Ausgabe 
11.6.1904 Viertes Blatt
 
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HHLrfere Kontrolle mehr belastet. ZlllS diesen Gründen werde er gegen die Vorlage stinnnen.

Nachdem der Präsident erklärt hat, daß er ebenfalls dagegen stimmen würde, wird die Vorlage nach den Beschlüssen der zweiten Kammer mit allen^gegen fünf Stimmen angenommen. Die Vorstel^ngen der Oberbürgermeister Mecurn-Gießcü und Dr. Gaßner-Mainz, sowie der Handelskammern Friedberg und. Bü­dingen werden für erledigt erklärt.

Das Haus genehmigt dann eine Reihe von 'Mitteilungen der zweiten Kammer, so ilber das Selbstdispensierrecht der hornöo- pathischen Aerzte und die Kreisstraßenwärter des Kreises ÄlSfellr Die Regierungsvorlage, betr. den Entwurf eines Feld- und Forst- strafgesetzes, sonne des Verfahrens in Forst- und Feldrügesacheu, worüber Graf Stolberg- Roßla namens des Ausschusses refe­riert, wird nach den Beschlüssen der zweiten Kammer angenommen.

Es folgt die Beratung eines Antrags des Frhrn. Hehl zu Herrnsheim, betr. die Einstellung der Korbflechterei in den Gesäugnisanstalten. Der Antrag geht dahin: Hohe erste Kammer wolle beschlleßen, die Regierung zu ersuchen, die Beschäftigung der Gefangenen in den dabei in Betracht kommenden Gefangenen­anstallen des Landes mll Korbflechtereien tunlichst bald ettrzu- stellen und eine andere Beschäftigung an deren Stelle treten zu lassen, damll der Druck veiffchwindet, welchen die Arbeit der Sträflinge auf das alleingesessene Gewerbe der Korbflechterei in den rheinrschen Gemeinden ausübt. Frhr. v. Hehl weist darauf hin, daß es fich hier hauptsächlich um die Korbflechterei in Hamm bei Worms handle. Wie einst die Rheinfischerei, so sei jetzt das Korbflechtgewerbe sehr zurückgcgangen, besonders in­folge der schweren Konkurrenz der Korbflechterei in den Ge- fangenenanstallen. Er bitte die Regierung, im Bundesrat daraus hinzuwirken, daß baldigst auch eine reichsgesetzliche Regelung der Gefängnisarbeitsfrage erfolge.

Justizminister Tn Dittmar erklärt, die R garung erkenne den Notstand in der Gemeinde Hamm au und werde an ihrem Tell gern dabei mitwirken, die Frage von Rechtswegen zu regeln. Es sei aber nicht möglich, die Gefängnisarbeit ganz so zu ge­statten, daß sie jede Konkurrenz mit der freien Arbeit beseitige. Er glaube nicht, daß eine Einschränkung der Korbflechterei in Butzbach der Gemeinde Hamm zu gute käme, dagegen glaube die Regierung, daß eine bessere Gestaltung der Weidenkullur und insbesondere die Bekämpfung des in den letzten Jahren verheerend ausgetretenen Weidenbohrers und die Anbahnung eines Uebergangs zu feineren Flechtarbeiten eher geeignet sein würden, der Not in der Gemeinde Hamm abzühelfen.

Ministerialrat Braun berichtet über die .Ergebnisse einer gemeinsamen Konferenz, die im Februar ftattfand und in der alle diesbezüglichen Klagen erörtert wurden. Mll den Korb- flechtscchilen habe man sttiher keine günstigen Erfahrungen ge­macht. Die Hauptschuld des Niederganges sei, daß die großen Plätze Mannheim usw. ihren Bedarf jetzt mehr aus Baden und Bayern bezögen. Die Rccherung werde aber gern im Sinne der vom Herrn Staatsminister angedeuteten Vorschläge auf eine Besserung der Verhältnisse in der Korbflechterei beftrebt sein.

Nach kurzer weiterer Debatte wird ein Ausschußantrag an­genommen, im Hinbück aus die vorgeschlagenen Anregungen der Regierung den Antrag v. Heyl vorläufig für erledigt zu erftaren.

Nachdem das Haus dann noch eine Vorstellung des Wirtes Heinrich Heinz in Mainz wegen Wiederaufnahme der Strafsache Heinz-Pankrats für erledigt erklärt hat, vertagt sich die Kammer um 121/2 Uchr auf unbestimmte Zell.

Nolitischr Tagesschau.

Dr. Th. Barth,

der Führer der Freisumigen Vereinigung, hat jüngst auf dem Stuttgarter Verbandstag der süddeutschen Nationalfozialen einen Vorttag gehallen, der soeben im Buchoerlag derHilfe" in Berlin- Schönberg als Broschüre erschienen ist. Dr. Barth giebt in diesem Vortrag, der in Schwaben große Beachtung gefunden hat, ein scharfes BUd der gegenwärtigen polllischen Situation m Deutsch­land. Die brennenden Fragen unserer Palitll, die domrnirende

Stellung des Zentrums, die Junkerherrschaft in Preupen, die wirt­schaftspolitischen Fragen, die zurzeit im Vordergrund der Erörterung stehen, werden beleuchtet. Durch die Anfüguna der Diskussion, in der Redner der verschiedensten Parteien und Anschauungen ihren Standpunkt zur Geltung brachten, wird die Lebhaftigkeit des Gesamt­bildes und die leichte Lesbarkeit der Broschüre erhöht.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 11. Juni 1904.

** Alkohol. Mit dem Beginn der warmen Jahres- zell macht sich die Schreckensherrschaft des Alkoholteufels wieder in besonders hohem Grade bcmertbar. Zahlreiche in der letzten Zeit in unserer Provinz vorgekommene grobe Ausschreitungen legen Zeugnis davon ab. Immer dasselbe Bild. Bis spät in die Nacht hinein wird gezecht. Aus geringfügiger Ursache kommt es dann zum Streit, wird zum Messer gegriffen. Schwere, oft lebensgefährliche Verletzungen, Untersuchung, Verurteilung zu langen schweren Strafen. Wieviel Kummer, Not und Elend wird so Jähr aus, Jahr ein über zahlreiche Familien gebracht. Welch unermeßlicher wirtschaftlicher, welch moralischer Schaden! Möchten doch alle, denen das Wohl des Volkes am Herzen liegt, Helsen, gegen den Alkoholmißbrauch an­zukämpfen, sei es auch nur, daß sie selbst Mäßigkeit üben und dadurch andern ein gutes Beispiel geben. Der Kreis­verein Gießen gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hofft weite« Kreise für seine Sache zu interessieren durch Veranstaltung eines Vortrags, der Donnerstag, den 16. ds. al»ends 8V2 Uhr in der Aula der Universllät stattfinden soll. Herr Professor Dr. Sommer wird sprechen über die Störungen der Bewegung durch Alkohol und damit eine wissenschaftliche Erörterung über die Wirkungen darbieten, die der unheimliche Geselle im menschlichen Organismus hervorbringt, insbesondere in der Richtung der Beein­flussung psychischer Tätigkeit. Man darf hoffen, daß das interessante Thema und seine Behandlung durch den be­währten Forscher ein zahlreiches Publikum in der Uni- versitätsaula vereinigen wird. (S. auch, Anzeigeteil.)

(fr.) Ortenberg, 9. Juni. Bekanntlich wurde im vorigen Frühjahr ein neuer kräftiger Mineralsprudel in der Gemarkung Selters erbohrt, nachdem man schon früher in der benachbarten Gemarkung Wippenbach eine vorzügliche Soolquelle gefunden hatte. Von allen Seiten brachte man diesem wichtigen Ereignis lebhaftes Interesse entgegen. Auch die Großh. Oberbergbehörde besichtigte die Quellen und verlieh hierauf den Bohrunternehmem die GewerkschaftSelters-Hessen". Hatte es sich doch heraus­gestellt, daß die zutage geförderten Wasser fast gleiche Beschaffenheit mit den Bad-Nauheimer Quellen haben und somit dem Gedanken Raum geben, daß dadurch dieser von der Natur allein schpu bevorzugten, aber wenigen be­kannten, reizenden Partie des Vogelsberges eine aussichts- volle Zukunft beschreden fein könnte Die praktische Ver­wertung dieser Schätze der Natur ist nunmehr durch die Gewerkschaften in bestimmte Bahnen gelenkt worden. Ein Projekt über ein, den heutigen Anforderungen entsprechen­des Heilbad, verbunden mit Bereitung und Abgabe von Heil- und Tafelwasser liegt vor und auch das erforderliche Gelände ist bereits sowett gesichert. Me sehr man diesem Unternehmen allgemein geneigt ist, zeigt besonders der Umstand, daß schon ein größerer Teil von Anteilscheinen untergebracht ist, infolgedessen fast jetzt schon der Bau des Bades Aesichert erschMt. In einer in aller

nurze in tuu-ciuuurß juu.i|umauuxil k>*|u^u»ul«**3 iv« n* einem ausführlichen Vortrage das Projekt näher erläutert werden.

Kassel, 9. Juni. Wie man erfährt, ist der Neubau eines Königlichen Hoftheaters in Kassel nach dem bisherigen Projekt auf dem vom Kaiser hierzu bestimmten Gelände am Friedrichsplatz an stelle des jetzi­gen Auetores nunmehr definitiv beschlossen. Tie Aus­führung des Neubaues wird nur noch von der Bedingung abhängig gemacht, daß die Stadt Kassel einen Zuschuß von einer halben Million leistet.

Vermischtes.

* Braunschweig, 9. Juni, lieber die bereits kurz tele­graphisch gemelbetc Festnahme d e s M ö r d er S der elfjährigen Helene Bebenr oth auf dem Vorwerk Hagenhof bei Königs­lutter werden noch folg.nde Einzelheiten berichtet: Ter Verdacht, den grausigen Mord verübt zu haben, lenkte sich von vornherein auf den Futterknecht Tmvc, Vater von zwei Kindern. Um kein Mittel zur Ueberführung d.s Täters unversucht zu lassen, begaben sich derMagdeb. Ztg." zufolge am, Dienstag mehrere Herren vom Gericht, der Gerichtschemiker, sowie der Polizeiinspektor BusseniuS mit dem SchäferhundHarra s" nach Königs­lutter. In der elften Stunde versteckten sich die hiesigen Herren und außerdem Tuwe und noch ein anderer, auf den sich der Verdacht gelenkt hatte, zusammen acht Personen auf dem Grund­stücke der Witwe Bebenroth. Nun wurde Harras, der zuvor an den Tatort, an dem sich nock) Blutspuren usw. befanden, geführc worden war, auf die Suche geschickt. Er beschnüffelle erst einen Herrn der Staatsanwallschast, der sich in dem Raume, wo der Mord verübt worden war, ausgehallen hatte, wandte ,sich aber bald wieder von ihm ab und suchte weiter. Plötzlich sprang er mit kühnem Satze auf einen anderen, der lautAn!" schrie. Aus die Frage:Wer fdjreit hier?" denn in der Dunkelheit war niemand zu erkennen erfolgte die Antwort:Ich!" und auf die wettere Frage:Wer ist der Ich?" die prompte Ant­wort :Dnwe!" Nun wurde der gleick)e Versuch noch zweimal wiederholt, und zwar änderten die dabei Beteiligten jetzt ihre Verstecke. Ohne langes Suchen sprang beide Male Harras auf Tuwe los, riß ihm das Beinkleid entzwei und biß ihn in die Wadeund Fuß. Das Vor- kommnis machte begreiflicherweise auf die dabei Beteiligten einen tiefen Eindruck. Nur Duwe suchte nach wie vor den Schein seiner Unschuld zu wahren. Gestern morgen endlich hat er, von der Last der Beweise erdrückt, seine grausige Tateingestanden.

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Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, -wischen Arbellgebern und Arbeitnehmern (Ärbetient jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bis 8 Uhr geöffnet.

ES können eingestellt werden: 5160

1 jüngerer Schmied, 1 Installateur, 2 Wagner, 1 Sattler und Tapezier, 1 Möbelfchreiner, 4 Bau- und Möbelschreiner, 1 jüngerer Bäcker, 1 Friseur, 1 Schneider, 1 Flickerin, 2 Maler und Lackierer, 2 Weißbinder, 10 Dienstmädchen, 4 Lauffraueu, 2 jüngere Haus- burschen, mehrere Arbeiter.

Lehrlinge:

2 Bäcker, 1 Kaufmann.

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1 Gartenarbeiter, 1 Steinhauer, 1 Schlosser, 1 Heizer oder Maschinenschlosser, 1 Wasch- und Putzfrau, 1 Schneider, 1 Schreib- gehttfe.

Bekanntmachung.

Nachdem die bei den Versteigerungen festgesetzten Termine für die Abfuhr des Holzes bereits verstrichen sind, fordern wir Die­jenigen, welche mll der Holzabfuhr noch tm Rückstand sind, hier­mit auf, ihr ersteigertes Holz unfehlbar binnen 14 Tagen aus den Waldungen abzufahren, anderenfalls forstgerichtliche Anzeige erfolgen müßte. .

Gießen, den 10. Ium 1904. 5127

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. 33.: Eurfchmann.

Heugras-Verfteigerung.

Dienstag den 14. Juni d. I., nachmittags von 4 Uhr an, soll das Heu gras von den Gemeindewiesen der Gemeinde Alten-Buseck im Gemeindehaus dahier meistbietend versteigert werden.

Alten-Buseck, am 8. Juni 1904.

Großherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck.

Körber. 5119

Heugras-Versteigerrnrg.

Das diesjährige Heugras von 15 Morgen Freiherrlich von Nordeck zur Rabenauischen Wiesen und Gärten in der Gemarkung Alten-Buseck soll Donnerstag den 16. Juni, von vormittags 11 Uhr an, in der Wirtschaft des Herrn Otto Rabenau zu Alten-Buseck versteigert werden.

Großen-Buseck, den 10. Juni 1904.

Althaus. 5112

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Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 Mk. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 All. bis 500 Alk. ein- chließllch 0,50 Mk., und von mchr als 500 Alk. 1 00 Mk.; außer­dem ist für jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen.

Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelung un- entgeltlich. ______________________________________________________5159

Bekanntmachung.

Wegen vorzunehmender Reparaturen kann die Wage an der Margaretenhütte bis auf Weiteres nicht benutzt werden.

Gießen, den 11. Juni 1904. *

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum. 5158

Bekanntmachung.

Samstag deu 18. Juni, vormittags 11 Uhr, findet in den: Sitzungssaal im Bürgermeistereigebäudc die öffentliche Ber- pachtnug der städtische» Sandgrube au der Rödgcr Straße auf die Dauer von drei Jahren statt.

Gießen, den 10. Juni 1904. 5126

Großhcrzoaliche Bürgermeisterei Gießen.

____________I. V.: Eurfchmann. ______________

Verlosung.

Bei der heute unter polizeilicher Aufficht vorgenommenen Verlosung für Werke christlicher Liebe wurden nach­verzeichnete Losnummern mtt Gewinnen gezogen:

Nr. 45. 83. 95. 99. 103. 106. 116. 121. 128. 147.

162. 183. 199. 252. 279. 285. 337. 354. 374. 413.

431. 463. 485. 492. 503. 505. 509. 523. 530. 538.

555. 598. 722. 724. 744. 760. 776. 791. 830. 839.

863. 880. 887. 909. 922. 927. 942. 990. 1033. 1051. 1065. 1066. 1091. 1093. 1103. 1104. 1108. 1111. 1113. 1117. 1118. 1119. 1137. 1146. 1147. 1148.

Die Gewinngegenstände können Südanlagc 8 abgeholt werden. Die nicht abgeholten werden den Gewinnern nächster Tage in das Haus gebracht werden.

Gießen, 10. Juni 1904.

5138 Dr. Naumann, Pfarrer.

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