieHerren Kauer (Mouzoni, Schicke (Vagret) und Roos, welch letzterer feinen Prerre porzüglich gestaltete.
Stockholm, 11. Jan. Die Mitglieder der Norden- skjöldfchen Südpolar -Expedition sind heute hier eingetroffen und vom Vertreter des Königs, verschiedenen Ministern, den Spitzen der Behörden, einer großen Reihe pon Gelehrten und einer zahlreichen Volksmenge glänzend empfangen worden. Nordenfkjöld erhielt den Nordsternorden, Kapitän Larsen den Wasa- orben. Frithjof Nansen sandte ein Telegramm, in dem er die Teilnehmer der Expedition zu den Ergebnissen derselben beglück- wünschte.
Zlnivtkflta'ts-Wachrichten.
Berlin, 11. Jan. Der Professor der Botanik an bet Berliner Universität, August G a r cf e, ist gestern geworben. — Zum Nachfolger des Geheimrats Wilhelm Förster als Direktor ber Berliner Sternwarte ist Prof. Dr. Hermann Struve in Königsberg in Aussicht genommen.
Kiel, 11. Jan. Der Kaiser hat das auf Amts- entfetzilng lautende Urteil des Tisziplinargerichtsho^es gegen Professor Leh mann -Hohen berg bestätigt. Der Gemaßregelte hat sich schriftlich von der Universität verabschiedet. Das Urteil ist ergangen, weil Professor Lehmann-Hohenberg seine vorgesetzte Behörde in einer Rechtsverfechtung beleidigt haben soll.
Wetterbericht vom 11. Fanuor 1901.
Verlauf der Witterung von Samstag bisMontag.
Das östliche Hoch hat sich auf der Rückseite des abziehenden Tiefs roieberinn westwärts ausgedehnt. Infolgedessen drehte ber Wind nach Süden und Südosten gurücf, die Niederschläge hörten auf und es stellte sich leichter Frost ein. Heute morgen ist ein neues Tief über Italien erschienen. Dasselbe scheint nordostwärts vorzudringen. Ein westlich Irland ailfgetauchtes Tief zieht weit im Nordwesten vorüber, ohne uns zu beeinflussen.
Daher voraussichtliche Witterung für Dienstag und Mittwoch: Trüb, windig, leichter Frost, geringe Schneefälle.
Wetterdienst in Gießen : 91. Pe vvl e r.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
— 3 '/, Prozeutigc neue Frankfurter Stadtanleihe. Die kürzlich von einem aus 14 Frankfurter und 2 Berliner Banken bestehenden Konsortium übernommene 3 ‘/»prozentige Anleihe im Betrage von 13 Mill. Mk. wird am 14. ds. Mts. zum Kurse von 99.80 pEt. zur Zeichnung aufgelegt.
— Vom Geldmarkt. Nochgeivießenermaßen herrschte in den letzten Tagen an den deutschen Börsen ausgesprochener Geldüberfluß. Tie offerierten Beträge können nicht mehr Unterkunft finden. Tas Ausland soll in Berlin große Guthaben besitzen und auch Rußland über bedeutende Geldmittel verfügen.
— Deutsche Neichöauleihe. In Bankkreisen spricht man sich ziemlich pessimistisch über die gegenwärtig im Reichsschatzamt gepflogenen Unterhandlungen, die Neichsanleihe betreffend, aus. Es wird befürchtet, daß der Einfluß ber an der Beratung beteiligten Banken nur ein sehr geringer, rein akademischer fein wird. Man wird die gemachten Vorschläge besprechen, mit deren Ausführung wird es aber noch gute Wege haben.


