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11.10.1904 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

154. Jahrgang

Dienstag 11. Oktober 1904

Gießener

General-Anzeiger

Amis- und Anzergehlatt für den Kreis Gießen

Ur. 239

Vrleherni täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Kesfische« Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal tn der Woche beigelegt.

NotanonSdrulk u. 93er- lag bei Brü h l'schen Nntverl^Bnch-n. Stein» bmdeiti. 9t Langem Redaktion, ErvedUto« und Drucker«:

Schulst,atze t

Ndrefie hh Deveschenr Anzeiger Gießen.

FernivrechanichlußNi 51.

verugSpeetA, monatlich7b otertel» iährlich Ml 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6d Pf.; durch diePost Mk.2. Viertel­jahrs ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr, ZetlenpreiS: lokal 12Ps^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich füt den polü. und allgem. Teil! P Wittko; für ,Stadt und Canb* und .Gerichtes aal*:August Goetz für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Air heutige Bummer umfaßt 8 Seiten.

ValMlche Tagesschan.

Eine Militarkolonie in Südwestafrika?

Der Kolonialdirektor Dr. Stübel hat jüngst einem Vertreter derHamb. Nachrichten erklärt, nach Niederwerfung des Herero-Aufstandes werde der Schutz und die Verwaltung seitens des Gouvernements auch auf das von denOvambo bewohnte Gebiet ausgedehnt werden, was sich nach der Er­wartung Herrn Stübels ohne einen Gewehrschuß werde be­werkstelligen lassen. Der Leiter der Kolonialabteilung hat da ein Programm aufgestellt, von dem es zunächst zweifelhaft ist, ob er in seiner amtlichen Eigenschaft dessen Durchführung erleben wird. Es ist in Kolonialkreisen offenes Geheimnis, daß Dr. Stübel keine sonderliche Freude am Amt hat, was ja auch begreiflich erscheint angesichts der kolonialen Ent­wicklung und der ganzen Stellung eines Leiters des Kolonial­amts, der ein großes Maß von Verantwortung, aber ein verhältnismäßig geringes an Einfluß auf diese Entwicklung hat. Es ist gerade in Südwestafrika anders gekommen, als Dr. Stübel es sich dachte, und auch die Zukunft dort dürfte ein anderes Bild ausweisen, als es der Kolonialdirektor im Lichte des erwähnten Programms erscheinen ließ. Fürs erste ist der Termin der endgiltigen Unterwerfung der Herero leider noch immer nicht'abzusehen. Wenn dieses Resultat aber erreicht sein wird, dann ist doch das nächste Gebot das der Förderung des kulturellen Aufbaues des von den Herero bewohnten Herzstücks der Kolonie. Es wird kein geringer Betrag sein, der für diesen Zweck zu den hohen Kriegskosten hinzu- gerechnet werden muß. So lange eine Notwendigkeit nicht vorliegt, ist deshalb ebensowenig zu wünschen, daß der Feld­zug gewissermaßen zu den Ovambo hingetragen, wie daß die Verwaltung auf jenes Grenzgebiet ausgedehnt wird. Viel­mehr ist abzuwarten, ob es überhaupt Ansiedler gibt, die in jenem Gebiet sich niederlassen oder dort bleiben wollen. Eine kostspielige Verwaltung einrichten, wo eS wenig oder nichts zu verwalten gibt, mit^anderen Worten: eine Entwicklung Südwestafrikas zur Militärkolonie begünstigen, daS liegt weder im Interesse der Reichs finanzen, noch der Kolonie. Für solche Politik ist .Südwestafrika ein zu teurer Boden.

Amtliche Meldung: Am 7. Oktober im Lazarett in Otjimbinde am Typhus gestorben: Leutnant Albert Fuernrohr, geb. 1876 zu Konikowa bei Gnesen, früher badisches Trainbataillon Nr. 14, und Reiter Kohlstedt, früher Lustschifferabteilung, geboren 1883 in Marth, Kreis Heiligenstadt. __________________________________________________

deutsches Re

Berlin, 10. Okt. Der Kaiser empfing den russischen Ohersten und Flügeladjutanten Militärattache Schebeka.

DieNordd. Allg. Ztg/ meldet: In den Blättern ist neuerdings als Tag der Vermählung des Kron­prinzen der 22. März 1905 genannt worden. Wie wir hären, ist diese Vermutung nicht begründet. Es sind über den Tag der Vermählung endgültige Bestimmungen noch nicht getroffen worden.

Der Verband d eutscher Juden ist bei der Re­gierung dahin vorstellig geworden, daß bei der beabsichtigten Regelung der kommunalen Schlachthäuser den Ge­meinden die Möglichkeit entzogen werde, aus eigener Macht­vollkommenheit das Schächten zu verbieten. Der Verband erklärte, daß derartige Verbote als Eingriff in die verfassungs­mäßig gewährleistete Gewissensfreiheit der orthodoxen Juden angesehen werden müsse. ____________________

Keer und Alofte.

Straßburg, 10. Okt. In diesen Tagen soll an ver­schiedene mittlere und kleinere Garnisonen des Reichs­landes eine geheime Verfügung ergangen fein, die besagt, daß in Hinsicht auf die Vorkommnisse in Forbach in Zukunft in den kleinen Garnisonen die Besatzung min­destens alle fünf Jahre wechseln müsse, damit keine zu große Vertrautheit mit der Zivilbevölkerung entstünde. An erster Stelle sollen für diesen Wechsel die Garnisonen Mutzig, Zabern, Pfalzburg und Schlettstadt in Aussicht ge­nommen sein.

AnSiundl

London, 10. Okt. Im hiesigen Castend, wo die Aus­wanderer aus Osteuropa zusammengedrängt sind, macht sich auf Grund der Schilderungen, die die weiteren Ankömmlinge von der ihnen auf ihrem D u r ch z u g e durch Deutschland widerfahrenen Behandlung ge­geben, eine starke Erb rite ruu g bemerklich. ES ist eine Bewegung im Gange, die auf den vollständigen Boy­kott der deutschen Linien durch die osteuropäischen Auswanderer abzielt. Auch die Auswanderer in den Verein. Staaten sollen durch Resolutionen ausgefordert werden, ihren Einfluß auszubieten, damit die deutschen Linien von. den osteuropäischen Emigranten nicht benutzt werden.

Char le rost 10. Okt. Hier sand gestern ein Anar­chisten ton grell statt, an dem cct. 1000 Personen teil- nahmen. Es wurde ein Vorschlag betreffend Gründung ein"s belgischen Anarchislen^erbandes angenommen. Die Versammlnna lehnte einen Antrag ab, sich mit der revolutio- mäcen Arbeiterpartei zu verständigen. Abends sand ein

großes Meeting statt, indem man sich mit dem Neomaltu- sianismuS beschäftigte. Diese zweite Versammlung ver­lief äußerst stürmisch. Mehrere Redner ergingen sich in heftigen Angriffen gegen die belgische Arbeiterpartei. Die Tribünen wurden von den Anwesenden gestürmt, das Licht aus gelöscht. Es kam zu Krawallen, sodaß der Saal von der Polizei geräumt werden mußte.

Paris, 10. Okt. Wie aus Wien hierher gemeldet wird, soll das Befinden Kaiser Franz Josefs sehr zu wünschen übrig lassen. Der Kaiser leide an Gedächtnisschwäche und sei nur noch das Spielzeug einiger Minister.

§cr Krieg zwischen Japan und Außland.

Vom Kriegsschauplätze.

Petersburg, 10. Okt. Der Korrespondent derBir- shewija Wjedomosti" in Mukden telegraphiert unter dem gestrigen Datum: Die allgemeine Lage auf dem Kriegsschauplätze in der Mandschurei änderte sich wesentlich. Die japanische Hauptarmee geht nach Süden zurück. Die Japaner geben nicht nur die nach der Schlacht von Liaujang besetzten Positionen, sondern auch vorher genommene Stellungen auf. Ihr linker Flügel ist in den letzten Tagen um 50 Km. südlich gegangen. Er räumte u. a. Tsianchan, Sinangai, Saimadsi, Feichulin und die Umgebung von Kuandiansian.

London, 10. Okt. Eine Depesche aus Mukden meldet, daß Kuropatkin seit dem 5. Oktober auf den Vormarsch rüstete und jetzt mit seiner Armee a uf der ganzen Linie n^ach Süden marschiert. Es herrscht ungeheuere Spannung auf das Ergebnis d sser Bewegung. Aus Peters­burg wird telegraphiert, die Russen hätten bereits die Bahn nach Süden bis Jentai besetzt. Tie Japaner zögen sich überall auf Liaujang zurück, wo zweifellos die Entsckeidungs- schlack-t des Krieges geschlagen werde. Tas Wetter ist trocken und falt.

PariS, 10. Oktober. Alle hier einlaufeuden Petersburger Telegramme schildern die Aufregung und Spannung und etwas verfrühteSiegeszuversicht der Petersburger Kreise. Allseitig wird hier konstatiert, daß an Petersburger offiziellen Stetten von der Einnahme von Jentai noch nichts bekannt ist.

London, 10. Okt. Tie hiesigen Blätter verhalten sich sehr skeptisch hinsichtlich des Erfolges der Kuropatkinschen Offensiv­pläne, die, luie man annimmt, unter dem Druck des Zaren erfolgt seien. Man zweifelt, ob Kuropatkins Armee stark genug für einen Offensivvorstoß sei, da Oyamas Armee in demselben Maße verstärkt worden ist, wie die Kuropatkins, Oyama aber den Vorteil der befestigten Defensive hat. Es wird angenommen, daß sich 225 000 Mann gegenüberstehen werden.

Petersburg, 10. Okt. Ter Armeebefehl Kuropatkins, in dem er denUebergang zum Angriff vorsthreibt, hat hier in den weitesten Kreisen russischen Volkes die Hoffnung hervorgerufen, daß die schwere Prüfungszeit vorüber sein und leichtere Tage kommen werden, ebenso faßt die russische Presse den Armee­befehl, auf. Doch enthält sich die Mehrzahl der Blätter allzu optimistischen Aeußerungen, indem sie darauf Hinweisen, daß die Offensive der Russen nicht einem Triumphzuge bis zum Jalu gleichen, sondern schwere Opfer kosten werde, weit schwerere, als die Verteidigung bisher gekostet hat. Banjapuse, das stark befestigt ist, wmcke von den Russen am 9. Oktober durch starkes Artilleriefeuer unter gleichzeitiger Umgehung nach kurzem Kampfe genommen. Einzelheiten fehlen noch. Auf dem linken Flügel drückte Mischtschenko die Japaner bis Jentai zurück. Tie Bahn, ist bis zur Station Schahe wieder hergeftellt. Gestern soll ein großes Gefecht bei Jentai stattgefunden haben, sein Ausgang ist noch unbekannt. Es geht das unkontrollier­bare, Gerücht^daß General Fuschima mit zwei Divisionen 20 Km. südlich von Sinminting steht, um den Russen in den Rücken zu fallen. Tas Gerücht hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich.

Mukden, 10. Okt. General Hubert, Intendant der Armee, bat den zurückgelafsenen japanischen Garnisonen nördlich von Landinesan 50 000 Kleidungsstücke zugehen lassen. Uebrigens ist die jetzige Untätigkeit der Japaner durch den Mangel an Verproviantierung und sonstigen Materialien ver­ursacht.

London, 10. Okt. Das Reutersche Bureau meldet von der Armee des General Oku: Rach undatierten chinesi­schen Meldungen legen die Russen südlich von Mukden Gräben auf, errichten starke Erdwerke und befestigen den Eisernen Berg und Tieling.

Petersburg, 10. Okt. Die Rufs. Tel.-Ag. meldet aus Mukden von heute: Die Japaner rechnen darauf, bis zum 14. Oktober die in den Reihen der Truppen entstandenen Lücken durch Reservisten auszufüllen. Ueber Jnkau er­hielten sie 15 000 Mann Verstärkun gen; für die nächsten Tage erwarten sie drei Divisionen. Die Blockade Port Arthurs von der Landseite aus ist s ch w ä ch e r ge­worden. Die Streitkräfte werden wieder bei Jentai zu­sammengezogen.

Schanghai, 10. Okt. (Reuter.) Chinesische Regier­ungsbeamte kaufen große Mengen ausländischer Vorräte auf, die von hier nach Tientsin verladen werden sollen. Der Zweck ist unbekannt. Aber gutuntcrrichtete Chinesen glauben, daß diese Vorräte für die Russen bestimmt seien.

Charbin, 10. Okt. (Rufs. Tel.-Ag.) Die Gesamt­zahl der japanischen Armee auf dem Kriegstheater wird gegenwärtig Ms etwa 400000 Mann angegeben.

Port Arthnr.

Aus Tokio meldet Reuter: Es verlautet, die Japaner konzentrierten kürzlich ihr Feuer von dem Lande und der Seeseite auf den Westhafen von Port Arthur, um die r u s s i- sche Flotte zu vernichten. Es gelang ihnen, drei Schiffe, deren Namen und Klasse bisher unbekannt sind, zum Sinken zu bringen.

Dem Korrespondenten der PetersburgerNowosti" war es gelnnngen, ans Port Arthur zu entkommen. Er ist in Neapel eingetroffen und erzählte, daß bei feiner Abreise die Garnison 2 3 0 0 0 Mann und 10 000 Matrosen betragen habe. In der Festung befanden sieh L e^b e n Sm i 11 e l v o r r ä t e für eine lange Zeit. In der Stadt befanden sich nur noch 96 Frauen.

Die Japaner beschlagnahmten ein italienisches Fahrzeug, bas versuchte, Mehl nach Port Arthur zu bringen.

Japans Note.

Charbin, 10. Okt. (Rufs. Telegr.-Ag.) Hier ist ba3 Ge­rücht im Umlauf, daß die Japaner Papiergeld im Betrage von 80 Millionen Pen auszugeben und eine zweite Reserve­armee zu bilden beabsichtigten. Bei dem Mangel an Offi­zieren und aus gebildeten Leuten dürften sie bei der Ausführung des zweiten Planes auf große Schwierigkeiten stoßen.

Das baltische Geschwader.

Der Petersburger Korrespondent des PariserJournal" 6e* richtet seinem Blatte, daß die Abfahrt des Baltischen Ge­schwaders aus dem Hafen Reval nunmehr auf den kommenden Sonntag festgesetzt worden ist. Ter Zar hat das Geschwader in den letzten Tagen selber besichtigt. Er richtete an die Mann­schaften eine Ansprache, in der er der Hoffnung Ausdruck aab, daß sie zurzeit ebenso heldenmütig dem Vaterlande dienen werben, wie es ihre Kampfgenossen int fernen Osten getan, und daß sie für denWarjag" undKorjetz" Rache nehmen werden und den dreisten Feind, der die Ruhe Rußlands gestört habe, besiegen würden. JSr kehrte sodann nach Petersburg zurück.

Wie von privater Seite aus Petersburg gemeldet wird, hielt Admiral Birilew am Montag eine Flottenschau über das baltische Geschwader ab. Ob die Revue zur Zuftiedenheit des Admirals ausgefallen ist, ist noch nickt bekannt geworden. Doch heißt es, daß er den Befehl zur Ausreise des Geschwaders geben will.

China.

Schanghai, 10. Okt. Das Reutersche Bureau meldet aus Kweiling in der Provinz Kwangsi, daß die chinesi­schen Truppen die großen Haufen der Rebellen bei Lochenghsien nach einem dreitägigen Gefechte besiegt haben. Es heißt, die Boxerbewegung breite sich weiäp in den nördlichen Provinzen aus.

P e t e r s b u r g, 10. Okt. Die Rufs. Tel.-Ag. meldet aus Charbin von heute: Die in der letzten Zeit unter der Bevöl­kerung Chinas entstandene Gärung dauert fort; es treten; fremdenfeindliche neue Seiten auf. Gerüchten! zufolge versorgen die Japaner die Bevölker­ung Nord-Chinas m i t W a r e n. Die Zahl der Chunchusen wächst; ihre Tätigkeit ist vorläufig auf die Plünderung der chinesischen Bevölkerung beschränkt.

Der Hohenzollernprinz.

Einem Londoner Gerücht zufolge soll Prinz Karl Anton von Hohenzollern infolge«einer Erkältung in Tokio bett­lägerig sein.

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Are erste deutsche Akademie für praktische Medizin.

Köln, 10. Oktober.

Heute mittag wurde in Anwesenheit des Prinzen Fried­rich Heinrich als Vertreters des Kaisers und anderer die Kölner Akademie für praktische Medizin feierlich eröffnet.

Oberbürgermeister Becker betonte in der Eröffnungs­rede, daß von einem Gegensatz zwischen der Aka­demie und! der Universität keine Rede feilt könne, denn die jungen Leute gingen erst auf die Mademie, wenn. ihre Ausbildung auf der Universität beendet sei. Die Kölner Akademie erstrebe im Gegenteil eine s e h r e n g e Verbindung mit der medizinischen Fakultät Bonn, von oer Mitglieder schon cm der Leitung der An­stalt beteiligt seien. Die Kölner Akademie wolle nichtf das Spezialistentum fördern, sondern gerade einem ober­flächlichen Spezialistentum möglichst ent­gegen t r e t e n. 1500 Betten ständen bereits für die Zwecke der Akademie zur Verfügung, der Bau weiterer Räume für 500 Betten, und für die nötigen Vortragssäle, PoliMnikew usw. sei beschlossen, hervorragende Aerzte außer den ein­heimischen seien schon berufen. Daun erklärte der Ober­bürgermeister die Akademie für eröffnet

Hierauf hielt der Geschäftsführer, der Professor der Akademie, Geheimrat Bardenheuer, ein Ansprache, in welcher er Köln als Stätte der Wissenschaft, Kunst und des Fortschrittes rühmte, und die Zuversich^t ausdrückte, daß die Bonner Universität eine treue Mitarbeiterin der Aka­demie sein werde.

Darauf führte Kultusminister Dr. Studt aus, die heutige Feier bilde einen wichtigen Mschnitt in der Ge­schichte Kölns: sie stelle einen hervorragenden^ Markstein im Entwickelungsgang desAerzte- standes dar und sei für das deutsche Volk von weit­tragendster Bedeutung. Der große Aufschwung des medi­zinischen Fortschrittes Deutschlands beweise genügend, wie die Förderung der ärztlichen Wissenschaft der Reaiermig am Herzen liege. Die neue Akademie bilde keine Konkurrenz mit der medizinischen Fakrlltät der Bonner Hochschule, sondern stehe im Dienste derselben. Es sei zu erhoffen, daß die neue Lehrtätigkeit ein fruchtbringendes Zusammen- wrrken zeitigen werde, da ja auch lwrvorragende Lehrkräfte der Bonner Hochschule ihre volle Mitarbeit zur Verfügung gestellt hätten. Er zweifle nicht, daß auch bte Kölner Aka­demie sich angelegen sein lassen werde, ein freundschaftlich- nachbarliches Verhältnis mit Bonn zu pflegen. Das Ver­dienst, den Grundstein zu der neuen Madernie gelegt zu haben, gebühre in erster Reihe der Stadt Köln. Nachdem in Frankfurt a, M. ähnliche Ideen hervorgctreten seien und Düsseldorf die gleiche Absicht gehabt habe, könne Höln stolz darauf sein, dank der seltenen Einmütigkeit aller beteiligten Kräfte als erste den Gimndgedanken in tat­kräftiger Weise zur Ausführung gebracht zu haben. Der Kaiser nehme das regste Interesse^an der neuen Gründung.

Der Minister gab darauf die verliehenen Auszeich­nungen bekannt. Es erhielten u. a. Oberbürgermeister Becker die -Billanten zum Roten Adlerwrden zweiter Klasse, Geheimrat Dr. Vardenheuer den Kronenorden dritter Klasse, die Beigeordneten Bügger und Dr. Joesten den Roten er­erben vierter Klasse.

Darauf sprach der Dekan der medizinischen Fakllltät Bonn. Geheimrat F ritsch, über den Rwtzcn der ixrab