Ausgabe 
11.10.1904 Zweites Blatt
 
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die Rede Bödeckers

zu er«

Der Regent

erkrankt.

Aus Kassel kommt folgende überraschende

Meld- Lippe,

Ordnung gerufen wurde, keine Gelegenheit nahm, auf Widern.

in einem hiesigen Hotel ab. Der Graf-Regent, dem eine hochgradige Erregung schon auf dem Bahnhof an­zumerken war, begab sich sofort in dem Hotel auf seine Zimmer, die er auch am Tage darauf infolge einer wohl anläßlich der heftigen Erregung eingetre­tenen leichten Erkrankung nicht verließ. Die beabsichtigte Reise des Grasregenten nach Rotenburg an der Fulda, zum Besuche seiner Schwiegermutter und seines Schwagers, ist nun infolge dieser Unpäßlichkeit bis auf weiteres verschoben worden.

nng: Ter gegenwärtige Regent des Fürstentums Graf Leopold zur Lippe-Biesterfeld, traf hier am 8.'d. Mts. abends mit dem Berliner Schnellzug ein und stieg

n ö°,. gegen gute öürglchüit0011 fablet per bald L Cptrttn unter

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Abg. Schemmel als eine große Lüge, wofür er zur Es fiel auf, daß Schemmel

Nrtttische Tagesschau.

Das angebliche landwirtschaftliche Programm des Reichskanzler-.

DasLeipziger Tagebl." hatte aus Berlin, wie es sagtet von durchaus unterrichteter Seite, erfahren, daß Herr von Eonrad, der neue Unterstaatssekretär im preuß. Lan-d^ Wirtschaftsministerium) der Träger eines landwärtschast», lichen Programms sei, dessen Durchführung Herrn v. Bülows! schon lange am Herzen liege, und das sich in das Schlagworts Intensivierung der Landwirtschaft" zu­sammenfassen lasse. Jetzt wird in dem genannten Blatt, offenbar von derselben Seite, dieser Begriff näher erläutert^ Die Landwirtschaft müsse, um ihre Produktion zu steigern/ intensiver arbeiten, mehr Arbeit, Kapital und Intelligenz^ aufwenden. Der Staat müsse helfen durch Anstell­ung von Enaueten über den Erfolg rationeller Land-' wirtschaftsmetyoden, durch Berufung von Landwirte schaftslehrern, planvollem Ausbau des Wege­netzes, Verbilligung der Frachten, Flüssigmach­ung weiteren Kredits, innere Kolonisation usw. Diese Intensivierung der Landwirtschaft müsse als eine staatliche. Sonderausgabe aufgefaßt werden. Etwas anderes sei e34 ob, wie bislang, nebenher und vereinzelt dies und jerres!

stark geregnet kur zünd gut, die blutige Tat blieb in geheimTriS volles Dunkel gehüllt, aber Sie wurden freigesprochen/^

Ja wegen mangelnder Beweise!"

Ihr gutes Gewissen wird Sie trösten."

Richt eher, als ich den Mörder entdeckt habe!"

Bleien wir ruhig, lieber Freund. Wen halten Sie für den Mörder?"

Bertha Wüllbrandt oder deren Komplizen."

^chte, sachte lieber Groller! Sie behaupten da eine Tat­sache, für welche Sie nicht den geringsten Beweis haben. Ange­nommen, Bertha Wüllbrandt habe Ihren Bruder ersessen, wie sollte sie das bewerkstelligt haben? Tas Mädchen hat mit Ihnen zu Abend gegessen; sie ist laut der Aussage des Küchen- Personals bis 10 Uhr m der Küche beschäftigt gewesen, dann hat sie sich auf ihr Stmmer zurückgezogen. Sie selbst haben sie in dem Zimmer noch lange auf und ab gehen gehört. Am andern Morgen fünf Uhr ist sie in der Küche erschienen, ruhig und gefaßt wie- immer. Die ^at könnte von ihr nur in dem Zeitraum von Mitternacht bis 4 Uhr früh vollführt fein. Sie behauptet, sie habe in dieser Zeit geschlafen, niemand kann ihr beweisen, daß sie es nicht getan hat, niemand hat sie während dieser Stunden gesehem Ter Fall liegt bei ihr ebenso nrie bei Ihnen, nur noch günstiger für das Mädchen, dem man schwere einen Mord zutraut, al# Ewern M arme. Wie sollte sie auch drs verschlossene Haus verlassen haben? Ten einen Schlüssel hatten Sie, den andern der Hofmeister, der deS Morgens vier Uhr die Dienerschaft im Hause n*edfte, nachdem er die Haustür von außen aufgrschlossen. Welche Müglick)- reit hatte Bertha Wüllbrandt, das Haus ungesehen zu verlassend

Ich weiß es nicht."

Run sehen Sie? Ick) fürchte, wir kommen mit Ihrem Verdackst nickst weiter."

Aber die beiden Ringe?"

_Ja, die Ringe' Wenn fi<b mit ilmen alles so verhält, wie Sie sagen, dann lHtb. it sie ein ae» i btiges Jndicium. Hat Ihr Bruder niemals- mit J!>ueu vuu Ira ule in Wüllbrandt gesprochen?^ (Fortsetzung folgt.)

Der StrNt um Lippe.

Der Landtag.

Itt der in der Turnhalle zu Lage am' 10. d. M. ab- aehaltenen Sitzung des L i p pe s ch e n L an d t a g e s waren sämtliche Abgeordnete sowie Staatsminister Gevekot an» ivesend. Der Präsident verlas zunächst die (unfern Lesern bekannte) Eingabe der Volksversammlung vom Sonntag und die Regierungsvorlage betreffend die Nichtanerkennung der Regentschaft durch den Kaiser und die Regelung des Thronstreites. Die Kommission stellt hierzu folgenden Antrag:

1. Ohne zu der Begründung der Vorlage von 1898 im ein­zelnen Stellung zu nehmen, weist der Landtag alle Ver­suche, die dem Staate Lippe als Einzelstaate des deutschen Reiches zustebenden Rechte zu schmälern, zurück. 2. Der Landtag beschließt, an den hohen Bundesrat das dringende Er­suchen zu richten, dahin wirken zu wollen, daß die baldige end- giiltige richterliche Entscheidung der Lippeschen Thron- fvl.gestreitigkeiten durch ein ordentliches oder Schiedsgericht in die W-^ge geleitet werde.

Der Landtag nahm schließlich Punkst 1 und! 2 des Kom­missionsantrages nach 2H? stündiger Debatte einstimmig an. Die Vorlage von 1879, betreffend die Dauer der Re­gentschaft des Grafen Leopold, wurde an die Kommission zurückverwiesen, weil diese die Umänderung des Regent- schaftsgesetzes von 1895 vorgeschlagen hat, wozu die Regier­ung noch keine Stellung nehmen kann. Der betreffende, von der Kommission vorgeschlagene Zusatz, lautete:Sollte diese (Verhandlung über die Thronfolge) ein Jahr nach dem Mleben des Fürsten Mexander nicht erledigt sein, so ist betreffs der Fortsetzung der Regentschaft wieder nach dem Regentschaftsgesetze vom 24. April 1895 zu verfahren." Die nächste Sitzung ist noch nicht angesetzt.

Ein dramatischer Zwischenfall ereignete sich während der leidenschaftlichen Besprechungen des Kom­missionsantrages. Ref. Schemmel sieht in dem Telegramm des Kaisers keine Nichtachtung der Lippeschen Landesgesetze und sucht dies in längerer Rede zu begründen. Er nimmt auf einen Artikel einer Berliner Zeitung Bezug, in welchem gesagt war, daß der verstorbene Staatsminister von Wolfgram auf unnatür­liche Weise aus dem Leben geschieden sei und zwar weil der Erlaß d e s r st e n Wa l d e m a r, durch welchen Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe zur Regentschaft berufen wurde, unecht sein sollte und weil der Minister sich geweigert hatte, diesen Erlaß dem Landtage zur Kenntnisnahme zu unterbreiten. Schemmel erklärt diese Darstellung des Todes des Ministers für eine heuchlerische Lüge.

Darauf nahm der Abg. Bödecke r mit hoch erhobener Stimme Veranlassung, folgendes zu erklären: Im Jahre 1895 gelegentlich der Beratung des Regentschaftsgesetzes stellte der verstorbene Abg. Iuskizrat Asemissen den An­trag, daß der den Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe zur Regentschaft berufende Erlaß des Fürsten Woldemar dem Landtage vorgelegt werden solle. Als der Minister sich weigerte, den Erlaß vorzulegen, erklärte Asemissen, daß unter diesen Umständen er an der Echtheit zweifle. Auf diese Aeußerung habe der Minister mit keinem Worte geant­wortet. Bödecker erklärte schließlich die Aeußerung des

und 2 Nächte auf ihrer (Sammer gehalten, mit denselben in ein Bette gangen und aufgestanden, und also mein Hauß beschimpfet, dessen sie durch lebendige Zeuge, so ihr dabeh behülfslich gewesen, noch allezeit überführen kon, wie solches ohnedem der von Wesb- phalen gegen verschiedene selbsten bereits eingestanden, wird auch ninnahlen in Mrehde sehn, daß er dergleichen lüderlichcn Um­gang mit der von Friesenhausen gepflogen, überdem hat sie meinem Sohn durch listige, Arth in ihre Netze gezogen und verführet, denselben gegen seine Eltern angehetzet, und um selbige zu narren und des kindlichen Gehorsams zu entziehen, allerhand gefäl-rlichie menäes zur Hand genommen, dessen sie durch ihre eigenhändige Briefe überzeugen kau". Ms aber der Gemahl der Gräfin Tvrothea, der wegen Blödsinns entmündigt war, starb, fügte sich die Schwiegermutter in ihr Schicksal. Das frühere Fräulein v. Friesen Hausen erhielt Titel und Namen des Heiligen römischen Reiches Gräfin, gleich als wenn sie von Gebührt aus und zwar von ihren vier Ahnen. . . eine gebohrene ReichK- gräfin wäre". Tie Sch^aumburger, die heute die Ehe mit einer Modeste v. Unruh als nicht ebenbürtig anerkennen wollen, ver­traten damals den Standpunkt, daß die Agnaten kein Recht haben, einem lippeschen Grafen aus der Ehe mit einer Dame, die nicht hohen Adels ist, die Erbfolge zu bestreiten:Wenn also Seine Kaffer!. .Majestät der rittorbürtigen Gemahlin eines Reichsgrafen Titel, Ehre und Würde einer Reichsgräfin erteilen, so wird der aus dieser Ehe erzielten Deszendenz kein neues Recht zur Sukzession beigelegt, sondern nur aus kaiserlicher Machtvoll­kommenheit dasjenige Recht zur Erbfolge noch mehr bestärket, welches dieselbe an und für sich schon hatte."

Sachsen-Meiningen.

Auch die Thronfolge in S a ch s en-M e iningew wird durch den Streit um Lippe tierüfyrt. Wird Grafregent.' Leopold, weil einer unebenbürtigen Ehe entstammend, nichtz für thronberechtigt angesehen, so können auch die Kinder seiner ältesten Schwester nicht als ebenbürtig betrachtet werden. Diese älteste Schwester des Grafregenten Leopold,- Adelheid, ist seit 1889 vermählt mit dem Prinzen Friedrichs von Sachsen-Meiningen. Der Herzog Georg von Sachsen- Meiningen ist 78 Jahre alt. Der Erbprinz Bernhard ist verheiratet mit der Schwester des Kaisers, Charlotte. AuS dieser Ehe entstammt nur eine Tochter Feodora. Als Nach- folger desgegenwärtigen Erbprinzen Bernhard kommt alsp für die Thronfolge in Sachsen-Meiningen sein Bruder Prinz Friedrich in Betracht. Dessen Söhne aber würden; als sukzessionsunfähig anzusehen sein, falls die Biester­felder als unebenbürtig betrachtet werden. Die gegenwärtig regierende Linie in Meiningen würde also erlöschen mit; dem Tode des zweiten Sohnes des gegenwärtigen HerzpgA Georg.

Demgegenüber wird indes bemerkt, daß durch meiningi- sches Landesgesetz vom 9. März 1896 der männlichen Des- cendenz des Prinzen Friedrich die Erbfolge gesichert wurde- Ein Einspruch der Agnaten hiergegen ist nicht erfolgt urch würde erst in Frage kommen bei dem Regierungsantritt? des jetzt 12 Jahre alten Prinzen Georg, Sohn deö Prin^est Friedrich; aber gegenüber dem Zwischen der Krone und! der Landesvertretung vereinbarten Gesetz des unabhängigen! meiningischen Staatswesens gegenstmtdslos sein, umsomehr, als die weitere Erbfolge im Hause Sachsen dadurch nicht berührt wird.

Aer Mng.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Gut. Tas alles wissen wir. Wir wissen auch, daß Ihr Bruder oft auf die Jagd ging. Er streifte viel allein im Walde umher. Am 15. Juli wollte er abends auf den Anstand gehen; Sie begleiteten ihn durch den Park bis zum Saum des Waldes, darauf kehrten Sie in das Haus zurück. Sie sahen Ihren Bruder lebend nicht wieder. Als Sie am anderen Morgen ausstanden, Durde Ihnen genrekdet, daß Ihr Bruder noch nicht zurückgekehrt H Sie warteten bis Mittag, da Sie keinerlei Besorgnis hegten. Tann suchten Sie nach ihm, schickten einige Leute aus, welche i>ie Leiche ^hrcs Bruders im Walde fanden. "

Ja, so war es."

Ihr Bruder war erschossen. Zuerst glaubte man an einen Äelbftmord ober an einen Unfall. Tie näheren Umstände ergaben, M diese Annahme nickst ausrecht zu erhalten war. Ter Platz, auf b^m Ihr Bruder auf dem Anstande gesessen, zeigte Lpuren von einem IcrT-ten Kampfe. Der Jagdstock, auf dem Ihr Bruder gei-ffm, stak n"ch in der Erde, er selbst lag neben diesem Jagdstock, das Sstwehr, mit einem abgeschossenen Lauf, der mit Rehposten grfab'n gerneien war, neben ihm. Er war mit einem Armec-Re- »olver erschossen. ,

rinn' solchm R vckver besaßen auch ete. t>i Sie Katwllerie- ülststrvei-sezier sind. Tann sand man Eindröcke am Boden, als habe i em and nehm dem Erschossenen gekniet, vielleicht sich über iln arb ugf. um zu sehen, ob er t"t sei Fußspuren leiteten in den rotb hinein, doch der feuchte Moosboden ließ keine deutliche pnr er! im n. Habe ich die Umstände der Tat richtig dargc- iiiü?/z

Ja voltkomnun."

Lassen Sic weiter sehen. Man vermutete, daß Wilddiebe

Habtbtn, rotldje W ftnb. In gut. i. fctemür. 13.

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L zu DtrfQUiill. WeutnMut 11.

Der Reichskanzler.

Der Reichskanzler Graf B ü l n w hat am 5. b. M. an den Vizepräsidenten desLippeschenLandtags, Kommerzienrat Hoffmann, das nachstehende Schreiben ge­richtet:

Geehrter Herr Kornrnerziewrat! Sie haben mich heute münd­lich um vine anthentiscne Interpretation des Tele- gram m e s S. M. des K a i s er s und Königs vom 26. v. M. gebeten. Ich bin gern bereit, Ihnen meine Antwort schriftlich zu bestätigen, und ermächtige Sie, unter Berufung auf mich öffentlich zu erklären, daß S. M. der Kaiser mit diesem Telegramm lediglich bezweckt hat, die vorläufige Nichtvereidigung der Tnippen für den Regenten und den Grund derselben mit* zuteilen. Mit der ?luffassung des Bundesrats, daß die Rechts­lage noch ungeklärt sei, konnte Seine Majestät sich nicht in Wider­spruch setzen. Jeder Eingriff in die verfassungs­mäßigen Rechte des Fürstentums hat Seiner Ma­jestät dem Kaiser selb ft verständlichfern gelegen und insbesondere liegt es außerhalb allerhöchst seiner Absicht, der derzeitigen Ausübung der Regentschaft in dem Fürstentum durch den Herrn Grafen Leopold zur Lippe irgend welches' Hindernis zu bereiten. Wie stets im Reiche wird auch im vorliegenden Falle der Rechtsboden nicht verlassen werden und die lippesche Frage wird ihre Er­ledigung ausschließlich nach "Rechtsgrundsätzen finden. Ich hoffe, daß es unter den Auspizien des Bundesrats bald gelingen wird, aüf schiedsrichterlichem Wege zum Wohle des lippeschen Landes zu einer endgültigen Lösung der Frage zu gelangen, und ich werde das Meinige tun, um dieses Ziel in möglichst kurzer Zeit zu erreichen.

In vorzüglicher Hochachtung gez. Graf v. Bülow, Reichskanzler."

DieNordd. Allg. Ztg." bringt diese Erklärung an der Spitze zum Abdruck. DerReichsanz." bleibt' seiner Haltung treu und nimmt von dieser Kundgebung ebensowenig Notiz, wie er von dem Telegramm Notiz ge­nommen hat. Für jemand, der etwa allein denReichs­anz." als Zeitungslektnre studiert, existiert also diese ganze lebhafte Bewegung nicht. Daß der Kanzler sich veranlaßt sieht, durch Veröffentlichung seiner ErNärung Oel auf die hochgehenden Wogen zu gießen, ist wohl ein Beweis dafür, daß an leitender Stelle die Protestbeschlüsse in Lippe nicht unterschätzt werden. Man muß den Eindruck bedenken, den solche Beschlüsse im Auslande Hervorrufen können. Daß man in der Sache mannhaft und bestimmt auf­treten kann, ohne den Respekt vor dem Oberhaupt des Reiches zu verletzen, das hat der Berliner Rechtslehrer, Professor Kahl in der Darlegung seiner Auffassung ge­zeigt. Die Blatter geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Ei Närung des Reichskanzlers Hern Konflikt die Spitze nehmen und zur Beruhigung der Gemüter beitragen werde. Ins­besondere erscheint von Wert die Ankündigung, die Frage solle in möglichst kurzer Jurist auf schiedsgerichtlühemWege zur Lösung gelangen.

Die Ahnfrau.

lieber die Ebenbürtigkeit der Ahnfrau der Biester- feTber, Modeste v. Unrubj streiten sich die Schaumburger mit den Biesterseldern. Tie Schaumburger aber haben, wie in derVoff. Ztg." hervorgehoben wird, auch eine Ahnfrau, die unzweifelhaft dem hohen Adel nicht angehört. Tie Schaumbnrger stammen, nach derVo-ff. Ztg.", allesamt ab von einem Fraulein P hil ippin e Elisa­beth v. Friesenhansen, der Tochter eine# kurpfalzisch-en Oberstallmeisters. Fräulein v. Friesenhaufen war Hofdame bei der Stammmutter der späteren Schaumburger, der Gräfin Doro­thea Amalie von Lippe-Alvertissen. In das Hoffraulein verliebte sich der Sohn der Gräfin, Erbgras Friedrich Ernst. Die Mutter aber erhob Einspruch gegen die Heirat, weil, so heißt es in einem Schreiben an den Landgrafen von Hessen vom 17. Juni 1722,die von Friesenhausen 1. eine listige und lüderliche Weibs Persohn ist, welche, wie landkündig, sich verschiedenen Versöhnen lüderlich auf* und ein ärgerliches Leben und Wandel gesüh-ret, auch selbsten unser hiesiges H a u ß g e s ch i m p f e t". Ter junge Erbgras kümmerte sich um die üble Konduite seiner Braut nicht, sondern ließ sich außer Landes trauen. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen verwandte sich für das junge Paar. Tie Gräfin Doro­thea Amalie von Lippe aber forderte den König auf,daß die Friesenhausen zur verdienten Strafe gezogen und von dem Sohn separiert werden möge". Sie erklärte, dem König untertänigft melden zu müssen,wie besagte v. Friedelhausen unter andern wie sie vor wenig Jal>ren bev mir ashier in Diensten gestanden, sich ohne mein Vorwissen mit einem in Frantzösischen Diensten stehenden Lieutenant von Westphalen lüderlich gehalten, da sie unter andern einestnahls heimlicher Weise diesen Lieutenant zu ff cf)1 auf mein Haus albier kommen lassen, und denselben 3 Tage ihn erschossen. Aber c3 war lein Wilddieb in der ganzen Um­gegend zu entdecken, auch war es sehr unwahrscheinlich, daß sich ein Wilddieb so nah bei Ihrem Hause herumtreiben sollte. Kurz, der Verdacht mußte fallen gelassen werden. Es wurde nach anderen Verdächtigen geforscht, der Mord konnte aus Rack>e, im Streit, oder um den Toten zu berauben, da er stets Wertsachen bei sich führte, vollbracht fein. Es wurde nichts gefunden. Ihr Brilder war bei Ihren Leuten und den Dorfbewohnern sehr beliebt, er tat manches Gute und schenkte reichlich. Ein Lieves- verbaltnis unterhielt er in Wendessen soweit wir wenigstens wissen^ auch nicht. Ein Raubmord lag nicht vor, denn die mit einer größeren Summe gefüllte Börse fand sich bei dem Toten, ebenso seine Uhr und feine Ringe. Ein zufällig ent­standener Streit wäre möglich; aber man ermittelte niemanden, der m-t jenem Abend im Walde gewesen war. Ta fiel der Verdacht auf Sie, da Sie der einzige Mensch waren, welcher Vorteil von dem Tode Ihres Bruders hatte. e>ie waren fein Erbe, und man wußte, daß Ihre Verhältnisse nicht allzu glänzend waren."

Ja", stieß Ferdinand hervor, indem er erblaßte,und dieser VerdaM lastet noch immer auf mir und vergällt mir das Leben!"

Nun, nun", begütigte der Anwalt.Sie sind freigesprochen. niemand darf Sie der Tat bezickstigen. Sie konnten Jlw Alibi nachweisen, besonders da Fräulein Wüllbrandt, welche das Zim­mer über Ihrem Schlafzimmer bewohnt, beschwor, Sie hätten während der NaM Ihr Zimmer nicht verlassen können, ohne daß He es bemerkt haben mürbe. Sie habe jedoch nichts gebärt. Am frühen Morgen hat man Sie aber in vollkommen ruhiger Ge­mütsverfassung Ihr Zimmer verlassen^fehen. Sie sind an Ihre tägliche Arbeit wie sonst gegangen, eäe haben auch nicht nach Ihrem Bruder gefragt, da Sre annahmen, er schliefe noch. Ist es nickt so?"

Ja

Man nahm an, daß Sie aus dem Fenster Ihres Scbslas- iimmer5 gesprungen seien, um die Tat zu vollführen. Man fand jedoch keine Spuren allerdings h-atto es gegen Morgen

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.

Sir. 239

Zweites ME.

Erscheint LLgNch mit Ausnahme des Sonntags.

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154. Jahrgang

Dienstag I I. Oktober 1904 r Rotationsdruck und Verlag der BrÜhlffcheih UnwersUäiSdruckerei. SL Lange, Gieße»,

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.^ TeU Nr. 6L Telegr^Adr. t Anzeiger Gieß«»