äg-ÄS
•sA^i&Ä jvranfil„..'atiman
^^NttötT
'Ruferin ’4x*s Ääg äHLÜÄ '7-"LLs »sä dg^gi
»er 1-üebr. Stelle. M.
). ilnimnn* G\._____ .-. TT
t Bitmkcht klementarfächern sowie
öei den Schularbeiten billig geprüfte, erfahrene n. Gest. Offerten unter bie^pebinon d. Bl.
I Lchueiderm empf. sich ettig.v. Damen-, Mädchen- bcngarderobe. Sdjortftr. 7.
LpHLSÄ
084 Ml die Gxped. d. Bl.
Mtfp# Schreiben v. Rech- nungen, Berviel- igen u. f. w. werden gut Uig besorgt 10166 Wollengaffe 21, IE
t M UW mzösisch und Englisch! unter Nr. 0145 an die hon d. Bl. erbeten.
fisitenkarten
i rasch and billigst
ßrülil'scbe
«als2.hypolhekvtt' zinslich mit b/. ima Objekt fBilla Bad-Nau-
Sirchetchlatz^'
»a,ris-
»di-s-Esoo
Ä« 9k. 01» »
-2fehroemög.,chnlll"UN' „AM!u4d.»-"K Echchenen zwecks Setrat.
nicht anonyme ^ff. erh
^*SS»|We=)
ttlottn
Nr. 8 ,?:Wmtes Blatt.
154. Jahrgang
Montag 11. JannarlS04
Erschein, tagltdi mit Ausnahme des Sonntags.
D „GiehcKamilrenblälter" werden dem ^Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt Der ^esfische Landwirt^' erscheint monatlich einmal.
9 Verantwortlich für den allgemeinen Teil:
u a8ü,t’: ’b* ffle4
F & K W M 0 iL^L 1L XJäk i BlIIIL U WS Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'sche«
0 K M V* 'v 'ir' 8 >Wr ▼ Unrversitätsdruckerei (Pietsch Erden), Gieße«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Ire Heutige Kummer umfaßt IO Setteu«
Volilische Wochenschau.
Wenn man nach dem Ton sozialdemokratischer Blatter angesichts des Krimmitschauer Streiks und der sächsischen Wahlrechtsreform urteilen wollte, so müßte man glauben, wir ständen bereits an dem Vorab e n d der Revolution. „Die Sympathie mit den Streikenden in allein Bevölkerungs kreisen wächst zusehends" — „der Redakteur der Christl. Welt Dr. theol Rade in M a r b u r g erklärt sich für die Streikenden" — „Ausl-arren müssen wir, das Morgenrot der roten Internationale leuchtet am Horizonte." Troß Dresden, trotz der bösartigen Kompromittierung des Charakters der sozialistt- schen Führerschaft stimmt ein großer Teil auch bürgerlicher und — wenn auch nicht politisch so doch literarisch — gebildeter Kreise ein in den Hohn und Haß gegen die bestehenden Verhältnisse, wie er mit der Bissigkeit des PSimplizissimus" und der ,Lukunft" ans den Spalten der radikalen Presse klingt. Zudem schmeichelt die von der Sozialdemokratie genährte blendende Aussicht auf Umwendung alles Bestehenden in Wonne, Luft und Harmonie allen denen, die sich nur „literarisch" mit der Polb- tik zu befassen pflegen — und deren Zahl ist in Deutschland erklecklich groß — und die sich weder Mühe geben, das Neue, das geschaffen werden soll, ernsllich nachzu- prüfen, noch aucfy den lleberblick besitzen, um solche Prüfung überhaupt ernstlich vornehmen zu können. Zu dieser nnüntischen Sympathie der gemeiniglich als „Mitläufer" bezeichneten „Sozialdemokraten"" kommen heute alle die politisch Interessierten, die durch vermeinlliche Anzeichen des Verfalles in Fürstenhäusern zu theoretischen Freunden der republikanischen Staatssorm geworden sind, und die in der Sozialdemokratie hauptsächlich die republikanische Partei der Zukunft sehen, lleber dieses bunte Heer gebieten nun die Führer der Demagogie, „die in Dresden ihr struppiges Haupt erhoben hat"", mit großer Schlangenklugheit, und Sie Gleichgiltigkeit weiter bürgerlicher Kreise kommt ihnen dabei aufs allertrefslichste zu statten.
Wir sind heute so weit, daß uns Wahlen, wie die des radikal-sozialdemokratischen Zehn-Gebote-Hoff- m an n im sächsischen Wahlkreise Reichenbach-Auerbach nicht mehr wundern. Der Revisionismus genügt da bereits nicht mehr, um der radikalen Unzufriedenheit mit dem sächsischen Regime, das sich in den letzten zehn Jahren ausgebildet hat, Luft zu machen. Als Mißgriff wird sich auch der fach sische Wahlre form- entwur f Herausstellen, der allzu sehr von einer falschen Mißstimmung gegen die Sozialdemokratie diktiert i|i und sich nicht aus den Standpunkt emporzuschwingen weiß, den eine weise Stegierung heute einnehmen muß, daß an den Arbeitern nicht einfach gestraft werden darf, was die Führer gesündigt haben! Die sächsische nationalliberale ParÄ wird Die Wahl- re chtsvorjchläge bekämpfen. Sie ist Gegnerin berufsständischer Wahlen und erwartet von der Verwirllichpng der Vorschläge lediglich eine Verstärkung der Antisemiten unb der konservativen Mittelstandspolitiker.
Den unglücklichen sächsischen Regierungseittwurs weiß natürlich der „Vorwärts"" mitsamt seiner täglich oder wöchentlich erscheinenden Gefolgschaft zu benutzen, um die revolutionäre Siegeszuversicht zur Flamme anzufachen, und er bleibt auch, nicht ohne Einstuß auf die Sympathieen, die aus bürgerlichen Kreisen den Streikenden von Krim- mi tschau geschenkt werden. Vermittelungsversuche sowohl des Geheimrats Dr. Böhmert wie des sächsischen Ministerialdirektors Dr. Roscher sind leider völlig gescheitert. Geheimrat Böhmert sprach am letzten Samstag abend (9. d. M.) über den Streik im nationalliberalen Reichsverein zu Dresden. Er betonte, man müsse alles Wohlwollen und Einsicht daransetzen, diese rein lokale, gewerbliche Angelegenheit nicht zu einem öffenllichen Unheil für Deutschland werden lassen. In der Debatte
sprach auch unter rauschendem Beifall der frühere Pfarrer und ftüh verzagte Begr-Inder des Nationalsozialismus Dr. Fr. Nauman m Er führte aus, der Krimmitschauer Fabrik kantenverein vertrete das Organisationsprinzip auf der Unternehmerseite, man müsse daher erwarten, daß er dasselbe Prinzip auf der Arbeiterseite ebenso vertrete. Ein Arbeitswilliger handle genau so verwerflich als wenn ein Unternehmer seinen Kolleaen in den Rücken falle. Man habe es fast als eine Schände hingestellt, daß die Krimmitschauer Arbeiter den Zehnstundentag verlangtem Naumann bezeichnete es als ein allgemeines Unglück, wenn die Arbeiter Den Wunsch nach! Verkürzung der Arbeit nicht hätten. Dieses Bestreben sei als eminent sittlich anzuerkennen. Man müsse jedes Wort sittlicher Benachteiligung von denen fernhalten, die mit dem Kampf um diese Frage der Kultur dienen. — Heber die Einigungsverhandlungen Roschers berichtet der vorwärts"":
Trotz der für die Arbeiter unbedingt günstigen Situation ist von uns noch, nie ein Einigungsversuch abgelehnt worden, und das beweist wohl besser als allcS andere, von wo die Machtftage ausMht. Wir waren auch! jetzt bereit, als Roscher Einigungsversuche unternahm, die Hand zum Frieden zu bieten. Diese Einigungsversuche scheiterten an dem Widerstand der Fabrikanten. Es wurde uns jedoch zugesagt, daß nächsten Freitag im sächsischen Landtag der Krim mit schauer Streik zur Verhandlung kommen soll, was dabei herauskommt, muß abgewartet werden.
Wie jetzt aus Krimmitschau gemeldet wird, soll der Versuch der sächsischen Negierung, zu vermitteln, in der soeben begonnenen Woche erneuert werden. Man wird befürchten müssen, daß auch dieser Versuch scheitern wird, da die sächsische Regierung die rechte Zeit zum Einschreiten versäumt hat. Schließlich aber werden die vielen Hunderttausende, die die Eisen- und Textllindustrie Deutschlands den Fabrikanten aussetzte, vermutlich doch den paar Hunderttausenden, mit denen die streikenden Arbeiter jetzt sogar auch vom Auslande her unterstützt werden, überlegen fein. So nötig jedoch auch dem Selbstgefühl der unersättlichen Arbeiterschaft, die es der ,Llsebill" des Märchens nachmacht und immer höher hinaus will bis zu anderer und eigener Vernichtung, eine Lektion ist, so werden doch die, die sie auszuteilen unternommen haben, vermutlich am Schlüsse über die Schläge, die sie abbekommen, mit den Worten wehklagen: Wehe, daß wir so gesiegt haben!
Graf Kanitz aber wird mit seiner monströsen Verkupplung der preuß. Kanalvorlage mit einem antisozial^ demokratischen Reicksgesetze im Reichstag ebenso abfallen, wie mit seiner Iiuerp^llation darüber, warum Demi „die Handelsverträge noch immer nicht" gekündigt sind. Tie Antwort daraus ist einfach: weil ein kluger Geschäftsmann einen Vertragszustand nicht kündigt, der sich als solcher bewährt hat, ehe er nicht einen neuen in der Tasche hat. Und daß die Regierung sich jedenfalls ernstlich bemüht, in neue Zustände überzuleiten, das rönnte Gras Kanitz aus den Zeitungen wissen, die in der vergangenen Woche zu melden wußten, daß die Verhandlungen mit Rußland, mögen sie auch noch nicht allzuweit gediehen jein, nach dem russischen Neujahrsfeste eifrig fortgesetzt, die mit Italien in diesen Tugen in Rom beginnen und die mit der Schweiz alLbald folgen werden.
Ruhe und Stetigkeit im wirtschaftlichen Leben tun uns besonders not, wo von neuem das Gespenst eines Weltkrieges im fern en Osten au staucht und Ruhe und Vertrauen im Weltverkehr §u schwinden drohen. Von angeblich autoritativer Seite wird aus Paris bestätigt, daß die letzte russische Note an Japan Konzessionen bezüglich Koreas enthalte. Dagegen weist die Antwort aufs beftunmteftc die Ansprüche Japans zurück, s-Mveit sich diese aus die Mandschurei beziehen. Japan wünscht Korea politisch, die Dlandschurei ökonomisch zu erobern, Rußland will letzteres in keinem Falle zulassen und Japan gegenüber ab so lut nicht das System der „offenen
Tür"" zugestehen. Bei der Abfassung der Antwort, deren Form sehr friedlich ist, dürfte auch Witte mitgewirkt haben. Von einem Gewährsmanne, ,pessen Kenntnis der Tinge unbestreitbar ist"", erfährt die „Tally News"", aus dem Inhalt der Antwort Rußlands folge, daß nach Ansicht Rußlands 1. die Nlandschureiftage eine solche ist, in der auch andere Mächte außer Japan ein Recht haben, befragt zu werden. Rußland schiebt es daher auf, irgend ein bedingtes oder unbedingtes Versprechen zu geben, bis weitere Verhandlungen gepflogen worden sind; 2. daß Rußland mit Hinsicht aus die unbefriedigenden inneren Zu stände in Korea es im gegenwärtigen Augenblicke nicht an der Zeit fyätt, sein Einverständnis mit Den Bedingungen des britisch-japan ischen Vertrages, wie es in der japanischen Note vom 21. Tezember v. I. gefordert wurde, zu erklären. AlF- Gegenvorschlag regt Rußland die Neutralisierung Nord-» boreas an; 3. auf Die japanische Forderung eingehend, Rußland solle die Besetzung von Aongampho aufgeben und seine Absicht auf l>Nasampho aufgeben, gibt Rußland zu erwägen, daß in diesem Augenblicke feine Anwesenheit in Bongamp ho zur Erhaltung des Kaiserreiches Korea unbedingt notwendig sei, während es inbezug auf Mosampho bereits erklärt hat, seine maritimen Bedürfnisse erfor-, Derteu Den Besitz einer Kohlenstation an der SüDküste und seine Anwesenheit Dort bedeute keinesfalls eine Bedrohung Japans.
Aus allen den vielen vorliegenden Nachrichten, von denen eine immer der anderen widerspricht, darf mau doch wohl entnehmen. Daß die Meldung aus Tokio, Japan habe sich so aut wie entschlossen, die Verhand- lunge n mit Rußland fortzusetzen, sich bestätigen werden. Japan ist zwar mit den Bedingungen 'Rußlands unzufrieden, fühll iiaji jedoch nicht berechtigt, ein Ultimatum zu erlassen oder Die Verhandlungen abzubrechen. Bevor es zur Gewalt schreitet, will Japan nochmals versuchen, eine Abänderung der Vorschläge ütußlands zu erwirken. Tie Verhandlungen dürften noch einige Wochen Dauern, doch gilt es für sehr unwahrscheinlich, daß der Frieden in der Hvischenzeit gestört wird.
VoMijche Tagesschau.
Streiflichter.
Tie Rot weist die Menschen wie Die Staaten aufeinander an. Man macht Annäherungsversuche, oder ist bestrebt, Beziehungen wieder herzustellen, die ehedem bestanden, mit der Zeit aber in Verfall geraten sind. Tas erstere Ztrifft z. B. zu auf die NorDsee-„Zwillingsstaaten"" Belgien und Holland, die bisher politisch fremd nebeneinander hinlebten, man darf wohl sagen, seit der Un- abhängigkellserklärung Belgiens im Jahre 1830. Tie Gemeinsamkeit des vlämischen Elements in Der Bevölkerung bat politisch vermittelnd nicht gewirkt. Jetzt ist nun der holländische Ministerpräsident van Knyper zu längerem Aufenthalt in Brüssel eingetroffen, um einen Besuch der Königin Wil Helm ina am belgischen Hofe in die Wege zu leiten und die Gründung eines holländisch- belgischen Zollvereins anzuregen. Tie beiden Missionen van Kuypers dürsten inneren Zusammenhang haben, denn es fehlte bisher an jedem Anzeichen von persönlicher Sympathie der Regentin der Niederlande zum belgischen Königshaus. Ter Plan einer Zollunion zwischen beiden Staaten geht auch Deutschland insofern an, als Holland seine Ausfuhr an landwirtschaftlichen Produkten nach Teutschland durch den neuen deutschen Zolltarif benachteiligt gmubt und vielleicht versuchen will, den Nachbarstaat Belgien „scharf zu machen" sich mit chm zu einem wirtschaftlichen Trutzbündnis gegen Deutschland zusammenzuschließen. Ob solchen Bestrebungen Erfolg beschieden ist, wird sich erkennen lassen bei Den Verhandlungen über die Erneuerung des deutsch-belgischen Handelsvertrags, die anscheinend noch im wellen Felde stehen.
Interessiert ist Deutschland auch an der Wiederaufnahme längst in Verfall geratener Beziehungen, wie fte
Feuilleton.
Berlin, 10. Jan. In der „Zeitschr. für Tuberkulose und Heilstätienwesen" berichtet Professor M öll er-Belzig über seine Versuche zur Immunisierung gegen Tuberkulose. Möller konnte sich, nachdem er sich wiederholt Blindschleichen tuberkulöse injiziert hatte, ohne an Tuberkulose zu ertranken, vor 13 Monaten menschliche Tuberkelbazillen intravenös injizieren und Meb durchaus gesund.
Straßburg i. 9. Jpn. Im Naturwissenschaft- ächen Verein führte Professor Braun die vor einem Jahre angekündigten Ergebnisse auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie durch Versuche vor. Er zeigte, daß man nunmehr eine Anzahl elektrischer Dchwingungs- lreise gteichzeittg derart miteinander verbinden kann, daß ne gleichzeitig, d. h. mll einer Zelldifferenz, die unter .dem Eintausendmillivnsten Teil einer Sekunde liegt, an- sangen zu schwingen und dabei genau identische Schwing- Angen ansstrahlen. Tamil ist erreicht, daß die Wirkung der drahtlosen Telegraphie beliebig verstärkt werden kann, sodaß (Sn t fernun gen für sie nicht mehr existieren. Ferner teilte Pros. Braun mit, es sei ihm gelungen, auf experimentellem Wege nachzuweisen, daß das- Licht aus .elektrischen Schwingungen besteht. Als praktischen Nutzen dieser Entdeckung bezeichnete Der Vortragende, Laß mau mll diesen neuen optischen Erscheinungen imstande ßeiu wird, in organischen Wesen noch Die Strukturen nach- Zuweisen, wo selbst die stärksten Mikros topischen Ver größer umgen eine prinzipielle Grenze besitzen.
Paris, 10. Jan. Ter Dialer Leon Gerome ist in der letzten Nacht einem Schlaganfall erlegen.
In uv-: „Tarmst. Verkehrsztg." werden allerlei Klagen gesührt über die Behandlung einzelner hervorragender Strafte und über das Akepertoire des D a r m st ä d t e r H 0 f -
theaters, und die Redattion des genannten Blattes macht bezüglich der Verwendung der Land es spende für Se.»Kgl. Hoheit den Großherzog den Vorschlag, daß die Zinsen aus dieser Stiftung zum Teil zur finanziellen Unterstützung von Volksvorstellungen im Theater oder der von verschiedenen gemeinnützigen Vereinen ins Leben gerufenen Volksunter- Haltungs-Abende Verwendung finDen möchten. „Wir denken uns die Verwendung so, daß die verschiedenen Korporationen, welche die Ausführungen von Volksoorstelb- imgen oder Volkskonzerten in Die Hand genommen haben, z. Bl hier in Tarmstadt Die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur, der Volksbildungsverein, der Goethebund, entweder eine ständige Zuwendung zu den Kosten der Veranstaltungen oder eine bestimmte Summe zu dem Zwecke erhalten, hierfür Eintrittskarten an Unbemittelte unentgeltlich zu verteilen."
Das feuerfeste Theater Eoquelins. Wir haben bereits vor einiger Zeit darüber berichtet, daß Coquelln aine, der bekannte Pariser Schauspieler, mit dem Pariser Architekten Binet ein feuersicheres Theater erfunden haben will. Wie nun aus Paris berichtet wird, l)at dieser Tage der Pariser Polizeipräsident Lepine, begleitet vom Stabe der Jeuerwehrkommandanten und Architekten des Polizeipräsidiums, das Coguelin-Binetsche Modell dieses feuerfesten Theaters besichtigt, und sänllliche Tellnehmer waren hochbefriedigt, in diesem Dcodell wllk- liche Garantten gegen jede erhebliche Feuersgefahr zu finDen. lieber die TeLails des Modells schweigt uanäufig die sehr begeisterte Pariser Presse. Bei dem Heuligen Stande der Lechnii ist das absolut feuerfeste Theater lediglich eine Geldfrage. Technisch ist es sehr leicht möglich, ein Theater — Buhne und Zuschauerraum — i'edigl'ch aus Stein und Metall zu erbauen. Tie gesamte -l'!o>chinerie und das Gedälte von Schnürboden und Versenlung lassen \iä\ aus Stahl-, Eisen- oder Aluminium-Traversen Her
stellen. Aus Stahlblech können alle Vorhänge und Verzierungen der Logen, aus Eisen sämtliche Sitzplätze her- gestellt werden, die selbst, wenn die Federpvlster mit Leder oder imprägniertem Stoff überzogen sind, nicht feuergefährlich sind. Aus Eisen und Eisenblech können sämtliche Türen und Fensterkreuze hergestellt werden, aus Eisen oder leichtem Eisenblech lassen fick alle Buhnenmöbel und Prak- ttkabeln so schön machen, daß sie „wie Holz" aussehen. Ebenso ist es möglich, alle Tekorationen auf imprägnierte Stoffe oder Asbestftoffe zu malen, sodaß es im Theater überhaupt nicht ein Stück Holz, nicht ein Quadratzentimeter nicht imprägnierten Stoff gibt und damit jeder Brand ausgeschlossen ist. 9tur kostet solcher Bau ettua das doppelte Geld, wenn er zugleich schön oder gar „kokett" aus sehen soll. Bei dem Bau neuer Theater kann diese absolute Feuerficherheit leicht erreicht werden. Die schwierige Frage gitt nur den Tausenden schon besteyenber Theaterbauten, durch Deren absolut feuersicheren Umbau, sofern er überhaupt möglich ist. Den Eigentümern Baukosten auferlegt würden, mit denen sich ebensogut ein neuer Theaterbau aus führen ließe. Tarin kulminiert die Frage, unD die „Erfindung" der Herren Coquelin und Binet ist heute wirllich nur eine nachträgliche Entdeckung Amerikas.
Ter Erstaufführung des „Z a p f e n st r e i ch"" von Beyerlein hat bekanntlich Der deut,che Kronprinz beigewohnt. Es wird aber erzählt, daß der Kaiser mit diesem Theaterbesuch seines Sohnes durchaus nicht einverstcmden gewesen sei, ihn vielmehr d isziplinarisch zur Re ch en scha f t gezogen habe.
„Simplicissimus." 2Bie man aus Leipzig meldet, ist auf Antrag Der Münchener Staatsanwaltschaft Die Nummer 42 des „Simplicissimus" in mehreren Tausend Exemplaren beschlagnahmt, wegen eines Verstoßes gegen § 166 des Str.-G.-B. (Beschimpfung einen Religionsgesellschaft).


