Ausgabe 
10.11.1904 Drittes Blatt
 
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Tflnbcr |tc nannten 1 eröffnet den Abend. Sie gehört zu bett sog. Londoner Symphonien itnb stammt ains der letzten Seit Meister \mnbiiv, bev Vaters der Symphonie, wie man ihn wohl nennen darf. 1792 wurde sie zum ersten Male in London anfgesnbrt und mit Enthusiasmus ausgenommen. An: bekanntesten aus ihr ist wohl das Andante, in welchem' das Thema, mit dem Haydn in den Jahreszeiten den Ackers- mann hinter fernem Pflugeflötend" einherschreiten läßt, in vier reifenden Variationen verarbeitet wird. Ten Namen Pankenschlag" hat die Symphonie, weil sich Vater Haydn in diesem zweiten Satze den Scherz erlaubt, nach dein friedlichen im primo und primissimo gehaltenen Thema einen kräftigen -Trchcsterallkord samt einem wuchtigen Paukenschlag abzuschließen. Man erzählt sich, daß er sein englisches Publikum, besonders die englischen Tarnen, welche in den Konzerten einzuschlafen pflegten, mit diesem origi­nellen Orchesteressekt aufwecken und beschämen wollte, wenn er auch selbst diese Version in Abrede stellte. IM Menuett tritt merkwürdigerweise das Trio nicht als Gegensatz, son dern als Ergänzung auf, in einer bei Haydn mehrfach be liebten Art der Melodiefuhrung. Mit einem kurzen frischen Satze, der von Uebermut und Humor sprudelt, schließt die auch heute noch gerne gehörte Symphonie ab. Mozarts Es-dur Smnphonie, von einem Unbekannten auch einmal als Schwanengesang" bezeichnet, stellt unter den letzten Sym phonien des großen Meisters dieienige dar, welche in der formalen Anlage wohl Haydnscher Art am nächsten steht- sie muß, wie uns der fröhliche Zug, der durch das ganze Werk geht, anzeigt, aus einer glücklichen Zeit des Meisters stammen. Ter langsam, spannend angelegte Einleitungs- satz geht in einen liebenswürdig heiteren Allegrosatz über, der mit seinen freundlichen, musterhaft durchgesührten Themen ein Meisterstück symphonischer Kun st, qt. Tao Andante schwelgt in zarter Anmut und Innigkeit und wird nur hier und da von einigen kräftigen, leidenschaftlichen Motiven unterbrochen. Ihm schließt sich das überaus mar­kige Menuett an, in dessen Trio die Klarinette einen hübschen, schwärmerischen Gesang erklingen läßt. UeberauS fröhlich schließt auch der an Haydnsche Art erinnernde Schlußsatz ab. Mozart zeigt sich aber trotz dieser scheinbaren formalen Anlehnung an Haydn, ebenso wie in seinem anderen Sym­phonien jener Zeit .Jupiter, E-molt, T-dur als der voll­kommene Meister des symphonischen Stiles als derjenige vor allem, welcher den Inhalt der Symphonie seinen Vor­gängern gegenüber schon erheblich vertieft hat. Und nun Beethovenserste" Symphonie! 1803 komponiert, stellte man sie fälschlicherweise als Kopie im Mozartschen Stile hin, wöbet aber verkannt wurde, daß gerade in ihr schon Beethoven sich in der ureigensten Persönlichkeit zeigt, wenn auch nicht in der Kraft und Allgewalt, wie in Nr. III, V oder gar IX. Tie Symphonie klingt für uns heutzutage einfach, sie schließt sich allerdings in der Erfindung der Themen etwa an Mozart an, und doch zeigt sich schon in der Ve rar bei tun g der Themen des ersten (Allegro) Satzes das dämonische Element eines Beethoven. Jeden­falls geht er schon hier über seine Vorgänger hinaus. Tas Andante mit seiner Imitation der Themen (sälschlichcrnunsc ost alsFuge" bezeichnet ist allbekannt, das Menuett stellt mehr ein Scherzo dar, welche Kunstform Beethoven bekannt­lich in die Symphonie einführte. Tas Finale in seiner Rondoform erfreut, wie überhaupt der leichte Scherz, die sprühende Heiterkeit, welche die ganze Synwhonie charak­terisieren, auch heute noch bett Zuhörer. Wie bie Sym­phonie schon nach ihrer ersten Aufführung ein Lieblings stück des Publikums war, so wirb sie es auch Ijeutc noch bleiben! Wir müssen an dieser Stelle dem Konzertverein und dessen musikalischen Leiter, Herrn Traut mann, unsere Anerkennung dafür zollen, daß er uns diesmal wieder köstliche Perlen der klassischen Musikliteratur vor­führt. Freunde guter Musik werden sicher auf ihre Rech- nun kommet:, zumal uns noch zwischen den Symphonien eine Reihe der schönsten Lieder Beethovens durch den hier von früheren Konzerten her allbeliebteu Konzertsänger Herrn A. L e i m e r (Frankfurt a. M. vorgeführt werden.

muticHuHig und io treffend an den Nrangerpsahs geschlagen worden, wie in diesem kurzen Einakter. Wüdenbruch bat einen ähnlichen Versuch in seiner neuesten NovelleSemiramis" (Berlin, Grote) gemacht doch während er mit heitrem Behagen einen unmög­lichen Schurken von vollendetster Widerwärtigkeit zwischen nvei gute und kluge Frauen stellte, steht bei Schnitzler ein buhlerisches Literatnrw'ibchen von imvonierend^m Gefühlssnobismus 'wischen zwei ziemlich gleich minderwertigen Männern, einem stall- duftenden waschechten Wiener Svortbaron und geräuschvollem Tugendprotz von granoioser Borniertheit und einem mit allen Hunden gehetzten raffinierten Talmigenie von bodenloser Un­geniertbeit und Skrupellosigkeit. Ter Literat wie die Literatin baben soeben beide beftigste Romanwehen schmerzlos überwunden. Ter eine Roman ist soeben in München erschienen, der andere soll das Sicht der Welt in Wien erblicken. Beide aber enthalten o unglückseliger Zufall die von den Autoren einst miteinanber gewechselten Liebesbriefe wortwörtlich. Karl Emil Franzos hat noch kur; vor seinem Tode erzählt, daß ihm eine ähnliche Geschichte einst vassiert sei, indem ihm als dem damaligen Re­dakteur einer Wiener illustrierten Zeitung ziemlich gleichzeitig von einem Herrn und einer Tarne je eine Novelle tuging, die beide größtenteils in 23rienorm geschrieben, bei näherer Ein- sicht genau dieselben Briese enthielten. Es waren die Briese, die sie miteinander während der langen Zeit ihres seligen Liebes­verhältnisses gewechselt hatten.

In dieser rasch und flüchtig schwirrenden überaus lustigen Szene auch noch warm zu werden, jich in diese pikante flcine Kröte lwnsthajt hin ein zu leb en, das war nicht die Absicht der Fran Trj'esch. Sie faßte das graziöse Stücklein nur als eine Burleske am, in, der es ihr eine angenehme und wilkommene spaßhafte Abwechslung bereitete, auch 'einmal mit dem Publikum ausgelassen zu lpeelen und zu, karikieren nach .Herzenslust. Tas ließ sich das Gteyener Publikum natürlich sehr gern und mit Recht ge­fallen uno sich 'anstecken von dem Uebermut der Ucbcrmütigen: das kokette, tetneswegs gar so unbedeutende Werklein Schnitzlers

'am dabet leider doch zu kurz. Auch Herr di Giorgi liep allzu iehr die Zügel schießen, und Herr Andreas war ja wieder iehr nett und liebenswürdig, aber, indem er so gar nicht m dre Extravaganzen seiner Mitspieler verfiel, sondern im Gegenteil gar tvemg öort den Allüren eines feudalen Sportsman und hervor­ragenden Herrenreiters zeigte, war von vornherein jede Einheit­lichkeit der Stimmung ausgeschlossen. P. W.

Tr. John SchikowsI i, Tle Entwicklung dcr § Stichen Buhn en t u n st. Lcivzig, Verlag von Johs. von ^chalicka-Ehrenseld. Preis eleg. geb. Mk. 3.. Die Kenntnis der Geschichte des deutscheii Vühnenwesens steht zur Zeit nicht im entsprechenden Verhältnis zu^dem stetig wachsenden Theater- inter-sse. Tas liegt zu einem Teil daran, daß eine anregend geschriebene knappe Uebersicht über di? Entwicklung der deutschen Bühnenkunst, die den Bedürmisien des großen Theaterpublikums entsprechen könnte, bisher fehlte; man geriet in Verlegenheit, wenn ein Theav n'reund nach einem kurzen Kompendium fragte^ aus dem rr sich über Theatergeschicküe orientieren könnte. Und Kenntnis der Bühnengeschichte ist wichtig für jeden, der zu mo­dernen Theaterfragen Stellung nehmen will, hält ihn ob von blind-r Pirn in ahme, bewahrt ihn vor himmelhoher Begeisterung hilft ihm zu tieferem Verständnis der widerstreitenden Be­strebungen. Ta ist o nun gut, daß Dr. John Schikowski, der

h. Reichelsheim, 8. Nov. Anfang dieses Jahres batten mehrere hiesige Gewerbetreibende durch Vermittlung des hiesigen Postvorstehers sich an die Oberpostdirektion in Darmstadt gewandt, um hier ein Ortsfernsprechnetz er­richten zu lassen. Da die zur Errichtung eines solchen erfor­derliche Teilnehmerzahl vorhanden war imb das nächste Oris- fernsprechnetz Friedberg neun Kilometer von hier entfernt liegt, wurde dieses Projekt von der Oberpostbirektion Darrnstabt befürwortet, und so sind denn seit 14 Tagen die unter der Aufsicht des TelegraphenbauführcrS Sude stehenden Tele­graphenarbeiter damit beschäftigt die Anlage ihrer Vollendung entgegen zu bringen. Am 6. November tonnte bereits die Leitung dc§ Ortsverkehrs in Betrieb genommen werben und wenn auch die Zahl der gegenwärtigen Teilnehmer noch ge­ring ist, so steht doch zu erwarten, baß in absehbarer Zeit auch Einwohner der übrigen uinlicgcnbcn Ortschaften von der Einrichtung ergiebigen Gebrauch machen werden. Die in den Ortschaften Dor nassen heim, Lei dH ecken, Blofeld, B i n g e n h e i in, G e 11 c n a u, E chzell befindlichen öffentlichen Fernsprechstellen, sind dem Ortsfernsprechnetz Reichelsheim unterstellt worben und dem Vernehmen nach beabsichtigen noch mehrere Ortschaften den Anschluß an bas Fernsprechnetz Reichelsheim Herstellen gu lassen.

§ Vom höheren Vogelsberg, 8. 9tov. Heute gingen heftige Schneegestöber mit starkem Nordweststurm nieder. Bald batten die Höhen ein weißes Kleid angelegt. An einzelnen Stellen blieb der Schnee liegen.

Frankfurt a. M., 9. Nov. Aus dem gestern vormittag 11,50 Uhr von hier nach Wiesbaden abgehenden Personen- zug stürzte zwischen Kastel und Kurve während der Fahrt ein etwa 3 jährige § M adchen aus einem Wagen dritter Klasse. Die Mutter zog die Notbremse. Kaum stand der Zug, als ihr schon das wie durch ein Wunder nur leicht verletzte Kiud von einem Bahnbediensteten cutgegcngebrcidjt wurde. Ein im Zuge befindlicher Arzt auS Hochheim leistete die erste Hilfe. Mutter und Kind konnten ihre Reise nach Katzcnellen- bogci: gleich fortsetzen.

Aöeröcssischkr Feiein für innere Mission,

i.

s. G i e tz e n, 8. Nov.

Tie Veranstaltungen begannen heute vormittag IOV2 Uhr im Gemeindesaal der Matthäusgemeinde mit der Tag­ung des Verbandes der obcryessischen Erziehungsvereine, der anizer den Vertretern dieser Vereine auch solche der ftarfenburger und rheinhessischen Vereine, und als Ver­treter der Behörden die Herren Regicrungsrat Tr. Wagner, Oberstaatsanwalt Theobald, Kreisamtmann Tr. Bcrnbeck- Friedberg, Beigeordneter Eurschmann, Gerichtsafsessor Schmidt beiwohnten. Ter Bericht, den der Vorsitzende, Pfarrer Röschen aus Freienscen, erstattete, ergab ein recht erfreuliches Bild von der stets wachsenden Arbeit dieser Vereine, deren gesegnetes Wirken auch vou deu Ver­tretern der Verwaltnnasbchörden mit warmen Worten an­erkannt wurde. Im ganzen stehen in ihrer Pflege 527 Pfleglinge, 72 mehr als im Vorjahre, darunter 259 unkon- sirmierte Kinder. Tie Erziehungserfolge sind im ganzen recht erfreulich. Mehr und mehr hat sich die Tätigkeit der Vereine dahin entwickelt, bau sie sich einfach den Ver­waltungsbehörden zur Unterbringung und Ucberwachung der Pfleglinge zu Ticnst stellen? Nach einigen geschäft­lichen Erörterungen wurden dann die Erfayrungen, die mit dem Zwangserziehnngsgesetz überhaupt gemacht wor­den sind, nnd welche Gesichtspunkte zu seiner Handhabung sich daraus für Richter und Verwaltungsbehörden ergeben, auf Grund der von Gerichtsassessor Schrnidt, Beigeord­neten Eurschmann erstatteten Referate besprochen. Man !var durchaus einverstanden mit den Ausführungen des zweiten Referates, day ein so tief in das Familienleben

einschneidendes Gesetz mit größter Vorsichkt nnd wirklich nur im Notfall anzuwenden sei und daß dabei vor allem' mich vermieden lverden müsse, daß man sich durch die Rücksicht auf die Uebcruahme der Kostci: seitens des Staats bestimmen lasse, das Gesetz bei Armen rascher anzuwenden. Tie Meinung allerdings, daß bei jüngeren Kindern, die noch nicht verwahrlost sind, sondern nur durch schuldvolles Ver­halten der Eltern in dringender Gefahr sind, lieber auf Grund des 8 10GG des Bürgerlichen Gesetzbuches versahren und die Kiuder unter 'Bormnndschast genommen werden sollten, um ihnen nicht den Makel der Zwangserziehung anznhängen, lvnrde nicht allgemein geteilt. Wenn das Kind seinen Eltern doch weggenommen werde, so werde das öffentliche Urteil keinen Unterschied machen, auf Grund welches Paragraphen das geschehen sei. Außerdem werde es oft an den geeigneten Vormündern fehlen. Völlig einig! war man aber wieder darin, daß die Unterbringung in Fa­milien große Vorzüge vor der Anstaltserziehnng habe und daß diese nur in Fällen besonders schwerer Verwahrlosung eintreten solle. Allerdings dürfe man in solchen von den Anstalten anch keine Wunder erwarten.

Naclimittags 4 Uhr versammelte sich dann der Vorstand mit den Synodalvertretern nnd Mitgliedern. Nach kurzen geschäftlichen Mitteilungen it. a. wurde die Rechnung der Herberge anerkannt, dem verdienten langjährigen Rech­ner, Kaufmann Gustav Windecker, der Dank dafür aus­gesprochen wnrde überFragen und Sorgen der K r a n k c n p f l e g e, b c s 0 n 0 e r s d e r l ä n d l i ch e n", ver­handelt, wozu Pfarrer Schwabe aus seinen Erfahrungen in der Gießener Tekanatskrankenpflege die grundlegenden Anssührungen gab. Es kam zu recht angeregter Aussprache, wobei die vor einiger Zeit in Friedberg zum Ausdruck ge­kommene ungünstige Beurteilung der Tekanatskrankenpflege als mit den Tatsachen im Widerspruch stehend zurückge­wiesen wurde. Tie Notwendigkeit, den Schwestern durch eine sorgfältige Leitung und geordnete Aussprache, auch unter­einander, einen Halt zu geben, führte mehr und mehr dazlu> daß auch in solchen Fäuen, in denen die bürgerlichen Ge- m ein bett Krankenpflegerinnen an stellen, die Verbindung mit der Tekanatskrankenpflege gesucht und die Schwester dem Synodalvertreter unterstellt werde.

Um 8 Uhr fand ein reich ausgcstatteter liturgisch-musika­lischer Gottesdienst in der Stadtkirche statt, in dem Kirchen- gesangvercin und Knabenchorschule köstliche Perlen unserer Kirchenmusik zu Gehör brachten und Pfatwer D. Schlosser die Ansprache hielt.

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Tagcskritik ausübt und besser als ein einseitiger Gelehrter die Bedürfnisse des Theaterpublikums kennt, in sechs knappen Ka­piteln über die Entwicklung der deutschen Bühnenkunst orientiert. Ihm kommt cs darauf an, ohne sich ins Einzelne zu verlieren, die Hauptströmungen der Tlieatergcschichte so zu schildern, wie es den Bedürinisscn des gebildeten Theaterpublikums entspricht. Er gleitet rasch durch die Zeit des Altertums, orientiert über die dilettantischen Versuche der Bürger und Schüler und die erste Zeit der Berussschauspieler, und geht dann ausführlicher auf die Reformbestrebungen des 18. Jahrhunderts und die Blütezeit der Schauspielkunst zur Zeit unserer Klassiker ein, um endlich in großen Zügen die vielseitige Entfaltung, Niedergang und Auf­stieg, im 19. Jahrhundert zu schildern und mit aktuellen Aus­führungen über die Vorherrschaft Berlins schließen. Tabei ist es ein Verdienst der Schikowskischen Taritellung, daß er das Theater int Zusammenhang mit den kulturellen Verhältnissen überhaupt, insbesondere der Literatur, sieht, und immer das Ziel vor Augen hat, gerade das für den modernen Theaterfreund Wichtigste zu bieten und ihm das Verständnis des TheaterlebenS der eigenen Zeit zu erschließen. Schikowski erreicht dieses Ziel in ebenmäßig dabinfließender Schilderung, bereit schlichte Sprache angenehm auffällt. Zur Ergänzung seiner Hauptdarstellung hat der Verfasser in instruktiven Anmerkungen ein Einzelheiten weiter aussührendes Material angefügt, daS erkennen läßt, daß seine Ausführungen das Resultat gründlicher Studien sind. Ein sorg­fältig ausgearbcitetes Register erhöht die Brauchbarkeit des mit solidem Geschmack vornehm ausgestatteten Büchleins, das allen Theaterfteunden aufs beste empfohlen werden kann.

Der Mng.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

^Fortsetzung.)

Setzen Sie sich in diesen Sessel, lieber Freund", lud der Juftizrat Ferdinand ein.Also Sie haben meinen Brief erhalten. Wo hat er Sie denn erreicht, Sie Globetrotter?"

In einem Heinen Torfe des Niesengebirges . . ."

Brrr da möchte ich nicht begraben sein! Tiese Heinen sogenannten anspruchslosen Bade- und Luftkurorte sind mir ein Greuel. Aber das ist Geschmackssache. Beeilt haben Sie sich scheinbar nickt, zu mir zu kommen."

Ich erhielt Ihren Brief vor fünf Tagen."

Und was hielt Sie so lange noch fest in jenem gräßlichen Neste?"

Ein wunderbares Ereignis. Tcnken Sie sich, ich fand dort meine frühere Wirtschafterin Bertha Wullbrandt als Fabrik­arbeiterin wieder."

Ei der Tausend, das ist ja interessant! Nun, Sie haben sie natürlich festgehalten?"

Ich machte den Versuch, aber sie entfloh und ist bis^ jetzt nicht aufzufinden. Man fürchtet sogar, sie habe sich vergiftet."

Hm( welchen Grund hatte sie dazu?"

Sie wissen ja, Herr Justizrat, welcher Verdacht auf ihr ruht."

Ja, aber der Verdacht ist falsch total falsch, lieber Freund! Wir waren da auf einer verflucht falschen Fährte."

Also bat der Amtsgerichtsrat doch redjt?"

Wer?"

Ter Amtsgerichtsrat Wernecke, welcher sich der Unglück­lichen und ihres Kindes angenommen hatte."

Ah, steckt der dahinter! Tas sieht dem Menschenfteund ähnlich. Aber Sie sprechen von einem Kinde?"

Ja dem Kinde meines Bruders und Bertha Wüll- brandts."

Also doch! Na, das konnte man sich ja denken. Aber, lieber Herr Groller, wenn Sie wissen wollen, wo sich Bertha Wüllbrandt jetzt befindet, so lesen Sie diese Tepesche, welche ich heute morgen empfing."

Tarnit reichte der Justizrat Ferdinand eine Depesche, welche lautete:Justizrat Berner, Berlin. Bitte Herrn Groller be­nachrichtigen, daß sich Bertha Wüllbrandt sckIver erkrankt bei mir befindet. Unterredung dringend notwendig. Wichtige Mit­teilungen. Pfarrer Vollmar."

Erstaunt blickte Ferdinand auf.

Wie kommt Bertha nach Wendessen?"

Ja, das weiß ich auch nicht. 9lber vorläugg mteresgert uns das Schicksal "Uertha Wullbrandts weniger, als das Leben und Sterben eines Maimes, zu dem ich Sie jetzt führen muß/

Wer ist der Mann?" . w

Ter Herr Leutnant a. D. Adalbert Ritter von Kammski/' Alle Wetter! Aber ich kenne keinen Herrn dieses Namens!" Glailb' ick sckon. Aber dieser Herr kennt Sie und kannte Ihren Herrn Bruder ... ick war genötigt, den Herrn Ritteri pfäilden zu lassen. Mein Beauftragter fand dabei diese Brief- tafckc, welche nach den darin enthaltenen Aiifzeichnungen Ihrem verstorbenen Bruder gehörte. Auch cm gerade am Todestage Ihres Bruders fälliger Wechsel, akzeptiert von Herrn von Breiten- bach, fand sich darin vor. Tas machte mich neugierig und ich begab mich zu dem Herrn von Kannnski, um ihn auszuforschen, wie er in Besitz dieser Brieftasche gekommen war. Tas weitere sollen Sie aber von ihm selbst hören, denn er will sein Ge­heimnis nur Ihnen aiwcrtrancn. Sind Sie einverstanden, so fahren wir sofort zu ihm. Viel Zeit haben wir nicht mehr zu verlieren, denn wenn nicht alles täuscht, dann sind die Tage Kaminslls gezählt."

bin bereit. Sie zu begleiten. Mer vorher möchte ich dem Amtsgerichtsrat Wcrnecke telegraphieren, um ihn über das Schicksal Bertha Wüllbrandts zu beruhigen."

Wir fahren bei der Telegraphenstation vor... das ist das einfachste."

Ja, Ste haben ^rccht.

Also kommen Sie, ich erzähle Ihnen unterwegs, wie ich die Bekanntschaft bes Herrn Von Kaminski machte. Sic haben sicherlich von dem sensationellen Spielerprozeß gelesen?"

Merdings."

Nun, in diesen Prozeß war der saubere Herr als Hauptakteur verwickelt. Sind Sic fertig? Ja dann wollen wir gehen."

Während dieser Worte hatte der Jüstizrat seinen lieber rod. angezogen, ergrisf nun Hut und Handschuhe und komplimentierte Fcrdmaud zur Tür hinaus.

Auf der Straße angefommen, winkte der Juftizrat eine Droschke erster Klasse herbei und gab dem Kutscher die Adresse, wohin er fahren sollte.

Tann stiegen die beiden Herren ein und der Wagen rollte fort. Wohin fahren wir?" fragte Ferdinand nach einiger Zeit. In bas dunkelste Berlin", entgegnete der Justizrat. lächelnd.

"Fortsetzung folgt.)