Ausgabe 
11.3.1904 Zweites Blatt
 
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bemüht, etwa für Darmstadt erwünschte Doubletten aus­zusuchen. Dr. Back habe es daraufhin fertiggebracht, daß die geologisch^ Sammlungen nicht in die Räume gelegt werden sollten, die eigens für sie errichtet wurden. Er habe darauf Dr. Back, mit dem er über 10 Jahre lang eng befreundet war, derselbe habe auch viel in seiner Fa­milie verkehrt und sei 5 Jahre hindurch fast täglich bei seinem Schwiegervater, Geh. Rat Prof. Curtius in Berlin mit Hilfsarbeiten beschäftigt gewesen einen Besuch ge­macht und ihn ersucht, nicht gegen ihn zu intriguiecen; Dr. Back möge ihm auch schreiben, daß er ihm persönlich nichts vorzuwerfen habe. Jedenfalls sei er immer der Ange­griffene gewesen, und es sei ihm gänzlich unbegreiflich, wes­halb Dr. Back in dieser Weise gegen ihn vorgehen konnte. In einer Unterredung mit Back am 9. Januar 1901 habe ihm Back dann gejagt, ihm fei von Stichel geschrieben wor­den, die 30 Holzstiele der Steinmesser seien nachgemacht und Stütze! habe das ihm (Lepsius) auch in München selber gesagt. Gegen diese Behauptung habe er sofort entschieden protestiert. Später habe er bann erfahren, daß Dr. Back schon am 4. Januar, also 5 Tage vor dec Unterredung, wegen der Stützelschen Mitteilung an das Ministerium be­richtet hatte. Bon dieser schweren Anklage beim Ministerium habe er ihm aber in der Besprechung am 9. Januar kein Wort gesagt. Der Angeklagte bemerkt schließlich, er sei seit 27Va Jahren im Amte und habe drei Jahre unter den schwierigsten Umständen als Rektor der Technischen Hoch­schule fungiert. Er habe in dieser langen Zeit hunderte von Berichten mit dem Ministerium gewechselt und wenn ihm jetzt vorgeworfen werde, daß er in den betr. Berichten an das Ministerium falsche Angaben gemacht hätte, so protestiere er entschieden gegen diese Anschuldigung. Der Assistent Dr. Wittich sei ein früherer Schüler von ihm und verdanke ihm alles; es sei ihm deshalb höchst verwunderlich, daß dieser Herr jetzt gegen chn intriguiere und ihm so seine Dankbarkeit bezeige.

Auf die Frage des Präsidenten über die Abschätzung oer Funde durch den Angeklagten bemerkt der letztere, er habe mit der Taxierung von 3000 Mk. nur die Pfahlbau­funde abgeschätzt. Dann komme das Pfahlbaudorf-Modell hinzu, für das er ebenfalls einen Wert von 3000 Mk. an­nahm und für die Samos-Fossilien weitere 6000 Mk. Dr. Wittich habe ihm bei einer Besprechung gesagt, daß er sich dem Schuldienst zuwenden wolle, und als er ihn einige Tage später fragte, ob er schon beim Oberschulrat Nod- nagel dieserhalb gewesen sei, habe er mitnein" geant­wortet und erklärt, er beabsichtige überhaupt aus dem Staatsdienste auszutreten. Am selben Tage habe er nun einen Bericht an das Ministerium zu richten gehabt über Dr. Wittich und dabei erwähnt:Uebrigens beabsichtige derselbe rc." Später habe Dr. Wittich dieser Bemerkung eine andere Deutung gegeben und sogar gedroht, wenn er aus seiner dienstlichen Stellung vertrieben werde, so würde er Enthüllungen machen rc.

Es folgt nun auf Antrag der Verteidigung die Vor­lesung weiterer Aktenstücke, so der Bericht des Dr. Back über den Unwert der Stützelschen Schenkung an das Mini­sterium, das Entlassungsgesuch der Museumsbeamten Prof. Dr. Back, Prof. v. Koch, Dr. Wittich, Müller, Lift und Haupt und ein Bericht des Ministeriums an den Groß­herzog darüber. Dies Gesuch wurde später bis zur Er­ledigung der Untersuchung gegen Dr. Lepsius wieder zurück­gezogen.

Zum Schluß der heutigen Verhandlung wurde noch ein längerer Briefwechsel über die Abforderung des Schlüssels zu den Museumsräumen, die Anlegung eines besonderen Vorlegeschlosses u. a. verlesen, was nach her Versicherung des Verteidigers Dr. Schmitt als treffende Illustration dazu dienen könne, daß man den Angeklagten ge­radezu als Dieb und Räuber behandelt habe.

Tie Sitzung wurde dann bis morgen früh 9 Uhr vertagt.

Kihunq der Stadtverordneten.

Gießen, den 10. März 1904.

Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Curschinann und Georgi, und alle Stadtoerordneten, außer Heyligenstaedt, Dr. Schäfer, Jughardt, Hanau, Petri, Pirr, Dr. Gaffky und Dr. Gutfleisch.

Nachdem Oberbgm. Mecum der Persammlung zunächst Mitteilung gemacht hatte von dem Maueceinstucz bet der Wieseckbrücke, der in der Nacht von Sonntag auf Montag infolge eines Wasserrohrbruches erfolgt ist, kam man zu Punkt 1 der Tagesordnung, das Baugesuch des Wilh. Am end für die Bahnhofstraße Nr. 66 betreffend. Es handelt ^sich dabei um zwei Fenster einer Halle, die auf städtisches Terrain nach dec Wieseck zu gehen, wozu die Ver­sammlung gegen eine jährliche Anerkennungsgebühc von 1 Mk. chre Zustimmung erteilt.

Ein Dispensgcsuch des Wilh. £öb er jun. für die Wallthorstraße war von der Baudeputation nicht befürwortet worden. Der Gesuchsteller hatte früher den Ab­bruch zweier kleiner Gebäude in dem räumlich beschränkten Hofe seines Anwesens in Aussicht gestellt, als das aber später nicht verwirklicht wurde, veranlaßte Oberbgm. Mecum einen Polizeibefehl, gegen welchen Löber Beschwerde beim Kreis­ausschuß einlegte. Er führte indes Terminaufschub herbei, um den Erfolg eines Dispensgesuches an die Stadtverordnetcn- Versarnrnlung abzuwarten. Stadtv. Schwall meinte, man möge den Antragsteller bei seinen beschränkten Raumverhält­nissen nicht so kurzer Hand abschlägig bescheiden und das Gesuch noch einmal an den Bauausschuß zur näheren Prüfung zurückgeben. Anch Stadtv. S ch a f f st a e d t war der Ansicht, wenn nicht absolut dringende Gründe dagegen sprächen, möge man sich entgegenkommend zeigen. Nachdem auch Stdlv. Huhn sich für die Zurückverweisung an den Ausschuß ausgesprochen hatte, führt Stadtv. Hau back) aus, es sei nicht notwendig, das Gesuch noch einmal zurückzuvcrweisen. Es habe zwar von vornherein die Absicht Vorgelegen, die Gebäuoe abzureißen, und den Ausschuß Habe dies b^rimmt, aus dieser Forderung zu bestehen; an sich fei aber das Eckhaus von allen Seiten zugänglich und man könne daher wohl einmal über die Bestimmungen hinausAehen und dem Gesuch stattgeben. Deig. Georgi und Stadtv. Heichelheim meinen dem­gegenüber, wenn ein Mitglied der Baudeputation sich so ausspreche, liege es nahe und sei es richtiger, den Antrag noch einmal zurückzuverweisen. Stadtv. Schaffstaedt will den Antrag endgillig erledigt haben, und Stadtv. Kirch meint, da man aus feuerpolize liehen Gründen keinen Anlaß habe, sich ablehnend zu verhalten, möge man heute gleich abstimmen. Nachdem schließlich Beig. Gc v c g i nach Einstchlnahme des auslwgendeu Planes crllärt halle, auch keine Bedenken mehr zu haben, iuurbe über das Tispeus- gesuch abgestimmt, was einstimmige Genehmigung ergab.

Ein Baugesuch deS Wilh. Seipp IIL für den großen Steinweg wurde genehmigt, hingegen ein Ge­such von Fritz Egly für den Brandplatz nicht be­fürwortet. Ein Baugesuch des Joh. Otto Schneider für die Ebel st raße wurde bedingungsweise genehmigt.

Der Fluchtlinienplan für Teufelslustgäctchen, ebenso der für die große Mühlgasse, der gegen den früher genehmigten nur um ein Geringes abweicht, wurde genehmigt.

Ein Antrag der Baudeputation, die Enteignung von Gelände zur Kepler st raße zu beschließen, deren Durch­führung mit Rücksicht auf die Kanalisation nötig geworden sei, und dem Besitzer des Geländes (1 322 Quadratmeter im ganzen), Karl Schultheiß, 1,12 Mk. für den Quadratmeter zu gewähren, wurde noch einmal zurückverwiesen, hauptsäch­lich darum, weil die Meinung durchgedrungen war, daß man für das Garlengelände etwas mehr anbieten und vielleicht in Güte sich mit dem Besitzer absinden könne.

Ein Geländeaustauschvertrag zwischen der Stadt und Heinr. CarlL am Neuenweg erhielt die nach­gesuchte formelle Genehmigung.

Mit dem Erwerb von Grundstücken durch die Eisenbahn­verwaltung, der nicht zum Schaden der Feldbereinigung ge­schehen darf, ist die Versammlung einverstanden.

Das Gesuch des geschäftsführenden Aus­schusses für den nationalen Gesangwettstreit des Maschinendauergesangvereins um Ueberlassung eines Fest­platzes, nämlich des alten Schweinemarktplatzes (auf Oswalds- garten soll eine Festhalle errichtet werden) wird genehmigt.

Die Beschaffung von Ersatzteilen für die Oefen der Stadtmädchenfchule wird der Firma Sturm in Würzburg, die auch die Oefen aufgestellt hat, als Mindest­fordernde übertragen. Es handelt sich bei dem Auftrag im ganzen um 225,50 Mk.

Die Vergebung einer Besenlieferung für die Straßenreinigung erfolgt an die Firma Ludwig Kohler- mann. j

Von Fuhrleistungen wurden die für Bauholz an den Fuhrunternehmer Noll vergeben, die für Tagesfuhren an Karl Euler IV.

Punkt 15 der Tagesordnung, Lieferungen für den S i e I b au betreffend, wurde zurückgestellt.

Daraus erfolgte die Genehmigung einiger Rech­nungen und die Vorlage der Rechnung und des Ver- waltungsberichtes für 1902/03, die mit Berichtigung einiger Punkte des Verwaltungsberichts, die bei der Korrektur durchgegangen sind, genehmigt wurden. Die Rechnung für 1902/03 wurde der Fmanzkoinmission unter dem Vorsitz des Stadtv. Schwall überwiesen. Bei der Gelegenheit wurde auf Mißstände in der Waldwirtschaft, auf zu großes Lichten einzelner Waldstellen hingewiesen, und in der land­wirtschaftlichen Kommission werden diese Mißstände Gegen­stand einer Beratung und Abhilfe werden.

Der Voranschlag der Armenkasse für 1904 wird ohne Debatte genehmigt, ebenso der des Gas- und Wasserwerks, wobei Stv. Krumm Bedenken äußert über die dabei beobachtete Finanzwictschast, die unsere Nach­kommenschaft zu Gunsten der Gegenwart zu sehr belaste. Beig. Georgi möchte diese Bedenken nicht allzu ernst auf- gefaßt wissen und verweist darauf, daß unsere Schuldentilgung schon gerade groß genug sei (2 Prozent) und daß es mit Berücksichtigung unserer Steuerverhältnisse z. Zt. nicht an­gebracht erscheine, in dieser Beziehung noch mehr zu tun.

Ter Voranschlag des S t a d ter w e it e r u ng8- fonds für 19 04 wird ebenfalls genehmigt.

Die Errichtung einer Gerätehalke für das Tiefbauamt auf dem Schweinemarktplatz und eines Arbeiterraums für die <B t a b t g ä rt n e r ei im Garten hinter dem Bürgermeistereigebände wird genehmigt und für beide Gebäude zufanimen 13 500 Alk. aufgewendet. Ausschlaggebend für diesen Beschluß war, daß der Fuhrpark und was dazu gehört, immer mehr anwachse. Die beiden Gebäude werden getrennt von einander errichtet, weil die Stadtgärtnerei das Gebiet ihrer Tätigkeit berücksichtigt haben möchte. Später wird zu diesen Gebäudeerrichtungen noch ein kleiner Nachtrag kommen, nämlich für die Unterbringung der Leichenwagen, die jetzt in der Sandstraße stehen.

Zum Ausbau des W e tzlarer w eg es an der Frankfurter st raße bis zur Hof mann st raße und der Verbindungsstraße zwischen Frankfurterstraße und Wetzlarer weg in der Richtung auf den Bahnüber­gang der Oberhessischen Eisenbahn erteilt die Versammlung ihre Zustimmung. Für beide Projekte sollen 6500 und 4500 Mark aufgewandt werden; später werden noch die Anliegec- beiträge kommen. Stv. Kirch fragt an, ivarum der Wetzlarer­weg nur zur Hälfte ausgebaut werden soll, worauf Ober­bgm. Mecum erwidert, es sei geplant, auch das andere Stück auszubauen, aber er könne die dafür notwendigen Gelder noch nicht in den Voranschlag nehmen. Er hoffe, daß man noch im Laufe des Sommers der Sache werde näher treten können. Stv. Schmoll drückt bei der Gelegenheit den Wunsch aus, man möge auf dem Wege bei dem Bahnübergang über die Obechessische Bahn die Errichtung eines Bedürfnishäuschens ins Auge faffen, das sich als notwendig erwiesen habe.

Für die Einfäumung und Bepflanzung des aufgefüllten Schweinern ar ktptplatz es wurden 530 Mark zur Verfügung gestellt.

Eine Deputation für das Elektrizitätswerk hat noch nicht beftanben. Diejenige für das Gas- und Wasser­werk soll nun auch auf das Elektrizitätswerk ausgedehnt werden, und das alte Statut von 1888 bedarf daher einer Umgestaltung. Tie früheren Betriebsvorschriften sollen in dem neuen Entwurf nickst mehr Aufnahnre finden, weil sie sonst bei jeder Aenderung, die man künftig vornehmen wolle, dem Ministerium vorgelegt werden müßten. CS empfehle sich, so führte Oberbgm. Mecum aus, diese Vor- schciften lieber in die Dienstanweisungen aufzunehmen. Stadtv. Em melius fragt an, ob der neue Entwurf der juristischen Kommission Vorgelegen habe, worauf Oberbgm. Mecum erwidert, daß das nicht nötig gewesen sei, da Beig. Eurschmann den Entwurf, in dem etwas Neues und Wichtiges nicht enthalten sei, bearbeitet habe. Nach kurzer Tebatte wurde der neue Entwurf des Statuts für die in ihrem TäligkeckSbezirk ausgsoeynte Kommission geneh­migt, mit einer anderen Fassung deS § 2 Absatz 3, welcher nun bestimmt, daß die darin erwähnten Beamten den Kom- missionssitzuilgen n.ckst beizuwohncn haben, sondern zu- ge^oaen werdenkönnen". Außerdem wurde 8 3 Abs. 4 aus Anregung und Antrag des Stadtv. Kirch erweitert,'

so daß auf die Festsetzung der Preise des Koks, des E» Zeugnisses des Gaswerks, die Stadtverordnetenversamm­lung auch der Kommission gegenüber einen Einfluß und ein Prüfungsrecht bekommt.

Für die Wasserversorgung der Gärten am Nahrungsberg wird eine Preisregetung genehmigt, wo­bei für bis zu 12 Kubikmeter ein Preis von 8 Mk. clls Mindestabgabe festgesetzt wird. Für jeden ftuoiftneter mehr werden bis zu 40 Kubikmeter 25 Psg. verlangt.

Die Erneuerung des Theatervertrags zwischen I. Noll und Direktor Steingötter für 1904/05 erteilt die Stadt ihre Genehmigung. (Statt 42.50 Mk. Pacht seither muß Direktor Steingötter künftig 45 Mk. zahlen.)

Ein Teilnehmer an der Pacht des Gemeinde- jagdbezirks 7 im Schiffenberger Wald, Prof. Erich Jung, ist ausgefchieden. An seine Stelle tritt mit Ge- nehmigung der Lüadtverordneten Fabrikant Schirmer.

Unser Ziegenzuchtverein hat anfangs von der Stadt 125 Mk. jährl. Zuschuß erhalten, der kürzlich auf 200 Mk. erhöht worden ist. Der Verein leidet aber unter sehr mi^ lichen Fmanzverhältnisicn, sodaß die Stadt entweder selbst die Bockhaltung besorgen oder eine erhebliche Erhöhung des jährl. Zuschusses eintreten lassen muß. Nun hat sich kürzlich ein Krersziegenzuchtvereiii gegründet, und der Vor- sitzende des Landwirtschaft. Vereins für die Provinz Ober- Hessen richtet ein Schreiben an die Stadtvertretung, worin die Absicht der Errichtung einer Ziegenzucht- ft a t i o n ausgesprochen und die Stadt ersucht wird, den Ban der Gebäude auf sich zu nehmen. Dies würde ein Kapital von 1012 000 Mk. beanspruchen. Die landw. Kommission ist grundsätzlich dagegen, daß die Stadt die Gebäude er­richtet, sie stellt aber den Antrag, dem Provinzialverein zur Tilgung der Zinsenschnld einen Zuschuß bis zum Höchst- betrag von 400 Mk. zu gewähren, wonach die seither be- willigten 200 Mk. Wegfällen mußten. Dieser Antrag wurde angenommen und verschiedentlich bekundet, daß man für solche Bestrebungen auch ferner Entgegenkommen zeigen werde.

Die Uebernahme der Unterhaltung eine» Erbbegräbnisses der Kupferschmied Karl Vogt Eheleute erfolgt gegen Zahlung von 600 Mk. auf die Stadt unter der Bedingung der erstmaligen Jnstanosetzung durch den Besitzer.

Dann erfolgt die Abstimmung über einige Wirt­schaft s g e s u ch e. Das Gesuch des Ludwig Abel für die Grünbecgerstraße 47 wird genehmigt, das der Elise Kleiß für die Bahnhofstraße 48 wird abgelehnt, ebenso das des Wilh. Schneider für die Walltorftraße 24.

Haushaltungsunterricht wurde seither nur an schulentwachsene Mädchen erteilt. Der Besuch des Unter* richts nimmt aber immer mehr ab, und es hat sich ein Bedürfnis hcrausgestellt, in der Volksschule selbst den Unter* richt einzusühren. Mit Zustimmung der Versammlung wird von Ostern ab in der obersten Mädchentlasse der Volksschule ein Haushaltungsmiterricht eingefuhrt, der in den Morgen­stunden, weil dies am zweckmäßigsten erscheint, erteilt wird. In anderen Städten hat sich diese Einrichtung gut be­währt. Um dafür Zeit zu gewinnen, kann der Turn- und Singunterricht etwas zurücktreten. Was den Kostenpunkt angeht, so müssen nach einer einmaligen Einrichtung, die 500 Mk. beansprucht, jährlich 1000 Mk. aufgewandt werden.

Nachdem damit alle Punkte der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt waren, trat die Verfammlung in die geheime Sitzung ein. Es wurde darin der zurück- gestellte Punkt der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung die Lieferung von Steinzeug für 1904/05 für den Sielbau betreffend, behandelt.

eMib Ulli) &Ulli).

Gießen, den 11. März 1904.

** Personalien. S. K. H. der Großheczog habe« dem Oberlehrer am Gymnasium Fridericianum zu Lau­bach Albrecht Kull mann den Charakter alsProfessor* erteilt; den Oberlehrer an der landwirtschaftlichen Schule zu Chemnitz Dr. Hermann Biedenkopf zum Oberlehrer ür Landwirtschaft an der Real- und Landwictschaftsschule zu Groß-Umstadt, und den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz Wilhelm Jakob zu Mainz mit Wick, ung vom Tage seines Dienstantritts an zum Vezickskassiec der Bezirkskasse Wöllstein ernannt. Der Bezickskassier der Bezickskasse Nieder-Jngelheim Nikolaus Werner zu Nieder- Ingelheim wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Bezirkskasse Groß-Umstadt versetzt. S. K. H. der Gcoß- herzog haben dem Forstwart der Gemeindefocstwactei Michel- tadt III Hermann Zillich zu Michelstadt aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als .Förster* verliehen.

** Studienkosten an der Landesuniverfi- tat. Vom nächsten Sommersemester an werden an der Landesuniversitat, wie schon seit mehreren Jahren an den ireußischen und badischen Universitäten, Auditociengelder und Jnftitutsgebühren erhoben werden. Ter Satz beträgt wie an den pceuß. Universitäten 5 Mk. Auditoriengeld und 5 Mk. Jnftitutsgebühren im Semester. Auditoriengeld wird von jedem Stuoierenden erhoben, Jnftitutsgebühc nur von denen, die eine vorwiegende Jnstitucsausbiidung erhalten, wie Mediziner, Vetreinäcrnediziner, Chemiker, Naturwifsen- chaftler, Landwirte und Forstleute. Das Eintrittsgeld für )ie Seminare fällt in Zukunft fort. Statt dessen wird von all denen, die infolge ihres Studiums Seminare zu benutzen haben, im Semester 1 Mk. Seminargebühr erhoben. Doch finoet eine Toppelbesteuerung durch Instituts- und Seminargebühr nicht statt. Tie Erhebung von Praktikanten­geldern ist hier nicht eingeführt worden.

** Silberne Hochzeit feiert Samstag den 12. Marz Schuhmachermeister Karl Käs und Frau Katharina, geb- Strlleubach.

)( Gr ünb e r g, 9. März. In der heutigen g e h e imen Gemeinderatssitzung wurde unter drei hiesigen Be­werbern Schuhmacher Emil Christ als Stadtdiener gewähU.

ZAus demVogelsberg,10. März. Die Folgen des russisch-japanischen Krieges machen sich bei uns in einem bemerkenswerten Steigen der Weizen- , reise bemerkbar. Der Weizen wird ,ehr gesucht und pro Doppelzentner mit 18 Mk. gegen 15.50 Mk. un Herbst uno Winter bezahlt.