Ausgabe 
10.12.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

'tUe so glänzend gezeigt, wie bei dem heutigen Rededuell mit Herrn v. Dollmar. ES war der Höhepunkt der Etatsdebatte, auch nach der sachlichen Seite bin. denn Graf Bülow lies; nicht nur den ironisierenden Diplomaten, sondern auch den seines Berufes sich bewußten Staatsmann zu Worte kommen, sodaß die Kundgebungen der Heiterkeit und Zustimmung ab- wechselten. Die Debatte solcher Höbe entgegenzuführen, ist dem Abg. Bebel noch nie gelungen. Das beweist die Neber- legenbcit Vollmar'ö über Bebel, dcS Parlamentariers über den VolksversannnlungSredner.

DaS Schwungvolle dieser Episode klang nach in der /olgenden Darlegung deS ZentrumSsührerS Dr. Spahn. Er ergänzte die vom Reichskanzler gegebene Charakteristik der Sozialdemokratie und entwickelte dabei ein überraschende« Temperament, so daß wiederholter Beifall zur Tribüne empor- brauste. Man sicht also: der Reichstag schafft sich selbst die Plattform, auf der er steht. ES liegt^an ihm, wenn man im Lande von einem minder hohen Stand der parlamen­tarischen Debatten spricht.

Abg. Stöcker, der ehemalige Hosprediger, spann den ,roten gaben* weiter, auf die Gefahr hinweisend, die neuer­dings der Jugend durch die sozialdemokratische Agitation drohe. Er steht seit langem in unmittelbarem Kampf mit der Partei Bebels. Das Schlußwort hatte Abg. v. Verlach, der einzige Nationalsoziale im Reichstag.

Ausland.

London, 9. Dez. Kaiser Nikolaus Netz den Offizieren des eng lisch en KreuzersTolbot* eine silberne Bowle mit Löffeln überreichen. Die Bowle trägt folgende Aufschrift: Gewidmet vom Kaiser von Rußland dem Offizier- korpS desTalbot" in Anerkennung für die den Besatzungen des .Warjag" und deSKorejetz" nach der Schlacht von Tschemulpo im Februar 1904 geleistete freundschaftliche Hilfe." Ebenso ließ der Kaiser den: Prinzen von WaleS_ zu dem Fonds der königlichen Marine, deren Präsident der Prinz ist, einen Chek über 5 00 Pfd. Sterl. überreichen. Die englische Negierung übermittelte dem Kaiser den Dank der Offiziere deS ,Talbot".

Paris, 8. Dez. (Kammer.) Millerand wirft dem Ministerpräsidenten vor, er entehre die Republik (Beifall). Die Republik würde durch sein System, wenn cS zur Herrschaft gelange, verhaßt und unbewohnbar gemacht. Sache der Kammer sei es, das Land zu reinigen und von verworfener Herrschaft zu befreien. (Wiederholter Beifall rechts und im Zentrum; heftiges Murren links.) Ministerpräsident CombeS führt Klage darüber, daß deni Kabinette aus einem Runderlaffe ein Vorwurf gemacht werde, der sich auf daS Recht der Regierung beziehe, bei den Prä­fekten Auskünfte über die politischen Meinungen der Zivil­und Militärbeamten einzuholen. Die Interpellanten suchten nicht nur den Ministerpräsidenten zu stürzen, sondern haupt­sächlich seine republikanische Politik zum Verschwinden zu bringen. Die Tagesordnung Rienvcnu-Martin (radikal), welche die Erklärungen der Regierung billigt, wurde mit 295 gegen 265 Stimmen angenommen.

Es heißt, daß ein anonymer Brief aus London, in englischer Sprache abgefaßt, beim Präsidenten Loubet ein* getroffen ist. In diesem Briefe, der unterzeichnet ist: Ein Anglo-Franzose, heißt es, der italienische Anarchist Par­me g iani sei aus London abgereist mit der geheimen Mission, einen hervorragenden französischen Parlamentarier zu ermorden.

Die Untersuchung über die Ursachen des Todes des Deputierten Syveton ist noch nicht abgeschlossen, doch lassen mehrere Anzeichen auf Selbstmord schließen.

Gerüchtweise verlautet, daß die Ursache, weswegen der König von Portugal den Plan aufgegeben hat, über Cherbourg nach Liffabon zurückzukehren, aus die Befürchtung zurückzuführen sei, daß ein anarchistisches Attentat geplant wäre. Eine Bestätigung des Gerüchtes von feiten der Behörden war nicht zu erhalten.

Wien, 9. Dez. Der Budgetausschuß der Abgeordneten nahm die Notstands-Vorlage an, mit welcher 1 5 !/2 Milli onen für Notstandsunterstützungen auS Staats­mitteln bewilligt werden, und lehnte mit 29 gegen 14 Stimmen die von der Regierung beanspruchte Ermächtigung zur Aus­gabe von 69 Millionen Kronen Tilgungsrente behufs Re- fundierung an die Kaffenbestände ab, nahm jedoch mit 31 Stimmen einen Abänderungsantrag an, durch welchen 151/, Millionen für Refundierungszwecke bewilligt werden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10. Dezember 1904.

* Die Gemäldc-AuSstellung am Brand hat diese Woche wieder eine durchgreifende Aenderung erfahren, indem ein Teil der seither ausgestellten Gemälde durch 50 neue ersetzt wurde, sodaß die gegenwärtige Ausstellung nahe­zu 100 Gemälde wieder auszuweisen hat. Unter den neu ausgestellten Werken befinden sich Gemälde von H. Kober­stein, W. Geißler, F. Bindewald-Berlin, von H. Dahl, H. Licht-Charlottenburg, von R. Scholz (Portrait" aus hiesigem Privatbesitz), A. Hutschenreuther, O. Leu-München, M. Rüdisühli-Basel, 9l. Koester-Kleusen, I. Lippmann-Osfen- boch, A. Mangold-Darmstadt usw. Von unseren einheimischen Künstlern haben die Ausstellung beschickt Emmy Dingeldein, Ottilie Kowarzik, Helene Oncken. Auch das Kun st gewerbe ist mit einer schon preisgekrönten Arbeit, einem Spiegel­rahmen, von Auguste Landmann vertreten. Auf geäußerte Wünsche bleibt die KollektionLandschaften" von R. Kaiser- München der Ausstellung noch einige Tage erhalten. Es sei noch bemerft, daß neu hinzutretende Mitglieder fürs nächste Jahr, schon jetzt freien Eintritt für sich und ihre Familien zu den Ausstellungen haben. Tie Liste zum Einzeichnen liegt in der Ausstellung offen.

* Promenadenkonzert findet morgen Sonntag um 12 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre: Lodoeska von Cherubini, 2. Allerseelen Lied von Lassen, 3. Einzug der Gäste von Wagner 4* A.-M. Nr. 9. Unsere Negimentömusik konzertiert Sonntag nachm. 4 Uhr 'm Philosophenwald.

* E i n Selbstkachapparat, eine neue praktische Erfindung, erregte gestern in einer (Gesellschaft Bewun­derung Eure Blechbüchse, die Maccaroni und Ragout ent­halt, erhcht sich, wenn man an bestimmten Stellen Löcher

bohrt zum Zutritt von Wasser dem ebenfalls in der Büchse enthaltenen Kalk ganz von selbst und man hat innerhalb weniger Minuten ohne weiteres Zutun das schmackhafteste warme Essen. Besonders für Touristen ivirb diese neue Erfindung recht brauchbar sein. Eine solche Blech­büchse wird hier zum Preise von 1 Mk. von Ehr. Wallenfels vertäust.

* Eine Erinnerung an die Gießener Fe st u n'g S- zeit. In der Stadtverordneten-Versammlung hatte vor einiger Zeit Stadtverord. Dr. Schäfer vorgeschlagen, die Tannenbäumchen, welche im Innern deS alten Friedhofes, gegenüber der Kapelle eine förmliche dichte Hecke entlang der Umfassungsmauer bilden, zu entfernen, damit die an der Mauer stehenden Grabsteine ans alter Zeit, welche teilweise ein historisches Interesse hätten, freigelcgt würden. Dr. Schäfer verwies dabei auf das Monument des ehe­maligen FestungSkoinlnandanten Langsdorf. Es besteht nun die Absicht, daS Denkmal ans der Gießener FestnngSzeit in der alten Totenkirche des Friedhofs aufzu­stellen.' Das steinerne Bild zeigt den Festungskonmwndanten Langsdorf in sitzender Stellung in lebendgroßer Figur. Die stark verwitterte Inschrift lautet, daß FestungSkommandant Wilh. Ludw. Michael Langsdorf 1664 geboren ist und in seinem Leben wenig Ruh gehabt hat.

fo. Von der Bergstraße, 9. Dez. Die Bohrungen nach Petroleum in der Gemarkung Heppenheim ergaben ein guteS Produkt. Auch in der angrenzenden badischen Ge­markung Laudenbach wurde Petroleum entdeckt. Der Gemeinderat von Laudenbach hat bereits mit der Firma Quelz u. Co. in Frankfurt einen Vertrag abgeschloffen, wo­nach dieser Firma auf 30 Jahre daS Recht eingeräumt wird, nach Petroleum zu bohren.

s. Wetzlar, 10. Dez. Im RestaurantKlostergarten* finden morgen, Sonntag, sowie nächsten Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Künstlerkonzerte einer Damenkapelle statt. (Siehe Inserat.)

a. Marburg, 9. Dez. Der Erste Staatsanwalt am hiesigen Landgericht macht bekannt, daß am 5. November, abends gegen 81/, Uhr, auf der Eisen bahn st recke Münchhausen-Simtshauscn bei der Vollmarer Brücke mehrere kieferne Stangen quer über das Geleise gelegt worden sind, die später von der Maschine deS nächsten die Strecke passierenden Zuges, ohne weiteren Schaden anzu­richten, beseitigt wurden. Auf die Ermittelung deS Täters ist von der Eisenbahndircktion zu Kaffel eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt worden.

Frankfurt, 10. Dez. Die Frankfurter Vieh­händler und Kommissionäre haben vor einigen Tagen im Hotel Diehl, Hanaucrlandstraße, eine Versammlung abgchalten, in der sie gegen die Errichtung einerVieh marktsbank durch die hiesige Innung Protest erhoben. AuS Mehgerkreisen wird zu dieser Stellungnahme folgendes mitgeteilt:Frank- fnrt§ Fleischbedarf wurde seither nur von Viehhändlern und Kommissionären, die hier ansässig sind, geliefert. Auswärtige Kommissionäre konnten schon deshalb ihre Ware nicht absetzen, weil sie zu wenig mit demGeschmack und Bedarf" der ein­zelnen Käufer vertraut waren. Mit der Errichtung einer Vichmarktsbank übernimmt nun aber auch die Bank den kommissionsweisen Verkauf auswärtiger Händler. Die hiesigen Geschäftsleute fürchten deshalb eine Schmälerung ihres Ver­dienstes, daher die ablehnende Stellungnahme zu der Grün­dung der Bank. Die Einrichtung in anderen Großstädten hat aber gezeigt, daß die Befürchtungen der Frankfurter Händler grundlos sind."

Kleine Mitteilungen aus Hessen und ticn N achbarstaaten. In Bad-Nauheim hat sich ein Komitee gebildet, um ein Erholungsheim für leidende Schwestern sämtlicher Roten Kreuz-Vereine zu errichten. In der ersten Komitee-Sitzung rourbe in Anwesenheit des VettreterS dek Zentral-KomiteeS, RegieruugsratS Dr. Kraß au8 Darmstadt, das Projekt eingehend besprochen und ein geschäftsführender Ausschuß gewählt, der demnächst mit seinem Arbeitsprogramm hervortreten wird. Obgleich das Heim vorerst nur in kleinem Rahmen gedacht ist, bedarf es doch vielseitiger Unterstützung, da dem Verein so gut wie keine Mittel zu Gebote stehen. In Fra nkfurt a. M. ist der frühere Direktor der Reichs­bankhauptstelle, Faeiligen, gestorben.

vermischtes.

* Budapest, 9. Dez. Der dem Honvedininisterium zu­geteilte 31 jährige Generalstabshauptmann BorbaS wurde heute im Badezimmer seiner Wohnung tot auf­gefunden; er wollte nachts wahrscheinlich in etwas ange­heitertem Zustande baden, hatte das Gasrohr des Bade­ofens geöffnet und wurde von dem ausströmenden Gaß halb betäubt und wollte in das Nebenzimmer flüchten. Bei dem Versuche, daS Fenster des Badezimmers einzuschlagen, erlitt er Verletzungen. Sein Diener fand die blutbedeckte Leiche. Frau und zwei Kinder des Verunglückten befanden sich z. Zt. bei Verwandten. BorbaS war einer der intelli­gentesten Offiziere deS Generalstabes.

* Kleine Tageschronik.. Das Reutersche Bureau meldet aus Cleveland: Ter Kassaschrank der amerikanischen Frau Humbert, der Schwindlerin Chadwick, der 5 Millionen Dollars in Wertpapieren enthalten sollte, wies bei der gerichtlichen Oeffnung einen solcknm Nominalbetrag an Wert­papieren auf; jedoch waren die Papiere vollständig wertlos. Ter frühere Lsfizier Kuiel, der in Graz Lconsine Traun- wicser erschossen hatte, machte in seiner Gefängniszelle einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern der linken Hand ausbiß. Ties wurde jedoch noch recAzeitig bemerkt, worauf Kusel eine Zwangsjacke angelegt wurde. K. war eine zeitlang in Berlin am Bunten Theater Wolzogens Kapellmeister. Es trat aber dort Irrsinn bei ihm zu Tage, und er mußte die Stellung aufgeben. Unter dem dringenden Verdacht, den Raubmord an der Engenie Mast, der Empfangsdame eines Arztes in Cannstadt, begangen zu haben, wurde der aus Zweibrücken gebürtige verheiratete Chauffeur Brüder- lein verhaftet. In der Nähe des Tatortes wurde eine befleckte Manschette gesunden. InLüseritz (Pommern) wurde eine junge Arbeiterin ermordet aufgefunden. Ter Zu­sammenhang mit dem vierfachen Hermsdorfer Mord ist unver­kennbar.

Bnivcrsttäts-Yachrichten.

W i e n, 9. Dez. Heute mittag veranstalteten etwa 800 deutsche Studenten in der Vorhalle der Universität eine K u n d g e b u n g gegen den Rektor Prof. Dr. Schindler, indem sie Ab- zugsruse und Pfuirufe gegen den Rektor ausstießen. Die Studen­ten besetzten die Korridore und wollten in die Rektoratskanzlei ellc- dringen, hieran tvurden sie aber von den Pedellen gehindert. Nach etwa einer balben Stunde verließen die Studenten unter Absingen

von Liedern die Universität. In der Vorhalle wurden Ankündig- nngstaseln mit Anschlägen in nichtdeutscher Sprache herabgerissen und zertrümmert. Infolge dieser Demonstrationen beschloß der akademische Senat die Schließung der Universität.

Ein Sympathie-Telegramm der Studenten der technischen Hochschule in H a n u o v e r au die deutschen Studenten in Innsbruck anläßlich der dortigen Vorgänge hat eine Be­schwerde der ö st r e i chi schien Regierung zur Folge gehabt. Ter Rektor der Hochschule und der Vorsitzende der derzeitgen und derjenige des bisherigen Studenten-Ai'sschnsses wurden nach Berlin berufen. wo ihnen im Kultusministerium wegen der Ab­sendung deS Telegramms ernste Vorhaltungen gemacht itnirbcn.

Der 1000. Student der Universität Zürich. Man schreibt aus Zürich: Zur Feier des Umstandes,, daß zum ersten Male seit ihrem Bestehen an der hiesigen Universität 1000 Studierende immatrikuliert sind, hielten die Professoren und Pri­vatdozenten ein Bankett ab. zu dem auch die Vertreter der Er­ziehungsbehörden und der Studentenschaft eingelad"N waren. Den ,.Tausendsten", einen fröhlichen bartlosenFuchs", setzte man an der Festtafel dem Rektor der Universität gegenüber. Tiefer, Professor Haab, schilderte in einer Rede die Entwicklung der Uni­versität, die umso erfreulicher sei, als just in neuerer Zeit unsere Nachbarländer ihren Studenten gegenüber ein förmlichesAus- fulwverbot" praktizieren. Ms die Universität Zürich 1833 ge­gründet worden, zählte ganz Deutschland nickst einmal 14 000 Studenten, sie selbst begann mit 161 Studenten. Wie in Teutsch- land, so folgte auch hier erst gegen Ende der 80 er und in den 90 er Jahren der große Aufschwung. 1870 hatte die Züricher Hochschule 276 Studenten, dann wuchs die Zahl bis 1890 auf 549, 1900 auf 731 und heute sind es schon 1037. Davon sind 253, also etwa 24V? Prozent, ^amen. Es ist übrigens bemerkenswert, daß sckwn im Semester 1872/73 von 437 Studierenden 110 Damen waren. Professor Zürcher teilte als Dekan der staatswissenschaft­lichen Fakultät mit, daß diese Herrn Negierungsrat Locher, den derzeitigen Vorsteher des Erziehungsdepartemcnts, zum Ehren­doktor des öffentlichen Rechts ernannte. Tie Feier der tausendsten Immatrikulation sand durch einen Fackelzug und einen Kommers der Studieren den ibreu dtbschlust.

Kunst unh Wistenschust

HcnrikIbsen bst le neue Ohnmatsanfälle. Tie Kräfte schwinden allmählich.

(-erilütslaal.

Berlin, 10. Tez. Tas Landgericht verurteilte gestern in trm Prozeß wegen des bei der Firma Siemens n. Halske verübten großen Tiebstahls von Platina im Werte von 37 000 Mark den Angeklagten Bretag zu 2Vr Jahren, Obierskv zu drei Jahren, und dessen Bruder zu zwei Jahren Zuchthaus, ferner Hartmann zu zwei Jahren, Sickler zu drei Monaten nnd Enfeleil zu fünf Monaten Gefängnis. Graßnick wurde freigesprochen. In dem Prozeß gegen Potuliki- W a l e w S k i und Genossen wegen umfangreicher Kredit­schwindeleien wurde die Gräfin Margarete Walewski zu 1 Jahr, Lydia Walewski zu 2 Jahren, Hubert zu 1 Jahr und Erdmann zu zwei Monaten O^cfängnis verurteilt.

Kiel, 9. Dez. Tas Marincgericht sprach den Heizer Stahl­berg von der Anllage des tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten frei, well er in berechtigter No t we h r die Mißhandlung durch den M a scbi n i ste n m aa t Mayer ab- welwte. Letzterer wurde wegen Mißhandlung zu vier Wochen Mittelarrest verurteilt. .

<KeriÄtssaal.

Gegen das vielerörterte Urteil des Dessauer Kriegsgerichts, worüber wir berichtet haben, haben die An­geklagten, Gefreiter Günther, Mns'etier Voigt und Unteroffizier Heine, durch ibre Verteidiger das Rechtsmittel der Berufung ein­legen lassen. Wie unseren Lesern erinnerlich sein dürfte, hatte Unteroffizier Heine die Soldaten Günther und Voigt auf dem Tanzboden provoziert, diese hatten dem Vorgesetzten das Seiten* gewel/r weggenommen. Am 21. November verurteilte das Kriegs­gericht der 8. Division nach zweitägiger Verhandlung den Ge­freiten Günther nnd den Musketier Voigt wegen militärischen Aufruhrs zu je fünf Jahren und einem Tag Zuchtbaus,, den Unteroffizier Heine wegen Körperverletzung mit der Waffe zu drei Monaten (Gefängnis. Prof. Quidde in München hat in einem Ailssatz der ,.Freistatt" dieses Urteil mit Recht einer überaus scharfen Kritik unterzogen.

Kandel nnd Wolst-wir'sistaft.

Berlin, 8. Dez. Tie unter der Leitung des Finanzministers Frhrn. v. Nbeinbabm zwischen der Preußischen Zentral- g e n o j s e n s ch a f t s k a s s e und der L a n d w i r t s cb a f t l i ch e n R e i ch s g c n o s s e n s ch a s t s b a n k, eingetragene Genossenschaft in. b. H. zu Tarmstadt, gepflogenen Verhandlungen haben heute zu einer Vereinbarung geführt, durch welche die neuerdings hervorgetretenen Meinun.gsverlchiedenheiten völlig behoben find.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber kemerlei Verantwortung.)

Gießen, 10. Dezember.

Fast nimmt es den Anschein, als habe man sich vorgenommen, die Bahnhofstraße das Stiefkind der Stadt Gießen, ge­schäftlich völlig zu ruinieren. Tie vonährigen "Auf­brüche, welche so uugünftifl in B^zug auf die Zert, nämlich gerade in der besten Geschäftszeit, von September bis Apnfi ausgeführt wurden, haben den Geschäftsleuten in der Bahnhofstraße derartigen Schaden zugefügt, daß sie heute noch mit den Folgen davon zu kämpfen haben. Nun naht die Weihnachtszeit : alle Ladeninhaber könnten jetzt hoffen, einigermaßen Ersatz rür den vorjährigen Verlust zu erhalten. Doch auch hlerdurch macht man einen Strich. Die Eingänge zu deu Läden werden durch Aufbruch des Trottoirs und A u f s ch ü 11 e n h o h e r E r d h a u f e n fast unpassierbar und die schonen Hofsnungen, in diesem Jahr teilweise die schweren Steuern verdienen zu können, scheitern völlig. Solche Zustande sind himmelschreiend. Kann denn mit dem Aufbruch nicht bis nach dem Fest gewartet werden? Hoffentlich genügen diese Zeilen, die Geschäfte von nxiteren größeren Verlusten zu bewahren, die sonst für die Zukunft un­gesunde Verhältnisse bringen.

(Anmerkung der Redaktion: Diese Klagen, die uns von verschiedenen Seiten zugingen, halten wir für sehr berechtigt. Tie Kabellegung durch die Voftoerwalt- ung brauchte doch wirllich nicht unmittelbar vor Weihnachten stattzusinden. Ungehörig ist es, daß keine Rücksicht auf die Öleschäftsleute genommen wird, die nun zusehen müssen, wie durch das Aufreißen der Straße vor Haus und Tor der Weihnachts­verkehr von ihren Läden abgelenkt und ihnen ein wahrscheinlich nicht unerheblicher Schaden zugemntet wird. Wie wir hören, babeic Beschwerden außer bei den hiesigen Behörden auch bei der Obervostdirektion in Darmstadt stattgefunden, leider ohne Erfolg. Das ist sehr bedauerlich; unbedingt hätte vermieden werden müssen, für die Kabellegung gerade die wenigen Tage zu wählen, von denen die Kaufleute sich den größten Ver- dienst versprechen.)

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Tie für Sonntag abend 8 Uhr in dem KonfirmandensaalL der JohanneSkirche angesetzte Versammlung uiib Bibelbesprechung fällt aus.

Dienstag den 13. Dezember, abends 6 Uhr, im Markuösaale, Kirchstraße 9; Vereinigung der konfirmierten weiblichen JugeltL der Marktlsgemeinde.