Ausgabe 
11.3.1904 Drittes Blatt
 
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mir babun

Freitag 1 Uhr. Schluß G; Uhr.

gicrung ist aber bas Vertrauen ber einzelnen Regierungen zu einanber. Deshalb muß aber auch jeder Versuch, Zwietracht zwischen einzelnen Regierungen zu säen, energisch zurückgewieien werben. Und nun zum Schluß: ich bin ein fertiger Mann, bei mir kann von Entwickelung und von Ehrgeiz für die Zukunft keine Rebe sein. Was ich hier sage, das sage ich auS Pflichtgefühl. Beifall.) Ich erkenne niemandem bas Recht zu, .ch Granen zu machen, baß er sagt, die Achtung, bic Du Dir erworben hast, könnte vielleicht zn gründe gehen. Ich bin nicht abhängig von ber Gesinnung, welche die Presse mir gegen­über einnimmt, ich tue meine Pflicht, sonst nichts. (Beifall.)

Hierauf vertagt bas Haus die weitere Beratung auf

hat, ihn zum Soldaten auszubilden. (Heiterkeit.) Zu meiner großen Freude hat er gesagt, das wäre ein Offizier gewesen, der sich der Liebe seiner Untergebenen erfreute. Also, es ist festgestellt, auch von sozialdemokratischer Seite, daß es solche Offiziere gegeben hat, und es ist zweifellos, daß es auch heute noch solche gibt. Trotz- dem bin ich von meinem Standpunkt ans mit dem Leutnant durch­aus unzufrieden. Der Abgeordnete Meist hat gesagt, von der andern Ecke des Hofes da hörten wir die Ohrfeigen immer herüber­knallen, und mein Leutnant wandte sich dann dort hin und schüttelte mit dem Kopf. Ist daS das Pflichtgefühl eines preußischen Offi­ziers? Nein, wenn der Leutnant so gewesen wäre, so wäre es seine Pflicht gewesen, zu seinem Kameraden hinüber zu gehen, ihn aufmerksam zu machen und wenn das nicht aufhört, ihn zu melden. (Lachen bei den Soz.) Ich glaube, der Abg. Meist hat dem Leut­nant keinen guten Dienst erwiesen, wenn er ihn in dieser Weise hier hinstellt. Wir haben Herrn Meist als einen Mann von außer­ordentlich tiefem Pflicht- und Nechtsgefühl kennen gelernt. Aber das Gefühl kann er nicht zur Zeit seiner Dienstzeit gehabt haben, oder aber nur platonisch, denn er bat uns erzählt, wenn ihm das passiert wäre, wenn ihn der Sergeant ungefaßt hätte, ja dann! Aber den armen Bauernjungen Wilhelm, den läßt er ruhig miß­handeln durch den Unteroffizier; um den kümmert er sich nicht. Wie stimmt denn das mit dem Grundquell aller Liebe, der aus jedem sozialdemokratischen Herzen zu seinem Nächsten fließt, über­ein? (Sehr gutl rechts.> Er hatte sogar die Shmpathre diese? Sergeanten. Ja, Herr Abgeordneter, warum sind Sie denn nicht mal hingegangen und haben dem Sergeanten gesagt: Was sind Sie für ein Unmensch! (Ruf bei den Soz.: Das wäre ihm schön be­kommen!) Wenn er diese große Energie und diese tiefe Liebe gehabt hätte, dann hätte er den Sergeanten melden und diese Sitte zur Anzeige bringen müssen. Der Füsilier oder Musketier Wilhelm wird von Herrn Meist nicht singen: Ich hatf einen Kameraden, einen bessern find'st Du nit. (Heiterkeit.) Und ich bin überzeugt, er selbst hat sich um seine Sache keinen guten Dienfl geleistet. (Beifall.)

Abg. von Staudy skons.) erinnert daran, baß seine Freunde stets die Mißhandlungen gemißbilligt hätten. Aus einzelne Fälle können wir hier nicht eingehen, denn bas, was die Sozialdemokraten uns vorführen, ist doch ein falsches Bild. Bei einer Armee von 500 000 Soldaten kann man vollständig die Mißhandlungen nie entfernen. Sehr oft werden von den Soldaten selbst die ungla. liebsten Roheiten verübt, so z. B. hat mir ein Rittmeister erzählt, daß ein Soldat einem Pferde die Zunge ausgerissen hat. Kann man es da einem Unteroffizier verdenken, wenn er die Selbsl- beherrschung verliert? Der Resolution der Kommission werden wir zustimmen, die anderen beiden ablehnen, lieber die Reden des Abg. Müller-Meiningen habe ich mich gewundert. Er gab für alle Mißstände in der Armee nur Preußen die Schuld. Bisher war so etwas hier nicht üblich. Der Reichskanzler bat den Abg. Müller einen geistreichen Mann genannt, ich will diesen.Satz nick;.' wiederholen. Aber ich meine, der Abg. Müller hätte sich lieber, anstatt hier lauter kleine, unbedeutende Dinge vorzubringen, mit uns vereinigen sollen, um große, wichtige Fragen zu erledigen. Dem Abg. Lehmann gebe ich vollkommen recht, ihre Absicht ist nur, neue Agitation zu treiben, von idealen Zwecken, von Menschenliebe, weiß ick nichts. Eine größere Tyrannei, eine größere Roheit giebr es nicht, als gerade bei den Sozialdemokraten. Ist doch nachge­wiesen, daß man Arbeitswilligen, die ihre Familie nicht verhungern lassen wollten, ins Gesicht gespuckt hat. Eine größere Gefühls­roheit gibt es nicht, was ist dagegen das Donnerwetter des Unter­offiziers auf dem .Kasernenhofe! Ich hoffe, daß die Mi'iiärver- waltnng sich durch .die Reden der Sozialdemokraten nicht beein­flussen läßt, sie muß in unausgesetztem Kampfe mit ihnen stehen.

Abg. Payer (Siidd. Vp.): Ich muß Stellung nehmen zu der Meinungsverschiedenheit zwischen dem Abg. Dr. Müller und dem General von Endres. Ich habe meinen Ohren nicht getraut bei der Rede des Generals, sowohl über seinen Ton, als über den Inhalt der Rede. Ich kann mir die Sache überhaupt nur so erklären, daß er nicht anwesend war und Dr. Müller nicht gehört hat. Er ist das Opfer eines Mißverständnisses gewesen. Dr. Müller sagte nur, daß die bairischen Offiziere eine längere humanistische Bildung genossen hätten. Dies hat der General mit der allgemeinen Bildung und der Herzensbildung verwechselt. Es hat sich also nur um eine technische Meinungsverschiedenheit gehandelt, und die darf man doch nicht mit solchen Mitteln bekämpfen, wie es der General tat. Er bat alle Register aufgezogen, und noch dazu jeden Satz mit einer hämischen persönlichen' Anzapfung begleitet. Er hat eine ganz falsche Strategie angewandt.

Tone weiterginge, wie wir e5 bisher gewohnt waren (Sehr gut! links.'

Präsident Graf Ballestrem: Heber den Ton in den Debatten bin ich Richter. Ich habe in den Ausführungen des Herrn Militär- bevollmächtigten nichts gefunden, tva-5 diesen Ton verletzen könnte. <Ruse links: Wir sind anderer Meinung.,

Abg. Payer fortfahrend): Der Herr Militärbevollmächtigte hat mit seinen Ausführungen nicht ganz korrekt gehandelt und es werden Zeiten kommen, wo man diesen Teil des Hauses (nach rechts weisend) daran erinnern wird, daß er den heutigen Ausführungen des Generalmajors Endres Beifall gezollt hat. Wir sollten' doch mehr Solidaritätsgefühl haben und bei Auseinander­setzungen zwischen Mitgliedern des Hauses und des Bundesrats mehr die eigene Partei nehmen, weil keiner von uns weiß, ob morgen nicht ebendas ihm selber passiert, waS heute einem andern passiert (sehr gut! links). Ich nehme an, daß hier ein Mißverständnis bei dein Militär-bevollmächtigten vorgelegen bat. und wenn sich das heraus- stellt, dann keine Feindschaft, wenn aber nicht, dann werden wir gezlvungen sein, auch eine etwas schärfere Tonart gegenüber den Bundesratsbevollmächtigten anzuschlagen, und wenn das nicht zum Nutzen des Landes ausschlägt, dann werden die Herren vom Bundesrat die Berantlvortung tragen müssen. «Sehr wahr! links.)

Die Soldatenmißhandlungen lassen sich sicher weit einschränken, wenn man nur den guten Willen hat. Ein Vorgesetzter, der nichts sieht, ivill nichts sehen. Das wird aber anders

werden, Idciui die Offiziere wissen, daß es bei Mißhand­lungen sich nm die Existenz handelt. Das Beschwerderecht

ist jetzt so mit Fußangeln umgeben, daß nur selten davon Gebrauch geinacht wird. Ja, die Leute werden oft bis an die Grenze des Meineids getrieben, weil die Furcht zu groß ist, die Wahrheit zn sagen. Das sind keine gesunden Zustände. In technischer Beziehung hat innere Armee Fortschritte gemacht, in anderer Beziehung ' nicht. Die Kluft zwischen Soldaten und Unteroffizieren sollte nicht io groß sein; aber sie ist eine Folge des Kastengeistes, der in den Kadettenanstalten großgezogen wird. Man sollte eine weit sorgfältigere Auswahl der Mannschaften treffen, Leute, die das nicht leisten können, was , sie leisten sollen. müßten entlassen werden. Aber der Kriegsminister selbst hat ja als Oberst einen Schwachsinnigen mehrere mehrere Monate lang im Dienst gehabt, ohne daß er wußte, daß er schwachsinnig ivari Das muß doch au dem System liegen. An dem Willen der Heeresverwaltung, Abhilfe gegen die Mißhand- lungeu zn schaffen, zweifle ich nicht, aber trotzdem fürchte ich, daß die Debatte rejultatlos verläuft, denn die Ursachen liegen in dem militärischen System, in dem militärischen Geist und in den Traditionen der Heeresleiter. (Sehr richtig I links.)

Von der rechten Seite und auch von feiten der Regierung ist bei der Bekämpfung der Sozialdemokratie fortwährend mit dem Gedanken an Galgeii, Barrikaden und Revolution kokettiert. An iolche Dinge sollte man doch lieber nicht rühren. Die Verwaltung hat die Pflicht, endlich Wandel zu schaffen (Beifall links.)

Bayerischer Kriegsminister v. Endres: Der Vorredner hat bei der Meinungsverschiedenheit zwischen dem'Abg. Müller-Meiningen und mir mit großem Geschick es so dargestellt, als ob es sich nur um einen Streit um technische Fragen handle. Dr. Müller hat aber ausdrücklich gesagt, das bayerische Offizierkorps wäre gebildeter als das preußsche.

Die Bildung ist aber nicht abhängig von einer technischen Frage, sondern von der Herzensbildung, wie ich es vorhin aus­führte. Wenn der Aftg. Müller-Meiningen erklärt, er habe nur die technische Bildung gemeint, dann fällt meine ganze Argumen­tation fort. (Zuruf des Abg. Dr Mugdan!) Herr Miigdan, seien Sie zuftieden, daß mau aufrichtig ist.

Herr Payer hat mir gegenüber keine Milde gelten lassen wollen, er meinte, es wäre unerhört, wie ich gesprochen hätte. Er hätte sich aber auf den Standpunkt meiner Regierung stellen müssen. Das Lebenselement einer föderativen Re-

Gehorsam herrscht tatsächlich in ber Armee. Deshalb muß das Beschwerderecht der Soldaten ganz anders gestaltet werden. (Zu­ruf rechts: Hetzen!) Ja, wir werden solange weiter hetzen, bis der letzte Soldatenschinder aus der Armee heraus ist. Tas sind wir unseren drei Millionen Wählern schuldig. Wir haben die­selben Rechte wie Sie. wenn Sie auch schon das Schwert gegen uns schärfen, und sogar schon von blauen Bohnen sprechen. (Beifall bei den Soz.)

Abg. Lehmann snat.-lib.): Die Sozialdemokraten haben sich redlich gequält, es so darzustellen, als ob in unserer Armee alles versumpft und verrottet wäre. Sie wollen aber damit nicht bessern, sondern nur neue Agitation treiben. Die Mißhandlungen miß­billigen auch wir und werden allen Maßnahmen zustimmen, die ge­eignet sind, sie einzuschränken. Ganz abschaffen wird man sie in­dessen nie können, so lange die Armee aus Menschen besteht. Die Resolution der Sozialdemokraten, die jeden, der eine Mißhandlung begeht, aus der Armee entfernen will, geht viel zu weit. Ich ver­stehe es nicht, wie ausgerechnet gerade die Sozialdemokraten sich 10 über die Mißhandlungen beschweren. Wie treiben sie es denn bei den Streiks, bei den Wahlen! Wie gehen sie gegen Arbeitswillige vor! Der Terrorismus und die unglaublichen Roheiten der Sozial­demokraten gehen so weit, daß Sie (zu den Soz.) sogar nach dem Parlamentsbericht derNational-Zeitung" hier im Reichstag die Worte: Lümmel und Großschnauze einem Redner zuriefen. Wenn Sie aber schon hier im Hause solche Worte brauchen, wie mag die? denn außerhalb des Hauses sein! Ich habe hier die Schimpfliste des Dresdener Parteitags. (Redner weist einen ellenlangen Zettel vor, Heiterkeit.) Ta wimmelt es von Ausdrücken wie: Lügner, Hehler. Unwahrheit, Unehrlichkeit, Dovpelzüngigkeit, Schuft. (Heiterkeit.) Ich will darauf nicht näher eingehen. Wer es kennt, der weiß es. und wer es nicht kennt, der glaubt es doch nicht. Ich lese seit 13 Jahren die sozialdemokratische Presse, und ich kann daher beurteilen, wie unheilvoll der Einfluß dieser Preffe auf junge Leute ist. Da heißt cs u. a.:Nur wahnsinnige Angst macht die Rekruten zu willenlosen Werkzeugen, zu menschlichen Maschinen." Ich möchte einmal die Aufmerksamkeit der Behörden auf diese Verrohung der Presse lenken. Wir haben alle die zweijährige Dienstzeit gebilligt, ich muß aber doch hervor heben, daß das erzieherische Moment, da? die dreiiährige Dienstzeft hatte, fortgefallen ist. Die Leute nahmen sich früher zusammen, um mit 2 Jahren schon entlassen zu werden. Ich verwahre mich aber dagegen, daß ich irgend etwas gegen die zweijährige Dienstzeit sagen will. (Ruf b. b. Soz.: Dos haben Sie aber getan!) Die Hetze gegen unsere Armee stammt daher, weil der Offiziersstand eine- der wenigen Stände ist, die noch nicht von der sozialdemokrattschen Seuche verseucht sind. Ms ich neulich das Ge­sicht des Herrn Bebel und das des .Kriegsministers sah, da dachte ich unwillkürlich an den schlauen Fuchs und die fauren Trauben. ^Stürmische, langanhaltende Heiterkeit.) Das Bestteben der Sozial­demokratie geht offen dahin, jede Autorität zu untergraben. Meine Freunde werden einmütig gegen die sozialdemokratische Resolution stimmen. In der Hetze der Sozialdemokratie gegen den Unter off izier- ftand liegt System, wie ich überhaupt den Herren das Kompliment nicht versagen kann, daß in allen ihren Handlungen das System liegt, den gegenwärtigen Staat herabzusetzen. Auch der Reichs­kanzler legt in mancher Beziehung eine zu große Sorglosigkeit gegen die Sozialdemokraten an den Tag. (Sehr richtig! rechts.) In der sozialdemokrattschen Preffe wird ganz offen mit der Möglichkeit einer Revolution in garnirfit zu weiter Ferne gerechnet. Wenn der Abg. Gradnauer hier versichert, daß seine Partei garrridit an die Mög­lichkeit einer Revolution denke, daß daran nur der Minister in seinen schlaflosen Nächten denke, dann wünsche ich jedem deutschen Minister wöchentlich mindestens eine schlaflose Nacht, dem Reichs­kanzler aber zwei. Noch blickt jedermann die Sozialdemokratie nehme ich natürlich aus mit Stolz auf unsere Armee. Volk und Armee müssen sich nicht nur vertrauen, sondern auch achten, und dazu ist endlich nötig, daß die Regierung den Kampf gegen die revo­lutionären Bestrebungen der Sozialdemokratie (Rufe bei den Sozial­demokraten: Hu, hu!) nicht nur aufnimmt, sondern auch siegreich durchführt. (Lebhafter Beifall rechts.) .

Preußischer Kriegsminister v. Einem: Ich habe bet der ersten Lesung des Etats mich eingehend über die Mißhandlungen ausge­sprochen und meinen Standpunkt bargelegt. Ich verzichte, darauf heute zurückzukommen. Ich will mich auch nicht mit der Resolutton der Sozialdemokraten beschäftigen, nachdem die Abgg. Gröber und der Vorredner soeben gesagt haben, daß sie dieselbe ablehnen werden. Nur einige kurze Bemerkungen über die Rede des Herrn Meist.

Der Abg. Meist hat uns eine längere Vorlesung gehalten über Bestimmungen, die vor 26 Jahren bestanden haben, wozu, habe ich eigentlich nicht recht verstanden, da er ja selbst nachher zugab, es sei alles geändert. (Heiterkeit.) Namentlich in ber Beschwerde- orbnung ist gerabe bas geändert, was er vorschlägt, nämlich, daß der Soldat, ber sich beschweren will, nicht zu seinem Unteroffizier imb Feldwebel, sondern zu seinem Hauptmann hingeht, der dann bic verdammte Pflicht und Schuldigkeit bat, jeber derartigen Be­schwerde Folge zu geben bis in die letzten Konsequenzen. Der Aba. Meist hat uns bann einer Leutnant vorgeführt, ber das 'Glück gehabt

Gerade in den letzten Tagen hat in der Presse und im Hause eine Bewegung begonnen, bic gerade die Eigenschaft dem bayerischen Militärbevollmächttgten zuspricht, die er dreimal heute dem Abg. Müller-Meiningen abgesprochen hat. Es ist mir zweifelhaft, ob er sich durch diese Tatsache nicht in ein Lickst gesetzt bat, die diese schöne Entwickelung stört. (Sehr gut! links). Wenn zwischen dem Bundesrat und diesem hohen Hause Meinungsverschiedenheiten üer- vortreten, dann würde ich wünschen, daß die Debatte doch in dem I

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R. B. Darmstadt, 10. März.

Am Regierungstisch: Staatsminister Dr. Rothe, Fi- ttanzminister Tr. Gnauth und mehrere andere Regier­ungsvertreter.

Tie um N/4 Uhr eröffnete Sitzung brachte zuerst die gestern abgebrochene Debatte über die Schädigung des Publikums durch die hohen Sch w e i n e f l e is chp re i s e (Antrag Schmalbach und Gen.) zum Abschluß.

Zunächst erklärte Abg. Korcll, von der Regierungs­antwort könnten weder die Produzenten noit Schweine­fleisch, noch die Konsumenten sich befriedigt fühlen. Neben den hohen Verdiensten der Metzger und der vielfach ge­bildeten Händlerringe trügen auch die hohen Gebühren für Schlachtvieh in den Schlachthäusern mit an den hohen Preisen Schuld.

Obermedizinalrat Tr. Lorenz bemerkt, die Regierung habe ein gesetzliches Mittel für die Abstellung der hohen Fleischstreise nicht. Tie Regierung werde aber sich be­mühen, den Wünschen der verschiedenen Herren durch eine wirksame Veröffentlichung der Detailpreise und der Schlacht­viehpreise entgegenzukommen.

Abg. Wolf führt aus, es sei eine große Inkonsequenz seitens der Sozialdemokraten, daß sie nicht schon viel früher, als auch so sehr über die Fleischverteucrung geschrieen wurde, eine Interpellation darüber einbrachten. Tie heutige Debatte werde jedenfalls ausklärend und viel­leicht auch bessernd wirken.

Abg. Dr. David empfiehlt noch einmal den genossen­schaftlichen Zusammenschluß der Viehzüchter.

Abg. Weidner hätte gewünscht, daß die Regierung wärmer für die Sache eingetreten iväre, wogegen

Staatsminister Dr. Rothe versichert, die Regierung tvidme der Frage fortgesetzt ihre volle Aufmerksamkeit.

Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Molthan, Tr. T a vid, Sens selber, Hirschel u. a. ist die In­terpellation erledigt.

Tie Anfrage des Abg. Hauck über die Bürgermeister- wcufl in Klein-Umstadt beantwortet Staatsminister Tr. Rothe durch Darlegung der Gründe der Verzögerung, die vornehmlich in den vielen Beschwerden uno sonfügen Schwierigkeiten bei der Wahi des Bürgermeisters Heil ihren Ursprung hatten.

Zu der Anfrage des Abg. Cramer über die,Maß- regetung von Arbectern in der preußisa^hessffchen Wagen- Reparatur-Wertstütte zu Darmstadt ectlärr Fuia^mivi^er Tr. Gnauth, daß von einerMaßregelung

entlcrsseu wurden, so weroe das wegen deren Zugehörigkeit und agitatorischen Tätigkeit im Hamburger Eisenbahner- Verband erfolgt sein und für diese Maßregeln sei allein der preußische Eisenbahnminister verantwortlich. Irgend­welche Freiheitsberaubungen, wie sie behauptet wurden, hätten nicht stattgefunden.

Abg. Cramer bespricht das angeblich rigorose Vor­gehen verschiedener Werkstätte-Beamten, die nicht den rich­tigen Ton und Tart sür ihre Untergebenen an den Tag legten, und bleibt im übrigen bei seinen früheren Be­hauptungen.

Zu der Anfrage des Tr. David in Betreff der Schiff­fahrtsabgaben bemerkt Staatsminister Tr. Rothe, daß die Besorgnis um die Crhevung von Schissahrtsabgaben aus den Flüssen unbegründet sei.

Die Anfrage des Abg. Weidner über die hohen Kosten für tierärztliche Ueberwachung der Vieh Märkte wird bis zur Trucklegung der Regicrungsantwort von der Be­ratung zurückgestellt. Dem Ausschuß überwiesen wird der Antrag Reinhart in Betreff der Einführung von Ver­kehrsabgaben auf schiffbaren Flüssen und der Antrag ge­ling er, v. Brentano und Gen. inbetresf des kath. Pfarrhauses in Lampertheim. Tie Regierungsvorlage über den Automobilverkehr wird genehmigt, die Vorstellung einer Anzahl pensionierter Beamten um Pensionsausbesserung, sowie die Vorstellung der Witwe Weimar in Guntersblum werden abgelehnt, letztere jedoch mit dem Ersuchen an die Regierung, der Petentin eine angemessene Unterstützung zu gewähren.

' Tamit ist die Tagesordnung erledigt und die Sitzung wird um 11 Uhr 55 Min. geschlossen.

Nächste Sitzung morgen srüh 'J Uhr. Auf der £age§* ordnung steht "die Beratung des Hostheater-Umbaues.

T^riumentulijches.

Berlin, 10. Acärz. Tie Bud getk0 mmissi0n des Reichstages setzte die Beratung des Marineetats bei Titel: SchießübunaSuntoften >ori und strich 50000 Mk. mit Rücksicht aus den Rückgang ber Puloerpre'ise ab. Tie Kommission bewilligte die Titet 10 bis 23 des Marineetats beit, das Torpedowchen und Mirwnwesen. Im Lause der Tebatte äußerte StaatSjetretär von Tirprtz aus ver­schiedene Attjragen: ^ie Behauptung, daß die Bedeutung der großen Linien schisse über,chätzt werde, daß hin­gegen besonderer Wert aus tue Torpedoboote zu fegen sei, wie die Erfolge der Letzteren cm gegenwärtigen ,\L r i e 11 Rußland und Japan bei. "esen

: oben, 1 i oer Schlackst

fiotte in den Licc, n , |tvn. xct jeuge Kr.eg bestätigt, daß das homogene L i n i en s ch i f s s g e s chw a d e r bu Vorbedingung zur Ausrechterhaltu ng der Seeherrschast ist. Tie Erfolge der japanischen Tor­pedoboote würden nur dadurck) möglich, daß die russische Flotte nicht im stände war, die japanische Flotte zu schlagen. Für Torpedoboote bleiben zwar immer Chancen, aber ihre Bedeutung ist gegen früher zurückgegangen, daher sind sie auch nicht ins Flottengesetz als Schifsstyp ausge­nommen. Tie Kommission nimmt sodann Kapitel (Kassen- und Rechnungswesen- an. Tie Forderung für sun, neue Stabzahlmeister) eilen, deren Streichung der Referent beantragt hatte, wird genehmigt, ferner Kapitel 63 Msten- und Vermessungswesen) und 64 (verschiedene Ausgaben) und überwies 64 a .Zeniralverwaltuug für Kiautschou) an den Referenten sür Rcantschou. Danach werden von den euc- maligen Ausgaben (Schisssbauten und Armierungen) die ersten 9 Titel debattelos genehmigt. Bei Titel 10 beantrag der Referent dessen Gesamtsumme von 2 720000 Mark aus zwei Jahre zu Verteilern____________ ___

Kerichtsjaal.

Gießen, 10. März. Rechtsanwalt Dr. Spohr schreibt un . henke: Auch Ihr Bericht über das Urteil in Zachent Trabert entspricht nicht den Tatjachen. Ter ^"gEllagte I m lediglich wegen formaler Beleidigung, wie es in ^Zhrem . Nr. btt heißt, verurteilt worden, vielmehr wegen Beleidigung Sinne bet §§185, 186 und Stt.-G.-B, d. h. at|» einjacher foimelier Beleidigung als auch wegen Wg- * öevllln übler Nachrede". Auch im Schlußpassus ist ber Bericht irreführend und die dort m Aniüyrungszelchen angesuy en(. sind weder wörtlich richtig, noch auch nur dem Sinn sprechend.

Derinnehte».

Erdbeben. Während der vorvergangenen Nacht ivurden in Trieft und Bozen Erd,töße verspürt, ferner in Pola, Gradiska, Laibach, Klagenfurt, Spittal und Meran un in der Gegend von Aquila. in den Abruzzen. Die Beoöl er- ung ist in Aufregung. fi

Wien. 10. März. DieN. Fr. Pr/ berichtet a«. Meran, die Wiriin Emma Hellensleiner aus Niedern­dorf im Pusterlal, mit dem BeinamenFrau Emma", lct' 86 Jahre alt, dort verstorben. Morgen erfolgt die Beisetzung in 9ttederndorf. __

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