Nr. 160
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint tügttch mit Ausnahme be8 Sonntags.
Die „Gießener Zamiiienbikittvr" werden dem ^Anzeige, otermal wöchentlich beigelegt. Der »hesstich« Landwirt' erscheint «wnaUrch einmal
Der Zusßand in Ie«tsch-Sü»Weüiifrika.
Generalleutnant v. Trotha me(bct aus O kaha n dja: Beim Feinde südlich Waterberg anscheinend Bewegungen. Samuel Maharero nach Meldung v. Eftorsss mit den Grobleuten bei Otjahewita eingetroffen. Der Abzug t>om Omuranibafluß, insbesondere au- der Gegend Okosongoho- Okahitua scheint mit Viebmassen am 5. Jrcki begonnen zu
Montag 11. Juli 1804
NotattonSdruct und Vertag da Brühl'ich«, Univerfltarsdruckerel R. Lang«, Dießen.
Redaktion, Expedition u. Druckerei Schulst! ?.
Tel 91t. 6L Tetegr.-Adr« r An^eiga
Iayrcsvericht der Kr. Ka^delsLammer Kieken für 1903.
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In dem Borbericht über die wirtschaftliche g e wrvd ausgefühtt, daß die in der zweiten Hälfte des Wahres 1902 eingetretene Llufwärtsbewegung der deutscher: Volks- wirttckaft im Berichtsjahre weitere, wenn auch langsame Fortschritte gemacht hat.
haben. Feindliche Patrouillen noch dauernd am Omuramba- fluß. Patrouille von Oberleutnant v. Lekow überraschte b^ei Orutjiwa eine zurückgegangene Werst und nahm 30 stück Großvieh. Beim Feinde zahlreiche Tote und Verwundete. Diesseits keine Verluste, v. Estorff marschierte in der Nacht zum 7. von Karupuko in der Rich, tung auf Otjahewita ab, um sich dem feindlichen Abzug nach Nordosten vorzulegen. Hende auf Okaundia am Omuramba- slub. v. Glasenapp über Otjire-Orutjiwa auf Okosongoho in: Vormarsch. Ich begebe mich morgen, den 9. Juli, zur Abteilung v. Glasenapp. Reiter Jakob Frey, 2. Feldkompagnie Regiment 1, geboren in Weinsheim bei Worms, wurde am 5. Juli im Patrouillengesecht gegen Otjahewita verwundet. Er ist beim Rückmarsch verstorben.
Der Oberleutnant der Schutztruppe und Adjutant des Gouverneurs Oberst Leutwein, Hans T echow, ist am 6. Juli in Windhuk an den Folgen schwerer, durch einen Unglücks- sall erlittenen Verletzungen g e st o rb e n.
Valitische Tagesschau.
Arbeiter als Gewerbeinspektionsbeamte.
Zum erstenmale figurieren, worauf die „Schachs. Arb.° 3tg/ aufmerksam macht, in einem deutschen Fabrikinspektorenbericht Arbeiter als Jnspektionsbeamte. Es ist Württemberg. Ende 1903 sind bei der württembergischen Gewerbeinspektion vier neue Beamte angestellt und dadurch ihre Funktionäre von 8 auf 12 vermehrt worden. Die vier neuen Gewerbeinspektionsbeamten sind: der Eisendreher Bölz, der bis zu seiner Anstellung in einer Maschinenfabrik arbeitete; der Mechaniker und Monteur Psohmann, der in einer elektrotechnischen Werkstätte tätig war, und der Werkführer Müller, der in der Holzwerkzeugfabrik von Eßlinger u. Abt in Laupheim in Arbeit stand. Diese drei neuen Beamten tragen den Titel „Gewerbeinspektions- gehilfen", und jeder der drei Aufsichtsbezirke hat einen davon erhalten. Der vierte neue Beamte ist das Fräulein Welckcr, das vordem bei dem Schwäbischen Frauenverein tätig war. Sie heißt „Assistentin" und ist der zweite weib- iche Beamte der württembergischen Gewcrbeinspektion. Die beiden Assistentinnen haben in allen drei Aufsichtsbezirken ätig zu sein.
Den vier neuen Beamten wurde vom Gewerbeinspektor Hardegg ein JnstruktionskursuS in wöchentlich vierstündigen Vorträgen erteilt, um sie in das Gebiet des Arbeiterschutzes einzuführen und ihnen daS Studium der umfangreichen Ar- beiterschutzgcsetzgebung zu erleichtern. Gegen Schluß des JahreS 1903 hat der Gewerbeinspektor mit den Gehilfen dreizehn und mit der neuen Assistentin nctm Revisionen ver- chiedener gewerblicher Betriebe vorgenomznen. Die neuen Hilfskräfte, führt Gewerbeinspektor Hardegg aus, bedeuten eine wertvolle Ergänzung der Gewerbeinspektion. Es wäre in Zukunft nicht möglich, den zahlreich andrängenden Aufgaben gerecht zu werden, nachdem mit 1. Januar 1904 auch daS Kmderschutzgesctz in Kraft getreten ist, das bei der ausgedehnten Hausindustrie, wie sie namentlich in der Gar- dinenstickerei besteht, viel Arbeit erfordern wird. Die haupt- ächlichste Tätigkeit des Gehilfen erstreckt sich auf die kleinen gewerblichen Anlagen.
„Die neuen Beamten haben sich, soweit in dieser kurzen Zeit ein Urteil abgegeben werden kann, durch Fleiß und verständ- ni-volles Erfassen der dienstlichen Ausgaben die 3u- riedeubeit ihrer Vorgesetzten ernxorlxm/
Kammer die jetzt beendete Beratung als eine definitive betrachtet, weil jeder davon überzeugt ist, daß sie nur einen Notbehelf darstellt, um die Vorlage überhaupt an die erste Kammer gelangen zu laffen. Haben doch selbst die Führer des Zentrums und der Sozialdemokratie die feste Hoffnung ausgesprochen, daß bei der „Rückkehr der Vorlage" eine bessere Fassung verschiedener Bestimmungen und besonders eine gerechtere Wahlkreis-Abgrenzung in verschiedenen Landesteilen erzielt werden möge. Darin ist indirekt ganz deutlich noch der Wunsch enthalten, daß die erste Kammer die Vorlage nicht sans phrase acceeptieren, sondern auch ihrerseits den Rotstift des Zensors gebrauchen möchte. Denn nur im Falle von Abänderungen kann ja der Gesetzentwurf wieder „zur weiteren Beschlußfassung" zurückverwiesen werden.
Von den Freunden der Vorlage werden also jetzt aller Augen auf die erste Kammer gtt richten sein. Die nächste Frage ist die, ob die StandeSherren schon in Bälde eine Sitzung abhalten und die Vorlage jetzt oder erst im Herbst einem Ausschuß znr Vorbereitung überweisen werden. Wenn der sich den Ausschuß der zweiten Kammer zum Vorbild dienen laffen und sich ebenfalls 1 */, Jahre Zeit zur Prüfung der Vorlage nehmen wollte, dann wäre es natürlich mit der vielgehegten Hoffnung und der auch im Gesetz festgelegten Bestimmung vorbei, daß die erste direkte Wahl zur zweiten Kammer schon im Herbst 1906 vor sich gehen soll. Diese halbseitige Erneuerung der Kammer durch die direkte Wahl (die Vorlage bestimmt bekanntlich, daß im Herbst 1905 28 und im Herbst 1908 27 Mitglieder neu gewählt werden sollen) ist nach unferm Dafürhalten auch ein Kapitel, daS einer ernsten Erörterung im Wahlrechtsausschuß wert gewesen wäre. Ist das direkte Wahlrecht wirklich eine so große Wohltat für daß Land, als welche man eS bei der großen Mehrheit der Kammer betrachtet, nun, warum läßt man sie dann nicht dem ganzen Lande gleichmäßig zu teil werden? Wir würden bei der Einführung deS direkten Wahlrechts, bei der „Mündigkeitserklärung des Volkes", wie eS ein bekannter Parlamentarier einmal nannte, eine Kammerauflösung und die eigentliche Vornahme der Wahl im ganzen Großherzogtum entschieden für daS Rationellste halten. Man denke sich nur die komische Situation, daß für die nächsten drei Jahre in buntem Durcheinander in der Kammer gleichzeitig die Produkte der direkten und der indirekten Wahl friedlich auf ihren Plätzen sitzen und neue Gesetze machen sollen! Wird man da nicht unwillkürlich an den wackeren Schwaben erinnert, von dem der Dichter nach dem mächtigen Schwertstreich auf den Reiter sagt: „Zur Rechten sieht man, wie zur Linken einen halben Türken heruntersinken?"
Die Annahme, daß sich die Erste Kammer mit der Vorlage in verschiedenen Punkten nicht einverstanden erklären werde, herrscht nicht nur in Abgeordnetenkreisen, sondern auch bei hervorragenden Mitgliedern der Regierung vor. Schon die Streichung der Bestimmung in Art. 2, Absatz 10, daß dem Großherzog daß Recht zustehen soll, außer den zwölf „ausgezeichneten Staatsbürgern" noch drei Bürgermeister von Städten mit Städteordnung für die Dauer des Landtages in die Erste Kammer zu berufen, wird man sich in der letzteren kaum ruhig gefallen lassen, ganz abgesehen davon, daß man in der Streichung dieser Bestimmung mit Recht auch einen neuen Dorstoß der agrarischen Mehrheit gegen die Stadtevertret- ungen Überhaupt erblickt. Des werteren muß ^^^oie nach dcm Ausschußantrag beschlossene Besoldmrg der Mt- gl jeder der Ortswahlkommission'en, deren Amrbei der Reichstagswahl als Ehrenamt gilt, als ein entschiedener Mißgriff bei « achtet werden, unrsomehr, da auch hier wieder, wie bei Vervielsültigmng der Wühlerlisten und der Anschaffung der Wahlurnen die Kosten den einzelnen Gemeinden ausgebürdet wqxden sollen. .Icecht fraglich erscheint unS auch, ob die Erste Kammer auf die Festsetzung deS Wahltermins von 10—R Uhr eingehen wird, wie 1J im letzten Augenblick trotz dcS Widerspruchs der h'cßiicuno aus Antrag der Sozialdemokraten mit 19 gegen 1; stimmen beschlossen wurde. Warum soll denn nicht auch h er der doch sonst überall von den Herren Sozi angestrebte achtstündige RormalarbeitStag eingehalten werden?
Die ländliche Wah lkreiseinteilun a für die drei Provinzen rst ja nach offi^etTer Feststellung mit 32 (also nicht 33) Stimmen gegen 12 Stimmen angenommen mor= ben|; es stimmten 8 Nationallibera.le, 3 Freisinnige und 1 Zentrumsmann dagegen. Aber bei der Abstimmung waren nicht anwesend die Wbgg. Brauer, Diehl, Leun, Roack, Schill und Schönberger, also sechs meist liberale Mttglreder, deren Gegnerschaft wohl zweifellos feststeht. Hatten auch diese Herren nicht aus irgend welchen Gründen rhr Fernbleiben von der Abstimmung für zweckmäßiger erachtet, so wäre die verfassungsmäßige Zweidrittel-Mehrheit doch überhaupt nicht erreicht worhen; auch die Herren Dr. David, Dr. Heidenreich und ein Zentrumsmann gaben die Erklärung ab, daß fie nur in Erwartung auf eine gerechtere Einteilung bei der Rückkehr der Vorlage für diesen Art. 19 stimmen könnten.
alles sind doch Dinge, die auch die erste Kammer bei der Beurteilung der „Parteimache", wie ein freisinniger Abgeordneter die Wühlkreiseinteilung des AuZschusses nannte, sich kaum entgehen lassen wird und wenn Abg. Häusel noch am Schluß der Berattmg in der allgemeinen Unruhe des .Hauses dem Ausschuß für seine mühevolle Arbeit Dank aussprach, so darf man nicht vergessen, daß er gerade dasjenige Mitglied des Hauses war, dessen Mandat bei Ammhme des Ausschußantrags zu Art. 15, Streichung des Wortes „größten", unter allen Umständen verloren gewesen wäre. Angesichts dieser ganzen Situation hört man denn auch hier in politisch denkenden Kreisen die besttmmte Ueberzeugung aussprechen, daß die erste Kammer sich wohl mit keinem der jetzt gefaßten AbLnderungsbeschlüsse einverstanden erklären, sondern sich einfach auf bett Standpunkt der Regierungsvorlage stellen dürfte. Und wenn dann diese vielleicht noch mit einigen Wünschen der Standesherren belastet an die zweite Kümmer zurückkehrt, so wird derselben kaum noch etwas anderes übrig bleiben, als ihr Ja und Amen dazu zu geben. Nur so wird dann wenigstens das Prinzip des direkten Wahlrechts für Hessen gerettet werden können!
Me ich erst nachträglich erfahre, so schreibt unser Darmstädter Mitarbeiter noch in einer anderen Sache, hat sich der journalistische Beirat und Kammerberichterstatter des „Mainzer Journals", Abg. M o l t h a n, gemüßigt gesehen, in einer sehr langen Elaboration die Richtigkeit meiner Mitteilungen über die Verhandlun gen im Wahlrechtsausschuß in betreff der Wahlkreiseinteilung zu bemängeln. Ich gestatte mir dagegen, mitzuteilen, daß ich meine sämtlichen Nachrichten darüber von zwei Ausschußmitgliedern direkt erhalten habe und daß diese Herren gern bereit sind. Ihnen die Richtigkeit meiner Angaben im vollen Umfang zu bestätigen. Meine beiden Gewährsmänner haben allerdings nicht den Vorzug, der Zentrums Partei anzugehören, welche ja den Grundsatz von Wahrhett, $reüjeit und Recht bekanntlich nur vom Standpunkt ihrer besonderen Parteimoral aufzufassen pflegen.
Handels litt trotz größerer Umsätze unter der Ungunst der Preise. Ter Detailhande l in Vapür und Säueibinetcrialien war befricd-jgcnd. Tic L c i u c n w c b c rot hatte flotten Geschäftsgang, doch konnten die Preise der Fabrikate mebt immer gleichen Schritt halten mit den Notierungen tnr Rohstoffe. Der Groschandel mit u ch n nd B u ck - k i n halte ein bcfiiedigentvs
i o M e n r o b u f t i o n , die im Fahre 1901 rund 107 825 COO Tonnen, int Jahre 1902 107 438 000 Tonnen Akraaen hatte, hob sich int Berichtsjahre auf 116 664 000 T. Gleichzeitig erhöhte sich der inländische Verbrauch an Stein- kohlen von rund 98856 000 Tonnen im Jahre 1901 und 97 762 000 T. im Jahre 1902 auf 106 041000 T. im Jahre 1903 Ein ähnliches Bild zeigt die deutsche Erzeugung und der Jnlarvdkonsum an Roheisen. Auch deutsche Außenhandel hatte im Berichtsjahr eine ansehnliche Steigerung aufzuweisen. Als ein weiteres Zeichen der fortschreitenden Besserung linb die gestiegenen Einnahmen der deutschen Eisenbahnen anzusehen. Auf dem deutschen Arbeitsmartt war in jedem Monat des Berichtsjahres die Nachfrage nach offenen Stellen geringer als im Vorjahre; die Bcschäfttgung war besser und die Arbeitslosigkeit geringer als im vergangenen Jahre.
Wenn hiernach von einer regeren Lättgkeit zu berichten war, fo muß doch auf der anderen Seite konstattert werden, daß die Geichästsergebnisse hiermit nicht gleichen Schritt halten konnten. ?ie daben in vielen Geschäftszweigen zugenommerr, und dre Nachfrage, wie auch die Beschäftigung waren besser als im Vorjahre, doch wurde vielfach noch mit sehr bescheidenem Nutzen gearbeitet. Der Wettbewerb war überaus scharf unb gestattete nicht immer eine befriedigende Preisbildung. Hierunter litt auch Ine Grüudungstätigkeit.
Wie weit da- über die allgememe wirtschaftliche Lage AuS- gefübrte für un s er en Bezirk gilt, ist aus den Branchenberichten ersichtlich. Im großen und ganzen ist auch Tyier das Urteil zutreffend: regere Tätigkett und grö^re Umsätze bei scharfem Wettbewerb und mäßigem Nutzen. Nach den eingegangenen Berichten ergibt sich sür den Gang der einzelueu Geschäftszweige folgendes Bild:
$er Getreidebau del unseres Bezirkes hatte im Jahre 1903 einen etwas ungünstigeren Geschäftsgang als im Ja^e vorher. Der Handel mit Futtermitteln litt nach wie vor unter der Konkurrenz der landwirtschaftlichen Genoffen- schaften. Im Düngemittelhandel machte sich eine geringere Befferung bemerkbar, dock wird durck die Bevorzugung der landwittschaftlichen Vereine von feiten mancher Verkaufs- Vereinigungen der berufsmäßige Handel geschädigt. Der V i e h- bandel gestaltete sich in dem ersten Teile des Jahres befriedigend, litt aber später untcT den hohen Einkaufspreisen und den polizeilichen Beschränkungen. Die Müllerei unseres Bezirkes llagt auch in diesem.Jahre wieder über die Konknrrenz der großen und günstig gelegenen Handelsmühlen und die dadurch hervorgerufene Ueberproduktton an Mühlenfabrikaten. Die M o l k c r e i hatte unter der Einftlbr ausländischer Butter und der Margarine zu leiden. Die Umsätze der Bierbrauereien wurden durchs den k'ihlen Sommer ungünstig beeinflußt. Auch wurde dieser Industriezweig durch die übermäßige Kredftgewähr- ung an die Wirte und deren stets weitergehenden Anforderungen an die Brauereien in seiner gesunden Envvicklung be- einträchttgt. Auf die Branntwein- und Likörfabri- kation übte auch im Jahre 1903 die Preispolitik der Zen- trale für Spiritusverwertung einen nachteiligen Einfluß aus, während gleichzeitig die langsame ZahlungÄveise mancbcr Ab- nehmer den Geschäftsgang. sehr erschwerte. Im Kolonialwaren handel traten keine größeren Veränderungen ein. Tie Rauchtabakfabrikation wurde durch den zunehnrendenl Konsum billiger Tabake bei andauerird hohen Preisen der Rohtabake und den wachsenden Geschäftsimkosten weniger nutzbringend. Die Kautabakfabrikation konnte wieder einen flotten Ge- chäftsgang erzielen. In der Zi g arr enindu srri e, die in unserem Bezirk von hervorragender Bedeutung ist. trat erst in ber freiten Hälfte des Berichtsjahres eine Besserung ein. Teilweise mußte sogar mit lieberstrmden gearbeitet werden, und manche Firmen konnten ihre Betriebe ausdehnen. Das Erträgnis der Fabriken litt aber unter der scharfen Konkurrenz und den tvachsenden Ansprüchen der Kundschaft. Die Vorliebe des Publikums für fahle Deckblätter hat noch nicht nachgelassen und verteuert die Prodlktion. Im Zigarrenhandel traten keine wesentlichen Veränderungen ein. Ter direkte Verkauf mancher^ Fabrikanten an die Konsumenten und der Wettber<>erb der Versandgeschäfte beeinflußte den GesMftsgang ungünstig. Die Eisen e r z fö rde r u n!g in tnr Provinz Oderlvssen war im Jalwe 1903 größer als im Vorjahre. Der Kohlenhandel hatte nur unbesrjedjgcnde Erträgnisse. Tie B a s a l t i n d u st r i e des növdl. Vogelsberges batte ebenfalls einen recht ungünstigen Gesck>äftsgang, hervorgerufen bcfaitberS durch die schlechten satzverhältmsse. .Bei den Lahn kal kwer ken machte sich eine geringe Besserung bemerkbar. Die Ze men t wa re n fa d r i « k a t i o n litt unter sehr scharfer Konkurrenz der foilivübrenb neu entstehenden Fabriken. Der Handel mit Baumaterialien in Gießen ivar nnbefriedigerld. In der W e r k z e u g m a s ch i n e n» fabrikatioir ist keine erhebliche Wfcnma zu verzeichnen. Im Holzhandel aelany es, ein annehmbares Verhältnis zwischen Einkaufs uirb BerlanfspreiO'n ui erzielen, doch wird für das lausende Iain eine Ber-schlechterung befürchtet. Un- güusttg Ivar der (tzeschästS,mng in der Zigarrenkiftchen- f a b r i k a t i o n. Auch Nx* Ergediviö des Papier-Groh-
Zur Kinsührung dcs direkten Waytrechts.
R. B. Darm stadt, 10. Juli.
Die hessische Wahlrechtsvorlage ist angenommen; die Zweite Kammer hat sich bis zum Herbst vertagt. Es war gewiß für keinen der Beteiligten eine angenehme Sache, in drückender Sommerhitze sich mit einem Thema zu beschäftigen, daS ohnedies stark genug die Gemüter erhitzen mußte und so atmete denn wohl Jeder, wie von einem schweren Albdruck glücklich befreit auf, als am Freitag abend der Präsident der Kammer nach der Annahme von Einleitung und Ueberschrift das inhaltsschwere Wort verkündete: „Damit ist die Wahlrechtsvorlage erledigt. Da eine zweite Lesung nicht beantragt ist, hat nach den Bestimmungen unserer Geschäftsordnung auch keine Schlußabstimmung über das ganze Gesetz stattzu- finden." Das letztere ist richtig, denn der Art. 44 der land- ständischen Geschäftsordnung lautet: „Bei der ersten Beratung erfolgt die Abstimmung nur artikelweise, nicht über da§ Ganze". Aber angesichts eines so schwerwiegenden Gesetzes, das auch einen der wichtigsten VerfaffungSgrundsätze über den Haufen wirft, wird sich doch gewiß Manchem die Frage aufdrängen: Warum ist hier von keiner Seite deS Hauses eine zweite Beratung „beantragt" worden? Man hat sie doch bei den Verhandlungen der Vorlage vor zwei Jahren für notwendig gehalten und jetzt, nachdem verschiedene wichtige Veränderungen, u. a. auch die Stteichung der Wahlpflicht darin vorgenommen, nicht? Die Antwort hierauf haben wir eigentlich schon in einer unserer letzten Betrachtttngen gegeben: Weil Niemand in der
Zweites Blatt. 154. Jahrgang
Gießener Anzeiger


