tucfj tagsüber anhielt und viel Schaden anrichtete, Dächer be- chadigte und Laternen zertrümmerte. In den Wäldern ist viel Windbruch zu beklagen. Von einem Neubau.wurde das Gerüst niedergerissen. Auf dem Müggelsee kenterte ein Segelboot, doch sind die Insassen gerettet. Ter telephonische Verkehr ist vielfach , gestört. — In Zürich 'stieß ein Automobil mit einem Fuhrwerk zusammen. Tie in dem Automobil befindlichen acht Personen wurden herausgeschleudert, eine Person sofort getötet und drei schwer verletzt. — In LeMans hat der Schiffsingenieur Fournier feine Frau und seine Schwiegermu tter durch Revolverschüsse getötet. Er war erst seit drei Monaten verheiratet und hatte bereits die Ehescheidungsklage angestrengt. — Gelegentlich einer Treibjagd beim Forstmeister Meier aus Gromsin (Brandenburg) wurde in der Nähe des Pluntsees die Leiche einer gut gekleideten Frau gefunden, die schon stark in Verwesung übergegangen war. Kopf und Beine waren von Raubtiere angefressen. Bei der Leiche wurde eine goldene Uhr mit Kette vorgefunden. Gerichtliche.Nachforschungen sind angestellt. — In CHarle roi (Belgien) verunglückten bei den elektrischen Werken zwei Arbeiter. Sie stürzten infolge Berührens des eilektrischen Trahtes in . einen Schacht und blieben tot. — Bei dem Erdbeben im südlichen Formosa sind mehrere Hundert Menschen umgekommen und über tausend Häuser zerstört worden.
Herichlssaal.
R. B. Darmstadt, 9. Nov. Die bekannten Vorgänge bei her Reichstags st ichwahl in Offenbach, aus welcher Tr. Becker-Sprendlingen mit großer Mehrheit als gewählt hervorging, bildeten heute den Gegenstand der Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer. Gegen die Giltigkeit der Wahl hatte der sozialdemokratische Landtagsabg. Orb-Offenbach einen Protest beim Reichstag eingelegt, worin behauptet wurde, es habe bei der Stichwahl Stimmenfang stattgefunden und der Fabrikant Böhm habe das. Geld hierzu gegeben. Orb erließ auch einen Aufruf im dortigen sozialdemokratischen Blatt, worin er alle aufforderte, die über den „Kauf von Stimmen durch eine natio- nalliberale Größe", Verabreichung von Freibier re. Auskunft geben könnten, sich bei ihm zu melden, um „das Register der Beeinflussungen, .Brutalitäten und Gesetzesverletzungen" möglichst vollständig vorführen zu können. Böhm erließ hierauf eine Erklärung, in welcher er zur Wahrung seiner Ehre „öffentlich gegen solch infame Insinuationen Verwahrung eiulegte und Orb den Vorwurf machte, daß er nicht den sittlichen Mut habe, sich vor Gericht zu verantworten, sondern sich hinter seine Immunität als Abgeordneter zurückziehe. Darauf erfolgte eine Erwiderung des Orb, die weitere persönliche Beschimvfungcn des Böhm enthielten und.in Abrede stellten, daß Orb sich hinter seine Immunität verschanzen werde. Nun reichte Böhm gegen Orb die Beleidigungsklage ein, Orb erhob Widerklage. Tas Schöffengericht Offenbach entschied in seiner Sitzung vom 3. Mai d. I., daß der von Orb für seine Behauptungen angetretene Wahrheitsbeweis vollständig mißglückt sei: es hätte, weder Stimmenkauf noch sonstige Bestechung durch Freibier oder dergl. stattgefunden, auch hätten unlaut'N'e Machinationen in keiner Weise konstatiert werden können. Angesichts der Schwere der Beleidigungen hatte das Gericht eine Geldstrafe von 600 Mk. event. ztoei Monate Gefängnis für Orb als eine angemessene Sühne erachtet, während Böhm in der Wahrung seiner angegriffenen Ehre der Schutz des § 193 zustehe und er deshalb freizusprechen sei. In d-er heutigen Verhandlung vor der Strafkammer als Berufungsinstanz erklärte sich der Kläger Böhm, dem Abg. Rechtsanwalt v. Brentano zur Seite stand, auf Befragen des Präsidenten zu einem Vergleich 'bereit, wenn der Beklagte seine Beleidigungen zurücknehme und eine angemessene Buße zahle. Nach längeren Bemühungen des Präsidenten kam folgender Vergleich zustande: Abg. Orb erklärt: Ich habe mich überzeugt, und zwar auf Grund der Verhandlimgen erster Instanz, daß. alle Behauptungen und Beschuldigungen, die ich in den beiden Nummern des Offenb. Abendbl. 285 und 293 gegen Herrn Böhm erhoben habe, tatsächlich unrichtig sind. Ich nehme daher diese Behauptungen ''nd Beschuldigungen hiermit zurück und erkläre mich bereit, an die Kasse des Offenbacher .Hilfsvereins im Laufe von vier Wochen 100 Mk. Buße zu zahlen. Herr Böhm gibt zu Protokoll: Ick erkläre, daß 'mir bei der in Nr. 298
8318
Gießen, den 9. November 1904.
Danksagung.
Für die uns bei dem Ableben unserer lieben Mutter
Frau Marie Hessler bewiesene Teilnahme und Blumenspenden sagen aufrichtigen Dank
Die rrauernden Hinterbliebenen.
Leluunitmuchnttg.
Unter dein Schweinebestand des Georg Ockel in Gießen /ft die Notlaufseuche ausgebrochen.
Gehöftsperre ist angeordnet.
Gießen, den 9. November 1904.
Großherzogli-« • ■ umr Gießen.
Herberg.
Ktlrannlmachung.
Unter dem Schweinebestand des Wilhelm Moser dahier /ft die Notlaufseuche ausgebrochen.
Gehöftsperre ist angeordnet.
Gießen, den 9. November 1904.
Großherzogin' ' ouzerantt Gießen.
_______Herberg _____ _
Bekannlmach ring.
Samstag den 12. b. Mts. wird unsere ttnibersität den 400-jährigen Geburtstag des Landgrafen Philipp des Großmütigen festlich begehen und im Anschluß an diese Feier den Neubau der Universitätsbibliothek eiuweihen.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog wird diese Festlichkeit mit seiner Gegenwart beehren.
Soweit bis setzt ieststeht, wird der Großtzerzog gegen 10 Uhr morgens hier ankommen und vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße, Liebigstraße, Franksurterstraße, Südaulage, Gartenstraße und Ludmigstvaße zur Universität fahren, gegen 12V4 Uhr sich von der Universität durch die Ludwig- und Bismarckstraße nach der Bibliothek begeben und nach Beendignng der dortigen Feier durch die Cteplmustraße, Gartenstraße, Südanlage, Fraitksurterstraße, Liebigstraße und Bahnhofstraße zum Bahnhof fahren.
Die Bewohner unserer Stadt bitten wir, ihrer Freude über die Festlichkeit unserer Universität und den Besuch unseres Landes- Herrn durch -lnsschmttcken und Beflaggen der Häuser, nanient- lief) in den oben genannten Straßen, Ausdruck zu geben.
Gicßeit, den 9. November 1904. B10/11
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. M e c u tn.
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Robert Stuhl, Musick 23.
der Offenb. Ztg. von mir veröffentllchren „Erklärung" jede Absicht, Herrn Orb zu beleidigen, fern lag und daß ich diese Aeußer- ungen zurücknehme. — Weiter verpflichtet sich Herr Orb, diesen Vergleich wörtlich in der Franks. Ztg., im Offenb. Abendbl. und in der Offenb. Ztg. auf seine Kosten zu veröffentlichen. Herr Orb übernimmt auch sämtliche Kosten des Verfahrens.
Mainz, 9. Nov. Gestern hatte sich hier vor der Strafkammer der aus Darmstadt gebürtige, 72 Jahre alte Notar Wilhelm Bechtold, der in Alzey seinen Amtssitz hat, zu verantworten. Er war angeklagt, sich im Februar bei einem Auflassungsverfahren, der falschen Beurkundung dadurch schuldig gemacht zu haben, daß er, nachdem die Urkunde bereits vollzogen war, von seinem Gehilfen eine Aenderung vornehmen ließ, statt einen Nachtragsakt aufzunehmen. Gestern bestritt er vor der Strafkammer, sich einer falschen Beurkundung schuldig gemacht zu haben. Bei den Notaren seien derartige imbedeutende Abänderungen allgemein gebräuchlich. Tas Gericht war jedoch anderer Meinung und erkannte auf die Mindeststrase von einem Monat
Kunst und Wissens^alt.
H e i d e l be r g, 9. Nov. In der heutigen Sitzung des Bürgerausschusses teilte Bürgermeister Tr. Wilkens bezüglich des Otto Heinrichbaues mit, er habe von großh. Seite erfahren, daß sie bereit sei, eine n 0 ch m a l i g e P r ü f u n g in der Richtung vorzunehmen, ob der Bau nicht als Ruine erhalten werden könne, und daß sie zunächst der Vorlage des neuen Eggert- schen Gutachtens durch den Schloßverein entgegensetzen. Es sei also damit zu rechnen, daß sich schließlich doch eine Lösung finden werde, die dem in weiten Kreisen der Bürgerschaft gehegten Wunsche entspricht, daß der Otto Heinrichbau als Ruine erhalten werden möge. ______
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. ~
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 11. November 1904: wolkig, windig, erheblich kälter, noch geringe Niederschläge (Regen- oder Schneeschauer, je nach der Höhenlage) besonders im Nordosten.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.____________
Märkte
fc. Frankfurt a. M., 10. Nov. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- p reise. Zum Verkaufe standen: 29 Ochsen, 6 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 aus Oesterreich, 47 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oesterreich, 695 Kälber, 351 Schale und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 59-63 Mk.; Bullen 1. Qual. 00—00, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 67-69 Alk., 2. Qual. 64—66 Mk., 3. Qual. 54—56 Mk., 4. Qual. 45—47 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 78—81 Pfg., Lebendgewicht 47—48 Pfg., 2. Qualität 74—76 Pfg., Lebendgewicht 43-46 Pfg., Schlachtgew. 57—61 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 68—70 Pfg., 2. Qual. 62—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.
Limburg a. d. L., 9. Nov. Fruchtnr arkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.80 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, altes, Mk. 00.00, neues 00.00 Mk., Gerste 00.00 Mk., Hafer 7.27 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.
Kirchli HachVt Ulen.
Evangelische Gemeinde.
Freitag, den 11. November, nachmittags 51 /, Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädcken derLukasgemein'de imKonfir-- mandensaal der Lukasgemeinde, Liebigstr. 56.
Pfarrer Euler.
Neueste Weldnnueu.
Berlin, 10. Nov. Es ist als sicher anz-unehmen, daß die Regierung den Reichstag zum 29. November einberufen wird. Die Tagesordnung für die erste Sitzung steht noch nicht fest, wird aber nach der offiziellen Einberufung bekannt gegeben.
Paris, 10. Nov. Es heißt, zwischen dem national
Imeckaß Öen 8.^.1994
nachmittags 3 Uhr,
wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Earl Buß und Ehefrau geb. Rumpf stehende Parzelle der Gemarkung Gießen
Flur 1/516 — 243 qm Hofraite auf dem Marktplatz öffentlich meistbietend versteigert.
Gießen, den 26. Oktober 1904. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. _________ Gros. Ba710
Verdingung.
Die Ausräumung von Flutgräben im Neustädterseld soll Mittwoch den 16. d. Mls., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht auf. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — Zuschlags- frist 14 Tage. b9/ 11
Gießen, den 8. Nov. 1904.
Städtisches Tiefbauamt.
Braubach.
Versteigerung.
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liberalen Deputierten Syveton und dem Kavallerieritt^ meister de Gail werde heute in der Nähe von Paris das vorgestern angekündigte Pistolenduell ausgefochten werden. Von einer Syveton nahestehenden Seite wird mitgeteilt,^ Syveton werde sich sofort nach diesem Duelle dem Gerichte zur Verfügung stellen. Im Laufe der Untersuchung vor dem Gerichtshöfe werde Syveton mit allem Nachdrucke betonen, daß er mit Vorbedacht gehandelt habe. Er werde sich hierbei auf das Zeugnis zweier Minister berufen, die bereits zu, Beginn jener Kammersitzung am Freitag von seinen Absichten unterrichtet gewesen seien.
Wien, 10. Nov. Aus Innsbruck wird berichtet, ev sei beschlossen worden, daß die italienische Fakultät in Innsbruck keinesfalls wieder eröffnet wird. Die Fakultät wird nach Trient verlegt.
Chicago, 10. Nov. (Eigener Drahtbericht.) Der Korre* spondcnt der hiesigen „Daily News" erzählt, es sei ihm gelungen, in Port Arthur einzudringen. Im Hasen liegen 16 Kriegsschiffe, keines davon sei abgerLstet, nur mehrere Heine seien an Land. Die japanischen Granaten richteten große Verwüstungen an, obwohl von zehn nur eine treffe. Die Stadt sei im übrigen ruhig, die Läden seien offen und die Kinder spielten auf den Straßen. General Stössel erklärte ihm, er sei überrascht, daß Knropatkin sich in Mukden befände. Dann, so sagt er, giebt es keinen Ausweg; wir muffen sterben oder kommen nach Matsuyama (das ist das Lager der russischen Gefangenen in Japan). Täglich werden 10 Pferde geschlachtet, obwohl nur noch 100 Pferde vorhanden find.
Vom Kriege.
London, 10. Nov. Tas Reutersche Bureau erfährt, ba$‘, die Subskription auf die 5proz. japanische Anleihe von 80 Millionen Pen, die am 7. d. M. geschlossen wurde, nicht weniger als 242 Million en Den ergeben habe. — Ter „Standard" erfährt aus dem Hauptquartier des General Kuroki vom 8. d. M.: Die Russen unterhalten ein ununterbrochenes Artilleriefeuer gegen den linken japanischen Flügel. Ter Erfolg jedoch ist sehr gering. Die allgemeine Lage ist unverändert. — „Taily Expreß" meldet aus Tientsin bmn' 9. d. M.: Tie Chinesen ermordeten bei Kopangtse an der nordchinesischen Eisenbalm einen französischenMissionar. — „Daily Mail" meldet aus Tschifu von gestern: Den Japanern ist es unter großen Verlusten gelungen, eine Stellung zu gewinnen, durch'welche die Eroberung aller Verteidigungswerke nördlich der Tigerschwanz-^ Halbinsel gesichert ist.
Mukden, 9. Nov. Die Ausdauer der russischen Soldaten ist bewundernswert. Viele derselben befinden sich seit drei Wochen in d en La ufg räb en , wo sie die ganze Zeit über in gebückter Stellung oder sitzend verweilen müssen, da sie jede Unvorsichtigkeit mit ihrem Leben büßen würden. Die Kälte ist se.hr groß. Tie Soldaten leiden hierunter ungemein, da sie keine Feuer anzünden dürfen. .Trotzdem tragen sie ihre Leiden mit Geduld und schicken sich ins Unvermeidliche.
London, 10. Nov. Aus Tokio wird telegraphiert, daß Bürger, Freiwillige und Polizisten jetzt die Garnison von Port Arthur verstärken. Auf beiden Seiten fielen bei dem letzten Sturm der Japaner so viele Menschen, daß eine große Zahl Leichen tag el an g un beerdigt umher lagen. Sie wurden zuweilen von den aus Port Arthur entlaufenen Hunden angefressen, bis von Schauder ergriffene russische Scharffchützen die Tiere totschossen. Tie chinesische Neustadt ist fast ganz zerstört. Der größte Teil der Ausländern gehörigen Warenhäuser und Läden ist niedergebrannt. '------------—■— ■■ -
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(Naturwissenschaftliche Abteilung.)
Sitzung
Dienstag den 15. November 1904, abends 8 Uhr, im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts (Goethestraße 55). Tagesordnung:
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