Ausgabe 
11.2.1904 Zweites Blatt
 
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von hier weg, und auf dem Rückwege, gerade vor seinem Heimatsdorfe, ereilte ihn der Tod.

W Nieder-Gemünden, 10. Febr. Ein Postgehilfe bei dem hiesigen Postamte beging eine Unterschlagung. Er hatte einen eingeschriebenen Wertbrief geöffnet, daraus einen Hundertmarkschein genommen und das Kuvert wieder mit Briefmarken-Abschnitten zuqeklebt. Bald merkte man den Fehlbetraa und entdeckte den Täter; er wurde ver­haftet.

O Hattenrod, 10. Febr. Ein neues Bahn- Projekt ist dieser Tage dufgetaucht, welches von Gießen auS in genau östlicher Richtung den Kreis Gießen durchschneiden soll. Die zu berührenden Orte sind: Annerod, Steinbach, Albach, Burkhardsfelden, Hattenrod, Ettingshausen, Münster, Hessenbrückerhammer, Wetterfeld und Laubach. 91 n sämtliche Bürgermeistereien der genannten Orte ist von Gießen aus ein bezögt. Schreiben ergangen. Tie Bahn würde ausgedehnte Waldungen, bedeutende Eisenstein- und Basaltlager dem Verkehr erschließen und eine direkte Ver­bindung der Orte mit der Provinzial-Hauptstadt und dem Eisenbahnknotenpunkt Gießen Herstellen.

t. Hattenrod, 10. Febr. Heute wurde hier die Jagd oer hiesigen Gemarkung auf sechs Jahre verpachtet. Meist­bietender blieb Herr Jean van Gries aus Frankfurt a. M. mit einem Gebot von 1020 Mk. pro Jahr.

)( R e i che l s h e i m i. d. W., 10. Febr. Am 8. Februar /and hier eine Versammlung des hiesigen K'.rchenvorstan- des und der Gemeindevertretung statt, zu welcher außer Kreisrat Feh und Daurat Schnitzel aus Friedberg, als Ver­treter des Oberkonsistoriums Obcrkonsistorialrat Merch aus Darmstadt erschienen war. Gegenstand der Beratung war die schon seit geraumer Zeit schwebende Frage des ev. Pfarrhausneubaues. Bereits vor einigen Wochen war vom Kirchenvorstand der Beschluß gefaßt worden, einen Pfarrhausneubau dann zu errichten, wenn die unumgäng­lich notwendige Bedingung erfüllt werden würde, daß das als reparaturbedürftig bezeichnete Pfarrhaus bei einer vorzunehmenden Versteigerung den Preis von 8000 Mark erzielte, welche Summe alsdann in Verbindung mit dem durch Veräußerung von Pfarrgelände erzielten Ertrag zur Bestreitung der Kvsten des Neubaues dienen sollte. Gele­gentlich der Ende Januar stattgchabten Versteigerung der Pfarrhofraithe wurde jedoco nur der Preis von 6000 Mk. erreicht, infolgedessen der Zuschlag nicht erteilt und der zweite ursprünglich zur Versteigerung anberaumte Termin fiel aus, mit Rückficht darauf, daß der hiesige Pfarrer sein Gesuch zurückgezogen hatte, welches darin gipfelte, den Neubau in unmittelbarer Nähe des etwa fünf Minuten von der Kirche entfernt liegenden Bahnhofs erstehen zu lassen. Tie Abstimmung des Ktrck'envorstandes ergab, daß vier Stimmen gegen, eine Stimme f ü r den Neubau eintraten, diese eine Stimme mit der Maßgabe, daß der ev. Neubau an der Stelle errichtet werden sollte, an welcher das Pfarrhaus eben steht. Ter aus der Versammlung. her Gemeindevertreter gemachte Vorschlag, auch diese abstim- men zu lassen, wurde abgelehnt und die Angelegenheit an ejne sofort eingesetzte fünfgliedrige Kommission ver­wiesen, deren Aufgabe es sein wird, zu entscheiden, ob nun doch! ein Neubau errichtet werden soll, oder nicht.

0 Vil b el, 10. F-ebr. Nack)dem der Bau der Teilstrecke StockheimHöch st a. d. Nidder seit Herbst im Bau ist, wird noch in diesem Monat die Teilstrecke Höchst Vilbel vergeben und im Frühjahr in Angriff genommen. Ta auf der ersten Strecke die Arbeiten schon weit gediehen und auf der letzten keine großen Geländeschwierigkeiten zu überwinden sind, wird die Gesamtstrecke Vilbel-Stock­heim schon 1905 eröffnet werden können. Tie Strecke führt von hier über Gronau, Nieder- und Ober-Torfelden, Kil- lianstetten, Büdesheim, Heldenbergen - Wind ecken, Eichen, Altenstadt, Lindheim, Glauberg nach Stockheim. Tie Bahn folgt dem Niddertal und ist ca. 23 Kilometer lang.

Offenbach 10. Febr. Vermißt wird, nach der Offb. Ztg.", seit Samstag mittag die in den dreißiger Jahren stehende Gattin eines hiesigen Prokuristen. Alle Nachforschungen stttd bisher erfolglos geblieben.

Mainz, 9. Febr. Vor dem Gautor wurde gestern nachmittag bei seinem üblichen Spaziergang der hiesige D o m - kapellmeister Weber von dem Maurer Klein aus Hechts­heim, der chm mit zwei anderen Maurern begegnete, ohne jede Veranlassung angegriffen und ihm der Hut ein­getrieben. Vorübergehende schritten sofort gegen den rohen Menschen ein, obgleich der Geistliche Fürbitte für ihn einlegte. Zur Bändigung des Maurers mußte die Gautorwache requi­riert werden, und sechs Soldaten waren nötig, um ihn au die Wache zu bringen, (M. Tgbl.)

r. Mainz, 10. Febr. Aus Anlaß der in Darmstad oorgekommenen Vergiftungen durch Büchsenbohnen sand heute nachmittag hier eine Versammlung süddeutscher Konservenfabriken statt. Sie war hauptsächlich durch eine Publikation einer Braunschweiger Konservenfabrik veran­laßt, in welcher von einem Unterschied in der Herstellung der Büchsenkonserven in Norddeutschland und Süddeutschland gesprochen war. Diese Darstellung wurde als falsch bezeich­net und insbesondere betont, daß die Konservenfabrikation in ganz Deutschland, soweit sie in Händen von Fabriken sei, mit größter Vorsicht und Gewissenhaftigkeit betrieben werde, und daß mit deren Produkten Vorkommnisse wie in Darmstadt ganz ausgeschlossen erschienen.

p. Mainz, 9. Febr.' Die Karnevalstage nehmen mit der Erstaufführung der preisgekrönten Lokalposse:Das große ßoS* im Stadttheater ihren Anfang. Die Mittelloge nimmt dabei das Elferkomitee in großer Gala und die Generäle der Prinzen- und Nanzengarde ein, im Sperrsitz und Parterre sitzen die Narrhallesen und von den Rängen au§ darf sich auch die holde Mainzer Weiblichkeit das Treiben ansehen. Neben einer Anzahl Berufsschauspieler wirken in der Posie 24 Dilettanten auS Mainz mit. Am Samstag ziehen die Rekruten der Garde ein und werden vor dem Theater ver­eidigt. Vom Sonntag früh bis Dienstag nacht herrscht dann in den Hauptstraßen von Mainz bekanntlich ein Treiben, das einem ununterbrochenen Maskenball gleicht. Bälle, der Fastnachtszug, Kinderfeste, Konzerte, Umzüge der Garden, ihr Lagerleben usw. bieten während dieser Tage ein bunt­belebtes Bild echt rheinisch-fröhlichen Karnevalhumors.

Frankfurt, 10. Febr. Die Kriminalpolizei verha stete gestern vormittag einen internationalen Mädchen- Händler, der in orientalischer Tracht austrat und sich Daniel nannte. Er ist ein geborener Türke. Mit einer größeren Zahl von Mädchen war er durch Briefwechsel in Verkehr getreten und hatte sie in seine Wohnung eingeladen, um mit

ihnen den Handel abzuschließen. Außerdem hat er sich auch wegen Sittlichkeitsverbrechen zu verantworten. (Kl. Pr.)

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Um der wachsenden Sittenverderbnis vvrzubeugen, hat der Pfarrer in Ockstadt ungeordnet, daß Knaben und Mädchen nicht mehr zusammen Schlittschuh aufen dürfen. Also auch hier Trennung der Geschlechter! In Frankfurt stellte ein junger Mann seinen Koffer auf die Wilhclmsbrücke, sprang in den Main und trieb bis zur Hafeninsel, wo ihn zwei Schiffer aus den Fluten ländeten. Tie dort patrouillierenden Wachtmeister Wers- becker und Schutzmann Ihle vom 11. Polizeirevier stellten ofoTt Wiederbelebungsversuche an, die nach längeren Be­mühungen von Erfolg waren. Ter Lebensmüde ist der Bäcker Wilhelm Weinert, er bat die Tat aus Kummer und über die Untreue seiner Geliebten verübt. Ein orkan­artiger Sturm herrschte seit der Nacht von Montag auf Tienstag im Maintal, allenthalben Spuren seiner Ver­heerungen hinterlassend. Aus atten Gemarkungen werden Schäden gemeldet: abgedeckte Tächer, umgestürzte Schorn- teine, eingedrückte Fensterscheiben, zertrümmerte Lehrn- achwerke, umgejagte Lattenzäune u. dgl. m., entästete oder entwurzelte Garten-, Feld- und Waldbäume, umgeworfene Telegraphen- oder Fern sprechst an gen, fortgetri ebene Fischer­kähne usw. Ter mit dem Sturm strichweise verbundene Schlagregen wurde vielfach durch , undichte Fenster- Verschlüsse gepeitscht und drang in die Zimmer ein. Tiefer Tage traten in Frankfurt a. M. Vertreter des Privat Versicherungswesens zu einem Delegierten­tage zusammen, um in einem Verb ande einen engeren Zusammenschluß der einzelnen deutschen Vereinigungen )er Generalvertreter des Privatversicherungswesens herbei­zuführen. Ein Vergleich der verschiedenen Statut" "ab ihre Uebereinstimmung in den Hauptpunkten. Te ud oll gemeinsames Vorgehen in allen wichtigen ...en ermöglichen. Mit den Vorarbeiten wird die Vereinigung in Karlsruhe betraut. In Worms findet der Kongreß ür Knabenhandarbeit Ende Juni d. I. statt. Die Ver- -andlungen werden ein, erhöhtes Interesse bieten, da es ich dabei um die Frage des obligatorischen Handfertig- eitsnnterrichts in der Volksschule handeln wird. Von der Eisenbayndirektion Frankfurt wird am Samstag, den 13. Febr. der Bahnhof in Grünberg besichtigt zur ev. Einmündung der projektierten Bahnlinien Älsfeld-Ulrich- stein-Schotten bezw. Dlsfeld-Nieder-Anla. Der bei dieser Besichtigung anwesende Vertreter der Bahnbaugesellschaft Lenz u. Co., Negierungsbaumeister Reh, wird die projek­tierte Strecke Alsfeld-Ulrichstein^Sckwtten befahren. Am Sonntag, den 14. ds., findet in Grünberg eine Ver­sammlung statt zur Errichtung eines Kornlagerhauses, wo­bei Oekonomierat Leithiger einen Vorttag über Futterbau hält. Zugleich referieren Emmel-Warthof und Moll-Grün- berg über die neuliche Besichttgung der badischen Lager­häuser. In Hanau erhängte sich auf offener Sttaße am Geländer des Wasserwerks der 38 jährige ledige Ar­beiter Schröder. Am Mittwoch brach in der Behausung des Landwirts Otto Horst in Langendiebach Groß­feuer aus, wodurch die Scheuer und ein Holzschuppen ein- qeäschert wurden. Die Hanauer Feuerwehr rückte zurHllfe- eistung aus.__________________________________________________

Vermischte».

Lüdinghausen, 10. Febr. Heute mittag ttm 12 Vz Uhr entgleisten in Lüdinghausen von dem Personenzug von Dülhmen bei der Einfahrt durch Unachtsamkeit des Weichenstellers vier Personenwagen uud em Packwagen. Hierbei wurden acht Fahrgäste und zwei Fahrbeamte leicht verletzt. Die Fahrgäste des entgleisten Zuges und die Verletzten wurden mittels eines Hilfszuges um 11/2 Uhr nach Dortmund weiter befördert Der Personenzug 13 von Dortmund nach Gronau hatte 11/i Stunden Verspätung. Der sonstige Personenverkehr wurde von 3 Uhr ab wieder durchgeführt. Der Materialschaden ist gering. Der ganze Verkehr wird um 6 Uhr wieder frei sein.

* Barmen, 10. Febr. Der kürzlich vom Schwur­gericht von der Anklage, durch Mißhandlung den Tod des zwölfjährigen Schülers Buschke herbeigefühtt zu haben, freigesprochene Oberlehrer DeditiuS wurde von einer geheimen Stadtverordnetensitzung auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt.

Halle a.d. S.,9.Febr. Der stuck, ehern. W. Klep­zig aus Zörbig stahl aus dem Schranke seiner Burschenschaft ein der letzteren gehöriges Sparkassen­buch über 350 Mark und hob den Bettag allmählich ab, um ihn im eigenen Nutzen zu verwenden. Er wurde ver­haftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt, da Fluchtterdacht nicht angenommen wird. K. hatte reichliche Mittel zur Ver­fügung, ttotzdem reichten sie zur Befriedigung seiner noblen Passionen nicht hin und so verfiel er auf diesen bedauerlichen Schritt.

Ellwangen, 10. Febr. Der Schreiner Emil Fink von Pforzheim, der sogenannte württembergische Kneißl, der am 15. Dezember 1903 wegen Ermordung beS Land­jägers Schmidt in Steinheim bei Heidenheim zum Tode ver­urteilt worden war, ist heute früh h in gerichtet worden.

Windsor, 10. Febr. Die V erm ählung der Prin­zessin Alice von Albany mit dem Prinzen Alexander von Teck fand heute im Schlöße in Anwesenheit des Königs­paares, der Königin der Niederlande, der Königin von Württemberg, des Herzogs von Sachsen-Koburg, der Herzogin Albany, beS Prinzenpaares von Wales, des Herzogpaares von Eonnaught und anderer Fürstlichkeiten statt.

Paris, 10. Febr. Zwischen dem Senator Delpech und dem Redakteur derLibre Parole" wird demnächst wegen eines in dem genannten Blatte enthaltenen, für Del­pech beleidigenden Artikels ein Duell stattfinden. Im Casino de Paris stürzte gestern abend ein den sogenannten Todesring ausführender Radfahrer ab und trug schwere Verletzungen davon.

Krimitz (Böhmen), 10. Febr. Hier brachen vier Kinder auf dem Eise eines Teiches ein und ertranken.

* Konstantinopel, 10. Febr. Der Sanitätsrat hat für die Provenienzen aus Bassora, wo zwei Eholerafälle vorgekommen sind, und für die Provenienzen aus Alexandria, wo ein Pestfall konstatiert wurde, eine fünftägige Quaran­täne angeordnet.

* Oberleutnant a. D. Eugen Pfeiffer, der am 18. Dezember 1898 feinen Stabsoffizier Major Seitz vom 5. bayerischen Cheoeauxlegers-Regiment im Duell er­schossen hat der Fall erregte damals ungeheures Auf­sehen ist nach langem Leiden in Augsburg gestorben.

Schuld an dem Zweikampf war der gefallene Offizier. Die allgemeinen Snmpathien -find Pfeiffer bis zu seinem Tode treu geblieben.

Ein unerhört frecher Handstreich, der an du Brigcmten-Attentate im wilden Westen Amerikas erinnert, wird aus Brüssel telegraphisch gemeldet:Der Brüsseler Postwagen des Pariser Zuges 722, abends von Brüssel bgehend, ist 20 Kilometer von Brüffel nach Tubize durch echs als Reisende verkappte Räuber vollständig auSgeraubt worden. Die Beamten wurden durch Re­volver eingeschüchtett, unterdessen die Postsäcke herauS- geroorfen, worauf die Räuber bei der Statt onSeinsahtt ab - prangen und verschwanden. Emer von ihnen ist heute chwerverletzt aufgefimden; die Spur der anderen fehlt. Von anderer Seite wird über den Vorfall noch gemeldet:Sechs gut gekleidete Individuen, die gestern abend mH dem nach Paris bestimmten Zuge um 7 Uhr 23 Min. von Brüssel ab­gefahren waren, drangen auf der Strecke zwischen Tubize und Braine-le-Comte mit dem Revolver in der Faust in den Waggon, in welchem sich die Wettbriefe befanden, fesselten den wachthabenden Beamten und raubten alle Wett­briefe. Die Räuber sprangen dann während der Fahtt aus dem Zuge. Heute früh wurde ein Mann schwer verletzt auf dem Geleise liegend aufgefunden, der sich weigette, irgend welche Auskunft zu geben."

Der zukünftige Herzog der Reichslande". Einen politischen Scherz, der ernsthaft nur den Franzosen aufgetischt werden kann, druckt der Pattser Gaulois einer an­geblich aus Straßburg stammenden Nachttcht des Europäen nach. Es soll sich in den Reichslanden eine Gesellschaft ge­bildet haben, welche darauf ausgeht, diese Lande als Puffer- ftaat und neutrales Gebiet zu konstituieren. Die Ge­sellschaft will bei den Regierungen in Berlin und Patts die nötigen Schritte" tun, um auS den Reichslanden ein souveränes Herzogtum zu schaffen, und der Herrscher dieses Landes soll der Herzog von OrlöanS werden. Dann heißt es wetter:Man sagt, der König der Belgier habe bei seinem letzten Besuche in Berlin dem deutschen Kaiser von diesem Plane Mitteilung gemacht." Dabei find es noch fast acht Wochen bis zum 1. April!

Der deutsche LandwirtschaftSrat

beschäftigte sich in seiner Mittwoch-Sitzung zunächst mit der Fideikommißgesetzgebnng in den deutschen Bundesstaaten und nahm nach kurzer Debatte mit großer Mehrheit eine Resolutton an, in der die Aufrechter­haltung und weitere Ausgestattung des Rechtsinstituts der Familien-Fideikommisse für wünschenswert erklärt und Vor­schläge für eine etwa vorzunehmende Revision der bundesstaatlichen Fideikommißgesetzgebung gemacht werden.

Es folgte eine Debatte über die Leistungsfähig- ke it der deutschen Viehzucht, in de»: genau die­selben Wünsche und Ansichten vorgebracht wurden, die in den Reichstagsdebatten der letzten Tage von agrarischen Rednern geäußert worden sind. In verschiedenen Reso- luttonen, die einstimmig angenommen wurden, wird die Auffassung kundgegeben, daß die deutsche Landwirtschaft nach der Statistik der letzten Jahre zweifellos im stände sei, den deutschen Bedarf an Vieh und Fleisch voll ständig zu decken. Die nach der letzten Vieh- zählnng 1902 für Preußen nachweisbare Verminderung der Rindviehbestände resultiere lediglich aus dem zufälligen Um­stande, daß die außerordentliche Viehzählung sofort nach der abnormen Trockenheit der Jahre 1900 und 1901, durch welche die Landwirtschaft in Deutschland gezwungen wurde, ihre Rinderbestände vorübergehend zu reduzieren, veran­staltet worden sei. In den Anträgen wttd verlangt, daß 1. die Viehzölle in den bevorstehenden neuen Handels- verttägen zweckmäßig und ausreichend 'bemessen werden, nämlich a) als Gewichtszölle und gleichmäßig hoch für alle Viehgattungen, b) in genügender Höhe; 2. der veterinäre Grenzschutz nicht abgeschwächt, sondern eher noch verstärkt werde und insbesondere Viehseuchenkonventionen wie die zurzeit mit Oesterreich-Ungarn nicht wieder abge­schlossen werden; 3. das Schlachtvieh- und Fleisch- beschaugesetzin § 12 Absatz 2 dahin ab geändert werde, daß Pökelfleisch und Schmalz von der Einfuhr ausgeschlossen wird.

Am Schluß der Verhandlung nahm die Versammlung eineu Antrag an, in dem die Aufstellung von Korntrock­nern irnd die Errichtung von Kartoffeltrocknereien empfohlen wird.

Gerichtssaal.

d. Mainz, 10. Febr. Zwei gefährliche Ein» brech er hatten sich heute in den mehrfach besttaften Per­sonen, des 39jährigen Schlossers Johann Stefan aus Königstätten und des 20 jährigen Bäcker Johann Eichhorn aus Egelsbach, wegen schweren Diebstahls vor der Sttaf- kammer zu verantworten. Tie beiden Angeklagtenarbei­teten" in den letzten Jahren gemeinschaftlich mit einem gewissen Döllinger zusammen, und verübten eine An­zahl schwerer Einbrüche. An einem Neubau in der Rhein - allee verschaffte sich der Stefan eine Mauerklammer. Mit diesem Werkzeug ausgerüstet, suchten sie die Sttaßen ab. In der Flachsmarktstraße sahen sie die Wohnung des Uhr­machers Senzer, der mit seiner Familie (es war ein Sonn­tag) ausgegangen war. Als auf ihr Schellen an der Wohn­ungstür niemand erschien, wurde die Türe sofort von dem Stefan erbrochen, während der EichhornSchmiere" stand. Aus dem Laden stahl der Stefan, nachdem er alle Eingänge erbrochen hatte, 60 Damen- und Herrenuhren, Ketten und Ringe im Werte von 2000 Mark. Tie Diebe fuhren hierauf nach Frankfurt. Dort gerieten sie bei der Teilung des Raubes in Stteit, was ihre Trennung zur Folge hatte. Während der Eichhorn alles zugab und den Stefan als den eigentlichen Täter bezeichnete, leugnete dieser, dn Einbruch hier verübt zu haben. Ter Eichhorn handele nur aus Rache gegen ihn, weil er ihn einmal geschlagen habe. Für das Gericht unterlag es keinem Zweifel, daß die Angaben des Eichhorn auf Wahrheit beruhten. Es ver­urteilte den Stefan zu 5 Jahren Zuchthaus und den Eichhorn zu 1 Jahr Gefängnis.

Mt a t i b o r, 10. Febr. Das Schwurgericht verurteilte den Fabrikarbeiter Bobrzik, der am 13. Juli 1903 einen zum Schutze qegen das Hochwasser bet Annaberg befindlichen Deich durch­stochen hatte, roeaen vorsätzlicher Herbeiführung einer Heber- schwemmung zu sechs Jahren Zuchthaus.

Der frei gesprochene Bürgermeister von Eh ica go. Für die Brandkatastrophe im Iroguois - Theater zu Chicago wurde auch der Mayor der Stadt Chicago. Harrison, verantwortlich gemacht und unter Anklage gestellt. Äus richterlichen Befehl ivurde der Major jedoch kürzlich freigelasse^ und von aller Schuld an dem verhängnisvollen Ereignis sreige-